Schweiz: Springer Open Access Agreement ab 2018?

In der Schweiz läuft Ende 2017 die konsortiale Lizenz zu den Springer Zeitschriften aus. Bei der aktuell laufenden Neuverhandlung bietet sich für die Schweizer Hochschulen nun die Möglichkeit den nationalen Gold-OA Anteil ab 2018 schlagartig um etwa 6% zu erhöhen. Um diese Chance für OA zu realisieren, müssen die Schweizer nicht einmal besonders kreativ sein. Wie ich im Folgenden aufzeige, reicht es schon, wenn sie von Springer die gleichen Konditionen einfordern, welche für die niederländischen Universitäten schon seit Jahren gelten.

Niederländisches Springer-Agreement als Vorbild

Dem kürzlich öffentlich gewordenem Agreement der niederländischen Universitäten von 2015-2016 kann man nämlich folgende Zahlen für 2015 entnehmen:

  • Publishing Fees: € 2.63m
  • Reading Fees: € 200k

In der Übersicht von der VSNU zu den Zahlungen pro Verlag/Universität werden die gesamten Ausgaben an Springer 2015 mit € 3m beziffert. Ich vermute dies hat mit dem Hinzurechnen der Mehrwertsteuer zu tun.

Nun kann man auf openaccess.nl sehen, dass 2015 ingesamt 1927 OA-Artikel mit niederländischen Corresponding-Authors bei Springer mit OA publiziert wurden.

openaccess.nl - Springer OA articles.png

Wenn wir also nun die im Vertrag vereinbarten Publikationskosten von € 2.63m nehmen und diese durch 1927 Artikel dividieren, erhalten wir eine durchschnittliche APC von € 1365. Zum Vergleich: Die durchschnittliche APC bei BMC/SpringerOpen ist laut OpenAPC € 1496.

Niederländische Konditionen im Schweizer Kontext

Gemäss einer Analyse der Publikationen in Scopus wurden im Jahre 2015 bei Springer insgesamt 2789 Papers von AutorInnen mit Schweizer Affiliation publiziert. Dies entspricht 9% des gesamt schweizerischen Outputs. Mit dem üblichen „Corresponding Author“-Anteil von 65% kommt man dabei auf 1813 Papers, welche durch die Schweiz zu finanzieren wären. Multipliziert man diese mit der niederländischen APC kommt man auf voraussichtliche Publikationskosten von € 2.47m.

1813 Schweizer Corresponding Author Papers * € 1365 APC = € 2.47m

Rechnet man dann noch die zusätzliche Reading-Fee von 200k EUR und eine Mehrwertsteuer von 8% (= € 214k) dazu, ergeben sich Kosten von insgesamt € 2.88m.

Dies wäre der Betrag, den die Schweizer Hochschulen zu bezahlen hätten, damit ihre Angehörigen einerseits den bisherigen Zugang zu den laufenden Closed-Access Inhalten hätten, und anderseits als „Corresponding Authors“ automatisch mit Gold OA und CC-BY Lizenz bei Springer publizieren.

Teurer oder günstiger als aktuelle Subskriptionskosten?

Bislang gibt es noch keine offizielle Angabe, was im Jahre 2015 alle Schweizer Hochschulen für Springer Zeitschriften bezahlt haben. Mit den Zahlungsdaten, welche über Öffentlichkeitsgesetz-Anfragen bekannt geworden sind, lässt sich jedoch näherungsweise eine Zahl ableiten. Aufgrund der Heterogenität der erhaltenden Daten (in CHF oder EUR, mit und ohne Mwst, nach Zahlungsjahr oder Abo-Jahr, mit und ohne Backfiles, Rückgriff auf Jahr  2014 bei HBZ und EPFL) besteht natürlich eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der Genauigkeit. Dennoch ergibt sich eine Gesamtsumme von mindestens € 2.83m.

Dabei fehlen die Zahlungen der mittelgrossen Universität Basel und der kleinen Universität Luzern. Die beiden Hochschulen wollen diese Zahlungen nicht bekanntgeben und juristisch lässt sich Transparenz zurzeit nicht durchsetzen (Siehe Bundesgerichtsurteil zu Basel und Antwort aus Luzern). Auch noch nicht aufgeführt sind die Zahlungen der Fachhochschulen, da die relativ sehr geringen Ausgaben nicht klar auf den Medientyp Zeitschriften aufgeteilt werden können.

Die wohl insgesamt etwa € 3 Millionen Subskriptionskosten für Springer Journals reichen somit aus, um bei Springer ohne zusätzliches Geld OA mit CC-BY Lizenz für die eigene Artikelproduktion zu erwirken.

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt.

Das niederländische Beispiel (inkl. Musterklauseln für den Vertrag) existiert. An Geld mangelt es nicht. Und die Zielvorgaben sind auch da: 100% OA und bis 2020 (SNF) und bis 2024 (swissuniversities).

Was vermutlich noch fehlt, ist der Wille von Springer bzw. heute ja SpringerNature, den Schweizer die gleichen Konditionen zu gewähren wie den Niederländern. Und wie man so hört, möchte SpringerNature tatsächlich nicht in Verhandlungen über OA für die Schweiz eintreten, da man angeblich stark mit Verhandlungen in anderen Ländern, insbesondere Deutschland (DEAL) ausgelastet sei.

Hoffentlich erkennen die Verantwortlichen in der Schweiz, wie unglaublich dreist eine solche Antwort ist. Das niederländische Modell ist sehr einfach und kann von SpringerNature in den verbleibenden vier Monaten für die Schweiz adaptiert werden. Etwas Wille und drei zusätzliche Seiten im Vertrag, sind alles was es braucht.

Wenn dieser Wille bei SpringerNature nicht vorhanden ist, sollten die Schweizer Verantwortlichen die Konsequenzen daraus ziehen und den Lizenzvertrag nicht erneuern.

Man darf SpringerNature (und die Angsthasen in den eigenen Reihen) durchaus darauf aufmerksam machen, dass der Download aus Sci-Hub für den privaten Gebrauch in der Schweiz legal ist. Und gemäss einer neueren Analyse von Himmelstein et al. sind inzwischen 89.4% aller Zeitschrifteninhalte von SpringerNature auf Sci-Hub verfügbar.

Die Niederländischen Offsetting-Verträge

Ende 2016 veröffentlichen die Niederländischen Universitäten ihre Subskriptionskosten an die grossen wissenschaftlichen Verlage. Auf eine weitere Anfrage gestützt auf das Niederländische Öffentlichkeitsgesetz haben die Universitäten nun gar die Verträge mit den grösseren Verlagen offengelegt. Diese sind wegen den weltweit einzigartigen Offsetting-Vereinbarungen besonders interessant. Durch harte Verhandlungen haben die Universitäten erreicht, dass neben dem Zugriff auf die Subskriptionsinhalte, die lokale Artikelproduktion automatisch durch die Verlage OA geschaltet wird.

Elsevier und Springer gegen Transparenz

Einzig Elsevier und Springer stimmten einer Veröffentlichung der Verträge nicht zu. Die  Niederländischen Universitäten haben darauf hin ein Komitee zusammengesetzt, welche zur rechtlichen Situation eine Beurteilung vornahm. Das Komitee kam im Mai 2017 zum Schluss (Siehe Entscheide: Elsevier, Springer), dass die von den Verlagen vorgebrachten Argumente (Geschäftsgeheimnis und unverhältnissmässige Benachteiligung) das Interesse an Transparenz nicht zu überwiegen mögen. Diese Entscheide können von Elsevier und Springer noch gerichtlich angefochten werden. Derweil ist der Vertrag mit Elsevier bereits an scienceguide.nl geleaked worden.

OA Komponente in den Verträgen

Wie ein Blick in die Verträge zeigt, wurde die Forderung nach OA für die niederländische Artikelproduktion je nach Verlag unterschiedlich gelöst. Meist wurde jedoch im bisherigen Lizenzvertrag noch ein Abschnitt zu OA eingefügt:

 

Wiley

2. Agreement

Wiley agrees to the hybrid open access publication of accepted primary research material and review articles as requested by Corresponding Authors through a WOAA in consideration of the fee outlined in Appendix D and for no additional APC. This agreement will commence for articles accepted from [] February 2016 and end on 31st December 2019.

3. Wiley’s Obligations

In consideration of the payments listed in Appendix D and subject to the terms and conditions of this Agreement, Wiley shall during the Term of this Agreement:

  1. not charge a Corresponding Author an APC for any primary research material submitted by such Corresponding Author that is accepted for publication in Hybrid Open Access Journal and authorised by the Member Institution, provided the Corresponding Author submits said material according to the WOAA workflow put forward by Wiley. If a Corresponding Author requests Wiley to change the publication basis of his/her submission prior to publication, Wiley will do so; changes cannot be made post-publication. Any APC incurred outside the WOAA workflow is not covered by this Agreement;
  2. list the Member Institution on the Wiley’s Author Services site and in the hybrid open access order form as an Institutional Account Holder,
  3. provide a link from the entry for the Member Institution on the Institutional Account List on Wiley Online Library to the Member Institutions.
  4. identify on Wiley Online Library the articles that are available on an Open Access basis in the Hybrid Open Access Journals
  5. provide an annual report to Member Institutions within 4 months of the end of each calendar year of all articles (open access and otherwise) published by Corresponding Authors in the Hybrid Open Access Journals.
  6. provide access to each Member Institution to the Wiley Open Access Account Dashboard which allows the Member Institutions access to all article and transactional dntn related to their authors.

(Auszug von: http://vsnu.nl/files/documenten/Domeinen/Onderzoek/Open access/Wiley.pdf)


Elsevier

Pilot Gold Open Access

The Authorized Users of the Institutions shall have the right during the term of this Agreement to submit a total of 3,600 journal articles under the Pilot Gold Open Access for publication to Elsevier and, if accepted after peer review, to be published at no additional costs under the Pilot Gold Open Access after which the journal article shall be published under a CC-BY or CC-BY-NC-ND license as determined by the submitting Authorized User. Submitting Authorized Users under the Pilot Gold Open Access shall not be required to transfer any copyright in their work to Elsevier, instead submitting Authorized Users grant exclusive rights to Elsevier in the journal article publishing process. The submitting Authorized Users shall have the same rights to reuse the published journal article as those allowed to third party users of the journal article under the selected CC license.

The number of journals published by Elsevier which are available for the Pilot Gold Open Access are selected by Elsevier in agreement with the Subscriber and are based upon the domain and NL publishing behavior required to meet the respective quota as described above in Gold Open Access journal articles and attached in Schedule 1.2 of this Agreement. The additional number of Elsevier journals to be selected by Elsevier in agreement with the Subscriber for the subsequent year(s) will be determined by the number of articles published by the Authorized User under the Pilot Gold Open Access compared to the previous year and shall be listed in Schedule 1.2 of this Agreement by means of an amendment in writing to this Agreement.

Elsevier shall on a monthly basis provide Subscriber a report of the total number of Gold Open Access journal articles published under this Agreement. Elsevier will make available on a semiannual basis a complete report of all articles (open access and otherwise) published by Authorized Users.

In the event the number of journal articles under the Pilot Gold Open Access has not been reached during a particular calendar year such unused number of journal articles shall cany forward to the next calendar year, however unused journal articles will be forfeited upon termination of the term of this Agreement.

Elsevier will not levy article processing charges directly on Authorized Users of the Institutions in relation to the selected Journals under the Pilot Gold Open Access described herein. The aforementioned does not prejudice Elsevier’s right to charge article processing charges from submitting Authorized Users to the extent these fall outside the scope of selected journals under the Pilot Gold Open Access.

The Institutions shall ensure that Authorized Users who wish to submit article manuscripts shall identify themselves as being eligible in the course of Elsevier’s publishing work-flow.

(Auszug von: http://www.scienceguide.nl/media/1925623/oa_paragraph_elsevier_and_consortium.pdf)


Sage

Clause 17:        Open access publishing

  1. Authors who are affiliated to the Institution and who qualify as eligible Authors according to the conditions set out in Attachment X are allowed to publish their articles in open access in the Hybrid Open Access Journals via Sage Choice at no costs to them.
  2. The applicable open access publishing terms and conditions are covered in Attachment X (‚Open Access Publishing“).
  3. Parties will agree to and evaluate relevant workflows and tools with regard to open access publishing.
  4. Eligible Authors may include and make available the final version (Publisher PDF version) in the institutional repository of the Institution and on the personal web pages of the employee concerned.
  5. Articles are made available under the Creative Commons Attribution License 3.0 or the Creative Commons Attribution Non-Commercial 3.0 License. Publisher will inform SURFmarket as soon as CC-BY version 4.0 has been implemented.
  6. Publisher will use its best efforts to work on providing an automated article upload service to designated repositories.
  7. Publisher will deliver a quarterly report to SURFmarket of the articles that have been published in Open Access in hybrid Journals. The report gives an overview of the corresponding authors(s), the affiliation of the corresponding author(s), the article title and Journal volume, per institute. The report will be delivered within 4 weeks after the end of each quarter.
  8. Publisher will use its best efforts to deliver to SURFmarket a full report of all articles (open access and otherwise) published by the Institutions over the period 1 January until 30 June and l July until 31 December. The report gives an overview of the Institutions, the corresponding author(s), the affiliation of the corresponding author(s), the article titles. Journal volumes and open access Y/N. The report is delivered within 4 weeks after the end of the 6 month periods.
  9. For journals running in the standard production workflow, Publisher will use Its best efforts to incorporate tags in meta-data to indicate If an article has been published in open access http://www.niso.org/news/pr/view?item_key=641bc3f6540b533afee9e7db9edebb6dd5b0ed81
  10. The Parties agree to and evaluate the business model, including the number of published articles. Six months before the Agreement automatically ends the parties agree to meet and compose a written evaluation report on the collaboration.

