Niederlande: Transparenz von Subskriptionskosten

In den Niederlanden sind nun die Ausgaben der Universitäten an die grossen Verlage, nach Anfragen von Amos Keestra ebenfalls offengelegt worden:

niederlande-kosten

Subskriptionsausgaben der niederländischen Universitäten an die grossen Verlage im Jahre 2015. (Daten als Excel)

Hängig sind noch zusätzliche Anfragen von Leo Waaijers, bei denen es um Einsicht in die (Offsetting)-Verträge geht. SpringerNature und und Elsevier versuchen diese Offenlegung vor Gericht zu verhindern. Ein Entscheid wird im Januar erwartet.

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Schweiz: Studie belegt massives Sparpotential beim Wechsel zu Open Access

Eine Studie von Swissuniviersities und des Schweizer Nationalfonds (SNF) hat erstmals die aktuellen Kosten von Schweizer Hochschulen im Zusammenhang mit dem wissenschaftlichen Publizieren untersucht und Modelle zur Transformation zu Open Access aufgearbeitet. Die Studie wurde durch die Beratungsfirma CEPA in Zusammenarbeit mit John Houghton durchgeführt. Die bisherigen „Houghton-Reports“ haben schon für Australien, Grossbritannien, Dänemark, Niederlanden sowie Deutschland aufgezeigt, dass ein Umstieg auf Open Access sich volkswirtschaftlich lohnt.

Ermittlung Ausgaben Schweizer Hochschulen

Über eine Umfrage an Schweizer Hochschulen bzw. deren Bibliotheken wurde ermittelt, dass 2015 in der Schweiz  für Zeitschrifteinsubskriptionen 70 Mio. Fr. ausgegeben wurden. Zusätzlich wurde für Gold OA 4.4 Mio Fr. und für Hybrid OA 1.7 Mio Fr bezahlt. Der relativ hohe Betrag für Hybrid erstaunt, da Hybrid weder von Hochschulen, noch von Forschungsförderorganisationen offiziell unterstützt wird. Insbesondere bei den Kosten für Hybrid wird jedoch darauf verwiesen, dass aufgrund fehlender Rückläufe zur Umfrage und der unterschiedlichen Datenqualität Schätzungen vorgenommen wurden, und somit eine Unsicherheit über die tatsächlichen Zahlungen besteht.

Die Studie verzichtet unverständlicherweise darauf die Ausgaben per Hochschule oder per Verlag aufzuschlüsseln.

Ermittlung Publikationsverhalten

Eine Auswertung der Daten von Scopus durch die Max Planck Digital Library (MPDL) zeigt, das 2015 gegen 31’000 Artikel mit einer AutorIn aus der Schweiz publiziert wurden, was je nach Datenquelle 1-2% aller weltweiten produzierten Artikel darstellt. 16% davon sind bereits heute Gold OA.

Von diesen 31’000 in Scopus indexierten Artikel mit Schweizer Beteiligung, dürfte bei 54% (also 17’000 Artikel) auch der Corresponding Author einen Bezug zu einer Schweizer Institution haben. Bei dieser Zahl ist zu berücksichtigen, dass Scopus grundsätzlich nicht vollständig ist und zum Zeitpunkt der Analyse (April 2016) zudem noch nicht ganz alle Artikel des Jahres 2015 erfasst wurden. Unter Berücksichtigung dieser Unsicherheit gehen wir mal von gut 20’000 Artikel aus, welche bei einem Wechsel zu zu einem Author-Pays Modell durch Schweizer Institutionen bezahlt werden müssten.

Hoher Break-Even APC

Würde man das Geld der Subskriptionen in einen grossen Publikationsfonds umwandeln, könnten die Hochschulen den (corresponding) AutorInnen pro Artikel 3’500 CHF zu Verfügung stellen:

70 Mio. Fr. / 20’000 Artikel = 3’500 Fr.

Das heisst selbst wenn wir von den heutigen (zu hohen) Hybrid-Kosten von 3’000 Franken pro Artikel (wie sie der SNF aktuell zahlt) ausgehen, wäre es der Schweiz locker möglich alle eigenen Publikationen über Gold OA zu publizieren:

20’000 Artikel * 3000 Fr. = 60 Mio. Fr.

Allerdings dürften die Ersparnisse weitaus grösser ausfallen, da in einer Gold OA Welt der Preis pro Artikel weitaus günstiger ausfallen wird. Basierend auf heutigen Erfahrungswerten aus dem Ausland, geht die Studie (S. 86) von einer durchschnittlichen APC von 1’567 Fr. für Gold OA aus. Das heisst in einer reinen Gold OA-Welt, in der jedes Land seinen Output finanziert, müsste die Schweiz sogar nur noch 31 Mio Fr. zahlen:

20’000 Artikel * 1567 Fr. = 31 Mio. Fr.

Mit einem globalen Wechsel zu OA ergibt sich somit ein beachtliches Einsparpotential von 10 bis 40 Mio. Fr. für die Schweiz.

Szenarien hin zu 100% Open Access für Schweizer Literaturproduktion

Die Studie überprüfte nun verschiedene Wege um den OA Anteil für „Schweizer“ Artikel bis 2024 auf 100% zu erhöhen. Empfohlen wird letztlich ein gemischtes Szenario von Förderung von Gold OA (ohne Hybrid) und dem Beibehalten von Green OA.

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Empfehlung: Bis 2024 sollen alle Artikel aus der Schweiz entweder per Gold oder Green OA frei zugänglich sein. Dabei wird davon ausgegangen, dass der weltweite OA-Anteil (Green, Gold und Hybrid) wie bisher nur sehr zögerlich wächst, so das selbst 2024 das Subskriptionsmodell beim Zugriff auf fremde Literatur noch dominant sein wird.

Finanzielle Auswirkung

Für jedes Szenario wurden auch die finanziellen Auswirkungen aufgezeigt. Für das empfohlene Szenario (Green OA und Gold OA gemischt) sieht der Fianzierungbedarf wie folgt aus:

finanzieller-bedarf

Sollen künftig 50% der Publikationen über Gold OA finanziert werden, sieht die Studie einen zusätzlichen Finanzbedarf von 20-25 Mio Fr. bis 2024 vor. Die bisherigen Kosten für Hybrid würden wegfallen. Für Repositories fallen leicht mehr Kosten an. Der Posten für Subskriptionen nimmt im Umfang des stetigen Publikationswachstums zu.

Ein wesentlicher Faktor dabei ist, ob und wie schnell andere Länder den Wechsel zu Open Access ebenfalls vollziehen:

Switzerland represents a small proportion of global output (1.2%) and unless the world chooses to go OA, a large proportion of funding will still go to paying for conventional subscriptions. Hence, if Switzerland can encourage other countries to move to OA (most likely through setting an example and through international partnerships), this has the potential to significantly reduce costs.

D.h. auch die Studie anerkennt, dass es sich bei Open Access (zumindest aus der Sicht der Schweiz) um ein Problem der Koordination und nicht wirklich um ein finanzielles Problem handelt.

Hoch lebe das Subskriptionsmodell bis in alle Ewigkeit

Trotzdem irritiert die Studie mit der Empfehlung, dass um mehr Gold OA zu erreichen, auf unabsehbare Zeit weitere Millionen Franken in das System reingebuttert werden sollen.

Dies deshalb, weil in jedem aufgezeigten Szenario die 70 Mio. Fr. für Subskriptionen unverändert beibehalten werden sollen. Die Studie setzt völlig unkritisch die heute per Subskription erworbenen Inhalte (gemäss Studie 2.5 Mio. Artikel) mit dem tatsächlichen Konsum der Forschenden gleich. Das Erwerbungsmodell „Patron-driven acquisition“, welches eine solche Aussage vielleicht noch annäherend stützen könnte, ist jedoch hauptsächlich bei den Bücher gebräuchlich, nicht bei den Zeitschriftenartikel. Vielmehr ist aus der Praxis bekannt, dass es bei der Erwerbung von Zeitschriften oder Zeitschriftenpakete (Big Deals), grosse Streuungsverluste gibt, wobei etwa zwei Drittel der erworbenen Inhalte kaum bis nie genutzt werden.

Dazu muss man auch anmerken, dass in der Schweiz die „Zeitschriftenkrise“ im Budget der Hochschulen bzw. deren Bibliotheken nie merklich stattfand. Die meisten Bibliotheken konnten mit der Preissteigerung gut mitgehen und mussten ihr Erwerbungsverhalten nie gross hinsichtlich Kosten und Nutzen überprüfen.

Das Label „Bildung und Forschung“ funktioniert in der Schweizer Politik seit Jahren immer nahezu bedingungslos und sorgte für stetiges Budgetwachstum, insbesondere auch beim tertiären Hochschulbereich inkl. Forschung. Dieses Budgetwachstum färbt sich dann natürlich auch auf die Hochschulbibliotheken ab.

Bildungsausgaben.jpg

Äussere Anreize sich in diesem Umfeld bei den Ausgaben auf das wirklich Notwendige zu beschränken oder nachhaltige Lösungen zu suchen sind deshalb grundsätzlich kaum vorhanden. Schweizer Hochschulbibliotheken kaufen und mieten was das Budget hergibt. Tatsächlicher Bedarf, Nachhaltigkeit und Transparenz bleibt sekundär. Die unsinnigen Nationallizenzen, welche inzwischen für OUP, CUP, De Gruyter und Springer gekauft wurden, zeigen dies besonders deutlich. Völlig mut- und visionslos werfen hier die BibliotheksdirektorInnen den Verlagen Millionen von Franken hinterher ohne je den tatsächlichen Bedarf der Forschung erhoben oder aufgezeigt zu haben.

Die vorliegende Studie scheint leider in diesem verschwenderischen Stil weiterfahren zu wollen. Dabei war gerade in den Niederlanden insbesondere die Vorgabe aus der Politik: „Mehr OA aber ohne zusätzliches Geld“ jenes Schlüsselelement weshalb dort die konventionellen Verlage in harten Verhandlungen zu mehr Open Access für die niederländische Forschung bewegt werden konnten. Diese Vorgabe scheint mir in der Schweiz ebenfalls angebracht.

Alternatives Szenario: Subskriptionen runter – Gold OA Funding hoch

Ein sinnvolles Szenario wäre beispielsweise, dass man in der Schweiz die bisherigen Subskriptionen von 70 Mio Fr. auf 40 Mio. Franken reduziert und mit den freigewordenen 30 Mio Fr. eine anständige und durchgehende Gold OA Unterstützung bietet. Mit 40 Mio Fr. lässt sich immer noch ganz ordentlich Zugriff für die Forschenden herstellen. Mehr Selektion und Fokusierung auf das Wesentliche wird die Forschung in der Schweiz nicht in die Knie zwingen (Siehe auch Nabe and Fowler 2012; Toni 2012).

Man darf Forschenden für das wichtige Ziel OA auch temporär zumuten gelegentlich auf Pay-Per-View, Dokumentlieferdienste, Fernleihe, Repositories aus dem Ausland, Autorenwebseiten oder auf Sci-Hub zuzugreifen. Manche Forschende könnten so endlich ein akkurates Verständnis von der Problematik um OA und ihre Mitverantwortung entwickeln. Ebenfalls würden Bibliotheken feststellen, dass die Welt auch ohne Big Deals weiterläuft, was diesen dann bei Verhandlungen für mehr OA und vernünftigen Preisen helfen würde. Oder wie es Timothy Gowers kürzlich treffend auf den Punkt gebracht hat:

Part of the problem is that the people who negotiate on our behalf are, quite reasonably, afraid of the reaction they would get if we lost access to important journals. It’s just a pity that they are not also afraid of the reaction if the deal they strike is significantly more expensive than it need have been. (We are in a classic game-theoretic situation where there is a wide range of prices at which it is worth it for Elsevier to provide the deal and not worth it for a university to cancel it, and Elsevier is very good at pushing the price to the top of this range.) Pressure should also be put on librarians to get organized with a proper Plan B so that we can survive for a reasonable length of time without Big Deal subscriptions. Just as with nuclear weapons, it is not necessary for such a Plan B ever to be put to use, but it needs to exist and be credible so that any threat to walk away from negotiations will be taken seriously.

Fazit

Der Umstand, dass die Finanzflussanalyse kein Szenario geprüft hat, in dem der Wechsel tatsächlich kostenneutral gelingen kann, scheint mir neben dem Verzicht auf detaillierte Ausgaben pro Hochschule und pro Verlage die grösste Schwäche der Studie zu sein. Die empfohlene Stossrichtung mit Gold und Grün weiterzufahren scheint mir realistisch. Offsetting von Hybrid-APCs mit Subskriptionskosten sollte aber ebenfalls berücksichtigt werden, da eben genau dieses Instrument hilft, die zusätzliche Kosten bei der Transformation zu vermeiden und der globale Wechsel zu letztlich Pure Gold OA zu beschleunigen.

Der in der Studie immer wieder durchscheinende Vorschlag, die Schweiz könnte sich über OA als internationaler Leader und Beispiel profilieren gefällt. Es ist höchste Zeit, dass man OA verbindlich als Ziel anvisiert und sich endlich an den internationalen Initiativen beteiligt.

Disclosure: Mein Arbeitgeber hat die Studie mitfinanziert. Ich war jedoch zu keinem Zeitpunkt in die Studie involviert und hatte auch erst Zugang zur Studie als sie offiziell auf Zenodo veröffentlicht wurde. Dieser Post beinhaltet (wie immer auf diesem Blog) meine persönliche Meinung.

„Pay it Forward“-Studie

Wie wird sich ein globaler Wechsel zu Gold OA basierend auf Article Processing Charges (APCs) finanziell auf forschungsintensive Universitäten auswirken?  Die mit einem 800’000$-Grant der Mellon-Foundation unterstützte Studie „Pay it Foward“ (185 Seiten) ging dieser Frage an den Beispielen der grossen nordamerikanischen Universitäten British Columbia, California, Harvard und Ohio State nach.

Ermittlung Forschungsoutput über Scopus und Web of Science

Für die einzelnen Universitäten wurden zunächst aus Scopus und Web of Science Daten über das Publikationsverhalten der Universitäten ermittelt. Im Fokus standen Zeitschriftenartikel (inkl. Reviews) und Konferenzbeiträge von 2009-2013. Mit spezieller Unterstützung durch Elsevier und Thomson Reuters wurde die institutionelle Zugehörigkeit von AutorInnen und Corresponding-Authors identifiziert. Je nach Messmethode (Umgang mit Corresponding Authors, die mehrere Affiliations haben) und Datenbank wurde eine Corresponding-Author-Quote zwischen 45-61 Prozent ermittelt. Dieser Anteil deckt sich mit den Erfahrungen der Max Planck Digital Library. In einem weiteren Schritt wurden die Daten von Scopus mit denen von Web of Science zusammengeführt.

Übrigens: Den Rohdaten von Web of Science (WoS_aggregate.csv) ist zu entnehmen, dass 7.5% (26’355 von 354’556) Dokumente in WoS als Gold Open Access gekennzeichnet wurden.

Ermittlung Subskriptions- und Open Access Bezahlungen.

Aufgrund einer „in-scope Titel Liste“ (ohne Aggregatoren oder Backfile-Einkäufe) wurde bei den Bibliotheken die Subskriptionsausgaben (nach Rechnungsjahren) gesammelt. Die Zahlen zeigten, dass inzwischen weit über 90% der betrachteten Ausgaben nur für e-only aufgewendet werden. Bei der University of British Columbia im Jahre 2013 bereits 97%. Für den weiteren Studienverlauf wurde deshalb auf eine Unterscheidung von Print und Elektronisch verzichtet. Zusätzlich wurden die Ausgaben für Open Access in Form von Verlags-Mitgliedschaften oder APC-Zahlungen erfasst. Insgesamt wurde im Jahr 2013 von allen Hochschulbibliotheken gut 50 Millionen Dollar für Subskriptionen bezahlt, für Gold OA jedoch bloss $365’000!

Ermittlung realistischer Article Processing Charges (APCs)

Um herauszufinden welche Kosten auf die Universitäten zukämen, wenn künftig die Publikationen überwiegend per APCs bezahlt werden müssten, wollte man von möglichst realistischen APCs ausgehen. Es wurde versucht sich dem „richtigen“ Preis von verschiedenen Seiten zu nähern.

a) tatsächlich bezahlte APCs (Open Data)

Die Daten der veröffentlichten Zahlungen des RCUK, Wellcome Trust, von Deutschen Universitäten (Siehe auch neue Analyse Jahn & Tullney 2016) sowie des FWF wurden herangezogen und auf die projekteigene Disziplinenliste aufgeschlüsselt.

APC-Payment European Payments

Hier ergab sich eine durchschnittliche APC von $1865.

b) Preisangaben der Verlage/Journals.

Durch die Studien Solomon und Björk (2012) und Morrison et al. (2015) standen bereits nutzbare Daten zur Verfügung, was Verlage/Journals auf ihren Webseiten für Preise angaben. Für die weitere Auswertung wurden die Daten von Morrison et al. durch das Studienteam zu Beginn 2016 auf den neusten Stand gebracht und auf die aus WoS/Scopus extrahierten Publikationen bzw. die eigenen Disziplinen gemappt:apcs_pricing

Hier ergab sich eine durchschnittliche APC von $1864 auf Journal-Level, bzw. $1892 auf Artikelebene. Wie auch schon bei der Analyse der europäischen APCs erweist sich eine disziplinspezifische Betrachtung aufgrund ungleicher Verteilung (kaum Daten bei den Geistes- und Sozialwissenschaften oder der Ökonomie) als wenig aussagekräftig. Eine ausführliche Analyse zu diesen APCs wurde inzwischen auch ausgelagert veröffentlicht (Solomon & Björk 2016).

Eine Kategorisierung der OA-Publikationen nach Bezahlmodell zeigt sehr deutlich die heutige Dominanz des APC-Modells: 89% von 22’209 OA-Artikel sind in APCs-basierten Zeitschriften publiziert worden. Diese Tatsache relativiert das trügerische Bild, welches sich aus der Betrachtung von Journals im DOAJ ergibt, wonach eine Mehrheit der dort verzeichneten Journals keine APC verlangt.

OA Journals used.jpg

In was für Open Access Journals publizieren AutorInnen der Universitäten British Columbia, California, Harvard und Ohio State?
Eine Kategorisierung der OA-Journals in denen im Zeitraum 2009-2013 mindesten 10 Artikel erschienen sind.

Interessanterweise weisen die Bibliotheken insgesamt nur Ausgaben von $365’000 für Open Access ($159’000 OA memberships + $206’000 APC Payments) aus. Daraus lässt sich klar schliessen, dass das Geld, das AutorInnen für Open Access bisher aufgewendet haben, nur zu einem winzigen Teil von den Bibliotheken stammt. D.h. auch die nordamerikanischen Bibliotheken haben es in den vergangenen Jahren verschlafen, das wachsende Bedürfnis nach finanzieller Unterstützung beim OA-Publizieren anzugehen.

c) Preisberechnung mit Source Normalized Impact per Paper (SNIP)

Nun ist es kein Geheimnis, dass insbesondere kommerzielle Verlage zurzeit ihre Preise nicht an ihren realen Kosten, sondern häufig an der Reputation (Impact Factor) ihrer Journals ausrichten.

