Obama verankert Open Access in der US-Forschungsförderung

Was für eine Woche für das Thema Open Access! Erst begrüßt der Rat der Europäischen Union Anfang der Woche den Vorschlag der EU-Kommission im kommenden Forschungsrahmenprogramm HORIZON 2020 eine Open-Access-Verpflichtung zu verankern (PDF):

„Moreover, ministers welcomed the Commission’s view that open access to scientific publications should be a general principle of the future Horizon 2020 research framework programme and presented some of the initiatives carried out under their respective national programmes.“

Dann legt das Bundesministerium der Justiz (BMJ) am Mittwoch einen Referentenentwurf (PDF) für ein Zweitveröffentlichungsrecht vor. Diese Regelung, die in Paragraph 38 UrhG verankert werden soll, würde Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die rechtlich abgesicherte Möglichkeit eröffnen Publikationen, die im Rahmen der öffentlich geförderten Forschung entstehen und „in einer periodisch mindestens zweimal jährlich erscheinenden Sammlung“ erscheinen nach einem Embargo von zwölf Monaten – als final draft – auf einem Repositorium frei zugänglich zu machen. Auszug aus der Begründung:

„Viele Wissenschaftler haben ein Interesse daran, ihre veröffentlichten Forschungsergebnisse einer breiteren (Fach-)Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie wollen mit der Einstellung ihrer Publikationen auf Repositorien ihrer Forschungsinstitutionen die Häufigkeit erhöhen, mit der ihre Publikationen zitiert werden. Zugleich wollen sie mit dem Angebot ihrer Inhalte im Internet auch die Verbreitung der Forschungsergebnisse verbessern.“

Wichtige Kommentare zu dem Referentenentwurf finden sich bei Ilja Braun, Klaus Graf und Rainer Kuhlen.

Und schließlich gab die US-Regierung am Freitag bekannt Open Access im Rahmen der Forschungsförderung zu verankern. Publikationen die an nationalen Forschungseinrichtungen entstehen sollen nach einer Embargoperiode von 12 Monaten frei zugänglich gemacht werden. In der Ankündigung heißt es:

„The Obama Administration is committed to the proposition that citizens deserve easy access to the results of scientific research their tax dollars have paid for. That’s why, in a policy memorandum released today, OSTP Director John Holdren has directed Federal agencies with more than $100M in R&D expenditures to develop plans to make the published results of federally funded research freely available to the public within one year of publication and requiring researchers to better account for and manage the digital data resulting from federally funded scientific research.“

Bemerkenswert ist, dass die Verordnung (PDF) auch die dauerhafte Zugänglichkeit von Forschungsdaten umfasst. Bereits bei der Antragstellung sollen zukünftig Datenmanagementpläne eingereicht werden, in denen Aussagen zu Zugang und Erhaltung der Daten beschrieben werden. Der Schritt der US-Regierung ist eine Reaktion auf die Petition „access2research“ die 2012 von über 65.000 Menschen unterzeichnet wurde.

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US-Förderoffensive im Bereich „Big Data“

Unter dem  Motto „Big Data Across the Federal Government“  hat die US-Regierung heute eine 200 Millionen US-Dollar schwere Förderoffensive im Bereich „Big Data“ angekündigt. In der Pressemitteilung (PDF) zum Start der Big-Data-Initiative beschreibt der Direktor des Büros für Wissenschaft und Technologie (OSTP) des Weißen Hauses John P. Holdren das Anliegen:

„In the same way that past Federal investments in information technology R&D led to dramatic advances in supercomputing and the creation of the Internet, the initiative we are launching today promises to transform our ability to use Big Data for scientific discovery, environmental and biomedical research, education, and national security”.

Im Rahmen der Initiative haben sich mehrere US-Behörden auf die  Förderung von datenintensiven Forschungsprojekten und deren  Infrastrukturen verständigt.

Teil der Initiative ist das Projekt 1000 Genomes der National Institutes of Health (NIH) bei dem Genomdatenvia Amazon Web Services (AWS) frei zugänglich gemacht werden. Auszug aus der Pressemitteilung der HIH:

“The data now being released in the cloud include results from sequencing the DNA of some 1,700 people; the remaining 900 samples will be sequenced in 2012 and that data will be released to researchers as soon as possible. The new results identify genetic variation occurring in less than 1 percent of the study populations and which may make important genetic contributions to common diseases, such as cancer or diabetes.”

Ein Fact Sheet (PDF) informiert über die Fördermaßnahmen der einzelnen US-Behörden. Interessant ist, dass die Förderung nicht nur auf Forschung und Informationsinfrastruktur (wie z.B. Forschungsdaten-Repositorien) fokussiert ist, sondern auch Rahmenbedingungen und Anreize aufgreift. So finden sich auch Projekte zu Themenfeldern wie „data citation“ und „data sharing“ im Portfolio der Förderoffensive.