Schweizer „Read and Publish“-Vertrag mit RSC soll vollständig geheim bleiben

Als Michael Hengartner, Präsident swissuniversities und Rektor der Universität Zürich an der Open Access Konferenz Schweiz 2018 gefragt wurde, ob er im Sinne von Open Access auch die kommenden Verträge mit Elsevier und Springer öffentlich machen wird, war seine Antwort ganz klar ja.

Schliesslich ist diese Transparenz seit längerem erklärtes Ziel von Swissuniversities für die aktuellen Verhandlungen mit Elsevier, SpringerNature und Wiley:

3. Transparenz der Lizenzverträge
Die Lizenzverträge werden aus öffentlichen Geldern bezahlt. Deren Inhalte sollten entsprechend ebenfalls öffentlich zugänglich sein. Gesellschaftlich werden Vertraulichkeitsklauseln nicht mehr akzeptiert.

Factsheet zur Verhandlungsstrategie von swissuniversities, 15.3.2018

Während für diese drei Verlage noch keine neuen Vereinbarungen vorliegen, wurde im Februar 2019 ein erstes „Read und Publish“-Agreement mit RSC verkündet.

Beiläufig war zu erfahren, dass mit dem Verlag wieder Geheimhaltungsvereinbarungen eingangen wurden.

Also verlangte ich bei der Hauptbibliothek der Universität Zürich Einsicht in den Vertrag. Gemäss Zürcher Öffentlichkeitsgesetz müsste eine solche Anfrage innerhalb von 30 Tagen beantwortet werden. Doch die UZH tat sich offenbar sehr schwer mit der angeblich „zeitintensiven“ Anfrage, so dass ich die Antwort erst 120 Tage später erhalten habe.

Die Universität Zürich lehnt mein Gesuch ab und weigert sich sogar den Vertrag nur teilweise zugänglich zu machen.

Würde sie den Vertrag zugänglich machen, würde die Beziehungen zu den Kantonen der Vertragspartner beeinträchtigt. Ebenfalls habe sich RSC in seiner Stellungnahme gegen die Veröffentlichung von Vertragsstellen ausgesprochen die sich die Kosten/Preiskalkulationen beziehen.

Die Bekanntmachung des RSC-Vertrages kann zu einer Wettbewerbsverzerrung führen bzw. den Marktvorteil von RSC – als einer der ersten Verlage ein neues, zukunftsorientiertes Geschäftsmodell entwickelt zu haben – einschränken.

Insgesamt ist der Antwort leider nicht zu erkennen, dass eine sorgfältige Prüfung der rechtlichen Situation erfolgt ist. Ich werde den Entscheid bei der Rekurskommission der Zürcher Hochschulen anfechten.


Wer meine Anstrengungen finanziell unterstützen möchte:

  • CH31 0840 1016 8467 8040 6 – Christian Gutknecht, Blumensteinstrasse 17, 3012 Bern

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Bundeskanzlei verhindert freien Zugang und subventioniert NZZ Libro Verlag

Die folgende Geschichte fängt mit der Pressemeldung Bundesrat nimmt den Bericht «Die Schweiz 2030» zur Kenntnis vom 16.10.2018 an.

Die Schweizerische Bundeskanzlei hat 77 Persönlichkeiten aus verschiedene Branchen und Landesteilen eingeladen, kurz und prägnant wichtige Entwicklungen, die der Bundesrat bei der Festlegung der Bundespolitik berücksichtigen sollte, zu schildern. Gemäss Pressemeldung wird der Bericht in die Erarbeitung des nächsten Legislaturprogrammes einfliessen.

Bericht ist auch elektronisch kostenpflichtig

Normalerweise würde man nun bei solchen staatspolitisch relevanten Berichten der Verwaltung erwarten, dass der Bericht in der Pressemeldung verlinkt ist. Hier jedoch nicht. Anstelle einer URL gibt es bloss den Hinweis, dass der Bericht im Webshop „Bundespublikationen“ oder beim Verlag „NZZ Libro“ kostenpflichtig erworben werden muss.

Buch „Die Schweiz 2030“ käuflich für 34 Fr. im Shop Bundespublikationen
„Die Schweiz 2030“ käuflich für 20.50 Fr. (E-Book) und für 34 Fr. (Print) im Shop von NZZ Libro

Autorinnen haben kein Honorar erhalten

Da die Bundeskanzlei bei diesem Bericht als Herausgeberin angegeben war, erkundigte ich mich nach dem Hintergrund dieser merkwürdigen Konstellation und verlangte gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz Auskunft und Einblick in die relevanten Akten.

Hinsichtlich des Urheberrechts zu diesem Bericht gab Lorenzo Cascioni, Leiter Sektion Strategische Führungsunterstützung der Bundeskanzlei folgende Auskunft:

Die Autorinnen und Autoren haben ihren Beitrag unentgeltlich verfasst. Als Dank erhalten sie ein Gratisexemplar vom Buch. Die Urheberrechte am Text verbleiben beim Autor/bei der Autorin, die Nutzungsrechte für alle Auflagen und Ausgaben werden den Herausgebern bzw. dem Verlag übertragen.

Bund bezahlte 53’000 Franken

Hinsichtlich der finanziellen Situation wurde ich ans Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) verwiesen, welche das Bestellverfahren durchgeführt und die Abrechnung vorgenommen hat. Ich erhielt Einsicht zu den drei relevanten Bestellbestätigungen. Für die Erstellung und Gestaltung einer druckreifen PDF-Version des Berichts flossen 37k Fr. zum NZZ Libro Verlag. Für den Druck der Buchblöcke, der Umschläge und des Binden von 2000 Exemplaren wurden zusätzlich 16k Fr. an zwei weitere Firmen bezahlt:

Gestaltungsarbeiten (NZZ Libro Verlag)37’000 Fr.
Druck (Ostschweiz Druck AG)  5’530 Fr.
Buchbinderei-Arbeiten (Bubu AG)11’164 Fr
Total bezahlte Kosten durch Bund (exkl. MwSt)53’694 Fr.

Von den 2000 gedruckten Exemplare wurde die Hälfte durch die Bundesverwaltung selber beansprucht:

  • Je ein Gratisexemplar an die Autorinnen und Autoren
  • Je ein Gratisexemplar an die Kantone, Parteien und an die Parlamentarierinnen und Parlamentarier
  • Eigenbedarf innerhalb der Verwaltung (Bundesräte, Departemente/Bundeskanzlei)
  • Verkauf über Shop Bundespublikationen (ca. 500)

Subventionierung des NZZ Libro Verlags

Die andere Hälfte (1000 Ex.) wurde NZZ Libro für den Verkauf zu Verfügung gestellt. Gemäss einer (mir noch nicht zugänglichen) Basisofferte, soll für jedes durch den Verlag verkaufte Exemplar eine Rückzahlung von 20% der Netto-Verlagseinnahmen an den Bund zurückgehen. Der restliche Betrag sei als Entschädigung für die Aufwände und Vermarktung des Buches von Seiten Verlag gedacht. 

Gelingt es dem NZZ Libro Verlag alle 1000 Exemplare zu einem Preis von 34 Fr. zu verkaufen, kann er ohne eigenes Risiko und und viel Aufwand 27’200 Fr. Erlös erzielen:

34’000 Fr.  – 6800 Fr. = 27’200 Fr. 

Selbst wenn durch den NZZ Libro Verlag (1000 Ex.) wie auch durch den eigenen Shop (500 Ex.) alle bisher 1500 gedruckten Berichte verkauft werden könnten, bliebe der Bund letztlich auf Ausgaben von 30k Fr. sitzen:

53’694 Fr. – 17’000 – 6800 Fr. = 29’894 Fr.