Die „Pay it forward“-Studie hat diese gängige Preissetzung untersucht und eine positive Korrelation zwischen der Höhe der APC und der „Qualität“ gemessen als Source Normalized Impact per Paper (SNIP ; = Elseviers offenes Pendant zum Impact Factor) eines Journals festgestellt. Nach einer Regressionsanalyse getrauen sich die StudienautorInnen sogar eine Formel bekannt zu geben, mit welcher sich für jedes Journal mit einem SNIP die voraussichtliche APC ausrechnen lässt.

APC = 1147.68 + 709.4 * SNIP

Beispiel: Für das Journal Water Research (IF 6 / SNIP 2.4) wäre die APC demzufolge:

1147.68+ 709 * 2.4 = 2849 USD

(Wobei Elsevier heute im Hybrid-Modus interessanterweise 3500$ verlangt).

d) effektive Verlagskosten

Aus der Literatur und teils anonymen Quellen der Verlagsindustrie, den Steuerangaben von Non-Profit-Verlagen in den USA (990 Tax Form) und einer Umfrage bei der Association of Learned & Professional Society Publishers (ALPSP) versuchten die Studienautorinnen ebenfalls die effektiven Verlagskosten in Erfahrung zu bringen.

effektive-kosten

Man erkennt schnell, dass keine Klarheit über die effektiven Kosten besteht. Ein ähnliches Resultat hatte schon der Beitrag „The true cost of science publishing“ ergeben. Die Pay it Forward-Studie legt jedoch nahe, dass mit mindestens $1000 Dollar als Kosten eines Artikel gerechnet werden muss.

Ermittlung Break-Even APCs

Mit dem verfügbaren Subskriptionenbudget der Bibliothek und dem Publikationsverhalten konnte pro Hochschule Break-Even APCs ausgerechnet werden. Dabei wurde vorsichtshalber davon ausgegangen, dass künftig für alle Artikel eine APC bezahlt werden müsste:

Break-even points

Man sieht schnell, dass der Umstieg für auf ein vollständig APC basiertes Modell alleine mit dem heute eingesetzten Bibliotheksbudget und dem heutigen Durchschnittspreis von ca. 1850$ pro APC für die meisten Universitäten finanziell nicht möglich sein wird.

Verschiedene Finanzierungsmodelle für eine Gold OA Welt

Die Studie geht deshalb in Folge davon aus, dass bei einer Umstellung zu Gold OA das Geld zunehmend auch von anderen Quellen, insbesondere die von Forschungsförderer kommen muss. Es werden verschiedene Modelle skizziert, wie bei einem Wechsel auf Gold OA die Kosten für APCs zwischen Bibliothek, Forschungsförderer und anderen Geldquellen sinnvoll aufgeteilt werden können. Ein wesentliches Element dieser Modelle ist der stärkere finanzielle Einbezug der Forschenden. Die Hoffnung besteht, dass diese eine (neue) Sensibilität hinsichtlich Preis von Verlagsleistung entwickeln.

Qualitativer Teil: Faktoren zur Auswahl des Journals

Die Studie beinhaltet auch einen qualitativer Teil, bei dem mit Fokusgruppen und Umfragen ermittelt wurde, was Forschende über das wissenschaftliche Publizieren, OA und den finanziellen Aspekten denken. Dieser Teil wurde inzwischen separat veröffentlicht (Tenopir et al. 2016).

Die Resultate bestätigen grundsätzlich vorhergehende Arbeiten (mitunter auch die Resultate meiner Masterarbeit). Die Idee von Open Access für Perspektive des Lesers wird durchgängig begrüsst. Beim eigenen Publizieren spielt OA jedoch nachwievor untergeordnet eine Rolle. Qualität, Reputation, inhaltliche Übereinstimmung, erwartetes Publikum, Chance angenommen zu werden, Geschwindigkeit vom Einreichen zur Publikation oder die Herausgeber sind wichtigere Faktoren bei der Wahl eines Journals als OA.

Desweiteren gibt es disziplin-spezifische Unterschiede. Etwas zugespitzt: Physiker und Mathematiker brauchen Gold OA nicht, da sie ja ArXiv haben. Für Mediziner und Biologen sind APCs schon fast Alltag. Geistes- und Sozialwissenschaftler haben Vorbehalte gegenüber APCs.

Fazit

Das wesentliche Resultat der Studie ist durchaus keine Überraschung, wie David Crotty auf Scholarly Kitchen zutreffend kommentiert. Es war immer wahrscheinlich anzunehmen, dass forschungsintensive Institutionen bei einem Wandel zu Gold OA stärker zur Kasse gebeten werden könnten. Dennoch ist es wichtig diese Annahme einmal mit offiziellem Zahlenmaterial untermauert zu sehen.

Was die Studie leider nicht liefert, ist ein Vergleich zwischen den Ausgaben und Publikationen auf Stufe Verlag. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es bei einer Transformation zu OA auch bei den Verlagen grössere Gewinner und Verlierer geben würde.

Zumindest zeigen die Zahlen aus der Schweiz, insbesondere diejenige der forschungintensiven ETH Zürich, dass ein Wechsel auf Gold OA zumindest bei den Verlagen Elsevier, Springer und Wiley finanziell ohne weiteres möglich wäre und bei diesen Verlagen sogar mit Kosteneinsparungen verbunden wäre. In Angesicht der Resultate von Pay it Forward stellt sich die Frage, ob dieser Unterschied daran liegt, weil man in der Schweiz und bei der ETH Zürich grundsätzlich mehr zahlt, als bei Harvard & Co., oder ob dies eher an dem spezifischen Fokus auf die drei grössten Verlage liegt, der in Nordamerika ebenfalls zu Tage käme, hätte man die Zahlen auf Stufe Verlag verglichen.

Ebenfalls muss in Betracht gezogen werden, dass eine nahezu 100% Umstellung auf OA finanzielle Einsparungen an vielen anderen Orten ergibt. Dabei meine ich nicht nur die radikale Vereinfachung von vielen bibliothekarischen Prozessen, sondern auch die Tatsache, dass ausserhalb der forschungsintensiven Hochschulen es noch zahlreiche andere öffentliche Institutionen (z.B. Fachhochschulen, Spitäler, Behörden etc.) gibt, bei denen bei einer Umstellung Subskriptionskosten entfallen würden. Diese Gelder könnten zumindest anteilsmässig zugunsten des finanziellen Mehrbedarf von forschungsintensiven Hochschulen umgeschichtet werden.

Letztlich scheint es nachvollziehbar, dass die Kosten des heutigen Systems auch bereits durch jemanden bezahlt werden und die Transformation mehr eine Frage der Organisation der Umschichtung von Geldern ist, als tatsächlich ein finanzielles Problem. SCOAP3 hat dies ja unlängst gezeigt.

Meines Wissens ist Pay it Forward die erste öffentliche Studie, bei welcher das Potential der Subskriptionskosten auf institutioneller Ebene für OA solide analysiert wurde. Das weckt Hoffnung, dass auch andere Institutionen dem Beispiel folgen und sich Kennzahlen zu ihrem Potential für OA verschaffen und dies veröffentlichen.

Präsentation an der 8th Conference on OA Scholarly Publishing (COASP)

Zum Schluss sei noch auf eine Präsentation der Studie von MacKenzie Smith, University Librarian, UC Davis am 21. September 2016 verwiesen.

Finnland: Transparenz von Subskriptionskosten

Die Subskriptionskosten von über 200 Verlagen aller finnischen Universitäten und weiteren Forschungsinsitutionen von 2010-2015 sind ab sofort in einer Datenbank frei zugänglich:

Subscirption Costs Finland DB

Datenbank mit Subskriptionskosten finnischer Forschunginstituionen (2010-2015)

 

Im Frühling 2014 fragte Leo Lahti im Namen der Open Knowledge Foundation (OKF), die Aalto Universität, sowie andere Universitäten bezüglich Ausgaben an Elsevier an. Ähnlich wie in der Schweiz,  wurden die Anfragen negativ beantwortet. Leo Lathi zog mit OKF vor das Verwaltungsgericht Helsinki. Das Gericht gab ihm Recht: Kosten von Subskriptionen sind öffentliche Informationen. Nach diesem Urteil sprang die Open Science and Research Initiative (ATT) des finnischen Ministerium für Bildung und Kultur ein und übernahm das offizielle Sammeln der Daten und die heutige Veröffentlichung.

Eine erste Analyse der Daten ist nun ebenfalls verfügbar.

Informationen über den Stand von weiteren Transparenzinitiativen in anderen Ländern bezüglich Subskriptionskosten werden auf dieser Wiki-Seite von OKF gesammelt.

 

Zahlungen der Universität Zürich

Was zahlt die Universität Zürich an Elsevier, Springer und Wiley?

Auf diese Frage weigerte sich die Hauptbibliothek der Universität Zürich (HBZ) im Juli 2014 eine Antwort zu geben. Gegen die Ablehnung rekurrierte ich im August 2014 bei der zuständigen Rekurskommission der Zürcher Hochschulen. Während des Rekursverfahrens erhielt ich durch ein Missverständnis und zum Erstaunen aller Beteiligten Einsicht in die gewünschten Daten der HBZ, welche eigentlich nur für die Rekurskommission bestimmt gewesen waren. Im Dezember 2014 zog ich deshalb den inzwischen nicht mehr notwendigen Rekurs gegen die HBZ zurück, führte aber den Rekurs gegen die Einsichtsverweigerung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) bei der gleichen Rekurskommission weiter. So kenne ich nun seit einem Jahr die Zahlungen der Hauptbibliothek und hätte sie, wie mir die Rekurskommission ehrlich antwortete, legal veröffentlichen können. Doch aus Gründen der Fairness wollte ich damit zuwarten bis die rechtliche Situation im Kanton Zürich bei den parallelen Rekursen gegen die Einsichtsverweigerungen der ZHAW oder gegen die Zentralbibliothek Zürich grundsätzlich geklärt worden ist. Das Prinzip scheint mir hier wichtiger als die Zahlen.

Im Dezember 2015 entschied nun endlich die Rekurskommission der Zürcher Hochschulen unter Berücksichtung der kantonalen Gesetzgebung, dass die ZHAW mir ihre Zahlungen an die Verlage zugänglich machen muss. Es ist davon auszugehen, dass die Rekurskommission im Falle der Hauptbibliothek der Universität Zürich gleichermassen entschieden hätte und die HBZ die Zahlen so oder so hätte herausrücken müssen. Wie sie übrigens auch die freihändigen Zuschläge auf simap.ch hätte deklarieren müssen!

Zu den Zeitschriftenausgaben

Hier also nun die Zeitschriftenausgaben der Hauptbibliothek der Universität Zürich. Die Ausgaben der Zentralbibliothek Zürich, welche insbesondere die geisteswissenschaftlichen Fächer an der Universität Zürich abdeckt, sind hier noch nicht eingerechnet (dieser Rekurs läuft noch).

Auch hier (wie bei der UniBE und der ETHZ) können wir überschlagsmässig nun erstmals einen Blick wagen, was dies für die Transformation zu Gold OA bedeuten würde.

Als Datengrundlage bietet sich das Repository ZORA an, wo seit 2008 alle Forschenden der Universität Zürich verpflichtet sind, ihre Publikationen zu hinterlegen.

Sparpotential bei Elsevier

Forschende der Universität Zürich (inkl. Universitätsspital) publizieren pro Jahr gegen die 950 Zeitschriftenartikel bei Elsevier:

Gehen wir hier wieder von einem Corresponding Author Anteil von 60% und einer durchschnittlichen APC von 2700 CHF aus, lässt sich ein Einsparungspotential von fast 0.25 Mio. CHF ausmachen!

Elsevier: 570 Artikel * 2700 CHF = 1'539'000 CHF
(Subskriptionskosten 2014: 1'778'095 CHF)

500’000 CHF mehr bei Springer (APC 3000 CHF)

Ohne SpringerOpen und BMC werden pro Jahr gegen die 600 Artikel durch AutorInnen der Universität Zürich bei Springer veröffentlicht.

Rechnen wir hier auch wieder mit einem 60% Corresponding Author-Anteil und einer APC von 3000 CHF. Mit dieser müsste die UZH gut 500’000 CHF mehr bezahlten.

Springer: 360 Artikel * 3000 CHF = 1'080'000 CHF
(Subskriptionskosten 2014: 589'080 CHF)

150’000 CHF mehr bei Wiley (APC 3000 CHF)

Bei Wiley kann von ca. 650 Artikel pro Jahr ausgegangen werden:

Hier müsste die UZH 150'000 CHF mehr bezahlen.

Wiley: 390 Artikel * 3000 CHF = 1'170'000 CHF
(Subskriptionskosten 2014: 1'025'733 CHF)

Fazit

Rechnet man mit den Verlags-APCs, 2700 CHF bei Elsevier, 3000 CHF bei Springer und Wiley, müsste die UZH gute 350’000 CHF mehr bei einer Transformation zu OA bezahlen.

Würde man aber mit einer APC von 2600 CHF rechnen, ergäbe sich wieder eine kostenneutrale Transformation

Wiley + Elsevier + Springer : 1320 Artikel * 2600 CHF = 3'4 Mio CHF
(Subskriptionskosten 2014: 3.4 Mio CHF)

Green-OA dümpelt ohne in Fahrt zu kommen

Der Universität Zürich hat schon seit 2008 eine verpflichtende OA-Policy und leistet sich inzwischen ein 7-köpfiges Open Access Team, welches jede Publikation die auf ZORA eingeht prüft und sich um das Einholen von Volltexten bemüht. Schaut man sich den Erfolg bei den Zeitschriftenartikel an, scheint dies zumindest bei den drei grossen Verlagen ziemlich ineffektiv zu sein. Lediglich bei Springer kommt man im Jahre 2014 auf eine Höchstmarke von 35% freien Volltexten im Repository. Bei Elsevier sind es immerhin noch 24%. Bei Wiley bleibt es aber bei kümmerlichen 12%.  Insgesamt sind lediglich 23% (492 von 2126) bei Elsevier, Springer und Wiley publizierten Artikel von Zürcher AutorInnen über ZORA zugänglich.

Im Vergleich zu anderen Unis mögen dies vielleicht sogar gute Werte sein. Nüchtern betrachtet, müsste man sich aber bei diesen Zahlen sieben Jahre nach Einführung der OA-Policy eingestehen, dass es dringend einen Strategiewechsel bedarf. Wenn die Universität Zürich pro Jahr 3,4 Mio CHF an die Verlage Elsevier, Springer und Wiley zahlt (nur Journals!), aber im Gegenzug nur 23% der eigenen bei diesen Verlagen publizierten Artikel frei bei ZORA zugänglich sind, läuft etwas gewaltig schief!

Gold-OA an der Universität Zürich unterfinanziert

Noch absurder wird es, wenn man bedenkt das AutorInnen der Uni Zürich die in einem Gold OA Journal z.B. von Frontiers oder BioMedCentral publizieren wollen für einen Teil der Kosten selber aufkommen sollten. An die Publikationskosten die beim beliebten Verlag PLOS entstehen, zahlt die Hauptbibliothek dann aber schon gar nichts mehr. Obwohl dort im Jahr 2014 bereits 176 Artikel publiziert wurden und somit schon ein Viertel des Publikationsaufkommen bei Wiley ausmacht.

Die Logik, dass die Hauptbibliothek Subskriptionen von drei wissenschaftsfeindlichen Verlagen mit 3,4 Mio CHF fördert und die immensen Kosten am liebsten noch der Öffentlichkeit verschweigt, gleichzeitig aber kein oder nur wenig Geld für ganz offensichtlich nachgefragten Open Access Verlage hat, scheint mir enorm widersprüchlich. Von der Universität Zürich wird das LERU-Statement „Christimas is Over“ offenbar nicht gekommen sein. Leider!

Update: 12.1.2016

Dank einem Hinweis des OA-Teams der UZH habe ich festgestellt, einen Bug in meinem Pentaho-Script für die Auswertung des ZORA-XML gehabt zu haben. Ich habe den Fehler und entsprechend die Daten korrigiert. Wie vom OA-Team der UZH korrekt beanstandet, sind es weit mehr Publikationen die von UZH-Wissenschaftler bei Elsevier, Springer und Wiley publiziert werden.

Dies ändert natürlich die überschlagsmässig prognosizierten Kostenersparnisse gravierend, bzw. resultiert bei Wiley und Springer gar in Mehrkosten. Das heisst, das ursprüngliche Fazit das eine kostenneutrale Transformation zu Gold OA selbst bei einer forschungsintensiven Universität mit den von den Verlagen gesetzten APCs möglich ist, scheint falsch zu sein.

Jedoch wissen wir alle, dass die durchschnittliche APC wohl mit 3000 CHF definitiv ein Maxium darstellt. Sobald man mit einer realistischeren APC von unter unter 2600 CHF bei Elsevier, Wiley und Springer rechnet, ist die UZH auch schon wieder in der Sparzone.

Hinweis

Die für die Grafiken und Auswertungen von ZORA verwendeten Daten sind in diesem Google Spread Sheet zugänglich.

Zahlungen der ETH Zürich an Elsevier, Springer und Wiley nun öffentlich.

Was bezahlt die ETH Bibliothek an Elsevier, Springer und Wiley? Die Antwort auf diese einfache Frage liegt nun nach gut 14 Monaten und einem Entscheid der ersten Rekursinstanz (EDÖB) vor. Werfen wir nun also einen Blick in diese nun erstmals öffentlich zugänglichen Daten (auch als XLSX). Die ETH-Bibliothek schlüsselte die Ausgaben wie von mir gewünscht in Datenbanken, E-Books und Zeitschriften auf.

Interessanter Fakt: Alleine die Ausgaben für Zeitschriften, E-Books und Datenbanken an die drei Verlage Elsevier, Wiley und Springer betragen zusammen 7.78 Mio. CHF und machen somit fast die Hälfte des gesamten Erwerbungsbudget der ETH-Bibliothek (17.75 Mio CHF) aus. Ja, die Konzentration im wissenschaftlichen Publikationswesen findet statt.

Ausgaben für Zeitschriften

Konzentrieren wir uns nachfolgend auf die Zeitschriften.

Gleich vorweg, mit der aktuell vorliegenden Granularität lassen sich keine exakte Analysen oder Vergleiche machen. Dazu fehlen Informationen über die konkreten Bedingungen: Anzahl Journals, Historical Spendings und Holdings, Vertragslaufzeit, Kauf oder Miete etc. Auch zu berücksichtigen sind die starken Kursschwankungen zwischen CHF und USD/EUR in den letzten Jahren. Dennoch kann man einige interessante grobe Beobachtungen festhalten.

