Zahlungen der Universität Zürich

Was zahlt die Universität Zürich an Elsevier, Springer und Wiley?

Auf diese Frage weigerte sich die Hauptbibliothek der Universität Zürich (HBZ) im Juli 2014 eine Antwort zu geben. Gegen die Ablehnung rekurrierte ich im August 2014 bei der zuständigen Rekurskommission der Zürcher Hochschulen. Während des Rekursverfahrens erhielt ich durch ein Missverständnis und zum Erstaunen aller Beteiligten Einsicht in die gewünschten Daten der HBZ, welche eigentlich nur für die Rekurskommission bestimmt gewesen waren. Im Dezember 2014 zog ich deshalb den inzwischen nicht mehr notwendigen Rekurs gegen die HBZ zurück, führte aber den Rekurs gegen die Einsichtsverweigerung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) bei der gleichen Rekurskommission weiter. So kenne ich nun seit einem Jahr die Zahlungen der Hauptbibliothek und hätte sie, wie mir die Rekurskommission ehrlich antwortete, legal veröffentlichen können. Doch aus Gründen der Fairness wollte ich damit zuwarten bis die rechtliche Situation im Kanton Zürich bei den parallelen Rekursen gegen die Einsichtsverweigerungen der ZHAW oder gegen die Zentralbibliothek Zürich grundsätzlich geklärt worden ist. Das Prinzip scheint mir hier wichtiger als die Zahlen.

Im Dezember 2015 entschied nun endlich die Rekurskommission der Zürcher Hochschulen unter Berücksichtung der kantonalen Gesetzgebung, dass die ZHAW mir ihre Zahlungen an die Verlage zugänglich machen muss. Es ist davon auszugehen, dass die Rekurskommission im Falle der Hauptbibliothek der Universität Zürich gleichermassen entschieden hätte und die HBZ die Zahlen so oder so hätte herausrücken müssen. Wie sie übrigens auch die freihändigen Zuschläge auf simap.ch hätte deklarieren müssen!

Zu den Zeitschriftenausgaben

Hier also nun die Zeitschriftenausgaben der Hauptbibliothek der Universität Zürich. Die Ausgaben der Zentralbibliothek Zürich, welche insbesondere die geisteswissenschaftlichen Fächer an der Universität Zürich abdeckt, sind hier noch nicht eingerechnet (dieser Rekurs läuft noch).

Auch hier (wie bei der UniBE und der ETHZ) können wir überschlagsmässig nun erstmals einen Blick wagen, was dies für die Transformation zu Gold OA bedeuten würde.

Als Datengrundlage bietet sich das Repository ZORA an, wo seit 2008 alle Forschenden der Universität Zürich verpflichtet sind, ihre Publikationen zu hinterlegen.

Sparpotential bei Elsevier

Forschende der Universität Zürich (inkl. Universitätsspital) publizieren pro Jahr gegen die 950 Zeitschriftenartikel bei Elsevier:

Gehen wir hier wieder von einem Corresponding Author Anteil von 60% und einer durchschnittlichen APC von 2700 CHF aus, lässt sich ein Einsparungspotential von fast 0.25 Mio. CHF ausmachen!

Elsevier: 570 Artikel * 2700 CHF = 1'539'000 CHF
(Subskriptionskosten 2014: 1'778'095 CHF)

500’000 CHF mehr bei Springer (APC 3000 CHF)

Ohne SpringerOpen und BMC werden pro Jahr gegen die 600 Artikel durch AutorInnen der Universität Zürich bei Springer veröffentlicht.

Rechnen wir hier auch wieder mit einem 60% Corresponding Author-Anteil und einer APC von 3000 CHF. Mit dieser müsste die UZH gut 500’000 CHF mehr bezahlten.

Springer: 360 Artikel * 3000 CHF = 1'080'000 CHF
(Subskriptionskosten 2014: 589'080 CHF)

150’000 CHF mehr bei Wiley (APC 3000 CHF)

Bei Wiley kann von ca. 650 Artikel pro Jahr ausgegangen werden:

Hier müsste die UZH 150'000 CHF mehr bezahlen.

Wiley: 390 Artikel * 3000 CHF = 1'170'000 CHF
(Subskriptionskosten 2014: 1'025'733 CHF)

Fazit

Rechnet man mit den Verlags-APCs, 2700 CHF bei Elsevier, 3000 CHF bei Springer und Wiley, müsste die UZH gute 350’000 CHF mehr bei einer Transformation zu OA bezahlen.

