OA zwischen Realismus und Utopie: 1. Green OA

 

Seit einiger Zeit nehme ich vermehrt unter OA-BefürworterInnen eine Stimmung wahr, die sich gegen die aktuellen OA-Entwicklungen, insbesondere OA2020.org richtet. Es besteht die Befürchtung, dass die Idee mit dem gross angelegten Wechsel zu Gold OA mit Fokus auf APCs in eine Richtung abdriftet, welche den Status Quo bloss verschlimmbessert und das ursprüngliche erhoffte Potential von OA nicht ausschöpft.

Mich irritiert diese Stimmung. Nicht weil ich die dahinter liegende Motivation nicht teile, sondern schlicht, weil ich mit meiner Erfahrung zu einer anderen Einschätzung der Realisierbarkeit von Alternativen gelange. In mehreren Blogposts möchte ich deshalb, einige Argumente (m)einem Realitätscheck unterziehen. In diesem Post geht es zunächst um Green OA, der von vielen OA-BefürworterInnen nachwievor als der „sinnvollere Weg“ angepriesen wird.

Von der richtigen Theorie in die schwierige Praxis

Die Idee von Green OA, wie sie insbesondere Stevan Harnad seit 1994 unermüdlich propagiert, ist so einfach wie richtig. Forschende stellen ihre publizierten Papers auf ein Repository und ermöglichen so (ggf. auch über den „Request a Copy“-Button) eine freie alternative Zugangsmöglichkeit. Sind einmal alle Artikel so zugänglich, könnten Bibliotheken ihre Journals abbestellen und so die Verlage zwingen nur noch das Organisieren des Peer Reviews zu sehr niedrigen Preisen („Fair Gold OA„) anzubieten.

Allerdings übersehen Vertreter von Green OA, wie schwer sich Forschende in der Praxis bei der Hinterlegung auf ein Repository tun. Und sie übersehen, dass Universitäten und Forschungsförderer mit wenigen Ausnahmen nicht nur unwillig, sondern sogar systemisch unfähig sind, Forschende wirksam zu verpflichten ihre Publikationen auf ein Repository zu stellen.

Green OA kommt sei Jahren auf keinen grünen Zweig

Ich habe 6 Jahre lang die Repositories an den Universitäten Zürich und Bern betreut. In beiden Fällen existierten nahezu ideale Bedingungen: Verpflichtende OA-Policy, Verbindung mit Universitärem Jahresbericht & Reporting, Darstellung der von Publikationslisten auf Autorenwebseiten, Genügend Betreuung bzw. Rechteabklärung für jede einzelne Publikation. Trotzdem gelang und gelingt es diesen Repositories seit Jahren nicht über einen OA Anteil von 45% hinauszukommen. Auch das bei Green OA stets erwähnte Vorzeige-Repository ORBi der Université de Liège (BEL) bleibt der OA-Anteil unter 50%. Lediglich der Volltext-Anteil kommt auf 75%.

ORBi

Quelle: Präsentation von Paul Thirion, Directeur, Bibliothèques de l’ULg, Conférence OA, Université de Lausanne, 1. Dez. 2017 (Slides / Video)

Das hat mitunter auch mit dem Aufwand zu tun: Forschende müssen aktiv werden, ihre Rechte klären (lassen) und die Autorenversion liefern. Im Vergleich zur Forschung und zum Schreiben der Publikation ist diese Arbeit eigentlich ein Klacks. Aber trotzdem wird sie von vielen Forschenden als unnötige Bürokratie aufgefasst und entsprechend verweigern sich viele dieser Arbeit. Was so gut wie nie Konsequenzen hat.

Fehlende Compliance & Keine Sanktionen

Denn Leitungsgremien von Universitäten und von Förderorganisationen bzw. deren Beiräten bestehen zu einem grossen Teil aus aktiven Wissenschaftlern. Nicht wenige Hochschulen haben Selbstverwaltung mit Stolz in ihrem Leitbild verankert. Da ist die (menschliche) Tendenz sehr gross, dass niemand gegenüber seinen KollegInnen und vielleicht auch gegenüber sich selber eine härtere Gangart einschlagen will. Selbst die wenigen verpflichtenden OA-Policies werden nur deshalb bewilligt, weil schon implizit davon ausgegangen wird, dass sie nicht hart durchgesetzt werden. Wenn bei einer Umfrage an der Universität Zürich 10 Jahre nach der Einführung einer solchen verpflichtenden OA-Policy 63% Prozent der an der Universität arbeitenden Forschenden angeben diese NICHT zu kennen (bei der ETH Zürich waren es gar 74%), zeigt dies sehr deutlich, dass Leitungsgremien nicht fähig oder nicht willens sind die eigenen Regeln bei Green Road durchzusetzen.

Green OA kann kompliziert sein bzw. gemacht werden.