  • Die effektiven Ausgaben an die klassischen Subskriptionsverlage Elsevier und Wiley sind in den letzten Jahren weiter massiv gewachsen (Mehr Open Access möchte man, mehr Closed Access bezahlt man).
  • Mit 3.55 Mio CHF Ausgaben für Elsevier Zeitschriften im Jahre 2014, toppt die ETH alle britischen Universitäten. Das University College London gab 2014 den grössten Betrag von ca. 2.5 Mio CHF (£1’657’434) für Elsevier Zeitschriften aus. Oxford sogar „nur“ ca. 1.5 Mio. CHF (£990’774).
  • Auch im Vergleich zu amerikanischen Universitäten liegen die Ausgaben der ETH an Elsevier im Spitzenbereich. Cornell bezahlte im Jahr 2013 ca. 2.4 Mio (USD 2’468’244). Das MIT beziffert in seinem Elsevier Factsheet seine Ausgaben auf über 2 Mio USD, wobei das MIT – wie in den USA üblich – nicht alle Journals von Elsevier abonniert hat.
  • Gemäss ETH-Jahresbericht 2014 sind an der ETH gut 7000 Personalstellen mit Lehre und Forschung beschäftigt. D.h. pro wissenschaftlicher Stelle kostet der Elsevier Zugang gute 500 CHF. Natürlich verflacht sich diese Zahl wenn man noch die 18616 Studierenden dazuzählt, aber das ist ja bekanntlich nicht Hauptnutzungsgruppe von Zeitschriften.

Abgesehen davon, lohnt es sich meines Erachtens auch gar nicht, sich zu lange mit der heutigen Situation abzugeben. Denn wie die Ökonomen Bergstrom et al. in ihrem PNAS-Paper über die Preise von US-Universitäten aufzeigen, bezahlen Bibliotheken heute Fantasie-Preise, die sich nicht auf reale und vergleichbare Indikatoren zurückführen lassen:

The contracts that we have seen show remarkable institution-specific price variations that cannot be explained by university characteristics such as enrollment and PhD production. Some institutions have been quite successful in bargaining for lower prices, whereas others may not have been aware that better bargains can be reached. Perhaps this variation explains publishers’ desire to keep contract terms confidential.

Viel interessanter ist die Frage, inwiefern das Geld für einen Wechsel zu Gold OA ausreicht. AutorInnen der Max Planck Digital Library kamen kürzlich zum Schluss, dass zumindest für DE, FR und UK genug Geld im Subskriptionssystem vorhanden sei, um einen sofortigen Wechsel auf ein mehrheitlich APC-finanziertes System ohne zusätzlichen Kosten zu bewerkstelligen. Mit den nun öffentlichen Daten der ETH Zürich, lässt sich dies zumindest für die grösste technische Bibliothek der Schweiz auch nachvollziehen und bestätigen.

Die ETH ist auch Lieferant an die Verlage

Die ETH ist eine forschungsintensive Hochschule, welche gegenüber Elsevier nicht nur als Käufer, sondern auch als Lieferant von wissenschaftlichen Texten auftritt. Wenn man auf Sciencedirect, der Plattform von Elsevier nach wissenschaftlichen Artikel mit AutorInnen der ETHZ sucht findet man für das Jahr 2014 1260 Zeitschriftenartikel (Stand: 30.8.2015):

1260 Articles in Sciencedirect from ETH-AutorInnenSucht man in der ETH-Hochschulbibliografie e-Citations nach Artikel mit Publisher=Elsevier im Jahre 2014 kommt man auf 1374 Artikel. D.h. wenn wir von 1400 Artikel pro Jahr bei Elsevier ausgehen, liegen wir im sicheren Bereich.

Was dies bei einer Umstellung auf ein APC-basiertes Modell bedeuten würde

So lässt sich bereits mal grob ausrechnen, was es kosten würde, müssten ETH-Autoren neu für das Publizieren mit Hybrid/Gold OA APCs bezahlen. Gehen wir also mal von den berühmt-berüchtigten $3000 als Standard-APC aus und rechnen wir überschlagsmässig:

Elsevier: 1400 Artikel * 3000 CHF = 4.2 Mio CHF

Bei den gegenwärtigen Subskriptionskosten (3.5 Mio CHF) müsste die ETH bei einer Umstellung auf ein APC-Businessmodell ca. 700k CHF draufzahlen.

Nun ist aber zu berücksichtigen, dass die beiden Faktoren in Realität wesentlich kleiner sein werden.

  1. Elsevier hat sich bezüglich Gold OA, aber auch bei Hybrid länger als andere Verlage zurückgehalten und hat sehr spät ein dynamisches APC-Modell eingeführt. Je Journal gilt eine andere APC. Ohne es überprüft zu haben, gehe ich davon aus, dass bei Journals mit höheren Impact Faktoren auch der Preis höher ist. Nimmt man die aktuelle APC-Liste und fügt noch die teuren Cell-Press Journals dazu (APC von je $5000) kommt man bei Elsevier auf eine durchschnittliche APC von $2334. Für die ETH ist dieser Wert jedoch zu tief, da ETH-Wissenschaftler eher in den teureren Zeitschriften publizieren. Dies zeigt eine Verknüpfung der 1260 gefunden Artikel in Sciencedirect mit den aktuell gültigen APCs. Beim aktuellen Publikationsverhalten von ETH-Wissenschaftlern und der momentanen Preissetzung durch Elsevier ist ein APC Durchschnitt von $2700 (~CHF 2600) realistischer.
  2. Nicht bei allen Artikel bei dem ein ETH-Wissenschaftler als Autor aufgeführt ist, müsste die ETH die APC bezahlen. Bei Papers mit mehreren internationalen Autoren würde ja zuweilen auch die Publikationskosten über eine andere Institution oder Förderorganisation abgerechnet werden. Hier könnte man sich die Mühe machen und bei den Artikeln jeweils schauen, ob der Corresponding Author (denn dieser zahlt meistens) von der ETH kommt oder nicht. Aus Zeitgründen verzichte ich jedoch darauf und verweise auf die Erfahrungswerte der Max Planck Digital Library:

    Our robust formula is that we [Max Planck Digital Library] expect our authors’ papers to generate invoices for between 50% and 60% of the total number of papers (in fact, for some publishers we observe shares of corresponding author papers even as low as 40%). Already we feel confident enough to base further cost projections on this value.

    Das heisst, wenn wir auch hier vorsichtig rechnen, gehen wir davon aus, dass die ETH bei einem Wechsel auf ein APC finanziertes Model von ihren 1400 Papers bei Elsevier 60%, also 840 Papers selber bezahlen müsste.

Das heisst die viel realistischere, aber dennoch vorsichtige Schätzung wäre:

Elsevier: 840 Artikel * 2600 CHF = 2.2 Mio CHF
(Subskriptionskosten 2014: 3.5 Mio CHF)

Somit wird auch schnell offensichtlich, dass eine Umstellung auf ein APC-fianziertes Geschäftsmodell zumindest bei Elsevier durch die ETH absolut tragbar und gar günstiger (-1 Mio CHF) wäre. (Vorausgesetzt die 3.5 Mio CHF sind tatsächlich regelmässige Subkriptionskosten und nicht Einmalkäufe!).

Auch bei Springer und Wiley würde das bisherige Geld locker ausreichen

Nun die gleiche Rechnung für Springer und Wiley. In e-Citations finden sich für das Jahr 2014 576 Artikel von Springer und 736 Artikel von Wiley.

Gehen wir wieder von den 60% zu zahlenden APCs aus und vereinfachen die Sache, indem wir bei beiden Verlagen von einer durchschnittlichen APC von 3000 CHF ausgehen. Zurzeit sind die Hybrid-APC von Springer und Wiley $3000, obwohl beide Verlage mit ihren Open Access Programmen ebenfalls pro Journal unterschiedliche APC-Rates haben, die im Falle z.B. von BMC einiges unter $3000 liegen. Bei Interesse am APC Markt empfehle ich den Report von Björk und Solomon (2014).

Springer: 350 Artikel * 3000 CHF = 1.1 Mio CHF
(Subskriptionskosten 2014: 1.3 Mio.)
Wiley: 450 Artikel * 3000 CHF = 1.4 Mio CHF
(Subskriptionskosten: 2014: 1.6 Mio.)

Somit zeigt sich auch hier, dass das Geld, welches aktuell über Subskriptionen über die ETH-Bibliothek an Springer und Wiley geht, ausreichend ist, um eine sofortige Transformation hin zum Open Access Publizieren bei diesen Verlagen zu finanzieren.

Fazit

Open Access ist, wie vom ehemaligen ETH-Bibliotheksdirektor beschrieben, ein wünschenswertes wissenschaftliches und politisches Ziel. Mir ist es allerdings ein Rätsel warum sich die ETH-Bibliothek mit ihrem Anspruch die Leading Library in der Schweiz zu sein, sich nicht mehr im Interesse der Wissenschaft für Open Access einsetzt? An zuwenig Geld liegt es ganz offensichtlich nicht. Vielleicht an zuviel?

Warum nimmt eine ETH Zürich die Verlage nicht beisseite und sagt bestimmt :

Wir sind einer eurer Top-Kunden, und wohl auch einer eurer Top-Lieferanten. Kommt, lasst unserer ETH-Autoren bei euch Gold/Hybrid OA publizieren und wir verrechnen dass dann mit den Subskriptionen. Wir wären sogar bereit 10-20% Prozent mehr als jetzt zu bezahlen, letztlich akzeptieren wir ja eure Preiserhöhungen ja sowieso.

Sicher, Verlage haben wenig Interesse diesen Weg zu gehen, solange der Druck nicht gross genug ist. Dass man aber diesen Druck aufbauen muss und kann, zeigen die Niederländer, die mit Springer einen wegweisenden Deal erreicht haben, von dem man liest, nur 7% teurer (=200’000 EUR) zu sein, als was bisher jährlich bezahlt wurde. Neben Zugang zu SpringerLink können niederländische Autoren seit Anfang 2015 ohne zusätzliche Kosten Gold/Hybrid Open Access publizieren. Ein immenser Vorteil, den ETH-Autoren trotz stetig wachsender öffentlicher Unterstützung nachwievor nicht haben und auch nicht haben werden, solange die ETH-Bibliothek nicht endlich aus ihrer Lethargie erwacht und sich aktiver für Open Access einsetzt.

Intransparenz bei den Bibliotheksausgaben von Schweizer Hochschulen

Gemäss Jahresbericht 2013 vermittelte das Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken Lizenzen für über 25.6 Mio. CHF an Konsortialmitglieder. Davon waren 18.76 Mio. für Closed Access Zeitschriften, 6.22 Mio. für Datenbanken und 630’000 für Closed Access E-Books. Die teuerste Zeitschriftenlizenz des Jahres 2013 – ScienceDirect (Elsevier) – belief sich auf über 7 Mio. CHF, gefolgt von den Wiley Journals mit ca. 3.5 Mio. CHF und Nature mit ca. 1.5 Mio CHF. Aus diesen groben Zahlen, bei denen eigenartigerweise Springer nicht aufgeführt ist, wird allerdings nicht klar wieviel Geld einzelne Bibliotheken für welche Produkte und zu welchen Bedingungen aufgewendet haben. Kommt hinzu, dass Bibliotheken auch selber verhandelte Lizenzen und Kaufverträge abschliessen.

Jahresberichte wenig aussagekräftig

Wer sich auf Grund der Klage von Elsevier, Springer und Thieme gegen die ETH-Bibliothek vielleicht die Frage gestellt hat, wieviel die ETH-Bibliothek oder auch andere Schweizer Bibliotheken zurzeit an diese Verlage zahlen, findet dazu keine detaillierten Informationen. Der Jahresbericht 2013 der ETH-Bibliothek beispielsweise beschränkt sich auf zwei konsolidierte Zahlen:

  • Medienerwerbungsbudget Total: 16.14 Mio. CHF
  • davon elektronische Medien: 5.27 Mio. CHF

Jahresberichte von anderen Hochschulbibliotheken sind vielfach kaum ergiebiger, ein paar Beispiele (in CHF):

  • ZB Zürich: Betrieblicher Material- und Warenaufwand: 9.16 Mio.
  • UB Basel: Monografien: 1.59 Mio. ; Zeitschriften: 1.78 Mio. ; elektr. Medien: 3.05 Mio.
  • UB Bern: Medienerwerbskosten: 10.14 Mio., davon elektr. Dokumente: 5.88 Mio. + Grafik mit Aufteilung Monografien, Zeitschriften gedruckt
  • HBZ: Zeitschriften: 5.06 Mio. ; Einzelwerke/Forts. 161k ; Publikationsfond: 141k ; Datenbanken: 1.28 Mio. + Kapitel Reporting E-Media
  • ZHB Luzern: Medienerwerb: Print-Medien (Monografien, Zeitschriften): 1.9 Mio. ; E-Medien (Bücher, Zeitschriften, Datenbanken): 638k

Akteneinsichtgesuche an Hochschulbibliotheken der Schweiz

Aber wie heisst es doch im Ethikkodex des BIS für Bibliothekare und Informationsfachleute:

Informationsfachleute setzen sich für die Transparenz von Informationen ein und orientieren auch ihre berufliche Praxis am Transparenzgebot.

Von daher sollte es kein Problem sein, diese Zahlen in Erfahrung zu bringen. Dachte ich jedenfalls. Am 23. Juni 2014 schrieb ich an 13 Bibliotheksdirektionen und zusätzlich dem Konsortium und der KFH Koordinationsstelle Konsortium die einfache Anfrage, mir Einsicht in Dokumente zu gewähren, aus denen ersichtlich ist, wieviel die Bibliotheken im Zeitraum von 2010-2016 an die drei grossen Verlage Elsevier, Springer und Wiley bezahlt haben, oder gemäss Vereinbarung bezahlen werden. Wo vorhanden, stützte ich diese Anfrage auf das Öffentlichkeitgesetz, dass in der Schweiz auf Bundes- und bis auf wenige Ausnahmen auch auf kantonaler Ebene gilt. Diese Gesetze sehen vor, dass im Grundsatz alle Informationen von Behörden öffentlich sind, sofern nicht gute Gründe dagegen sprechen.

Traktandum in der KUB

Der Zufall wollte es, dass sich am 25. Juni, also zwei Tage nach meinem Versand, die Bibliotheksdirektionen im Rahmen der Konferenz der Universitätsbibliotheken der Schweiz (KUB) in Bern trafen. Gemäss dem Protokoll des Treffens, welches bis zum Erscheinen dieses Blogbeitrages auf der KUB-Website frei zugänglich war, wurde meine Anfrage als zusätzliches Traktandum aufgenommen und diskutiert. Während Bern, St. Gallen und Genf die Anfrage bereits zur genaueren Abklärung an ihre eigenen Rechtsdienste weitergeleitet hatten, konnte die Zentralbibliothek Zürich, deren Vizedirektor von Hause aus Jurist ist, schon mit einer erfolgter Abklärung aufwarten, gemäss der mein Akteneinsichtsgesuch abzulehnen sei. Die Direktorin der ZB Zürich anerbot den anderen Bibliotheken offenbar, die Ablehnungsantwort der ZB als Hilfestellung zuzuschicken. Die KUB war sich in der Folge einig und beschloss, dass meine Gesuche abgelehnt werden müssen.

Pikantes Detail. Dem Protokoll der Sitzung ist zu entnehmen, dass in Fribourg die Kosten der Elsevier-Lizenz (800’000 CHF) bereits auf der Kantonswebseite öffentlich beziffert worden war. Diese Zahl wurde mir aber später in der offiziellen Antwort der Bibliothek nicht mitgeteilt. Auch konnte ich bislang nicht ausfindig machen, wo diese Zahl publiziert ist (oder publiziert war?).

Bibliothèque cantonale et universitaire, Lausanne

Die schnellste Antwort kam von der Direktorin der BCU Lausanne. Obwohl ich meine vollständige, private Postadresse der e-Mail hinzugefügt hatte, weigerte sich die Direktorin zunächst den Anhang mit meiner Anfrage zu öffnen, da sie mich nicht kannte und ich einen privaten Bluewin Account verwendete. Als ich ihr daraufhin den Link zu meinem LinkedIn Profil schickte, behauptete sie kühn:

le principe de transparence des actes administratifs est ancré dans la législation de mon canton, pour les citoyens de mon canton. Qui êtes-vous, existez-vous même physiquement? Pour le compte de qui agissez-vous?

Da ich die erwähnte Beschränkung nicht im Öffentlichkeitsgesetz des Kanton VD finden konnte, tat ich, was mir die Dozentin eines meiner zwei Semester Rechts immer wieder eingetrichtert hatte und fragte wo dies geschrieben sei.

Es dauerte ein paar Tage bis nach der KUB Sitzung bis ich dann folgende Antwort erhielt:

Un lien linkedIn n’est pas un passeport, mais OK, je vois qui vous êtes. Concernant votre demande, je dois malheureusement la refuser, au vu de la LInfo vaudoise, Chapitre IV art. 16, car le transfert de cette information lèserait le secret commercial (LInfo art. 16 $3c) ainsi que dans ce cas précis les relations avec d’autres entités publiques (LInfo art. 16$2d) au vu du fait que les ces licences sont achetées de facto par le Consortium et non la BCU Lausanne.
Votre démarche est sans doute louable; je me permets cependant de préciser que nous nous échangeons avec d’autres consortia européens sur les prix payés. Les prix de ces licences ne sont donc pas élevés en raison d’un manque d’information concernant les montants payés, mais bien en raison de la natur7e monopolistique de l’offre. À Lausanne, nous avons par le passé contacté à ce sujet la commission fédérale pour la concurrence, qui nous a dit qu’ils connaissaient le problème, mais qu’il n’était pas attaquable en Suisse en raison du fait que le fors juridique de ces éditeurs ne se trouve pas en Suisse.

ETH-Bibliothek, Zürich

Ebenfalls schnell, aber genauso unsorgfältig war die erste Antwort des Direktors der ETH Bibliothek:

Ihrem Antrag auf Einsichtnahme in die Vertragsbedingungen zu den Verlagen Elsevier, Springer und Wiley können wir nicht entsprechen. Es handelt sich hierbei um betriebsinterne Unterlagen, die wir grundsätzlich nicht öffentlich machen.

Offenbar ist der seit 2004 eingeführte Paradigmenwechsel des Öffentlichkeitsgesetzes (BGÖ) auf Bundesebene noch nicht in die Direktionsetage an der Rämistrasse 101 vorgedrungen. Immerhin, nach einem zweiten Hinweis auf das BGÖ und dem Verlangen einer konkreten Begründung, erhielt ich einen ordentlichen Ablehnungsentscheid:

Die von lhnen gewünschten Dokumente fallen unter die in Art.7 im Bundesgesetz für das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung (Öffentlichkeitsgesetz, BGÖ) formulierten Ausnahmebestimmungen.

