Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII) empfiehlt nationale Forschungsdateninfrastruktur

Der Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII) hat heute unter dem Titel „Leistung aus Vielfalt“ Empfehlungen zu Prozessen und zur Finanzierung des Forschungsdatenmanagements in Deutschland veröffentlicht.

RfII – Rat für Informa onsinfrastrukturenIm Kern des jetzt veröffentlichten Positionspapiers steht die Empfehlung zur Etablierung einer „Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI)“.

Das Positionspapier wurden im Rahmen eines „forschungspolitische[n] Gespräch[es] über die wachsende Bedeutung der Digitalisierung für Wissenschaft und Forschung“ der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) veröffentlicht. (Siehe hierzu die Pressemitteilung der GWK.)

Die GWK hat im November 2013 die Einrichtung des Rates für Informationsinfrastrukturen (RfIIbeschlossen. Die Einsetzung des Gremiums geht auf eine Empfehlung des Wissenschaftsrates aus dem Jahr 2012 zurück.

Update, 27.06.2016: Das BMBF hat eine Pressemitteilung zu der Übergabe der Empfehlungen veröffentlicht.

EU- und G7-Staaten setzen auf Open Science

Heute hat der Rat für Wettbewerbsfähigkeit („Competitiveness Council“) der Europäischen Union seine „Council Conclusions on the Transition towards an Open Science System“ verabschiedet (PDF).

In einer Pressemitteilung der niederländischen Ratspräsidentschaft, unter dem Titel „Europa entscheidet sich für Open Access“, wird der Kern der europäischen Open-Science-Strategie deutlich:

„Ab 2020 müssen alle wissenschaftlichen Publikationen zu Ergebnissen öffentlich finanzierter Forschungsarbeiten frei zugänglich sein.“

Über diese klare Richtungsentscheidung hinaus sollen, so der Rat, auch die „Beurteilungskriterien für wissenschaftliche Arbeiten angepasst werden“:

„Es sollte nicht mehr vorrangig darum gehen, wie viele Publikationen ein Wissenschaftler vorweisen kann und wie oft er in anderen Arbeiten zitiert wird. Vielmehr sollten die gesellschaftlichen Auswirkungen einer Forschungsarbeit eine viel größere Rolle spielen.“

Zur offen Zugänglichkeit und Nachnutzung von Forschungsdaten unterstreichen der Rat in seinen „Conclusions“,

„that research data originating from publicly funded research projects could be considered as a public good, and encourages the Member States, the Commission and stakeholders to set optimal reuse of research data as the point of departure, whilst recognising the needs for different access regimes because of Intellectual Property Rights, personal data protection and confidentiality, security concerns, as well as global economic competitiveness and other legitimate interests. Therefore, the underlying principle for the optimal reuse of research data should be: ‚as open as possible, as closed as necessary‘.“

Amsterdam Call for Action on Open Science

Amsterdam Call for Action on Open ScienceIn den „Conclusions“ werden auch einige Maßnahmen des lesenswerten „Amsterdam Call for Action on Open Science“ (PDF) aufgegriffen, der im April im Rahmen der niederländischen Ratspräsidentschaft veröffentlicht wurde.

Dieser „Call“ benennt zentrale Maßnahmen zur Förderung von Open Science auf. U. a. gibt es eine Aufforderung an die wissenschaftlichen Einrichtungen in Europa zukünftig auf Vertraulichkeitsvereinbarungen mit Verlagen zu verzichten.

Zur weiteren Begleitung des Prozesses hin zu Open Science hat Carlos Moedas, EU-Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation, Mitglieder für die „European Open Science Policy Platform“ (OSPP) nominiert (PDF).