Würde man aber mit einer APC von 2600 CHF rechnen, ergäbe sich wieder eine kostenneutrale Transformation

Wiley + Elsevier + Springer : 1320 Artikel * 2600 CHF = 3'4 Mio CHF
(Subskriptionskosten 2014: 3.4 Mio CHF)

Green-OA dümpelt ohne in Fahrt zu kommen

Der Universität Zürich hat schon seit 2008 eine verpflichtende OA-Policy und leistet sich inzwischen ein 7-köpfiges Open Access Team, welches jede Publikation die auf ZORA eingeht prüft und sich um das Einholen von Volltexten bemüht. Schaut man sich den Erfolg bei den Zeitschriftenartikel an, scheint dies zumindest bei den drei grossen Verlagen ziemlich ineffektiv zu sein. Lediglich bei Springer kommt man im Jahre 2014 auf eine Höchstmarke von 35% freien Volltexten im Repository. Bei Elsevier sind es immerhin noch 24%. Bei Wiley bleibt es aber bei kümmerlichen 12%.  Insgesamt sind lediglich 23% (492 von 2126) bei Elsevier, Springer und Wiley publizierten Artikel von Zürcher AutorInnen über ZORA zugänglich.

Im Vergleich zu anderen Unis mögen dies vielleicht sogar gute Werte sein. Nüchtern betrachtet, müsste man sich aber bei diesen Zahlen sieben Jahre nach Einführung der OA-Policy eingestehen, dass es dringend einen Strategiewechsel bedarf. Wenn die Universität Zürich pro Jahr 3,4 Mio CHF an die Verlage Elsevier, Springer und Wiley zahlt (nur Journals!), aber im Gegenzug nur 23% der eigenen bei diesen Verlagen publizierten Artikel frei bei ZORA zugänglich sind, läuft etwas gewaltig schief!

Gold-OA an der Universität Zürich unterfinanziert

Noch absurder wird es, wenn man bedenkt das AutorInnen der Uni Zürich die in einem Gold OA Journal z.B. von Frontiers oder BioMedCentral publizieren wollen für einen Teil der Kosten selber aufkommen sollten. An die Publikationskosten die beim beliebten Verlag PLOS entstehen, zahlt die Hauptbibliothek dann aber schon gar nichts mehr. Obwohl dort im Jahr 2014 bereits 176 Artikel publiziert wurden und somit schon ein Viertel des Publikationsaufkommen bei Wiley ausmacht.

Die Logik, dass die Hauptbibliothek Subskriptionen von drei wissenschaftsfeindlichen Verlagen mit 3,4 Mio CHF fördert und die immensen Kosten am liebsten noch der Öffentlichkeit verschweigt, gleichzeitig aber kein oder nur wenig Geld für ganz offensichtlich nachgefragten Open Access Verlage hat, scheint mir enorm widersprüchlich. Von der Universität Zürich wird das LERU-Statement „Christimas is Over“ offenbar nicht gekommen sein. Leider!

Update: 12.1.2016

Dank einem Hinweis des OA-Teams der UZH habe ich festgestellt, einen Bug in meinem Pentaho-Script für die Auswertung des ZORA-XML gehabt zu haben. Ich habe den Fehler und entsprechend die Daten korrigiert. Wie vom OA-Team der UZH korrekt beanstandet, sind es weit mehr Publikationen die von UZH-Wissenschaftler bei Elsevier, Springer und Wiley publiziert werden.

Dies ändert natürlich die überschlagsmässig prognosizierten Kostenersparnisse gravierend, bzw. resultiert bei Wiley und Springer gar in Mehrkosten. Das heisst, das ursprüngliche Fazit das eine kostenneutrale Transformation zu Gold OA selbst bei einer forschungsintensiven Universität mit den von den Verlagen gesetzten APCs möglich ist, scheint falsch zu sein.

Jedoch wissen wir alle, dass die durchschnittliche APC wohl mit 3000 CHF definitiv ein Maxium darstellt. Sobald man mit einer realistischeren APC von unter unter 2600 CHF bei Elsevier, Wiley und Springer rechnet, ist die UZH auch schon wieder in der Sparzone.

Hinweis

Die für die Grafiken und Auswertungen von ZORA verwendeten Daten sind in diesem Google Spread Sheet zugänglich.

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10 Gedanken zu “Zahlungen der Universität Zürich

  1. Pingback: Intransparenz bei den Bibliotheksausgaben von Schweizer Hochschulen | wisspub.net

  2. Pingback: Grüner Open Access bei Zürichs ZORA unzureichend | Archivalia

  3. Ich finde diesen Artikel sehr interessant, und würde es gern anderen mitteilen. Gibt es eine Englische Übersetzung?

  4. Leider ist eine englische Übersetzung dieses Beitrags nicht vorgesehen. Aber ich habe die Absicht zu gegebener Zeit eine Zusammenfassende Analyse aus den Daten mehrere bzw. natürlich am liebsten aller Schweizer Hochschulen zu machen, welche definitiv in englisch sein wird.