Und selbst wenn Green OA künftig konsequenter eingefordert würde, können Verlage ihre Self-Archiving Policies jederzeit so anpassen, dass Green OA kompliziert und verlangsamt oder gar gänzlich verhindert wird. Wer sich beispielsweise mal die Mühe mach die Autorenverträge der American Chemical Society hinsichtlich Möglichkeiten nach Green OA durchzulesen, wird merken was ich damit meine. Selbst Sherpa Romeo schafft es nicht, diese für AutorInnen einfach zusammenzufassen, ohne dabei auf die Nebenbedingungen und Ausnahmen hinzuweisen.

Nur noch das gesetzliche Zweitveröffentlichungsrecht oder das initiale nicht-exklusive Abtreten der Verbreitungsrechte (Stichworte: Harvard Modell, UKSCL), können Green OA dann noch halbwegs zu einem effektiven Weg machen. In beiden Fällen verbleibt auch das nicht zu unterschätzende Makel, dass AutorInnen aktiv werden müssten um „nur“ eine Autorenversion zu Verfügung zu stellen.

Wie aufwändig und kompliziert dies dann immer noch ist, zeigt in Deutschland die  Existenz des Projekts DeepGreen. Dieses hat zum Ziel, die durch die Allianz-Lizenzen erhaltenen Rechte für Green OA systematisch durch Dritte wahrzunehmen, weil sich die AutorInnen ganz offensichtlich selbst nicht drum kümmern.

Beispiel: „Praxishandbuch Open Access“

Die Problematik konnte man auch überdeutlich am „Praxishandbuch Open Access“ sehen, welches 2017 bei De Gruyter erschienen ist. Hier wollten die HerausgeberInnen nicht ohne die Reputation des Verlages auskommen, hatten aber nicht das nötige Geld um den Sammelband gleich Gold OA zu finanzieren. Entsprechend war die Vereinbarung mit de Gruyter, dass das Buch ein Jahr nach Publikationsdatum beim Verlag frei zugänglich sein wird, während bis dahin die einzelnen Kapitel in der Autorenversion zugänglich gemacht werden konnten. Längst nicht alle AutorInnen, von denen man annehmen darf, sich bei OA auszukennenen, haben diese Möglichkeit während des ersten Jahres via Green OA wahrgenommen. Erst recht kann davon ausgegangen werden, dass andere Forschende die weiter weg von OA sind, noch mehr Mühe mit Green OA haben.

Fazit: Green OA kann nur Zwischenlösung sein

Man kann Green OA natürlich als Möglichkeit betrachten, welche das primäre Bedürfnis nach OA erfüllt. Green OA aber als gleichwertige Alternative zu Gold OA zu bezeichnen, wie dies einige OA-BefürworterInnen leider tun, ist aus meiner Perspektive Unsinn. Es wird dabei übersehen, dass ja bei Green OA die Kosten für den klassischen Erwerb ja trotzdem anfallen. Im Gegenzug wird es meistens nötig mühsam mit Autorenversionen und Sperrfristen zu arbeiten, was kaum die Lösung der Zukunft sein kann.

Green OA kann lediglich eine Zwischenlösung sein, um das Zugangsmonopol bei den Verlagen zu brechen, und um diese in einem Folgeschritt durch Einstellung des klassischen Erwerbs, zu einem (kostengünstigen) Wechsel zu Gold OA zu bewegen. Allerdings muss man anerkennen, dass der Anteil Green OA in den letzten Jahren kaum in einen Bereich vorgerückt ist, bei dem sich ein Wechsel zu Gold OA deswegen aufgedrängt hat. Einzige Ausnahme ist da vielleicht die Hochenergiephysik mit der Ablage in ArXiv und SCOAP3. Es ist aber insgesamt sehr unwahrscheinlich, dass Green OA nach so vielen Jahren plötzlich massiv aufholen kann. Entsprechend scheint es mir angebracht primär andere Wege ins Auge zu fassen.

 

Update 17.4.2018

Martin Brändle liefert via Twitter noch eine Statistik, wonach bei ZORA, dem Repository der Universität Zürich vorallem der OA-Anteil wegen Gold-OA wächst:

Das Gold-OA auf dem Vormarsch ist, wurde auch im finnische OA-Monitoring von 2016 festgestellt. Bei einigen Institutionen überwiegt der Gold-OA Anteil schon sehr deutlich.

 

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Organization Identifiers

Das Problem von unterschiedlicher Schreibweise von wissenschaftlichen Institutionen ist insbesondere aus der Bibliometrie bekannt. Wenn Forschende bei einer Publikation ihre institutionelle Zugehörigkeit angegeben, ergeben sich häufig unterschiedliche Schreibweisen. Viele Hochschulen haben deshalb Richtlinen erlassen, wie die Zugehörigkeit angegeben werden soll.

Beispiel TU Graz:

Zwei Varianten des Universitätsnamens stehen bei der Angabe der Affiliation bei Publikationen und Forschungsprojekten zur Auswahl – eine englische und eine deutsche:

  • Graz University of Technology
    bzw.
  • Technische Universität Graz.

Die englische Variante der Affiliation ist generell der deutschen vorzuziehen, besonders wenn es sich um Publikationen in internationalen Medien handelt.