European Open Science Cloud

Bereits gestern hat der Rat „Conclusions“ zum „Digital Single Market“ veröffentlicht (PDF). In diesen wird u. a. die Bedeutung der „European Open Science Cloud“ (EOSC) betont. Mit Hilfe dieser „Europäische Dateninfrastruktur“ sollen Forschungsdaten „über Fachgebiete und Grenzen hinweg“ ausgetauscht werden können. Carlos Moedas, erklärte im April in einer Pressemitteilung das Anliegen der EOSC:

„Unser Ziel ist die Schaffung einer Europäischen Cloud für offene Wissenschaft – einer zuverlässigen Umgebung, die es über Technologien, Fachgebiete und Grenzen hinweg Millionen von Forschern ermöglicht, Forschungsdaten auszutauschen und zu analysieren, um so die Effizienz und Produktivität in der Wissenschaft zu erhöhen. Wir haben den Appell der Wissenschaftler, eine Infrastruktur für offene Wissenschaft aufzubauen, gehört und einen umfangreichen Plan entwickelt, mit dem wir uns nun an die Arbeit machen können. Der Nutzen der offenen Daten für Europas Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft wird enorm sein.“

G7 –  Tsukuba Communiqué

Auch die G7-Wissenschaftsministerinnen und -ministern befassten sich Mitte Mai im japanischen Tsukuba mit dem Thema Open Science. In dem dort verabschiedeten „Tsukuba Communiqué“ (PDF) heißt es:

„We recognized a growing need to share common international principles for open science and to put these principles into practice through open access to scholarly publications and open data. Furthermore, we recognized the importance of stronger foundations for the support of open science, such as incentives for researchers and institutions, support systems and human resources. We recognize the need to promote access, taking into consideration privacy, security, and legitimate proprietary rights, and different legal and ethical regimes, as well as global economic competitiveness and other legitimate interests.“

Open Innovation, Open Science, Open to the WorldWeiter kündigen die G7-Wissenschaftsministerinnen und -ministern in dem „Communiqué“ die Einsetzung einer Arbeitsgruppe an, die sich u. a. mit Praktiken und Anreizen für Open Science befassen soll.

Passend zu diesen Entwicklungen hat die EU-Kommission heute das Zukunftskonzept  „Open Innovation, Open Science, Open to the World – a vision for Europe“ veröffentlicht – natürlich frei zugänglich (PDF).

Bericht zum Stand von Open Science in Europa

Die Europäische Kommission hat einen umfangreichen Bericht zum Stand von Open Science in den Mitgliedstaaten veröffentlich:

Access to and Preservation of Scientific Information in Europe. Report on the implementation of Commission Recommendation C(2012) 4890 final. DOI: 10.2777/975917.

Abstract des Berichts:

„This report provides an overview on access to and preservation of scientific information Access to and preservation of scientific information in Europein the EU Member States as well as Norway and Turkey. Concerning open access to scientific peer-reviewed publications, most EU Member States reported a national preference for one or the other type of open access to publications, that is, either the Green or the Gold model. However, the expressed preferences for one or the other model are not pure models whereby only one route is followed. Overall, policies on open access to research data are less developed across EU countries than policies and strategies on open access to research publications. However, individual Member State feedback shows a general acknowledgement of the importance of open research data and of policies. As concerns the curation and preservation of scientific information, institutional repositories are very well developed in most Member States, although certification is sometimes lacking. Concerning participation in multi-stakeholder dialogues and activities, several countries have set up national coordination bodies or networks. Others rely on a university or a university library (or an association of libraries), their Research Promotion Agency/Research Councils or their Academy of Science. Specific events or dedicated EU fora and/or projects have also been identified as a way to galvanize stakeholder interaction.“

Anliegen des jetzt veröffentlichten Berichts ist es, einen Überblick über den Stand der Umsetzung der „Commission Recommendation C(2012) 4890 final“ zu geben. Diese 2012 veröffentlichten Empfehlungen an die EU-Mitgliedstaaten bilden weiterhin den wissenschaftspolitischen Rahmen für die Förderung von Open Science in Europa.

 

 

HRK-Empfehlung zum Thema Forschungsdatenmanagement

Die Mitgliederversammlung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat am 10.11.2015 unter dem Titel „Wie Hochschulleitungen die Entwicklung des Forschungsdatenmanagements steuern können. Orientierungspfade, Handlungsoptionen, Szenarien“ (PDF) umfassende Empfehlungen zum Thema Forschungsdatenmanagement verabschiedet.

