Wellcome Open Research

Der Wellcome Trust kündigt an, mit F1000 als Umsetzungspartner, ein neues Journal Wellcome Open Research zu lancieren. Nur Forschende mit Finanzierung des Wellcome Trust sollen darin veröffentlichen können. Die erwarteten APCs – je nach Artikellänge zwischen 150$ und 1000$ – werden direkt vom Forschungsförderer übernommen.

Neben klassischen Artikeln, sollen explizit auch Forschungsdaten oder negative Forschungsergebnisse publiziert werden können. Die Qualitätssicherung erfolgt, wie bei F1000Research, als Open Peer Review nach der ersten Online-Schaltung. Artikel mit ausreichend positiven Begutachtungen sollen auch in Pubmed indexiert werden.

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Bereits mit eLife hat der Wellcome Trust zusammen mit der Max Planck Gesellschaft und dem HHMI ein attraktives und erfolgreiches Open Access Journal aus dem Boden gestampft. Mit der Gründung und dem Branding eines eigenen Journals geht der Wellcome Trust nun noch einen Schritt weiter, die Wichtigkeit vom Open Science und die Relevanz der unterzeichneten DORA-Deklaration zu betonen. Um beim Forschungsförderer im Wettbewerb um Forschungsgelder gut abzuschneiden, wird es nun eine weitere anerkannte Alternative, zu den traditionellen Closed-Access Journals aufgezeigt.

Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII) empfiehlt nationale Forschungsdateninfrastruktur

Der Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII) hat heute unter dem Titel „Leistung aus Vielfalt“ Empfehlungen zu Prozessen und zur Finanzierung des Forschungsdatenmanagements in Deutschland veröffentlicht.

RfII – Rat für Informa onsinfrastrukturenIm Kern des jetzt veröffentlichten Positionspapiers steht die Empfehlung zur Etablierung einer „Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI)“.

Das Positionspapier wurden im Rahmen eines „forschungspolitische[n] Gespräch[es] über die wachsende Bedeutung der Digitalisierung für Wissenschaft und Forschung“ der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) veröffentlicht. (Siehe hierzu die Pressemitteilung der GWK.)

Die GWK hat im November 2013 die Einrichtung des Rates für Informationsinfrastrukturen (RfIIbeschlossen. Die Einsetzung des Gremiums geht auf eine Empfehlung des Wissenschaftsrates aus dem Jahr 2012 zurück.

Update, 27.06.2016: Das BMBF hat eine Pressemitteilung zu der Übergabe der Empfehlungen veröffentlicht.

Wiley & Hindawi Partnerschaft

Ab 2017 wechseln 9 etablierte Subskriptionszeitschriften von Wiley in ein APC-basiertes OA-Modell unter einer neuen Partnerschaft von Wiley und Hindwai. Während der bisherige Inhalt bei Wiley verbleibt, soll die Redaktion und der Produktionsprozess der neuen Inhalte über die Hindawi Plattform abgewickelt werden.

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9 Journals von Wiley wechseln ab 2017 auf OA-Modell bei Hindawi

Die beiden knappen Pressemeldungen von Wiley und Hindawi geben keine Rückschlüsse über die Gründe dieser nicht einfach nachvollziehbaren Partnerschaft. Wiley führt ja seit längerer Zeit eine eigene Sparte mit Open Access Zeitschriften und es ist nicht klar, weshalb hier Wiley auf einen externen Partner und Konkurrenten setzt.

Womöglich geht es jedoch um Kosten. Von ägyptischen Verlag Hindawi ist bekannt, dass er vergleichsweise tiefe Produktionskosten hat. Pro Artikel $290. Die Gewinnmarge wird auf Grund einer Aussage des Verlagsgründer trotzdem auf 50% geschätzt. Im Gegensatz dazu dürfte Wiley mit seinen veralteten und aufgeblähten Strukturen (Marketing, Vertrieb etc.) viel höhere Produktionskosten haben.

Bei dieser Pilot Partnerschaft könnte es bei Wiley darum gehen, von Hindawi zu lernen, um fit für den voraussehbaren Kostenwettbewerb in einer OA-Welt zu werden.

Für Hindwai dürfte der Zugzug von 9 Journals mit Impact Factor vorerst ein Reputationsgewinn darstellen, welcher für das weitere Wachstum seiner eigenen Journals nützlich sein wird.