Akronyme (TU Graz, TUG etc.) und Abkürzungen (Graz Univ. Techn., Techn. Univ. Graz etc.) sind bei der Angabe der Affiliation bei Publikationen und Forschungsprojekten grundsätzlich unzulässig.

Beispiel Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)

FAU - Empfehlungen für die standardisierte Angabe der Affiliation bei deutschund englischsprachigen Publikationen

Auch beim Funding Acknowledgement führen unterschiedliche Schreibweisen zu einer erschwerten Auswertung von Publikationsdatenbanken:

Inzwischen haben sich verschiedene Initiativen etabliert, welche mit einem eindeutigen Identifier Klarheit schaffen wollen. Besonders erwähnenswert sind Ringgold, GRID und Funding Data von CrossRef.

Ringgold

Ringgold bietet aktuell mit Abstand die grösste globale Abdeckung an Identifiers für Organisationen im wissenschaftlichen Umfeld.

Ringgold - Universität Bern

Ringgold Inhalt: Beispiel Universität Bern

Ringgold ist 2003 als Dienstleister für Subskriptions-Verlage entstanden, um deren Kundendaten zu harmonisieren. Inzwischen verwenden auch die weit verbreiteten Manuskript-Einreiche-Systeme Editorial Manager (Aries) und ScholarOne (Clarivate) die Daten von Ringgold um die Affiliation zu standardisieren.

Ebenfalls greift ORCID auf die proprietären Ringgold Daten zurück, wenn es beispielsweise darum geht Anstellungen zu erfassen:

ORCID-Universität Bern - Steuerrecht

ORCID: Auswahl für die Anstellung wird mit Ringgold Daten gefüttert.

Ringgold hat die Grunddaten der Organisationen via ISNI öffentlich gemacht. Weitere Informationen z.B. zur Hierarchie oder Typ bleiben jedoch nur kostenpflichtig zugänglich.

Global Research Identifier Database – GRID

GRID wurde von Digital Science für die Verwendung bei den eigenen Systemen wie Symplectic Elements, UberResearch Dimensions, Figshare oder Altmetric geschaffen. Die Daten stehen aber unter einer CC-0 Lizenz zu Verfügung. Nach eigener Aussage wurden in den letzten Jahren mehr als £2 Mio in GRID investiert.

Funding Data (Crossref)

Um die Funding Acknowledgements zu harmonisieren wurde 2012 bei Crossref das  FundRef gestartet. Elsevier stellte eine initiale Liste von Förderorganisationen zu Verfügung, die nun monatlich von CrossRef aktualisiert wird. Inzwischen sind 15’900 Organisationen auf dieser Liste. Jeder Organisation wurde ein DOI zugewiesen unter dem zusätzliche Namen, Akronyme und Hierarchien der Organisation verfügbar sind:

Viele Verlage (hier sieht man welche) geben die bei den Funding Acknowledgements aufgeführten Organisationen strukturiert als Organisations-DOI bei Crossref aus:

Crossref Funding Data.jpg

Links: Acknowledgement auf Publikation / Rechts: Funding Angaben via Crossref REST-API

Organization Identifier Working Group

In verschiedenen internationalen Workshops artikulierte sich das Bedürfnis nach einer einheitlichen und offenen Lösung für Organization Identifiers. Daraus bildete sich 2017 unter dem Lead von ORCID, Crossref & Datacite eine Working Group, welche zunächst eine Übersicht mit Vor und Nachteilen der vorhandenen Systeme zusammenstellte. Ebenso wurden Empfehlungen hinsichtlich Governance und Scope einer neuen Lösung vorgeschlagen. Ein wichtiges Merkmal ist beispielsweise die Empfehlung, dass Organisationen ihre Daten selber pflegen können. Ende Oktober wurde  basierend auf diesen Empfehlungen ein „Request for Information“ (RFI) veröffentlicht.

Im Januar 2018 fand dann in Spanien ein Stakeholder Meeting zur Organization ID statt, wo die eingetroffenen Antworten aus dem RFI präsentiert und diskutiert wurden.

RFI Response

Zusammenfassung der erhaltenen Antworten aus dem Request for Information

Das 26-seitige Dokument mit den erhaltenen Antworten bezeugt ein grosses Interesse an einer einheitlichen Organization ID von unterschiedlichen Perspektiven.

Es fällt auf, dass Ringgold kein Interesse anmeldet, um bei der offenem Lösung einen zentralen Part zu übernehmen. Obwohl eine solche Lösung das aktuelle Geschäftsmodell von Ringgold massiv konkurrenziert.

Digital Science ist da einiges offener, verweist aber auf die bisherigen Investitionen, bei denen man bei einer Partizipation das eigene Kosten-Nutzen Verhältnis gut abwägen muss:

Due to the nature of the Digital Science products and services, Digital Science will need to continue a GRID-like undertaking even if an open alternative is developed and maintained externally. Most of the reasons are around speed to changes to policies, flexibility and ability to accommodate client use cases and needs. This means that Digital Science will have to continue to invest resources in this area, an open alternative is not eliminating this need. But we see the possibility to do this as an additional layer on an open identifier system.