(Auszug von: http://vsnu.nl/files/documenten/Domeinen/Onderzoek/Open%20access/Sage.pdf)


De Gruyter

Clause 5:    Open access publishing

  1. Authors who are affiliated to the Institution and who qualify as Eligible Authors according to the conditions set out in Attachment C-b are allowed to publish their articles in open access in the Open Access Journals at no costs to them.
  2. The applicable open access publishing terms and conditions are covered in Attachment C-b („Open Access Publishing“)
  3. Parties will agree to and evaluate relevant workflows and tools with regard to open access publishing
  4. Eligible Authors may include and make available the final version (Publisher PDF version) in the Institutional repository of the Institution and on the personal web pages of the employee concerned.
  5. Articles are made available under the Creative Commons Attribution License 4.0 or the Creative Commons Attribution Non-Commercial 4.0 License
  6. Publisher will work on providing an automated article upload service to a central, designated repository
  7. Publisher will deliver a monthly report per institute of the articles that have been published in Open Access in hybrid journals in each month. The report gives an overview of the corresponding author(s), the affiliation of the corresponding author(s), the article title and journal volume, per Institute. The report will be delivered within 4 weeks after the end of each month;
  8. Publisher will deliver a full report of all articles (open access and otherwise) published by the Institutions over the period  1 January until 30 June and 1 July until 31 December. The report gives an overview of the Institutions, the corresponding author(s), the affiliation of the corresponding author(s), the article titles, journal volumes and open access Y/N. The report is delivered within 4 weeks after the end of the 6 month periods.
  9. For Journals running in the standard production workflow, Publisher will incorporate tags in meta-data to indicate if an article has been published in open access http://www.nfais.org/index.php?option=com_content&view=article&id=140:niso-publishes-recommended-practice-on-metadata-indicators-for-accessibility-and-licensing-of-e-content&catid=23:industry-news&Itemid=113
  10. The Parties agree to and evaluate the business model, including the number of published articles. Six months before the Agreement automatically ends the parties agree to meet and compose a written evaluation report on the collaboration.

(Auszug von: http://vsnu.nl/files/documenten/Domeinen/Onderzoek/Open access/Walter de Gruyter.pdf)


Karger

Clause 5:    Open access publishing

  1. Authors who are affilIated to the Institution and who qualify as Eligible Authors according to the conditions set out in Schedule C-b are-allowed to publish their articles-in open access in the Journals set out in Schedule C-a free of open access fees. Open Access fees are independent of any standard production charges that may apply during the production process.
  2. The applicable open access publishing terms and conditions are covered in Attachment x („Open Access Publishing“).
  3. Parties will agree to and evaluate relevant workflows and tools with regard to open access publishing.
  4. Eligible Authors may include and make available the final version (Publisher PDF version) in the institutional repository of the Institution and on the personal web pages of the employee concerned. Reposted Open Access articles must:
    • Follow the terms of the relevant Creative Commons license
    • Be linked to the final version on www.karger.com
    • Include the following statement: ‘The final version of this article is available at http://www. karger:com/?doi={insert DOI}
  5. Articles are made available under the Creative Commons-Attribution-License CC-BY-NC-ND.
  6. Publisher will provide articles to Pubmed Central.
  7. Publisher will deliver to SURFmarket a monthly report per institute of the articles that have been published in Open Access in hybrid journals in each month. The report gives an overview of the corresponding author(s), the affiliation of the corresponding author(s), the article title and journal volume, per institute. The report will be delivered within 4 weeks after the end of each month.For journals running in the standard production workflow, Publisher will incorporate tags in meta-data to indicate if an article has been published in open access http://www.niso.org/news/pr/view?item_key=641bc3f6540b533afee9e7db9edebb6dd5b0ed81
  8. The Parties agree to and evaluate the business model, including the number of published articles. Six months before the Agreement automatically ends the parties agree to meet and compose a written evaluation report on the collaboration.

(Auszug von: http://vsnu.nl/files/documenten/Domeinen/Onderzoek/Open access/Karger.pdf)


Emerald

Open Access

  1. Subject matter

The parties now intend to combine these two collaboration formats (subscribing/licensing and open access publishing) as a pilot. This pilot will be contractually linked via this Schedule and its attachments („the Agreement“).

The parties make publishing in open access format, in a specified collection of established subscription journals with an Open Access option, (in the following „Open Access Journals“, see

Attachment 3) available to eligible authors that are affiliated to the Institute as described in

Attachment 2. In 2016,15 APC vouchers are available; In 2017 30 APC vouchers are available, In 2018, 45 APC vouchers are available. Unused access vouchers shall not be carried over into the following year(s). All articles eligible for APCs will be subject to the respective journal’s editorial and peer review processes.

The parties also agree to make Journal content available to the Institutes via a Publisher platform, currently http://www.emeraldinsight.com („the Licensed Material“, Attachment 3)

Furthermore the parties plan to evaluate the experiences of this combined availability of the points indicated above to explore future cooperation and a mutually sustainable model. To reach these agreed objectives, this Agreement consists of a publishing part (clause 2) and a platform part (clause 3).

  1. Open access publishinga) Terms and conditions of open access publishing

Authors who are affiliated to the Institute and who qualify as Eligible Authors according to the conditions set out in Attachment 2 are allowed to publish their articles as open access in the subscription journals at no financial cost to them. If the allocated vouchers expire before the year has ended, authors will need to pay the standard APC, subject to the acceptance of their article via the journal’s editorial and peer review processes.

The applicable open access publishing terms and conditions are covered in Attachment 2 („Open Access Publishing“).

If an article is accepted following full peer review, eligible authors may redeem an APC voucher (subject to availability). Articles published with an APC voucher will be published under the Creative Commons Attribution License 3.0 or (Creative Commons Attribution License 4.0 for some Emerald Publishing Services titles). Articles published under these licences will be hosted on http://www.emeraldinsightht.com and free of any paywall. Authors may deposit articles published under these licences on any webpage, subject to full attribution.

Authors not using tokens will be subject to Emerald’s Green Open Access policy as outlined on the Emerald Author rights page.

      b) Terms and conditions of open access publishing

Publisher will report on a quarterly basis how many articles have been published via Open Access Publishing and send this report to the Institute.

Publisher will make available on a semi-annual basis a complete report of all articles (open access and otherwise) published by (corresponding) Authors which will enable the Institute to verify the correct Implementation of the Agreement.

For journals running in the standard production workflow, the Publisher will clearly indicate articles which have been published as Gold Open Access.

  1.   Evaluation

The parties agree to and evaluate the pilot, including the number of published articles. Six months before the Agreement automatically ends the parties agree to meet end compose a written evaluation report on the collaboration.

Terms and Conditions for Open Access Publishing for Authors

  1. Eligible authors

Students enrolled or accredited to one of the institutions and the teaching and research staff employed by or otherwise accredited to one of the Institutions.

In case of articles published by multiple authors, the corresponding author will be the Eligible author. Corresponding author shall be the author who signs the publishing agreement.

Authors are only eligible once their article has been accepted following the Journal’s peer review and editorial processes, and they have completed an Emerald Open Access Licence. Currently this Licence refers to the Creative Commons Attribution License 3.0 or the Creative Commons Attribution I 4.0 License for some Emerald Publishing Services journals.

  1. Eligible Article Types

The following standards have to be met by the open access articles:

  • Articles have to be original and not infringe on any law and/or third party right and meet ethical standards;
  • Article types Include:
    • General review
    • Secondary article
    • Research paper
    • Literature review
    • Case study
    • Viewpoint Conceptual paper
    • Technical paper
  1. Open Access Vouchers

Publisher and SURFmarket have agreed to issue 15 Open Access vouchers in 2016. In the license year 2017 this shall be upgraded to 30 vouchers and in the license year 2018 this will be 45 vouchers. Vouchers that have expired may not he used In successive years.

  1. The parties‘ obligations

The parties have the following obligations regarding the Open Access Publishing:

  • Publisher shall not levy article processing charges directly on Authors who have Identified themselves and whose eligibility has been verified;
  • Publisher shall alert authors to the availability of OA vouchers. Authors will be directed to contact their institutional library in order to request a voucher;
  • The redemption of an APC voucher shall not influence the peer review process a. editorial decision(s), nor interfere with any of Emerald’s COPE-compliant ethics or submission guidelines;
  • Institute shall ensure that Authors shall identify themselves as being eligible in the course of the Publisher publishing work-flow. In case authors have not identified themselves as being eligible, once an article has been published in a subscription Journal, or online-first or earlycited, the author is not eligible anymore to publish the article as Gold Open Access.
  • Publisher shall provide email notifications to the Institutes each time an Author has Identified himself as eligible.
  • Institute shall ensure that the Institutes confirm or deny the eligibility of the author. In case Publisher does net receive either a confirmation or a denial within 3 business days after Publisher has notified the Institute, Publisher shall deem the author to be eligible and continue the publishing process.
  • The parties may change this identifying process and amend this Agreement accordingly by
  • mutual consent and with an appropriate notice period.

(Auszug von: http://www.vsnu.nl/files/documenten/Domeinen/Onderzoek/Open%20access/Emerald.pdf)


 

Corresponding Authors von den teilnehmenden Hochschulen werden dadurch berechtigt, ohne zusätzliche Kosten oder mit einer stark reduzierten APC in den entsprechenden Hybrid-Programmen der Verlage und unter einer bestimmtem Creative Commons Lizenz zu publizieren. Zusätzlich verpflichten sich die Verlage den Hochschulen periodisch Bericht über die OA-Publikationen zu erstatten.

Desweiteren wird ein Gesamtpreis über alle Verlagsdienstleistungen vereinbart. Die spannende Frage wie man zu diesem Preis gekommen ist (also die eigentliche Preiskalkulation mit dem Offsetting) geht aus den Verträgen nicht im Detail hervor.

Preise

Eine Zusammenstellung der VSNU zeigt jedoch, dass bei den allermeisten Verlage die Preise auf dem Niveau der bisherigen Subskriptionsausgaben verbleiben und Preiserhöhungen im Bereich von 2-5 Prozent pro Jahr vorgesehen sind. Lediglich bei Karger und RSC ist der Anstieg der Kosten um 23% relativ hoch. Das mag vielleicht damit zusammenhängen, als die Niederländer im Wert weit mehr dort publizieren, als dass sie aktuell abonnieren.

Modalitäten für Forschende

Auf openaccess.nl wurde für niederländische AutorInnen eine Übersicht zu den neuen OA-Möglichkeiten geschaffen. Neben dem eher unpraktischen Voucher System (Emerald, RSC) bzw. APC-Waiver-Code (LWW) gibt es doch einige Verlage (Wiley, De Gruyter, Springer, Taylor & Francis), welche die Affiliation eines Autors erkennen und das Paper automatisch in ihrem Hybrid Programm publizieren. Teils hat der Autor dann noch die Möglichkeit eine CC-Lizenz seiner Wahl (meistens aber die von der OASAP empfohlenen CC-BY) zu bestimmen. Die Verrechnung der APC verläuft überall im Hintergrund.

Für die VSNU hat Elsevier den bestehenden Workflow für die Hybrid-Bezahlungen von Forschungsförderer angepasst:

Monitoring

Mit den meisten Hybrid-Verlagen hat die VSNU ein periodisches Reporting über die bezahlten OA Artikel vereinbart. Dieses wird auch auf auf openaccess.nl visuell zugänglich gemacht:

OA-Monitoring-Offsetting-VSNU.jpg

Neue Massstäbe

Die Niederländischen Verträge setzen klar neue Massstäbe. Wie bereits bei der SCOAP3-Spezifikation werden Verlage wieder korrekt als Dienstleister behandelt und die Hochschulen verstehen sich endlich als bestimmende Auftraggeber mit einer Verantwortung der Gesellschaft und der Wissenschaft gegenüber.

Man kann selbstverständlich die eingegangen Vereinbarungen als zu teuer oder als „System-unterstützend/verlängernd“ kritisieren. Doch wer das tut, der soll bitte auch Kritik an den Big Deals ausüben die anderswo (wie z.B. in der Schweiz) nachwievor ohne Berücksichtigung von OA still und heimlich abgeschlossen werden.

Kritik – Gold OA wird vernachlässigt

Unschön und deshalb zurecht am „Dutch Approach“ kritisitiert, bleibt jedoch der starke Fokus auf Hybrid, währenddessen (noch) keine durchgängige reine Gold OA-Finanzierung vorhanden ist. Nur wenige Universitäten (z.B. TU Delft und Utrecht) bieten finanzielle Unterstützung für das Publizieren in reinen OA-Journals an.

Überraschend hat zudem der wichtigste Niederländische Forschungsförderer NWO angekündigt, seine finanzielle Unterstüzung von Gold OA auf Ende 2017 einzustellen:

Currently there are many more opportunities for authors to make their publications available via open access channels without having to pay for publication costs. In part, this has been achieved through open access agreements between Dutch universities and publishers. In addition, there are a growing number of open access journals and platforms that do not charge publication costs. Finally, there is the green route, which authors can use to deposit their articles in a (university) repository at no cost.