Finnland: Transparenz von Subskriptionskosten

Die Subskriptionskosten von über 200 Verlagen aller finnischen Universitäten und weiteren Forschungsinsitutionen von 2010-2015 sind ab sofort in einer Datenbank frei zugänglich:

Subscirption Costs Finland DB

Datenbank mit Subskriptionskosten finnischer Forschunginstituionen (2010-2015)

 

Im Frühling 2014 fragte Leo Lahti im Namen der Open Knowledge Foundation (OKF), die Aalto Universität, sowie andere Universitäten bezüglich Ausgaben an Elsevier an. Ähnlich wie in der Schweiz,  wurden die Anfragen negativ beantwortet. Leo Lathi zog mit OKF vor das Verwaltungsgericht Helsinki. Das Gericht gab ihm Recht: Kosten von Subskriptionen sind öffentliche Informationen. Nach diesem Urteil sprang die Open Science and Research Initiative (ATT) des finnischen Ministerium für Bildung und Kultur ein und übernahm das offizielle Sammeln der Daten und die heutige Veröffentlichung.

Eine erste Analyse der Daten ist nun ebenfalls verfügbar.

Informationen über den Stand von weiteren Transparenzinitiativen in anderen Ländern bezüglich Subskriptionskosten werden auf dieser Wiki-Seite von OKF gesammelt.

 

EU- und G7-Staaten setzen auf Open Science

Heute hat der Rat für Wettbewerbsfähigkeit („Competitiveness Council“) der Europäischen Union seine „Council Conclusions on the Transition towards an Open Science System“ verabschiedet (PDF).

In einer Pressemitteilung der niederländischen Ratspräsidentschaft, unter dem Titel „Europa entscheidet sich für Open Access“, wird der Kern der europäischen Open-Science-Strategie deutlich:

„Ab 2020 müssen alle wissenschaftlichen Publikationen zu Ergebnissen öffentlich finanzierter Forschungsarbeiten frei zugänglich sein.“

Über diese klare Richtungsentscheidung hinaus sollen, so der Rat, auch die „Beurteilungskriterien für wissenschaftliche Arbeiten angepasst werden“:

„Es sollte nicht mehr vorrangig darum gehen, wie viele Publikationen ein Wissenschaftler vorweisen kann und wie oft er in anderen Arbeiten zitiert wird. Vielmehr sollten die gesellschaftlichen Auswirkungen einer Forschungsarbeit eine viel größere Rolle spielen.“

Zur offen Zugänglichkeit und Nachnutzung von Forschungsdaten unterstreichen der Rat in seinen „Conclusions“,

„that research data originating from publicly funded research projects could be considered as a public good, and encourages the Member States, the Commission and stakeholders to set optimal reuse of research data as the point of departure, whilst recognising the needs for different access regimes because of Intellectual Property Rights, personal data protection and confidentiality, security concerns, as well as global economic competitiveness and other legitimate interests. Therefore, the underlying principle for the optimal reuse of research data should be: ‚as open as possible, as closed as necessary‘.“

Amsterdam Call for Action on Open Science

Amsterdam Call for Action on Open ScienceIn den „Conclusions“ werden auch einige Maßnahmen des lesenswerten „Amsterdam Call for Action on Open Science“ (PDF) aufgegriffen, der im April im Rahmen der niederländischen Ratspräsidentschaft veröffentlicht wurde.

Dieser „Call“ benennt zentrale Maßnahmen zur Förderung von Open Science auf. U. a. gibt es eine Aufforderung an die wissenschaftlichen Einrichtungen in Europa zukünftig auf Vertraulichkeitsvereinbarungen mit Verlagen zu verzichten.

Zur weiteren Begleitung des Prozesses hin zu Open Science hat Carlos Moedas, EU-Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation, Mitglieder für die „European Open Science Policy Platform“ (OSPP) nominiert (PDF).

