Niederlande: Transparenz von Subskriptionskosten

In den Niederlanden sind nun die Ausgaben der Universitäten an die grossen Verlage, nach Anfragen von Amos Keestra ebenfalls offengelegt worden:

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Subskriptionsausgaben der niederländischen Universitäten an die grossen Verlage im Jahre 2015. (Daten als Excel)

Hängig sind noch zusätzliche Anfragen von Leo Waaijers, bei denen es um Einsicht in die (Offsetting)-Verträge geht. SpringerNature und und Elsevier versuchen diese Offenlegung vor Gericht zu verhindern. Ein Entscheid wird im Januar erwartet.

Massenrücktritt des Editorial Board beim Elsevier Journal Lingua

Die klare Haltung gegenüber Elsevier verbunden mit einer Kommunikationsstrategie der Niederländer zeigt Wirkung. Das gesamte Editorial Board hat vergangene Woche den Rücktritt aus dem von Elsevier geführten Journal Lingua gegeben. Die Editoren werden ein neues Open Access Journal mit dem Namen Glossa bei Ubiquity Press starten.

Ankündigung von Johan Rooryck auf Facebook, 27.19.2015Elsevier bedauert den Abgang offenbar, will aber Lingua weiterführen.Ling OA

Bereits im Oktober wurde zusammen mit der OLH die Initiative LingOA bekannt gegeben. LingOA will den Transformationsprozess in der überschaubaren Disziplin Linguistik von ca. 26’000 Forschenden fördern. Weitere Journals sollen bald OA werden:

Dabei verfolgt LingOA den Grundsatz „Fair Open Access“ (Bezeichnung angelehnt an Fair Trade Label):

  • The editorial board owns the title of the journals.
  • The author owns the copyright of his articles, and a CC-BY license applies.
  • All articles are published in Full Open Access (no subscriptions, no ‘double dipping’).
  • Article processing charges (APCs) are low (around 400 euros),
    transparent, and in proportion to the work carried out by the publisher.

Wie Gerard Meijer, Präsident der Universität Nijmegen und Leiter der Elsevier Verhandlungen in einem Interview ankündigte, sind weitere Rücktritte aus Editorial Boards von Elsevier Journals nicht auszuschliessen, sofern Elsevier den Forderungen für mehr OA der Niederländer nicht nachkommen will:

Beim Boykott muss man verschiedene Ebenen unterscheiden: Einige hochkarätige Wissenschafter sind in Editorial oder Advisory Boards von Elsevier-Journals. Wir haben sie gefragt, ob sie bereit wären, zurückzutreten, wenn wir zu keinem Abkommen finden. An der Radboud-Universität Nijmegen haben 80 Prozent gesagt, dass sie zurücktreten würden. In den Niederlanden sind es im Schnitt mehr als 60 Prozent. Wir haben auch gefragt, wer noch Review-Tätigkeiten für Elsevier machen würde – fast keiner. Wissenschafter könnten weiterhin in Elsevier-Journals veröffentlichen, aber jeder muss bedenken, ob das der richtige Weg ist. Wie viele das tun würden, haben wir noch nicht erhoben.

Update 5.11.2015

Elsevier hat sich nun noch ganz öffentlich zum Rücktritt des Editorial Board geäussert um Missverständnisse auszuräumen. Wie Martin Eve in seinem Kommentar dazu zeigt, unterliegt Elsevier dabei selber einigen Missverständnissen.

Open Access Priorität der EU-Ratspräsidentschaft 2016

Gute Nachrichten zu Beginn der aktuellen Open Access Week. Die Niederländer übernehmen ab Januar 2016 für ein halbes Jahr die EU-Ratspräsidentschaft. Die Chancen stehen gut, dass der aktuelle Drive in NL bezüglich Open Access („Going Dutch„) auch in der EU Politik Niederschlag findet. Die League of European Research Universities (LERU) hat im Vorfeld ein vierseitiges Statement Christmas is over. Research funding should go to research, not to publishers! verfasst um dem Nachdruck zu verleihen.

Das Statement beinhaltet u.a. das „Offsetting“, also das Verrechnen von Subskriptionskosten mit OA Article Processing Charges (APCs):

LERU calls on all stakeholders in the publishing process – researchers, research funders, universities, publishers, libraries and national governments – to convene together in a summit to tackle the issues of Business Models for Open Access publishing and embargo periods for Green OA. LERU recognises the importance of reaching clarity on these issues. LERU notes that some publishers have adopted new Business Models which enable universities and their libraries to offset APCs against subscription costs. This in effect lessens the danger that universities will pay twice for the same content – once for the subscription and once for an APC.

LERU calls on all stakeholders to discuss such offsetting models and to identify principles by which such offsetting agreements can be reached between universities, procurement bodies, and publishers. The following issues should be included in future discussions and agreements:

  • The existing spend of a customer (or a consortium) should be taken as a starting point in negotiations;
  • The customer can use the current spending level to “offset” against payment for APCs for journal articles in hybrid journals;
  • As part of any agreement, publishers should permit all papers published by university researchers taking up the deal to be made Open Access for no extra charge.