Auf Nachfrage war zu erfahren, dass aus Sicht der NWO genügend Geld im System vorhanden sei und mit diesem Schritt die Universitäten aufgefordert werden ihre Bibliotheksbudgets hin zur Finanzierung von Gold OA umzuschichten.

Ob dieses Kalkül aufgeht und die Niederländischen Universitäten anfangen auch explizit Gold OA zu finanzieren wird sich zeigen. Auch wenn die Niederländer mit ihren Offsetting-Verträgen Grossartiges erreicht haben, kann nur Green mit Hybrid  aber ohne Gold OA kaum die Lösung sein.


Update 2.7.2017

Der Vertrag der Niederländer mit Elsevier ist nun ganz offiziell öffentlich. Springer hat noch eine Fristverlängerung von 4 Wochen beantragt.

Update 3.7.2017

RSC teilt mir mit,  die Preissteigerung von 22.8%  sei darauf zurückzuführen, dass die TU Delft neu in das NL-Konsortium eingetreten ist. Ebenfalls sei man ab 2017 mit dem Read & Publish-Modell von der Verwendung von Vouchers weggekommen.

Update 12.7.2017

Springer hat die Veröffentlichung des Vertrages zugestimmt.

Die Schweizer Open Access Strategie

Bis 2024 sollen alle mit öffentlichen Geldern finanzierten wissenschaftlichen Publikationen aus der Schweiz im Internet frei zugänglich sein. So sieht es die Open Access Strategie vor, welche Ende Januar 2017 durch swissuniversities verabschiedet wurde und zu der nun bis Ende Jahr ein Aktionsplan ausgearbeitet wird.

Die Strategie setzt hierzu auf mehrere insgesamt sinnvolle Leitlinien und Massnahmen. Im Schweizer Kontext sticht jedoch die Massnahme „Verhandlungen mit den Verlagshäusern“ besonders hervor, da sie mit relativ wenig Aufwand schnell zu einem grossen Anteil Gold OA führt:

Bei Verhandlungen sollten verschiedenste Modelle berücksichtigt werden, wie Lizenzklauseln zum grünen OA-Weg, Mitgliedschaften bei Open-Access-Verlagen und Offset Vereinbarungen mit OA-Komponenten. Eine Ausstiegsoption muss vorgesehen sein, falls die Verhandlungen scheitern. Obwohl Offset Agreements die Stellung bestehender grosser Verlagshäuser durch die Ausweitung ihrer Rolle in die Welt von OA stärken, werden die Vereinbarungen als eine notwendige Übergangsmassnahme eingeschätzt.

80 Prozent Open Access bei Zeitschriftenartikel aus 23 Verhandlungen

Wie eine Analyse des Publikationsverhalten von Schweizer Forschenden anhand der Scopus Datenbank zeigt, wurden 80% von 31365 Zeitschriftenartikel im Jahre 2015 bei nur 27 Verlagen (inkl. vier OA Verlage) publiziert. 43% alleine bei Elsevier, Springer und Wiley!

(Diagramm Full Screen)

Würden die Schweizer Hochschulen ihre Macht als Käufer von Subskriptionen und Lieferanten von Leistungen (Manuskripte, Begutachtung, Herausgeber Tätigkeiten) gegenüber diesen 23 grössten Verlagen ausspielen und ein Offsetting von Subskriptions- und Publikationskosten fordern, wären innerhalb kürzester Zeit und ohne zusätzliche Kosten 80% der Schweizer Zeitschriftenartikel direkt bei den Verlagen in der von den Forschenden bevorzugten Verlagsversion frei zugänglich.

Exzellente finanzielle Ausgangslage für 100% Offsetting

Die Zahlen auf nationaler Ebene sprechen eine deutliche Sprache. Wie die offizielle Finanzflussanalyse zeigte, bezahlen Schweizer Hochschulen heute für Zeitschriften-Abonnemente (70 Mio. Franken) weit mehr, als dass sie dies bei einem global erfolgten Wechsel zu OA für die APCs der eigenen Publikationen tun müssten (30-60 Mio. Franken). Durch dieses Verhältnis von Subskription und Artikelproduktion, haben die Schweizer Hochschulen insgesamt eine relativ einfache Ausgangslage um in den Verhandlungen eine Win-Win Situation herzustellen.

Denn jedes Angebot der Schweizer Hochschulen, dass nicht auf eine vollumfängliche Realisierung dieser Einsparungen zielt, sondern die Ausgaben auf dem heutigen überteuerten Niveau hält, ist für die Subskriptionsverlage in der Tendenz (Unterschiede pro Verlag vorbehalten) ein nachwievor gewinnbringendes und somit auch ein annehmbares Angebot.

„Ausstiegsoption“ vorgesehen

Wird ein solches Angebot bzw. die Forderung nach mehr OA von den Verlagen abgelehnt, sieht die Schweizer OA-Strategie eine Ausstiegsoption vor. Auch wenn diese Option nicht näher beschrieben wird, dürfte mindestens die Abbestellungen von Zeitschriften, wenn nicht gar die Einstellung von Einreichungen, Gutachten und  und Editorial Services an die Verlage gemeint sein.

Für Schweizer Verhältnisse ist die Erwähnung einer solchen Ausstiegsoption für das Ziel OA ein besonders bedeutender Schritt. Denn wie das Projekt zur Transparenz von Subskriptionszahlungen zeigt, ist vielen Hochschulbibliotheken das Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Öffentlichkeit und das Gespür für ihre Einflussmöglichkeiten abhanden gekommen. Die Meinung, man sei auf die Inhalte der Verlage via Subskription zwingend angewiesen, ist weit verbreitet und sorgt für eine konstant schwache Verhandlungsposition.

Dabei zeigt das Beispiel Niederlande: Signifikate Veränderungen zu OA lassen sich nur erzielen wenn die Hochschulen auch bereit sind die Big Deals aufzukündigen (in NL aktuell z.B. bei Oxford Universtiy Press).

Verhandlungsebene erhöhen

Ebenfalls sieht die Strategie eine Ergänzung des Verhandlungsgremium mit führenden Persönlichkeiten aus dem Hochschulwesen vor:

Für die Verhandlungen muss ein bestehendes und erfahrenes Gremium (z.B. das Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken) durch führende Persönlichkeiten im Hochschulwesen ergänzt werden, die über die notwendigen Ressourcen und entsprechende politische Unterstützung verfügen.

In den Niederlande war auch dies ein wesentlicher Teil der Erfolge in den letzten Jahren, wie die Vereinigung niederländischer Universitäten VSNU schreibt:

Contrary to normal practice, the VSNU and UKB (a consortium of thirteen Dutch university libraries and the National Library of the Netherlands) took negotiations to the highest administrative level. Whereas normally, the boards of the libraries are expected to meet with the publishers, this is now done by a number of Executive Board Presidents of universities, who negotiate through the VSNU, with the mandate of all universities and university libraries, and with the support of SURF. This means that there is attention for the subject at the highest administrative level from the outset. This strong foundation has made it possible to negotiate at a different strategic level.

Guter Start – Mieses Mittelstück – Guter Abschluss?

Insgesamt kommt die Schweizer OA Strategie spät. Die bisherige Passivität und der immer offensichtlichere Rückstand zu anderen Ländern steht nun vermehrt im Fokus von Medien (z.B. Aargauer Zeitung, Le Courrier) und Politik (Interpellation Chevalley, Postulat Spiess-Hegglin).

Dabei hatte man in der Schweiz eigentlich recht früh die Bedeutung des Themas verstanden. Bereits im Jahr 2006 hatten die Rektorenkonferenzen der Schweizer Hochschulen inkl. SNF und Akademien, die wichtige Berliner Erklärung unterzeichnet. Viele Hochschulen folgten mit starken OA-Policies und der Errichtung von Repositories.

Noch im Jahre 2010 sah der Bundesrat in der Beantwortung der Motion Pfister keinen weiteren Bedarf die Ziele von Open Access durch das Gewicht des Geldgebers aktiver zu vertreten:

Insgesamt werden nach Einschätzung des Bundesrates die Arbeiten im Bereich Open Access von den verantwortlichen Akteuren zielführend und effizient angegangen.

Eine Einschätzung die übertrieben optimistisch war. Theophil Pfister, der im Schweizer Parlament für OA einstand, hatte zu seinen Lebzeiten nicht einmal annähernd die Chance die eigentlich einfache Vision der Berliner Erklärung umgesetzt zu sehen. Bleibt zu hoffen, dass es mit der Schweizer OA-Strategie nun endlich vorwärts geht.

„Pay it Forward“-Studie

Wie wird sich ein globaler Wechsel zu Gold OA basierend auf Article Processing Charges (APCs) finanziell auf forschungsintensive Universitäten auswirken?  Die mit einem 800’000$-Grant der Mellon-Foundation unterstützte Studie „Pay it Foward“ (185 Seiten) ging dieser Frage an den Beispielen der grossen nordamerikanischen Universitäten British Columbia, California, Harvard und Ohio State nach.

Ermittlung Forschungsoutput über Scopus und Web of Science

Für die einzelnen Universitäten wurden zunächst aus Scopus und Web of Science Daten über das Publikationsverhalten der Universitäten ermittelt. Im Fokus standen Zeitschriftenartikel (inkl. Reviews) und Konferenzbeiträge von 2009-2013. Mit spezieller Unterstützung durch Elsevier und Thomson Reuters wurde die institutionelle Zugehörigkeit von AutorInnen und Corresponding-Authors identifiziert. Je nach Messmethode (Umgang mit Corresponding Authors, die mehrere Affiliations haben) und Datenbank wurde eine Corresponding-Author-Quote zwischen 45-61 Prozent ermittelt. Dieser Anteil deckt sich mit den Erfahrungen der Max Planck Digital Library. In einem weiteren Schritt wurden die Daten von Scopus mit denen von Web of Science zusammengeführt.

Übrigens: Den Rohdaten von Web of Science (WoS_aggregate.csv) ist zu entnehmen, dass 7.5% (26’355 von 354’556) Dokumente in WoS als Gold Open Access gekennzeichnet wurden.

Ermittlung Subskriptions- und Open Access Bezahlungen.

Aufgrund einer „in-scope Titel Liste“ (ohne Aggregatoren oder Backfile-Einkäufe) wurde bei den Bibliotheken die Subskriptionsausgaben (nach Rechnungsjahren) gesammelt. Die Zahlen zeigten, dass inzwischen weit über 90% der betrachteten Ausgaben nur für e-only aufgewendet werden. Bei der University of British Columbia im Jahre 2013 bereits 97%. Für den weiteren Studienverlauf wurde deshalb auf eine Unterscheidung von Print und Elektronisch verzichtet. Zusätzlich wurden die Ausgaben für Open Access in Form von Verlags-Mitgliedschaften oder APC-Zahlungen erfasst. Insgesamt wurde im Jahr 2013 von allen Hochschulbibliotheken gut 50 Millionen Dollar für Subskriptionen bezahlt, für Gold OA jedoch bloss $365’000!

Ermittlung realistischer Article Processing Charges (APCs)

Um herauszufinden welche Kosten auf die Universitäten zukämen, wenn künftig die Publikationen überwiegend per APCs bezahlt werden müssten, wollte man von möglichst realistischen APCs ausgehen. Es wurde versucht sich dem „richtigen“ Preis von verschiedenen Seiten zu nähern.

a) tatsächlich bezahlte APCs (Open Data)

Die Daten der veröffentlichten Zahlungen des RCUK, Wellcome Trust, von Deutschen Universitäten (Siehe auch neue Analyse Jahn & Tullney 2016) sowie des FWF wurden herangezogen und auf die projekteigene Disziplinenliste aufgeschlüsselt.

APC-Payment European Payments

Hier ergab sich eine durchschnittliche APC von $1865.

b) Preisangaben der Verlage/Journals.

Durch die Studien Solomon und Björk (2012) und Morrison et al. (2015) standen bereits nutzbare Daten zur Verfügung, was Verlage/Journals auf ihren Webseiten für Preise angaben. Für die weitere Auswertung wurden die Daten von Morrison et al. durch das Studienteam zu Beginn 2016 auf den neusten Stand gebracht und auf die aus WoS/Scopus extrahierten Publikationen bzw. die eigenen Disziplinen gemappt:apcs_pricing

Hier ergab sich eine durchschnittliche APC von $1864 auf Journal-Level, bzw. $1892 auf Artikelebene. Wie auch schon bei der Analyse der europäischen APCs erweist sich eine disziplinspezifische Betrachtung aufgrund ungleicher Verteilung (kaum Daten bei den Geistes- und Sozialwissenschaften oder der Ökonomie) als wenig aussagekräftig. Eine ausführliche Analyse zu diesen APCs wurde inzwischen auch ausgelagert veröffentlicht (Solomon & Björk 2016).

Eine Kategorisierung der OA-Publikationen nach Bezahlmodell zeigt sehr deutlich die heutige Dominanz des APC-Modells: 89% von 22’209 OA-Artikel sind in APCs-basierten Zeitschriften publiziert worden. Diese Tatsache relativiert das trügerische Bild, welches sich aus der Betrachtung von Journals im DOAJ ergibt, wonach eine Mehrheit der dort verzeichneten Journals keine APC verlangt.