  5. Dieser Blogbeitrag enthält gravierende Mängel:
    1. Die angeführten Publikationszahlen der Universität Zürich (UZH) bei besagten Grossverlagen sind nicht reproduzierbar. Wir betrachten sie als falsch. Nach unseren Analysen produziert die UZH viel mehr Artikel und auch der Open Access-Anteil fällt höher aus.
    2. Daher können wir das Fazit des grossen Sparpotentials, falls eine forschungsintensive Universität wie die UZH Subskriptionskosten bei Grossverlagen zu Open Access-Publikationskosten umwidmen würde, nicht unterstützen. Im Gegenteil, es könnte teurer werden.
    Zur Auswertung der HBZ, UZH: http://tinyurl.com/HBZ-Antwort (PDF-Download, 319 KB)

  6. Lieber Christian, Liebe Margit

    Vielen Dank für euer Feedback und Nachrechnen. In der Tat habe ich einen Fehler in meinem Auswertungsscript gehabt, so dass die Anzahl der Publikation aus ZORA um die Hälfte zu klein war.

    Wie ihr seht, sind die korrigierte Anzahl Publikationen sogar noch höher als eure, da ich beispielsweise auch noch die Auswertung des DOI Prefix reingenommen habe um mich nicht nur den auf in ZORA verzeichneten Verlagsnamen verlassen zu müssen, welche ja unterschiedlich sein können (Society oder Imprint anstatt Verlag). Letztlich ist auch die Frage mit was man eigentlich rechnen will (nur peer reviewte Originalarbeiten oder auch Editorials, Corrections, Reviews etc). Ich habe jetzt in den korrigierten Zahlen mit allem gerechnet. Letztlich bleibt aber meine erstellte Überschlagsrechnung bewusst ungenau und ist eher ein Denkanstoss als eine genaue Prognose. Anderorts werden spezifische Projekte aufgesetzt um solche Modelle durchzurechnen: https://vimeo.com/149410915

    An der Aussage bezüglich tiefem OA-Anteil und Ineffektivität der Green OA-Bemühungen bei Publikationen dieser Verlagen ändert sich allerdings nichts. Der OA Anteil 2014 bei Wiley, Elsevier und Springer ist „nur“ 23%. Auch bei euren Zahlen zum OA-Anteil lässt sich keinen Aufwärtstrends feststellen. Will man sich wirklich über die 40% OA bewegen, kann das meiner Meinung nach nur gehen, wenn man endlich, endlich den wirklich effektiven Hebel über das Subskriptionsbudget benutzt.

    Gruss
    Christian

  7. Lieber Christian
    Besten Dank für die Korrekturen. Warum sich allerdings bei der Abfrage mit dem DOI die Zahlen des OA-Anteils wieder verringert haben, ist nicht nachvollziehbar. Möglicherweise hast du dabei einen Range der DOI-Präfixe gar nicht abgefragt? Vielmehr ist das jetzt wohl nur noch Zahlenschubserei.
    Jedenfalls ergibt sich laut unserer Berechnung ein OA-Anteil von rund 29 % über alle Jahre bei den besagten Grossverlagen. Für 2014 kommen wir auf etwas über 27 %.
    Gruss Margit und Christian F.

  8. Lieber Christian

    ein letzter Hinweis von unserer Seite. Es wäre fair, wenn du die geupdatete Version deines Blogbeitrags ebenso über die Kanäle verschicken könntest, wie du es auch mit dem ursprünglichen Beitrag gemacht hast.

    Besten Dank und Grüsse aus Zürich
    Margit und Christian F.

  9. Sali zäme

    1. Zur besseren Nachvollziehbarkeit hier noch mein Pentaho Transformation Script zur Auswertung der ZORA Daten.
    2. Wäre cool, wenn ihr weitere „offizielle“ Berechnungen dieser Art ggf. über die drei Verlage hinaus anstellen könntet. Ich könnte mir vorstellen, dass sich bei einer Transformation da ebenfalls auch Verschiebungen ergeben. Auch von Interesse wäre natürlich, ob der 60%-Corresponding-Author-Anteil sich auch für die UZH als gute Annahme erweist. (Jan Erik hatte für Norwegen auch so seine Schwierigkeiten)
    3. Auf die Korrektur habe ich inzwischen auf Inetbib und Swisslib hingewiesen.
    4. Übrigens, ob es nun letztlich 77% oder 71% Closed Access sind, spielt meines Erachtens letztlich nicht so eine Rolle. Für 3.4 Mio CHF ist es einfach schlicht zu viel Closed Access. Und wenn ich das kritisiere, möchte ich nicht eure Arbeit als OA-Team abwerten, sondern darauf hindeuten, dass mit der jetztigen nach aussen erkennbaren Strategie ein „bisschen“ Grün, ein „bisschen“ Gold, aber mehr und mehr Subskription und als Geschenk an die Verlage noch ein paar teure Backfiles, kein Ende in Sicht ist. Ich glaube die Erfolge in den Niederlanden sprechen für einen Strategiewechsel. Wobei ich es ja auch mal tollfinden würde, dass man nicht immer auf das verweisen muss, was andere erreicht haben, sondern das man von Schweizer Hochschulen auch erwarten kann, dass sie selber mal als Pioniere vorangehen. 😉

    Gruss
    Christian

  10. Pingback: Was zahlen niederländische Universitäten an wissenschaftliche Verlage? – Infobib

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