  • Würde der Zugang gewährt, könnten Geschäftsgeheimnisse offenbart werden (Art. 7 Abs. 1 Bst. g BGÖ)
  • Würde ein Zugang gewährt, würden Informationen vermittelt, deren Vertraulichkeit zugesichert wurde (Art. 7 Abs.1 Bst. h BGÖ)

Lib4RI (Eawag, Empa, PSI & WSL)

Die beinah identische Ablehnungsantwort erhielt ich auch von der Direktorin der EAWAG in Dübendorf. Die Antwort ging auch gleich an die Direktionen der anderen Forschungsinstitute EMPA, PSI und WSL.

École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL)

Die EPFL schickte mir den Ablehnungsbrief wie bei der ETHZ, jedoch auf Französisch.

Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken

Da das Konsortium der ETHZ angegliedert ist, untersteht es ebenfalls dem Bundesgesetz über das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung. Meine Anfrage an das Konsortium war um die Einsicht der ganzen Verträge von Elsevier, Springer und Wiley erweitert. Allerdings blieb mir auch hier der Einblick mit der gleichen Begründung wie bei den anderen drei Bundesinstitutionen verwehrt.

Zentralbibliothek Zürich

Von der Direktorin der ZB Zürich erhielt ich folgende Antwort:

A. Es ist davon auszugehen, dass die Zentralbibliothek (ZB) als öffentlich-rechtliche Stiftung grundsätzlich dem Gesetz über die Information und den Datenschutz (IDG, 170.4, Kantonale Rechtsgrundlage) untersteht, da die ZB eine Organisation des öffentlichen Rechts des Kantons Zürich ist, die mit der Erfüllung öffentlicher Aufgaben betraut ist (vgl. § 3 Abs. 1 lit. c IDG).

B. Im Bereich des Medienerwerbs ist die ZB indes Teilnehmerin am wirtschaftlichen Wettbewerb und handelt nicht hoheitlich. Für solches Handeln ist die ZB gemäss § 2 Abs. 2 IDG nicht dem Geltungsbereich des IDG unterstellt, womit das vom Gesuchsteller beanspruchte Öffentlichkeitsprinzip nicht geltend gemacht werden kann.

C. Sollte vorliegend wider Erwarten dennoch von einem entsprechenden hoheitlichen Handeln der ZB ausgegangen werden, so ist zu beachten, dass es sich bei den vom Gesuchsteller eingeforderten Informationen um eigentliche Geschäftsgeheimnisse handelt. Diese bekanntzugeben würde sowohl die privaten Interessen der Verlagshäuser als auch die öffentlichen Interessen der ZB tangieren (Einschränkungen im Einzelfall, vgl. § 23 IDG). Diese Interessen sind vorliegend als gewichtiger zu werten als das Interesse des Gesuchstellers an der beantragten Akteneinsicht. Die ZB wie auch das in diesen Angelegenheiten für die ZB handelnde Konsortium der Hochschulbibliotheken sind im Übrigen über weite Strecken vertraglich verpflichtet, die Vertragsbedingungen Dritten nicht zugänglich zu machen. Ein Verstoss gegen diese Abmachung könnte massgebliche Schadenersatzpflichten zu Gunsten der Verlagshäuser und zu Lasten der ZB nach sich ziehen.

Welch eine Spitzfindigkeit! Die Öffentlichkeitsgesetze der Kantone ZH und BS haben eine schwammige Klausel, wonach öffentliche Organe vom Geltungsbereich des Öffentlichkeitsgesetztes ausgenommen sind, soweit sie am wirtschaftlichen Wettbewerb teilnehmen und dabei nicht hoheitlich handeln. Was wohl damit gemeint ist, lässt ein Blick in ein jüngeres Öffentlichkeitsgesetz wie jenes vom Kanton Zug (Feb. 2014) vermuten, indem die Ausnahmen explizit erwähnt werden: Kantonsspital, Kantonalbank oder Psychiatrische Klinik Zugersee. Sprich, öffentliche Institutionen, die Teilnehmer in einem liberalisierten Markt sind in dem Wettbewerb herrscht. Diese Institutionen gibt es auch im Kanton Zürich, werden aber durch das Gesetz nicht so explizit erwähnt. Das sich ausgerechnet die konservativste Bibliothek in der Schweiz, sich in einem Markt mit Wettbewerb wähnt, erstaunt.

Meine diesbezüglichen Zweifel wurden durch eine Anfrage beim Datenschutzbeauftragten des Kt. ZH bestätigt:

Ob die ZB bezüglich einzelner Tätigkeiten gestützt auf § 2 Abs. 2 vom IDG ausgenommen ist, muss im konkreten Einzelfall näher geprüft werden. Beim Erwerb von Medien befindet sich die ZB im freien Markt des Buchhandels bzw. des Medienangebots. Im wirtschaftlichen Wettbewerb befinden sich allerdings in erster Linie die Verlage mit ihren Medienangeboten. Der Medienerwerb dient unseres Erachtens als Mittel zur Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben, ist insoweit Teil des „staatlichen“ (und nicht marktwirtschaftlichen) Handelns und scheint uns deshalb nicht à priori vom IDG ausgeschlossen zu sein. Ohne zusätzliche Abklärungen können wir die Frage jedoch nicht abschliessend beantworten. Da Sie die Möglichkeit haben, diese Frage mittels Rekurs überprüfen zu lassen, sehen wir von weiteren Abklärungen im konkreten Fall ab.

Hauptbibliothek, Universität Zürich (HBZ)

Während die ZB Zürich die geisteswissenschaftlichen Inhalte für die Universität Zürich beschafft, verwaltet die Hauptbibliothek die teuren STM-Lizenzen. Aber auch die HBZ weigerte sich, mir konkrete Zahlen zu den Ausgaben an Elsevier, Springer und Wiley zu nennen. Zusätzlich zu der von der ZB Zürich übernommenen Begründung, teilte mir der Direktor der HBZ mit:

Darüber hinaus werden ebenfalls die öffentlichen Interessen der Universität Zürich tangiert, da die Universität darauf angewiesen ist, auch inskünftig ihre Verhandlungsposition beim Erwerb von Medien bei den entsprechenden Verlagen aufrechtzuerhalten. Diese wesentlichen Interessen der Universität Zürich und der betroffenen Verlagspartner überwiegen unseres Erachtens klar Ihr Interesse an der Veröffentlichung der anbegehrten Informationen (§ 23 IDG).

Universitätsbibliothek Basel

Basel hat ein ähnliches Öffentlichkeitsgesetz wie Zürich. Der inzwischen pensionierte Direktor der UB Basel teilte mir per e-Mail mit:

Im Bereich Medienerwerb handelt die Universität Basel nicht hoheitlich, sondern als Teilnehmerin am wirtschaftlichen Wettbewerb. Entsprechend betrachten wir die von ihnen gewünschten Auskünfte als solche, die vom Oeffentlichkeitsprinzip ausgenommen bleiben.

Als ich daraufhin auf Hinweis des Datenschützer des Kanton BS eine anfechtbare Verfügung verlangte und das Dossier an die Verwaltungsdirektion weitergereicht wurde, erhielt ich eine ausführlichere Antwort, die zusätzlich zu der Vorlage der ZB Zürich auch folgendes Element enthielt:

Bei den von Ihnen eingeforderten Informationen handelt es sich um Geschäftsgeheimnisse der drei betreffenden Verlage. Wenn die Daten gegenüber konkurrierenden Unternehmen bekannt würden, könnte dies zu Marktverzerrungen und zu einem substanziellen Schaden der Verlage führen.

Université de Genève – Division de l’information Scientifique (DIS)

Auch ablehnend aufgrund von Geschäftsgeheimnis die Antwort der Direktorin aus Genf:

Des intérêts prépondérants de tiers s’opposent à la communication des documents demandés. En particulier, consentir un tel accès serait propre à « révéler des informations couvertes par des secrets professionnels, de fabrication ou d’affaires, le secret fiscal, le secret bancaire ou le secret statistique » au sens de l’article 26 alinéa 2 lettre i LIPAD.

Université de Neuchâtel

Aus Neuenburg erhielt ich folgende Antwort.

A Neuchâtel nous avons décidé d’aller dans le sens de la discussion qui a eu lieu à la dernière séance de la CBU, c’est-à-dire ne pas révéler ces montants cette année pour ne pas entrer en conflit avec les contrats que nous avons signé dans ce sens mais de faire en sorte que les clauses de confidentialité soient supprimées des prochains contrats les années prochaines.

Auf die Nachfrage am 15. Juli 2014 mir eine Antwort zuzustellen, die sich anstelle des Beschluss der KuB am kantonalen Gesetz (CPDT-JUNE) orientierte, habe ich bis heute keine Rückmeldung erhalten.

Biblioteca Universitaria di Lugano (USI)

Aus Lugano traff dann endlich am 29. Juli die erste positive Antwort ein. Die USI wies transparent aus, wieviel Geld für Erwerbungen bei den Verlagen Elsevier, Springer und Wiley in den Jahren 2010-2016 eingesetzt wurde.

Universitätsbibliothek St. Gallen

Auch aus St. Gallen erhielt ich eine ablehnende Antwort entsprechend der Vorlage der ZB Zürich:

Die Bibliothek der Universität St.Gallen handelt im Bereich des Medienerwerbs nicht hoheitlich, sondern nimmt am wirtschaftlichen Wettbewerb teil. Zudem betreffen die mit dem Medienerwerb zusammen-hängenden Dokumente Geschäftsgeheimnisse der Verlage. Die Wahrung von Geschäftsgeheimnissen würde ein schützenswertes privates Interesse darstellen, welches dem von Ihnen beantragten Zugang zu den erwähnten Dokumenten entgegensteht.

Etwas speziell war hierbei, dass zum Zeitpunkt der Anfrage in St. Gallen das Öffentlichkeitsgesetz erst in der Lesung des Kantonsrats war und nun erst am 16.09.2014 erlassen wurde. Die Kantonsrätin Susanne Hoare wies mich jedoch netterweise darauf hin, dass Regierungsrat Fredy Fässler sich in der ersten Lesung am 4. Juni so geäussert hatte, dass ein Gesuch wie das meinige bereits auf Grundlage des Gesetzesentwurfes behandelt werden soll (Text/Audio).

Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg

Der Direktor der KUB Freiburg gab folgende Rückmeldung:

Soweit im Rahmen des Konsortiums Vertraulichkeitsklauseln akzeptiert wurden(bzw. werden mussten), gelten diese auch für die Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg. Verträge sind einzuhalten. Aus diesem Grund kann ich Ihnen in der Sache keine Auskunft geben. Hingegen bin ich dafür, dass bei den zukünftigen Verhandlungen keine solche Klauseln akzeptiert werden, was allerdings wohl leichter geschrieben als getan ist.

Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern

Als einzige Bibliothek in der Schweiz erhielt ich vom Direktor der ZHB Luzern, trotz wiederholtem Nachfragen keine Antwort.

Im Kanton Luzern ist die Vernehmlassungsfrist für ein Öffentlichkeitsgesetz erst Ende September 2014 abgelaufen.

Universitätsbibliothek Bern

Nach knapp 3 Monaten erhielt ich vom Verwaltungsdirektor der Universität Bern eine 4-seitige ablehnende Antwort. Bern hatte sich die Mühe gemacht, die Verlage um eine Einschätzung zu bitten. Die Verlage – welch grosse Überraschung – sprachen sich gegen eine Offenlegung aus:

Der Elsevier-Verlag teilte am 16. Juli 2014 mit, dass die mögliche Offenlegung der Vertragsinhalte der Wahrung von Geschäftsgeheimnissen entgegenstehe. Insbesondere sei zu befürchten, dass Mitbewerbern genaue Inhalte aus Verträgen bekannt würden, was nicht im Interesse des Verlags sei.

Der Springer-Verlag nahm mitschreiben vom 11. August 2014 wie folgt Stellung: Der Lizenzvertrag zwischen der Universität Bern und Springer stelle ein Geschäftsgeheimnis im Sinne von Art. 7 Abs. 1 Bst. g BGÖ dar. Es sei anerkannt, dass diese Ausnahmeklausel auf wesentliche Daten, deren Kenntnisnahme durch die Konkurrenz Marktverzerrungen bewirken bzw. dazu führen würde, dass dem betroffenen Unternehmen ein Wettbewerbsvorteil genommen werde, ausgerichtet sei. Die herrschende Lehre gehe davon aus, dass die hierunter subsumierten Geheimnisse Informationen von zentraler Bedeutung abdecken, die das Unternehmen berechtigterweise geheimhalten möchte. Das Geschäftsgeheimnis könne dabei als jede Information definiert werden, die Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis haben könne, wie zum Beispiel die Preiskalkulation.

Im vorliegenden Fall sehe der Lizenzvertrag eine Vertraulichkeitsvereinbarung vor, womit Springer bereits manifestiert habe, dass es sich bei den Inhalten des Vertrags um Geschäftsgeheimnisse handle. Dieser enthalte nicht nur Informationen zur Lizenzhöhe, sondern darüber auch Informationen zum Nutzungsumfang der Inhalte durch die Universitäten, ihrer Angestellten und Studierenden. Zudem beschreibe der Lizenzvertrag die Nutzungsbedingungen nach Vertragsende, die Möglichkeit, Nutzungsdaten einzusehen sowie die Option einer Archivkopie. Diese Komponenten bestimmten letztlich das zugrunde liegende Geschäftsmodell und fänden Berücksichtigung in der Höhe der Lizenzzahlungen.

Diese Informationen, so der Springer-Verlag weiter, seien vertraulich zu behandeln, da eine Preiskalkulation aufgrund unterschiedlicher Geschäftsmodelle von zentraler Bedeutung für Springer sein und direkte Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis von Springer habe. Eine Offenlegung dieser Geschäftsgeheimnisse würde ein Risiko zur Nachahmung von Wettbewerben darstellen und damit zu einer Wettbewerbsverzerrung führen. Daher würde die Offenlegung der Vertragskonditionen für Springer einen substanziellen Schaden zur Folge haben. Es bestehe folglich ein überwiegendes Interesse an der Ablehnung des Gesuchs, weil der Lizenzvertrag Geschäftsgeheimnisse von Springer betreffe, die geheimhaltungsbedürftig seien.

Der Wiley-Verlag vertrat mit Schreiben vom 24. Juli 2014 die Auffassung, dem Gesuch um Einsichtnahme stehe das Geschäftsgeheimnis entgegen, weshalb es abgelehnt werden müsse. Vorliegend hätte die Offenlegung der Vertragskonditionen für Wiley höchstwahrscheinlich einen substantiellen Schaden zur Folge, da andere Konsortien ihre Konditionen möglicherweise neu verhandeln möchten. Zudem sei im Vertrag explizit eine Geheimhaltungsklausel vereinbart worden, was gemäss der herrschenden Lehre ein klarer Hinweis darauf sei, dass Geschäftsgeheimnisse vorliegen würden, die dem Öffentlichkeitsprinzip entgegenstünden.
Die Offenlegung einer geschwärzten Vertragsversion, bei welcher die „sensiblen“ Bereiche unkenntlich gemacht werden würden, komme im vorliegenden Fall ebenfalls nicht in Betracht, da Herr Gutknecht explizit in Erfahrung bringen möchte, „wieviel an die Verlage bezahlt wurde“.

Die Universitätsleitung folgt dieser Argumentation der Verlage in Folge unkritisch und ohne eigene, zusätzliche Interessenabwägung.

Fachhochschulen

Ein nicht ganz unwichtiger Player in der Schweizer Hochschullandschaft sind die Fachhochschulen. Meine Anfrage stellte ich an die zuständige Person bei der KFH Koordinationsstelle Konsortium (angegliedert bei der ZHAW). Erst auf aktive Nachfrage hiess es:

Ich habe das Anliegen mit dem Generalsekretariat der KFH besprochen; die Antwort ist nein, sie möchten sich an die Vertragsbedingungen (Confidentiality clause) halten.

Als ich darum bat, mir diese Antwort gemäss gesetzlichen Vorgaben in einer anfechtbaren Verfügung zukommen zu lassen, wurde ich gebeten meine Anfrage wegen Unkenntnis der rechtlichen Schritte die seitens der KFH Koordinationstelle bestehen, zurückzuziehen. Trotz nachfolgender Erklärung, erhielt ich keine konkreten Zahlen:

Ich habe festgestellt, dass im ersten FH Vertrag mit Elsevier keine Vertraulichkeits-Klausel enthalten war, im letzten dann aber schon. Ich habe dem damals keine grosse Bedeutung beigemessen, doch bei der nächsten Erneuerung werde ich Elsevier bitten, diese wieder wegzulassen.

In Folge verwies ich explizit auf die bei der Staatskanzlei angesiedelte Koordinationsstelle IDG, welche Behörden beim Umgang mit dem Öffentlichkeitsgesetz unterstützt. Leider passierte wieder nichts und ein weiteres Nachfragen endete in einer totalen Sackgasse:

Wie bereits erwähnt, kann ich hier nichts im Alleingang unternehmen und momentan ist noch unklar, wer in Zukunft für meine Stelle zuständig ist.

Erst als ich den Leiter der ZHAW-Bibliothek einschaltete, kam dann endlich Bewegung in die Sache. Dieser leitete meine Anfrage an den Rechtsdienst der ZHAW und ich erhielt am 26. August 2014 eine Information, dass eine summarische Grobbeurteilung ergeben habe, dass die Bearbeitung meines Gesuchs die Anhörung betroffener Dritter erfordere, sowie vertiefte Abklärungen zur Interessenabwägung notwendig mache. Gleichzeitig wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass die Erledigung meines Gesuches einer Gebührenpflicht unterstünde, welche voraussichtlich CHF 300 bis CHF 500 betragen würde. Nun gut, auch wenn alle anderen Universitäten und auch das Konsortium selber mir dankenswerterweise für ihre Antwort nichts berechneten, sah ich ein, dass eine Abklärung mit allen FHs einen gewissen Aufwand bedeutete und bestätigte mein Gesuch.

Auf meine telefonische Nachfrage am 10. Oktober beim Rechtsdienst der ZHAW, hiess es, man brauche wohl noch Zeit bis Ende Oktober mir eine Antwort zuzustellen. Leider wurde auch deutlich, dass man meine Anfrage so verstanden hatte, als sei ich nur an den Beiträgen der ZHAW interessiert. Auf meinen Einwand hin, dass man dafür doch nicht den Aufwand betreiben müsse, die anderen FH’s zu konsultieren, begründete der Rechtsdienst sein Vorgehen damit, dass selbst aus dem Betrag der ZHAW hervorgehen könnte, was die anderen FH’s zahlen, so dass deren Interessen auch tangiert seien. Die schriftliche Antwort bleibt gespannt abzuwarten.

Fazit: (Fast) keine Transparenz bei Closed Access

Auf 16 verschickte Gesuche zur Akteneinsicht, erhielt ich nur in einem Fall die gewünschte Information (die Antwort von der ZHAW ist noch ausstehend).