OA Journals used.jpg

In was für Open Access Journals publizieren AutorInnen der Universitäten British Columbia, California, Harvard und Ohio State?
Eine Kategorisierung der OA-Journals in denen im Zeitraum 2009-2013 mindesten 10 Artikel erschienen sind.

Interessanterweise weisen die Bibliotheken insgesamt nur Ausgaben von $365’000 für Open Access ($159’000 OA memberships + $206’000 APC Payments) aus. Daraus lässt sich klar schliessen, dass das Geld, das AutorInnen für Open Access bisher aufgewendet haben, nur zu einem winzigen Teil von den Bibliotheken stammt. D.h. auch die nordamerikanischen Bibliotheken haben es in den vergangenen Jahren verschlafen, das wachsende Bedürfnis nach finanzieller Unterstützung beim OA-Publizieren anzugehen.

c) Preisberechnung mit Source Normalized Impact per Paper (SNIP)

Nun ist es kein Geheimnis, dass insbesondere kommerzielle Verlage zurzeit ihre Preise nicht an ihren realen Kosten, sondern häufig an der Reputation (Impact Factor) ihrer Journals ausrichten.

Die „Pay it forward“-Studie hat diese gängige Preissetzung untersucht und eine positive Korrelation zwischen der Höhe der APC und der „Qualität“ gemessen als Source Normalized Impact per Paper (SNIP ; = Elseviers offenes Pendant zum Impact Factor) eines Journals festgestellt. Nach einer Regressionsanalyse getrauen sich die StudienautorInnen sogar eine Formel bekannt zu geben, mit welcher sich für jedes Journal mit einem SNIP die voraussichtliche APC ausrechnen lässt.

APC = 1147.68 + 709.4 * SNIP

Beispiel: Für das Journal Water Research (IF 6 / SNIP 2.4) wäre die APC demzufolge:

1147.68+ 709 * 2.4 = 2849 USD

(Wobei Elsevier heute im Hybrid-Modus interessanterweise 3500$ verlangt).

d) effektive Verlagskosten

Aus der Literatur und teils anonymen Quellen der Verlagsindustrie, den Steuerangaben von Non-Profit-Verlagen in den USA (990 Tax Form) und einer Umfrage bei der Association of Learned & Professional Society Publishers (ALPSP) versuchten die Studienautorinnen ebenfalls die effektiven Verlagskosten in Erfahrung zu bringen.

effektive-kosten

Man erkennt schnell, dass keine Klarheit über die effektiven Kosten besteht. Ein ähnliches Resultat hatte schon der Beitrag „The true cost of science publishing“ ergeben. Die Pay it Forward-Studie legt jedoch nahe, dass mit mindestens $1000 Dollar als Kosten eines Artikel gerechnet werden muss.

Ermittlung Break-Even APCs

Mit dem verfügbaren Subskriptionenbudget der Bibliothek und dem Publikationsverhalten konnte pro Hochschule Break-Even APCs ausgerechnet werden. Dabei wurde vorsichtshalber davon ausgegangen, dass künftig für alle Artikel eine APC bezahlt werden müsste:

Break-even points

Man sieht schnell, dass der Umstieg für auf ein vollständig APC basiertes Modell alleine mit dem heute eingesetzten Bibliotheksbudget und dem heutigen Durchschnittspreis von ca. 1850$ pro APC für die meisten Universitäten finanziell nicht möglich sein wird.

Verschiedene Finanzierungsmodelle für eine Gold OA Welt

Die Studie geht deshalb in Folge davon aus, dass bei einer Umstellung zu Gold OA das Geld zunehmend auch von anderen Quellen, insbesondere die von Forschungsförderer kommen muss. Es werden verschiedene Modelle skizziert, wie bei einem Wechsel auf Gold OA die Kosten für APCs zwischen Bibliothek, Forschungsförderer und anderen Geldquellen sinnvoll aufgeteilt werden können. Ein wesentliches Element dieser Modelle ist der stärkere finanzielle Einbezug der Forschenden. Die Hoffnung besteht, dass diese eine (neue) Sensibilität hinsichtlich Preis von Verlagsleistung entwickeln.

Qualitativer Teil: Faktoren zur Auswahl des Journals

Die Studie beinhaltet auch einen qualitativer Teil, bei dem mit Fokusgruppen und Umfragen ermittelt wurde, was Forschende über das wissenschaftliche Publizieren, OA und den finanziellen Aspekten denken. Dieser Teil wurde inzwischen separat veröffentlicht (Tenopir et al. 2016).

Die Resultate bestätigen grundsätzlich vorhergehende Arbeiten (mitunter auch die Resultate meiner Masterarbeit). Die Idee von Open Access für Perspektive des Lesers wird durchgängig begrüsst. Beim eigenen Publizieren spielt OA jedoch nachwievor untergeordnet eine Rolle. Qualität, Reputation, inhaltliche Übereinstimmung, erwartetes Publikum, Chance angenommen zu werden, Geschwindigkeit vom Einreichen zur Publikation oder die Herausgeber sind wichtigere Faktoren bei der Wahl eines Journals als OA.

Desweiteren gibt es disziplin-spezifische Unterschiede. Etwas zugespitzt: Physiker und Mathematiker brauchen Gold OA nicht, da sie ja ArXiv haben. Für Mediziner und Biologen sind APCs schon fast Alltag. Geistes- und Sozialwissenschaftler haben Vorbehalte gegenüber APCs.

Fazit

Das wesentliche Resultat der Studie ist durchaus keine Überraschung, wie David Crotty auf Scholarly Kitchen zutreffend kommentiert. Es war immer wahrscheinlich anzunehmen, dass forschungsintensive Institutionen bei einem Wandel zu Gold OA stärker zur Kasse gebeten werden könnten. Dennoch ist es wichtig diese Annahme einmal mit offiziellem Zahlenmaterial untermauert zu sehen.

Was die Studie leider nicht liefert, ist ein Vergleich zwischen den Ausgaben und Publikationen auf Stufe Verlag. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es bei einer Transformation zu OA auch bei den Verlagen grössere Gewinner und Verlierer geben würde.

Zumindest zeigen die Zahlen aus der Schweiz, insbesondere diejenige der forschungintensiven ETH Zürich, dass ein Wechsel auf Gold OA zumindest bei den Verlagen Elsevier, Springer und Wiley finanziell ohne weiteres möglich wäre und bei diesen Verlagen sogar mit Kosteneinsparungen verbunden wäre. In Angesicht der Resultate von Pay it Forward stellt sich die Frage, ob dieser Unterschied daran liegt, weil man in der Schweiz und bei der ETH Zürich grundsätzlich mehr zahlt, als bei Harvard & Co., oder ob dies eher an dem spezifischen Fokus auf die drei grössten Verlage liegt, der in Nordamerika ebenfalls zu Tage käme, hätte man die Zahlen auf Stufe Verlag verglichen.

Ebenfalls muss in Betracht gezogen werden, dass eine nahezu 100% Umstellung auf OA finanzielle Einsparungen an vielen anderen Orten ergibt. Dabei meine ich nicht nur die radikale Vereinfachung von vielen bibliothekarischen Prozessen, sondern auch die Tatsache, dass ausserhalb der forschungsintensiven Hochschulen es noch zahlreiche andere öffentliche Institutionen (z.B. Fachhochschulen, Spitäler, Behörden etc.) gibt, bei denen bei einer Umstellung Subskriptionskosten entfallen würden. Diese Gelder könnten zumindest anteilsmässig zugunsten des finanziellen Mehrbedarf von forschungsintensiven Hochschulen umgeschichtet werden.

Letztlich scheint es nachvollziehbar, dass die Kosten des heutigen Systems auch bereits durch jemanden bezahlt werden und die Transformation mehr eine Frage der Organisation der Umschichtung von Geldern ist, als tatsächlich ein finanzielles Problem. SCOAP3 hat dies ja unlängst gezeigt.

Meines Wissens ist Pay it Forward die erste öffentliche Studie, bei welcher das Potential der Subskriptionskosten auf institutioneller Ebene für OA solide analysiert wurde. Das weckt Hoffnung, dass auch andere Institutionen dem Beispiel folgen und sich Kennzahlen zu ihrem Potential für OA verschaffen und dies veröffentlichen.

Präsentation an der 8th Conference on OA Scholarly Publishing (COASP)

Zum Schluss sei noch auf eine Präsentation der Studie von MacKenzie Smith, University Librarian, UC Davis am 21. September 2016 verwiesen.

Der ETH-Bereich und Elsevier: Teil 2

Nach dem ersten Teil über die unterschiedlichen Positionen der EPF Lausanne und der ETH Zürich bezüglich Elsevier-Verhandlungen, folgt hier der zweite Teil. Zur Rekonstruktion der Ereignisse dienen weitere über das Öffentlichkeitsgesetz befreite 65 Seiten Protokolle und Unterlagen des ETH-Rats.

ETH-Bereichssitzung vom 31.8.2011

Aus der letzten Bereichssitzung erging der Auftrag an die Bibliotheksdirektoren der ETHZ und der EPFL, mögliche Gutachter vorzuschlagen, welche eine Stellungnahme zum Thema Konsortium, bzw. zu den rechtlichen Möglichkeiten, bessere Konditionen zu erreichen, abgeben könnten. In der Bereichssitzung vom 31. August wurden nun drei Kandidaten präsentiert und akzeptiert. Im vom ETH-Rat erhaltenen Protokoll, sind Namen und Funktion geschwärzt.

Weiter war vorgesehen Verbindungen zu anderen Hochschulen insbesondere der University of California und dem MIT aufzunehmen.

Resultate Neubauer

ETH-Bibliotheksdirektor Neubauer hatte sich vorgenommen bei der California Digital Library und dem Boston Consortium nachzufragen. Nach einer anfänglichen Kontaktaufnahme, hatte es sich offenbar gezeigt, dass es nicht sinnvoll möglich ist, die Komplexität der Fragestellungen per Mail oder Telefon zu klären. Neubauer gibt bekannt direkt bei den Institutionen vorbeigehen zu wollen, weshalb sich die Berichterstattung um ein halbes Jahr verzögere.

Ebenfalls lässt er die Bereichssitzung wissen:

Bei allen Aktivitäten sollte man berücksichtigen, dass das Thema „Elsevier-Lizenzen“ vom Schweizer Konsortium verhandelt wird, der ETH-Bereich also nur einer der Mitspieler ist. Es dürfte somit sehr sinnvoll sein, dieses Faktum angemessen zu berücksichtigen. Bereits die Aktivitäten im letzten Herbst haben bei den anderen Beteiligten erhebliche Unruhe und Unverständnis ausgelöst.

Resultate Aymonin

Weitaus schneller mit den Abklärungen war der EPFL-Bibliotheksdirektor Aymonin. Er hatte am 19. Juli und 4. August Gespräche mit zwei Verhandlungleiter aus Belgien und dem französischen Konsortium geführt. In den Gesprächen ermittelte er die landesspezifischen Eigenheiten und Erfahrungen und hielt sie in einer Tabelle fest.

Im Fazit beim Punkt What to remember vermerkte Aymonin beim französischen Konsortium:

Don’t bother with price calculation formula or model, based on any sort of parameter. The only thing Elsevier wants is to keep its turn over. There is a margin in negotiation if you keep this in mind, and thus you can get more content or services for the same amount of money.

und bei Belgien:

Don’t bother with price calculation. The only thing Elsevier wants is to keep its turn over. Define very precisely what your objectives are and say clearly to Elsevier that you are ready to leave the table of negotiation at any time.

ETH-Bereichssitzung vom 2.11.2011

Die beiden Bibliotheksdirektoren der ETH und EPFL hatten mittlerweile einen 2-seitigen Fragenkatalog für mögliche externe Gutachter zusammengestellt. Ein paar Fragen daraus:

  • Confidentiality: Is this clause commonly accepted or should the Swiss Consortium insist on the removal of this clause? Has this clause often been removed in your experience?
  • How would you judge the possibility of perpetual access to the freedom collection? Would you expect additional costs for this?
  • Do you know of contracts in which an electronic interlibrary loan is allowed? Would you expect additional costs for this?
  • Open Access: Do you know of contracts which allow institutional archiving of the publisher’s version of the scientific papers? Would you expect additional costs for this?
  • The agreement defines a considerable amount in fees for the Swiss institutions with considerably high annual increases. According to your experience, are these fees and increases comparable to other contracts?
  • If conditions for other contracts are better, which at are the circumstances that result in better conditions? Do you think that Elsevier takes the economic situation in the various countries into account?
  • Is it helpful or even necessary to cancel subscriptions to Elsevier journals for some time to get better conditions? In your experience, how long does it take to get better conditions? Does this mean a constraint to scientific work at the institutions concerned? Are there any alternatives for the scientists to gain access to Elsevier content?
  • What would be your recommendations to the consortium to gain better conditions for the Elsevier agreement? Could a public statement like the one of RLUK be helpful in gaining better conditions – or might this even be counterproductive? lf helpful, who should initiate such a statement?

