DFG: „Leitlinien zum Umgang mit Forschungsdaten“ verabschiedet

Der Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat Ende September „Leitlinien zum Umgang mit Forschungsdaten“ (PDF) verabschiedet.

Auszug aus der heutigen Ausgabe der „Information für die Wissenschaft„.

„Mit den vom Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) am 30. September 2015 verabschiedeten „Leitlinien zum Umgang mit Forschungsdaten“ führt die DFG die bereits geltenden Erwartungen an Antragstellende hinsichtlich des Umgangs mit den im Projekt entstehenden Forschungsdaten konsistent zusammen und weist zugleich explizit auf die Angebote hin, mit denen die DFG Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beim Management von Forschungsdaten unterstützt.“

Zur Zugänglichkeit und Nachnutzung der Forschungsdaten heißt es in der Policy:

„Soweit einer Veröffentlichung der Forschungsdaten aus einem DFG-geförderten Projekt Rechte Dritter (insbesondere Datenschutz, Urheberrecht) nicht entgegenstehen, sollten Forschungsdaten so zeitnah wie möglich verfügbar gemacht werden. Die Forschungsdaten sollten dabei in einer Verarbeitungsstufe (Rohdaten oder bereits weiter strukturierte Daten) zugänglich sein, die eine sinnvolle Nach- und Weiternutzung durch Dritte ermöglicht. Um dies sicherzustellen, ist darauf zu achten, dass der Zugang zu den Forschungsdaten auch dann gewährleistet bleibt, wenn im Zusammenhang mit einer Publikation Verwertungsrechte an den Forschungsdaten an Dritte, i.d.R. einen Verlag, übertragen werden müssen.“

In den letzen Monaten hatte verschiede DFG-Gremien bereits fachliche Ausführungen zum Thema veröffentlicht. Z.B.: für die Bildungsforschung und die Biodiversitätsforschung. Eine Übersicht zu weiteren Leit- und Richtlinien gibt es im Wiki Forschungsdaten.org 

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Wissenschaftsrat empfiehlt die Publikation von negativen Resultaten

Der Wissenschaftsrat, das zentrale wissenschaftspolitische Beratungsgremium Deutschlands, hat auf seinen Frühjahrssitzungen in Stuttgart lesenswerte „Empfehlungen zu wissenschaftlicher Integrität“ veröffentlicht. In der Pressemitteilung dazu heißt es:

„Die Empfehlungen des Wissenschaftsrates widmen sich mit diesem Ansatz nicht nur gravierenden Fällen des Wissenschaftsbetrugs wie Datenfälschung oder Plagiaten, sondern betrachten auch die Grauzone verschiedener Formen nicht integren oder unverantwortlichen Verhaltens. Damit geht der Wissenschaftsrat weit über den in der öffentlichen Debatte bisher dominierenden Schwerpunkt von Plagiatsfällen in Doktorarbeiten hinaus. Betrachtet wird der gesamte Forschungsprozess und auch das Studium als entscheidende Phase für die Entwicklung wissenschaftlicher Integrität wird miteinbezogen.“

In den Empfehlungen (PDF) werden auch einige Ergebnisse der Fakultätenbefragung des Wissenschaftsrates dokumentiert. Nach dieser Erhebung, die u. a. die Verbreitung der gängigen Leitlinien zur guten wissenschaftlichen Praxis in Deutschland untersuchte, konstatiert der Wissenschaftsrat ein „ernüchterndes Bild, da selbst die DFG-Denkschrift und die HRK-Leitlinie als bekannteste Direktiven nur etwa der Hälfte bzw. zwei Dritteln der Antwortenden bekannt sind“. Gemeint sind hier die Denkschrift „Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ der DFG (1998/2013) und die Empfehlung „Gute wissenschaftliche Praxis an deutschen Hochschulen“ der HRK (2013). Weiter stellt der Wissenschaftsrat fest, dass die „langjährige Aufbewahrung und Nutzungsmöglichkeit von Forschungsdaten“ nur von „etwa der Hälfte“ der antwortenden Hochschulen umgesetzt wird.

