DFG verankert Open Access verbindlich in Förderprogramm

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert seit Mitte der 1990er-Jahre die Entwicklung digitaler Informationsinfrastrukturen für die Wissenschaft. Mit den beiden Förderprogrammen „Elektronische Publikationen“ und „Wissenschaftliche Zeitschriften“ wurden in der Vergangenheit wichtige Impulse zur Förderung von Open Access in Deutschland gesetzt.

Infrastruktur für elektronische Publikationen und digitale WissenschaftskommunikationBeide Programme wurden jetzt in ein überarbeitetes und erweitertes Förderprogramm namens „Infrastruktur für elektronische Publikationen und digitale Wissenschaftskommunikation“ überführt. Das DFG-Merkblatt 12.11 (PDF) informiert über die Ziele und die Bedingungen des Programms.

Äußerst begrüßenswert ist, dass die DFG dieses neue Programm mit einer verbindlichen Open-Access-Policy verknüpft. So heißt es im Absatz 2.2.2 der Förderbedingungen:

„Die in den Projekten erstellten Inhalte und alle aus Projekten resultierende Publikationen müssen grundsätzlich über das Internet für alle Nutzer und Nutzerinnen weltweit frei verfügbar sein (Open Access) und dauerhaft zugreifbar bleiben. Wo immer möglich, kennzeichnen eindeutige Lizenzen, in welchem Umfang die Nachnutzbarkeit von Publikationen bzw. einzelner Teile von Publikationen gewährleistet ist.“

Open Access in einem Förderprogramm zur digitalen Wissenschaftskommunikation verbindlich zu verankern ist natürlich ein äußerst naheliegender Schritt, der auch in der betroffenen Community auf viel Zustimmung treffen wird. Wünschenswert wäre, dass die DFG diese Open-Access-Bedingung in all ihren Programmen verankert und somit ihre Empfehlung für Open Access aus dem Jahr 2006 in eine verbindliche Richtlinie überführt.

Bereits 2013 hat die Helmholtz-Gemeinschaft Open Access verbindlich in ihrem Förderprogramm „Impuls- und Vernetzungsfonds“ verankert. In Deutschland arbeitende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden bereits seit längerem durch die Open-Access-Politik der europäischen Forschungsförderung (ERC, FP7 und HORIZON 2020) mit verpflichtenden Open-Access-Bedingungen konfrontiert.

Alle genannten Richtlinien können sowohl durch den Grünen Weg (Selbstarchivierung), als auch durch den Goldenen Weg (Open-Access-Zeitschriften) umgesetzt werden. Vermehrt gewinnen auch Richtlinien an Bedeutung, die den Goldenen Weg präferieren, so z.B. die Open-Access-Richtlinien des CERN und der Gates Foundation.

Disclosure: Ich arbeite für die Helmholtz-Gemeinschaft.

EU-Kommission: Studie zur Umsetzung von Open Access im FP7

Nachdem die Europäische Kommission im Dezember bereits eine Studie zum Stand von Open Access in Europa veröffentlicht hat, wurde jetzt ein Bericht zur Umsetzung von Open Access im 7. Forschungsrahmenprogramm vorgestellt: Die „Survey on Open Access in FP7“ (PDF) basisiert auf einer Befragung von geförderten Projekten, die vom „Open Access Pilot“ der EU betroffen sind.

In der  Zusammenfassung werden die Herausforderungen bei der Umsetzung der Open-Access-Richtlinie wie folgt beschrieben:

„The dissemination of research results in FP7, including self-archiving and costs related to open access, is often an underestimated aspect. However, it requires specific measures and sustained investment. Despite its recognised benefits, the implementation of open access remains a challenge. Open access also raises technical questions and legal issues, linked in particular to how researchers exercise their copyright. Further difficulties are the lack of awareness of research- ers and of concrete support for them to practice open access.“

Aktuell wird die Verankerung von Open Access in dem kommenden Förderprogramm Horizon 2020 diskutiert. Ein Übersicht (PDF) informiert über die Vorstellungen der EU-Kommission. Es ist mit einer deutlichen Ausweitung der Richtlinie zu rechnen.