Am 3. Oktober 2011 verschickte der ETH-Rat dann offiziell die Anfragen an die drei potentiellen externen Gutachter. Doch nur eine Person war überhaupt bereit dem ETH-Rat zu antworten. Und diese eine Antwort ist wirklich bemerkenswert:

Dear Mrs Weber,

I’m a bit surprised by your request. You don’t make clear why you’re asking me for this purpose, nor what the request will imply in terms of expectations that you have with respect to my ‚advisory opinion‘. I’m not a consultant, but just another university librarian with some practical expertise in licensing scholarly contents. Librarians from European universities and consortia are as you may know connected (informally) by ICOLC (International Coalition of Library Consortia), which held her annual meeting just a few weeks ago in Istanbul. So I’m not intended to formulate an ‚offer for an advisory opinion‘ but I’m prepared to give my opinion and my advise as a colleague, as far as this can be done within reasonable limits of time spent etc. So I’m curious to have more information on the meaning and the ‚bandwith‘ of your request,

Best wishes,

ETH-Bereichssitzung vom 8.2.2012

Neben dem scheinbar fehlenden Interesse bei den angeschriebenen Experten, kam plötzlich noch ein anderes Problem dazu. Sollte der ETH-Rat ein Gutachten in Auftrag geben, bräuchten die Experten Einsicht in die Verträge des ETH-Bereichs mit Elsevier. Nun hatte das Konsortium aber dummerweise gerade in den abgeschlossenen Verträgen Vertraulichkeit mit Elsevier über den Vertragsinhalt vereinbart.

Um den Umfang dieser Vertraulichkeitsklauseln zu verstehen, wurde beim ETH-Rat eine rechtliche Einschätzung vorgenommen. Aus der Aktennotiz dieser Einschätzung wird erstmals deutlich, dass auf Stufe ETH-Rat und folglich Leitung Konsortium bereits seit Frühling 2011 bekannt war, dass andere Universitäten wie Cornell in ihren Verträgen keine Non-Disclosure Agreements mehr akzeptierten.

Auch bemerkenswert ist die Tatsache, dass sogar der ETH-Rat selbst überprüfte, ob allenfalls das BGÖ hilfreich sein könnte:

Das Bundesgesetz über das Öffentlichkeitsprinzip hilft nicht weiter; ein privatrechtlicher Vertrag ist kein amtliches Dokument. Zudem geht es beim Öffentlichkeitsprinzip darum, Dritten Einsicht in amtliche Dokumente zu gewähren, und nicht darum, einem Vertragspartner zu erlauben, sich von einer durch ihn unterzeichneten Vertraulichkeitsklausel zu distanzieren.

Insgesamt lautete das Fazit der rechtlichen Einschätzung:

Von einer Weiterleitung des Konsortialvertrags an einen von den Institutionen vorgeschlagenen Experten ohne vorgängige schriftliche Einwilligung von Elsevier ist dringend abzuraten.

Also wurde nun versucht diese Einwilligung von Elsevier für die Weitergabe zu erhalten. Die Anfrage übernahm gleich der ETH-Ratspräsident. Er erhielt folgende Antwort von Elsevier:

We agree to the involvement of such an extenal expert but would like to suggest two stipulations: the expert will only use the confidential information tor ETH-internal purposes (for instance an internal report) and the expert will work with the Elsevier experts on the interpretation of the information. The latter we see as vital to avoid misunderstandings and to arrive at a balanced interpretation of the data
We have experienced that a joint approach leads to high-quality interpretation and reporting, all in all higher insights.

Diese Antwort blieb unbefriedigend. Während die Bedingung der rein internen Verwendung als unproblematisch angesehen wurde, konnte sich kein Mitglied der Bereichssitzung einverstanden erklären, die externen Gutachten einer Manipulation von Elsevier auszusetzen. Für das ursprüngliche Vorhaben externe Gutachten einzuholen bedeutete diese Antwort von Elsevier das Ende.

In der Zwischenzeit hatte Neubauer auch seinen Bericht über die Situation der University of California und dem dem Boston Consortium abgeschlossen und der Bereichssitzung vorgelegt. Der Bericht ist überraschend knapp. Die Anfrage beim Boston Consortium wird mit fünf Sätzen abgehandelt. Der letzte davon:

Die kooperative Lizenzierung elektronischer Inhalte ist nicht Teil der Konsortiumsarbeit, so dass von dort keine relevanten Informationen zu erhalten waren.

Etwas mehr Text wurde zur California Digital Library, der Infrastruktureinheit der University of California abgefasst. Hier ein paar ausgewählte Punkte daraus:

  • Die Lizenzverträge mit der überwiegenden Zahl der Lieferanten sind prinzipiell über die Homepage frei zugänglich, wobei allerdings rechtlich kritische Passagen gelöscht sind. Hierzu gehören beispielsweise alle finanzrelevanten Angaben. Beim Schweizer Konsortium sind die existierenden Verträge den Konsortialpartnern ebenfalls zugänglich.
  • Die einzelnen Lizenzverträge sind in weiten Teilen mit denen vergleichbar, die das Schweizer Konsortium abgeschlossen hat. Es gibt jedoch auch Unterschiede. So gestattet beispielsweise die American Chemical Society (ACS) das Verschicken elektronischer Kopien auch an externe Nutzer (soweit aus dem öffentlichen Raum); dies ist bei unseren Verträgen nicht der Fall, da ACS dies kategorisch ablehnt.
  • Das Procedere beim Vertragsabschluss ist mit der Schweizer Situation mehr oder weniger identisch. Es finden erste Verhandlungen mit dem jeweiligen Verlag/Lizenzgeber statt, die dann in unterschiedlicher Form an die Konsortialpartner zurückgespiegelt werden. Wer die Verhandlungen exakt führt, konnte im Falle der CDL nicht abschliessend eruiert werden. Nach meinem Eindruck wird dies sowohl von Einzelpersonen, als auch von kleinen Arbeitsgruppen (2-3 Personen) realisiert. In den deutschen Konsortien führen die Verhandlungen meist 1-2 Personen.
  • Belastbare Aussagen über die finanziellen Randbedingungen der einzelnen Verträge haben die befragten Personen nicht abgegeben. _______

Zusammenfassend hält Neubauer fest:

Die Befragungen haben aus meiner Sicht keine wesentlich neuen Erkenntnisse gebracht, sondern haben gezeigt, dass vor allem die international tätigen Verlage die Vertragsverhandlungen mit der Vorlage von weltweit standardisierten Vertragsentwürfen beginnen, über die dann unter Berücksichtigung der jeweiligen Randbedingungen verhandelt werden kann. Der nicht unbegründete Verdacht, dass die Schweiz schlechtere Konditionen als andere Länder hat, konnte nicht bestätigt werden. Nach meinem persönlichen Eindruck, sind darüber hinaus belastbare Vergleiche aufgrund der heterogenen Randbedingungen in jedem Falle schwierig. Die Verhandlungsprozesse und -ergebnisse des Konsortiums Schweizer Hochschulbibliotheken sind mit denen anderer Konsortien grundsätzlich vergleichbar, was im Einzelfall allerdings nicht ausschliesst, verbesserte Konditionen zu erreichen.

Es ist auffällig, wie der Bericht von Neubauer mit keinem Wort, den zu dieser Zeit noch recht frischen Konflikt zwischen der University of California (UC) und der Nature Publishing Group (NPG) erwähnte. Die UC ging da sehr wohl neue Wege bezüglich Verhandlungen. Sie stellte die geforderten Preiserhöhungen von NPG öffentlich an den Pranger und forderte ihre Forschenden auf, keine Papers mehr bei NPG zu veröffentlichen und von Aktiväten (Peer-Review, Editor) bei NPG zurückzutreten. Da dieser Streit durch die weltweite Fachwelt ging und mit Sicherheit ein markantes Ereignis in den Verhandlungen der UC darstellte, ist es sehr verwunderlich, dass Neubauer weder im Vorfeld noch im direkten Kontakt mit der CDL auf diesen Konflikt stiess, der für den ETH-Bereich durchaus als Anregung hätte dienen können.

Der dürftige Bericht von Neubauer wurde schliesslich ohne Beanstandung von der Bereichssitzung zu Kenntnis genommen. Aymonin, hatte zu diesem Zeitpunkt die EPFL Bibliothek bereits verlassen und Kritik war von dieser Seite vorerst nicht mehr zu erwarten.

Dennoch, für die ETH-Bereichssitzung und inbesondere für den ETH-Ratspräsident schien die Situation nicht wirklich zufriedenstellend. Ohne Expertise war es nicht gelungen, die Vorbehalte der EPFL gegenüber der abgeschlossenen Elsevier-Lizenz auszuräumen. Und dass der ETH-Bereich nicht einmal eine Expertise durchführen lassen konnte, dürfte der ETH-Bereichssitzung vorgeführt haben, dass die Kritik der EPFL durchaus angebracht war.

Bevor nun das Geschäft ganz ad acta gelegt wurde, erklärte sich der Präsident ETH-Rat bereit, einerseits mit einem Schreiben an das Konsortium Schweizer Universitätsbibliotheken zu gelangen mit dem Anliegen, im Hinblick auf die nächste Vertragslaufzeit (ab 2014) mit Elsevier vorteilhaftere Konditionen zu verhandeln, und andererseits in diesem Zusammenhang die Wettbewerbskommission (Weko) zu kontaktieren. Da dieses Vorgehen den Mitgliedern der Bereichssitzung zwar richtig, aber in der Wirkung etwas schwach erschien, wurde beschlossen, dass die Institutionen zusätzlich in der Öffentlichkeit die Situation transparent darlegen und darauf hinweisen sollten, dass der freie Zugang (open access) zu Daten und Forschungsresultaten nicht funktioniere und die Verlage (vorliegend Elsevier) aufgrund vertraglich vereinbarter Nutzungsrechte (zu) hohe Preise verlangten. Um die gewünschte Wirkung zu erzielen, bedürfe es dazu des Zusammenwirkens verschiedener Partner (Konferenz der Rektoren der Universitäten Schweiz (CRUS), andere Universitäten, usw.). Ferner wurde vorgeschlagen, dass die Institutionen des ETH-Bereichs versuchen, Elsevier gegenüber eine stärkere Positionen einzunehmen, indem sie namentlich keine Reviews mehr für Elsevier verfassen bzw. weniger Elsevier-Produkte beschaffen.

ETH-Bereichssitzung vom 14.11.2012

Im November 2012 gab es dann die (vorerst) letzte Sitzung des ETH-Bereichs zum Thema Elsevier. Der Präsident ETH-Rat hatte in der Folge Kontakt mit der Weko aufgenommen. Ein entsprechendes Gespräch fand am 15.5.2012 statt und führte scheinbar zu keinen Ergebnissen.

Weiter brachte der Präsident ETH-Rat in einem Schreiben vom 6.6.2012 an den Präsidenten des Konsortiums folgende Grundanliegen des ETH-Bereichs an:

Ganz generell soll versucht werden, für die Bibliotheken vorteilhaftere Konditionen aushandeln, namentlich:

  • tiefere oder zumindest nicht noch höhere Preise;
  • Verzicht auf Vertraulichkeitsklauseln im Vertrag.

Spezifisch sollen im Sinne der im Fragenkatalog (vgl. Beilage 3) aufgelisteten Punkte verbesserte Bedingungen erreicht werden, indem beispielsweise den individuellen Bedürfnissen der einzelnen Universitäten/Hochschulen vermehrt Rechnung getragen wird und ,,Produkte-Pakete“ mit Teilprodukten, welche im Einzelnen gar nicht benötigt werden (z.B. medizinische Literatur), abgelehnt werden.

Das Schreiben wurde dann im erweiterten Präsidium des Lenkungsauschusses des Konsortiums am 9.7.2012 behandelt. Der damalige Präsident, Heinz Dickenmann (HBZ) antwortete:

Wir werden die Grundanliegen der Bereichssitzung des ETH-Bereichs betreffend eines neuen Elsevier-Vertrags ab 2014 berücksichtigen; sie entsprechen den Forderungen, welche das Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken von sich aus in die Vertragsverhandlungen einbringen wird. Ob diese am Schluss der Verhandlungen auch erzielt werden können, bleibt abzuwarten.

Dem Wunsch der EPFL nach vermehrtem Einbezug in die Vertragsverhandlungen können wir mit dem Vorschlag der Geschäftsstelle des Konsortiums zur Vorgehensweise weitgehend entsprechen (vgl. Beilage). Die Konsolidierung der geforderten Konditionen bei den grossen Verlagspaketen mittels Einbezug der Partnerbibliotheken im Konsortium einerseits und die Einsetzung einer separaten Arbeitsgruppe für die Vorbereitung eines neuen Elsevier-Vertrags anderseits sollten die wesentlichen Bedürfnisse der EPFL abdecken. Allerdings geht es dem Konsortium nicht allein um eine zusätzliche Berücksichtigung von Wünschen der EPFL allein, sondern um einen stärkeren Einbezug aller Partner im Konsortium. Beim Elsevier-Vertrag streben wir aufgrund der mehrfach als schwierig erfahrenen Gespräche mit diesem Verlag an, den Verhandlungsverlauf und die Verhandlungsergebnisse transparenter zu gestalten.

Wie wir heute wissen, ignorierte das Konsortium das Anliegen des Präsidenten ETH-Rat und akzeptierte auch auf für die Elsevier Lizenz 2014-2016 ohne spürbaren Widerstand die von Elsevier gewünschten Vertraulichkeitsklauseln.

Mit dem Hintergrund, dass die ETH-Bereichssitzung eine aktivere Kommunikation bezüglich Verlagspolitik und Open Access gegenüber der Öffentlichkeit gewünscht hatte, lässt sich nun auch endlich die seltsam distanzierte Kolumne „Open Access, ein Modell für die Zukunft?“ von Neubauer vom Oktober 2012 in ETH Life richtig einordnen. Neubauer schrieb dort nicht aus Überzeugung über Open Access, sondern weil er von oben dazu verknurrt wurde.