Closed Access soll zu höherer Visibilität führen

Auf die Frage, weshalb trotz dieser enormen öffentlichen Finanzierung der Bericht nicht frei elektronisch zu Verfügung steht, antwortet Lorenzo Cascioni von der Bundeskanzlei:

Für die Buchpublikation wurde ein externer Verlag herbeigezogen, um dem Buch eine grössere Visibilität zu verschaffen. Aufgrund des kommerziellen Aspekts dieser Zusammenarbeit sind die Bücher (print und elektronisch) nur entgeltlich zu erwerben. Wir verweisen zudem auf Artikel 3 der Gebührenverordnung Publikationen. Gemäss Auskunft des BBL ist dies vorliegend die Grundlage für die Entgeltlichkeit.

Gebührenverordnung Bundespublikationen

In der Tat kann die Bundesverwaltung gemäss dieser Verordnung beim Bezug von Publikationen Gebühren erheben. Was beim Bezug von Print-Publikationen ja durchaus nachvollziehbar ist, wird aber mit der Gebühr auf die elektronische Version ad absurdum geführt. Tragischerweise wurde diese Gebühren für elektronische Publikationen erst 2015 mit der Revision dieser Verordnung eingeführt. Auszug aus dem erläuternden Bericht:

Die bisherige Gebührenverordnung Publikationen sah bis anhin keine Gebühren für elektronische Publikationen vor. Der Internet-Shop
Publikationen des Bundesamtes für Bauten und Logistik (BBL) erlaubt
es aber beispielsweise bereits heute, sowohl kostenlose wie auch kostenpflichtige elektronische Publikationen anzubieten. Die neue Gebührenverordnung trägt diesem Umstand Rechnung und sieht deshalb neu die Möglichkeit vor, für elektronische Publikationen eine Gebühr zu erheben. Dies bezieht sich insbesondere auf elektronische Publikationen, deren Erstellung oder Veredelung aufwändig ist. Nicht aufwändige
elektronische Publikationen können aber weiterhin gratis bezogen werden. Damit wird dem Bedürfnis der Herausgeber in der Bundesverwaltung entsprochen, welche einer kostenpflichtigen gedruckten Publikation eine elektronische Version zur Seite stellen wollen.

Im Weiteren ist im Öffentlichkeitsgesetz vom 17. Dezember
2004, (BGÖ; SR 152.3) Art. 17 Abs. 4 festgehalten: „Für die Abgabe von Berichten, Broschüren oder anderen Drucksachen und Informationsträgern kann in jedem Fall eine Gebühr erhoben werden“.

In der allgemeinen Gebührenverordnung vom 8. September 2004 (AllgGebV; SR 172.041.1) wird die Gebührenpflicht im Art. 2, Ziff. 1
für Dienstleistungen begründet: „Wer eine Verfügung veranlasst oder eine Dienstleistung beansprucht, hat eine Gebühr zu bezahlen“.

Mit diesen Erläuterungen fühlt man sich beim Bericht der „Die Schweiz 2030“ gleich mehrfach vor den Kopf gestossen.

  • Die Entscheidung diesen Bericht zu erstellen (und Kosten zu verursachen) lag alleine bei der Bundeskanzlei. Von einer durch BürgerInnen beanspruchten Dienstleistung, welche allenfalls eine Gebühr gemäss Verursacherprinzip rechtfertigen würde, kann insbesondere bei den Herstellungskosten der elektronischen Version, nicht gesprochen werden.
  • Alleine die Tatsache, dass die Bundeskanzlei es für sinnvoll hielt, eine Printausgabe zu erstellen, für welche eine Gebühr gerechtfertigt sein mag, begründet nicht, weshalb die elektronische Version ebenfalls kostenpflichtig sein soll. Die Kosten für das Hochladen und Hosting eines Berichts sind heute vernachlässigbar.

Fazit

Das Verbreitungsrecht zum Bericht „Die Schweiz 2030“ liegt nachwievor bei der Bundeskanzlei. Möchte sie wirklich die grösst mögliche Visibilität des Berichts erreichen, dann sollte sie diesen Bericht frei elektronisch zugänglich machen. Gemäss Gebührenverordnung Publikationen Art. 4 Abs. 3 obliegt ihr diese Kompetenz.

Die inhaltliche Verlagsarbeit von NZZ Libro wurde mit dem Gestaltungsauftrag von 37’000 Fr mehr als genügend abgegolten. Es ist unwahrscheinlich, dass diese initialen Kosten des Bundes, jemals durch die Erlöse des Verkaufs gedeckt werden. Schon gar nicht, wenn die Bundeskanzlei dem NZZ Libro Verlag in einem unverständlich grosszügigen Akt, nahezu sämtliche Gewinne aus dem Verkauf von 1000 vorfinanzierten Exemplaren überlässt.

Es wäre sinnvoller, wenn sich die Bundeskanzlei von den mitschwingenden Pseudo-Argument der Kostdeckung gemäss Verursacherprinzip gänzlich lossagen würde, und den Bericht elektronisch unter einer offenen CC-Lizenz zugänglich macht. 

Update 18.12.2018

Das BBL ergänzte auf eine weitere explizite Anfrage hin, endlich die Basisofferte, auf der festgehalten ist:

 Für jedes durch den Verlag verkaufte Exemplar erhält der Verlaggeber (Bundeskanzlei) eineRückzahlung von 20 % der Netto-Verlagseinnahmen.

Initiale Offerte für das Buchprojekt mit einer angedachten Auflage von 10’000 Exemplaren. 

Update 18.04.2019

Die Bundeskanzlei ist meinem Anliegen entgegen gekommen. Ab sofort steht das PDF im Shop Bundespublikationen frei zu Verfügung. Dies ist das Resultat einer erfolgreichen Schlichtung gemäss BGÖ beim EDÖB.

Inzwischen ist von Damian Müller (Ständerat, FDP) zur Publikation eine Interpellation (19.3232) mit diversen Fragen eingereicht worden.

Open Access Konferenz Schweiz 2018

Die Schweizer Universitäten wollen bis 2024 Open Access für ihre Publikationen erreichen. Dazu organisierte swissuniversities die mit 300 Teilnehmern die bisher grösste nationale OA-Konferenz an der Universität Lausanne. Neben den üblichen Verdächtigen der OA-Szene nahmen erfreulicherweise auch sehr viele Personen aus den höchsten Leitungsebenen des Schweizer Wissenschaftsbetriebs teil.

Schweizer OA-Strategie

Zunächst stellte Michael Hengartner, Rektor der Universität Zürich und Präsident von swissuniversities die bekannte Open Access Strategie von swissuniversities vor. An verschiedenen Stellen betonte Hengartner, dass es sich um eine typisch Schweizerische (will wohl heissen: dezentral, autonomiebewahrende, kompromissorientierte) Strategie handle. Man wolle bewusst alle Stakeholder einbeziehen, um eine möglichst breite Abstützung zu erhalten. Von Zwang wolle man prinzipiell absehen.

Beim Strategiepunkt Verhandlungen mit den Verlagen kündigte Hengartner bereits eine Verzögerung an. Die laufenden Verhandlungen mit Springer-Nature verliefen schwieriger als gedacht, so dass man das Ziel eines Read & Publish-Modell (wie es die Länder UK, NL, AUT, FIN, SWE bereits haben) für 2019 bereits aufgegeben und auf 2020 verschoben hat. Auf der OA Website von swissuniversities hat man dies in einer versteckten Ergänzung eines Absatzes bekannt gegeben:

swissuniversities passt auf Wunsch von Springer Nature die im März 2018 kommunizierte Agenda im Interesse eines erfolgreichen Transformationsprozesses zu Open Access an und handelt eine interimistische Lösung aus.