Crossref gibt mit einer sehr detaillierten Antwort klar zu erkennen, den Lead übernehmen zu wollen:

  • Crossref is interested in being a host for the new registry.
  • Crossref supports creating a joint venture non-profit collaboration of representative stakeholders to launch a registry. Crossref does not support creating a new entity (e.g. 501c3) at the start although this is something that could happen later.
  • Crossref is interested in participating in the governance of the new registry
  • Crossref can make significant resources available to help launch an independent registry.
  • Crossref is well placed to undertake the above based on current experience running its own services and infrastructure including the Open Funder Registry.
  • Crossref has developed an estimated expense budget and rationale for an independent registry that it is willing to share with the group of organizations that create the new joint venture collaboration.

ORCID und DataCite beschränken ihr Mitwirken auf die Unterstützung der Governance und letztlich der Verwendung in den eigenen Systemen.

Grosses Interesse signalisierte Publisher Solutions International mit ihrer IP-Registry, wo aktuell über 60’000 Bibliotheken und ihre IP-Ranges erfasst sind.

Auch von Bibliotheksseite gab es positive Rückmeldungen. Das Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen (HBZ), die British Library, die California Digital Library und OCLC beschreiben ihre Erfahrungen mit der gemeinsamen Pflege von Normdaten und Identifers und interessieren sich diese Arbeit weiter auszubauen. Die BL und OCLC sind bereits stark bei ISNI involviert. ISNI selber hat sich auch noch explizit als Host anerboten.

Eine interessanten Input bezüglich Geschäftsmodell kommt von der Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF), welche im Finanzbereich Identifier (z.B: 391200PHRPB1YWIPRE56) vergibt.

Ebenso bekunden weitere Stellen wie der Australian National Data Service (ANDS), die Foundation for Science and Technology, Portugal das Library and Information Centre, Hungarian Academy of Sciences, das European Directory of Marine Organisations EDMO, das Répertoire national des structures de recherche (RNSR) Interesse an einer internationalen Lösung und die Möglichkeit die aktuell lokal verwendeten Daten zu Verfügung zu stellen.

Die DFG verwies auf ihre Erfahrung bei der Erfassung und Verwaltung von 25’000 Organisationseinheiten von deutschen Hochschulen im Rahmen des Research Explorers. Da gibt es zurzeit etwa 6000 Änderungen und 1500 Neueinträge pro Jahr.

Nächste Schritte

Am Workshop wurde beschlossen, dass ORCID, DataCite und Crossref (als Interim Lead) im Austausch mit allen Interessierten ein Proposal vorbereiten, in dem die Partner, die Governance-Struktur, die juristischen Details sowie ein Memorandum of Understanding definiert werden.

Publikationskosten für Closed-Access: Die verschwiegenen APCs

Wer „Article Processing Charge“ (APC) hört, denkt wahrscheinlich unweigerlich an Gold OA. In der Tat hat sich das APC-basierte Geschäftsmodell insbesondere bei den volumenstarken Gold OA Journals durchgesetzt und steht fälschlicherweise schon fast synonym zu Gold OA.

In der aktuellen Debatte über Vor- und Nachteile von APCs und der Transformation zu OA, wird häufig unterschlagen, dass in einigen Disziplinen bereits schon seit langer Zeit APCs in teils beachtlicher Höhe bezahlt werden. Diese haben aber NICHTS mit Open Access zu tun. Hier ein paar Beispiele aus der Praxis:

American Geophysical Union (AGU) – Wiley

Besonders aktiv im Geschäft mit solchen Non-OA Publication Charges ist die AGU die ihre Journals bei Wiley verlegt. Pro Closed-Access Artikel können gerne schon mal $4125 fällig werden:

Page Charge - Journal of Geopysical Research.jpg

Auf der Website schreibt AGU:

Authors in several AGU journals are asked to help support publication through payment of author fees. Publication fees vary by journal and were designed to keep institutional subscriptions affordable for these journals. Excess page fees are in addition to the standard journal fee.

Für seine Journals sind dann Publication Fees bis $1000 fällig. Dazu kommen dann „Excess Fees“ von je $125 pro Publication Unit.

Angewandete Chemie – Wiley

Beim Journal Angewandte Chemie, welches der Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört und von Wiley verlegt wird, können auch mal schnell 1344€ fällig werden, wenn man dem Verlag eine gute Grafik zur Verwendung für das Cover zu Verfügung stellt und weitere 623€ wenn man in seinem Artikel Farbabbildungen verwendet:

Color Figures - Angewandte Chemie.jpg

Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEE)

IEEE verlangt gerne recht happige „Mandatory overlength page Charges“:

Overlength Charges - IEEE.jpg

Oder auch mal „Voluntary Page Charges“:

Voluntary Page Charges - IEEE.jpg

Diese kommen noch dem Print-Zeitalter. In einem Editorial von 1972 findet sich beispielsweise dieser Aufruf:

Voluntary Page Charges.jpeg

Der Betrag von $60 pro Seite hat sich inzwischen nahezu verdoppelt, wie der Auszug aus der Author Information der IEEE Signal Processing Society zeigt:

Upon acceptance of a manuscript for publication, the author(s) or his/her/their company or institution will be asked to pay a charge of $110 per page to cover part of the cost of publication of the first ten pages that comprise the standard length (two pages, in the case of Correspondences).

