DFG: „Leitlinien zum Umgang mit Forschungsdaten“ verabschiedet

Der Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat Ende September „Leitlinien zum Umgang mit Forschungsdaten“ (PDF) verabschiedet.

Auszug aus der heutigen Ausgabe der „Information für die Wissenschaft„.

„Mit den vom Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) am 30. September 2015 verabschiedeten „Leitlinien zum Umgang mit Forschungsdaten“ führt die DFG die bereits geltenden Erwartungen an Antragstellende hinsichtlich des Umgangs mit den im Projekt entstehenden Forschungsdaten konsistent zusammen und weist zugleich explizit auf die Angebote hin, mit denen die DFG Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beim Management von Forschungsdaten unterstützt.“

Zur Zugänglichkeit und Nachnutzung der Forschungsdaten heißt es in der Policy:

„Soweit einer Veröffentlichung der Forschungsdaten aus einem DFG-geförderten Projekt Rechte Dritter (insbesondere Datenschutz, Urheberrecht) nicht entgegenstehen, sollten Forschungsdaten so zeitnah wie möglich verfügbar gemacht werden. Die Forschungsdaten sollten dabei in einer Verarbeitungsstufe (Rohdaten oder bereits weiter strukturierte Daten) zugänglich sein, die eine sinnvolle Nach- und Weiternutzung durch Dritte ermöglicht. Um dies sicherzustellen, ist darauf zu achten, dass der Zugang zu den Forschungsdaten auch dann gewährleistet bleibt, wenn im Zusammenhang mit einer Publikation Verwertungsrechte an den Forschungsdaten an Dritte, i.d.R. einen Verlag, übertragen werden müssen.“

In den letzen Monaten hatte verschiede DFG-Gremien bereits fachliche Ausführungen zum Thema veröffentlicht. Z.B.: für die Bildungsforschung und die Biodiversitätsforschung. Eine Übersicht zu weiteren Leit- und Richtlinien gibt es im Wiki Forschungsdaten.org 

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DFG verankert Open Access verbindlich in Förderprogramm

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert seit Mitte der 1990er-Jahre die Entwicklung digitaler Informationsinfrastrukturen für die Wissenschaft. Mit den beiden Förderprogrammen „Elektronische Publikationen“ und „Wissenschaftliche Zeitschriften“ wurden in der Vergangenheit wichtige Impulse zur Förderung von Open Access in Deutschland gesetzt.

Infrastruktur für elektronische Publikationen und digitale WissenschaftskommunikationBeide Programme wurden jetzt in ein überarbeitetes und erweitertes Förderprogramm namens „Infrastruktur für elektronische Publikationen und digitale Wissenschaftskommunikation“ überführt. Das DFG-Merkblatt 12.11 (PDF) informiert über die Ziele und die Bedingungen des Programms.

Äußerst begrüßenswert ist, dass die DFG dieses neue Programm mit einer verbindlichen Open-Access-Policy verknüpft. So heißt es im Absatz 2.2.2 der Förderbedingungen:

„Die in den Projekten erstellten Inhalte und alle aus Projekten resultierende Publikationen müssen grundsätzlich über das Internet für alle Nutzer und Nutzerinnen weltweit frei verfügbar sein (Open Access) und dauerhaft zugreifbar bleiben. Wo immer möglich, kennzeichnen eindeutige Lizenzen, in welchem Umfang die Nachnutzbarkeit von Publikationen bzw. einzelner Teile von Publikationen gewährleistet ist.“

Open Access in einem Förderprogramm zur digitalen Wissenschaftskommunikation verbindlich zu verankern ist natürlich ein äußerst naheliegender Schritt, der auch in der betroffenen Community auf viel Zustimmung treffen wird. Wünschenswert wäre, dass die DFG diese Open-Access-Bedingung in all ihren Programmen verankert und somit ihre Empfehlung für Open Access aus dem Jahr 2006 in eine verbindliche Richtlinie überführt.