Ganz offensichtlich sind den Verantwortlichen der Schweizer Hochschulbibliotheken, mit Ausnahme von Lugano, die rein kommerziellem Interessen der grossen Verlage wichtiger, als die Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit. Zu dieser Öffentlichkeit gehören auch Wissenschaftler, denen man aufgrund dieser Intransparenz nicht verübeln kann, dass sie ihr Publikationsverhalten nur zögerlich auf Open Access umstellen. Ein anschauliches Beispiel ist die kürzlich im Journal der UZH geäusserte Kritik des Goldenen Weges von Mike S. Schäfer, Kommunikationswissenschaftler (u.a. mit Schwerpunkt Wissenschaftskommunikation) an der Universität Zürich:

Es gibt Zeitschriftenverlage, die nur gegen vierstellige Beträge bereit sind, Publikationen Open Access zur Verfügung zu stellen. Die öffentliche Hand zahlt dann im Namen des Öffentlichkeitsprinzips zweimal: erstens für die Förderung der Forschung, die zur Publikation führt, zweitens für die allen zugängliche Veröffentlichung. Ich halte dies für widersinnig.

Auf Nachfrage bestätigte mir Herr Schäfer, dass er keine Ahnung hat, was seine Universität aktuell für die Literaturversorgung bezahlt, aber er wäre daran interessiert.

Non-Disclosure Agreements nicht nötig

Ich kann gewissermassen nachvollziehen, dass man sich an die unterzeichneten Verträge mit Non-Disclosure Agreements halten möchte. Jedoch konnte mir bisher noch niemand erklären, warum man überhaupt an erster Stelle solche Geheimhaltungsklauseln wider dem in der Schweiz geltenden Öffentlichkeitsprinzip akzeptiert hat.

Bereits 2004 hat die International Coalition of Library Consortia (ICOLC), der auch das Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken angehört, darauf hingewiesen, dass keine Non-Disclosure Agreements unterzeichnet werden sollten:

Non-disclosure language should not be required for any licensing agreement, particularly language that would preclude library consortia from sharing pricing and other significant terms and conditions with other consortia

Die Association of Research Libraries (ARL) hat ihre Mitglieder im Jahre 2009 ebenfalls dazu aufgefordert keine Non-Disclosure Agreements zu unterzeichnen, da erkannt worden war, dass diese Vereinbarungen nicht notwendig und gar nachteilig für Bibliotheken sind.

Anderorts funktioniert es. So konnte ich mit einem Mail ohne Schwierigkeiten die Zahlungen der Cornell University Library an Elsevier, Wiley und Springer in Erfahrung bringen. Gemäss John Saylor, Associate University Librarian for Scholarly Resources and Special Collections:

I think it takes a little more time to negotiate the non-disclosure clause out of the contracts but I think it is worth it and I don’t believe we had to pay any more. Although I’m not really sure how to tell that.

Update 28. November 2014

ZHAW

Nach fünf Monaten ist nun auch die ablehnende Antwort der ZHAW eingetroffen. Obwohl ich in meiner Anfrage die Beträge aller FHs in Erfahrung bringen wollte, da es wahrscheinlich einen Vertrag für alle FHs gibt, teilt mir die ZHAW mit:

Von vornherein nicht Gegenstand des vorliegenden Einsichtsgesuches können Dokumente von anderen ausserkantonalen Fachhochschulen sein, da diese nicht dem IDG unterstehen und sich dort Verfahren und Umfang des Einsichtsrechtes nach den jeweiligen kantonalen Bestimmungen richtet.

Als Ablehnungsgrund erwähnt die ZHAW Vertraulichkeitsklauseln, deren expliziten Wortlaut aufgeführt wird:

Elsevier: “The Subscriber and its employees, officers, directors and agents will maintain as confidential and not disclose to any non-affiliated third party without Elsevier’s prior written consent or except as required by law the financial terms and commercial conditions of this Agreement.”
Springer: “Der Lizenzvertrag einschließlich dieser Allgemeinen Geschäftsbedingungen (zusammen die “vertrauliche Informationen”) ist streng vertraulich zu behandeln und darf nicht gegenüber Dritten offengelegt werden […]“
Wiley: “While negotiating this Agreement and during the Term thereafter, Wiley may provide the Licensee with certain information […], which is deemed confidential. For the purposes of this Agreement, Confidential Information is defined to include, but is not limited to, the terms and conditions oft his Agreement that have been negotiated, such as financial terms, the substance of all negotiations relating thereto [.. .]”.

Wie schon andere Hochschulen, schweigt sich auch ZHAW darüber aus, weshalb sie solche unötigen Vertraulichkeitsklauseln akzeptiert hat. Offenbar wurde nicht einmal der bei Elsevier gegebene Interpretationspielraum („except as required by law“) als Anlass genommen sich nun von diesen Klauseln zu distanzieren.

Empfehlung zur Offenlegung vom Genfer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (PPDT)

Deutlich weniger Verständnis für die Gewichtung solcher Vertraulichkeitsklauseln hat der Préposé cantonal à la protection des données et à la transparence (PPDT), Genève. In einer 9-seitigen Empfehlung wird der Universität Genf nahegelegt, die Bezahlungen an Elsevier, Springer und Wiley öffentlich zu machen. Der Genfer Datenschützer folgt der Argumentation des EDÖB im Falle Nestle/EPFL, wonach Vertraulichkeitsklauseln zwischen öffentlichen Institutionen und Privaten grundsätzlich problematisch sind, da sie den gesetzgeberischen Willen des Öffentlichkeitprinzips untergraben. Gemäss PPDT gilt dies insbesonders bei den Finanzen:

Le Préposé cantonal fait remarquer que la transparence des institutions publiques est particulièrement importante pour tout ce qui relève de la gestion financière des institutions qui concerne nombre de requêtes d’accès aux documents, ce domaine intéressant particulièrement la libre formation de l’opinion des citoyens sur la bonne gestion des institutions.

Die Universität Genf konnte zudem nicht überzeugend aufzeigen, weshalb in diesem Fall überhaupt eine Vertraulichkeitsklausel notwendig war:

Il [Préposé cantonal] souligne également qu’il ne suffit pas simplement que l’institution publique intéressée invoque l’une des exceptions prévue par la LIPAD pour pouvoir s’affranchir de l’obligation de donner accès aux documents. Encore faut-il développer les raisons pour lesquelles l’une des exceptions prévues par la loi est bien remplie, ce que l’Université de Genève n’a aucunement démontré. Un refus non justifié ne suffit donc pas.

Die Universität Genf hat nun zehn Tage Zeit mir mitzuteilen, ob sie der Empfehlung des PPDT nachkommen wird.

Es ist lobend zu erwähnen, dass das kleine Team des Genfer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten, dieses Dossier sehr effizient und kostenlos bearbeitet hat. Als Bürger und juristischer Laie ist das in Genf vorgesehene Verfahren ideal. Mehr noch. Da erkannt worden war, dass ich meine Anfrage auch bei anderen Hochschulen gestellt hatte, wurde durch den Genfer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten versucht, die gesetzliche Situation bezüglich Vertraulichkeitsklauseln und Öffentlichlichkeitsgesetz in anderen Kantonen zu erfassen. Dazu wurden die Mitglieder von privatim, die Vereinigung der schweizerischen Datenschutzbeauftragten angeschrieben und Auszüge von deren Antworten (AG, SO, FR, BS, ZG, TI, VD, VS) sind nun in der Empfehlung erwähnt.

Update 9. Dezember 2014

Der Rektor der Universität Genf teilt mit, dass die Universität der Empfehlung des Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten nicht nachkommen will und hält an der Ablehnung des Akteneinsichtsgesuches fest. Man möchte die vergangenen und laufenden Verträgen akzeptierte Vertaulichkeitsklausel einhalten, stellt aber für die nächsten Verhandlungen von Wiley, Springer und Elsevier eine Neubetrachtung in Aussicht.

Enfin, l’Université de Genève relève que si une réflexion sur le bien-fondé d’introduire de telles clauses de confidentialité dans le cadre des contrats signés par des institutions publiques avec les maisons d’édition s’impose, celle-ci doit se faire dans le cadre de la renégociation desdits contrats, mais ne saurait justifier une violation des engagements pris dans des contrats d’ores et déjà signés et entrés en vigueur. Dans cette perspective, l’Université de Genève relève que le contrat qui la lie à Wiley doit être renégocié en 2015 et les contrats avec Springer et Elsevier en 2016 : c’est probablement à cette occasion qu’il conviendra, en concertation avec l’ensemble des institutions suisses concernées, de réévaluer la situation et trouver de nouvelles solutions.

Update 24. Januar 2015

Universität Basel

Die Rekurskommission der Universität Basel kommt zur Entscheidung, dass die Universität Basel gemäss IDG nicht verpflichtet ist, der Öffentlichkeit die Lizenzpreise zugänglich zu machen und hat meinen Rekurs abgelehnt.

Für die Rekurskommission ausschlaggebend war, dass eine Offenlegung der Preise nicht im öffentlichen Interesse liegt, da dadurch die Verhandlungsposition der Universität Basel gefährdet würde:

Vorliegend ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Verletzung der Vertraulichkeitsklausel die Position der Universität Basel bei weiteren Verhandlungen mit den drei Verlagen für den Zeitraum ab 2016 stark erschweren würde. Zudem ist es keineswegs als unwahrscheinlich zu betrachten, dass es auch hinsichtlich der laufenden Verträge zu Schwierigkeiten kommen könnte. Zu denken ist dabei etwa, wie von der Rekursgegnerin zu Recht vorgebracht, an eine allfällige Einstellung von Leistungen oder allfällige Klagen wegen Vertragsverletzung. Es ist ohne weiteres nachvollziehbar, dass die Universität Basel solche Risiken nicht leichthin in Kauf nimmt, sondern die vertragliche Vertrauensvereinbarung bei der Interessenabwägung als höher gewichtet.

Die von mir skizzierten Möglichkeiten (Einzelkauf, Fernleihe, Repositorien anderer Universitäten, Autoren von Papers bezüglich Zustellung einer Kopie anfragen) im Falle des unrealistischen Szenarios künftig keinen Big-Deal mehr mit den drei Verlagen abschliessen zu können, erschien der Rekurskommission „in einem professionellen Betrieb wie der Universität Basel keineswegs realistisch und praktikabel“.

Die Rekurskommission sah allerdings keine Verletzung der privaten Interessen der Verlage:

Gemäss § 29 Abs. 3 IDG liegt ein privates Interesse vor, das der Information entgegensteht, wenn die Bekanntgabe von oder der Zugang zu Information den Schutz der Privatsphäre beeinträchtigen würde (lit. a), durch die Bekanntgabe von oder den Zugang zu Informationen Berufs-, Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisse offenbart oder Urheberrechte verletzt würden (Iit. b) oder die Bekanntgabe von oder der Zugang zu Informationen verlangt wird, die dem äffentlichen Organ von Dritten freiwillig mitgeteilt worden sind und es deren Geheimhaltung zugesichert hat (Iit. c).

Die erste Voraussetzung gemäss § 29 Abs. 3 lit. c IDG, wonach die Information von einer Privatperson mitgeteilt worden sein muss, liegt unbestrittenermassen vor. Weiter wird verlangt, dass die Information von einer Privatperson freiwillig mitgeteilt worden ist und das äffentliche Organ auf ausdrückliches Verlangen der Privatperson, welche die Information mitgeteilt hat, die Geheimhaltung zugesichert hat (BEAT RUDIN, a.a.O., N 52 zu § 29). Dass die Universität Basel den drei Verlagen die Geheimhaltung zugesichert hat, ist ebenfalls unbestritten. Hingegen ist die Freiwilligkeit der Mitteilung bestritten. Die Privatperson muss die Information freiwillig, d.h. weder aufgrund einer gesetzlichen oder (im Rahmen) einer vertraglichen Pflicht mitgeteilt haben (BEAT RUDIN, a.a.O., N 53 zu § 29). Da die Bekanntgabe von Preisen eine conditio sine qua non ist, um überhaupt einen Vertrag erfüllen zu kännen, da der Preis eine essentialia negotii ist, fehlt es an der geforderten Freiwilligkeit. Daran ändert nichts, dass die Vertragsverhandlungen zwischen Elsevier, Springer und Wiley bzw. dem Konsortium und der Universität Basel freiwillig, also ohne gesetzliche oder vertragliche Verpflichtungen, geführt wurden. Damit fehlt es an einer der drei kumulativen Voraussetzungen und die Universität Basel kann den Zugang zu den gewünschten Informationen nicht gestützt auf § 29 Abs. 3 lit. c IDG verweigern.

Erstaunlich ist hier, dass die Rekurskommission das Vorliegen von Geschäftsgeheimnisse (§ 29 Abs. 3 lit. b IDG) nicht geprüft hat. Dies obwohl sich die ursprüngliche Ablehnung der Universität Basel ja genau darauf bezog und nicht auf § 29 Abs. 3 lit. c IDG (Freiwillige Mitteilung mit Geheimhaltungszusicherung). Ist dies ein Versehen oder ist es für die Rekurskommission so eindeutig, dass es sich bei den Preisen nicht wie von den Verlagen und der Universität behauptet um Geschäftsgeheimnisse handeln kann, dass die ReKo dies nicht einmal mehr prüfen und erwähnen wollte?

Zur Frage ob der Medienerwerb der UB Basel unter die Ausnahmebestimmung § 2 Abs. 2 IDG (Teilnahme am Wettbewerb) falle, mochte sich die Rekurskomission nicht festlegen, da auch unabhängig davon – durch das Vorliegen von öffentlichen Interessen – die Universität nicht verpflichtet sei, die Daten offenzulegen.

Explizit als nicht relevant bezeichnete die Rekurskommission auch die Tatsache, dass andere Universitäten keine Vertraulichkeitsklauseln verwenden. Mein Einwand, die Vertraulichkeitsklauseln wären nicht nötig gewesen, wurde komplett ignoriert. Dies erstaunt, da doch gerade das Vorliegen von Vertraulichkeitsklauseln überhaupt das Risiko von Vertragsbrüchen und folglich das Risiko einer Gefährdung der Verhandlungsposition bei der gewünschten Offenlegung schafft. Wären in Basel keine Vertraulichkeitsklauseln unterzeichnet worden, läge bei einer Offenlegung auch keine Gefährdung der Verhandlungsposition vor.

Hier hätte meines Erachtes die Rekurskommission genauer hinschauen müssen, ob die Vertraulichkeitsklauseln überhaupt an erster Stelle notwendig bzw. zulässig waren? Denn die Begründung der Universität Basel für diese Klauseln ist und bleibt äusserst schwach:

Die Vertragsverhandlungen mit den drei Verlagen wurden von der Geschäftsstelle des Konsortiums geführt. Die Gründung des Konsortiums und das harte Verhandeln der Geschäftsstelle haben zu massgeblich vorteilhafteren Konditionen geführt. Teil dieser äusserst komplexen Gesamtverhandlungen bildete die Vertraulichkeitsklausel.

Update 20. Juli 2015

ETHZ, EPFL, Lib4RI & Konsortium

Nach gut einem Jahr seit Einreichung der Schlichtungsanträge liegt nun die Empfehlung des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) vor. Er empfiehlt den drei nationalen Institutionen ETH, EPFL und Lib4RI die Bezahlungen an Elsevier, Wiley und Springer offenzulegen und kommt somit zum gleichen Schluss wie der Genfer Öffentlichkeitsbeauftragte (PPDT).

In ihrer Ablehnung meiner Akteneinsichtsgesuche hatten sich die ETH-Bibliotheken auf zwei Ausnahmebestimmungen des BGÖ berufen. Einerseits würden durch die Offenlegung Geschäftsgeheimnisse der Verlage offenbart, was eine Wettbewerbsverzerrung zu Folge hätte und anderseits hat man den Verlagen Vertraulichkeit zugesichert. Der EDÖB ist der Ansicht, dass sich die ETH-Bibliotheken nicht auf diese Ausnahmebestimmungen berufen können.

Bezüglich Geschäftsgeheimnis:

Damit eine Unternehmensinformation ein schützenswertes Geheimnis darstellt, müssen kumulativ folgende vier Voraussetzungen vorliegen: Es besteht eine Beziehung der Information zum Unternehmen, die Information ist relativ unbekannt, der Geheimnisherr hat einen Geheimhaltungswillen (subjektives Geheimhaltungsinteresse) und es liegt ein berechtigtes Geheimhaltungsinteresse vor (objektives Geheimhaltungsinteresse).

Der Beauftragte bezweifelt, dass im Verlagswesen der wissenschaftlichen Publikationen überhaupt ein klassischer Wettbewerb zwischen den verschiedenen Anbietern im Sinne dieser Ausnahmebestimmung besteht. Vielmehr dominieren einige wenige grosse Verlagshäuser den Markt und bieten stark spezialisierte Publikationen an, zu denen es keine oder kaum eine Alternative gibt. Folglich haben interessierte Bibliotheken oft keine andere Wahl, als eine bestimmte Publikation eines bestimmten Verlags einzukaufen. Unter diesen Umständen kann kaum von einer Konkurrenzsituation gesprochen werden. Es ist daher nicht ohne weiteres klar, dass eine Offenlegung der Verträge zwischen den betroffenen Institutionen und den Verlagen zu einer Wettbewerbsverzerrung führen würde.

Informationen fallen nicht bereits deshalb unter das Geschäftsgeheimnis, weil ein Unternehmen ein subjektives Geheimhaltungssinteresse an bestimmten Informationen hat. Dieser Geheimhaltungswille muss auch objektiv berechtigt sein. Ein solches Interesse kann beispielsweise dann vorliegen, wenn es um Wissen in Bezug auf die Organisation, die Preisberechnung, die Vermarktung oder die Produktion geht. Es bezieht sich jedoch kaum je auf die Gesamtheit der im Vertrag enthaltenen Informationen. Insbesondere bei Verträgen zwischen Behörden und Privaten kann dies grundsätzlich nicht für die vereinbarten Gesamtbeträge gelten.

Bezüglich zugesicherter Vertraulichkeit:

Damit die Ausnahmebestimmung nach Art. 7 Abs. 1 Bst. h BGÖ zur Anwendung gelangt, müssen drei Tatbestandsvoraussetzungen kumulativ erfüllt sein. Die Information muss erstens von einer (Privat-)Person und nicht von einer Behörde stammen. Zweitens muss die Information freiwillig, d. h. ohne gesetzliche oder vertragliche Verpflichtung mitgeteilt worden sein. Drittens muss sich die Behörde verpflichtet haben, die Vertraulichkeit der betreffenden Information zu wahren.