Diese bauen auf einer vorhergehenden Empfehlung der HRK aus dem Jahr 2014 auf. Damals wurde die strategische Bedeutung des Themas für die Hochschulen in Deutschland betont. Die jetzt veröffentlichten Empfehlungen richten sich darüber hinaus auch an die Politik. Auszug aus der Pressemitteilung der HRK:

 „Die Mitgliederversammlung fordert die Verantwortlichen in Bund und Ländern auf, sowohl eine koordinierende Rolle beim Aufbau übergreifender Infrastrukturen für das Forschungsdatenmanagement zu übernehmen als auch die notwendige Finanzierung zu sichern.  Als einen entscheidenden Schlüssel auf allen Ebenen sieht die HRK eine stärkere Kooperation. Deshalb solle die Finanzierung so gestaltet werden, dass zusätzliche Anreize für die Zusammenarbeit von Hochschulen sowohl innerhalb der Länder als auch länderübergreifend gesetzt werden. Die Länder sollten verstärkt in gemeinsamen Initiativen zusammenarbeiten. Gleichzeitig müssten die Kooperationsmöglichkeiten von Bund und Ländern nach dem neu gefassten Artikel 91 b Grundgesetz genutzt werden.“

(Crosspost von ALBERTopen.)

DFG: „Leitlinien zum Umgang mit Forschungsdaten“ verabschiedet

Der Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat Ende September „Leitlinien zum Umgang mit Forschungsdaten“ (PDF) verabschiedet.

Auszug aus der heutigen Ausgabe der „Information für die Wissenschaft„.

„Mit den vom Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) am 30. September 2015 verabschiedeten „Leitlinien zum Umgang mit Forschungsdaten“ führt die DFG die bereits geltenden Erwartungen an Antragstellende hinsichtlich des Umgangs mit den im Projekt entstehenden Forschungsdaten konsistent zusammen und weist zugleich explizit auf die Angebote hin, mit denen die DFG Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beim Management von Forschungsdaten unterstützt.“

Zur Zugänglichkeit und Nachnutzung der Forschungsdaten heißt es in der Policy:

„Soweit einer Veröffentlichung der Forschungsdaten aus einem DFG-geförderten Projekt Rechte Dritter (insbesondere Datenschutz, Urheberrecht) nicht entgegenstehen, sollten Forschungsdaten so zeitnah wie möglich verfügbar gemacht werden. Die Forschungsdaten sollten dabei in einer Verarbeitungsstufe (Rohdaten oder bereits weiter strukturierte Daten) zugänglich sein, die eine sinnvolle Nach- und Weiternutzung durch Dritte ermöglicht. Um dies sicherzustellen, ist darauf zu achten, dass der Zugang zu den Forschungsdaten auch dann gewährleistet bleibt, wenn im Zusammenhang mit einer Publikation Verwertungsrechte an den Forschungsdaten an Dritte, i.d.R. einen Verlag, übertragen werden müssen.“

In den letzen Monaten hatte verschiede DFG-Gremien bereits fachliche Ausführungen zum Thema veröffentlicht. Z.B.: für die Bildungsforschung und die Biodiversitätsforschung. Eine Übersicht zu weiteren Leit- und Richtlinien gibt es im Wiki Forschungsdaten.org 

Wissenschaftsrat empfiehlt die Publikation von negativen Resultaten

Der Wissenschaftsrat, das zentrale wissenschaftspolitische Beratungsgremium Deutschlands, hat auf seinen Frühjahrssitzungen in Stuttgart lesenswerte „Empfehlungen zu wissenschaftlicher Integrität“ veröffentlicht. In der Pressemitteilung dazu heißt es:

„Die Empfehlungen des Wissenschaftsrates widmen sich mit diesem Ansatz nicht nur gravierenden Fällen des Wissenschaftsbetrugs wie Datenfälschung oder Plagiaten, sondern betrachten auch die Grauzone verschiedener Formen nicht integren oder unverantwortlichen Verhaltens. Damit geht der Wissenschaftsrat weit über den in der öffentlichen Debatte bisher dominierenden Schwerpunkt von Plagiatsfällen in Doktorarbeiten hinaus. Betrachtet wird der gesamte Forschungsprozess und auch das Studium als entscheidende Phase für die Entwicklung wissenschaftlicher Integrität wird miteinbezogen.“

In den Empfehlungen (PDF) werden auch einige Ergebnisse der Fakultätenbefragung des Wissenschaftsrates dokumentiert. Nach dieser Erhebung, die u. a. die Verbreitung der gängigen Leitlinien zur guten wissenschaftlichen Praxis in Deutschland untersuchte, konstatiert der Wissenschaftsrat ein „ernüchterndes Bild, da selbst die DFG-Denkschrift und die HRK-Leitlinie als bekannteste Direktiven nur etwa der Hälfte bzw. zwei Dritteln der Antwortenden bekannt sind“. Gemeint sind hier die Denkschrift „Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ der DFG (1998/2013) und die Empfehlung „Gute wissenschaftliche Praxis an deutschen Hochschulen“ der HRK (2013). Weiter stellt der Wissenschaftsrat fest, dass die „langjährige Aufbewahrung und Nutzungsmöglichkeit von Forschungsdaten“ nur von „etwa der Hälfte“ der antwortenden Hochschulen umgesetzt wird.

Empfehlungen zu wissenschaftlicher IntegritätVor diesem Hintergrund adressieren die Empfehlungen des Wissenschaftsrates jetzt Forschende, deren Einrichtungen, die Politik, Förderorganisationen, Evaluationsagenturen und auch Wissenschaftsverlage und -zeitschriften. Für jeden dieser Akteure werden Handlungsempfehlungen gegeben. Wie bereits in vorhergehenden Empfehlungen „bekräftigt“ der Wissenschaftsrat seine Forderung „Forschungsdaten internationalen Standards entsprechend aufzubereiten, für einen ausreichend langen Zeitraum aufzubewahren und für Anschlussforschung zugänglich zu machen.“ Der Politik wird hierzu empfohlen „strategische Konzepte und Leitlinien“ zum Thema Forschungsdatenmanagement auf den Weg zu bringen. Positiv herausgehoben werden Entwicklungen in einigen Bundesländern, wie z. B. in Baden Württemberg. Dort wurde im letzten Jahr ein “Fachkonzept zur Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Infrastruktur” veröffentlicht, welches auch den Umgang mit wissenschaftlichen Daten thematisiert. Herausgeberinnen und Herausgebern von Fachzeitschriften werden aufgefordert „den Zugang zu Forschungsdaten und die Transparenz des Forschungsprozesses insgesamt zu befördern“. In diesem Kontext soll, so der Wissenschaftsrat, auch die „Publizierbarkeit von Replikationsstudien und negativen Forschungsergebnissen“ verbessert werden:

„Negative Forschungsergebnisse müssen grundsätzlich auch in renommierten Journalen publizierbar sein, bspw. als Teil der Hauptpublikation oder in gesonderten Sparten, ebenso wie Replikationsstudien. Errata und Korrigenda sollten systematisch veröffentlicht und bspw. mit der Originalpublikation verknüpft werden, um die Verbreitung falscher Daten zu verhindern. Online-Repositories mit zugänglichen Forschungsprimär- und Metadaten stellen ebenfalls wichtige Maßnahmen für die Förderung wissenschaftlicher Integrität dar. „

Um die Veröffentlichung von negativen Resultaten zu fördern, empfiehlt der Wissenschaftsrat Förderorganisationen die Publikation negativer Ergebnisse bei der Bewertung von Forschungsvorhaben und -ergebnissen positiv zu bewerten.

Neue Open-Access-Policy des FWF: ein wichtiger Schritt

Der österreichische Wissenschaftsfonds (FWF) hat seine Open-Access-Policy erneuert. Mit einer klaren Verpflichtung, mit der Kappung von APC, mit Verschärfungen bei Forschungsdaten, aber auch mit der Ausweitung über Zeitschriftenartikel hinaus setzt der FWF Zeichen in Sachen Open Access.

