Harvard Library Report: Flipping Journals zu Open Access

Nach einer öffentlichen Kommentierungsphase ist nun der umfangreiche Auftragsreport der Harvard Library zur Konvertierung von Journals zu Open Access online verfügbar:

Die finnischen Autoren haben aufgrund einer ausführlichen Literatur Review verschiedene Wege aufgezeigt, wie Journals in der Vergangenheit zu Open Access überführt wurden. Diesem Text wurden die Kommentare von weiteren 20 Experten (grau) eingefügt. Dies stört zuweilen den Lesefluss, ist aber auf Grund der unterschiedlichen Sichtweisen der Experten mit vielen Praxisbeispielen sehr bereichernd.

Erwartungsgemäss ist das analysierte Spektrum der Wege zu Open Access vielfältig. Für jedes Szenario, sei es nun APC-basiert oder nicht, haben die Autoren die Stärken und Schwächen zusammengetragen. Der Report verzichtet darauf eine klare Empfehlung zu geben.

Allerdings lässt sich gerade mit Blick auf die Schwächen einzelner Szenarien doch ausmachen, dass einige kaum nachhaltig und skalierbar sind. Open Access Journals die sich beispielsweise über eine Fachgesellschaft subventionieren, Einnahmen über Werbung oder Verkäufe der Print-Version (Freemium) realisieren, sowie stark auf freiwilliger Arbeit basieren (z.B. Open Medicine) dürften es im Wettbewerb mit Journals/Verlagen die mit ein APC-Modell operieren schwer haben und eher Nischengeschäftsmodelle bleiben.

Ebenfalls darf der Weg über Hybrid-OA – sofern nicht als Zwischenlösung mittels Offsetting Deals realisiert um double dip zu vermeiden – als nicht funktionierend abgeschrieben werden.

Natürlich wird auch das dominante APC-Modell im Report kritisch angesprochen und die Skepsis, ob das was zurzeit sehr gut funktioniert, wirklich die beste Lösung ist, wird in manchen Kommentaren gut ersichtlich. Alternativ werden auch Submission Fees (Bezahlungen bereits beim Einreichen, und nicht erst bei der Publikation) diskutiert. Besonders lesenswert ist hier der Kommentar von Thomas Munro (S. 84), welcher anmerkt, dass solche Submission Fees in den ökonomischen Zeitschriften bereits normal seien (wenn auch noch nicht um wirklich OA zu finanzieren).

Auch ausführlich besprochen werden die neueren Finanzierungsmodelle via Konsortium (OLH, SCOAP3). Während diese grundsätzlich als attraktiv für konvertierende OA-Journals angesehen werden, stellt sich hier verstärkt das Problem von kollektiven Handeln, dem dadurch entstehenden Koordinationsaufwand, und bei zu vielen Freeridern auch eine Unterfinanzierung.

Dem Report angehängt ist eine kommentierte Bibliografie der gesichteten Literatur, sowie eine Liste aller konvertierten Journals, die im Report erwähnt werden.

Nationale Verhandlungen mit Elsevier gestartet. Ziel: fairere Konditionen

Im Rahmen des Projektes „DEAL – bundesweite Lizenzierung von Angeboten großer Wissenschaftsverlage“ haben wissenschaftliche Einrichtungen in Deutschland jetzt begonnen einen nationalen Vertrag mit dem Verlagsgiganten Elsevier zu verhandeln.

DEAL

Während bisherige Verträge über laufende Subskriptionen wissenschaftlicher Zeitschriften über lokale Verträge und kleinere Konsortien verhandelt wurden, wird nun erfreulicherweise eine nationale Strategie verfolgt.

Eine Pressemitteilung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) informiert jetzt über das Vorhaben:

„Vorbereitet wurden die Verhandlungen im Rahmen des Projekts DEAL – bundesweite Lizenzierung von Angeboten großer Wissenschaftsverlage, das die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen auf Anregung der HRK ins Leben gerufen hat. Nach Abschluss der Vorbereitungen sind unter Leitung des HRK-Präsidenten die Verhandlungen mit Elsevier für einen deutschlandweiten Lizenzvertrag angelaufen. Ziel ist der Abschluss eines Vertrages mit Laufzeit ab dem 1. Januar 2017. Mit den Verlagen Springer Nature und Wiley werden in diesem Jahr erste Sondierungsgespräche geführt.“