Auf Nachfrage gab sich Hengartner über die Hintergründe wortkarg. Mit Blick auf die Situation in Deutschland sehe man sehr wohl, dass die Welt beim Aufkündigen der Verträge nicht zusammenbreche. Trotzdem wolle man die eigenen Forschenden nicht in einen Nachteil versetzen, in dem sie keinen Zugang mehr auf die Inhalte haben. Man wolle grundsätzlich mit den Verlagen arbeiten und nicht gegen sie. Weiter wolle er sich nicht zum Thema äussern, da es doch klar sei, dass er nicht die Verhandlungsposition von swissuniversities bekannt geben kann. Allerdings sieht die präsentierte Strategie einen Ausstieg vor, wenn Verhandlungen scheitern. Wenn swissuniversities nun das fehlende Angebot von SpringerNature für die Transformation Open Access, wie bereits letztes Jahr unterwürfig damit belohnt, weiter brav die Abos zu bezahlen, kann man diese Strategie nicht wirklich ernst nehmen. Im Jahr 2015 zahlten die Schweizer Hochschulbibliotheken ca. 3 Mio. EUR an Springer (noch ohne Nature) nur für Abos.

Podium: Ist 2024 realistisch?

Im anschliessenden Podium wurde unter der Moderation von Axel Marion, auf einem relativ abstraktem Level diskutiert, ob die Ziele von swissuniversities realistisch seien. Gerade bei den Fachhochschulen (vertreten durch Luciana Vaccaro, Rektorin, HES-SO) und PHs (vertreten durch Hans-Rudolf Schärer, Rektor, PH-Luzern) war dann schon festzustellen, dass der ansonsten bei den Universitäten (vertreten durch Kilian Stoffel, Rektor, UniNE) vorherrschende Fokus auf Zeitschriften anders gelagert ist Schärer betonte beispielsweise, dass OA bei der Forschung aber auch den Lehrmitteln der PH für die Tausenden von Lehrpersonen in der Schweiz eine signifikante Verbesserung bewirken könnte.

Staatssekretär Dell’Ambrogio

Für den bald pensionierten Staatssekretär des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) Mauro Dell’Ambrogio war es sichtlich eine Freude zu OA referieren zu können. Schliesslich hatte sein Brief von 2015 dazu geführt, dass es bei swissuniversities endlich mit OA vorwärts ging. Viel kam dadurch ins Rollen, unteranderem auch diese Konferenz.

Man möge nun international gesehen nicht die schnellsten und ambitioniertesten sein, aber dafür sei man wohl realistisch. Der Bund könne und will sich da eigentlich nur auf diese Impulse beschränken, da das Hochschulwesen in der Schweiz (abgesehen von SNF) stark kantonal geprägt sei. Die Einflussmöglichkeit des Bundes auf den ETH-Bereich erwähnte Dell’Ambrogio nicht.

Vielmehr lobt er den beim Programm „Wissenschaftliche Information“ (SUK-P5) angewandte Mechanismus, dass nationale Projekte zu 50% von den Hochschulen selber getragen werde. So bleibe den Hochschulen die Wahlmöglichkeit und die daraus entstehende Diversität fördere letztlich gute Lösungen.

Open Access beim SNF

Am Nachmittag erklärte die Direktorin Angelika Kalt die Umsetzung von Open Access des Schweizerischen Nationalfonds SNF. Anders als swissuniversities möchte der SNF OA bereits 2020 erreichen. Der SNF zahlt inzwischen für Gold OA von Artikeln, Büchern und einzelnen Buchkapitel. Er zahlt jedoch nicht für Hybrid. Ansonsten erwartet er Green OA mit maximalen Embargos von 6 Monate bei ZS-Artikel und 12 Monate bei Buchkapiteln. Der SNF unterstützt Plan S, hat ihn aber noch nicht unterschrieben, da dazu noch einige Fragen zur Umsetzung unbeantwortet geblieben sind, und man als SNF auch gerne Plan S mit den Schweizer Hochschulen umsetzen möchte.

Podium: Kritik am APC-Modell und vom legalen Download als illegalen Quellen (Sci-Hub)

Adriano Aguzzi, Editor in Chief von „Swiss Medical Weekly“ ist wohl DER Verfechter von Platinum Open Access. Er legte sich gleich zu Beginn mit Kamila Markram, CEO von Frontiers an. Es liege auf der Hand, dass das APC-Modell dazu führe, dass profitorientierte Verlage Anreiz haben auch Inhalte mit schlechter Qualität zu überprüfen, da dadurch mehr Gewinn zu erwirtschaften sei. Kamila Markram, sichtlich genervt von diesem Vorwurf, erzählte auf Nachfrage der Moderatorin Claudia Appenzeller, zunächst die Gründungsstory von Frontiers. Sie konnte an der technischen EPFL nicht auf ihr eigenes, in den Life Sciences publiziertes Paper zugreifen. Mit ihrem Mann Henry Markram wollte sie den Missstand mit der Gründung eines Verlags beheben. Eigentlich strebten sie zunächst auch ein Modell an, welches weder den Leser noch die Autoren was kosten sollte. Die Geldsuche erwies sich jedoch schwierig. Zu Beginn floss viel unentgeltliche Arbeit rein, bis immerhin Novartis bereit war Geld einzuschiessen: ca. 100’000 [Fr.?]. 2013 kaufte sich die Holtzbrinck Gruppe bei Frontiers ein (Siehe auch 2016 Interview bei Richard Pyonder). Auf die Kritik von Aguzzi, dass dadurch doch eine Erwartung auf Gewinn vorhanden sei, antwortete Markram, dass seit 10 Jahren bei Frontiers bislang noch keine Dividenden ausbezahlt wurden. Auf kritische Nachfrage aus dem Publikum, was denn ein Investor da noch für einen Anreiz habe, antwortete Markram: „Es gibt Leute, die wollen die Welt verbessern.“

Aguzzi schlug weiter vor, dass Journals sich beispielsweise beim SNF um eine Trägerschaft bewerben, ähnlich dem Prozess für Forschungsgelder.

Daniel Hürlimann, Assistenz-Prof mit Schwerpunkt Informationsrecht, kondensiert seine Sicht auf 6 Vorschläge, die er sehr prägnant vorbrachte:

Insbesondere die Forderung nach dem Aufkündigen der Verträge, erregte bei Podiumsteilnehmer Rafael Ball, Direktor der ETH-Bibliothek, einiges an Widerspruch. Das Beispiel Deutschland sei nicht die „beste Referenz“. Er würde der Schweizer-Verhandlungsdelegation kein Vorgehen wie bei DEAL empfehlen, da es zu Unzufriedenheit bei WissenschaftlerInnen führt.

Hierauf erwähnte Hürlimann, die Schweizer Eigengebrauchsregel, wonach das reine Herunterladen selbst von illegalen Quellen legal sei, und spielte somit – ohne es explizit zu nennen – auf Sci-Hub an, wo der Content vieler Verlage nahezu vollständig verfügbar ist. Ein Trumpf, den die Schweizer Bibliotheken in ihren Verhandlungen für OA zu ihren Gunsten eigentlich ausspielen könnten. Für Ball kommt dies aber aus wohl moralischen Gründen nicht in Frage. Aber anstatt dies so zu deklarieren, bezeichnet er das Downloaden von Sci-Hub, weiterhin unbelehrbar als illegal, was vom Publikum, welches die Differenzierung nach Schweizer Recht längstens verstanden hat, jeweils mit einem Stöhnen quittiert wurde.

