BMBF-Thesenpapier zum zukünftigen Internet

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat im Rahmen der Konferenz „Zukünftiges Internet“ (Berlin, 05.07 -06.07.2011) eine Thesenpapier (PDF) zum zukünftigen Internet veröffentlicht. Das Papier umfasst zehn Thesen, die aus Sicht des Ministeriums zentrale Punkte bei der Entwicklung des Internets aufgreifen. Einen Bericht zur Konferenz von Richard Sietmann findet sich auf heise online.

Für mich etwas überraschend findet die Bedeutung des Internets für Forschung und Lehre keine eigenständige Betrachtung in den BMBF-Thesen. Wer sich jedoch einen Überblick über Stand und Entwicklung der digitalen und vernetzten Forschung in Deutschland machen will, kann sich durch den jetzt erschienen Tagungsband (PDF) der Konferenz „Digitale Wissenschaft 2010“ klicken, den wisspub-Kollege Cornelius Puschmann mit herausgegeben hat.

In 28 Beiträge von 61 Autorinnen und Autoren werden auf 210 Seiten die Themenfelder „Digital Humanities“, „Wissenschaftskommunikation und Web 2.0“, „E-Science und Forschungsdatenmanagement“ sowie „Elektronisches Publizieren und Open Access“ behandelt. (Disclosure: Auch ein Beitrag von mir ist enthalten.)

Klick in den Elsevier Webshop

Vor einigen Tagen habe ich mich zufällig in den Webshop von Elsevier geklickt. Mit diesem Angebot zeigt der Verlag die Möglichkeiten der Zweitverwertung seiner Inhalte auf illustrative Weise. Autoren haben dort u.a. die Möglichkeiten all ihre bei Elsevier publizierten Artikel in einem personalisierten Buch zusammenzustellen oder einen Artikel als Poster zu erwerben.

Zur Dekoration weißer Bürowände kann für 34,95 Euro ein „Certificate of publication“, im dunkelbraunen Holzrahmen bestellt werden.

Darüber hinaus bietet der Verlag über den Webshop verschiedene Dienste, u.a. einen „Illustration Service“, der triste Tabellen visuell aufbereitet  und „English Language Editing“, bei dem  Manuskripte von Muttersprachlern grammatikalisch aufbereitet werden.

LINKE fordert unabdingbares Zweitveröffentlichungsrecht

Nachdem die SPD im März bereits einen Gesetzentwurf für eine Zweitveröffentlichungsrecht in den Bundestag eingebracht hat, widmet sich die Linksfraktion nun in einem eigenen Antrag (17/5479) dem Thema. Unter dem Titel „Wissenschaftliche Urheberinnen und Urheber stärken – Unabdingbares Zweitveröffentlichungsrecht einführen“ fordert die LINKE die gesetzliche Verankerung von Open Access. Nach den Vorstellungen der LINKE soll das Zweitveröffentlichungsrecht folgende Bedingungen berücksichtigen:

  • „Das Recht erstreckt sich auf alle wissenschaftlichen Publikationen, die überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert worden sind.“
  • „Eine Zweitveröffentlichung wird nicht nur in nichtkommerziellen, sondern auch in kommerziellen Publikationen ermöglicht.“
  • „Die Sperrfrist, nach der das Zweitverwertungsrecht in Anspruch genommen werden kann, beträgt höchstens sechs Monate.“
  • „Das Recht gilt auch für eine formatgleiche Zweitveröffentlichung, deren Ursprung in der Erstveröffentlichung jedoch anzugeben ist.“
  • „Vertragliche Vereinbarungen, die das Zweitveröffentlichungsrecht einschränken, sind unwirksam.“

Der Bundestag hat dazu eine kurze Meldung veröffentlicht.

SCOAP3: Start der operativen Phase

Das Sponsoring Consortium for Open Access Publishing in Particle Physics (SCOAP3) geht in die operative Phase. Ziel von SCOAP3 ist die Überführung der Kernzeitschriften der Hochenergiephysik in Open Access. Bereits über 70 Prozent der benötigten 10 Millionen Euro sind zugesagt.

Auf dem „decision-making meeting“ am 06.04.2011 wurde das weitere Vorgehen mit den beteiligten Ländervertretern abgestimmt. Das Meeting wurde mit einer Grußbotschaft von Neelie Kroes, EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, eröffnet. Ein Video und ein Transkript (PDF) ihrer Rede sind online. Auszug:

„We all know that change in scientific publishing is both possible and inevitable. But what should each actor do today to help make it happen?
SCOAP3 says: Let’s go all the way in one step, let’s get together and convert the publications of a whole scientific field to Open Access. This is a radical approach and I applaud it.
You are pioneers. Your success will be more than just a proof of concept. It will show us a passable way into the future of scientific publishing that others can follow. SCOAP3 is key.“

Darüber hinaus wurde das weitere Vorgehen mit den potenziellen Verlagspartnern diskutiert. In Kürze wird nun die Ausschreibung gestartet.