 

Der ETH-Bereich und Elsevier: Teil 1

Vor kurzem habe ich hier die Zahlungen des ETH-Bereichs (ETHZ, EPFL, Lib4RI) an Elsevier, Springer und Wiley veröffentlicht. Speziell der Beitrag zu den Zahlungen der ETHZ stiess auf sehr grosses Interesse. Trotz erster Antworten, wirft die Offenlegung gleich weitere Fragen auf:

  • Wieso wurden die Zahlungen des ETH-Bereichs seit 2010 nicht wie gesetzlich vorgeschrieben (Art 28, der Verordnung über das öffentliche Beschaffungswesen) auf simap.ch deklariert?
  • Warum spendieren die Bibliotheken des ETH-Bereichs ausgerechnet denjenigen Verlagen immer mehr Geld, welche dem vom ETH-Bereich angestrebten freien Zugang zu Information aus reiner Profitgier entgegenstehen?
  • Warum setzt sich der ETH-Bereich mit seinem Anspruch weltweit führend zu sein, nicht stärker für eine finanziell nachhaltige Informationsinfrastruktur und für mehr Open Access ein? Eine weltweite Transformation zu Gold Open Access bietet dem ETH-Bereich ein gewaltiges Einsparpotential von mehreren Millionen Franken pro Jahr, von dem Nutzen für die Wissenschaft und Gesellschaft ganz zu schweigen.

Elsevier – 2010 bis 2012 Thema im ETH-Rat

Weitere über das Öffentlichkeitsgesetz befreite Dokumente zeigen nun, dass es in der Vergangenheit innerhalb des ETH-Bereichs auch schon Kritik an der passiven und ergebenen Haltung gegenüber den Verlagen gab. Die Kritik kam von der Bibliothek der EPFL und entbrannte sich an den Verhandlungen für die Elsevier Lizenz 2011-2013. Die Kritik am Vorgehen eskalierte Ende 2010 bis zum Präsidenten des ETH-Rats, dem obersten Organ des ETH-Bereichs und wurde anschliessend an mehreren ETH-Bereichssitzungen bis 2012 behandelt. Anhand der vom ETH-Rat erhaltenen Protokolle und Beilagen (für diesen ersten Teil 39 Seiten) versuche ich im Folgenden die Ereignisse so gut wie möglich zu rekonstruieren und zusammenzufassen.

Ausgangslage – KOBAR (Kooperation der Bibliotheksarbeit im ETH-Bereich)

Bereits seit 2001 wird im ETH Bereich nach Synergien und Kooperationsmöglichkeit bei den Bibliotheken gesucht. Aus einem ursprünglichen Projekt KOBAR (Kooperation der Bibliotheksarbeit im ETH-Bereich) entstand 2004 ein ständiges „Gefäss“, bei dem  Fragen bei der Zusammenarbeit zwischen den Bibliotheken angegangen wurden. Ein  strategisches Anliegen war es unter anderem, dass alle Forschenden des ETH-Bereichs über möglichst den gleichen Zugang zu wissenschaftlicher Information verfügen. Aufgrund dem kleinerem Bibliotheksbudget der EPFL, wurde dies zunehmend stärker vom der Bibliothek der EPFL bei der ETH-Bibliothek eingefordert, insbesondere was die elektronischen Medien betraf. Seit 2009 wurde vom ETH-Rat zudem verlangt, dass die Bibliotheken des ETH-Bereichs sich bei Lizenzierung gemeinsam absprechen. Dies brachte es mit sich, dass der damalige Leiter der ETH-Bibliothek, Wolfram Neubauer, der zugleich die Verwantwortung für das Schweizer Konsortium hatte, sich nun stärker mit seinem damaligen welschen Kollegen David Aymonin, Leiter der EPFL Bibliothek innerhalb des ETH-Bereichs absprechen musste. Und letzterer hatte bezüglich der Vorgehensweise bei den anstehenden Elsevier-Verhandlungen eine doch etwas andere Vorstellung, wie wir noch sehen werden.

ETH-Bereichssitzung vom 25.11.2009

An dieser ETH-Bereichssitzung wurde festgehalten, dass bezüglich Begleitung und Anliegen von KOBAR, also auch die Elsevier-Lizenz die ETH-Berreichssitzung und nicht der ETH-Rat zuständig sei. Hier ist vielleicht erklärend anzufügen, dass der ETH-Rat das vom Schweizerischen Bundesrat gewählte „politische“ Gremium ist (siehe aktuelle Mitglieder), während die ETH-Bereichssitzung eher die „verwaltungsinterne“ Führung ist. An der ETH-Bereichssitzung nehmen teil, die Präsidenten der ETHs, die Direktoren und Direktorinnen der Forschungsanstalten und der Präsident des ETH-Rats (siehe Geschäftsordnung des ETH-Rats).

An jener ETH-Bereichssitzung vom November 2009 wurde ebenfalls bestimmt, dass Neubauer das Mandat erhält, Verhandlungen für den gesamten ETH-Bereich zu führen. Deshalb wurden alle Institutionen des ETH-Bereichs gebeten ihre Bedürfnisse bezüglich elektronischen Publikationen bei Neubauer anzumelden.

ETH-Bereichssitzung vom 21.4.2010

Aymonin hatte inzwischen eine Stellungnahme an Neubauer geschickt. Es wurde von Seite EPFL gewünscht, dass die ETH-Bibliothek die Verhandlungen mit dem Hauptziel führen solle, ein einheitliches, standardisiertes Produkte-Portfolio für den gesamten ETH-Bereich (ETH Bereich = 1 Institution) zu erreichen. Weiter wurden konkrete Vorschläge betreffend der Vorgehensweise für die Verhandlungsführung mit Elsevier  (Konditionen und Tarife / Vorbereitung der Verhandlungsgespräche / Aufstellung einer Projektorganisation durch den ETH-Rat / zeitliche Vorgaben) gemacht.

In der Bereichssitzung wurde offenbar vorgeschlagen, dass hinsichtlich anstehender Elsevier-Verhandlungen zuerst versucht werden sollte, die Interessen des ETH-Bereichs bei den landesweiten Verhandlungen durch das Konsortium einzubringen. Für den Fall, dass die Neuverhandlungen durch das Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken mit Elsevier nicht zum Erfolg führen, wird Neubauer beauftragt vorsorglich mit Elsevier eigene Vertragsverhandlungen für den ETH-Bereich zu führen.

ETH-Bereichssitzung vom 25.8.2010

Aktuell liegen mir für diese Bereichssitzung nur die beiden folgenden Beilagen von a) Neubauer und b) Aymonin vor. Was an der Sitzung diskutiert und effektiv beschlossen wurde ist unklar.

a) Zwischenbericht Elsevier Verhandlungen (Neubauer)

Neubauer lieferte einen knappen Zwischenbericht zu den im Mai 2010 gestarteten Elsevier-Verhandlungen ab. Elsevier hatte nach umfangreichen Abklärungen am 22.7.2010 dem Schweizer Konsortium ein erstes Angebot unterbreitet. Eckpunkte des für das gesamtschweizerisch einheitlichen Angebotes waren eine Laufzeit von drei Jahren, eine fixierte Preissteigerungsrate, die Möglichkeit eines Wechsels von „Print and Electronic“ auf „E-only“ und umgekehrt.

Am 3.8.2010 fand ein mündliches Verhandlungsgespräch mit Elsevier statt, bei dem das Angebot von Elsevier und die Forderungen des Konsortiums besprochen wurden. Die konkreten Forderungen des Konsortiums werden im Zwischenbereich leider nicht erwähnt, sondern es wird lediglich angegeben das sie von den Vorstellungen des Verlages erheblich abweichen. Was die Verhandlungsführer, abgesehen von der deutlichen Preissteigerung sonst noch am Angebot bemängelten, will der ETH-Rat mit Verweis auf „Gefährdung aktueller Verhandlungen“ nicht offenlegen:

Zwischenbericht_2010.jpg

In einem weiteren Gespräch zwischen Elsevier und dem Konsortium im September sollte nochmals geklärt werden, inwieweit sich die unterschiedlichen Standpunkte annähern lassen. Als einzigen Plan B erwähnt Neubauer lediglich die Aufnahmen von individuellen Verhandlungen der interessierten Hochschulen.

b) Kritik der EPFL (Aymonin)

Weitaus deutlicher war die Kritik von Aymonin. Er bezeichnete in einer Stellungnahme für die Bereichssitzung das vorliegende Angebot von Elsevier als überrissen, inakzeptabel und gefährlich für die Schweizer Hochschulen. Elsevier missbrauche seine Marktmacht und verlange insbesondere in der Schweiz mehr als in anderen vergleichbaren Ländern für den gleichen Service. Wie es scheint, führte Aymonin dazu in der Stellungnahme weitere Argumente an, welche diese Überteuerung unterstreichen. Diese Passage wurde jedoch vom ETH-Rat geschwärzt.

Weiter kristisierte Aymonin das Angebot von Elsevier bezüglich Intransparenz der Preise, den Ausschluss von Konsortialpartnern mit fadenscheinigen Begründungen vom gleichen Angebot, z.B. für Cell Press, die fehlenden Langzeitarchivierungsrechte, den Versuch von Elsevier den Kauf von Abonnementen an den zwingenden Kauf von Backfiles zu koppeln sowie Kollektivstrafen, falls ein Konsortialpartner aussteigen wird.

Insgesamt habe hier Elsevier verspätet ein unvollständiges Angebot unterbreitet, welches den Kundenbedürfnisse nicht entspreche und letztlich nur dazu führe, den Umsatz von Elsevier zu erhöhen und zusätzlich Zwietracht zwischen den Schweizer Bibliotheken schüre. Unter diesen Umständen sollte das Angebot aus Sicht der EPFL nicht angenommen werden.

Weiter schlug der Direktor der EPFL Bibliothek vor:

  • Der ETH-Rat solle die Geschäftspraktiken von Elsevier der Wettbewerbskommission melden, um zu überprüfen ob ein Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung vorliege.
  • Der ETH-Rat solle eine Pressekampagne starten, worin die rücksichtslosen Geschäftspraktiken (überhöhte Preise, Preiserhöhungen, unzulässige Koppelung von Produkten) von Elsevier gegenüber der Schweizer Wissenschaftscommunity anprangert, um mit der Unterstützung der Forschenden des ETH-Bereichs ein Umdenken bei Elsevier anzuregen.
  • Weiter müsse man die Schaffung einer juristischen Einheit des ETH-Bereichs endlich in Angriff nehmen, um künftig geeint gegenüber Elsevier aufzutreten.

ETH-Bereichssitzung vom 3.11.2010

An der Bereichssitzung vom 3. November 2010 wurde festgehalten, dass die Situation trotz inzwischen erfolgter Fertigstellung des Konsortialvertrags nach wie vor unbefriedigend sei und kaum Fortschritte erzielt würden. Die Präsidenten der beiden ETHs äusserten den Wunsch, dass die konkreten Zahlen zu den Ausgaben für die elektronischen Bibliotheken im ganzen ETH-Bereich zusammengetragen und in einem Überblick zu Handen der Bereichssitzung dargestellt werden. Dies wurde getan:

Interventionsaufruf der EPFL beim ETH-Rat vom 16.12.2010

Am 16.12.2010 bat Aymonin mit einem Schreiben an den Präsidenten des ETH-Rats sofort zu intervenieren. Dieser leitete am 20.12.2010 das Schreiben an die Präsidenten der ETH, sowie den Direktoren und Direktorinnen der Forschungsanstalten weiter. Mit der Bitte, doch selbstständig zu prüfen, ob sie bereit seien das Risiko mit Elsevier einzugehen, und entsprechend die vorbereiteten Verträge zu unterzeichnen.

Der ETH-Ratspräsident Schiesser schrieb an Aymonin, dass es leider zeitlich nicht reiche direkt einzugreifen, er wolle das Thema jedoch als Traktandum zur nächsten ETH-Bereichssitzung für den 2.2.2011 aufnehmen.

Nun, was war geschehen?

ETH-Bereichssitzung vom 11.5.2011

a) Aussprachepapier mit Kritik der EPFL

Das Aussprachepapier mit der Kritik der EPFL als Vorbereitung für die ETH-Bereichssitzung vom 2.2.2011, die dann aber doch noch um 3 Monate verschoben wurde, gibt abgesehen von ein paar durch den ETH-Rat zensurierten Stellen (=______) Auskunft:

Seit Ende Juli 2010 sind der Zeitplan und die Vorgehensweise des Verlages bei den Verhandlungen nicht mehr tragbar:

  • Am 5. August 2010 hat das Konsortium von den Bibliotheken eine Stellungnahme zu den wichtigsten Linien des Angebots Elsevier bis zum 20. August verlangt, was mitten in der Sommerpause liegt, ohne weder Beträge noch Vertragsbedingungen der Lizenz zu kennen. Von den Bibliotheken wurde folglich eine Anzahl Kommentare und Änderungswünsche geäussert.
  • Am 16. September wurde klar, dass Elsevier alle Änderungswünsche der Bibliotheken zurückgewiesen hatte und es keine weitere Reaktion des Konsortiums gegeben hatte.
  • Es dauerte schliesslich bis zum 3. November, bis ein Kostenvoranschlag vorlag (der jedoch auf den 7. Oktober 2010 datiert war)
  • Am 10. November wurde der Kostenvoranschlag der vorigen Woche korrigiert, da er zahlreiche Fehler enthält.
  • Schliesslich dauerte es bis zum 21. Dezember, bis uns der komplette Lizenztext vorlag, der 10 Bibliotheken ______ betrifft!