Open Science bei Europäischer Ebene

Weiters stellte Jean-Pierre Finance die Sicht auf Open Science aufgrund den erhaltenen Resultaten aus Umfragen (insbesondere Open Access Survey Report 2016-2017 und Big Deal Survey Report) der European University Association (EUA) dar.

Open Access aus der Sicht eines Nobelpreisträger

Anschliessend kam der 76-jährige Jacques Dubochet ans Rednerpult, welcher 2017 den Nobelpreis für Chemie erhalten hat (Siehe SRF Sendung Reporter). Er erinnert stark an das Klischee eines älteren Wissenschaftlers: Liebenswert, etwas zerstreut und ganz seiner Materie und der Wissenschaft verpflichtet. Er sprach von seiner damaligen Arbeit und der Entdeckung der Kryo-Elektronenmikroskopie, dessen vermeintlichen Durchbruch 1980 im Journal of Molecular Biology publiziert wurde. Allerdings konnte sein Team später die Resultate mit einem neuen Mikroskop nicht reproduzieren, was dann 1982 in Nature korrigierend bekannt gegeben wurde. Was sich damals bereits als Ende der wissenschaftlichen Karriere anfühlte, entwickelte sich durch eine gute Wendung letztlich positiv. Dubochet erzählte allerdings, wie er Jahre nach diesem Fehler versuchte mit seinem damaligen Kollegen, die Erkenntnis aus dem Fehler zu publizieren. Mit einem schelmischen Lächeln erzählte er, wie ihr Paper gerade vor Bekanntgabe des Nobelpreises noch bei Nature abgelehnt wurde. Deshalb wurde es dann etwas später bei PLOS Biology mit dem Titel „Ups and downs in early electron cryo-microscopy“ publiziert. Dies war offenbar seine erste Begegnung mit Open Access, dessen Idee er stark unterstützt, da er grundsätzlich findet, dass Wissenschaft dem Gemeinwohl verpflichtet sei.

Auf die Frage, ob es für den Nobelpreis wichtig war, in Nature publiziert zu haben, antwortete Dubochet, dass er dies natürlich nicht wisse, aber die relevanten Methoden seien letztlich im Journal of Microscopy publiziert worden, welches lediglich einen durchschnittlichen IF habe.

    Schlusswort von François Bussy

    Der Vizerektor Forschung der Universität Lausanne fasste die während des Tages diskutierten Fragestellungen und Themen sehr gut zusammen:

    • Green OA: Probleme mit den Embargos und Compliance
    • Gold OA: Sind APCs das beste Geschäftsmodell? Wenn Platinum OA ideal ist, wer bezahlt es?
    • Forschende sollten umbedingt mit einbezogen werden. Die grundsätzliche Zustimmung zu OA (90%), muss auch bei der Umsetzung sichergestellt sein.
    • Spannungsfeld zwischen Freiheit und Anreize/Zwang. Bussy verweist auf die kürzlich erschienene Auswertung von Funder-Mandates. Die Deadlines des SNF und swissuniversities helfe die OA-Diskussion in Lausanne vorwärts zu bringen. Es braucht eben vielleicht schon auch Zwang, aber doch mit der Wahlmöglichkeit nach Green oder Gold.
    • Bussy findet Green Road nach wie vor wichtig und schlägt ein Moratorium vor 5-10 Jahren vor.
    • Verlagerung von Abo-Kosten nach Gold OA
    • Transparenz bei den Kosten, insbesondere die Hybridzahlungen, die an der Bibliothek vorbeigehen.
    • Alternative Evaluationskriterien (auch global)
    • Weniger, aber besser Publizieren.

    Persönliches Fazit

    OA hat es in der Schweiz definitiv von der kleinen subversiven Bewegung zum Mainstream geschafft. Dies hat die Konferenz klar gezeigt.

    Grundsätzliche Kritik an OA war in Lausanne nicht zu hören. Nicht einmal von den traditionellen Verlagsvertreter (Elsevier, Springer Nature, Wiley, Kedos, Schulthess, Helbing, Peter Lang, Antipodes, Stämpfli, Karger), die gemäss Teilnehmerliste auch anwesend waren. Irritierenderweise war es einmal mehr Rafael Ball, der sich im Plenum besorgt um das finanzielle Wohlergehen der traditionellen Verlage zeigte und die Frage nach einer Kompensation aufwarf, müssten diese bei der Umstellung auf einen gewissen Teil der Einnahmen durch die Privatwirtschaft verzichten.

    Obwohl OA nun definitiv als wichtiges Ziel verankert ist, stellte sich mir nach der Konferenz einmal mehr die Frage, ob genügend Wille und Mut nach radikaler Veränderung vorhanden ist. Bereits zeichnet sich ab, dass man mangels Mut mit dem weiterfährt, wo man eigentlich schon seit 10 Jahren weiss, dass es eben NICHT die gewünschte Änderung zu OA bringt. Es fängt mit dem Einknicken gegenüber Springer Nature an, obwohl man hier ein klares Zeichen hätte setzen können. In Folge bedeutet dies das bekannte Spiel: Die fortwährenden Millionenzahlungen an den falschen Ort zementieren das Subskriptionsmodell und das Geld fehlt dann beim Finanzieren von Gold OA (in welcher Form auch immer). Wie absurd das inzwischen ist, zeigt sich zum Beispiel and der UZH, wo auch 15 Jahre nach der Gründung von PLOS, wo der jetztige Rektor Hengartner übrigens aktiv dabei war, es immer noch kein institutionelles verlags- und disziplinunabhängiges Funding für die Bezahlung von Gold OA wie PLOS oder eLife gibt.

    Bei Green OA wissen wir auch seit 10 Jahren, dass Sensibilsierungsmassnahmen und OA-Monitoring diesen Weg kaum effizierter machen. Was es braucht, ist eine Durchsetzung von oben, aber genau die will man offenbar genau bei swissuniversities (noch) nicht. Natürlich man kann jetzt noch auf das Zweitveröffentlichungsrecht hoffen. Aber wenn dies nicht kommt, wäre es für swissuniversities wohl doch der Punkt um sich zu überlegen, ob man nicht einen Gang hochschalten kann und sich Plan S anschliessen will.

    Update: 14.11.2018

    Die Videos sind nun auf der Konferenzseite verfügbar.

    Transparenz bei Subskriptionskosten in der Schweiz: Bilanz nach vier Jahren

    Vor vier Jahren, am 23. Juni 2014, habe ich die Schweizer Hochschulbibliotheken nach ihren Ausgaben an die drei grossen Verlage Elsevier, Springer und Wiley angefragt. Die Antworten waren ernüchternd. Bis auf die Tessiner Universität (USI) war keine Hochschule bereit die Zahlen offenzulegen. Mit viel Unverständnis nahm ich den juristischen Kampf für die Transparenz dieser Kosten auf. Updates und Dokumente dieses andauernden Unterfangen habe ich jeweils hier im Blog verlinkt.

    Juristische Bilanz

    Bislang musste ich bei 14 Institutionen Beschwerde einreichen. In 11 Fällen (Uni Bern, ZB Zürich, Hauptbibliothek Uni Zürich, ZHAW, ETHZ, EPFL, Lib4RI, Uni Genf, Uni Fribourg, Uni Lausanne, Bibliothek am Guisanplatz) stellte sich in teils mehrjährigen Verfahren heraus, dass der Informationszugang widerrechtlich verhindert wurde. Zwei Fälle in St. Gallen (Uni und FH) sind noch hängig. Lediglich im Fall Basel habe ich vor Bundesgericht verloren.