Eine Video-Aufzeichnung der Veranstaltung ist online. Empfehlenswert ist insbesondere die Einführung von Salvatore Mele (siehe Screenshot). In seinem Vortrag beschreibt er u.a. die Entwicklung des Publikationswesens in der Physik während der letzten 60 Jahren.

„Big Deals“ am Ende?

Der Journalist Richard Poynder hat Claudio Aspesi, Finanzanalyst von
Bernstein Research, zur Zukunft  des Verlagsriesen Reed Elsevier befragt. Hintergrund des lesenswerten Interviews ist eine Analyse, die Aspesi und sein Kollege Anthony Sleeman erstellt haben. In der Analyse wird der Niedergang der „Big Deals“ vorhergesagt:

  • The „Big Deal“ commercial model worked well for over a decade, but is becoming unsustainable in the current funding environment.
  • Universities which have started to renounce their „Big Deals“ seem able to cope, and this experience, coupled with budget pressures around the world, represents a significant threat to the „Big Deal“ model.
  • The best case scenario for Elsevier is a repeat of 2010 for several years, with limited organic growth and periodic flare ups of conflict with individual libraries (or, in some case, countries); widespread decisions to discontinue „Big Deals“ could lead to revenue and earnings decline.
  • Investors should start to ask management what is their plan B, since the assumption that the current commercial model will prove sustainable looks increasingly uncertain.

Vor dem Hintergrund dieser Einschätzung ist die Pressemitteilung „Der neue Weg zur Fachliteratur – Forschungszentrum Jülich und De Gruyter testen ‚Patron Driven Acquisition‘ des Verlges De Gruyter interessant (PDF). Während eines definierten Zeitraums stehen den Wissenschaftlern des Forschungszentrum Jülich sämtliche elektronischen Produkte des Verlages zur Nutzung bereit. Nach dieser Testphase entscheidet die Zentralbibliothek des Forschungszentrums Anhand der Nutzungszahlen welche Inhalte dauerhaft erworben werden. Siehe dazu auch den Kommentar von Dörte Böhner auf bibliothekarisch.de.

Videos der APE 2011 online

Vom 11. bis 12. Januar 2011 fand in Berlin die diesjährige „Academic Publishing in Europe“ (APE) statt. Die Konferenz bot wie in den letzten Jahren einen interessanten Überblick über die heißen Themen der Verlagsbranche.

Erste Aufzeichnungen der Vorträge sind nun auf River Valley TV online. Weitere folgen. Wie immer, bei River Valley TV, stehen die Videos in guter Qualität zum download bereit.

Besonders spannend fand ich die folgenden beiden Vorträge:

  • John Wood (ACU): Riding the Wave – How Europe can Gain from the Fising Tide of Scientific Data (Video)
  • Mark Patterson (PLoS): Open Access Publishers – Breaking even and growing fast (Video)

PS: Die noch heißeren Themen rund um die Zukunft des wissenschaftlichen Publikationswesens wurden eine Woche nach der APE in San Diego auf dem „Beyond the PDF“ Workshop diskutiert. Siehe dazu u.a. die Blogbeiträge von Anita de Waard und Martin Fenner sowie die FriendFeed Gruppe des Workshops.



SOAP: Perspektiven auf Open Access

Letzten Donnerstag wurden in Berlin die Ergebnisse des EU-Projekts Study of Open Access Publishing (SOAP) präsentiert. SOAP liefert, neben einer ausführlichen Bestandsaufnahme der Open-Access-Publikationslandschaft, einen sehr interessanten Einblick in Perspektiven von Wissenschaftlern auf Open Access. In einer Online-Befragung haben 53.890 Personen zum Thema Stellung genommen. Auf Basis eines Subsets von 38.358 Antworten bieten die Ergebnisse des SOAP-Projekts einen höchst interessanten Blick auf die Positionen von Wissenschaftlern zu Open Access. Ein Bericht der Ergebnisse steht noch aus. [Siehe Update vom 29.01.2011.] Aktuell liefern die Folien des SOAP Symposium einen gute Zusammenfassung der Ergebnisse:

Besonders interessant sind die Folien des letzen Vortrages. Dieser widmet sich der praktischen Umsetzung von Open Access:

Bemerkenswert ist, dass die Daten der Studie in Kürze zur Nachnutzung bereit gestellt werden. Dies ist wohl das erste Mal, dass ein informationswissenschaftliches Forschungsprojekt Daten in diesem Umfang im Open Access zugänglich macht. Glückwunsch an die Projektpartner zu diesem Schritt!