Empfehlungen zu wissenschaftlicher IntegritätVor diesem Hintergrund adressieren die Empfehlungen des Wissenschaftsrates jetzt Forschende, deren Einrichtungen, die Politik, Förderorganisationen, Evaluationsagenturen und auch Wissenschaftsverlage und -zeitschriften. Für jeden dieser Akteure werden Handlungsempfehlungen gegeben. Wie bereits in vorhergehenden Empfehlungen „bekräftigt“ der Wissenschaftsrat seine Forderung „Forschungsdaten internationalen Standards entsprechend aufzubereiten, für einen ausreichend langen Zeitraum aufzubewahren und für Anschlussforschung zugänglich zu machen.“ Der Politik wird hierzu empfohlen „strategische Konzepte und Leitlinien“ zum Thema Forschungsdatenmanagement auf den Weg zu bringen. Positiv herausgehoben werden Entwicklungen in einigen Bundesländern, wie z. B. in Baden Württemberg. Dort wurde im letzten Jahr ein “Fachkonzept zur Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Infrastruktur” veröffentlicht, welches auch den Umgang mit wissenschaftlichen Daten thematisiert. Herausgeberinnen und Herausgebern von Fachzeitschriften werden aufgefordert „den Zugang zu Forschungsdaten und die Transparenz des Forschungsprozesses insgesamt zu befördern“. In diesem Kontext soll, so der Wissenschaftsrat, auch die „Publizierbarkeit von Replikationsstudien und negativen Forschungsergebnissen“ verbessert werden:

„Negative Forschungsergebnisse müssen grundsätzlich auch in renommierten Journalen publizierbar sein, bspw. als Teil der Hauptpublikation oder in gesonderten Sparten, ebenso wie Replikationsstudien. Errata und Korrigenda sollten systematisch veröffentlicht und bspw. mit der Originalpublikation verknüpft werden, um die Verbreitung falscher Daten zu verhindern. Online-Repositories mit zugänglichen Forschungsprimär- und Metadaten stellen ebenfalls wichtige Maßnahmen für die Förderung wissenschaftlicher Integrität dar. „

Um die Veröffentlichung von negativen Resultaten zu fördern, empfiehlt der Wissenschaftsrat Förderorganisationen die Publikation negativer Ergebnisse bei der Bewertung von Forschungsvorhaben und -ergebnissen positiv zu bewerten.

Neue Open-Access-Policy des FWF: ein wichtiger Schritt

Der österreichische Wissenschaftsfonds (FWF) hat seine Open-Access-Policy erneuert. Mit einer klaren Verpflichtung, mit der Kappung von APC, mit Verschärfungen bei Forschungsdaten, aber auch mit der Ausweitung über Zeitschriftenartikel hinaus setzt der FWF Zeichen in Sachen Open Access.

In Ergänzung zur ersten positiven Rezeption gibt es aber auch problematische Stellen.

Open-Access-Policy des FWF

Die Open-Access-Policy des FWF beinhaltet eine Verpflichtung zu Open Access für alle Publikationen, die aus FWF-geförderten Projekten hervorgehen. Dies ist nicht neu, wird jedoch jetzt stärker hervorgehoben, kontrolliert und präzisiert. Neue Regelungen sind hinzugekommen, andere leicht verändert worden.

Die Policy beginnt mit der Verpflichtung und verspricht Unterstützung:

In diesem Sinn verpflichtet und fördert der FWF alle ProjektleiterInnen und ProjektmitarbeiterInnen, ihre referierten Forschungsergebnisse im Internet frei zugänglich zu machen.

Dazu stehen drei Möglichkeiten offen, die die gängigen Wege zu zumindest kostenlosem Zugriff aufzeigen: direkte Open-Access-Veröffentlichung (z.B. in einer Open-Access-Zeitschrift) („Gold Open Access“), Freikauf von Beiträgen in Subskriptionsmedien („Hybrid Open Access“) oder Archivierung einer Version der andernorts veröffentlichten Publikation auf einem Repositorium („Green Open Access“).