European Open Science Cloud

Bereits gestern hat der Rat „Conclusions“ zum „Digital Single Market“ veröffentlicht (PDF). In diesen wird u. a. die Bedeutung der „European Open Science Cloud“ (EOSC) betont. Mit Hilfe dieser „Europäische Dateninfrastruktur“ sollen Forschungsdaten „über Fachgebiete und Grenzen hinweg“ ausgetauscht werden können. Carlos Moedas, erklärte im April in einer Pressemitteilung das Anliegen der EOSC:

„Unser Ziel ist die Schaffung einer Europäischen Cloud für offene Wissenschaft – einer zuverlässigen Umgebung, die es über Technologien, Fachgebiete und Grenzen hinweg Millionen von Forschern ermöglicht, Forschungsdaten auszutauschen und zu analysieren, um so die Effizienz und Produktivität in der Wissenschaft zu erhöhen. Wir haben den Appell der Wissenschaftler, eine Infrastruktur für offene Wissenschaft aufzubauen, gehört und einen umfangreichen Plan entwickelt, mit dem wir uns nun an die Arbeit machen können. Der Nutzen der offenen Daten für Europas Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft wird enorm sein.“

G7 –  Tsukuba Communiqué

Auch die G7-Wissenschaftsministerinnen und -ministern befassten sich Mitte Mai im japanischen Tsukuba mit dem Thema Open Science. In dem dort verabschiedeten „Tsukuba Communiqué“ (PDF) heißt es:

„We recognized a growing need to share common international principles for open science and to put these principles into practice through open access to scholarly publications and open data. Furthermore, we recognized the importance of stronger foundations for the support of open science, such as incentives for researchers and institutions, support systems and human resources. We recognize the need to promote access, taking into consideration privacy, security, and legitimate proprietary rights, and different legal and ethical regimes, as well as global economic competitiveness and other legitimate interests.“

Open Innovation, Open Science, Open to the WorldWeiter kündigen die G7-Wissenschaftsministerinnen und -ministern in dem „Communiqué“ die Einsetzung einer Arbeitsgruppe an, die sich u. a. mit Praktiken und Anreizen für Open Science befassen soll.

Passend zu diesen Entwicklungen hat die EU-Kommission heute das Zukunftskonzept  „Open Innovation, Open Science, Open to the World – a vision for Europe“ veröffentlicht – natürlich frei zugänglich (PDF).

Globale Initiative zur Open-Access-Transformation gestartet

Führende Wissenschaftsorganisationen haben heute die Initiative „Open Ac­cess 2020“ gestartet. Im Fokus steht die großflächige Umstellung der wissenschaftlichen Zeitschriften vom Subskriptionssystem hin zu Open Access. Ziel ist es, ein Großteil der wissenschaftlichen Zeitschriften in den kommenden Jahren auf Open Access umzustellen. Die drei Kernaussagen der heute veröffentlichten Erklärung lauten:

„We aim to transform a majority of today’s scholarly journals from subscription to OA publishing in accordance with community-specific publication preferences. At the same time, we continue to support new and improved forms of OA publishing.“

„We will pursue this transformation process by converting resources currently spent on journal subscriptions into funds to support sustainable OA business models. Accordingly, we intend to re-organize the underlying cash flows, to establish transparency with regard to costs and potential savings, and to adopt mechanisms to avoid undue publication barriers.“

„We invite all parties involved in scholarly publishing, in particular universities, research institutions, funders, libraries, and publishers to collaborate on a swift and efficient transition for the benefit of scholarship and society at large.“

Unterstützt wird die Initiative, u. a. vom Austrian Science Fund (FWF), der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), der European University Association (EUA), der Fraunhofer-Gesellschaft, der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), der Helmholtz-Gemeinschaft, der Leibniz-Gemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft und der Netherlands Organisation for Scientific Research (NWO).

Eine Website informiert über die Initiative und ihre Unterstützer.

Ich habe für helmholtz.de ein paar Zeilen dazu geschrieben. Die Max-Planck-Gesellschaft hat eine Pressemitteilung zum Vorhaben veröffentlicht.

