Open Science Monitor der EU-Kommission online

Der „Open Science Monitor“ der EU-Kommission ist online. Auszug aus der Beschreibung des Tools zum Monitoring von Open Science in Europa:

„The Open Science Monitor supports open science initiatives in Europe. It provides a way to assess developments in open science and particularly trends in open science activities over time and comparatively between countries and scientific disciplines. […] The monitor was commissioned by the European Commission Directorate-General for Research and Innovation. It was developed by several partners, led by RAND Europe with the support of Digital Science, Altmetric, figshare and Deloitte.“

Für den Bereich „Open Research Data“ werden Daten  von re3data verwendet:

Open Science Monitor

Eine ausführliche Darstellung der Methodik findet sich auf der Website des Monitors (PDF). Der Monitor greift auf folgende Quellen zu: 101innovations, Altmetric, arXiv, bioRxiv, Clarivate Analytics, F1000Research, figshare, GenBank, Helmholtz-Centre for Environmental Research – UFZ and German Centre for Integrative Biodiversity Research (iDiv), Nature Publishing Group and Palgrave Macmillan, OpenAIRE, PeerJ preprints, Publons, re3data.org, RePEc, SHERPA/RoMEO, SHERPA/JULIET, Taylor & Francis und Wiley. In Zukunft sollen weitere Quellen, z. B. zur offenen Zugänglichmachung von wissenschaftlicher Software und Open Educational Resources integriert werden.

Next-generation metricsPassend zum Thema Metriken für Open Science hat heute die „Expert Group on Altmetrics“, die die Generaldirektion Forschung und Innovation der EU-Kommission berät, ihren Abschussbericht unter dem Titel „Next-generation metrics: Responsible metrics and evaluation for open science“ veröffentlicht.

Die fünf Kernaussagen des lesenswerten Reports lauten: „An open science system should be grounded in a mix of expert judgement, quantitative and qualitative measures“; „Transparency and accuracy are crucial“; „Make better use of existing metrics for open science“;“Next generation metrics should be underpinned by an open, transparent and linked data infrastructure;“ sowie „Measure what matters“.  Damit wird ein deutlicher Kurswechsel bei der Evaluierung von Forschungsleistung vorgeschlagen.

Die Expertinnen und Experten der Arbeitsgruppe empfehlen auch den Standard ORCID zur Identifikation von Autorinnen und Autoren und weiteren Beteiligten im Forschungsprozess verpflichtend im kommenden Rahmenprogramm für Forschung und Innovation (FP9) zu verankern.

Disclosure: Ich bin in zwei der genannten Initiativen involviert: re3data und ORCID DE.

Beall’s Liste ist weg – gut so!

Jeffrey Beall’s Liste ist weg. Sein Blog, wo er eine viel beachtete Liste von Journals und Verlage führte, die er als „Predatory“ einstufte, ist leer geräumt. Beall selber will nicht sagen wieso er die Inhalte seines Blogs entfernt hat. Dies führt nun im Netz zu vielerlei Spekulation.

Beall hat die Welt auf das Problem der Predatory Journals aufmerksam gemacht und in diesem Feld auch Pionierarbeit geleistet. Dafür gebührt ihm Dank und Respekt. Allerdings schoss er häufig über das Ziel hinaus und drückte manchen Verlagen ohne seriöse Abklärung das Prädikat „Predatory“ auf. Seine Vorurteile hinsichtlich Verlage und Menschen ausserhalb des westlichen Kulturkreises oder seine tiefe Abneigung gegenüber Open Access waren dabei nicht zu übersehen. Er versteifte sich zudem darauf Probleme nur bei Open Access Verlagen zu kritisieren. Qualitätsprobleme oder pures profitorientiertes Verhalten sind selbstverständlich auch bei den klassischen Subskriptionsverlagen zu finden.

Während andere Lösungen entwickelten, beschränkte sich Beall darauf immer und immer wieder auf das Problem hinzuweisen, so dass es in den Medien und letztlich in den Köpfen von unwissenden Forschenden massiv überrepräsentiert wird.