Weitere Berichte zur Veranstaltung gibt es bei The Occasional Pamphlet und bei ScienceInsider.  Die Folien zu meinem kurzen Statement auf dem SOAP Symposium sind bei Slideshare zu finden.

Update, 29.01.2011: Auf  arXiv.org wurde mittlerweile eine Zusammenfassung der Wissenschaftlerbefragung veröffentlicht: Dallmeier-Tiessen, S. et al.: Highlights from the SOAP project survey. What Scientists Think about Open Access Publishing. 2011. arXiv:1101.5260v1

Update, 30.01.2011: Einige Videos des SOAP Symposium sind bei River Vally TV online.

Update, 31.01.2011: Die Daten (csv, xls, xlsx) stehen nun unter CC0, inkl. Beschreibung, zur freien Verfügung.

Neues aus dem Hause Nature

Die Nature Publishing Group (NPG) hat zu Beginn des neuen Jahres drei interessante Pressemitteilungen veröffentlicht.

Am 05.01.2011 gab der Verlag bekannt, Artikel aus den Zeitschriften Nature, Nature Biotechnology, Nature Cell Biology, Nature Medicine und Nature Chemical Biology zukünftig über DeepDyve „ausleihbar“ zu machen. Für 3,99 US-Dollar kann ein Aufsatz 24 Stunden lang betrachtet werden. Druck und Bearbeitung sind nicht möglich.

Darüber hinaus informiert NPG über ein Update des iPad App. Für monatlich 9,99 US-Dollar kann Nature auf dem iPad gelesen werden.

Martin Fenner hat die Neuerungen kommentiert:

In the discussion of subscriptions vs. author-pays for scholarly papers we sometimes forget that it’s really a question of how much we are willing to pay. I’m looking forward to the nature.com app for the iPad, and $9.99 per month seems reasonable. I would not rent a single article for $3.99 – this should either be $0.99 or give me the PDF that I can download and print, something that subscription journals typically charge $10-$30.

Am 06.01.2011 kommunizierte NPG den Start eines Open-Access-Journals namens Scientific Reports. Das Konzept der Zeitschrift erinnert stark an PloS ONE. (Und zeigt so einmal mehr, dass PLoS Innovationsmotor einer ganzen Branche ist.) Auszug aus der Beschreibung des Journals:

Scientific Reports will publish original research papers of interest to specialists within a given field in the natural sciences. It will not set a threshold of perceived importance for the papers that it publishes; rather, Scientific Reports will publish all papers that are judged to be technically valid and original. To enable the community to evaluate the importance of papers post-peer review, the Scientific Reports website will include most-downloaded, most-emailed, and most-blogged lists. All research papers will benefit from rapid peer review and publication, and will be deposited in PubMed Central.

Die Publikationsgebühr beträgt 1350 US-Dollar. Einreichungen sind ab Sommer möglich. Einen lesenswerten Kommentar zu der Ankündigung liefert Cameron Neylon.

Weiter hat NPG am 06.01.2011 in einer Pressemitteilung zum Thema Open Access Stellung genommen. In dieser erläutert David Hoole, Direktor für „Intellectual Property Policy and Licensing“ unter dem Moto „one size does not fit all“ die verschiedenen Open-Access-Aktivitäten des Verlages. Kommentare dazu finden sich u.a. bei Gobbledygook und Trading Knowledge.

Open-Access-Publikationsfonds in Deutschland

Ich bin gerade dabei, eine Liste der mir bekannten Open-Access-Publikationfonds in Deutschland zu erstellen. Ergänzungen und Anmerkungen sind willkommen.

Eine hilfreiche Definition des Begriffes „Open-Access-Publikationsfonds“ bietet  die Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition (SPARC):

An open-access fund is a pool of money set aside by an institution or other research-sponsoring entity specifically to defray or cover processing fees for articles published by members of the institution in open-access journals. While open-access funds are administered in a variety of fashions with a wide array of policy distinctions, they share a common goal of encouraging researchers to make their work open to the public. (Quelle.)

Die folgende Liste vereinigt deutsche Institutionen, die einen Open-Access-Publikationsfonds betreiben und unter diesem Begriff kommunizieren:

Die Mehrzahl der genannten Institutionen werden durch das Förderprogramm „Open-Access-Publizieren“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)  gefördert.

Eine Übersicht von Open-Access-Publikationfonds weltweit bietet das Open Access Directory (OAD).