    Mehrheitlich kann man deshalb sagen, dass in der Schweiz die bisher leichtfertig unterzeichneten Vertraulichkeitsklauseln keine absolute Sperrwirkung haben und die bezahlten Summen alleine keine objektiven Geschäftsgeheimnisse der Verlage darstellen.

    Finanzielle Bilanz

    Für alle Rekurse habe ich bisher 22’043 CHF Gerichts- und Anwaltskosten aufgewendet. Durch das Crowdfunding, weiteren Spenden und Entschädigung durch die Gerichte kamen 6’927 CHF wieder zurück. Insgesamt musste ich somit für das ganze Unterfangen persönlich 15’116 CHF bezahlen. Dazu kommen natürlich Hunderte von Stunden, die ich für das Schreiben von Rekursen und das Bestreiten von Schlichtungen aufwenden musste.

    Meine ernüchternde Erfahrung insbesondere aus dem Rekurs gegen die Universität Genf: Selbst wenn man letztlich vor Gericht vollständig Recht bekommt, werden einem nicht automatisch die entstandenen Auslagen zurückerstattet. Es überwiegt auch die bittere Erkenntnis, dass man als Bürger ökonomisch immer verliert, wenn man gegen die Verwaltung den juristischen Weg einschlägt. Denn der Aufwand, der durch Fehlentscheide von gut bezahlten Juristinnen oder Führungspersonen in der Verwaltung verursacht wird, geht immer auf Staatskasse und letztlich wieder auf die Kosten der Steuerzahlenden.

    Bilanz zu den erhaltenen Daten

    Gerne möchte ich einmal zu den initialen Auswertungen (Uni Bern, Uni Zürich, ETHZ) eine Übersicht zu den Gesamtdaten machen und diese in Vergleich zu anderen Ländern setzen. Doch dies erweist sich als schwierig, da ich immer noch diverse grundsätzliche Lücken bestehen (Universität Basel, Hochschule Luzern, St. Gallen) und ich auch von einigen Hochschulen inzwischen keine aktualisierten Daten mehr erhalte ohne Tausende von Franken Gebühren zu bezahlen.

    Dennoch zeigen die ersten erhalten Daten, insbesondere auch die „offizielle“ Datenerhebung des SNF und swissuniversities, dass in der Schweiz weit mehr für Zeitschriften bezahlt wird als in vergleichbaren Ländern. Eine Umstellung zu Open Access, selbst zu den aktuellen Preisen der Verlage, würde die Schweiz mit einem Wechsel zu OA massiv Geld sparen.

    Bilanz für Open Access

    Noch aber hat sich bei meinem eigentlichen Anliegen „Open Access“ in der Schweiz nichts wirklich getan. Obwohl ich am Beispiel Springer erstmalig öffentlich aufzeigen konnte, dass die Schweizer Bibliotheken im Vergleich zum Ausland schon massiv schlechtere Konditionen ohne Open Access haben, entschieden sich die Verantwortlichen im Jahre 2018 weiterhin Springer und dem klassischen Modell die Treue zu halten.

    Immerhin ist inzwischen von swissuniversties eine Open Access Strategie geschaffen worden. Bis 2024 sollen alle Publikationen von Schweizer Forschenden frei zugänglich sein.

    Ebenfalls gibt es erstmals eine definierte Strategie für die kommenden Verhandlungen mit den Verlagen Elsevier, Springer Nature und Wiley. Darin ist nun auch endlich verankert, dass keine Vertraulichkeitsklauseln mehr akzeptiert werden:

    Die Lizenzverträge werden aus öffentlichen Geldern bezahlt. Deren Inhalte sollten entsprechend ebenfalls öffentlich zugänglich sein. Gesellschaftlich werden Vertraulichkeitsklauseln nicht mehr akzeptiert.

    Es wird zu testen sein, ob dem so sein wird und die Verträge aktiv offengelegt werden.

    Bilanz Öffentlichkeitsprinzip

    Das Öffentlichkeitsprinzip und die dazugehörigen Gesetze sind in meinen Augen eine grosse rechtsstaatliche Errungenschaft und gewissermassen auch eine Messlatte für den Stand einer Demokratie. Viele dieser Gesetze sind noch jung und die (Rechts-)Praxis ist noch nicht gefestigt. Meine Anstrengungen haben dazu beigetragen das Öffentlichkeitsprinzip mindestens in der Bibliotheksbranche und dem Hochschulbereich bekannt zu machen.

    Mit der zunehmenden Bekanntheit ergeben sich aber auch neue Probleme. So entdeckte man an der ETH-Bibliothek, dass man den Sinn des Öffentlichkeitsprinzips mit hohen Gebührenforderungen aushebeln kann. So forderte die ETH-Bibliothek auf meine zweite Anfrage nach aktualisierten Daten eine Gebühr von 4000 CHF. Dies fand man an der Universität St. Gallen inspirierend und verlangte plötzlich auch 3000 CHF. Es folgte die Hauptbibliothek der Universität Zürich, welche in einer zweiten Runde gar 4250 CHF für die Herausgabe verlangte.

    Rechtlich komme ich da zurzeit nicht weiter, weil die meisten Öffentlichkeitsgesetze tatsächlich Gebühren als Option vorsehen. Zumindest auf Bundesebene gibt es schon seit längerem einen politischen Vorstoss dies zu ändern. Ausgelöst durch die Gebührenforderung der Hauptbibliothek der Universität Zürich ist nun auch im Zürcher Kantonsrat eine ähnliche parlamentarische Initiative aufgegleist.

    Persönliche Bilanz

    Es war nicht immer ganz einfach in diesen vier Jahren. Meine Anfragen und Beschwerden, sowie meine Berichterstattung hier auf dem Blog missfielen gerade denjenigen, welche den bisherigen Kurs mit den Verlagen stark mitbestimmt haben oder leichtfertig mitgegangen sind. Anstatt Verantwortung zu übernehmen und diesen Kurs zu korrigieren, versteiften sich einige Akteure darauf mir persönlich Steine in den Weg zu legen. In einem Fall ging das sogar soweit, dass der Vizepräsident einer Hochschule bei meinem Arbeitgeber vorstellig wurde und mich beruflich zu diskreditieren suchte. Neben solchem Machtmissbrauch habe ich auch viel Unvermögen, Unsachlichkeit und Opportunismus erlebt, so dass ich heute gegenüber der Verwaltung viel kritischer eingestellt bin, als ich es eigentlich sein möchte.

    Umgekehrt habe ich von vielen Leuten Zusprache und tolle Unterstützung erhalten. Auch bei den wirklich unabhängigen Beschwerdeinstanzen, insbesondere von den Öffentlichkeitsbeauftragten, hatte ich den Eindruck, dass ein grosses Interesse an einer sorgfältigen Prüfung vorhanden war und man mich mit meinem Anliegen ernst nahm.

    Insgesamt bleibt dieses „Projekt“ eine wichtige Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Für Überzeugungen auch gegen viel Widerstand einzustehen, hat viel Erfüllendes. Zu sehen, dass man mit Risikobereitschaft, Engagement und die Berufung auf die gegebenen Rechte durchaus etwas in der realen Welt bewegen kann, ist letztlich viel befriedigender, als diese Erfahrung in den virtuellen Welten von Games und Serien nachzuerleben (was ich auch gerne tue).