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) Horst Hippler erläutert das Ziel der DEAL-Verhandlungen:

„Wir brauchen signifikante Verbesserungen bei der Informationsversorgung der Wissenschaft. Erstmals nehmen nun die großen deutschen Wissenschaftseinrichtungen Verhandlungen mit einem der bedeutenden Wissenschaftsverlage auf, um fairere Konditionen für den Literaturerwerb zu erreichen“

Aufgrund der aggressiven Preispolitik und des aktiven Lobbyings des Verlages gegen Open Access haben seit 2012 im Rahmen der Initiative „Cost of Knowledge“ über 16.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Zusammenarbeit mit Elsevier eingestellt. Darüber hinaus haben verschieden Hochschulen in Deutschland ihre Verträge mit Elsevier (z. B. Universität Konstanz und Universität Leipzig) gekündigt.

 

Studie zu den ökonomischen Auswirkungen einer Bildungs- und Wissenschaftsschranke veröffentlicht

Die Studie „Ökonomische Auswirkungen einer Bildungs- und Wissenschaftsschranke im Urheberrecht“, die im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) von Justus Haucap, Ina Loebert, Gerald Spindler und Susanne Thorwarth erstellt wurde, ist jetzt online.

Die Studie beziffert u. a. die Ausgaben der wissenschaftlichen Informationsversorgung für Bildung und Wissenschaft in Deutschland. Auszug:
  • „Im Jahr 2014 gaben die öffentlichen Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen etwa 1 Mrd. Euro für den Erwerb von urheberrechtlich geschütztem Material aus. Davon entfiel etwa die Hälfte auf die wissenschaftlichen Bibliotheken von Hochschulen und Forschungsinstituten.“ (S. 7)
  • „Die an die Verwertungsgesellschaften gezahlte Vergütung für die Anwendung der Schranken des Urheberrechts im Bereich der Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen belief sich hingegen auf etwa 32,5 Millionen Euro.“ (S. 7)
Mit Blick auf das aktuelle Urheberrecht stellt die Studie fest:
  • Bildschirmfoto 2016-08-03 um 14.32.29„Die geltenden Schrankenregelungen sind für die meisten Bibliotheken nur schwer handhabbar – vor allem im Hinblick auf zahlreiche unbestimmte Rechtsbegriffe und auf die Komplexität der Ausgestaltung einzelner Regelungen.“ (S. 8)

Die Studie spricht sich für die Einführung einer allgemeine Bildungs- und Wissenschaftsschranke aus. Die Einführung einer solche Schrankenreglung im Urheberrechtsgesetz haben CDU, CSU und SPD 2013 im Koalitionsvertrag angekündigt.  Hierzu stellt die Studie u. a. fest: „Die Einführung der allgemeinen Bildungs-und Wissenschaftsschranke dürfte für die Verlagsbranche insgesamt erlösneutral ausfallen.“ (S. 8)

Wellcome Open Research

Der Wellcome Trust kündigt an, mit F1000 als Umsetzungspartner, ein neues Journal Wellcome Open Research zu lancieren. Nur Forschende mit Finanzierung des Wellcome Trust sollen darin veröffentlichen können. Die erwarteten APCs – je nach Artikellänge zwischen 150$ und 1000$ – werden direkt vom Forschungsförderer übernommen.

Neben klassischen Artikeln, sollen explizit auch Forschungsdaten oder negative Forschungsergebnisse publiziert werden können. Die Qualitätssicherung erfolgt, wie bei F1000Research, als Open Peer Review nach der ersten Online-Schaltung. Artikel mit ausreichend positiven Begutachtungen sollen auch in Pubmed indexiert werden.

Wellcome_Open_Research.jpg

Bereits mit eLife hat der Wellcome Trust zusammen mit der Max Planck Gesellschaft und dem HHMI ein attraktives und erfolgreiches Open Access Journal aus dem Boden gestampft. Mit der Gründung und dem Branding eines eigenen Journals geht der Wellcome Trust nun noch einen Schritt weiter, die Wichtigkeit vom Open Science und die Relevanz der unterzeichneten DORA-Deklaration zu betonen. Um beim Forschungsförderer im Wettbewerb um Forschungsgelder gut abzuschneiden, wird es nun eine weitere anerkannte Alternative, zu den traditionellen Closed-Access Journals aufgezeigt.

Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII) empfiehlt nationale Forschungsdateninfrastruktur

Der Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII) hat heute unter dem Titel „Leistung aus Vielfalt“ Empfehlungen zu Prozessen und zur Finanzierung des Forschungsdatenmanagements in Deutschland veröffentlicht.

RfII – Rat für Informa onsinfrastrukturenIm Kern des jetzt veröffentlichten Positionspapiers steht die Empfehlung zur Etablierung einer „Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI)“.

Das Positionspapier wurden im Rahmen eines „forschungspolitische[n] Gespräch[es] über die wachsende Bedeutung der Digitalisierung für Wissenschaft und Forschung“ der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) veröffentlicht. (Siehe hierzu die Pressemitteilung der GWK.)

Die GWK hat im November 2013 die Einrichtung des Rates für Informationsinfrastrukturen (RfIIbeschlossen. Die Einsetzung des Gremiums geht auf eine Empfehlung des Wissenschaftsrates aus dem Jahr 2012 zurück.

Update, 27.06.2016: Das BMBF hat eine Pressemitteilung zu der Übergabe der Empfehlungen veröffentlicht.

Wiley & Hindawi Partnerschaft

Ab 2017 wechseln 9 etablierte Subskriptionszeitschriften von Wiley in ein APC-basiertes OA-Modell unter einer neuen Partnerschaft von Wiley und Hindwai. Während der bisherige Inhalt bei Wiley verbleibt, soll die Redaktion und der Produktionsprozess der neuen Inhalte über die Hindawi Plattform abgewickelt werden.

wiley_hindawi_9_journals

9 Journals von Wiley wechseln ab 2017 auf OA-Modell bei Hindawi

Die beiden knappen Pressemeldungen von Wiley und Hindawi geben keine Rückschlüsse über die Gründe dieser nicht einfach nachvollziehbaren Partnerschaft. Wiley führt ja seit längerer Zeit eine eigene Sparte mit Open Access Zeitschriften und es ist nicht klar, weshalb hier Wiley auf einen externen Partner und Konkurrenten setzt.

Womöglich geht es jedoch um Kosten. Von ägyptischen Verlag Hindawi ist bekannt, dass er vergleichsweise tiefe Produktionskosten hat. Pro Artikel $290. Die Gewinnmarge wird auf Grund einer Aussage des Verlagsgründer trotzdem auf 50% geschätzt. Im Gegensatz dazu dürfte Wiley mit seinen veralteten und aufgeblähten Strukturen (Marketing, Vertrieb etc.) viel höhere Produktionskosten haben.

Bei dieser Pilot Partnerschaft könnte es bei Wiley darum gehen, von Hindawi zu lernen, um fit für den voraussehbaren Kostenwettbewerb in einer OA-Welt zu werden.

Für Hindwai dürfte der Zugzug von 9 Journals mit Impact Factor vorerst ein Reputationsgewinn darstellen, welcher für das weitere Wachstum seiner eigenen Journals nützlich sein wird.

Finnland: Transparenz von Subskriptionskosten

Die Subskriptionskosten von über 200 Verlagen aller finnischen Universitäten und weiteren Forschungsinsitutionen von 2010-2015 sind ab sofort in einer Datenbank frei zugänglich:

Subscirption Costs Finland DB

Datenbank mit Subskriptionskosten finnischer Forschunginstituionen (2010-2015)

 

Im Frühling 2014 fragte Leo Lahti im Namen der Open Knowledge Foundation (OKF), die Aalto Universität, sowie andere Universitäten bezüglich Ausgaben an Elsevier an. Ähnlich wie in der Schweiz,  wurden die Anfragen negativ beantwortet. Leo Lathi zog mit OKF vor das Verwaltungsgericht Helsinki. Das Gericht gab ihm Recht: Kosten von Subskriptionen sind öffentliche Informationen. Nach diesem Urteil sprang die Open Science and Research Initiative (ATT) des finnischen Ministerium für Bildung und Kultur ein und übernahm das offizielle Sammeln der Daten und die heutige Veröffentlichung.

Eine erste Analyse der Daten ist nun ebenfalls verfügbar.

Informationen über den Stand von weiteren Transparenzinitiativen in anderen Ländern bezüglich Subskriptionskosten werden auf dieser Wiki-Seite von OKF gesammelt.