Dabei gelten unterschiedliche Anforderungen:

  1. Gold: Hohe Anforderungen werden an die Offenheit gestellt, insbesondere gibt es eine Verpflichtung zur Verwendung von CC-BY-Lizenzen (oder mindestens gleich offenen Lizenzen), zur Erfüllung aller (neuen) DOAJ-Kriterien, und es wird gewünscht, dass die in How open is it? genannten Kriterien jeweils maximal offen erfüllt sind.
  2. Hybrid: Es gelten alle oben genannten Qualitätsanforderungen an „goldene“ Veröffentlichungen, zusätzlich wird erwartet, dass die Publikationsmedien in den kommerziellen Datenbanken Web of Science oder Scopus gelistet sind.
  3. Green: Die vom Verlag akzeptierte Fassung der Publikation kann in einem Repositorium archiviert werden. Nur falls der Verlag eine sofortige Archivierung verbietet, darf ein Embargo akzeptiert werden; dies „sollte“ nicht länger als 12 Monate sein. Der FWF spricht hier durchgängig von „Selbstarchivierung“ (interessant evtl. im Fall der leicht problematischen Repository-Ablage durch den Verlag).

Der Wissenschaftsfonds unterstützt die Open-Access-Verpflichtungen durch die Kostenübernahme von Open-Access-Publikationskosten, insbesondere von APC und flankierende Maßnahmen wie zentral verhandelte Rabatte oder eine zentrale Kostenübernahme durch den FWF.

Was ist neu?

Klare Neuerungen gibt es in einigen Bereichen:

  • Verpflichtung zur liberalen CC-BY-Lizenz
  • Kappung der APC bei „Gold Open Access“ und (deutlich niedriger) bei „Hybrid Open Access“
  • Open-Access-Beleg ist obligatorischer Teil des Abschlussberichts
  • Archivierung im Repositorium unabhängig von der gewählten Option (= für alle Publikationen)
  • obligatorische und schnellere Veröffentlichung von Forschungsdaten unter maximal freien Lizenzen

Bei der Verwendung freier Lizenzen zur optimalen Offenheit und Nachnutzbarkeit ist aus einer leichten („sollen“) eine harte („in jedem Fall ist…“) Verpflichtung zur CC-BY-Lizenz (oder vergleichbar) geworden, die als einzige CC-Lizenz ohne weitere Einschränkungen daherkommt. Als weiterer Qualitätsaspekt ist im Fall von Zeitschriftenartikeln die Listung des jeweiligen Mediums im DOAJ hinzugekommen, womit implizit eine ganze Reihe weiterer Kriterien für die Zeitschrift gelten hinsichtlich etwa Transparenz und Qualitätssicherung.

Leider gibt es hier eine sprachliche Ungenauigkeit: In der Policy heißt es (in dieser Form auch in der englischen Übersetzung):

In jedem Fall ist für die Publikation die Creative Commons Attribution CC-BY Lizenz (oder gleichwertige offene Lizenz) zu verwenden.

In der zugehörigen Pressemitteilung taucht die Formulierung auf:

Ab 1.1.2015 muss für alle geförderten Publikationen das offene Lizenzmodell (Creative Commons License) CC-BY verwendet werden.

Ich interpretiere dies so, dass für sämtliche Publikationen, die aus dem geförderten Projekt erfolgen, eine CC-BY-Lizenz gewählt werden muss. In der englischen Fassung (die sich auch ansonsten leicht unterscheidet) heißt es hingegen:

The Creative Commons Licence CC BY licence is compulsory for all publication formats whenever the FWF has covered the costs.

Ob nun also die CC-BY-Verpflichtung durch die Übernahme von APC entsteht oder bereits durch Förderung des zugrundeliegenden Projekts (was z.B. im Fall, dass keine APC anfallen oder von den Projektbeteiligten aus anderen Quellen aufgebracht werden, relevant sein könnte), ist zumindest mir unklar.

Hybride Medien, die im Regelfall kostenpflichtig zugänglich gemacht werden, aber optional den Freikauf einzelner Beiträge anbieten, sind nun als gesonderter Punkt aufgeführt, nicht mehr als Teil von „Gold Open Access“, was durchaus sinnvoll ist. Dass die Kosten hier deutlich niedriger gedeckelt sind als bei reinen Open-Access-Publikationen, ist interessant und wird die meisten Verlagsmodelle vor Herausforderungen stellen, weil dort die hybriden APC eher höher sind als die APC für eine Open-Acces-Zeitschriften.

In beiden Fällen lässt der FWF aber zu, dass etwaige höhere APC bezahlt werden, wenn die Autor/innen die maximale FWF-Förderung aus den Grundmitteln des Projekts oder aus anderen Mitteln aufstocken, so dass die Wirkung der zunächst Kostendeckelung sehr einfach verpuffen könnte.