Startups im Feld der Wissenschaftskommunikation: GEOZON

Ich nehme die diesjährige Open Access Week zum Anlass, um eine kleine Interview-Serie zum Thema Startups im Feld der Wissenschaftskommunikation zu veröffentlichen.  Nachdem im ersten Interview Timo Ehmann über das Startup JUSMEUM berichtet hat, folgt nun das zweite Interview:

Sascha Fricke steht Rede und Antwort zu GEOZON. Das junge Unterhemen bietet Dienstleistungen und Softwaretools rund um das Open-Access-Publizieren an.

1. Wer steckt hinter GEOZON?

GEOZON besteht aus einem Kernteam von 5 Personen, sowie freien Mitarbeitern und Mentoren. Die Geschäftsführung bilden die promovierte Geographin Sabine Helms (wiss. Programm) und der Mediendesigner Sascha Fricke (Medienentwicklung).

2. Welche Mission verfolgt GEOZON?

GEOZONUnser Ziel ist es, Dienstleistungen und Softwaretools für das Open Access Publishing zu entwickeln. Wir wollen den Publikationsprozess für Autoren vereinfachen, die Nachnutzung von Open-Access-Publikationen für Leser erleichtern und den Workflow von Verlagen unterstützen. Nicht zuletzt um kleinen und mittelständigen Verlagen – aber auch verlegerisch tätigen Institutionen und Verbänden – den Einstieg in das Open Access Publishing zu ermöglichen.

Hierfür entwickeln wir unter dem Namen PUBLISS (Publikation System for the Science) ein webbasiertes Verlagssystem, welches den Fokus auf hohe Nutzerfreundlichkeit, Preistransparenz und Web-2.0-Technologien legt.

Als Verlag ist GEOZON selbst ausschließlich in den Geo- und Umweltwissenschaften tätig. An andere Fachbereiche wird PUBLISS ohne unser Verlagsbranding lizenziert.

3. Wie kam es zu der Gründung von GEOZON?

Sabine Helms war Leiterin von Drittmitel-Projekten an der Universität und hat in diesem Rahmen und insbesondere während ihrer Promotion die Erfahrung gemacht, wie aufwendig und teilweise unmöglich die Literaturrecherche unter Toll-Access-Bedingungen ist. Sascha Fricke hatte sich in seinem Studium mit dem ‚Wandel wissenschaftlicher Textsorten in den Neuen Medien‘ beschäftigt und bereits mehrere Jahre für Verlage gearbeitet. So war es naheliegend, die Erfahrungen und Kompetenzen in einem interdisziplinären Ausgründungsprojekt zusammen zu bringen, um ein effektives wissenschaftliches Publikationssystem zu entwickeln.

Im Herbst 2007 erfolgte die erste Projektskizze, 2008 dann weitere konzeptionelle Arbeiten und die erfolgreiche Einwerbung von Finanzierungsmitteln. 2009 war GEOZON dann als Ausgründungsprojekt innerhalb der Universität verankert und seit 2010 ist die Firma rechtlich selbständig tätig.

Eine erste Beta-Anwendung des PUBLISS Journal Moduls gibt es bereits unter www.quaternary-science.net Das GEOZON-Verlagsportal befindet sich im closed beta Status und wird in den nächsten Wochen geöffnet. Es wird dann unter www.geozon.net erreichbar sein – derzeit befindet sich hier noch unser Projektblog.

4. Wie finanziert sich GEOZON?

GEOZON wurde im Rahmen des EXIST-Programms (Existenzgründungen aus der Wissenschaft) durch die Europäische Union und das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert. Ergänzende Finanzierungen kamen vom Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern und dem Forschungsverbund Mecklenburg-Vorpommern sowie aus privaten Mitteln der Gründer.

Mittlerweile wird ein großer Teil der Kosten bereits aus den Verlagseinnahmen gedeckt. Diese bestehen aus allgemeinen Publikationsgebühren und individuellen Dienstleistungegebühren, z.B. für Übersetzungen, Layout oder Digitalisierungen. Hinzu kommen Einnahmen aus der Implementierung und Lizenzierung von PUBLISS für externe Anwender.

5. Welche Relevanz hat das Thema Open Access für GEOZON?

Alle unsere Publikationen stehen unter dem Open-Access-Paradigma. Es bildet die Voraussetzung für unser Geschäftsmodell eines Verlages, der ausschließlich als Service Provider agiert.

Wir nehmen aktiv teil an den Debatten über ein zukünftiges Ökosystem für das Open Access Publishing und veranstalten öffentliche Vorträge an Universitäten, um dieses Prinzip nachhaltig durchzusetzen.

Vielen Dank für das Interview!