Forschende, welche wenig Erfahrung mit Open Access haben, verweisen gerne voller Vorbehalte zuerst auf Beall’s Liste. Dabei ist die Gefahr von Predatory Journals überbewertet. Mit etwas Verstand und Vorsicht (passend dazu die Kampagne Think – Check – Submit) ist das Problem vergleichsweise genauso gross bzw. klein wie Spam oder Phishing mit Zusammenhang mit E-Mails. Mit der Zeit entwickelt man Routine auf gewisse Merkmale zu schauen, wodurch sich das Risiko auf einen Scam reinzufallen drastisch verkleinert. Und wenn dann immer noch jemand reinfällt, dann war entweder der Scam sehr raffiniert, oder der/die Forschende einfach unglaublich naiv.

Es ist zu hoffen, dass mit der Löschung von Beall’s Liste nun bessere Lösungen wie der Quality Open Access Market oder das DOAJ Seal vermehrt Aufmerksamkeit bekommen.

Niederlande: Transparenz von Subskriptionskosten

In den Niederlanden sind nun die Ausgaben der Universitäten an die grossen Verlage, nach Anfragen von Amos Keestra ebenfalls offengelegt worden:

niederlande-kosten

Subskriptionsausgaben der niederländischen Universitäten an die grossen Verlage im Jahre 2015. (Daten als Excel)

Hängig sind noch zusätzliche Anfragen von Leo Waaijers, bei denen es um Einsicht in die (Offsetting)-Verträge geht. SpringerNature und und Elsevier versuchen diese Offenlegung vor Gericht zu verhindern. Ein Entscheid wird im Januar erwartet.

Schweiz: Studie belegt massives Sparpotential beim Wechsel zu Open Access

Eine Studie von Swissuniviersities und des Schweizer Nationalfonds (SNF) hat erstmals die aktuellen Kosten von Schweizer Hochschulen im Zusammenhang mit dem wissenschaftlichen Publizieren untersucht und Modelle zur Transformation zu Open Access aufgearbeitet. Die Studie wurde durch die Beratungsfirma CEPA in Zusammenarbeit mit John Houghton durchgeführt. Die bisherigen „Houghton-Reports“ haben schon für Australien, Grossbritannien, Dänemark, Niederlanden sowie Deutschland aufgezeigt, dass ein Umstieg auf Open Access sich volkswirtschaftlich lohnt.

Ermittlung Ausgaben Schweizer Hochschulen

Über eine Umfrage an Schweizer Hochschulen bzw. deren Bibliotheken wurde ermittelt, dass 2015 in der Schweiz  für Zeitschrifteinsubskriptionen 70 Mio. Fr. ausgegeben wurden. Zusätzlich wurde für Gold OA 4.4 Mio Fr. und für Hybrid OA 1.7 Mio Fr bezahlt. Der relativ hohe Betrag für Hybrid erstaunt, da Hybrid weder von Hochschulen, noch von Forschungsförderorganisationen offiziell unterstützt wird. Insbesondere bei den Kosten für Hybrid wird jedoch darauf verwiesen, dass aufgrund fehlender Rückläufe zur Umfrage und der unterschiedlichen Datenqualität Schätzungen vorgenommen wurden, und somit eine Unsicherheit über die tatsächlichen Zahlungen besteht.

Die Studie verzichtet unverständlicherweise darauf die Ausgaben per Hochschule oder per Verlag aufzuschlüsseln.

Ermittlung Publikationsverhalten

Eine Auswertung der Daten von Scopus durch die Max Planck Digital Library (MPDL) zeigt, das 2015 gegen 31’000 Artikel mit einer AutorIn aus der Schweiz publiziert wurden, was je nach Datenquelle 1-2% aller weltweiten produzierten Artikel darstellt. 16% davon sind bereits heute Gold OA.

Von diesen 31’000 in Scopus indexierten Artikel mit Schweizer Beteiligung, dürfte bei 54% (also 17’000 Artikel) auch der Corresponding Author einen Bezug zu einer Schweizer Institution haben. Bei dieser Zahl ist zu berücksichtigen, dass Scopus grundsätzlich nicht vollständig ist und zum Zeitpunkt der Analyse (April 2016) zudem noch nicht ganz alle Artikel des Jahres 2015 erfasst wurden. Unter Berücksichtigung dieser Unsicherheit gehen wir mal von gut 20’000 Artikel aus, welche bei einem Wechsel zu zu einem Author-Pays Modell durch Schweizer Institutionen bezahlt werden müssten.