Vielleicht die stärkste Neuerung ist die Verpflichtung, die Erfüllung der Open-Access-Anforderungen im Endbericht an den FWF nachzuweisen – so wird die Einhaltung überprüfbar. Dabei sollen alle Publikationen im Volltext über einen persistent identifier aufrufbar sein, was auch an dieser Stelle eine weitere Qualitätsanforderung an die möglichen Publikationsorte einführt. (Und, dies nur am Rande, auch Repositorien vor Herausforderungen stellt, die keine eigenen persistenten Identifier vergeben oder Autor/innen empfehlen, zur Zitation den Identifier der zugehörigen Verlagspublikation zu verwenden.) Konkret heißt es:

Wie auch bei anderen Förderern üblich, werden ab 1.1.2016 nunmehr aber keine Endberichte mehr abgenommen, in denen nicht alle referierten Publikationen als Open Access ausgewiesen sind.

Und schließlich ist die Anforderung, auch die direkten Open-Access-Veröffentlichungen z.B. in Open-Access-Zeitschriften oder hybriden Zeitschriften zusätzlich auch in Repositorien zugänglich zu machen, eine sinnvolle Ergänzung, weil sie eine gute Abdeckung fachlicher oder institutioneller Publikationskonvolute durch Repositorien erleichtert und Repositorien als Bezugsquelle für Publikationen stärkt.

Forschungsdaten waren bisher schon Thema in der Policy, allerdings sind hier die Erwartungen etwas gesteigert worden: Forschungsdaten müssen veröffentlicht werden, geeignete Orte sind zu wählen, und sie dürfen keinen Einschränkungen der Wiederverwendung unterliegen! Außerdem soll die Datenveröffentlichung schneller erfolgen: Daten, die zu Publikationen gehören, sollen bereits mit Erscheinen der Publikation zugänglich gemacht werden (bisher: „mit der Publikation […], spätestens aber zwei Jahre nach Projektende“), Daten, die nicht für Textpublikationen verwendet worden sind, sollen spätestens zwei Jahre nach Projektende frei veröffentlicht werden.

Aber auch einige Details der Policy könnten sehr wirksam werden:

  • Empfehlung bzw. (ab 2016) Verpflichtung, ORCID zur Identifikation der Autor/innen zu benutzen
  • Verpflichtung zur konsistenten Nennung und vorgegebenen Schreibweise der Projektförderung (dies war bereits in der alten Policy enthalten)
  • Auch Kosten für „Aufbereitung, die Archivierung, den offenen Zugang und die Nachnutzung von Forschungsdaten“ sollen künftig mit beantragt werden.
  • Nur für Life Sciences: Alle Publikationen müssen in Europe PubMed Central frei zugänglich gemacht werden. (Dies war bisher nur eine Aufforderung, keine Verpflichtung.)

An manchen Stellen sind Verpflichtungen entschärft oder ganz entfernt worden:

  • Bisher war die weiche Verpflichtung („sollten“) zu Embargofristen strenger: Das Embargo sollte maximal 6 Monate betragen, nur in Ausnahmefällen 12 Monate, und wenn es länger wäre, musste der FWF vorab kontaktiert werden und eine Begründung im Abschlussbericht geliefert werden. Nun sind es maximal 12 Monate, und Abweichungen werden nicht mehr problematisiert (dafür wird jetzt gefordert, dass im Fall längerer Embargofristen lieber ein anderer Ort für die Verlagsveröffentlichung gesucht werden soll).
  • Auch die Lizenzanforderung („zumindest die Lizenz CC BY-NC“) für Repositorienveröffentlichungen ist entfernt worden, was sinnvoll klingt: Die Lizenz ist für Open Access nicht geeignet, sie wird aber ungeachtet dessen für Zweitveröffentlichungen ohnehin oft nicht in Frage kommen (weil der Verlag das Recht dazu nicht einräumt).
  • Die Open-Access-Verpflichtung gilt nun nur für „referierte“ Veröffentlichungen (vermutlich ist dies implizit auch vorher so verstanden worden).