Optical Society of America (OSA)

Die OSA kennt Page Charges…

Page Charges OSA2.jpg

.. und auch Voluntary Fees:

Page Charges OSA.jpg

Die OSA schreibt dazu:

Voluntary page-charge contributions help defray the cost of editorial preparation and composition. These charges assist OSA in maintaining comparatively low subscription rates for OSA members and libraries, thus maximizing the dissemination of research results. Payment is neither an obligation nor a prerequisite for publication. In general, publication charges are regarded as an essential part of research budgets, since publication is the final process in a research project. As such, OSA asks authors to consider making voluntary contributions ($125 per page) in partial support of their research and to offset fundamental costs attached to its publication.

Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)

Bei PNAS sind alle Artikel nach 6 Monaten frei auf der Journal Website zugänglich. Für eine klassische Subskriptionszeitschrift tönt das grosszügig. Zumindest wenn man nicht weiss, dass PNAS eben nicht nur Geld via Subskription einnimmt, sondern seinen AutorInnen auch standardmässig eine gesalzene Publikationsgebühr verrechnet:

PNAS Page Charges.jpg

1700$ sind es bei einem „Regular research article“. Bei einem „PNAS Plus article“ können es auch schon 2830$ sein. Dieser Preis kann sich dann noch erhöhen, wenn Color Figures oder Supplemental Information dazu kommen.

Kidney International – Elsevier

Auch bei Elsevier kennt man Page Charges, so z.B. beim Journal „Kidney International“ der International Society of Nephrology.

Page charges cover a proportion of the costs of processing and producing the article for publication. After final layout for publication, each page of an article will incur a fixed charge of US$165 per page.

Elsevier.jpg

SpringerNature

Im Journal „Nature Climate Change“ von SpringerNature kosten 5 Color Figures £1230.

SpringerNature

American Phyiscal Society (APS)

Auch Journals wie Physical Review Letters oder Physical Review B verlangen Author Fees:

Author Fees.jpg

Gemäss APS scheinen die Kosten offenbar (neu?) bei denen angewendet zu werden, welche das Manuskript nicht in einer akzeptablen Form einreichen:

To help defray editorial and production expenses, authors of manuscripts that are not submitted in acceptable electronic format are expected to pay a publication charge of $1585/article, $990/Rapid Communication, $360/Comment or Reply

FASEB Journal

Das Journal der Federation of American Societies for Experimental Biology verlangt $199 pro Seite, sowie $199 für Supplemental Units:

A supplemental unit is defined as one 8.5 x 11 inch page of text or figures with 1 inch margins using Times New Roman, Courier, Arial, Calibri, and/or Tahoma fonts at 9 points or larger. For multimedia files (i.e. audio or video), each file is considered one unit.

FASEB.jpg

Fazit

Diese Beispiele zeigen, dass bei diversen Journals AutorInnen schon heute beachtliche Kosten für ihre Artikel selber tragen müssen und die Publikation anschliessend nicht OA ist. Für UK schätzt Andrew Gray in der Publikation Considering Non-Open Access Publication Charges in the “Total Cost of Publication” (2015) diese Non-OA Publikationskosten auf etwa 2% der gesamten Subskriptionskosten.

Allerdings werden diese Kosten sinnvollerweise pro Journal betrachtet, wo sie natürlich einen grösseren Effekt haben. Möglicherweise ist auf dieser Ebene der Schritt zur vollständig Umstellung zu Gold OA mit APCs gar nicht mehr so weit.

Jüngst geschehen bei den Zeitschriften „Journal of Glaciology“ und „Annals of Glaciology“ der International Glaciological Society. Bis 2016 verlangte die Society entweder eine Hybrid APC von £2300 oder eine Page Charge von £90 bzw. £80 pro Seite. Seit 2016 sind beide Journals Gold OA mit einer APC von £1200 verlegt bei CUP.

Wenn AutorInnen schon zahlen sollen, dann bitte doch gleich für Gold OA. Das wäre einfach ehrlicher und transparenter.

Update 11.01.2017

Wie ich gerade bemerke hat AIP soeben bekannt gegeben auf Page Charges künftig zu verzichten:

The company’s decision followed an assessment of the global publishing landscape, which found that the charges represented potential barriers to some researchers, and no longer serve the AIP Publishing non-profit mission.

Neuseeland: Transparenz von Subskriptionskosten

Über drei Jahre musste Mark C. Wilson auf den erlösenden Entscheid des neuseeländischen Ombudsmann warten. Wilson hatte beim Ombudsmann Beschwerde eingereicht, nachdem sich verschiedene neuseeländische Universitäten, weigerten ihre Zahlungen an die grossen Verlage auf seine Anfrage hin offen zulegen, da sie gegenüber den Verlagen die zugesicherte Vertraulichkeit einhalten wollten.