Die Voraussetzung, wonach die Information von einer Privatperson stammen muss, ist vorliegend erfüllt. In Bezug auf die zweite Voraussetzung, die freiwillige Mitteilung der Information, ist der Beauftragte der Auffassung, dass nur schon die Tatsache, dass es im vorliegenden Fall vertragliche Beziehungen zwischen den betroffenen Dritten und den Behörden gibt, auch eine vertragliche Verpflichtung zum Austausch von entsprechenden Informationen impliziert. Sobald eine tatsächliche oder rechtliche Beziehung zwischen einer Behörde und einer Privatperson vorliegt, untersteht diese Beziehung grundsätzlich denselben Transparenzregeln, die auch für die Verwaltung gelten. Ansonsten könnten solche allgemeinen Vertraulichkeitsklauseln das Öffentlichkeitsgesetz über weite Strecken aushebeln, was nicht die Absicht des Gesetzgebers gewesen sein dürfte.

Erwähnenswert ist zudem die Auffassung des EDÖB, das Konsortium bei den Betrachtungen auszuklammern. Dies weil die dem Öffentlichkeitsgesetz unterstellten Behörden ebenfalls im Besitz sämtlicher verlangten Informationen sind.

Jede der drei Institutionen (ETH, EPFL und Lib4RI) entscheidet nun in den nächsten Wochen für sich, ob sie der Empfehlung des EDÖB folgen will. Wenn nicht, kann ich die weitere Ablehnung beim Bundesverwaltungsgericht anfechten.

Update 31. August 2015

ETH-Bibliothek

Die ETH-Bibliothek folgt der Empfehlung des EDÖB und schickt mir als erste der drei Bundesinstitutionen vor Ablauf der Frist ihre Bezahlungen an Elsevier, Springer und Wiley. Die Daten sind in der untenstehendend Tabelle verlinkt.

Für eine erste Analyse und Interpretation siehe Post: Zahlungen der ETH Zürich an Elsevier, Springer und Wiley nun öffentlich.

Update 6. September 2015

Lib4RI

Auch die Lib4RI folgt der Empfehlung des EDÖB und schickt mir ihre Bezahlungen an Elsevier, Springer und Wiley. Die Lib4RI ist die Bibliothek der vier selbstständigen Forschungsinstitutionen des ETH-Bereichs: EAWAG, EMPA, PSI und WSL.

Update 21. September 2015

EPFL (École Polytechnique Fédérale de Lausanne)

Mit etwas Verzögerung habe ich nun auch die Zahlen der EPFL erhalten.

Universität Bern

Die Erziehungsdirektion des Kantons Bern heisst meine Beschwerde gegen den die vorgängige Akteneinsichtsverweigerung der Universität Bern gut. Die Universität Bern wird angewiesen mir (eingeschränkt) Einsicht in die Verträge oder eine Zusammenstellung der Preise der Lizenzen zu geben.

Im 12-seitigen Entscheid anerkennt die Erziehungsdirektion, dass die Verträge tatsächlich Informationen über Wiley, Elsevier und Springer enthalten, welche als schützenswerte Geschäfts- und Fabrikationsgeheimnisse angesehen werden können und daher berechtigterweise geheim zu halten sind. Doch eine Zusammenstellung der Preise falle nicht darunter:

Preise alleine stellen noch kein Geschäftsgeheimnis dar. Sie stellen keinen internen betrieblichen Faktor dar wie Betriebsorganisation, Bezugsquellen, Absatzmöglichkeiten, Kundenkreis, allgemeine Geschäftslage oder sind genaue Angaben zur Geschäftsstrategie des Unternehmens, zu seiner Organisation, seinen Lieferanten, seinen Vertriebshändlern oder zur Preiskalkulation. Die Universität hat nicht belegt, dass aus den Preisen der Produkte auf die Preiskalkulation geschlossen werden kann. Dies ist auch nicht ersichtlich.

Update 30. Dezember 2015

Universität Bern

Am 12.11.2015 und erst nach erneuten Nachhaken meinerseits, folgte die Universität Bern der Weisung der vorgesetzen Erziehungsdirektion und lieferte mir die gewünschten Daten.

Eine ausführlichere Analyse habe ich in einem eigenen Post erstellt:

Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW)

Nach einjähriger Beurteilung befand die Rekurskommission der Zürcher Hochschulen am 10. Dezember 2015, dass die ZHAW ihre Zahlungen an Elsevier, Springer und Wiley mir zugänglich muss.

Auch die Zürcher Rekurskommission konnte dem Argument der ZHAW, die Offenlegung der Zahlungen wären nicht im öffentlichen Interesse, nichts abgewinnen:

Die Rekursgegnerin befürchtet, dass zukünftige Vertragsverhandlungen erschwert würden, wenn die Verlage wissen würden, dass die Preise offengelegt werden müssen. Sie ist der Meinung, dass tiefere Preise nicht mehr gewährt würden, wenn für die Verlage die Gefahr bestehe, dass diese durch Veröffentlichung allen potentiellen Verhandlungspartnern bekannt und die gleichen Bedingungen beansprucht würden. Diesen Überlegungen kann nicht gefolgt werden. Wie bereits erwähnt, haben sich die Hochschulbibliotheken zu einem grossen Teil zu einem Konsortium (KUB) zusammengeschlossen. So gehören dem KUB gemäss Angaben auf dessen Webseite alle kantonalen Universitäten, der ETH-Bereich, alle Fachhochschulen, mehrere Pädagogische Hochschulen, die Schweizerische Nationalbibliothek und weitere sekundäre Partner aus öffentlich finanzierten Einrichtungen in der Schweiz an.
Das KUB verhandelt dabei u.a. die Verträge für seine Mitglieder. Inwiefern das KUB für die Rekursgegnerin nun schlechtere Preise aushandeln könnte, nur weil deren Zahlen öffentlich sind, ist nicht nachvollziehbar, zumal aufgrund der bestehenden Marktsituation nicht von einem effektiven Wettbewerb ausgegangen werden kann. Die Tendenz dürfte ausserdem dahingehen, dass auch andere Hochschulen ihre Zahlen bzw. Preis offenlegen (müssen), eine SchlechtersteIlung der Rekursgegnerin bei zukünftigen Vertragsverhandlungen ist daher nicht sehr wahrscheinlich oder wird von der Rekursgegnerin zumindest nicht substantiiert dargelegt.

Wie bereits der EDÖB und die Erziehungsdirektion des Kt. Bern, stufte auch die Zürcher Rekurskomission die „nackten Zahlungen“ nicht als Geschäftsgeheimnisse der Verlage ein:

Es ist nicht ersichtlich und wird von der Rekursgegnerin sodann auch nicht substantiiert dargelegt, weshalb der Preis alleine ein Geschäftsgeheimnis sein sollte. Selbst wenn von einem Geschäftsgeheimnis ausgegangen werden müsste, käme es durch dessen Bekanntgabe zu keiner Wettbewerbsverzerrung, da nicht rechtsgenügend dargetan wurde, dass ein Wettbewerb überhaupt besteht.

Desweiteren hatte die Zürcher Rekurskommission – ganz im Gegensatz zum Entscheid der Basler Rekurskomission – den Mut das Offensichtliche festzustellen. Die ZHAW agiert nicht als Teilnehmerin im Wettbewerb und kann sich somit nicht über das gesuchte Schlupfloch § 2 Abs. 2 IDG dem Öffentlichkeitsprinzip enziehen:

Die Rekursgegnerin steht nicht offensichtlich in einem unmittelbaren Wettbewerb mit andern Marktteilnehmern. Wie nachfolgend aufzuzeigen ist, werden die verschiedenen Bibliotheken der Schweizerischen Hochschulen bei der Vertragsschliessung durch eine Lizenznehmerin vertreten, was eine direkte Konkurrenz mit diesen Bibliotheken unwahrscheinlich macht. Auch sind keine weiteren privaten Anbieter erkennbar, mit welchen die Rekursgegnerin in direktem wirtschaftlichem Wettbewerb stehen würde und gegenüber welchen die Rekursgegnerin benachteiligt wäre, wenn es zu einer Offenlegung der beantragten Informationen käme.

Ein Wermutstropfen für enthält der Entscheid allerdings trotzdem. Meine Hoffnung, mit meiner Anfrage bei an der ZHAW angesiedelten FH-Koordinationsstelle des Konsortium Schweizer Hochschulbibliotheken gleich alle Zahlungen von Schweizer FHs in Erfahrung zu bringen zu können wurde enttäuscht. Es müssen alle FHs einzeln angegangen werden:

Die Verträge mit Elsevier, Springer und Wiley wurden vom Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken (KUB) unterzeichnet. […] Dabei werden in den Verträgen die Mitgliederinstitutionen als „berechtigte Bibliotheken“ aufgelistet. Die vorliegend relevante berechtigte Bibliothek „Fachhochschulen“ wird nochmals vertreten durch die KFH Koordinationsstelle Konsortium (KFH), da der Bibliothek „Fachhochschulen“ 7 Fachhochschulen angehören: Berner Fachhochschule, Fachhochschule Ostschweiz, Haute ecoles specialisees de la Suisse occidentale, Fachhochschule Nordwestschweiz, Hochschule Luzern, Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana und Zürcher Fachhochschule. Der Zürcher Fachhochschule (ZFH) ihrerseits gehören neben der ZHAW auch die Pädagogische Hochschule Zürich sowie die Zürcher Hochschule der Künste an. Das heisst, dass die einzelnen Beiträge betreffend die ZHAW aus den Verträgen selbst nicht hervorgehen, sondern in der Zahl der ZFH bzw. der Zahl der „Fachhochschulen“ integriert sind.

[… ]

Aus dem Gesagten geht hervor, dass weder das KUB noch die KFH ermächtigt sind, die Daten der von ihnen vertretenen Hochschulen zu edieren. Bei den fraglichen Bibliotheken bzw. den Hochschulen, an welchen sie angesiedelt sind, handelt es sich um selbständige Rechtspersönlichkeiten, welche die Herrschaft über ihre Daten selber ausüben. Für die Herausgabe von Daten ist deshalb jede Bibliothek bzw. Hochschule einzeln anzugehen.

Universität Zürich (Hauptbibliothek)

Mit dem Entscheid der Rekurskommission der Zürcher Hochschulen bei der ZHAW bietet sich nun auch die Möglichkeit die Zahlen der Hauptbibliothek der Universität Zürich zu veröffentlichen. Aufgrund eines Missverständnisses während des entsprechenden Rekursverfahrens, hatte ich die gewünschten Daten gegen den Willen der Hauptblibliothek vor gut einem Jahr erhalten. Infolge zog ich meinen Rekurs gegen die Hauptbibiothek zurück und wartete geduldig auf den Ausgang des Rekurses gegen die ZHAW, der bei der gleichen Rekurskommission angesiedelt war.

Aus Gründen des Fair-Plays gegenüber der Rekurskommission und der Hauptbibliothek hatte ich bislang auf die naheliegende Publikation verzichtet. Da aber nun ein positiver Entscheid bei der ZHAW vorliegt und davon ausgegangen werden kann, dass die gleiche Rekurskommission unter Anwendung des Zürcher Gesetzes über die Information und den Datenschutz bei der Hauptbibliothek ähnlich entschieden hätte, ist es an der Zeit die Zahlen zu veröffentlichen.

Eine ausführliche Analyse zu den Zeitschriftenausgaben der Universität Zürich habe ich in einem eigenen Post erstellt:

Zahlungen der Universität Zürich (Hauptbibliothek)

Apropos. Gemäss meiner Aufassung, die ich inzwischen bei der zuständigen Baudirektion des Kanton Zürich bestätigen lassen habe, hätte die Universität Zürich die freihändige Vergabe der Zuschläge an die Verlage, welche allesamt über den definierten Schwellenwerte (> 230’000 CHF) liegen, gemäss §35 der Submissionsverordnung auf simap.ch deklarieren müssen.

Update 2. April 2016

Universität Genf

Am 23.02.2016 hiess das Genfer Verwaltungsgericht (Cour de Justice, Chambre adminstrative) meinen Rekurs vom 19.1.2015 mit dem Urteil ATA/154/2016 vollumfänglich gut.

Bezüglich Gültigkeit von Non-Disclosure Agreements spricht auch das Gericht eine deutliche Sprache:

En effet, l’université ne saurait se prévaloir des clauses de confidentialité figurant dans ces contrats, dès lors qu’elles ne sont pas absolues et réservent dans deux cas l’application de la loi, soit de dispositions légales imposant la communication de leur contenu, comme en matière de législation sur la transparence. En tout état de cause, de telles clauses ne sauraient faire échec à ce principe, sous peine de le vider de sa substance et de permettre aux parties à un contrat de choisir les informations qu’elles souhaitent divulguer, alors même que la LIPAD a pour but de renverser le principe du secret de l’administration pour faire primer celui de la transparence ; un tel mode de faire constituerait une fraude à la loi.

Zentralbibliothek Zürich

Am 18.1.2016 wurde auch mein Rekurs gegen die Zentralbibliothek Zürich gutgeheissen. Die zuständige Bibliothekskommission der ZB Zürich brauchte rekordverdächtige 18 Monate für den Entscheid. Zu meinem grossen Glück, holte sich die Bibliothekskommission, welche bezüglich Rekursverfahren und Öffentlichkeitsgesetz keine Erfahrung hatte, die Expertise des Zürcher IDG-Koordinator ein. Der Mitbericht gab der Bibliothekskommission die nötigen Schranken und Hilfestellungen für ihre Entscheidung. Letztlich stellte die Bibliothekskommission fest:

Die ZB Zürich steht nicht im Wettbewerb und kann sich nicht auf die Ausnahmeregelung im Zürcher Öffentlichkeitsgesetz berufen:

Ziel von § 2 Abs. 2 IDG ist es, öffentliche Organe, die ihre Leistungen in Konkurrenz mit anderen (meist privaten) Personen am Markt anbieten, nicht durch spezifische, auf den öffentlich-rechtlichen Sektor ausgerichtete Bestimmungen zu Informationszugang und Datenschutz so einzuschränken, dass allenfalls ein Wettbewerbsnachteil entstehen könnte […]. Damit ein Wettbewerb verzerrt werden kann, muss vorerst ein Wettbewerb überhaupt stattfinden. Das darf vorliegend bezweifelt werden. Die ZB sowie ein Grossteil der Bibliotheken der Schweizerischen Hochschulen werden bei der Vertragsschliessung (bei der ZB offenbar vor allem bei den elektronischen Medien) durch eine Lizenznehmerin, dem Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken (KUB), vertreten, was eine direkte Konkurrenz mit diesen vertretenen Bibliotheken unwahrscheinlich macht. Auch sind keine weiteren privaten Anbieter erkennbar, mit welchen die ZB in direktem wirtschaftlichem Wettbewerb stehen würde und gegenüber welchen die ZB benachteiligt wäre, wenn es zu einer Offenlegung der beantragten Informationen käme. Beim Medienerwerb tritt die ZB lediglich als Marktteilnehmerin bzw. Käuferin auf.

Die bezahlten Preise sind kein schützenswerte Geschäftsgeheimnisse:

Aus den Dokumenten, welche Christian Gutknecht bei einer Gutheissung seines Anliegens zugestellt würden, handelt es sich „lediglich“ um Beträge, die von der ZB über die Jahre 2010 – 2015 an die drei Verlage geflossen sind. Es sind weder Preiskonditionen, Rabatte, Organisationen oder allgemeine Bedingungen für Lizenzen ersichtlich. Auch Informationen über Kundenkreise oder Geschäftsstrategien sind nicht vorhanden. Damit ist höchst fraglich, ob ein objektives Geheimhaltungsinteresse betreffend den „nackten“ Preisen besteht. […]

Mit der Bekanntgabe der Preise alleine wird kein Geschäftsgeheimnis kundgetan. Wie bereits erwähnt, würde es der ZB obliegen aufzuzeigen, weshalb der „nackte“ Preis ein Geschäftsgeheimnis darstellt, welches nicht veröffentlicht werden kann. Und selbst wenn von einem Geschäftsgeheimnis ausgegangen werden müsste, käme es durch dessen Bekanntgabe zu keiner Wettbewerbsverzerrung, da nicht rechtsgenügend dargetan wurde, dass ein Wettbewerb überhaupt besteht.

Die Offenlegung der Preise führt nicht zu schlechteren Konditionen:

Inwiefern das [Konsortium] für die ZB nun schlechtere Preise aushandeln könnte, nur weil deren Zahlen öffentlich sind, ist nicht nachvollziehbar. Auch in diesem Bereich, in welchem die ZB nicht durch das [Konsortium] vertreten ist, bestehen keine begründeten Hinweise darauf, dass es zu einer SchlechtersteIlung bei Verhandlungen kommen könnte, zumal auf grund der bestehenden Marktsituation nicht von einem effektiven Wettbewerb ausgegangen werden kann.

Die Bibliothekskommission entschied:

Die Interessenabwägung ergibt demnach, dass keine überwiegenden öffentlichen und/ oder privaten Interessen im Sinne von § 23 Abs. 2 und 3 IDG vorliegen, die einer Veröffentlichung der von Christian Gutknecht beantragten Informationen entgegenstehen würden, allerdings nur in dem Umfang, wie sie vorliegen. Auch die vereinbarte Geheimhalteklausel, aus welcher klar ersichtlich ist, dass die Parteien eine Veröffentlichung nicht wollen, kann dem grundsätzlich voraussetzungslosen Zugang zu Informationen vorliegend nicht entgegenstehen.

Update 27. April 2016

Universität Genf

Die Universität Genf anerkennt das Urteil  (ATA/154/2016) des Cour de Justice und liefert mir nun endlich die seit langem gewünschten Zahlen.

Fachhochschulen: BFH und FHNW

Die Berner und die Nordwestschweizer Fachhochschulen liefern mir ihre Zahlen. Meine Anfrage habe ich inzwischen um ein paar Verlage erweitertet.

Universität Fribourg

Meine erneute Anfrage vom 1.3.2016 bei der Universität Fribourg wird trotz der bisherigen Entscheide weiterhin negativ beantwortet. Lediglich die Daten von Oxford University Press ist die BCU Fribourg bereit herauszugeben, da hier keine Vertraulichkeitsklauseln unterzeichnet worden sind. Nach einem Schlichtungsverfahren ohne Kompromisslösung, ist zurzeit die Öffentlichkeitsbeauftragte des Kanton FR daran eine Empfehlung zu schreiben.

Universität St. Gallen

Auch hier wurde meine erneute Anfrage vom 30.3.2016 mit den Argumenten (Teilnahme wirtschaftlicher Wettbewerb und Vorliegen von Geschäftsgeheimnissen) abgelehnt, obwohl gerade diesen Argumenten in den bisherigen Entscheiden nicht gefolgt werden konnte. Zurzeit warte ich auf noch auf eine offizielle Verfügung. Bleibt die Universität St. Gallen bei ihrer Ablehnung, geht der Rekurs gleich direkt zum kantonalen Verwaltungsgericht.