Schritt in die richtige Richtung

Der FWF gibt als Begründung für die Überarbeitung an:

u.a. die Studie Developing an Effective Market for Open Access Article Processing Charges (beauftragt vom FWF, Wellcome Trust, Research Councils UK u.a.), die Analyse der FWF-Publikationskosten sowie die internationalen Entwicklungen

Mit den Neuerungen gibt der FWF – bereits in der Vergangenheit Pionier in Sachen Open-Access-Policy – Antworten auf momentane Herausforderungen: hohe Kosten für APC, insbesondere bei hybriden Zeitschriften, mangelnde Übersicht über die Erfüllung von Open-Access-Anforderungen, stärkere Nachfrage nach ‚echtem‘ Open Access mit freien Lizenzen.

Kosten für begutachtete unselbständige Publikationen können wie gehabt auch noch nach Projektende beantragt werden, für selbstständige Publikationen (nicht nur Monografien, auch „wissenschaftliche Datenbanken“ und „sonstige webbasierte Formate“ können über das gesonderte Programm Selbstständige Publikationen beantragt werden, das in diesem Sinne erweitert worden ist: „bspw. Apps, Wiki-Modelle, wissenschaftlich kommentierte Datenbanken oder Websites; Audio-, Video- oder animierte Publikationen“. Hierfür können bis zu 18.000 EUR beantragt werden. Hier wird eine sehr sinnvolle Ausweitung vorgenommen, die hoffentlich auch für spannende neue Formate genutzt werden wird und nicht nur dafür genutzt wird, Verlagen die Open-Access-Rechte ‚abzukaufen‘.

Der Umgang mit ‚hybriden‘ Publikationen ist ein Thema für Dauerstreit und wilde Diskussionen. Verhindert dieser optionale Freikauf von einzelnen Artikeln eine Transformation zu Open Access oder ist es im Gegenteil ein möglicher Weg zur Umstellung auf komplett Open Access? In jedem Fall ist es eine sehr teure Angelegenheit, selbst wenn man den Nutzen durch einzelne Freistellung schätzt. In vielen Fällen ist für hybrides Open Access mehr (APC) gezahlt worden als für Beiträge in echten Open-Access-Zeitschriften (wofür es durchaus Gründe geben mag). Aus diesem Grund ist es zu begrüßen, dass der FWF hier eine deutliche Kostengrenze eingezogen hat, die klar unter der Obergrenze für echte Open-Access-Artikel liegt. Interessant wäre es zu sehen, wie viele der bisher geförderten Artikel damit herausgefallen wären.

Die Möglichkeit, auch über die ohnehin schon relativ üppige Deckelung (2500 EUR pro Artikel bei reinen Open-Access-Zeitschriften) hinauszugehen und die APC aus ebenfalls vom FWF bezogenen Grundmitteln aufzustocken, halte ich für wenig sinnvoll und insofern für unnötig gefährlich, als dass sie Verlagen die Option gibt, Druck auf Autor/innen auszuüben, damit diese die Aufstockungsmittel herbeischaffen. Wäre die Kostendeckelung unumgänglich, hätten vom FWF geförderte Autor/innen eine klarere Verhandlungsposition gegenüber möglichen Publikationsorten, ähnlich wie bei der harten CC-BY-Verpflichtung.

Die Open-Access-Verpflichtung ist schärfer, als sie beispielsweise die DFG in Deutschland praktiziert, aber immer noch einfach zu erfüllen, da Archivierung im Repositorium mit Embargo ein möglicher Weg ist. Gerade weil durch die Aktivitäten des FWF im Hinblick auf Kostendeckelung und zentrale Kostenübernahme das Feld des APC-finanzierten Open Access gestärkt werden soll und gleichzeitig und fast noch zu wenig auf kostenfreie Möglichkeiten des goldenen Open Access hingewiesen wird, verwundert es etwas, dass die Alternative in Form von Selbstarchivierung hier noch erleichtert wird durch die Abmilderung der Embargo-Anforderungen.

