Transparenz bei APC- und Subskriptionskosten in UK

Es müssen harte Zeiten für Stevan Harnard sein. Er, der sich immer vehement für eine Stärkung von Green OA eingesetzt hat, muss faktisch machtlos zusehen, wie die britischen Universitäten das vom RCUK erhaltene Geld (35 Mio Pfund für 2013-2015) für Gold und Hybrid OA verprassen.

What an utter, utter waste of UK research funds…

… kommentierte er kürzlich den Compliance Report der London School of Economics and Political Science, worin steht, dass die LSE 62’862 Pfund für 73 Artikel bezahlt hat. Nach und nach veröffentlichen nun britische Universitäten Reports (Übersicht), für welche Artikel sie Geld ausgegeben haben und wie sie die OA-Anforderungen von RCUK erfüllen konnten.

Liest man die Reports, kommt man nicht umhin festzustellen, dass sich enorm viel Positives Richtung OA getan hat und UK sich zweifellos Leader der OA-Bewegung nennen darf. Wie aber Harnad zurecht anmerkt ist der Preis den UK dafür zahlt ebenfalls Weltspitze und absehbar nicht nachhaltig. Jedenfalls wenn man weiterfährt Gold OA und das Subskriptionsmodell getrennt zu halten. Unter den Stichwörtern „Offsetting“ und „Total Cost of Ownership“ scheint sich aber nun einiges zu bewegen, wie man dem Jisc Evidence Report entnehmen kann:

Many publishers are working with Jisc to develop offsetting models that limit the total cost of ownership of journals for institutions, at a time when they are paying APCs and subscriptions. However, not all publishers have perhaps shown that they recognise the importance of this to their customers.

Grosser Vorteil hat UK nun dadurch, dass für Gold OA schon mal eine Vorauszahlung gemacht wurde und nun die Verlage mit soliden Zahlen konfrontiert werden können.

Dazu passt es, dass in UK gerade auch Transparenz über die Subskriptionen geschaffen wurde. Stuart Lawson und Ben Meghreblian haben den Ansatz von Timothy Gowers systematisch erweitert. Sie haben bei 100 britischen Universitäten Informationen zu Bezahlungen von mehreren Verlagen und mehreren Jahren verlangt. Herausgekommen ist eine erstaunlich vollständige Liste, die sicherlich noch viel zu reden und analysieren geben wird: http://dx.doi.org/10.6084/m9.figshare.1186832

Update 30.10.2014

Eine kurze Analyse der Subkriptionsdaten ist nun in THE: Times Higher Education erschienen: Spending on subscriptions to journals rises by up to 50%

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DFG fördert Informationsinfrastrukturen für Forschungsdaten

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert in ihrer ersten Ausschreibung  zum Thema Forschungsdaten 27 Projekte mit einem Fördervolumen von insgesamt 9,9 Millionen Euro. Auszug aus der Pressemitteilung:

„In den nun anlaufenden Vorhaben sollen in enger Zusammenarbeit mit den wissenschaftlichen Fachgebieten deren spezifische Anforderungen an das Datenmanagement aufgegriffen und mithilfe informationsfachlicher Methoden Systeme zur Speicherung, Referenzierung und Nachnutzbarkeit von Forschungsdaten aufgebaut werden. Ziel ist die Etablierung bedarfsgerechter und nachhaltiger Informationsdienstleistungen, die helfen, mittels standardisierter Methoden langfristig den Zugang zu Forschungsdaten zu ermöglichen.“

Eine Übersicht (PDF) der bewilligten Anträge gibt einen lesenswerten Überblick über die Vielfalt der Projekte. Eine Visualisierung der Projektbeschreibungen deutet die „Buzzwords“ der Projekte an (und zeigt die Schwächen von Wordle):

Einen Überblick über aktuelle Projekte und Initiativen rund um das Thema bieten die Folien des JISC MRD International Workshop aus dem März.

In diesem Kontext auch der Hinweis auf die Mailingliste „Umgang mit Forschungsdaten“ auf der diese und andere Entwicklungen kommuniziert und diskutiert werden können.

Knowledge Exchange: Reports zu Open Access

Im Rahmen der „Knowledge Exchange“ Initiative wurden zwei interessante Reports zu Open Access veröffentlicht:

Friend, F.: Impact of Open Access outside European universities. Knowledge Exchange, 2010. Online.

This briefing paper explores the impact of open access upon potential users of research outputs outside the walls of research-led European universities, where the economic value of open access may be even greater than the academic value within universities. The potential impact of open access is understood in many communities but requires a greater volume of open access content to be available for the full potential to be realised. More open access content will become available as the opportunities in open, internet-based digital scholarship are understood.

Ware, M.: Submission Fees – A tool in the transition to Open Access?. Knowledge Exchange, 2010. Online.

Based on the interviews and the modelling in the study one model in particular is regarded as the most suitable way to meet the current requirements (i.e. to strengthen open access to research publications). In this model authors pay a submission fee plus an Article Processing Fee and the article is subsequently made available in open access. Both fees are set at levels that balance acceptability with the author community with securing a meaningful mix of revenues for the Publisher.

Knowledge Exchange ist eine Netzwerk von vier europäischen Förderern: Denmark’s Electronic Research Library (DEFF), Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Joint Information Systems Committee (JISC) und  SURFfoundation.

Forschen in virtuellen Umgebungen

Zwei aktuelle Studien widmen sich den technischen und organisatorischen Dimensionen virtueller Forschungsumgebungen.

Ende Januar veröffentlichte das britische Joint Information Systems Committee (JISC) seine „Virtual Research Environment Collaborative Landscape Study“ [1]:

The VRE Landscape Study aimed to investigate international developments in Virtual Research Communities (VRCs) and to evaluate them in relation to the activities in the JISC’s VRE programme. The study examined programmes in a number of key countries along with significantprojects and communities as well as some countries where developments on this front are just beginning. There has been a great deal of activity over the past few years in terms of prototype and demonstration systems moving into the mainstream of research practice. Notable trends areemerging as researchers increasingly apply collaborative systems to everyday research tasks.

Die Studie „Collaboratories: Connecting Researchers“ [2], die die niederländische SURFfoundation im April publizierte hat einen ähnlichen Fokus:

The report Collaboratories: Connecting Researchers compares eight software systems, evaluates the experience gained in twelve Dutch projects, and gives an overview of international trends. The report provides a more solid basis for providing facilities for the research community. It offers insights into the selection, construction, and use of online research collaboratories.

Die JISC-Studie betont die kulturelle Dimension virtueller Forschungsumgebungen und beschreibt das Potenzial kollaborativer Plattformen, die den gesamten Forschungsprozess begleiten.

Die SURF-Studie, welche acht Software-Lösungen und zwölf niederländische Projekte analysiert, kommt zum selben Schluss:

One thing that has become very clear in the course of this study is that ‘software’, though important, is not the crucial issue. It may ultimately be more about the question of ‘how to deal with differences’ – in applications, needs, tools, and software. And about the ambition and ability to tackle that question.

Quellen:

[1] Carusi, Annamaria; Reimer, Torsten: Virtual Research Environment Collaborative Landscape Study. JISC, 2010.

[2] Van der Vaart, Lilian: Collaboratories: Connecting Researchers. How to facilitate choice, design and uptake of online research collaboratories. SURFfoundation, 2010.