Université de Lausanne

Die Direktorin der Bibliothèque cantonale et universitaire BCU Lausanne zeigte sich von den bisherigen Entscheiden unbeeindruckt und wies mein erneutes Gesuch vom 1.3.2016 mit der faktisch gleichen Begründung wie von 2014 ab:

Je reprends la réponse que je vous avais donnée en 2014, suite à une discussion avec notre autorité de tutelle, le SERAC. A notre avis, la LInfo vaudoise, Chapitre IV art. 16 nous interdit vous transmettre ces chiffres, car le transfert de cette information lèserait le secret commercial (LInfo art. 16 $3c) ainsi que dans ce cas précis les relations avec d’autres entités publiques (LInfo art. 16$2d) au vu du fait que les ces licences sont contresignées par l’ETHZ pour le Consortium – et non par la BCU Lausanne. C’est particulièrement clair au vu du courrier de M. Neubauer que vous mentionnez et qui, pour autant que j’aie en tête, n’a jamais été démenti par l’ETHZ; je ne sais pas si les lois sur l’information des autres cantons sont semblables à la loi vaudoise, mai en l’occurrence, en ce qui nous concerne, l’art. 16§2d s’applique. En l’occurrence l’ETHZ peut vous donner ces chiffres, car c’est elle qui signe le contrat; mais nous ne pouvons pas vous les donner, comme nous léserions leurs intérêts.

Offenbar ist es der Direktorin der BCU Lausanne entgangen, dass inzwischen mehrere Instanzen festgehalten haben, dass die bezahlten Preise eben keine Geschäftsgeheimnisse der Verlage sind. Aber viel absurder ist natürlich der Versuch die Herausgabe weiterhin mit 16 Abs. 2d zu verhindern. Dieser Absatz ermöglicht einer Behörde ein Dokument geheimzuhalten, sofern durch die Veröffentlichung die Beziehung zu anderen öffentlichen Behörden gestört werden könnte. Die Behauptung, eine Veröffentlichung der eigenen Bezahlungen, würde das Verhältnis zur ETHZ stören, zeigt wie offenbar angespannt das Klima zurzeit im Konsortium ist.

Hier muss man vielleicht erklärend anmerken, dass der ehemalige ETH-Bibliotheksdirektor Neubauer, nach der initialen Veröffentlichung dieses Blogbeitrags mit den Zahlen der Università della Svizzera italiana, am 2.12.2014 eine Mail an Bibliotheksdirektorinnen der Schweiz geschickt hat, wo er ausdrücklich dazu auffordert, weitere Veröffentlichungen zu unterlassen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Hinsichtlich der Herausgabe bzw. Veröffentlichung von Details der Lizenzverträge mit Elsevier, Springer und Wiley möchte ich doch nochmals auf die reale Situation hinweisen, die bei dem einen oder anderen Akteur offensichtlich etwas aus dem Blick geraten ist.
Wir, d.h. das Konsortium (im Namen aller Konsortialteilnehmer) haben mit den genannten Verlagen Verträge abgeschlossen, in denen Geheimhaltungsklauseln enthalten sind. Aus Sicht des Konsortium binden uns diese Verträge ganz klar, womit es unserer Meinung nach nicht opportun ist, irgendwelche Lizenzierungsdetails zu veröffentlichen.

Diese vertragliche Situation kann man kritisieren, doch entbindet uns dies aus unserer Sicht nicht von der Verpflichtung, laufende Verträge einzuhalten. Es ist einigermassen überraschend zu sehen, wie locker das eine oder andere Konsortiumsmitglied bzw. dessen Trägereinrichtung mit diesem Faktum umgeht. In diesem Kontext ist es auch wenig hilfreich, wenn uns jetzt Mails von Konsortialmitgliedern erreichen, die daraufhinweisen, dass sie ja schon immer anderes agiert hätten; sie haben es aber nicht getan, sondern haben den Verhandlungsergebnissen zugestimmt.

Da wir bereits erste Erfahrungen mit den Reaktionen von Elsevier auf die Aktivitäten von Lugano erleben durften, kann ich nur alle Konsortialmitglieder darum bitten, die Vertragsbedingungen einzuhalten und keine Details öffentlich zu machen.

Es ist letztlich nicht auszuschliessen, dass vor allem Elsevier in unerfreulicher Weise reagieren wird; auch ein Auseinanderbrechen des Konsortiums würde ich in diesem Kontext nicht ausschliessen.

Beste Grüsse aus Zürich

Wolfram Neubauer

Dieses einschüchternde Mail hat offenbar bei der Direktorin der BCU Lausanne einen solchen Eindruck hinterlassen, dass sie ohne Widerruf dieser Ermahnung durch den ehemaligen ETH-Bibliotheksdirektor nicht mehr souverän handeln kann oder will. Dies obwohl der EDÖB bei seiner Empfehlung das Konsortium klar als nicht eigenständige juristische Entität vom Verfahren ausschloss, da letztlich die Datenhoheit bei den Konsortiumsmitgliedern liegt. Wären die Zahlen über das Konsortium mittels BGÖ rechtlich einforderbar, hätte ich dies natürlich längstens schon gemacht. Allerdings geht der rechtliche Weg eben genau über die eigenständigen Institutionen der Konsortiumsmitglieder. Dass die BCU Lausanne nun die Verantwortung an die ETHZ bzw. das Konsortium abschiebt – wo sie eben für die Herausgabe genau nicht liegt – hat schon kafkaeske Züge.

Auch im Kanton Waadt muss sich jetzt die Öffentlichkeitsbeauftragte um den Fall kümmern. Von der kürzlichen Ansage „Libraries Fight for Public, Not Commercial Interests“ von LIBER, bei der die Direktorin der BCU Lausanne als Vize-Präsidentin aktiv ist, bleibt bei der eigenen Institution offenbar wenig übrig.

Université de Neuchâtel

Meine erneute Anfrage bei der Universität Neuenburg ist ebenfalls schon seit längerem hängig.

Zwei Literaturhinweise

Kurze Zusammenfassung und (nicht mehr ganz aktueller Stand) der Verfahren:

  • Gutknecht, C (2016). In: 027.7 Zeitschrift für Bibliothekskultur 4,1. S. 26-32. DOI: 10.12685/027.7-4-1-103

Überblick über die Daten und finanzielles Umfeld in UK. Auch auf diesen Blog Beitrag wird verwiesen:

  • Lawson, S., Gray, J. & Mauri, M. (2016). Opening the Black Box of Scholarly Communication Funding: A Public Data Infrastructure for Financial Flows in Academic Publishing. Open Library of Humanities. 2(1), p.e10. DOI: 10.16995/olh.72

Update 29. April 2016

Universität Fribourg

Die Empfehlung der kantonalen Öffentlichkeitsbeauftragten des Kanton Freiburg spricht sich auch – inzwischen kaum mehr überraschend – für die Transparenz aus.

Update 19. Mai 2016

ZHB Luzern

Im November 2015 lehnten die Fraktionen CVP, FDP und SVP der vorliegende Entwurf eines Öffentlichkeitsgesetzes für den Kanton Luzern im Kantonsparlament ab. Mit viel Unverständnis über diesen Entscheid, nahm ich Kontakt mit Kantonsparlamentarier auf und schilderte die erlebte Situation, dass man im Kanton Luzern schon nicht einmal eine Antwort zu erwarten hätte, wenn man wissen möchte an welche Verlage die Luzerner Hochschulbibliothek Steuergelder ausgeben. Der Kantonsrat Adrian Bühler (CVP) zeigte Verständnis für mein Anliegen und fragte ebenfalls bei der ZHB Luzern an. Aber auch er, als gewählter Volksvertreter, erhielt keine Auskunft über die Zahlungen der Bibliothek an die Verlage. Immerhin habe ich nun nach fast zwei Jahren mit einer durch einen Kantonsrat unterstützten Anfrage, eine Antwort mit einer konkreten Ablehnungbegründung aus Luzern bekommen.

Université de Neuchâtel

Nach gut zweieinhalb Monaten interner Entscheidungszeit liefert mir die Universität Neuenburg, mal zur Abwechslung ohne vorhergehenden Rekrus ebenfalls die gewünschten Daten, welche sogar noch nach Disziplin unterschieden wurden.

Update 4. Juli 2016

ETH-Bibliothek

Bei einer zweiten Anfrage bezüglich Update für die Ausgaben an Elsevier, Springer und Wiley für das Jahre 2015 sowie zu Ausgaben an weitere 11 Grossverlage und den Ausgaben zu ArXiv verlangt die ETH-Bibliothek nun 4000 Franken Gebühren. Während das Schweizerische Öffentlichkeitsgesetz grundsätzlich Gebühren zulässt, stellt die Höhe hier natürlich schon den Grundsatz des Öffentlichkeitsprinzip in Frage.

Update 21. Juli 2016

Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg

Die Direktion für Erziehung, Kultur und Sport des Kantons Freiburg heisst meine Beschwerde gegen die Akteneinsichtsverweigerung der KUB Freiburg vollumfänglich gut. Sie bestätigt damit die bereits erfolgte Empfehlung der kantonalen Öffentlichkeitsbeauftragten die Zahlungen offenzulegen und verweist zusätzlich auf den Artikel 84 der Kantonsverfassung FR, wonach ein verfassungsmässiger Anspruch auf den Zugang zu den Ausgabenposten in der Staatsrechnung besteht.

Der stur verfochtenen Ansicht des KUB Direktors, dass die Ausgaben der Bibliothek Geschäftsgeheimnisse der Verlage seien, konnte auch die Erziehungsdirektion nicht folgen:

Selbst wenn der Beschwerdeführer dank seinen Branchenkenntnissen durch die Offenlegung bestimmte Rückschlüsse auf die Preisgestaltung der Verlage ziehen könnte, würde dieser Umstand eine Verweigerung oder Beschränkung des Zugangs nicht rechtfertigen. Ansonsten könnten kaum je aussagekräftige Ausgabenpositionen der Staatsrechnung offengelegt werden, was dem Transparenzgrundsatz von Voranschlag und Rechnung, welcher Art. 84 Abs. 1 KV und dem InfoG zu Grunde liegt, offensichtlich entgegen liefe.

Die Direktion für Erziehung bezweifelt ebenfalls, dass durch die Bekanntgabe der Ausgabenposten die nicht substanzierte Verhandlungsposition der KUB respektive des Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken massgeblich geschwächt oder gefährdet würde:

Da die betreffenden Zahlungen bereits von zahlreichen Hochschulbibliotheken [..] offengelegt worden sind, ist nicht anzunehmen, dass die zusätzliche Bekanntgabe der Freiburger Zahlungen einen signifikanten Einfluss auf die anstehenden Verhandlungen des Konsortiums hätten.

Update 10. Januar 2017

Universität St. Gallen

Obwohl das Gesetz in St. Gallen eine Beantwortung eines Einsichtsgesuches eine Dauer von 30 Tagen vorsieht, liess man sich in St. Gallen Zeit. Es dauerte sechs Monate bis mir die Universität St. Gallen für 150 Fr. eine Verfügung ausstellte, wonach sie die Einsicht in die Zahlungen an die Verlage teilweise verweigert und zudem einige Daten nur nach einer Zahlung von 3000 Franken offenlegen will. Wie sie auf diese Gebühren kommt, wollte mir die Universität zunächst explizit nicht mitteilen. Erst nachdem ich im Oktober 2016 eine Beschwerde beim Senatsausschuss eingereicht hatte, reichte die Universität eine zeitliche Aufwandschätzung nach. Auf welcher gesetztlichen Grundlage die Universität St. Gallen 100 Franken pro Stunde Aufwand verlangt, wurde nachwievor nicht dargelegt. Es scheint, als habe man sich am schlechten Beispiel der ETH-Bibliothek orientiert und dabei ganz ausser Acht gelassen, dass das Öffentlichkeitsgesetz in St. Gallen etwas anders ausgestaltet ist, als dasjenige beim Bund. Vermutlich kommt es auch daher, dass die Universität SG völlig unbelehrbar behauptet, dass das St. Galler Öffentlichkeitsgesetz sich nur auf Dokumente beziehe, welche nach dessen Einführung entstanden sind. Während dies beim Bundesgesetz tatsächlich (noch) so ist, hat man dies in St. Gallen gleich zu Beginn bewusst weggelassen. Der Rekurs beim Senatsauschuss läuft noch.

Fachhochschule Ostschweiz / Fachhochschule St. Gallen

Die Fachhochschule Ostschweiz  (FHO) wurde in Eile geschaffen, als der Bund bekannt gab, nur eine beschränkte Anzahl von Fachhochschulen zuzulassen. So schlossen sich die FH St. Gallen, die NTB Buchs, die HSR Rapperswil und die HTW Chur zu einem strategischen Verbund zusammen, dessen Vereinbarung als einzige Rechtsgrundlage bloss 11 Artikel umfasst. Die Teilhochschulen sollten weitgehende Autonomie behalten. Diese Struktur führt in der Praxis jedoch immer wieder zu Problemen und ist gelegentlich Anlass für politische Diskussionen. Hinsichtlich meinen Bemühungen die Zahlungen der FHO an die Verlage in Erfahrung zu bringen erwies sich diese ungenügend definierte Struktur ebenfalls als Stolperstein. Es dauerte diverse Mail- und Telefonwechsel bis mir der Direktor der FHO zumindest mal eine Zahl nennen konnte, welche die FHO pro Jahr an die Koordinationsstelle Konsortium der FHs bezahlte. Eine weitere Aufschlüsselung schien nicht vorhanden zu sein und der Direktor der FHO war nicht bereit auf weitere Fragen einzugehen. Als ich dann eine anfechtbare Verfügung verlangte, stellte der Direktor der FHO fest, dass er nicht verfügungsberichtigt sei und eine Rechtsgrundlage fehle.

Entsprechend fragte ich also bei den einzeln Teilhochschulen im Kt. SG direkt an. Die angeschriebenen Rektoren reagierten nicht. Stattdessen erhielt ich ein summarisches Schreiben des Direktors FHO, wonach die Teilhochschulen St. Gallen, Rapperswil und Buchs nicht dem St. Galler Öffentlichkeitsgesetz unterstellt wären:

Das Öffentlichkeitsgesetz findet u.E. keine Anwendung. Zwar sind die Fachhochschulen selbständig öffentlich-rechtliche Anstalten, aufgrund der interkantonalen bzw. internationalen Trägerschaft sind es jedoch keine selbständig öffentlich-rechtliche Anstalten des Kantons St.Gallen. Und selbst wenn das Öffentlichkeitsgesetz wendbar wäre, müssten ausschliesslich bereits existierende Zahlen herausgegeben werden, was vorliegend nicht der Fall ist.

In Folge pickte ich mir die FH St. Gallen raus und legte beim zuständigen Hochschulrat der FHS Beschwerde ein. Das verfahrensleitende Amt für Hochschulen liess mir dann ausrichten, das aufgrund der fehlenden Verfügungen der FHO und der FHS meine Beschwerde zunächst als „Rechtsverweigerungsbeschwerde“ behandelt wird. Sprich, zuerst muss überhaupt erstmals Zuständigkeit geklärt werden. Als Bürger darf man in der Ostschweiz offenbar nicht erwarten, dass dies die entsprechenden Ämter und Hochschulen selbständig tun.

BCU Lausanne

Selbst nach einer zweiten Anfrage im April 2016 wollte die BCU die Zahlungen, unter anderem mit Verweis auf die Gefährdung der Beziehung zur ETH-Zürich nicht herausrücken. Eine Schlichtung fand im September 2016 statt, wobei die BCU Lausanne an der Akteneinsichtsverweigerung festhielt. Die Öffentlichkeitsbeauftragte VD ist nun daran eine Empfehlung auszuarbeiten.

Bibliothek am Guisanplatz

Die Bibliothek am Guisanplatz (BiG) ist nach eigenen Angaben die Leitbibliothek der Bundesverwaltung und der Schweizer Armee. Meine Anfrage vom Mai 2016 nach den Ausgaben an grössere Verlage wurde nach über 2.5 Monaten durch den Stv. Chef Kommunikation des VBS beantwortet. So gab die BiG die direkten Zahlungen an Wiley, Springer und OUP bekannt und verwies zudem:

Die BiG bezieht nur wenige Lizenzen über das Konsortium der Hochschulbibliotheken. Von den von Ihnen genannten Verlagen ist nur einer betroffen. Nach Abklärungen mit dem Verlag verzichten wir darauf, die entsprechenden Daten herauszugeben. Wir halten uns an die Empfehlungen des Verlags und des Konsortiums und danken für Ihr Verständnis.

Als ich darauf hinwies, dass die Empfehlung des EDÖB betreffend ETH-Bereich, wohl wesentlich relevanter für die BiG sei, kam folgendes zurück:

Ja, wir haben von der Empfehlung des EDÖB Kenntnis genommen. Deshalb bestätigen wir gerne, was wir Ihnen bereits mitgeteilt haben. Mit nachgefragter ausdrücklicher Zustimmung des Verlages Taylor & Francis teilen wir hiermit den Namen dieser Firma mit, die in einem Konsortiallizenzvertrag mit der BiG steht. Die Vertragskonditionen dürfen gemäss Vertraulichkeitsklausel nicht an Dritte weitergeleitet werden. Das VBS verhält sich vertragskonform, getreu dem Geist des auch von unserem Land ratifizierten Wiener Übereinkommens über das Recht der Verträge, worin festgehalten wird, dass „die Grundsätze der freien Zustimmung und von Treu und Glauben sowie der Rechtsgrundsatz pacta sunt servanda allgemein anerkannt sind.“

Erst als ich ein Schlichtungsantrag beim EDÖB einreichte kam Bewegung in die Sache. Das Dossier gelangte zum Rechtsdienst des VBS. Dort schätze man die Situation endlich vernünftig ein und ich erhielt die Zahlungsdaten von T&F bevor es effektiv zu einer Schlichtung kam.

Universität Basel

Das Appellationsgericht Basel hat meinen Rekurs mit seinem Urteil vom 2. Dez 2016  überraschend abgelehnt und stützt den fragwürdigen Entscheid der Rekurskommission der Universität Basel. Demnach muss die Universität Basel ihre Zahlungen an die Verlage Elsevier, Springer und Wiley nicht offenlegen.