Bereits 2013 hat die Helmholtz-Gemeinschaft Open Access verbindlich in ihrem Förderprogramm „Impuls- und Vernetzungsfonds“ verankert. In Deutschland arbeitende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden bereits seit längerem durch die Open-Access-Politik der europäischen Forschungsförderung (ERC, FP7 und HORIZON 2020) mit verpflichtenden Open-Access-Bedingungen konfrontiert.

Alle genannten Richtlinien können sowohl durch den Grünen Weg (Selbstarchivierung), als auch durch den Goldenen Weg (Open-Access-Zeitschriften) umgesetzt werden. Vermehrt gewinnen auch Richtlinien an Bedeutung, die den Goldenen Weg präferieren, so z.B. die Open-Access-Richtlinien des CERN und der Gates Foundation.

Disclosure: Ich arbeite für die Helmholtz-Gemeinschaft.

Forschungsdaten öffnen – Anreize, Repositorien und Kooperationen

Die Diskussion über die Nachprüfbarkeit und Nachnutzung von digitalen Forschungsdaten gewinnt an weiter an Dynamik. 2013 haben die Wissenschaftsministerien der G8-Staaten unter dem Stichwort „Open Scientific Research Data“ einen möglichst offenen Zugang zu Forschungsdaten gefordert und damit eine zentrale Diskussion der Wissenschaft aufgegriffen, denn „Data Sharing“ ist für die Bearbeitung vieler drängender Forschungsfragen unabdingbar.

Vermehrt fordern Förderorganisationen, wie z. B. die Europäische Kommission (u. a. im Rahmen des „Open Research Data Pilot„in Horizon 2020) und wissenschaftliche Zeitschriften, dass Daten – die Ergebnis eines geförderten Projekts oder Grundlage eines Artikels sind – offen zugänglich gemacht werden. Siehe hierzu z. B. ein aktuelles Editorial in Nature (doi:10.1038/515312a).

Forschende sehen zwar häufig das Potenzial offener Forschungsdaten, stehen der offenen Zugänglichkeit „ihrer“ Daten jedoch auch zurückhaltend gegenüber. Um eine Kultur des „Data Sharings“ zu fördern, ist es dringend nötig Anreize zu schaffen. Im kompetitiven Wissenschaftssystem gilt es, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Daten-Repositorien anzubieten, auf denen Forschungsdaten dauerhaft zugänglich gemacht werden können. Von großer Bedeutung ist es dabei die Zitierfähigkeit der Forschungsdaten zu garantieren, um somit auch die Verankerung des Teilens im wissenschaftlichen Reputationssystems zu fördern.

Wissenschaftliche Institutionen und ihre Serviceeinrichtungen wie Bibliotheken, Daten- und Rechenzentren sind deshalb gefordert, Infrastrukturen und Services bereitzustellen, die die zitierfähige und  dauerhafte Zugänglichmachung der digitalen Forschungsdaten ermöglichen.

Im Rahmen meiner Arbeit am Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ haben wir in den letzten Jahren, gemeinsam mit Partnern,  die Initiative re3data.org – Registry of Research Data Repositories gestartet (doi:10.1371/journal.pone.0078080). Anliegen war und ist es, Forschenden eine Orientierung über mögliche Orte zur Speicherung zur Zugänglichmachung ihrer Daten zu geben.

re3data.org – the Registry of Research Data Repositories Dank der Förderung der DFG und engagierter Projektpartner haben wir heute erfreulicherweise die „Tausender-Marke“ geknackt: re3data.org weist jetzt über 1.000 Daten-Repositorien aus der ganzen Welt nach. Ein einfaches Icon-System hilft bei der Einordnung der indexierten Daten-Infrastrukturen. (Weiterführende Informationen zum Stand von re3data.org finden sich im Projektblog.)