Hoher Break-Even APC

Würde man das Geld der Subskriptionen in einen grossen Publikationsfonds umwandeln, könnten die Hochschulen den (corresponding) AutorInnen pro Artikel 3’500 CHF zu Verfügung stellen:

70 Mio. Fr. / 20’000 Artikel = 3’500 Fr.

Das heisst selbst wenn wir von den heutigen (zu hohen) Hybrid-Kosten von 3’000 Franken pro Artikel (wie sie der SNF aktuell zahlt) ausgehen, wäre es der Schweiz locker möglich alle eigenen Publikationen über Gold OA zu publizieren:

20’000 Artikel * 3000 Fr. = 60 Mio. Fr.

Allerdings dürften die Ersparnisse weitaus grösser ausfallen, da in einer Gold OA Welt der Preis pro Artikel weitaus günstiger ausfallen wird. Basierend auf heutigen Erfahrungswerten aus dem Ausland, geht die Studie (S. 86) von einer durchschnittlichen APC von 1’567 Fr. für Gold OA aus. Das heisst in einer reinen Gold OA-Welt, in der jedes Land seinen Output finanziert, müsste die Schweiz sogar nur noch 31 Mio Fr. zahlen:

20’000 Artikel * 1567 Fr. = 31 Mio. Fr.

Mit einem globalen Wechsel zu OA ergibt sich somit ein beachtliches Einsparpotential von 10 bis 40 Mio. Fr. für die Schweiz.

Szenarien hin zu 100% Open Access für Schweizer Literaturproduktion

Die Studie überprüfte nun verschiedene Wege um den OA Anteil für „Schweizer“ Artikel bis 2024 auf 100% zu erhöhen. Empfohlen wird letztlich ein gemischtes Szenario von Förderung von Gold OA (ohne Hybrid) und dem Beibehalten von Green OA.

mixed_oa_modell2

Empfehlung: Bis 2024 sollen alle Artikel aus der Schweiz entweder per Gold oder Green OA frei zugänglich sein. Dabei wird davon ausgegangen, dass der weltweite OA-Anteil (Green, Gold und Hybrid) wie bisher nur sehr zögerlich wächst, so das selbst 2024 das Subskriptionsmodell beim Zugriff auf fremde Literatur noch dominant sein wird.

Finanzielle Auswirkung

Für jedes Szenario wurden auch die finanziellen Auswirkungen aufgezeigt. Für das empfohlene Szenario (Green OA und Gold OA gemischt) sieht der Fianzierungbedarf wie folgt aus:

finanzieller-bedarf

Sollen künftig 50% der Publikationen über Gold OA finanziert werden, sieht die Studie einen zusätzlichen Finanzbedarf von 20-25 Mio Fr. bis 2024 vor. Die bisherigen Kosten für Hybrid würden wegfallen. Für Repositories fallen leicht mehr Kosten an. Der Posten für Subskriptionen nimmt im Umfang des stetigen Publikationswachstums zu.

Ein wesentlicher Faktor dabei ist, ob und wie schnell andere Länder den Wechsel zu Open Access ebenfalls vollziehen:

Switzerland represents a small proportion of global output (1.2%) and unless the world chooses to go OA, a large proportion of funding will still go to paying for conventional subscriptions. Hence, if Switzerland can encourage other countries to move to OA (most likely through setting an example and through international partnerships), this has the potential to significantly reduce costs.

D.h. auch die Studie anerkennt, dass es sich bei Open Access (zumindest aus der Sicht der Schweiz) um ein Problem der Koordination und nicht wirklich um ein finanzielles Problem handelt.

Hoch lebe das Subskriptionsmodell bis in alle Ewigkeit

Trotzdem irritiert die Studie mit der Empfehlung, dass um mehr Gold OA zu erreichen, auf unabsehbare Zeit weitere Millionen Franken in das System reingebuttert werden sollen.

