Organization Identifiers

Das Problem von unterschiedlicher Schreibweise von wissenschaftlichen Institutionen ist insbesondere aus der Bibliometrie bekannt. Wenn Forschende bei einer Publikation ihre institutionelle Zugehörigkeit angegeben, ergeben sich häufig unterschiedliche Schreibweisen. Viele Hochschulen haben deshalb Richtlinen erlassen, wie die Zugehörigkeit angegeben werden soll.

Beispiel TU Graz:

Zwei Varianten des Universitätsnamens stehen bei der Angabe der Affiliation bei Publikationen und Forschungsprojekten zur Auswahl – eine englische und eine deutsche:

  • Graz University of Technology
    bzw.
  • Technische Universität Graz.

Die englische Variante der Affiliation ist generell der deutschen vorzuziehen, besonders wenn es sich um Publikationen in internationalen Medien handelt.

Akronyme (TU Graz, TUG etc.) und Abkürzungen (Graz Univ. Techn., Techn. Univ. Graz etc.) sind bei der Angabe der Affiliation bei Publikationen und Forschungsprojekten grundsätzlich unzulässig.

Beispiel Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)

FAU - Empfehlungen für die standardisierte Angabe der Affiliation bei deutschund englischsprachigen Publikationen

Auch beim Funding Acknowledgement führen unterschiedliche Schreibweisen zu einer erschwerten Auswertung von Publikationsdatenbanken:

Inzwischen haben sich verschiedene Initiativen etabliert, welche mit einem eindeutigen Identifier Klarheit schaffen wollen. Besonders erwähnenswert sind Ringgold, GRID und Funding Data von CrossRef.

Ringgold

Ringgold bietet aktuell mit Abstand die grösste globale Abdeckung an Identifiers für Organisationen im wissenschaftlichen Umfeld.

Ringgold - Universität Bern

Ringgold Inhalt: Beispiel Universität Bern

Ringgold ist 2003 als Dienstleister für Subskriptions-Verlage entstanden, um deren Kundendaten zu harmonisieren. Inzwischen verwenden auch die weit verbreiteten Manuskript-Einreiche-Systeme Editorial Manager (Aries) und ScholarOne (Clarivate) die Daten von Ringgold um die Affiliation zu standardisieren.

Ebenfalls greift ORCID auf die proprietären Ringgold Daten zurück, wenn es beispielsweise darum geht Anstellungen zu erfassen:

ORCID-Universität Bern - Steuerrecht

ORCID: Auswahl für die Anstellung wird mit Ringgold Daten gefüttert.

Ringgold hat die Grunddaten der Organisationen via ISNI öffentlich gemacht. Weitere Informationen z.B. zur Hierarchie oder Typ bleiben jedoch nur kostenpflichtig zugänglich.

Global Research Identifier Database – GRID

GRID wurde von Digital Science für die Verwendung bei den eigenen Systemen wie Symplectic Elements, UberResearch Dimensions, Figshare oder Altmetric geschaffen. Die Daten stehen aber unter einer CC-0 Lizenz zu Verfügung. Nach eigener Aussage wurden in den letzten Jahren mehr als £2 Mio in GRID investiert.

Funding Data (Crossref)

Um die Funding Acknowledgements zu harmonisieren wurde 2012 bei Crossref das  FundRef gestartet. Elsevier stellte eine initiale Liste von Förderorganisationen zu Verfügung, die nun monatlich von CrossRef aktualisiert wird. Inzwischen sind 15’900 Organisationen auf dieser Liste. Jeder Organisation wurde ein DOI zugewiesen unter dem zusätzliche Namen, Akronyme und Hierarchien der Organisation verfügbar sind:

Viele Verlage (hier sieht man welche) geben die bei den Funding Acknowledgements aufgeführten Organisationen strukturiert als Organisations-DOI bei Crossref aus:

Crossref Funding Data.jpg

Links: Acknowledgement auf Publikation / Rechts: Funding Angaben via Crossref REST-API

Organization Identifier Working Group

In verschiedenen internationalen Workshops artikulierte sich das Bedürfnis nach einer einheitlichen und offenen Lösung für Organization Identifiers. Daraus bildete sich 2017 unter dem Lead von ORCID, Crossref & Datacite eine Working Group, welche zunächst eine Übersicht mit Vor und Nachteilen der vorhandenen Systeme zusammenstellte. Ebenso wurden Empfehlungen hinsichtlich Governance und Scope einer neuen Lösung vorgeschlagen. Ein wichtiges Merkmal ist beispielsweise die Empfehlung, dass Organisationen ihre Daten selber pflegen können. Ende Oktober wurde  basierend auf diesen Empfehlungen ein „Request for Information“ (RFI) veröffentlicht.