In Ergänzung zur ersten positiven Rezeption gibt es aber auch problematische Stellen.

Open-Access-Policy des FWF

Die Open-Access-Policy des FWF beinhaltet eine Verpflichtung zu Open Access für alle Publikationen, die aus FWF-geförderten Projekten hervorgehen. Dies ist nicht neu, wird jedoch jetzt stärker hervorgehoben, kontrolliert und präzisiert. Neue Regelungen sind hinzugekommen, andere leicht verändert worden.

Die Policy beginnt mit der Verpflichtung und verspricht Unterstützung:

In diesem Sinn verpflichtet und fördert der FWF alle ProjektleiterInnen und ProjektmitarbeiterInnen, ihre referierten Forschungsergebnisse im Internet frei zugänglich zu machen.

Dazu stehen drei Möglichkeiten offen, die die gängigen Wege zu zumindest kostenlosem Zugriff aufzeigen: direkte Open-Access-Veröffentlichung (z.B. in einer Open-Access-Zeitschrift) („Gold Open Access“), Freikauf von Beiträgen in Subskriptionsmedien („Hybrid Open Access“) oder Archivierung einer Version der andernorts veröffentlichten Publikation auf einem Repositorium („Green Open Access“).

Dabei gelten unterschiedliche Anforderungen:

  1. Gold: Hohe Anforderungen werden an die Offenheit gestellt, insbesondere gibt es eine Verpflichtung zur Verwendung von CC-BY-Lizenzen (oder mindestens gleich offenen Lizenzen), zur Erfüllung aller (neuen) DOAJ-Kriterien, und es wird gewünscht, dass die in How open is it? genannten Kriterien jeweils maximal offen erfüllt sind.
  2. Hybrid: Es gelten alle oben genannten Qualitätsanforderungen an „goldene“ Veröffentlichungen, zusätzlich wird erwartet, dass die Publikationsmedien in den kommerziellen Datenbanken Web of Science oder Scopus gelistet sind.
  3. Green: Die vom Verlag akzeptierte Fassung der Publikation kann in einem Repositorium archiviert werden. Nur falls der Verlag eine sofortige Archivierung verbietet, darf ein Embargo akzeptiert werden; dies „sollte“ nicht länger als 12 Monate sein. Der FWF spricht hier durchgängig von „Selbstarchivierung“ (interessant evtl. im Fall der leicht problematischen Repository-Ablage durch den Verlag).

Der Wissenschaftsfonds unterstützt die Open-Access-Verpflichtungen durch die Kostenübernahme von Open-Access-Publikationskosten, insbesondere von APC und flankierende Maßnahmen wie zentral verhandelte Rabatte oder eine zentrale Kostenübernahme durch den FWF.

Was ist neu?

Klare Neuerungen gibt es in einigen Bereichen:

  • Verpflichtung zur liberalen CC-BY-Lizenz
  • Kappung der APC bei „Gold Open Access“ und (deutlich niedriger) bei „Hybrid Open Access“
  • Open-Access-Beleg ist obligatorischer Teil des Abschlussberichts
  • Archivierung im Repositorium unabhängig von der gewählten Option (= für alle Publikationen)
  • obligatorische und schnellere Veröffentlichung von Forschungsdaten unter maximal freien Lizenzen

Bei der Verwendung freier Lizenzen zur optimalen Offenheit und Nachnutzbarkeit ist aus einer leichten („sollen“) eine harte („in jedem Fall ist…“) Verpflichtung zur CC-BY-Lizenz (oder vergleichbar) geworden, die als einzige CC-Lizenz ohne weitere Einschränkungen daherkommt. Als weiterer Qualitätsaspekt ist im Fall von Zeitschriftenartikeln die Listung des jeweiligen Mediums im DOAJ hinzugekommen, womit implizit eine ganze Reihe weiterer Kriterien für die Zeitschrift gelten hinsichtlich etwa Transparenz und Qualitätssicherung.