Entscheidend für den Erfolg solcher Policies dürfte zweierlei sein:

  1. Ob es eine Form von Kontrolle gibt, dass die Verpflichtungen eingehalten werden. Hieran kranken vermutlich viele existierende Policies, egal, wie scharf sie formuliert sind. Mangels konkreter Zahlen bleibt Unsicherheit und der Eindruck, dass Open-Access-Anforderungen vielfach nicht besonders ernst genommen werden (müssen) durch die Autor/innen. Hier zeigt der FWF mit der Verschärfung der Berichtspflichten ein sehr gutes Signal; dass das Problem bekannt ist, zeigt z.B. die Aufstellung zu Monitoring Open Access des FWF. Leider gibt es keine Ausführungen dazu, ob es künftig eine Bibliografie aller Projektveröffentlichungen geben wird, um mehr Transparenz herzustellen. (Für die im Jahr 2013 gezahlten APC hat der FWF eine Komplettveröffentlichung vorgelegt.
  2. Ob es gute Angebote gibt, die bei der Erfüllung helfen: gut sichtbare Repositorien, finanzierbare Open-Access-Medien, finanzielle Unterstützung kostenpflichtige Open-Access-Veröffentlichungen, Transformationsdruck auf Verlage. Auch auf dieser Ebene sieht das gutaus, was der FWF vorgelegt hat.

Im Spektrum der verschiedenen Richtlinien von Förderorganisationen (vgl. SHERPA/JULIET) geht die neue Policy des FWF über das Maß der meisten existierenden Instrumente hinaus und greift dabei die aktuell drängenden Fragen auf. Ob die Unterstützungsinstrumente greifen und v.a. ob die neue Policy zu einer hohen Compliance und einem steigenden Open-Access-Anteil führen wird, wird man sehen. In jedem Fall hat der FWF das Maß, an dem sich neue Richtlinien orientieren sollten, weiter nach oben geschoben.

Forschungsdaten öffnen – Anreize, Repositorien und Kooperationen

Die Diskussion über die Nachprüfbarkeit und Nachnutzung von digitalen Forschungsdaten gewinnt an weiter an Dynamik. 2013 haben die Wissenschaftsministerien der G8-Staaten unter dem Stichwort „Open Scientific Research Data“ einen möglichst offenen Zugang zu Forschungsdaten gefordert und damit eine zentrale Diskussion der Wissenschaft aufgegriffen, denn „Data Sharing“ ist für die Bearbeitung vieler drängender Forschungsfragen unabdingbar.

Vermehrt fordern Förderorganisationen, wie z. B. die Europäische Kommission (u. a. im Rahmen des „Open Research Data Pilot„in Horizon 2020) und wissenschaftliche Zeitschriften, dass Daten – die Ergebnis eines geförderten Projekts oder Grundlage eines Artikels sind – offen zugänglich gemacht werden. Siehe hierzu z. B. ein aktuelles Editorial in Nature (doi:10.1038/515312a).

Forschende sehen zwar häufig das Potenzial offener Forschungsdaten, stehen der offenen Zugänglichkeit „ihrer“ Daten jedoch auch zurückhaltend gegenüber. Um eine Kultur des „Data Sharings“ zu fördern, ist es dringend nötig Anreize zu schaffen. Im kompetitiven Wissenschaftssystem gilt es, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Daten-Repositorien anzubieten, auf denen Forschungsdaten dauerhaft zugänglich gemacht werden können. Von großer Bedeutung ist es dabei die Zitierfähigkeit der Forschungsdaten zu garantieren, um somit auch die Verankerung des Teilens im wissenschaftlichen Reputationssystems zu fördern.

Wissenschaftliche Institutionen und ihre Serviceeinrichtungen wie Bibliotheken, Daten- und Rechenzentren sind deshalb gefordert, Infrastrukturen und Services bereitzustellen, die die zitierfähige und  dauerhafte Zugänglichmachung der digitalen Forschungsdaten ermöglichen.

Im Rahmen meiner Arbeit am Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ haben wir in den letzten Jahren, gemeinsam mit Partnern,  die Initiative re3data.org – Registry of Research Data Repositories gestartet (doi:10.1371/journal.pone.0078080). Anliegen war und ist es, Forschenden eine Orientierung über mögliche Orte zur Speicherung zur Zugänglichmachung ihrer Daten zu geben.

re3data.org – the Registry of Research Data Repositories Dank der Förderung der DFG und engagierter Projektpartner haben wir heute erfreulicherweise die „Tausender-Marke“ geknackt: re3data.org weist jetzt über 1.000 Daten-Repositorien aus der ganzen Welt nach. Ein einfaches Icon-System hilft bei der Einordnung der indexierten Daten-Infrastrukturen. (Weiterführende Informationen zum Stand von re3data.org finden sich im Projektblog.)