Das jüngste, in re3data.org indexierte Daten-Repositorium ging erst heute Nachmittag online. Es handelt sich um das „CERN Open Data Portal“. Über dieses Portal macht das CERN in Genf u. a. Daten aus den LHC-Kollaborationen für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Forschungsdaten sind durch die Nutzung der Creative-Commons-Deed „CC0“ gemeinfrei nachnutzbar. Siehe dazu die Pressemitteilung der CERN-Kolleginnen und -Kollegen.

CERN Open Data Portal

Auch wenn die Anzahl der „Daten-Policies“ wächst und die Landschaft der Daten-Repositorien an Profil gewinnt, gibt es weiterhin viel zu tun. Um die komplexen Herausforderungen des „Data Sharings“ auf internationaler Ebene aufzugreifen formiert sich die „Research Data Alliance (RDA)“. Organisiert durch das Open Science Koordinationsbüro der Helmholtz-Gemeinschaft findet heute und morgen eine Tagung dieser Initiative am GFZ in Potsdam statt. Dort diskutieren 120 „Data Practitioners” aus verschiedensten Fachgebieten über Stand und Perspektive der deutschen Beteiligung in der Research Data Alliance.

Weitere Informationen zum Thema:

  • Zehn Anregungen zum Umgang mit Forschungsdaten finden sich im Kapitel „Publikation von Forschungsdaten“ (doi:10.2314/coscv1.53) im Handbuch “CoScience“ (Das Kapitel steht unter CC-BY und kann nachgenutzt, weiterbearbeitet – und damit gerne auch verbessert – werden.)
  • Weitere Informationen finden sich im Wiki forschungsdaten.org.
  • Darüber hinaus kann das Thema auch auf der Mailingliste “Umgang mit Forschungsdaten” diskutiert werden.

(Crosspost von ALBERTopen.)

Bund und Länder richten „Rat für Informationsinfrastrukturen“ ein

Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hat am 22. November 2013  die Einrichtung eines Rates für Informationsinfrastrukturen beschlossen. Die Einsetzung des Gremiums geht auf eine Empfehlung des Wissenschaftsrates aus dem Jahr 2012 zurück.

Auszug aus der Pressemitteilung (PDF) der GWK:

„Um die vorhandenen vielfältigen Aktivitäten in diesem Bereich besser aufeinander abzustimmen und sie miteinander zu verzahnen, hat die GWK heute beschlossen, einen Rat für Informationsinfrastrukturen zunächst als vierjähriges Pilotprojekt einzurichten. [..] Der Rat soll sich auf der Systemebene den strategischen Zukunftsfragen dieses Wissenschaftsbereiches widmen, die Selbstorganisationsprozesse in der Wissenschaft stärken und Möglichkeiten zur Kooperation von Einrichtungen/Initiativen ausloten. Er wird Wissenschaft und Politik in Fragen der Weiterentwicklung der Informationsinfrastrukturen beraten. Dem 24-köpfigen Gremium sollen sowohl Nutzer und Betreiber von wissenschaftlichen Informationsstrukturen als auch öffentliche Zuwendungsgeber angehören. Die Finanzierung des Rates erfolgt gemeinsam durch Bund und Länder.“

WissKom2012: Programm steht, Anmeldung ist eröffnet

Herbstzeit ist Tagungszeit! Vom 5. – 7. November 2012 findet die WissKom2012 am Forschungszentrum Jülich statt. Das Motto der Konferenz lautet „Vernetztes Wissen – Daten, Menschen, Systeme“.

Als Mitglied des Programmkomitees freue ich mich ganz besonders auf die Konferenz. Das Programm steht und die Anmeldung ist eröffnet.

Im Themenfeld „Daten“ werden u.a. Ergebnisse und Erfahrungen aus den  Projekten EDaWaX, re3data.org und TERENO vorgestellt. Darüber hinaus geht es z.B. um die Registrierung sozial- und wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsdaten.

Unter dem Stichwort „Systeme“ geht es u.a. um die semantische Anreicherung und Vernetzung von Open-Access-Publikationen sowie um Verfahren der Impact Messung auf Basis von Open-Access-Repositorien.