Leider gibt es hier eine sprachliche Ungenauigkeit: In der Policy heißt es (in dieser Form auch in der englischen Übersetzung):

In jedem Fall ist für die Publikation die Creative Commons Attribution CC-BY Lizenz (oder gleichwertige offene Lizenz) zu verwenden.

In der zugehörigen Pressemitteilung taucht die Formulierung auf:

Ab 1.1.2015 muss für alle geförderten Publikationen das offene Lizenzmodell (Creative Commons License) CC-BY verwendet werden.

Ich interpretiere dies so, dass für sämtliche Publikationen, die aus dem geförderten Projekt erfolgen, eine CC-BY-Lizenz gewählt werden muss. In der englischen Fassung (die sich auch ansonsten leicht unterscheidet) heißt es hingegen:

The Creative Commons Licence CC BY licence is compulsory for all publication formats whenever the FWF has covered the costs.

Ob nun also die CC-BY-Verpflichtung durch die Übernahme von APC entsteht oder bereits durch Förderung des zugrundeliegenden Projekts (was z.B. im Fall, dass keine APC anfallen oder von den Projektbeteiligten aus anderen Quellen aufgebracht werden, relevant sein könnte), ist zumindest mir unklar.

Hybride Medien, die im Regelfall kostenpflichtig zugänglich gemacht werden, aber optional den Freikauf einzelner Beiträge anbieten, sind nun als gesonderter Punkt aufgeführt, nicht mehr als Teil von „Gold Open Access“, was durchaus sinnvoll ist. Dass die Kosten hier deutlich niedriger gedeckelt sind als bei reinen Open-Access-Publikationen, ist interessant und wird die meisten Verlagsmodelle vor Herausforderungen stellen, weil dort die hybriden APC eher höher sind als die APC für eine Open-Acces-Zeitschriften.

In beiden Fällen lässt der FWF aber zu, dass etwaige höhere APC bezahlt werden, wenn die Autor/innen die maximale FWF-Förderung aus den Grundmitteln des Projekts oder aus anderen Mitteln aufstocken, so dass die Wirkung der zunächst Kostendeckelung sehr einfach verpuffen könnte.

Vielleicht die stärkste Neuerung ist die Verpflichtung, die Erfüllung der Open-Access-Anforderungen im Endbericht an den FWF nachzuweisen – so wird die Einhaltung überprüfbar. Dabei sollen alle Publikationen im Volltext über einen persistent identifier aufrufbar sein, was auch an dieser Stelle eine weitere Qualitätsanforderung an die möglichen Publikationsorte einführt. (Und, dies nur am Rande, auch Repositorien vor Herausforderungen stellt, die keine eigenen persistenten Identifier vergeben oder Autor/innen empfehlen, zur Zitation den Identifier der zugehörigen Verlagspublikation zu verwenden.) Konkret heißt es:

Wie auch bei anderen Förderern üblich, werden ab 1.1.2016 nunmehr aber keine Endberichte mehr abgenommen, in denen nicht alle referierten Publikationen als Open Access ausgewiesen sind.

Und schließlich ist die Anforderung, auch die direkten Open-Access-Veröffentlichungen z.B. in Open-Access-Zeitschriften oder hybriden Zeitschriften zusätzlich auch in Repositorien zugänglich zu machen, eine sinnvolle Ergänzung, weil sie eine gute Abdeckung fachlicher oder institutioneller Publikationskonvolute durch Repositorien erleichtert und Repositorien als Bezugsquelle für Publikationen stärkt.

Forschungsdaten waren bisher schon Thema in der Policy, allerdings sind hier die Erwartungen etwas gesteigert worden: Forschungsdaten müssen veröffentlicht werden, geeignete Orte sind zu wählen, und sie dürfen keinen Einschränkungen der Wiederverwendung unterliegen! Außerdem soll die Datenveröffentlichung schneller erfolgen: Daten, die zu Publikationen gehören, sollen bereits mit Erscheinen der Publikation zugänglich gemacht werden (bisher: „mit der Publikation […], spätestens aber zwei Jahre nach Projektende“), Daten, die nicht für Textpublikationen verwendet worden sind, sollen spätestens zwei Jahre nach Projektende frei veröffentlicht werden.