Das jüngste, in re3data.org indexierte Daten-Repositorium ging erst heute Nachmittag online. Es handelt sich um das „CERN Open Data Portal“. Über dieses Portal macht das CERN in Genf u. a. Daten aus den LHC-Kollaborationen für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Forschungsdaten sind durch die Nutzung der Creative-Commons-Deed „CC0“ gemeinfrei nachnutzbar. Siehe dazu die Pressemitteilung der CERN-Kolleginnen und -Kollegen.

CERN Open Data Portal

Auch wenn die Anzahl der „Daten-Policies“ wächst und die Landschaft der Daten-Repositorien an Profil gewinnt, gibt es weiterhin viel zu tun. Um die komplexen Herausforderungen des „Data Sharings“ auf internationaler Ebene aufzugreifen formiert sich die „Research Data Alliance (RDA)“. Organisiert durch das Open Science Koordinationsbüro der Helmholtz-Gemeinschaft findet heute und morgen eine Tagung dieser Initiative am GFZ in Potsdam statt. Dort diskutieren 120 „Data Practitioners” aus verschiedensten Fachgebieten über Stand und Perspektive der deutschen Beteiligung in der Research Data Alliance.

Weitere Informationen zum Thema:

  • Zehn Anregungen zum Umgang mit Forschungsdaten finden sich im Kapitel „Publikation von Forschungsdaten“ (doi:10.2314/coscv1.53) im Handbuch “CoScience“ (Das Kapitel steht unter CC-BY und kann nachgenutzt, weiterbearbeitet – und damit gerne auch verbessert – werden.)
  • Weitere Informationen finden sich im Wiki forschungsdaten.org.
  • Darüber hinaus kann das Thema auch auf der Mailingliste “Umgang mit Forschungsdaten” diskutiert werden.

(Crosspost von ALBERTopen.)

„Appell zur Nutzung offener Lizenzen in der Wissenschaft“

Die deutschen Wissenschaftsorganisationen haben heute einen „Appell zur Nutzung offener Lizenzen in der Wissenschaft“ veröffentlicht. In diesem heißt es:

„Offene Lizenzen sind […] ein elementarer Standard, der eine wissenschaftskonforme Nachnutzung wissenschaftlicher Produkte erleichtert. Mit der offenen Bereitstellung von Forschungsergebnissen werden deren Sichtbarkeit, Nachnutzbarkeit, schnelle Verbreitung und somit Innovation befördert. Offene Lizenzen erleichtern zudem die Umsetzung der Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis.

Die deutschen Wissenschaftsorganisationen halten […] standardisierte offene Lizenzen für ein ideales Werkzeug, um im Sinne der Berliner Erklärung von 2003 die möglichst umfassende Nutzung wissenschaftlicher Inhalte rechtsverbindlich abzusichern.“

In dem Appell wird darüber hinaus auch die Empfehlung zur Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen gegeben. Dabei werden für unterschiedliche Publikationstypen (z. B. Textpublikationen, wissenschaftlicher Software, Metadaten) relevante Lizenzen erwähnt.

(Crosspost von ALBERTopen.)

Baden-Württemberg setzt auf E-Science: Strategiepapier und Förderprogramm

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg hat gestern ein 120-seitiges „Fachkonzept zur Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Infrastruktur“ (PDF) vorgestellt. Zur Umsetzung des Konzeptes werden Mittel in Höhe von 3,7 Mio. Euro breitgestellt. Mit dem Förderprogramm soll der „Ausbaus einer leistungsfähigen, effizienten und innovativen Informationsinfrastruktur für die wissenschaftlichen Einrichtungen in Baden-Württemberg“ vorangetrieben werden.