Dies deshalb, weil in jedem aufgezeigten Szenario die 70 Mio. Fr. für Subskriptionen unverändert beibehalten werden sollen. Die Studie setzt völlig unkritisch die heute per Subskription erworbenen Inhalte (gemäss Studie 2.5 Mio. Artikel) mit dem tatsächlichen Konsum der Forschenden gleich. Das Erwerbungsmodell „Patron-driven acquisition“, welches eine solche Aussage vielleicht noch annäherend stützen könnte, ist jedoch hauptsächlich bei den Bücher gebräuchlich, nicht bei den Zeitschriftenartikel. Vielmehr ist aus der Praxis bekannt, dass es bei der Erwerbung von Zeitschriften oder Zeitschriftenpakete (Big Deals), grosse Streuungsverluste gibt, wobei etwa zwei Drittel der erworbenen Inhalte kaum bis nie genutzt werden.

Dazu muss man auch anmerken, dass in der Schweiz die „Zeitschriftenkrise“ im Budget der Hochschulen bzw. deren Bibliotheken nie merklich stattfand. Die meisten Bibliotheken konnten mit der Preissteigerung gut mitgehen und mussten ihr Erwerbungsverhalten nie gross hinsichtlich Kosten und Nutzen überprüfen.

Das Label „Bildung und Forschung“ funktioniert in der Schweizer Politik seit Jahren immer nahezu bedingungslos und sorgte für stetiges Budgetwachstum, insbesondere auch beim tertiären Hochschulbereich inkl. Forschung. Dieses Budgetwachstum färbt sich dann natürlich auch auf die Hochschulbibliotheken ab.

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Äussere Anreize sich in diesem Umfeld bei den Ausgaben auf das wirklich Notwendige zu beschränken oder nachhaltige Lösungen zu suchen sind deshalb grundsätzlich kaum vorhanden. Schweizer Hochschulbibliotheken kaufen und mieten was das Budget hergibt. Tatsächlicher Bedarf, Nachhaltigkeit und Transparenz bleibt sekundär. Die unsinnigen Nationallizenzen, welche inzwischen für OUP, CUP, De Gruyter und Springer gekauft wurden, zeigen dies besonders deutlich. Völlig mut- und visionslos werfen hier die BibliotheksdirektorInnen den Verlagen Millionen von Franken hinterher ohne je den tatsächlichen Bedarf der Forschung erhoben oder aufgezeigt zu haben.

Die vorliegende Studie scheint leider in diesem verschwenderischen Stil weiterfahren zu wollen. Dabei war gerade in den Niederlanden insbesondere die Vorgabe aus der Politik: „Mehr OA aber ohne zusätzliches Geld“ jenes Schlüsselelement weshalb dort die konventionellen Verlage in harten Verhandlungen zu mehr Open Access für die niederländische Forschung bewegt werden konnten. Diese Vorgabe scheint mir in der Schweiz ebenfalls angebracht.

Alternatives Szenario: Subskriptionen runter – Gold OA Funding hoch

Ein sinnvolles Szenario wäre beispielsweise, dass man in der Schweiz die bisherigen Subskriptionen von 70 Mio Fr. auf 40 Mio. Franken reduziert und mit den freigewordenen 30 Mio Fr. eine anständige und durchgehende Gold OA Unterstützung bietet. Mit 40 Mio Fr. lässt sich immer noch ganz ordentlich Zugriff für die Forschenden herstellen. Mehr Selektion und Fokusierung auf das Wesentliche wird die Forschung in der Schweiz nicht in die Knie zwingen (Siehe auch Nabe and Fowler 2012; Toni 2012).