Aber auch einige Details der Policy könnten sehr wirksam werden:

  • Empfehlung bzw. (ab 2016) Verpflichtung, ORCID zur Identifikation der Autor/innen zu benutzen
  • Verpflichtung zur konsistenten Nennung und vorgegebenen Schreibweise der Projektförderung (dies war bereits in der alten Policy enthalten)
  • Auch Kosten für „Aufbereitung, die Archivierung, den offenen Zugang und die Nachnutzung von Forschungsdaten“ sollen künftig mit beantragt werden.
  • Nur für Life Sciences: Alle Publikationen müssen in Europe PubMed Central frei zugänglich gemacht werden. (Dies war bisher nur eine Aufforderung, keine Verpflichtung.)

An manchen Stellen sind Verpflichtungen entschärft oder ganz entfernt worden:

  • Bisher war die weiche Verpflichtung („sollten“) zu Embargofristen strenger: Das Embargo sollte maximal 6 Monate betragen, nur in Ausnahmefällen 12 Monate, und wenn es länger wäre, musste der FWF vorab kontaktiert werden und eine Begründung im Abschlussbericht geliefert werden. Nun sind es maximal 12 Monate, und Abweichungen werden nicht mehr problematisiert (dafür wird jetzt gefordert, dass im Fall längerer Embargofristen lieber ein anderer Ort für die Verlagsveröffentlichung gesucht werden soll).
  • Auch die Lizenzanforderung („zumindest die Lizenz CC BY-NC“) für Repositorienveröffentlichungen ist entfernt worden, was sinnvoll klingt: Die Lizenz ist für Open Access nicht geeignet, sie wird aber ungeachtet dessen für Zweitveröffentlichungen ohnehin oft nicht in Frage kommen (weil der Verlag das Recht dazu nicht einräumt).
  • Die Open-Access-Verpflichtung gilt nun nur für „referierte“ Veröffentlichungen (vermutlich ist dies implizit auch vorher so verstanden worden).

Schritt in die richtige Richtung

Der FWF gibt als Begründung für die Überarbeitung an:

u.a. die Studie Developing an Effective Market for Open Access Article Processing Charges (beauftragt vom FWF, Wellcome Trust, Research Councils UK u.a.), die Analyse der FWF-Publikationskosten sowie die internationalen Entwicklungen

Mit den Neuerungen gibt der FWF – bereits in der Vergangenheit Pionier in Sachen Open-Access-Policy – Antworten auf momentane Herausforderungen: hohe Kosten für APC, insbesondere bei hybriden Zeitschriften, mangelnde Übersicht über die Erfüllung von Open-Access-Anforderungen, stärkere Nachfrage nach ‚echtem‘ Open Access mit freien Lizenzen.

Kosten für begutachtete unselbständige Publikationen können wie gehabt auch noch nach Projektende beantragt werden, für selbstständige Publikationen (nicht nur Monografien, auch „wissenschaftliche Datenbanken“ und „sonstige webbasierte Formate“ können über das gesonderte Programm Selbstständige Publikationen beantragt werden, das in diesem Sinne erweitert worden ist: „bspw. Apps, Wiki-Modelle, wissenschaftlich kommentierte Datenbanken oder Websites; Audio-, Video- oder animierte Publikationen“. Hierfür können bis zu 18.000 EUR beantragt werden. Hier wird eine sehr sinnvolle Ausweitung vorgenommen, die hoffentlich auch für spannende neue Formate genutzt werden wird und nicht nur dafür genutzt wird, Verlagen die Open-Access-Rechte ‚abzukaufen‘.