    Natürlich wäre es schön gewesen, wenn die Bibliotheken und Hochschulen – wie in Finnland – nach dem ersten Urteil schneller zu einer konstruktiven Sachlichkeit zurückgefunden hätten. Die Energie, die selbst nach den ersten klaren Urteilen immer noch in die Verhinderung von Transparenz und gegen meine Person gesteckt wurde (und sogar immer noch wird), wäre besser direkt in den anstehenden Kampf gegen die Grossverlage geleitet worden.

    Umfrage zu Open Access an der ETH Zürich

    Die ETH Zürich führte im Februar 2017 bei ihren Forschenden eine Umfrage zu Open Access durch, deren Resultate nun veröffentlicht wurden. An der Umfrage nahmen 16% (992 von 6212) ETH-Wissenschaftler (inkl. Assistierende) teil.

    Zustimmung zu OA und Transformation.

    • 90% aller Befragten sind der Meinung, dass wissenschaftliche Publikationen grundsätzlich online frei zugänglich sein sollten. Bei der grossen SOAP-Studie (2011) waren es 89%.
    • 74% der Befragten würden eine vollständige Transformation des wissenschaftlichen Publikationswesens vom Subskriptionsmodell hin zu OA positiv bewerten.

    Boykottwille vorhanden

    Besonders interessant war die Frage, zu was ETH-Wissenschaftler bereit wären, wenn ein Verlag Zeitschriftenpreise fordert, welche aus Sicht der ETH Zürich inakzeptabel sind. Knapp 50% wären bereit auf den Zugriff zu verzichten und über 70% wären bereit die Tätigkeit in einem Editorial Board oder als Reviewer abzulehnen oder niederzulegen.

    Abbestellung_Review_Verzicht

    Für eine bloss hypothetische Frage ist diese Zustimmung zu einem Boykott sehr hoch.  Man kann sich gut vorstellen, dass bei einem entsprechenden realen Fall, bei dem die Wissenschaftler auch mit mehr konkreter Informationen versorgt werden, die Bereitschaft und Zustimmung zum Boykott noch erhöht werden kann.

    OA-Policy und Repository wenig bekannt

    • 74% der Befragten ETHZ-Wissenschaftler kennen die 2008 eingeführte verpflichtende Open Access Policy der ETHZ nicht.
    • 24% haben noch nie vom Repository ETH E-Collection (seit Juli 2017: Research Collection) gehört.
    • Academic Social Networks werden dem Institutionellen Repository gar vorgezogen:

    Wo_OA_publizieren.png

    Gründe gegen Gold-OA

    Die Gründe gegen Gold/Hybrid OA sind vielfältig:

    Gründe gegen OA.png

    Interessanterweise gibt es an der reichen ETH doch 20% Wissenschaftler, die angeben aus finanziellen Gründen nicht OA zu publizieren. Erschreckend ist die Zahl derer, die aus Unkenntnis nicht OA publiziert. Als ob es so komplex wäre.

    Gründe gegen Grün-OA

    Gründe gegen grün.png

    Auch bei den Gründen warum 600 ETH-Wissenschaftler im letzten Jahr kein Repository benutzt haben oder, um es klar zu benennen, der OA-Policy nicht nachgekommen sind, wird mehrheitlich Ahnungslosigkeit vorgeschoben.

    Finanzierung von Gold/Hybrid OA

    Die Umfrage fragte auch nach der Finanzierungsquelle und der Höhe der Ausgaben:

    Finanzierung OA.png

    Ähnlich der Resultaten aus der „Pay it forward„-Studie, scheint vielen ETH-Wissenschaftlern (Hybrid) Gold OA so wichtig, dass sie nicht auf die Bibliothek warten, bis diese verlagsunabhängiges OA-Funding anbietet oder sich um Offsetting-Verträge kümmert. Sie bezahlen APCs gleich direkt aus ihrem Forschungsetat. Dabei ist es sehr wahrscheinlich, dass Forschende auch für Hybrid OA bezahlen und es so zu dem berüchtigten Double Dip kommt.

    Unterschiede pro Gruppe

    Je nach Anstellungsform und Forschungsjahre konnten teils signifikante Unterschiede in den Antworten erkannt werden:

    • Professorinnen und Professoren stimmen am wenigsten zu, dass wissenschaftliche Publikationen grundsätzlich online frei zugänglich sein sollten. Sie fordern am stärksten eine weiterhin freie Wahl des Publikationsorgans und stimmen am wenigsten zu, dass die OA Policy generell verpflichtend sein soll. Sie bezahlen auch die höchsten Gebühren für Veröffentlichungen aller Art.
    • Wissenschaftlichen Mitarbeitenden mit befristeter Anstellung ist eine weiterhin freie Wahl des Publikationsorgans am wenigsten wichtig und sie stimmen einer vollständigen Transformation des Publikationswesen hin zu OA am ehesten zu.
    • Befragte mit mehr als 20 Jahren Forschungserfahrung stimmen am wenigsten zu, dass wissenschaftliche Publikationen grundsätzlich online frei zugänglich sein sollten. Auch einer vollständigen Transformation des Publikationswesen hin zu OA stimmen sie am wenigsten zu. Der Anteil an Personen, welche die OA Policy kennen, ist am höchsten und langjährig Forschende haben in den letzten 12 Monaten auch am meisten OA-Publikationsmöglichkeiten genutzt.

    Fazit

    Insgesamt bestätigt die Umfrage weitgehend, was man bereits über OA an der ETHZ wusste. Die OA-Policy der ETHZ ist gut, nur fehlt es ihr seit Jahren an internem Gewicht zur Durchsetzung. An der ETHZ und insbesondere in der Bibliothek gibt es niemand der die Forschenden in mühsamer Arbeit auffordert, den Postprint für diese und jene Publikation aufs Institutionelle Repository zu stellen. Entsprechend kommt so kein regelmässiger Kontakt und Austausch zwischen Bibliotheksmitarbeitenden und Forschenden zustande und entsprechend äussern sich viele Forschenden, dass sie uninformiert sind. So bleibt auch das Repository leer. Sucht man aktuell (22.8.2017) in Research Collection nach Artikeln aus dem Jahr 2017 findet man insgesamt 2797 Artikel verzeichnet, aber nur gerade mal 122 (4%) sind Open Access. Bei ZORA sind es vergleichsweise 598 von 1404, also 42%.

    Wirklich neu ist die Erkenntnis, dass Forschende sehr wohl zu Boykott-Massnahmen bereit sind. Dies widerspricht der, insbesondere der Schweiz vertretenen Aufassung vieler BibliotheksdirektorInnen, dass man als Bibliothek zwischen Verlag und Forschenden als Opfer gefangen ist und sich letztlich den Verlagen nicht widersetzen könne. Die Umfrage zeigt vielmehr, dass beim Einbezug der Forschenden und einer transparenten Information über die Preise und Verhandlungen, durchaus mit Unterstützung von Forschungsseite gerechnet werden kann. Denn letztlich begrüssen 74% der Forschenden einen Wechsel vom Subskriptionsmodell zu OA.

    Mal schauen, ob Rafael Ball den durch die Resultate der Umfrage zugespielten Ball aufnehmen kann. Noch im letzten Jahresbericht der ETH-Bibliothek, warnt Ball vor Schnellschüssen und „Aktionismus“.