Man darf Forschenden für das wichtige Ziel OA auch temporär zumuten gelegentlich auf Pay-Per-View, Dokumentlieferdienste, Fernleihe, Repositories aus dem Ausland, Autorenwebseiten oder auf Sci-Hub zuzugreifen. Manche Forschende könnten so endlich ein akkurates Verständnis von der Problematik um OA und ihre Mitverantwortung entwickeln. Ebenfalls würden Bibliotheken feststellen, dass die Welt auch ohne Big Deals weiterläuft, was diesen dann bei Verhandlungen für mehr OA und vernünftigen Preisen helfen würde. Oder wie es Timothy Gowers kürzlich treffend auf den Punkt gebracht hat:

Part of the problem is that the people who negotiate on our behalf are, quite reasonably, afraid of the reaction they would get if we lost access to important journals. It’s just a pity that they are not also afraid of the reaction if the deal they strike is significantly more expensive than it need have been. (We are in a classic game-theoretic situation where there is a wide range of prices at which it is worth it for Elsevier to provide the deal and not worth it for a university to cancel it, and Elsevier is very good at pushing the price to the top of this range.) Pressure should also be put on librarians to get organized with a proper Plan B so that we can survive for a reasonable length of time without Big Deal subscriptions. Just as with nuclear weapons, it is not necessary for such a Plan B ever to be put to use, but it needs to exist and be credible so that any threat to walk away from negotiations will be taken seriously.

Fazit

Der Umstand, dass die Finanzflussanalyse kein Szenario geprüft hat, in dem der Wechsel tatsächlich kostenneutral gelingen kann, scheint mir neben dem Verzicht auf detaillierte Ausgaben pro Hochschule und pro Verlage die grösste Schwäche der Studie zu sein. Die empfohlene Stossrichtung mit Gold und Grün weiterzufahren scheint mir realistisch. Offsetting von Hybrid-APCs mit Subskriptionskosten sollte aber ebenfalls berücksichtigt werden, da eben genau dieses Instrument hilft, die zusätzliche Kosten bei der Transformation zu vermeiden und der globale Wechsel zu letztlich Pure Gold OA zu beschleunigen.

Der in der Studie immer wieder durchscheinende Vorschlag, die Schweiz könnte sich über OA als internationaler Leader und Beispiel profilieren gefällt. Es ist höchste Zeit, dass man OA verbindlich als Ziel anvisiert und sich endlich an den internationalen Initiativen beteiligt.

Disclosure: Mein Arbeitgeber hat die Studie mitfinanziert. Ich war jedoch zu keinem Zeitpunkt in die Studie involviert und hatte auch erst Zugang zur Studie als sie offiziell auf Zenodo veröffentlicht wurde. Dieser Post beinhaltet (wie immer auf diesem Blog) meine persönliche Meinung.

Akademien positionieren sich zur wissenschaftlichen Publikationspraxis

Die Académie des sciences, die Leopoldina und die Royal Society haben gemeinsame Leitsätze (deutsch/englisch) für eine gute wissenschaftliche Publikationspraxis veröffentlicht. Eine Pressemitteilung der Leopoldina fasst diese zusammen:

„Die Académie des sciences, die Leopoldina, und die Royal Society orientieren sich in ihren Leitsätzen für gute wissenschaftliche Publikationspraxis an vier Kriterien: wissenschaftliche Informationen sollen effizient und hochwertig verbreitet, Interessenkonflikte vermieden, die Artikel fair geprüft und Auswahl und Redaktion durch anerkannte Wissenschaftler verantwortet werden.“

U. a. sprechen sich die drei Akademien für die Nutzung von Preprint-Servern aus. Mit der Gründung von SocArXiv, engrXiv, ChemRxiv und PsyArXiv erleben diese gerade eine Renaissance. Auszug aus den Leitsätzen:

„Um Verzögerungen bei der Verbreitung wissenschaftlicher Ergebnisse zu minimieren, sollten Artikel in offenen Archiven (auf so genannten Preprint-Servern) zugänglich gemacht werden.“

Darüber hinaus positionieren sich die drei Akademien zu Open Access:

„Wir unterstützen die Grundsätze von Open Access und würden es begrüßen, wenn so bald wie möglich sämtliche veröffentlichten wissenschaftlichen Arbeiten unter offener Lizenz frei verfügbar wären – bei Publikationskosten, die für die wissenschaftliche Community tragbar sind. Wir unterstützen sowohl den „Grünen“ als auch den „Goldenen Weg“ im Bereich Open Access und sind überzeugt, dass die Mittel, die derzeit in Abonnements von Fachzeitschriften fließen, in die Finanzierung von Publikationsgebühren umgeleitet werden sollten.“

Die Leitsätze wurden dem EU-Kommissar für Forschung Wissenschaft und Innovation, Carlos Moedas gestern übergeben.