Das dritte Thema der Konferenz lautet „Menschen“. Hier geht es u.a. um kollaborative Wissengenerierung und pandisziplinären Forschungsplattformen. Weiter wird der sehr geschätzte Kollege Lambert Heller über „Ideale und Alltagsprobleme beim Rollenwandel digitaler BibliothekarInnen“ sprechen.

Veranstalter ist die Zentralbibliothek des Forschungszentrums  Jülich. Programm und Anmeldeformular finden sich auf finden sich unter: wisskom2012.de. Und natürlich ist die WissKom auch auf Facebook zu finden.

Workshop zum Thema Autorenidentifikation

In eigener Sache: Im Rahmen meiner Tätigkeit für das Open Access Koordinationsbüro der Helmholtz-Gemeinschaft bin ich Mitorganisator eines Workshops zum Thema Autorenidentifikation. Die Veranstaltung findet am 15. Oktober 2012 im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität zu Berlin statt. Auszug aus der Ankündigung:

„Die Herkunft wissenschaftlicher Erkenntnis eindeutig nachzuvollziehen ist in Zeiten einer immer komplexer und schneller werdenden Wissenschaftskommunikation notwendiger denn je. Herausforderungen, die beim Versuch auftreten, Publikationen eindeutig auf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie auf ihre institutionellen Zugehörigkeiten zu beziehen, sind seit langem bekannt und werden auch im Umfeld des elektronischen Publizierens diskutiert. Mit der Open Researcher Contributor Identification Initiative (ORCID) hat sich 2009 ein Zusammenschluss vielfältiger Akteure aus der Wissenschaft, aus Verlagen und weiteren Institutionen gebildet.“

ORCID verfolgt das Ziel einen unabhängigen und offenen Standard zur Identifikation von wissenschaftlichen Autorinnen und Autoren zu etablieren, der bestehenden Initiativen und Identifikationssysteme bündelt. Der Dienst soll im Oktober online gehen.

Anliegen des Workshops ist es Stand und zukünftigen Entwicklungen der Autorenidentifikation zusammenfassen und gemeinsame Perspektiven zu diskutieren. Programm und Anmeldeformular des Workshops finden sich auf der Website der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation (DINI).

DFG-Positionspapier: „Perspektiven für die digitale Transformation“

Der Senat der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat heute unter dem Titel „Die digitale Transformation weiter gestalten – Der Beitrag der DFG zu einer innovativen Informationsinfrastruktur für die Forschung“ (PDF)  ein Positionspapier zur strategischen Weiterentwicklung von Informationsinfrastrukturen für die Forschung verabschiedet. Auszug aus der Pressemitteilung:

„Vor dem Hintergrund eines rasanten Wandels der Bedingungen wissenschaftlichen Arbeitens unter digitalen Vorzeichen setzt sich das Positionspapier mit den aktuellen Herausforderungen einer innovativen Informationsinfrastruktur für die Forschung auseinander, greift neue Entwicklungen auf und benennt prioritäre Felder für Förderinitiativen. DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner: ‚Exzellente Grundlagenforschung ist nicht ohne Informationsinfrastrukturen auf der Höhe der Zeit zu denken. Insofern kommt ihrem Auf- und weiteren Ausbau eine hohe, zukunftsweisende Bedeutung zu. Das Papier wird als strategische und thematische Richtschnur für die Informations- und Literaturversorgung der nächsten Jahre dienen – im Interesse des Forschungsstandorts und seiner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.'“

Erarbeitet wurde das Positionspapier vom DFG-Ausschuss für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme. Das 18-seitige Papier behandelt folgende vier Themenfelder: Überregionale Literaturversorgung, Erschließung und Digitalisierung, Elektronische Publikationen und Informationsmanagement. Angeknüpft wird an die DFG-Strategieschrift „Schwerpunkte der Förderung bis 2015“ (PDF) aus dem Jahr 2006.