Der Umgang mit ‚hybriden‘ Publikationen ist ein Thema für Dauerstreit und wilde Diskussionen. Verhindert dieser optionale Freikauf von einzelnen Artikeln eine Transformation zu Open Access oder ist es im Gegenteil ein möglicher Weg zur Umstellung auf komplett Open Access? In jedem Fall ist es eine sehr teure Angelegenheit, selbst wenn man den Nutzen durch einzelne Freistellung schätzt. In vielen Fällen ist für hybrides Open Access mehr (APC) gezahlt worden als für Beiträge in echten Open-Access-Zeitschriften (wofür es durchaus Gründe geben mag). Aus diesem Grund ist es zu begrüßen, dass der FWF hier eine deutliche Kostengrenze eingezogen hat, die klar unter der Obergrenze für echte Open-Access-Artikel liegt. Interessant wäre es zu sehen, wie viele der bisher geförderten Artikel damit herausgefallen wären.

Die Möglichkeit, auch über die ohnehin schon relativ üppige Deckelung (2500 EUR pro Artikel bei reinen Open-Access-Zeitschriften) hinauszugehen und die APC aus ebenfalls vom FWF bezogenen Grundmitteln aufzustocken, halte ich für wenig sinnvoll und insofern für unnötig gefährlich, als dass sie Verlagen die Option gibt, Druck auf Autor/innen auszuüben, damit diese die Aufstockungsmittel herbeischaffen. Wäre die Kostendeckelung unumgänglich, hätten vom FWF geförderte Autor/innen eine klarere Verhandlungsposition gegenüber möglichen Publikationsorten, ähnlich wie bei der harten CC-BY-Verpflichtung.

Die Open-Access-Verpflichtung ist schärfer, als sie beispielsweise die DFG in Deutschland praktiziert, aber immer noch einfach zu erfüllen, da Archivierung im Repositorium mit Embargo ein möglicher Weg ist. Gerade weil durch die Aktivitäten des FWF im Hinblick auf Kostendeckelung und zentrale Kostenübernahme das Feld des APC-finanzierten Open Access gestärkt werden soll und gleichzeitig und fast noch zu wenig auf kostenfreie Möglichkeiten des goldenen Open Access hingewiesen wird, verwundert es etwas, dass die Alternative in Form von Selbstarchivierung hier noch erleichtert wird durch die Abmilderung der Embargo-Anforderungen.

Entscheidend für den Erfolg solcher Policies dürfte zweierlei sein:

  1. Ob es eine Form von Kontrolle gibt, dass die Verpflichtungen eingehalten werden. Hieran kranken vermutlich viele existierende Policies, egal, wie scharf sie formuliert sind. Mangels konkreter Zahlen bleibt Unsicherheit und der Eindruck, dass Open-Access-Anforderungen vielfach nicht besonders ernst genommen werden (müssen) durch die Autor/innen. Hier zeigt der FWF mit der Verschärfung der Berichtspflichten ein sehr gutes Signal; dass das Problem bekannt ist, zeigt z.B. die Aufstellung zu Monitoring Open Access des FWF. Leider gibt es keine Ausführungen dazu, ob es künftig eine Bibliografie aller Projektveröffentlichungen geben wird, um mehr Transparenz herzustellen. (Für die im Jahr 2013 gezahlten APC hat der FWF eine Komplettveröffentlichung vorgelegt.
  2. Ob es gute Angebote gibt, die bei der Erfüllung helfen: gut sichtbare Repositorien, finanzierbare Open-Access-Medien, finanzielle Unterstützung kostenpflichtige Open-Access-Veröffentlichungen, Transformationsdruck auf Verlage. Auch auf dieser Ebene sieht das gutaus, was der FWF vorgelegt hat.

Im Spektrum der verschiedenen Richtlinien von Förderorganisationen (vgl. SHERPA/JULIET) geht die neue Policy des FWF über das Maß der meisten existierenden Instrumente hinaus und greift dabei die aktuell drängenden Fragen auf. Ob die Unterstützungsinstrumente greifen und v.a. ob die neue Policy zu einer hohen Compliance und einem steigenden Open-Access-Anteil führen wird, wird man sehen. In jedem Fall hat der FWF das Maß, an dem sich neue Richtlinien orientieren sollten, weiter nach oben geschoben.