Betreffs des korrigierten Kostenvoranschlags vom 10. November über die von jeder Bibliothek zu zahlende Gebühren für die neue gemeinsame Lizenz entdeckten wir hinsichtlich zu unserer grossen Überraschung, dass die Überführung von einzelnen Lizenzen zu einer gemeinsamen Lizenz mit den üblichen Anpassungen seitens Elsevier einherging, was uns zu folgenden Schlüssen führte:

  • Hinterfragung der Nützlichkeit von 5 oder 6 Monaten Verhandlungen
  • Hinterfragung des ganzen Sinns einer gemeinsamen Lizenz, da diese lediglich eine Vereinfachung für den Anbieter, jedoch Komplikationen für die Kundenbibliotheken darstellt.

Darüber hinaus wurden wir vom Konsortium aufgefordert, noch vor dem 19. November eine Stellungnahme hinsichtlich unserer Beteiligung an der Lizenz abzugeben, ohne zu diesem Zeitpunkt jedoch die Vertragsbedingungen, die mit dieser Lizenz verbunden sind, zu kennen.

Wir haben dem Konsortium am 24. November schriftlich mitgeteilt, dass wir zunächst die Endversion des Vertrages mit Elsevier sondieren wollten, um unsere Teilnahme an der gemeinsamen Lizenz definitiv zu bestätigen und haben gleichzeitig von Elsevier eine Fristverlängerung unserer aktuell vorhandenen Einzellizenzen bis zum Abschluss einer gemeinsamen Lizenz gefordert.

______ eigenmächtig, ohne vorherige Befragung oder Diskussion, am 1. Dezember beschlossen, die Elsevier Konsortiallizenz ohne Einbezug der EPFL zum Abschluss zu bringen. Doch wegen unserer Proteste wurde uns schließlich angeboten, unsere Forderung dem Anbieter vorzulegen, nach der wir den Lizenzvertrag erst unterschreiben müssten, nachdem wir ihn erhalten hätten.

Der Verlag versprach dem Konsortium, diese Endvereinbarung am 10. Dezember zu schicken. Sie wurde jedoch erst am 20. Dezember zugeschickt.

Am 21. Dezember erhielt die EPFL eine Kopie. ______

Im Hinblick auf das Risiko, das Verhandlungen um die Erneuerung seiner Einzellizenz für ein oder drei Jahre innerhalb von weniger als 10 Tagen für die EPFL dargestellt hätten, hat die EPFL am 23. Dezember schließlich beschlossen, die gemeinsame Lizenz zu unterzeichnen.

Eine Stellungnahme der EPFL mit konstruktiver Kritik hinsichtlich des Vorgehens wurde dem Präsidenten des Konsortiums am 23. Dezember übersandt.

Neben dieser Kritik zum Zeitplan und Vorgehen des Konsortiums wiederholte Aymonin noch einmal dem Punkt, dass man in der Schweiz zuviel bezahle bzw. eine höhere Preissteigerung als anderswo angeboten bekommt. Die genauen Prozentzahlen hat der ETH-Rat zensuriert.

Konkrete Preissteigerung anonymisiert durch den ETH-Rat

Auch stellte Aymonin eine Überforderung beim Konsortium aufgrund der Komplexität der Lizenzen fest und schlug eine Stärkung vor.

Weiter bat die EPFL den ETH-Rat einzugreifen um:

  1. die Machbarkeit von Vertragsverbesserungen der Lizenz Elsevier Science Direkt für 2012 für den ganzen ETH-Bereich zu untersuchen, und zwar unter Verwendung der Budget-Klausel, die aktuell in die Lizenz aufgenommen wurde sowie aller anderer sachdienlicher Mittel;
  2. Massnahmen für Schritte gegen die Ausnutzung des Verlages Elsevier seiner Machtposition zu prüfen, mittels der er der Schweiz und dem ETH-Bereich seine Dienste zu einem höheren Preis als dem Rest des europäischen und amerikanischen Marktes anbietet, und dies ohne stichhaltigen Grund.
  3. eine Analyse von Mitteln und Vorgehensweisen zu starten, die für die Verhandlungen aller elektronischen Lizenzen des ETH-Bereichs angewandt werden (Elsevier, Wiley, Springer, Nature… )

 

b) Stellungnahme der ETH-Bibliothek

Die Kritik der EPFL kam beim Direktor der ETH-Bibliothek gar nicht gut an. In einer 7-seitigen Stellungnahme wehrte sich Neubauer gegen die „Angriffe“ und „polemischen Unterstellungen“ der EPFL.

Die Behauptung, es hätte bei den Vertragsverhandlungen mit Elsevier Unregelmässigkeiten gegeben, weise ich im Namen des Präsidiums und im Namen der Geschäftsstelle des Konsortiums der Schweizer Hochschulbibliotheken scharf zurück.

An mehreren Stellen verwies Neubauer darauf, dass sich ausser der EPFL niemand kritisch zum Vorgehen des Konsortiums geäussert hatte:

Des Weiteren möchte ich an dieser Stelle nochmals mit Nachdruck darauf hinweisen, dass lediglich die Bibliothek der EPF Lausanne sich in dieser Form geäussert hat und keiner der anderen Konsortialteilnehmer die dort gemachten Aussagen unterstützt. Somit handelt es sich um ein Problem der Bibliothek der EPF Lausanne, keineswegs um ein Problem des Konsortiums, oder gar des ETH-Bereichs.

Probleme mit Elsevier wurden von Neubauer als der unangenehme Regelfall dargestellt, den es zu akzeptieren gilt:

Obwohl, wie bereits zur Sitzung im April 2010 prognostiziert, komplizierte und langwierige Verhandlungen zu erwarten waren, sollte man andererseits nicht vergessen, dass Lizenzverhandlungen für elektronische Informationsprodukte immer ein mühsames Geschäft sind, da ein erheblicher Teil der Verlage betriebsintern weit weniger professionell organisiert sind ist, als dies nach Aussen den Anschein hat. Insofern waren die Diskussionen mit dem Unternehmen Elsevier letztlich auch wieder nur der (zugegebenermassen unangenehme) Regelfall.

[…]

Es ist korrekt, dass die Verhandlungsführung von Elsevier für die (potentiellen) Kunden eine Zumutung darstellt, doch stellt auch dies im weltweiten Lizenzgeschäft keine Besonderheit dar. Ich darf daran erinnern, dass es sich um einen Monopolmarkt handelt, der von einem Grossteil der Verlage einseitig ausgenutzt wird. Das Bemühen der Geschäftsstelle um einen stringenten Verfahrensablauf ist ausführlich dokumentiert, so dass es eindeutig ist, wer hier die Verantwortung trägt. Der Geschäftsstelle ist dies sehr wohl bewusst, doch gibt es wenig bis keine direkten Eingriffsmöglichkeiten.

Zur Kritik, dass in der Schweiz mehr bezahlt wird verwies Neubauer auf die Problematik der Vergleichbarkeit:

Diese Bemerkung ist in dieser Form nicht korrekt, da die Verträge einzelner Konsortien nicht ohne Weiteres vergleichbar sind. Neben den durch besonderes Verhandlungsgeschick erreichbaren Vorteilen, hängt die Preisgestaltung sehr stark auch vom (finanziellen) Umfang des Gesamtpaktes ab. So hat beispielsweise das französische Konsortium geringfügig bessere Konditionen als dies für die Schweiz der Fall ist. Allerdings ist dies wenig überraschend, da der mit Elsevier generierte Umsatz etwa 4-mal höher ist.

Letzlich verwies Neubauer auf die Freiwilligkeit des Konsortiums. Wenn die EPFL nicht genügend Vertrauen in das Verhandlungschick der Geschäftsstelle habe, könne sie ja aus dem Konsortium austreten:

Wie angesprochen, ist das Konsortium eine freiwillige Einrichtung auf nationaler Ebene, die davon lebt, dass alle Teilnehmer etwaige Probleme in kooperativer Form zu lösen versuchen. Gerade im Bereich der Lizenzierung sind für eine problemadäquate Diskussion mit den Verlagen erhebliche Erfahrungen und natürlich auch detaillierte Spezialkenntnisse notwendig, die naheliegender Weise nicht an jedem Ort gleichermassen vorhanden sein können. Dies bedeutet, dass für eine gedeihliche Zusammenarbeit naturgemäss ein gewisses Vertrauen in das Verhandlungsgeschick der Geschäftsstelle vorhanden sein muss. Ist dies nicht der Fall, dürfte es sinnvoller sein, sich aus dem Konsortium zurückzuziehen.

c) Diskussion und Beschluss in der ETH-Bereichssitzung

Aufgrund der Schwärzungen im Protokoll der folgende Diskussion bei der Bereichssitzung, können die Aussagen nicht einer bestimmten Person zugeordnet werden. Allerdings lässt sich nach dem geschilderten vermuten, dass diejenigen Voten, die auf eine Änderung drängten von der EPFL, und jene die den Status Quo zu verteidgen suchten von der ETHZ kamen:

Schiesser [Präsident ETH-Rat] begrüsst die beiden Direktoren der Bibliotheken EPFL (Herr David Aymonin) und ETH Zürich (Herr Wolfram Neubauer). Schiesser informiert, dass Herr Lothar Nunnenmacher, Leiter der zusammengelegten Lib4RI (=Library for the Research Institutes) der Forschungsanstalten ebenfalls eingeladen wurde, heute aber verhindert ist.

Schiesser nennt das Ziel der heutigen Sitzung: Es soll klar werden, wie das Geschäft weiter verfolgt wird. Das Geschäft soll in der Bereichssitzung bleiben. Schiesser erinnert daran, dass die Finanzdelegation ein Auge auf dieses Geschäft haben wird.

Schiesser stellt die Frage, warum der Vertrag mit Elsevier so im Vordergrund steht, obwohl die Kosten dieses Vertrags im Gesamtbetrag der Ausgaben der Bibliotheken nur etwa einen Drittel ausmacht.

Schiesser übergibt das Wort an Weber-Mandrin. Weber-Mandrin erläutert die Geschichte: KOBAR ist ein relativ altes Geschäft, welches an den letzten Bereichssitzungen immer wieder traktandiert wurde. Mitte Dezember 2010 beantragte die EPFL unter anderem die sofortige Intervention des ETH-Rats bei der Unterzeichnung des Konsortialvertrags mit Elsevier. Die Antwort des Präsidenten des ETH-Rats vom 20. Dezember 2010 enthielt den Hinweis, dass die gestellten Anträge an der heutigen Bereichssitzung zu diskutieren seien und jede Institution für sich entscheiden müsse, ob sie den Vertrag unterzeichnen wolle oder nicht. In der Zwischenzeit haben alle Institutionen des ETH-Bereichs den Vertrag mit Elsevier unterzeichnet.

Die Bibliotheken der Forschungsanstalten sind seit dem 1. Januar 2011 zusammengelegt worden und heissen nun „Lib4RI“. Erfreulich ist, dass diese zusammengelegten Bibliotheken offenbar von Elsevier als „eine“ Institution behandelt werden, was sich finanziell günstig auswirken dürfte.

______  erklärt, dass Elsevier einen Preis auf der Basis der Anzahl Studierenden und der Anzahl Forschenden festlegt. Der ETH-Bereich ist ein Teil des schweizerischen Konsortiums, welches bisher die Verhandlungen mit Elsevier führte und schliesslich unterzeichnete. Der ETH-Bereich kann also sein Vorgehen nicht frei entscheiden, ausser er tritt aus dem Konsortium aus. ______ äussert sich skeptisch zum Erfolg von Neuverhandlungen und erinnert daran, dass das Gewicht der Schweiz im internationalen Vergleich relativ klein ist.

______ stellt fest, dass die Verleger ihre Macht ausnutzen. Der ETH-Bereich sollte Wege finden, sich gegen diese Verlage zu wehren. Gemeinsames Vorgehen ist ein Modell, aber nicht nur auf schweizerischer Ebene, sondern international. Möglicherweise könnte eine Gemeinschaft mit anderen Universitäts-Systemen, wie z.B. mit dem UC-System in Kalifornien, gebildet werden. Schiesser begrüsst den Vorschlag von ______ , mit anderen Universitätssystemen in Kontakt zu treten und gemeinsam vorzugehen.

______ verweist auf den Erfolg von ______ der für die vier Forschungsanstalten in Neuverhandlungen erreicht hat, dass für einen kleineren Preis als bisher mehr Journals zur Verfügung stehen. Er nennt das Beispiel anderer Länder, welche mit bedeutend mehr Finanzdruck als bei uns nach einer Kündigung des Vertrags mit Elsevier und anschliessenden Neuverhandlungen eine Preisreduktion in der Grössenordnung von 10-15% erzielen konnten. ______ bestätigt diese Schätzung von ______

______ nimmt die zu Beginn gestellte Frage von Schiesser auf: Warum hat Elsevier eine solche Bedeutung? antwortet, dass Elsevier der grösste Verlag ist. Gewisse kleinere Verlage verhalten sich noch aggressiver in ihrer Preispolitik.