Wilson beschriebt auf seinen Blog den durchlaufenen Prozess als sehr mühsam:

The process was long and required persistence.  I count at least 36 emails and several phone conversations. I commented on the preliminary report earlier this year, and the large publishers certainly had considerable input. […] Gratifyingly, it ruled unambiguously that the commercial interests of the publishers and universities were outweighed by the public’s right to know. The universities have all complied, supplying me with the amounts spent on journals from Elsevier, Springer, Wiley and Taylor & Francis for years 2013-2016 inclusive. There are several other problematic publishers, notably the American Chemical Society, but I had to stop somewhere. I hope that others can continue this work in NZ and other jurisdictions.

Die erhaltenen Zahlen und die letzten Antworten der Hochschulen sind nun auf Figshare einsehbar: https://doi.org/10.6084/m9.figshare.5656069.v1

Daten_NZ_FigshareScreenshot

Die Daten zeigen auf Anhieb nichts Überraschendes:

  • The total amount of money spent on just 4 publishers is substantial, around US$14.9M in 2016.
  • The mean expenditure per academic/research staff member  in 2016 is around US$1800.
  • University of Canterbury is getting a much worse deal than the others, 35% above the mean.
  • The rate of increase of  subscription costs (17%) over the period clearly exceeds the Consumer Price Index inflation rate over the period (2-3% in NZ, USA and Europe).
  • The publisher with highest percentage increase over the period was Taylor & Francis (33%).

Wilson, seit 2002 Senior Lecturer an der University of Auckland, liess sich 2014 durch Gowers Transparenzanfragen in UK inspirieren. Er ist ein starker Unterstützer von FairOA und sähe gerne Journals wieder in der Kontrolle der Wissenschaft.

SpringerNature vor Börsengang

SpringerNature gehört seit dem Merger von Springer und NPG mit 53% zu Holtzbrinck und mit 47% zu BC Partners. Bereits beim Merger im Jahre 2015 hat Ewald Walgenbach von BC Partners in der FAZ durchblicken lassen, dass seine Beteiligungsgesellschaft innerhalb der nächsten 3-4 Jahren den Ausstieg (Exit) mit einem Börsengang plane.

Gemäss Reuters sollen nun JP Morgan und Morgan Stanley beauftragt worden sein, diesen Gang an die Frankfurter Börse für den Sommer 2018 vorzubereiten. BC Partners und Holtzbrinck selber halten sich noch bedeckt.

Offenbar erhofft sich SpringerNature eine Kapitalerhöhung von 700-800 Mio. EUR. Während BC Partners einen grossen Teil seiner Beteiligung abstossen will, soll Holtzbrinck weiterhin einen Anteil über 40% halten. Mindestens 25% der Aktien sollen frei handelbar sein (free float). Insgesamt soll SpringerNature 4-5 Milliarden EUR Wert sein.

Wer den exzellenten Artikel im Guardian über die Geschichte von Elsevier gelesen (oder gehört) hat, kann sich gut vorstellen, dass nach oben tatsächlich keine Grenzen gesetzt sind. Jeder neue Verkauf scheint in dieser Industrie zu weiterem Wachstum zu führen. BC Partners loben sich auf ihrer Webseite, dass sie bisher auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, stets hervorragende Ergebnisse, sprich überdurchschnittliche Renditen erzielt haben.

BC-Partners

Schweden: Springer und IOP Offsetting

In Schweden ist ein Zwischenbericht zu den Offsetting-Agreements mit Springer und IOP veröffentlicht worden. Von dem 24-Seitigen Bericht in schwedischer Sprache, gibt es auch eine zweiseitige Zusammenfassung auf Englisch.

Springer Compact: Juli 2016 – Dezember 2017

Der Deal des Bibsam Konsortium umfasst die Publikationsmöglichkeit in 1705 Hybrid-Journals von Springer und den Zugriff auf 2110 Journals von SpringerLink (1997-).

Im ersten Jahr (Juli 2016 – Juli 2017) wurden insgesamt 1232 Publikationen in Hybrid OA Journals von Springer publiziert. Eine Liste der Publikationen bis April 2017 findet sich inzwischen auch auf OpenAPC. Beim Abschluss des Agreements, ging man davon aus, dass in den nächsten drei Jahren etwa 15% mehr publiziert werden würde. Zumindest bei den Hybrid-Journals von Springer blieb dieser Effekt aus. Es wurden letztlich sogar 20% weniger publiziert als man dies vereinbart hatte.

Schweden bezahlt für den ganzen Springer Compact Deal 4.2 Mio EUR, und somit 60% mehr als bisher.