Wissenschaftsorganisationen kritisieren Lizenz-Angebot von Elsevier

Im Rahmen des Projektes „DEAL – bundesweite Lizenzierung von Angeboten großer Wissenschaftsverlage“ haben wissenschaftliche Einrichtungen in Deutschland im Sommer begonnen einen nationalen Vertrag mit dem Verlagsgiganten Elsevier zu verhandeln. Eine Pressemitteilung der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen informiert jetzt über den Stand der Verhandlungen:

„Nach mehrmonatigen intensiven Verhandlungen hat der Verlag Elsevier der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen ein erstes Angebot für eine bundesweite Lizenz für den Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen vorgelegt. Das Angebot entspricht nach Überzeugung der Allianz nicht den Prinzipien von Open Access und einer fairen Preisgestaltung. Trotz der derzeit bei 40 Prozent liegenden Umsatzrendite setzt der Verlag weiter auf Preissteigerungen jenseits der bislang bezahlten Lizenzsummen. Der Verlag lehnt transparentere Geschäftsmodelle ab, die auf der Publikationsleistung basieren und Publikationen offener zugänglich machen würden.“

Aufgrund der aggressiven Preispolitik und des aktiven Lobbyings des Verlages gegen Open Access haben seit 2012 im Rahmen der Initiative „Cost of Knowledge“ über 16.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Zusammenarbeit mit Elsevier eingestellt. Mehrere wissenschaftliche Einrichtungen haben im Kontext von DEAL ihre Verträge mit Elsevier zum Ende dieses Jahres gekündigt u.a. die Staatsbibliothek zu Berlin.

DEAL ist m. E. das wichtigste Projekt wissenschaftlicher Bibliotheken in Deutschland seit vielen Jahren. Es ist zu hoffen, dass alle wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland DEAL aktiv und geschlossen unterstützen und damit ein klares und deutliches Zeichen gegen das wissenschaftsfeindliche Geschäftsgebaren von Elsevier setzen. Das Statement der League of European Research Universities (LERU)  „Christmas is over. Research funding should go to research,  not to publishers!“ aus 2015 sollte weiterhin die Richtung vorgeben.

Update, 04.12.2016: Elsevier-Statement

Elsevier beschreibt in einem Statement, das mich über die PR-Agentur des Verlages erreichte, seine Sicht auf die Verhandlungen:

„Elsevier wurde von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) darum gebeten, an vertraulichen Verhandlungen teilzunehmen, um erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland eine landesweite Vertragsvereinbarung für wissenschaftliche Literatur zu entwickeln. Wir sind diesem Ansinnen nachgekommen und haben Vorschläge für eine Abonnement-Lizenz und separat für Open-Access-Publikationen für deutsche Forscher gemacht.“

„Elsevier wurde auch darum gebeten, einen Vorschlag zu machen, der landesweit mehr Inhaltsvolumen sowie bedeutend mehr Institutionen umfasst, als es momentan über individuelle Verträge der Fall ist. Dies erhöht die Komplexität und das Gesamtvolumen des zu verhandelnden Vertrages.“

Der Verlag macht mit diesem Statement deutlich, dass er Open Access und Subskription weiterhin separat betrachtet. Damit wird deutlich, dass Elsevier kein Interesse an einer Transformation hin zu Open Access hat. Wenig überzeugend ist die Argumentation, mit der Elsevier seine Preissteigerung zu erklären versucht: Dass ein nationaler Vertrag, bei dem der Verlag nur noch mit einer Partei in Deutschland verhandelt, tatsächlich die Komplexität auf Seites des Verlages erhöht, darf bezweifelt werden.