    Doch zunehmend gewinnt man den Eindruck, dass auch Bibliotheken mehr und mehr tangiert werden von aktuellen politischen Umwälzungen und Ereignissen, denen sie sich nicht mehr verschliessen können und dürfen. Da ist zum Beispiel das Thema «Open Access», das deutlich mehr ist als eine weitere Spielart der Literaturversorgung. Es ist vielmehr eine politische und wirtschaftliche Problematik, die bis in die Führung von Staaten reicht und auf der gleichen Ebene wie Wirtschaftssubventionen oder Marktinterventionen abgehandelt wird. Denn die Konsequenzen sind so gewaltig und grundlegend, dass viele Akteure sie nicht mehr zu überschauen scheinen und das Thema mit einem blossen Aktionismus mit ungewissem Ausgang vorantreiben. Denn die Konsequenzen sind so gewaltig und grundlegend, dass viele Akteure sie nicht mehr zu überschauen scheinen und das Thema mit einem blossen Aktionismus mit ungewissem Ausgang vorantreiben.

    Gerade hier ist es wichtig, dass sich Bibliotheken ihrer Jahrhunderte alten Tradition als Kultur- und Gedächtnisinstitution erinnern und neuen Trends – zumal wenn sie irreversible Konsequenzen haben – mit dem notwendigen Sachverstand und der gebotenen Tiefe nähern und die beteiligten Akteure mit validen Informationen und Statements unterstützen. Die ETH-Bibliothek ist gerade bei diesem Thema im besten Sinne des Wortes professionell mit dabei: Qualifiziert, durchdacht, konstruktiv, aber ohne Schnellschüsse.

    Schweiz: Springer Open Access Agreement ab 2018?

    In der Schweiz läuft Ende 2017 die konsortiale Lizenz zu den Springer Zeitschriften aus. Bei der aktuell laufenden Neuverhandlung bietet sich für die Schweizer Hochschulen nun die Möglichkeit den nationalen Gold-OA Anteil ab 2018 schlagartig um etwa 6% zu erhöhen. Um diese Chance für OA zu realisieren, müssen die Schweizer nicht einmal besonders kreativ sein. Wie ich im Folgenden aufzeige, reicht es schon, wenn sie von Springer die gleichen Konditionen einfordern, welche für die niederländischen Universitäten schon seit Jahren gelten.

    Niederländisches Springer-Agreement als Vorbild

    Dem kürzlich öffentlich gewordenem Agreement der niederländischen Universitäten von 2015-2016 kann man nämlich folgende Zahlen für 2015 entnehmen:

    • Publishing Fees: € 2.63m
    • Reading Fees: € 200k

    In der Übersicht von der VSNU zu den Zahlungen pro Verlag/Universität werden die gesamten Ausgaben an Springer 2015 mit € 3m beziffert. Ich vermute dies hat mit dem Hinzurechnen der Mehrwertsteuer zu tun.

    Nun kann man auf openaccess.nl sehen, dass 2015 ingesamt 1927 OA-Artikel mit niederländischen Corresponding-Authors bei Springer mit OA publiziert wurden.

    openaccess.nl - Springer OA articles.png

    Wenn wir also nun die im Vertrag vereinbarten Publikationskosten von € 2.63m nehmen und diese durch 1927 Artikel dividieren, erhalten wir eine durchschnittliche APC von € 1365. Zum Vergleich: Die durchschnittliche APC bei BMC/SpringerOpen ist laut OpenAPC € 1496.

    Niederländische Konditionen im Schweizer Kontext

    Gemäss einer Analyse der Publikationen in Scopus wurden im Jahre 2015 bei Springer insgesamt 2789 Papers von AutorInnen mit Schweizer Affiliation publiziert. Dies entspricht 9% des gesamt schweizerischen Outputs. Mit dem üblichen „Corresponding Author“-Anteil von 65% kommt man dabei auf 1813 Papers, welche durch die Schweiz zu finanzieren wären. Multipliziert man diese mit der niederländischen APC kommt man auf voraussichtliche Publikationskosten von € 2.47m.

    1813 Schweizer Corresponding Author Papers * € 1365 APC = € 2.47m

    Rechnet man dann noch die zusätzliche Reading-Fee von 200k EUR und eine Mehrwertsteuer von 8% (= € 214k) dazu, ergeben sich Kosten von insgesamt € 2.88m.

    Dies wäre der Betrag, den die Schweizer Hochschulen zu bezahlen hätten, damit ihre Angehörigen einerseits den bisherigen Zugang zu den laufenden Closed-Access Inhalten hätten, und anderseits als „Corresponding Authors“ automatisch mit Gold OA und CC-BY Lizenz bei Springer publizieren.

    Teurer oder günstiger als aktuelle Subskriptionskosten?

    Bislang gibt es noch keine offizielle Angabe, was im Jahre 2015 alle Schweizer Hochschulen für Springer Zeitschriften bezahlt haben. Mit den Zahlungsdaten, welche über Öffentlichkeitsgesetz-Anfragen bekannt geworden sind, lässt sich jedoch näherungsweise eine Zahl ableiten. Aufgrund der Heterogenität der erhaltenden Daten (in CHF oder EUR, mit und ohne Mwst, nach Zahlungsjahr oder Abo-Jahr, mit und ohne Backfiles, Rückgriff auf Jahr  2014 bei HBZ und EPFL) besteht natürlich eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der Genauigkeit. Dennoch ergibt sich eine Gesamtsumme von mindestens € 2.8 m.

    Dabei fehlen die Zahlungen der mittelgrossen Universität Basel und der kleinen Universität Luzern. Die beiden Hochschulen wollen diese Zahlungen nicht bekanntgeben und juristisch lässt sich Transparenz zurzeit nicht durchsetzen (Siehe Bundesgerichtsurteil zu Basel und Antwort aus Luzern). Auch noch nicht aufgeführt sind die Zahlungen der Fachhochschulen, da die relativ sehr geringen Ausgaben nicht klar auf den Medientyp Zeitschriften aufgeteilt werden können.

    Die wohl insgesamt etwa € 3 Millionen Subskriptionskosten für Springer Journals reichen somit aus, um bei Springer ohne zusätzliches Geld OA mit CC-BY Lizenz für die eigene Artikelproduktion zu erwirken.

    Jetzt ist der richtige Zeitpunkt.

    Das niederländische Beispiel (inkl. Musterklauseln für den Vertrag) existiert. An Geld mangelt es nicht. Und die Zielvorgaben sind auch da: 100% OA und bis 2020 (SNF) und bis 2024 (swissuniversities).

    Was vermutlich noch fehlt, ist der Wille von Springer bzw. heute ja SpringerNature, den Schweizer die gleichen Konditionen zu gewähren wie den Niederländern. Und wie man so hört, möchte SpringerNature tatsächlich nicht in Verhandlungen über OA für die Schweiz eintreten, da man angeblich stark mit Verhandlungen in anderen Ländern, insbesondere Deutschland (DEAL) ausgelastet sei.

    Hoffentlich erkennen die Verantwortlichen in der Schweiz, wie unglaublich dreist eine solche Antwort ist. Das niederländische Modell ist sehr einfach und kann von SpringerNature in den verbleibenden vier Monaten für die Schweiz adaptiert werden. Etwas Wille und drei zusätzliche Seiten im Vertrag, sind alles was es braucht.

    Wenn dieser Wille bei SpringerNature nicht vorhanden ist, sollten die Schweizer Verantwortlichen die Konsequenzen daraus ziehen und den Lizenzvertrag nicht erneuern.

    Man darf SpringerNature (und die Angsthasen in den eigenen Reihen) durchaus darauf aufmerksam machen, dass der Download aus Sci-Hub für den privaten Gebrauch in der Schweiz legal ist. Und gemäss einer neueren Analyse von Himmelstein et al. sind inzwischen 89.4% aller Zeitschrifteninhalte von SpringerNature auf Sci-Hub verfügbar.