Springer_Costs_of_Offsetting

Ausgaben des Schwedischen Bibsam Consortiums ohne und mit Springer Compact
Quellen: 2. Evaluationsbericht zu Springer Compact und IOP vom 20.09.2017 ; Auskunft Ulf Kronman 4.10.2017

Vergleich mit Niederlande

Der preisliche Unterschied zum Niederländischen Deal ist frappant. So konnten die Niederländer in den ausgesprochen harten Verhandlungen die Hybrid-APC auf unter €1’400 drücken. Im Schwedischen Agreement wurde ursprünglich mit einer APC von €2’200 kalkuliert. Da aber dann weniger als angenommen publiziert wurde, ist der effektive Preis jedoch sogar bei €3’000. Die Niederländer bezahlen somit trotz mehr Hybridpublikationen (2015: 1927 Artikel) eine Million Euro weniger als die Schweden. Wohl deshalb wehrte sich SpringerNature wohl besonders stark gegen die Offenlegung des Niederländischen Vertrags.

Springer Costs Netherlands.png

Ausgaben der Niederländischen Universitäten 2011-2016 für Springer Journals & Artikel. 
Quellen: Subskriptionskosten 2011-2014 ; Springer Agreement 2015-2016

Institute of Physics (IOP): Januar 2017 – Dezember 2019

Zum noch relativ jungen Agreement mit IOP liegen noch keine spezifischen Daten zur Analyse vor. Allerdings sollen die entstandenen Kosten von Hybrid-Zahlungen im Folgejahr zu 90% von den Schwedischen Subskriptionskosten, und zu 10% von den globalen Preisen von Hybridjournals abgezogen werden.

Fazit

Die Schwedische Evaluationsgruppe zieht im Bericht ein ambivalentes Fazit. Der Anstieg von OA ist erfreulich. Befragte Forschende zeigen sich von dem Agreement begeistert und wünschen sich weitere solche Deals mit anderen Verlagen. Anderseits wurde erkannt, dass der Preis dafür doch sehr hoch ist. Auch der Fokus auf Hybrid Journals, anstatt reine OA Journals wird als Nachteil aufgeführt.

Umfrage zu Open Access an der ETH Zürich

Die ETH Zürich führte im Februar 2017 bei ihren Forschenden eine Umfrage zu Open Access durch, deren Resultate nun veröffentlicht wurden. An der Umfrage nahmen 16% (992 von 6212) ETH-Wissenschaftler (inkl. Assistierende) teil.

Zustimmung zu OA und Transformation.

  • 90% aller Befragten sind der Meinung, dass wissenschaftliche Publikationen grundsätzlich online frei zugänglich sein sollten. Bei der grossen SOAP-Studie (2011) waren es 89%.
  • 74% der Befragten würden eine vollständige Transformation des wissenschaftlichen Publikationswesens vom Subskriptionsmodell hin zu OA positiv bewerten.

Boykottwille vorhanden

Besonders interessant war die Frage, zu was ETH-Wissenschaftler bereit wären, wenn ein Verlag Zeitschriftenpreise fordert, welche aus Sicht der ETH Zürich inakzeptabel sind. Knapp 50% wären bereit auf den Zugriff zu verzichten und über 70% wären bereit die Tätigkeit in einem Editorial Board oder als Reviewer abzulehnen oder niederzulegen.

Abbestellung_Review_Verzicht

Für eine bloss hypothetische Frage ist diese Zustimmung zu einem Boykott sehr hoch.  Man kann sich gut vorstellen, dass bei einem entsprechenden realen Fall, bei dem die Wissenschaftler auch mit mehr konkreter Informationen versorgt werden, die Bereitschaft und Zustimmung zum Boykott noch erhöht werden kann.

OA-Policy und Repository wenig bekannt

  • 74% der Befragten ETHZ-Wissenschaftler kennen die 2008 eingeführte verpflichtende Open Access Policy der ETHZ nicht.
  • 24% haben noch nie vom Repository ETH E-Collection (seit Juli 2017: Research Collection) gehört.
  • Academic Social Networks werden dem Institutionellen Repository gar vorgezogen:

Wo_OA_publizieren.png

Gründe gegen Gold-OA

Die Gründe gegen Gold/Hybrid OA sind vielfältig:

Gründe gegen OA.png

Interessanterweise gibt es an der reichen ETH doch 20% Wissenschaftler, die angeben aus finanziellen Gründen nicht OA zu publizieren. Erschreckend ist die Zahl derer, die aus Unkenntnis nicht OA publiziert. Als ob es so komplex wäre.

Gründe gegen Grün-OA

Gründe gegen grün.png

Auch bei den Gründen warum 600 ETH-Wissenschaftler im letzten Jahr kein Repository benutzt haben oder, um es klar zu benennen, der OA-Policy nicht nachgekommen sind, wird mehrheitlich Ahnungslosigkeit vorgeschoben.

Finanzierung von Gold/Hybrid OA

Die Umfrage fragte auch nach der Finanzierungsquelle und der Höhe der Ausgaben:

Finanzierung OA.png

Ähnlich der Resultaten aus der „Pay it forward„-Studie, scheint vielen ETH-Wissenschaftlern (Hybrid) Gold OA so wichtig, dass sie nicht auf die Bibliothek warten, bis diese verlagsunabhängiges OA-Funding anbietet oder sich um Offsetting-Verträge kümmert. Sie bezahlen APCs gleich direkt aus ihrem Forschungsetat. Dabei ist es sehr wahrscheinlich, dass Forschende auch für Hybrid OA bezahlen und es so zu dem berüchtigten Double Dip kommt.