Das verlorene Potenzial von Forschung

Es ist ein zynisches Schauspiel, welches Subskriptionsverlage immer dann wieder vorführen, wenn der freie Zugang zu Forschungsresultaten ein bisschen höher auf der Agenda ist als sonst. So zum Beispiel bei der aktuellen Zika Epidemie. Plötzlich zeigt sich Elsevier von seiner freundlichen Seite und macht entsprechende Inhalte frei zugänglich:

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Zika Virus: Elsevier bietet temporär freien Zugang zu Forschungsergebnissen

Am 10. Februar 2016 haben zudem BMJ, JAMA, Science Journals, Springer Nature, NEJM zusammen mit vielen Forschungsförderen ein „Statement on data sharing in public health emergencies“ verfasst, in dem sich u.a. die Journals zu freien Zugang verpflichten:

Journal signatories will make all content concerning the Zika virus free to access. Any data or preprint deposited for unrestricted dissemination ahead of submission of any paper will not pre-empt its publication in these journals

Letztlich bestätigt dieses positive Ausnahmeverhalten, wie viel Potenzial von Forschung durch das noch vorherrschende Closed Access Geschäftsmodell im Publikationswesen verloren geht. Die in der Berliner Erklärung festgehaltene Bemerkung, dass „die Wissenschaft“ ihre Aufgabe nur halb erfüllt, wenn es ihr nicht gelingt Information für die Gesellschaft in umfassender und einfacher Weise zugänglich zu machen, hat an ihrer Gültigkeit leider nichts verloren.

Ebola_Free_Access

Auch beim  Ebola Ausbruch 2014/2015 war freier Zugang zu Publikationen etwas wichtiger als sonst.

Selbstverständlich kennen wir diese Art von zynischem Schauspiel auch von anderen Teilen unseres Lebens auf der priviligerten Seite der Welt. Doch anders als bei den Themen Hunger, Flüchtlinge oder Klimawandel, ist die Lösung des beschränkten Zugang zu wissenschaftlicher Information relativ einfach. Dies deshalb, weil digitale Information im Gegensatz zu andern Ressourcen (Kapital, Öl, Boden, Nahrungsmittel) eine spezifische Eigenschaft hat, welche für minimale Interessenskonflikte sorgt. Eine Eigenschaft für welche inzwischen sogar Elsevier selber Werbung macht:

Elsevier_Wissen

Ein solches Zitat aus dem Munde von Elsevier ist blanker Hohn. Denn Elsevier sträubt sich mit Klagen und Parteispenden gegen ein Geschäftsmodell, bei welchem genau dieser Vorteil zum Tragen kommt. Sei es, dass Elsevier sich weigert Subkriptionszeitschriften in ein Gold-OA Geschäftsmodell umzuwandeln oder sei es, dass Elsevier seine Sharing Policy verschärft.

Aber noch schlimmer als das Beharren auf ein überholtes Geschäftsmodell der Subskriptionsverlage – und Elsevier ist da nur der Grösste davon – ist das passive und über weite Strecken widersprüchliche Verhalten wissenschaftlicher Institutionen, welche sich dies in den Rollen als Käufer (Bibliotheken) und als Zulieferer (AutorInnen) nahezu widerstandslos bieten lassen. Viele von ihnen haben zwar schon seit Jahren die Berliner Erklärung unterzeichnet und streben auf dem Papier eigentlich Open Access an, doch im alles entscheidenen Punkt, dem Geld, hat sich seit Jahren nichts geändert. Das wissenschaftsfeindliche Subskriptionsmodell wird trotz offensichtlicher Nachteile und trotz vorhandenen und erfolgreichen Alternativen von vielen Institutionen künstlich am Leben erhalten, ausgebaut, und gegen Versuche Transparenz bei den Kosten herzustellen, von den wissenschaftlichen Institutionen geschützt.

Wenn man einmal weiss, dass zumindest im STM-Bereich die Kosten des jetztigen Subskriptionsmodell zu 100% von wissenschaftlichen Bibliotheken bezahlt werden, ist es besonders schwer nachvollziehbar, weshalb diese Bibliotheken es selbst 13 Jahre nach der Berliner Erklärung immer noch nicht auf die Reihe bekommen Open Access zu Publikationen herzustellen.

Gewiss, mit Open Access zu Publikationen (und Daten) wird nicht alles automatisch besser. Doch wenn wir es als Gesellschaft, die Wissenschaft für wichtig hält, nicht einmal schaffen in dem Bereich etwas zu ändern, wo es uns ausser weltweiter Koordination überhaupt nichts kostet, wie weit entfernter dürften da Lösungen sein, die tatsächlich auf Probleme bei der Verteilung von nicht vermehrbaren Ressourcen beruhen.