Fachkonzept zur Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Infrastruktur

Das Strategiepapier setzt auf dem “Gesamtkonzept für die Informationsinfrastruktur in Deutschland” der Kommission Zukunft der Informationsinfrastruktur (KII) und anderen Aktivitäten – z. B. der Schwerpunktinitiative „Digitale Information“  der Wissenschaftsorganisationen –  auf und widmet sich fünf zentralen Handlungsfeldern:

  • Lizenzierung elektronischer Informationsmedien
  • Digitalisierung
  • Open Access
  • Forschungsdatenmanagement
  • Virtuelle Forschungsumgebungen

Die baden-württembergische Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Theresia Bauer wird in einer Pressemitteilung wie folgt zitiert:

„Innovation beginnt mit Wissenschaft. Hochschulen und außeruniversitäre Forschungs- und Informationsinfrastruktureinrichtungen benötigen eine gemeinsame E-Science-Infrastruktur, die dem Bedarf der Wissenschaft heute und in Zukunft entspricht. Deren Ausbau ist ein zentraler Baustein für Baden-Württembergs internationale Wettbewerbsfähigkeit als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort“

Die E-Science-Strategie wurde durch eine Arbeitsgruppe von Expertinnen und Experten des Landes erarbeitet. Zum Thema Open Access heißt es:

„Die Open Access Politik des Landes Baden-Württemberg ist darauf angelegt, im Land die Voraussetzungen zu schaffen, den notwendigen internationalen Umgestaltungsprozess als herausgehobener Akteur zu ermöglichen, zu fördern und aktiv mitzugestalten, um so auch die Wahrnehmung der Forschungsergebnisse aus Baden-Württemberg international zu erhöhen.“

Das Land Baden-Württemberg ebnet mit diesem bemerkenswerten E-Science-Konzept den Weg zu Schaffung einer offenen Informationsinfrastruktur zur Förderung von Open Science. Wünschenswert wäre, dass auch andere Bundesländer sich diesem Thema umfassend annehmen und im engen Dialog mit der Wissenschaft ähnlich detaillierte Konzepte auf den Weg bringen, die dann auch in die angekündige Open-Access-Strategie der Bundesregierung einfliesen können.

Aktuell wird das Themfeld Open Access auch in Berlin, Nordrhein-Westfalen (PDF) und Schleswig-Holstein auf Landesebene diskutiert.

Berlin bringt Open-Access-Strategie auf den Weg

Bereits im Mai hat das Abgeordnetenhaus Berlin einstimmig einen Antrag zur Entwicklung einer Open-Access-Strategie für das Land Berlin verabschiedet. Mit diesem Schritt will Berlin den offenen Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen, die an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen der Hauptstadt entstehen, vorantreiben. In dem Antrag (PDF) heißt es:

„Die wissenschaftlichen Einrichtungen in Berlin werden aufgefordert, eigene Open-Access-Strategien zu erarbeiten, um sicherzustellen, dass wissenschaftliche Publikationen und andere digitale Objekte wie z. B. Forschungsdaten oder wissenschaftliche Software, die im Rahmen der wissenschaftlichen Arbeit entstehen, für jedermann zugänglich und nachnutzbar gemacht werden.“

Zur Förderung dieses Ziels soll ein „Open-Access-Netzwerk aus Vertretern der wissenschaftlichen Einrichtungen“ installiert werden. Dieses Netzwerk soll durch ein „Open- Access-Büro“ unterstützt werden. Weiter soll die Vernetzung der Repositorien zur Schaffung eines „Open-Access-Portal“ geprüft werden. Darüber hinaus eröffnet der Antrag die Möglichkeit das Thema Open Access in den Hochschulverträgen und den Förderbedingungen des Landes Berlin zu verankern.

Mit diesem wichtigen Schritt setzt das Land Berlin Empfehlungen der EU-Kommission und der Internet-Enquete um. Auch wird das „G8 Science Ministers Statement“ aus dem letzten Jahr aufgegriffen, in dem die Bedeutung von Open Access betont wird. Besonders erfreulich ist, dass das Thema im zuständigen Ausschuss für Wissenschaft und im Plenum des Abgeordnetenhaus im parteipolitischen Konsens auf den Weg gebracht wurde. Siehe dazu: Plenarprotokoll, 22.05.2014.

Der Abgeordnete Martin Delius (Piratenpartei) beschreibt seine Sicht auf das Anliegen in einem Blogpost.

In der Vergangenheit haben bereits andere Bundesländer das Thema in ihren Regularien verankert. U.a. Baden-Württemberg in seinem Landeshochschulgesetz (2014) und Brandenburg im dortigen Hochschulgesetz (2009).

Aktuell wird das Thema auch in Schleswig-Holstein auf Landesebene diskutiert. Auf Bundesebene hat die Große Koalition die Entwicklung einer umfassenden Open-Access-Strategie angekündigt.