    Die Schweizer Open Access Strategie

    Bis 2024 sollen alle mit öffentlichen Geldern finanzierten wissenschaftlichen Publikationen aus der Schweiz im Internet frei zugänglich sein. So sieht es die Open Access Strategie vor, welche Ende Januar 2017 durch swissuniversities verabschiedet wurde und zu der nun bis Ende Jahr ein Aktionsplan ausgearbeitet wird.

    Die Strategie setzt hierzu auf mehrere insgesamt sinnvolle Leitlinien und Massnahmen. Im Schweizer Kontext sticht jedoch die Massnahme „Verhandlungen mit den Verlagshäusern“ besonders hervor, da sie mit relativ wenig Aufwand schnell zu einem grossen Anteil Gold OA führt:

    Bei Verhandlungen sollten verschiedenste Modelle berücksichtigt werden, wie Lizenzklauseln zum grünen OA-Weg, Mitgliedschaften bei Open-Access-Verlagen und Offset Vereinbarungen mit OA-Komponenten. Eine Ausstiegsoption muss vorgesehen sein, falls die Verhandlungen scheitern. Obwohl Offset Agreements die Stellung bestehender grosser Verlagshäuser durch die Ausweitung ihrer Rolle in die Welt von OA stärken, werden die Vereinbarungen als eine notwendige Übergangsmassnahme eingeschätzt.

    80 Prozent Open Access bei Zeitschriftenartikel aus 23 Verhandlungen

    Wie eine Analyse des Publikationsverhalten von Schweizer Forschenden anhand der Scopus Datenbank zeigt, wurden 80% von 31365 Zeitschriftenartikel im Jahre 2015 bei nur 27 Verlagen (inkl. vier OA Verlage) publiziert. 43% alleine bei Elsevier, Springer und Wiley!

    (Diagramm Full Screen)

    Würden die Schweizer Hochschulen ihre Macht als Käufer von Subskriptionen und Lieferanten von Leistungen (Manuskripte, Begutachtung, Herausgeber Tätigkeiten) gegenüber diesen 23 grössten Verlagen ausspielen und ein Offsetting von Subskriptions- und Publikationskosten fordern, wären innerhalb kürzester Zeit und ohne zusätzliche Kosten 80% der Schweizer Zeitschriftenartikel direkt bei den Verlagen in der von den Forschenden bevorzugten Verlagsversion frei zugänglich.

    Exzellente finanzielle Ausgangslage für 100% Offsetting

    Die Zahlen auf nationaler Ebene sprechen eine deutliche Sprache. Wie die offizielle Finanzflussanalyse zeigte, bezahlen Schweizer Hochschulen heute für Zeitschriften-Abonnemente (70 Mio. Franken) weit mehr, als dass sie dies bei einem global erfolgten Wechsel zu OA für die APCs der eigenen Publikationen tun müssten (30-60 Mio. Franken). Durch dieses Verhältnis von Subskription und Artikelproduktion, haben die Schweizer Hochschulen insgesamt eine relativ einfache Ausgangslage um in den Verhandlungen eine Win-Win Situation herzustellen.

    Denn jedes Angebot der Schweizer Hochschulen, dass nicht auf eine vollumfängliche Realisierung dieser Einsparungen zielt, sondern die Ausgaben auf dem heutigen überteuerten Niveau hält, ist für die Subskriptionsverlage in der Tendenz (Unterschiede pro Verlag vorbehalten) ein nachwievor gewinnbringendes und somit auch ein annehmbares Angebot.

    „Ausstiegsoption“ vorgesehen

    Wird ein solches Angebot bzw. die Forderung nach mehr OA von den Verlagen abgelehnt, sieht die Schweizer OA-Strategie eine Ausstiegsoption vor. Auch wenn diese Option nicht näher beschrieben wird, dürfte mindestens die Abbestellungen von Zeitschriften, wenn nicht gar die Einstellung von Einreichungen, Gutachten und  und Editorial Services an die Verlage gemeint sein.

    Für Schweizer Verhältnisse ist die Erwähnung einer solchen Ausstiegsoption für das Ziel OA ein besonders bedeutender Schritt. Denn wie das Projekt zur Transparenz von Subskriptionszahlungen zeigt, ist vielen Hochschulbibliotheken das Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Öffentlichkeit und das Gespür für ihre Einflussmöglichkeiten abhanden gekommen. Die Meinung, man sei auf die Inhalte der Verlage via Subskription zwingend angewiesen, ist weit verbreitet und sorgt für eine konstant schwache Verhandlungsposition.

    Dabei zeigt das Beispiel Niederlande: Signifikate Veränderungen zu OA lassen sich nur erzielen wenn die Hochschulen auch bereit sind die Big Deals aufzukündigen (in NL aktuell z.B. bei Oxford Universtiy Press).

    Verhandlungsebene erhöhen

    Ebenfalls sieht die Strategie eine Ergänzung des Verhandlungsgremium mit führenden Persönlichkeiten aus dem Hochschulwesen vor:

    Für die Verhandlungen muss ein bestehendes und erfahrenes Gremium (z.B. das Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken) durch führende Persönlichkeiten im Hochschulwesen ergänzt werden, die über die notwendigen Ressourcen und entsprechende politische Unterstützung verfügen.

    In den Niederlande war auch dies ein wesentlicher Teil der Erfolge in den letzten Jahren, wie die Vereinigung niederländischer Universitäten VSNU schreibt:

    Contrary to normal practice, the VSNU and UKB (a consortium of thirteen Dutch university libraries and the National Library of the Netherlands) took negotiations to the highest administrative level. Whereas normally, the boards of the libraries are expected to meet with the publishers, this is now done by a number of Executive Board Presidents of universities, who negotiate through the VSNU, with the mandate of all universities and university libraries, and with the support of SURF. This means that there is attention for the subject at the highest administrative level from the outset. This strong foundation has made it possible to negotiate at a different strategic level.

    Guter Start – Mieses Mittelstück – Guter Abschluss?

    Insgesamt kommt die Schweizer OA Strategie spät. Die bisherige Passivität und der immer offensichtlichere Rückstand zu anderen Ländern steht nun vermehrt im Fokus von Medien (z.B. Aargauer Zeitung, Le Courrier) und Politik (Interpellation Chevalley, Postulat Spiess-Hegglin).

    Dabei hatte man in der Schweiz eigentlich recht früh die Bedeutung des Themas verstanden. Bereits im Jahr 2006 hatten die Rektorenkonferenzen der Schweizer Hochschulen inkl. SNF und Akademien, die wichtige Berliner Erklärung unterzeichnet. Viele Hochschulen folgten mit starken OA-Policies und der Errichtung von Repositories.

    Noch im Jahre 2010 sah der Bundesrat in der Beantwortung der Motion Pfister keinen weiteren Bedarf die Ziele von Open Access durch das Gewicht des Geldgebers aktiver zu vertreten:

    Insgesamt werden nach Einschätzung des Bundesrates die Arbeiten im Bereich Open Access von den verantwortlichen Akteuren zielführend und effizient angegangen.

    Eine Einschätzung die übertrieben optimistisch war. Theophil Pfister, der im Schweizer Parlament für OA einstand, hatte zu seinen Lebzeiten nicht einmal annähernd die Chance die eigentlich einfache Vision der Berliner Erklärung umgesetzt zu sehen. Bleibt zu hoffen, dass es mit der Schweizer OA-Strategie nun endlich vorwärts geht.