Im Januar 2018 fand dann in Spanien ein Stakeholder Meeting zur Organization ID statt, wo die eingetroffenen Antworten aus dem RFI präsentiert und diskutiert wurden.

RFI Response

Zusammenfassung der erhaltenen Antworten aus dem Request for Information

Das 26-seitige Dokument mit den erhaltenen Antworten bezeugt ein grosses Interesse an einer einheitlichen Organization ID von unterschiedlichen Perspektiven.

Es fällt auf, dass Ringgold kein Interesse anmeldet, um bei der offenem Lösung einen zentralen Part zu übernehmen. Obwohl eine solche Lösung das aktuelle Geschäftsmodell von Ringgold massiv konkurrenziert.

Digital Science ist da einiges offener, verweist aber auf die bisherigen Investitionen, bei denen man bei einer Partizipation das eigene Kosten-Nutzen Verhältnis gut abwägen muss:

Due to the nature of the Digital Science products and services, Digital Science will need to continue a GRID-like undertaking even if an open alternative is developed and maintained externally. Most of the reasons are around speed to changes to policies, flexibility and ability to accommodate client use cases and needs. This means that Digital Science will have to continue to invest resources in this area, an open alternative is not eliminating this need. But we see the possibility to do this as an additional layer on an open identifier system.

Crossref gibt mit einer sehr detaillierten Antwort klar zu erkennen, den Lead übernehmen zu wollen:

  • Crossref is interested in being a host for the new registry.
  • Crossref supports creating a joint venture non-profit collaboration of representative stakeholders to launch a registry. Crossref does not support creating a new entity (e.g. 501c3) at the start although this is something that could happen later.
  • Crossref is interested in participating in the governance of the new registry
  • Crossref can make significant resources available to help launch an independent registry.
  • Crossref is well placed to undertake the above based on current experience running its own services and infrastructure including the Open Funder Registry.
  • Crossref has developed an estimated expense budget and rationale for an independent registry that it is willing to share with the group of organizations that create the new joint venture collaboration.

ORCID und DataCite beschränken ihr Mitwirken auf die Unterstützung der Governance und letztlich der Verwendung in den eigenen Systemen.

Grosses Interesse signalisierte Publisher Solutions International mit ihrer IP-Registry, wo aktuell über 60’000 Bibliotheken und ihre IP-Ranges erfasst sind.

Auch von Bibliotheksseite gab es positive Rückmeldungen. Das Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen (HBZ), die British Library, die California Digital Library und OCLC beschreiben ihre Erfahrungen mit der gemeinsamen Pflege von Normdaten und Identifers und interessieren sich diese Arbeit weiter auszubauen. Die BL und OCLC sind bereits stark bei ISNI involviert. ISNI selber hat sich auch noch explizit als Host anerboten.

Eine interessanten Input bezüglich Geschäftsmodell kommt von der Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF), welche im Finanzbereich Identifier (z.B: 391200PHRPB1YWIPRE56) vergibt.

Ebenso bekunden weitere Stellen wie der Australian National Data Service (ANDS), die Foundation for Science and Technology, Portugal das Library and Information Centre, Hungarian Academy of Sciences, das European Directory of Marine Organisations EDMO, das Répertoire national des structures de recherche (RNSR) Interesse an einer internationalen Lösung und die Möglichkeit die aktuell lokal verwendeten Daten zu Verfügung zu stellen.

Die DFG verwies auf ihre Erfahrung bei der Erfassung und Verwaltung von 25’000 Organisationseinheiten von deutschen Hochschulen im Rahmen des Research Explorers. Da gibt es zurzeit etwa 6000 Änderungen und 1500 Neueinträge pro Jahr.

Nächste Schritte

Am Workshop wurde beschlossen, dass ORCID, DataCite und Crossref (als Interim Lead) im Austausch mit allen Interessierten ein Proposal vorbereiten, in dem die Partner, die Governance-Struktur, die juristischen Details sowie ein Memorandum of Understanding definiert werden.

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