Obwohl das Gericht zu keinem Zeitpunkt Einsicht in die Verlagsverträge, die Vertraulichkeitsklauseln oder die Summen hatte, ist es davon überzeugt, dass die Universitätsbibliothek Basel besonders gute Konditionen bei den Verlagen hat, welche durch eine Offenlegung gefährdet wären:

Die Verlage haben der Universitätsbibliothek Basel bzw. dem Konsortium die bisherigen Lizenzpreise im Vertrauen auf vertragliche Geheimhaltungsklauseln gewährt. Es ist offensichtlich, dass ein ernsthaftes Risiko besteht, dass die Verlage der Universitätsbibliothek Basel (bzw. dem Konsortium) in Zukunft schlechtere Konditionen anbieten werden, wenn sie wissen, dass Mitglieder des Konsortiums zur Veröffentlichung der Informationen über die Lizenzpreise gezwungen werden und diese Informationen von allen übrigen Lizenznehmern verwendet werden können, um die Preise zu drücken. Zudem ist bereits der Umstand als solcher, dass diese Informationen trotz vertraglicher Geheimhaltungsklauseln veröffentlicht werden, geeignet, das Vertrauen der Verlage in das Konsortium zu erschüttern und damit essen Position in künftigen Verhandlungen zu schwächen. […]

Es ist zu bezweifeln, dass die Verlage im Falle der Transparenz bezüglich der mit dem Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken individuell ausgehandelten Preise noch Preisreduktionen im gleichen Umfang gewähren würden, weil in diesem Fall alle anderen Abnehmer eine analoge Preisgestaltung fordern könnten. Es ist zu befürchten, dass Transparenz hinsichtlich der Preisgestaltung nicht zu tieferen, sondern zu höheren Beschaffungskosten führen würde, weil die Ausübung der eigenen Marktmacht des Konsortiums nicht mehr im gleichen Umfang möglich wäre.

Somit ergibt sich für das Gericht ein überwiegend öffentliches Interesse die Zahlungen der Universität Basel geheim zu halten. Ebenfalls stellt das Gericht ein objektives Geheimhaltungsinteresse bei den Verlagen fest:

Wenn die von der Universitätsbibliothek bzw. dem Konsortium vereinbarten Lizenzpreise veröffentlicht würden, könnten diese Informationen ohne Weiteres von anderen Bibliotheken, Konsortien und auch Privaten dazu genutzt werden, in Verhandlungen mit den Verlagen zu versuchen, die von diesen angebotenen Preise zu drücken. Es ist augenscheinlich, dass dies für die Verlage mit dem ernsthaften Risiko verbunden wäre, dass ihre Preisgestaltung unter Druck käme und damit ihr geschäftlicher Erfolg in erheblichem Masse beeinträchtigt würde. Dies gesteht der Rekurrent ausdrücklich zu, wenn er ausführt, dass bei einer Veröffentlichung der Einkaufspreise der Bibliotheken die Möglichkeit geschaffen werde, Preise für standardisierte Produkte zu vergleichen und gegenüber den Verlagen günstige Konditionen einzufordern […]. Damit ist auch das objektive Geheimhaltungsinteresse gegeben und sind die Informationen über die Lizenzpreise als schützenswertes Geschäftsgeheimnis zu qualifizieren.

Zudem klassierte das Gericht die gewünschte Information als faktisch nicht anonymisierbare Personendaten. Aufgrund eines sehr strengen Datenschutzgesetzes in Basel, führt dies zur merkwürdigen Situation, dass die Universität die Daten auf Anfrage aus Datenschutzgründen nicht herausgeben kann (§ 20 IDG). Allerdings, würde sie die Daten selbständig kommunizieren, wäre der Datenschutz kein Problem (§ 21 IDG).

Update 1. Juni 2017

BCU Lausanne

Frau Muller-Zahnd, Öffentlichkeitsbeauftragte des Kt. Waadt empfahl der BCU Lausanne in ihrer Empfehlung vom 20.4.2017 die gewünschten Zahlungen offenzulegen. Auch sie kam zum Schluss dass es sich bei den gewünschten Information nicht um Geschäftsgheimnisse handelt. Sie kritisierte auch deutlich der Einsatz von Vertraulichkeitsklauseln, da diese gegen das eigentlich beabsichtigte Öffentlichkeitsprinzip verstossen:

La BCU ne saurait se prévaloir des clauses de confidentialité figurant dans les contrats concernés. De telles clauses ne sauraient faire échec au principe de la transparence prévue par la Llnfo, sous peine de le vider de sa substance et de permettre aux parties à un contrat de choisir les informations qu’elles souhaitent divulguer, alors même que la Llnfo a justement pour but de renverser le principe du secret de l’administration pour faire primer celui de la transparence. Un tel mode de faire constituerait une fraude à la loi (sur cette notion, cf. arrêt du Tribunal fédéral 2C_751/2014 du 23 février 2015 consid. 4.1, confirmant l’ATA/487/2014 du 24 juin 2014 consid. 3).

Die BCU folgte dieser Empfehlung und schickte mir ihre Zahlungen.

Update 13. August 2017

Universität Basel

Das Schweizerische Bundesgericht hält in seinem Urteil vom 5. Juli 2017 (1C_40/2017) das vorhergehende Urteil des Basler Appellationsgericht für haltbar. Damit werden die Zahlungen der Universität Basel an die drei Verlage Elsevier, Springer und Wiley bis auf weiteres nicht öffentlich sein.

Grundsätzlich beschäftigt sich das Bundesgericht mit Beschwerden von Bundes- und Verfassungsrecht. Bei kantonalem Recht – wie hier mit Bezug auf das Basler Öffentlichkeitsgesetz IDG – wird ein vorgehender Entscheid nur hinsichtlich Willkür angeschaut. Und für Willkür ist die Hürde sehr hoch (wenn auch nicht ganz unüberwindbar wie aktuell auch der Fall der Gemeinde Steinhausen zeigt). Denn willkürlich ist ein Entscheid nicht schon dann, wenn eine andere Lösung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre, sondern erst dann, wenn er offensichtlich unhaltbar ist, zur tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtssatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft.

Das Bundesgericht hat deshalb die Thematik nicht wirklich neu beurteilt (z.B. neue Beweise waren gar nicht erst nicht zugelassen), sondern hat „lediglich“ das Urteil des Appellationsgericht angeschaut und es für nachvollziehbar befunden:

Jedenfalls die privaten Interessen am Fortbestand der Vertraulichkeit der Lizenzpreise liegen auf der Hand (dazu RUDIN, a.a.O, § 29 Rz. 47 ff., der in Rz. 48 ausdrücklich die Geschäftsstrategie und die Preiskalkulation als Geschäftsgeheimnisse anspricht; ebenso für das Öffentlichkeitsgesetz des Bundes COTTIER/SCHWEIZER/WIDMER, in: Öffentlichkeitsgesetz, Stephan C. Brunner/Luzius Mader [Hrsg.], 2008, Art. 7 N. 43). Die Vorinstanz durfte diese in Anwendung des basel-städtischen Rechts – trotz kritischer Einschätzung des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten und abweichenden Entscheiden in andern Kantonen – ohne Willkür als Geschäftsgeheimnisse im Sinne von § 29 Abs. 3 lit. b IDG/BS ansehen. Es ist denn auch aktenkundig, dass die Verlage im kantonalen Verfahren auf der Vertraulichkeit der Lizenzpreise und des Nutzungsumfangs beharrt und auf die zentrale Bedeutung der Preiskalkulation für ihr Geschäftsmodell hingewiesen haben. Es erscheint auch nachvollziehbar, dass ein Verlag, der nicht allen Vertragspartnern dieselben Konditionen gewährt, ein Interesse an der Geheimhaltung der eigenen Rabattpolitik haben kann. Was die Konsequenzen eines grundlegenden Wechsels in der Beschaffungsstrategie der Universitätsbibliotheken wären, lässt sich – als in der Zukunft liegender Umstand – naturgemäss nicht mit Sicherheit voraussagen, doch können die von der Vorinstanz befürchteten, negativen Auswirkungen jedenfalls nicht ausgeschlossen werden, auch wenn der Beschwerdeführer gegenteiliger Auffassung ist.

Ich hatte bei meiner Beschwerde darauf gehofft, dass sich die Bundesrichter etwas vertiefter mit den Entscheiden aus den anderen Kantonen oder zumindest mit der eigenen Rechtsprechung (siehe beispielsweise Urteil 1C_50/2015 zu Beschaffungszahlungen des BBL) auseinandersetzen würden. Dort wird das Geschäftsgeheimnis weitaus differenzierter betrachtet. Rein bezahlte Preise fallen normalerweise nicht darunter. Auch der Basler Datenschützer Beat Rudin zeigt sich in der Berichterstattung zum Urteil in der Schweiz am Sonntag überrascht, dass das Bundesgericht in diesem Punkt nicht korrigierend eingewirkt hat.

Auch war das Bundesgericht nicht bereit, die Annahme der Rekurskommission, die Universität Basel hätte aktuell bei den Verlagen gute Konditionen, welche durch Transparenz gefährdet wären, zu hinterfragen.

Das Appellationsgericht weist ausserdem zurecht darauf hin, dass es in erster Linie Sache der Universitätsbibliothek ist, zu entscheiden, in welcher Weise sie den Zugang der Forschenden zu den relevanten wissenschaftlichen Publikationen gewährleisten will. Ihr steht in dieser Frage ein Ermessensspielraum zu, der von den Gerichten zu respektieren ist und nicht durch gegenläufige Offenlegungsentscheide hintertrieben werden darf. Wenn sich die Beschwerdegegnerin aber den Zugang zu den Publikationen der wissenschaftlichen Verlage durch den Erwerb von Lizenzen sicherstellen will, liegt es auch nahe, dass die vom Beschwerdeführer angestrebte Offenlegung der bezahlten Lizenzpreise ihre künftige Verhandlungsposition im Sinne von § 29 Abs. 2 lit. d IDG/BS beeinträchtigen könnte.

Vielmehr verlangte das Bundesgericht von mir, dass ich die finanziellen Vorteile von Open Access für die Forschenden und die Uni Basel hätte vorgängig beweisen sollen:

Ob bei der Interessenabwägung die Anliegen der Forschenden (wie vom Beschwerdeführer vertreten) mitzuberücksichtigen sind oder nicht (wie die Vorinstanz meint), braucht nicht vertieft erörtert zu werden, denn sachverhaltlich ist nicht erstellt, dass mittels des vom Beschwerdeführer angestrebten „Open Access“ die Veröffentlichung von wissenschaftlichen Arbeiten sowie der Zugriff auf solche besser und günstiger möglich wäre.

Dies ist nun wirklich absurd, da ja erst von mir gewünschte Transparenz der heutigen Zahlungen, überhaupt die Feststellung ermöglicht, ob Open Access günstiger und besser für die Öffentlichkeit und die Forschenden wäre.

Leider drückte sich das Bundesgericht im ganzen Urteil davor, das Interesse der Öffentlichkeit (bzw. der Steuerzahler) gebührend in die Interessensabwägung mit einzubeziehen. Immerhin anerkennt es die gesellschaftliche bzw. wissenschaftpolitischen Dimensionen:

Der Beschwerdeführer befürwortet einen freien Zugang aller Forschenden zu wissenschaftlichen Publikationen und weist darauf hin, dass auch verschiedene Behörden die heutige Situation als unbefriedigend erachten würden. Diese Ausführungen sind zwar geeignet, die Hintergründe seines Einsichtsgesuchs besser verständlich zu machen und erscheinen zum Teil durchaus einleuchtend. Sie sind für die rechtliche Beurteilung der Angelegenheit allerdings nicht direkt relevant. Selbst wenn man das Anliegen eines freien Zugangs der Wissenschaftsgemeinschaft zu den Forschungsergebnissen oder alternative Publikationssysteme als wünschbar erachten würde, handelte es sich dabei in erster Linie um gesellschaftliche, insb. wissenschaftspolitische Fragen, die nicht im Rahmen eines Justizverfahrens auf Zugang zu Informationen […] beantwortet werden können.

Insgesamt kommt das Bundesgericht zu folgendem Schluss:

Es ist somit jedenfalls vertretbar, ernsthafte private und öffentliche Interessen von einem gewissen Gewicht für die Verweigerung des Zugangs zur nachgesuchten Information zu bejahen; die Vorinstanz durfte diese ohne Willkür als überwiegend im Sinne von § 29 Abs. 1 IDG/BS erachten.

Das Urteil zeigt, dass sich das Bundesgericht bei kantonalen Angelegenheiten extrem zurückhält. Dabei wäre hier ein Eingreifen des Bundesgerichts hinsichtlich einer nationalen Regelung angebracht gewesen. Die Thematik übersteigt den kantonalen Rahmen, da in der Praxis die Beschaffung bei den drei Verlagen unlängst über gemeinsame nationale Konsortialverträge läuft und das Hochschulwesen nicht unwesentlich mit direkten und indirekten Bundesbeiträgen finanziert wird.

Ein wesentlicher Grund weshalb in Basel-Stadt das Appellationsgericht zu einer anderen Auslegung als der Rest der Schweiz gelangte, war auch eine spezielle Gegebenheit des Basler Öffentlichkeitsgesetzes, wonach Personendaten selbst bei überwiegendem öffentlichen Interesse nicht publik gemacht werden können. In seiner Stellungnahme an das Bundesgericht versteifte sich das Basler Appellationsgericht vor allem auf diese Sonderstellung.

Doch genau diese Sonderstellung könnte demnächst wegfallen. Im Juli 2017 hat der Regierungsrat dem Kantonsparlament Basel-Stadt einen Ratschlag (17.0998) zur Änderung des Öffentlichkeitgesetzes zu diesem Punkt überwiesen. Wird dieser Ratschlag durchkommen, würde sich die Beurteilung bei einem erneuten Anlauf durch die Instanzen sich nur noch auf die übliche Frage beschränken, ob dem Zugang überwiegende öffentliche und private Interessen entgegenstehen.

Durch die Erfahrungen in der übrigen Schweiz, dürfte es für die Universität Basel schwierig werden, weiterhin überzeugend zu behaupten die Offenlegung gefährde den Forschungsbetrieb oder ihre angeblichen besseren Konditionen.

Universität St. Gallen

Der Senatsausschuss der Universität St. Gallen hat meinen Rekurs am 28. Feb 2017 abgewiesen. Dem Entscheid sieht man die nicht vorhandene Unabhängigkeit zur Universität insofern an, als dass er die widersprüchlichen Argumente der Universität St. Gallen weder einordnet noch auflöst, sondern sogar noch erweitert. Der Entscheid wird nun durch den Universitätsrat überprüft. Der Schriftwechsel wurde im Juni 2017 abgeschlossen.

Fachhochschule St. Gallen

Auch bei der Fachhochschule St. Gallen bleibt der Widerstand zur Transparenz hoch. Der Hochschulrat behauptet in seinem Entscheid vom 29. Juni 2017,  man sei als interkantonale öffentlich-rechtliche Anstalt mit mehreren kantonalen Trägern (SG, AI, AR, TG) nicht dem Öffentlichkeitsgesetzes des Sitzkantons (SG) unterstellt. Dies wäre ja noch nachvollziehbar, wenn anstelle des st. gallischen Rechts, ein anderes kantonales Recht zur Anwendung bestimmt wird. Doch dem ist nicht so. Durch eine Auslegung einer angeblichen Lücke, kommt der Hochschulrat zum Schluss, es gelte kein Öffentlichkeitsgesetz für die FH St.Gallen. Dies wäre nun sehr eigenenartig. Entsprechend fechte ich den Entscheid nun bei der Rekurskommission der FH St. Gallen an. Der Verein Öffentlichkeitsgesetz.ch unterstützt mich freundlicherweise bei dem Weiterzug, in dem er die im Kt. St.Gallen besonders happigen Rekursgebühren übernimmt.

Siehe zusammenfassend auch die Berichterstattung über diesen Fall:

ETH Zürich

Die ETH-Bibliothek hielt bei der Schlichtungsverhandlung beim EDÖB vom 12. Mai 2017 an hohen Gebühren für weitere Zahlungsdaten fest. Es war offensichtlich, dass diese Gebühr mehr als persönlich motivierte Reaktion des ETH-Bibliotheksdirektors auf meinen Blogpost war, als sachlich begründet. Denn wie ist es möglich, dass die „grosse“ ETH-Bibliothek keine Übersicht über ihre Ausgaben an die 13 grössten Verlage hat und diese auf Anfrage erst aufwändig erstellen muss?

Allerdings können gemäss BGÖ tatsächlich Gebühren für Aufwände erhoben werden, so dass man als Bürger letztlich am kürzeren Hebel sitzt, wenn bei der anderen Seite die Sachlichkeit abhanden gekommen.

Letztlich stand am Ende der Schlichtung das Angebot, dass ich für eine inhaltlich reduzierte Anfrage noch 600 Franken zu bezahlen hätte, anstatt wie zuerst verlangt 4000 Fr. Da ich aber selbst diese 600 Fr. für die verlangten Daten als zuviel für mich als Privatperson erachte, habe ich beschlossen das Zugangsgesuch zurückzuziehen und auf die Überarbeitung der Gebührenregelung des BGÖ warten, welche im Parlament bereits die Empfehlung der beiden staatspolitischen Kommissionen erhalten hat.

Übersicht / Dokumente

Was bezahlen Schweizer Hochschulbibliotheken an Elsevier, Springer und Wiley? (10.8.2017)
Institution Gesuch Antwort Weitere Instanz Daten Berlin Declaration
Konsortium Gesuch Antwort Empfehlung EDÖB
Universität Basel Gesuch Antwort Entscheid Rekurskomission UniBas , Urteil Appellationsgericht BS VD.2015.20, Entscheid Bundesgericht 1C_40/2017 16.01.2007
Universität Bern Gesuch Antwort Entscheid Erziehungsdirektion Bern  Daten PDF 14.09.2007
Universität Freiburg Gesuch , 2. Gesuch Antwort, 2. Antwort Empfehlung ÖDSB , Entscheid EKSD  Daten XLSX 15.12.2008
Universität Genf Gesuch Antwort Empfehlung PPDT, Entscheid Rektor, Entscheid Cour de Justice (ATA/154/2016) Daten XLSX
Universität Lausanne Gesuch Antwort  Empfehlung PPDI Daten XLSX
Universität Luzern Gesuch 2014, Gesuch 2016  Antwort 09.09.2015
Universität Neuenburg Gesuch Antwort Daten XLSX
Universität St. Gallen Gesuch Antwort Entscheid Senatsausschuss UniSG Daten PDF (unvollständig) 02.06.2006
Universität Zürich – ZB Gesuch Antwort Mitbericht Koordinationsstelle IDG, Entscheid Bibliothekskommission  in Aufbereitung 12.11.2015
Universität Zürich – HBZ Gesuch Antwort  Entscheid Rekurskommission der Zürcher Hochschulen Daten PDF , Daten xls 15.12.2004
Università della Svizzera italiana Gesuch Antwort Daten
ETH Zürich Gesuch Antwort Empfehlung EDÖB Daten PDF / Daten XLSX 01.03.2006
EPF Lausanne Gesuch Antwort Empfehlung EDÖB  Daten XLS 05.01.2013
Lib4RI Gesuch Antwort Empfehlung EDÖB Daten PDF 2006-2013
ZHAW Gesuch Antwort Mitbericht Koordination IDG, Entscheid Rekurskomission der Zürcher Hochschulen Daten PDF 23.01.2006
SUPSI Antwort Daten PDF
FHO Antwort Entscheid  Hochschulrat der FHSG
Bibliothek am Guisanplatz Abschreibung EDÖB Daten XLSX
Swissmedic Antwort Daten PDF
SECO Antwort Daten PDF
Agroscope Antwort Daten PDF