______ skizziert die generelle Problematik: Der Inhalt für die Publikationen wird von den Forschenden geliefert. Der Verlag verlangt das Copyright von den Forschenden und verkauft dann die Publikationen wieder an dieselben Forscher, welche den Inhalt liefern – die ganze Situation ist eigentlich paradox. Aus Sicht von ______ wäre ein gemeinsames Vorgehen Richtung „open access“ die einzige längerfristig wirksame Massnahme, um die Macht der Verlage zu brechen.

______ verweist auf das Beispiel von Frankreich, wo durch gemeinsames hartes Verhandeln eines Konsortiums aller Hochschulen eine Reduktion des Preises erreicht wurde.

Schiesser fragt nach den nächsten Schritten.

______ schlägt vor, dass ein Vertreter des ETH-Rats mit Elsevier einen neuen Vertrag verhandelt, nach einem vorgängigen Austritt aus dem bestehenden Vertrag. Auf die Frage von Schiesser nach dem Verhandlungsziel antwortet ______ , dass erreicht werden sollte, dass für denselben Betrag wie heute der Zugang zu allen Publikationen inbegriffen Schiesser möchte zunächst die Meinung eines Experten einholen, namentlich zur Frage, welche rechtlichen Möglichkeiten bei diesen Verhandlungen bestehen.

______ setzt sich dafür ein, dass der ETH-Bereich nicht aus dem schweizerischen Konsortium austritt, sonst wird dieses Konsortium zerstört. Er stellt fest, dass das schweizerische Konsortium zur Zeit keine Neuverhandlungen führen will.
______ gibt zu bedenken, dass der ETH-Bereich ein wichtiger Teil des Konsortiums (ca. ein Drittel) ist. Der ETH-Bereich darf das Konsortium offiziell anfragen, ob es Neuverhandlungen führen will.

______ schlägt vor, das Thema eine Stufe höher zu heben und z.B. in der CRUS eine gemeinsame Strategie zu diskutieren. Die vier Forschungsanstalten haben eine gemeinsame Lösung gefunden. Für Schiesser ist es wichtig, dass alle sechs Institutionen gemeinsam vorgehen. Erst dann kann ein gemeinsamer Antrag an das schweizerische Konsortium gestellt werden.

______ sieht nur zwei Möglichkeiten, die Verleger zum Einlenken zu bewegen: Entweder gibt es eine gesetzliche Möglichkeit, Druck auf die Verleger auszüben, oder der ETH-Bereich ist in Verhandlungen bereit, auf den Vertrag zu verzichten. Andernfalls könnte das Verhandlungsteam keine starke Position einnehmen.

Schiesser gibt ______ recht. Darum möchte er zunächst durch einen Experten die rechtliche Seite der Angelegenheit abklären lassen.
______ wiederholt seinen Vorschlag, dass der ETH-Bereich einige Schritte in Richtung „open access“ gehen sollte. Das Beispiel der Musikindustrie zeigt den längerfristigen Erfolg solcher Massnahmen.
Bei allen Verhandlungen wäre der ETH-Bereich oder auch das schweizerische Hochschulkonsortium in einer schwachen Position.

Schiesser fasst die Diskussion zusammen und schlägt folgende nächste Schritte vor:

  1. Es wird eine rechtliche Expertise in Auftrag gegeben mit dem Ziel, herauszufinden, welche rechtlichen Möglichkeiten der ETH-Bereich hat, die Verleger zu Konzessionen zu bringen. Die drei Bibliotheksleiter sollen zuhanden der Bereichssitzung baldmöglichst, spätestens aber bis zur nächsten Bereichssitzung vom 31. August 2011, Vorschläge für einen Rechtsexperten unterbreiten, welcher sich im Bibliothekswesen, insb. auch aus internationaler Sicht, auskennt. Gleichzeitig sollen die drei Bibliotheksdirektoren im Sinne eines Brainstormings einen ersten Entwurf für einen Fragenkatalog an den Experten zusammenstellen. Der ETH-Rat wird die Expertise bezahlen.
  2. Mit anderen Universitäten oder Universitätssystemen soll ein gemeinsamer Weg gefunden werden, wie mit den Verlegern erfolgreich verhandelt werden kann. Als Beispiel nennt Schiesser das UC-System. Die Bibliotheksdirektoren nehmen nach gegenseitiger Absprache mit den entsprechenden Institutionen Kontakt auf.

[…]

Schiesser dankt allen für die gute Diskussion. Er hofft auf eine Lösung, welche billiger sein wird oder zum gleichen Preis Zugang zu mehr Publikationen ermöglicht.

[..]

Schiesser bittet alle um eine Berichterstattung über die Resultate an der nächsten Bereichssitzung vom 31. August 2011.

Ergänzung 22.1.2016

Nachträglich habe ich im Beitrag noch die Stellungnahme von Neubauer auf die Kritik der EPFL ergänzt. Diese war mir leider beim ursprünglichen Scannen der Papierdokumente durchgerutscht.

Fortsetzung: Teil 2

Zahlungen der Universität Zürich

Was zahlt die Universität Zürich an Elsevier, Springer und Wiley?

Auf diese Frage weigerte sich die Hauptbibliothek der Universität Zürich (HBZ) im Juli 2014 eine Antwort zu geben. Gegen die Ablehnung rekurrierte ich im August 2014 bei der zuständigen Rekurskommission der Zürcher Hochschulen. Während des Rekursverfahrens erhielt ich durch ein Missverständnis und zum Erstaunen aller Beteiligten Einsicht in die gewünschten Daten der HBZ, welche eigentlich nur für die Rekurskommission bestimmt gewesen waren. Im Dezember 2014 zog ich deshalb den inzwischen nicht mehr notwendigen Rekurs gegen die HBZ zurück, führte aber den Rekurs gegen die Einsichtsverweigerung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) bei der gleichen Rekurskommission weiter. So kenne ich nun seit einem Jahr die Zahlungen der Hauptbibliothek und hätte sie, wie mir die Rekurskommission ehrlich antwortete, legal veröffentlichen können. Doch aus Gründen der Fairness wollte ich damit zuwarten bis die rechtliche Situation im Kanton Zürich bei den parallelen Rekursen gegen die Einsichtsverweigerungen der ZHAW oder gegen die Zentralbibliothek Zürich grundsätzlich geklärt worden ist. Das Prinzip scheint mir hier wichtiger als die Zahlen.

Im Dezember 2015 entschied nun endlich die Rekurskommission der Zürcher Hochschulen unter Berücksichtung der kantonalen Gesetzgebung, dass die ZHAW mir ihre Zahlungen an die Verlage zugänglich machen muss. Es ist davon auszugehen, dass die Rekurskommission im Falle der Hauptbibliothek der Universität Zürich gleichermassen entschieden hätte und die HBZ die Zahlen so oder so hätte herausrücken müssen. Wie sie übrigens auch die freihändigen Zuschläge auf simap.ch hätte deklarieren müssen!

Zu den Zeitschriftenausgaben

Hier also nun die Zeitschriftenausgaben der Hauptbibliothek der Universität Zürich. Die Ausgaben der Zentralbibliothek Zürich, welche insbesondere die geisteswissenschaftlichen Fächer an der Universität Zürich abdeckt, sind hier noch nicht eingerechnet (dieser Rekurs läuft noch).

Auch hier (wie bei der UniBE und der ETHZ) können wir überschlagsmässig nun erstmals einen Blick wagen, was dies für die Transformation zu Gold OA bedeuten würde.

Als Datengrundlage bietet sich das Repository ZORA an, wo seit 2008 alle Forschenden der Universität Zürich verpflichtet sind, ihre Publikationen zu hinterlegen.

Sparpotential bei Elsevier

Forschende der Universität Zürich (inkl. Universitätsspital) publizieren pro Jahr gegen die 950 Zeitschriftenartikel bei Elsevier:

Gehen wir hier wieder von einem Corresponding Author Anteil von 60% und einer durchschnittlichen APC von 2700 CHF aus, lässt sich ein Einsparungspotential von fast 0.25 Mio. CHF ausmachen!

Elsevier: 570 Artikel * 2700 CHF = 1'539'000 CHF
(Subskriptionskosten 2014: 1'778'095 CHF)

500’000 CHF mehr bei Springer (APC 3000 CHF)

Ohne SpringerOpen und BMC werden pro Jahr gegen die 600 Artikel durch AutorInnen der Universität Zürich bei Springer veröffentlicht.

Rechnen wir hier auch wieder mit einem 60% Corresponding Author-Anteil und einer APC von 3000 CHF. Mit dieser müsste die UZH gut 500’000 CHF mehr bezahlten.

Springer: 360 Artikel * 3000 CHF = 1'080'000 CHF
(Subskriptionskosten 2014: 589'080 CHF)

150’000 CHF mehr bei Wiley (APC 3000 CHF)

Bei Wiley kann von ca. 650 Artikel pro Jahr ausgegangen werden:

Hier müsste die UZH 150'000 CHF mehr bezahlen.

Wiley: 390 Artikel * 3000 CHF = 1'170'000 CHF
(Subskriptionskosten 2014: 1'025'733 CHF)

Fazit

Rechnet man mit den Verlags-APCs, 2700 CHF bei Elsevier, 3000 CHF bei Springer und Wiley, müsste die UZH gute 350’000 CHF mehr bei einer Transformation zu OA bezahlen.

Würde man aber mit einer APC von 2600 CHF rechnen, ergäbe sich wieder eine kostenneutrale Transformation

Wiley + Elsevier + Springer : 1320 Artikel * 2600 CHF = 3'4 Mio CHF
(Subskriptionskosten 2014: 3.4 Mio CHF)

Green-OA dümpelt ohne in Fahrt zu kommen

Der Universität Zürich hat schon seit 2008 eine verpflichtende OA-Policy und leistet sich inzwischen ein 7-köpfiges Open Access Team, welches jede Publikation die auf ZORA eingeht prüft und sich um das Einholen von Volltexten bemüht. Schaut man sich den Erfolg bei den Zeitschriftenartikel an, scheint dies zumindest bei den drei grossen Verlagen ziemlich ineffektiv zu sein. Lediglich bei Springer kommt man im Jahre 2014 auf eine Höchstmarke von 35% freien Volltexten im Repository. Bei Elsevier sind es immerhin noch 24%. Bei Wiley bleibt es aber bei kümmerlichen 12%.  Insgesamt sind lediglich 23% (492 von 2126) bei Elsevier, Springer und Wiley publizierten Artikel von Zürcher AutorInnen über ZORA zugänglich.

Im Vergleich zu anderen Unis mögen dies vielleicht sogar gute Werte sein. Nüchtern betrachtet, müsste man sich aber bei diesen Zahlen sieben Jahre nach Einführung der OA-Policy eingestehen, dass es dringend einen Strategiewechsel bedarf. Wenn die Universität Zürich pro Jahr 3,4 Mio CHF an die Verlage Elsevier, Springer und Wiley zahlt (nur Journals!), aber im Gegenzug nur 23% der eigenen bei diesen Verlagen publizierten Artikel frei bei ZORA zugänglich sind, läuft etwas gewaltig schief!

Gold-OA an der Universität Zürich unterfinanziert

Noch absurder wird es, wenn man bedenkt das AutorInnen der Uni Zürich die in einem Gold OA Journal z.B. von Frontiers oder BioMedCentral publizieren wollen für einen Teil der Kosten selber aufkommen sollten. An die Publikationskosten die beim beliebten Verlag PLOS entstehen, zahlt die Hauptbibliothek dann aber schon gar nichts mehr. Obwohl dort im Jahr 2014 bereits 176 Artikel publiziert wurden und somit schon ein Viertel des Publikationsaufkommen bei Wiley ausmacht.

Die Logik, dass die Hauptbibliothek Subskriptionen von drei wissenschaftsfeindlichen Verlagen mit 3,4 Mio CHF fördert und die immensen Kosten am liebsten noch der Öffentlichkeit verschweigt, gleichzeitig aber kein oder nur wenig Geld für ganz offensichtlich nachgefragten Open Access Verlage hat, scheint mir enorm widersprüchlich. Von der Universität Zürich wird das LERU-Statement „Christimas is Over“ offenbar nicht gekommen sein. Leider!

Update: 12.1.2016

Dank einem Hinweis des OA-Teams der UZH habe ich festgestellt, einen Bug in meinem Pentaho-Script für die Auswertung des ZORA-XML gehabt zu haben. Ich habe den Fehler und entsprechend die Daten korrigiert. Wie vom OA-Team der UZH korrekt beanstandet, sind es weit mehr Publikationen die von UZH-Wissenschaftler bei Elsevier, Springer und Wiley publiziert werden.

Dies ändert natürlich die überschlagsmässig prognosizierten Kostenersparnisse gravierend, bzw. resultiert bei Wiley und Springer gar in Mehrkosten. Das heisst, das ursprüngliche Fazit das eine kostenneutrale Transformation zu Gold OA selbst bei einer forschungsintensiven Universität mit den von den Verlagen gesetzten APCs möglich ist, scheint falsch zu sein.

Jedoch wissen wir alle, dass die durchschnittliche APC wohl mit 3000 CHF definitiv ein Maxium darstellt. Sobald man mit einer realistischeren APC von unter unter 2600 CHF bei Elsevier, Wiley und Springer rechnet, ist die UZH auch schon wieder in der Sparzone.

Hinweis

Die für die Grafiken und Auswertungen von ZORA verwendeten Daten sind in diesem Google Spread Sheet zugänglich.