Das Statement fand bei Carlos Modeas (EU-Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation) und Sander Dekker (Niederländischer Staatssekretär für Bildung, Kultur und Wissenschaft) grossen Anklang.

Dekker bestätigte, dass Open Access eine Priorität für die ab Januar 2016 beginnende EU-Ratspräsidentschaft sein wird:

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Sander Dekker

I support the initiative of the League of European Research Universities to join forces towards Open Access in research. Dutch universities already show the importance of organising themselves in the negotiations with publishers. That way they can successfully stand their ground towards publishers. In addition Dutch universities are even prepared to not sign new contracts if needed. The fact that all LERU members now let go of the old subscription-based models with big deals and clearly choose for models based on Open Access perfectly fits with the Dutch Open Science policy. In this policy results of publicly funded research must be available free of charge for everyone. This will be a priority during the Dutch Presidency of the EU in the first semester of 2016.

Gewiss, die über zehn jährige Geschichte von OA lehrt uns, dass man gut tönende Ankündigungen erst an der eingetretenen Praxis messen muss. Zu oft werden die in der Berliner Erklärung und anderen Open-Policies bekräftigen Ziele in der Praxis verraten. Ohne OA einzufordern, wird trotzdem immer wieder den grossen Subskriptionsverlage Geld hinterhergeworfen wird. Siehe z.B. Schweizer Nationallizenzen-Projekt oder Springer-Deal Baden-Württemberg.

Nun mit Dekker könnte das tatsächlich anders laufen. Dekker weiss um was es bei OA geht, hat den Mut zu handeln und hat mit seinem Land einen pragmatischen Weg aufzeigt, wie OA schneller zu erreichen ist. Die bisher abgeschlossenden „OA-Big-Deals“ haben dabei das gewisse „wir wollen das auch“ und haben gute Chancen zum Selbstläufer zu werden.

Mit Elsevier als grösster Verlag ist freilich noch keine Lösung gefunden. Kommt von Elsevier bis Ende Jahr kein Angebot, welches der Forderung nach OA genügend Rechnung trägt, so werden niederländischen Universitäten die Verträge nicht erneuern. Sollte es soweit kommen, befinden sich die Niederländer mit ihrem mutigen Staatssekretär und dem Vorsitz im Rat der Europäischen Union jedoch in einer hervorragenden Position, um für einen europaweiten Boykott zu weibeln.

Zukunftsweisende Vereinbarung zwischen niederländischen Universitäten und Springer

Der erste Open Access Newsletter der VSNU ist erschienen.

Mit minimalen Zusatzkosten schnell zu Gold OA bei etablierten Journals. Die Niederländer haben dies bei Springer erreicht:

Negotiations with Springer have yielded an agreement in principle for 2015 and 2016. Instead of a paid subscription model, the publisher will now charge for the open access publication of articles in almost all Springer journals (1,500 titles). This concerns all articles by corresponding authors from institutions currently entering into the new agreement with Springer. Researchers will not have to pay APC’s for these articles. All journals previously featured in the portfolio will remain accessible to Dutch researchers, who will continue to enjoy current user rights. This agreement will result in a minimal rise in costs, reflecting a win – win situation for the Dutch scientific community: no APC’s will apply for the 1,500 journals in questions!

Elsevier tut sich schwerer und kriegt trotzdem noch ein Jahr Schonfrist:

Elsevier submitted a new proposal to the VSNU negotiation team. This proposal is currently being assessed, and the negotiation teams are arranging new talks. The existing contract with Elsevier was extended by a period of one year.


Elsevier Verhandlungen in den Niederlanden gescheitert

Die Vereinigung niederländischer Universitäten (VSNU) hat bekanntgegeben, dass die Verhandlungen für einen Big-Deal ab 2015 gescheitert sind. Nun werden schon mal die Forschenden eingestimmt:

It is now clear that the negotiations with Elsevier have reached an impasse. During several round of talks, no offer was made which would have led to a real, and much needed, transition to open access. Moreover, Elsevier has failed to deliver an offer that would keep the rising costs of library subscriptions at acceptable levels.

Dutch universities and the University Medical Centres cannot accept the offer by Elsevier at this point in time. We are open to renew negotiations as soon as an acceptable offer is put on the table. In the meantime, universities will prepare for the possible consequences of an expiration of journal subscriptions. In case this happens researchers will still be able to publish in Elsevier journals. They will also have access to back issues of these journals. New issues of Elsevier journals as of 1-1-2015 will not be accessible anymore. Universities will explore solutions to this problem.

Die Verhandlungen waren offenbar direkt bei den Universitätsdirektoren angesiedelt.

Mal schauen, ob bis Ende 2014 noch ein Angebot von Elsevier kommt. Es ist nicht unüblich, dass solche Deals ganz knapp vor Jahresende geschlossen werden. Aus der Sicht eines Aktionärs, wäre es ja sehr schade, wenn es im Ursprungsland von Elsevier künftig keinen Big Deal mehr gäbe.

Für Open Access ist es eine tolle Nachricht!

Update: 17.12.2014

Elsevier hat noch ein neues Angebot abgegeben und die Subskriptionen werden noch um ein Jahr verlängert.