Unterschiede pro Gruppe

Je nach Anstellungsform und Forschungsjahre konnten teils signifikante Unterschiede in den Antworten erkannt werden:

  • Professorinnen und Professoren stimmen am wenigsten zu, dass wissenschaftliche Publikationen grundsätzlich online frei zugänglich sein sollten. Sie fordern am stärksten eine weiterhin freie Wahl des Publikationsorgans und stimmen am wenigsten zu, dass die OA Policy generell verpflichtend sein soll. Sie bezahlen auch die höchsten Gebühren für Veröffentlichungen aller Art.
  • Wissenschaftlichen Mitarbeitenden mit befristeter Anstellung ist eine weiterhin freie Wahl des Publikationsorgans am wenigsten wichtig und sie stimmen einer vollständigen Transformation des Publikationswesen hin zu OA am ehesten zu.
  • Befragte mit mehr als 20 Jahren Forschungserfahrung stimmen am wenigsten zu, dass wissenschaftliche Publikationen grundsätzlich online frei zugänglich sein sollten. Auch einer vollständigen Transformation des Publikationswesen hin zu OA stimmen sie am wenigsten zu. Der Anteil an Personen, welche die OA Policy kennen, ist am höchsten und langjährig Forschende haben in den letzten 12 Monaten auch am meisten OA-Publikationsmöglichkeiten genutzt.

Fazit

Insgesamt bestätigt die Umfrage weitgehend, was man bereits über OA an der ETHZ wusste. Die OA-Policy der ETHZ ist gut, nur fehlt es ihr seit Jahren an internem Gewicht zur Durchsetzung. An der ETHZ und insbesondere in der Bibliothek gibt es niemand der die Forschenden in mühsamer Arbeit auffordert, den Postprint für diese und jene Publikation aufs Institutionelle Repository zu stellen. Entsprechend kommt so kein regelmässiger Kontakt und Austausch zwischen Bibliotheksmitarbeitenden und Forschenden zustande und entsprechend äussern sich viele Forschenden, dass sie uninformiert sind. So bleibt auch das Repository leer. Sucht man aktuell (22.8.2017) in Research Collection nach Artikeln aus dem Jahr 2017 findet man insgesamt 2797 Artikel verzeichnet, aber nur gerade mal 122 (4%) sind Open Access. Bei ZORA sind es vergleichsweise 598 von 1404, also 42%.

Wirklich neu ist die Erkenntnis, dass Forschende sehr wohl zu Boykott-Massnahmen bereit sind. Dies widerspricht der, insbesondere der Schweiz vertretenen Aufassung vieler BibliotheksdirektorInnen, dass man als Bibliothek zwischen Verlag und Forschenden als Opfer gefangen ist und sich letztlich den Verlagen nicht widersetzen könne. Die Umfrage zeigt vielmehr, dass beim Einbezug der Forschenden und einer transparenten Information über die Preise und Verhandlungen, durchaus mit Unterstützung von Forschungsseite gerechnet werden kann. Denn letztlich begrüssen 74% der Forschenden einen Wechsel vom Subskriptionsmodell zu OA.

Mal schauen, ob Rafael Ball den durch die Resultate der Umfrage zugespielten Ball aufnehmen kann. Noch im letzten Jahresbericht der ETH-Bibliothek, warnt Ball vor Schnellschüssen und „Aktionismus“.

Doch zunehmend gewinnt man den Eindruck, dass auch Bibliotheken mehr und mehr tangiert werden von aktuellen politischen Umwälzungen und Ereignissen, denen sie sich nicht mehr verschliessen können und dürfen. Da ist zum Beispiel das Thema «Open Access», das deutlich mehr ist als eine weitere Spielart der Literaturversorgung. Es ist vielmehr eine politische und wirtschaftliche Problematik, die bis in die Führung von Staaten reicht und auf der gleichen Ebene wie Wirtschaftssubventionen oder Marktinterventionen abgehandelt wird. Denn die Konsequenzen sind so gewaltig und grundlegend, dass viele Akteure sie nicht mehr zu überschauen scheinen und das Thema mit einem blossen Aktionismus mit ungewissem Ausgang vorantreiben. Denn die Konsequenzen sind so gewaltig und grundlegend, dass viele Akteure sie nicht mehr zu überschauen scheinen und das Thema mit einem blossen Aktionismus mit ungewissem Ausgang vorantreiben.

Gerade hier ist es wichtig, dass sich Bibliotheken ihrer Jahrhunderte alten Tradition als Kultur- und Gedächtnisinstitution erinnern und neuen Trends – zumal wenn sie irreversible Konsequenzen haben – mit dem notwendigen Sachverstand und der gebotenen Tiefe nähern und die beteiligten Akteure mit validen Informationen und Statements unterstützen. Die ETH-Bibliothek ist gerade bei diesem Thema im besten Sinne des Wortes professionell mit dabei: Qualifiziert, durchdacht, konstruktiv, aber ohne Schnellschüsse.