Als Kernaussage dieses Statement bleibt damit nur die wenig überraschende Botschaft, dass der Verlag trotz der zu erzielenden Einsparungen, die über einen zentralen Vertrag zu erreichen sind, auf Preissteigerungen setzt. Dass die wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland diese Preispolitik nicht mehr länger mittragen, ist aus Sicht der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler ein gutes Zeichen.  Äußerst lesenswert ist in diesem Zusammenhang der Blogpost  „Time for Elsexit?“ des Mathematikers Timothy Gowers. Laut Elsevier wurde jetzt beschlossen „die Gespräche bis Anfang des neuen Jahres zu pausieren“.

Alle Forschende in Deutschland, die weiterhin in Elsevier-Journals publizieren, für Elsevier-Journals begutachten oder in den Editorial-Boards von Elsevier-Zeitschriften sitzen, sollten die Verhandlungspause nutzen, um über ihren Beitrag zur Gestaltung eines nachhaltigen und transparenten Publikationssystems nachzudenken, denn jede Einreichung, jedes Review und jede Mitarbeit im Editorial-Board eines Elsevier-Journals stärkt die Machtposition des Verlages.

BMBF verankert Open-Access-Richtlinie

In der im September veröffentlichten Open-Access-Strategie des Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat das Forschungsministerium bereits angekündigt Open Access als „Grundprinzip“ in der eigenen Forschungsförderung zu verankern. Der genaue Wortlaut der Open-Access-Richtlinie wurde in der Strategie jedoch noch offen gehalten.

In der jetzt im Bundesanzeiger vom 15.11.2016 veröffentlichten „Richtlinie zur Förderung der Maßnahme ‚Migration und gesellschaftlicher Wandel’ im Rahmen des Forschungsrahmenprogramms „Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften“ findet sich nun der Wortlaut der Open-Access-Richtlinie:

„Wenn der Zuwendungsempfänger seine aus dem Forschungsvorhaben resultierenden Ergebnisse als Beitrag in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht, so soll dies so erfolgen, dass der Öffentlichkeit der unentgeltliche elektronische Zugriff (Open Access) auf den Beitrag möglich ist. Dies kann dadurch erfolgen, dass der Beitrag in einer der Öffentlichkeit unentgeltlich zugänglichen elektronischen Zeitschrift veröffentlicht wird.

Erscheint der Beitrag zunächst nicht in einer der Öffentlichkeit unentgeltlich elektronisch zugänglichen Zeitschrift, so soll der Beitrag − gegebenenfalls nach Ablauf einer angemessenen Frist (Embargofrist) − der Öffentlichkeit unentgeltlich elektronisch zugänglich gemacht werden (Zweitveröffentlichung). Im Falle der Zweitveröffentlichung soll die Embargofrist zwölf Monate nicht überschreiten.

Das BMBF begrüßt ausdrücklich die Open Access-Zweitveröffentlichung von aus dem Vorhaben resultierenden wissenschaftlichen Monographien.“

D. h. die Open-Access-Richtlinie des BMBF kann sowohl auf dem Grünen, als auch auf dem Goldenen Weg umgesetzt werden. Bei der Publikation in einer tradierten Subskriptionszeitschrift soll der Artikel innerhalb von zwölf Monaten freizugänglich gemacht werden (z. B. über ein Open-Access-Repositorium).

In einer weiteren Ausschreibung des Ministeriums findet sich noch ein Hinweis zur Umsetzung auf dem Goldenen Weg und den damit ggf. verbundenen Publikationsgebühren. So heißt es in dem BMBF-Call „Stärkung der Forschung in der Geriatrie und Gerontologie“:

„Ausgaben für Publikationsgebühren, die für die Open-Access-Publikation der Vorhabenergebnisse während der Laufzeit des Vorhabens entstehen, können grundsätzlich erstattet werden.“

Mit der Verankerung setzt das BMBF u.a. Empfehlungen der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ (2012), der EU-Kommission (2012), der Expertenkommission für Forschung und Innovation der Bundesregierung (2013) und des Rates für Wettbewerbsfähigkeit (2016) auf.

Kudos an das BMBF! Dies ist ein wichtiger und richtiger Schritt zur Förderung von Open Access in Deutschland. Die Richtlinie harmoniert mit den Vorgaben der Europäischen Kommission in Horizon 2020 mit der bereits viele Forschende in Deutschland vertraut sind.