Neue Open-Access-Policy des FWF: ein wichtiger Schritt

Der österreichische Wissenschaftsfonds (FWF) hat seine Open-Access-Policy erneuert. Mit einer klaren Verpflichtung, mit der Kappung von APC, mit Verschärfungen bei Forschungsdaten, aber auch mit der Ausweitung über Zeitschriftenartikel hinaus setzt der FWF Zeichen in Sachen Open Access.

In Ergänzung zur ersten positiven Rezeption gibt es aber auch problematische Stellen.

Open-Access-Policy des FWF

Die Open-Access-Policy des FWF beinhaltet eine Verpflichtung zu Open Access für alle Publikationen, die aus FWF-geförderten Projekten hervorgehen. Dies ist nicht neu, wird jedoch jetzt stärker hervorgehoben, kontrolliert und präzisiert. Neue Regelungen sind hinzugekommen, andere leicht verändert worden.

Die Policy beginnt mit der Verpflichtung und verspricht Unterstützung:

In diesem Sinn verpflichtet und fördert der FWF alle ProjektleiterInnen und ProjektmitarbeiterInnen, ihre referierten Forschungsergebnisse im Internet frei zugänglich zu machen.

Dazu stehen drei Möglichkeiten offen, die die gängigen Wege zu zumindest kostenlosem Zugriff aufzeigen: direkte Open-Access-Veröffentlichung (z.B. in einer Open-Access-Zeitschrift) („Gold Open Access“), Freikauf von Beiträgen in Subskriptionsmedien („Hybrid Open Access“) oder Archivierung einer Version der andernorts veröffentlichten Publikation auf einem Repositorium („Green Open Access“).

Dabei gelten unterschiedliche Anforderungen:

  1. Gold: Hohe Anforderungen werden an die Offenheit gestellt, insbesondere gibt es eine Verpflichtung zur Verwendung von CC-BY-Lizenzen (oder mindestens gleich offenen Lizenzen), zur Erfüllung aller (neuen) DOAJ-Kriterien, und es wird gewünscht, dass die in How open is it? genannten Kriterien jeweils maximal offen erfüllt sind.
  2. Hybrid: Es gelten alle oben genannten Qualitätsanforderungen an „goldene“ Veröffentlichungen, zusätzlich wird erwartet, dass die Publikationsmedien in den kommerziellen Datenbanken Web of Science oder Scopus gelistet sind.
  3. Green: Die vom Verlag akzeptierte Fassung der Publikation kann in einem Repositorium archiviert werden. Nur falls der Verlag eine sofortige Archivierung verbietet, darf ein Embargo akzeptiert werden; dies „sollte“ nicht länger als 12 Monate sein. Der FWF spricht hier durchgängig von „Selbstarchivierung“ (interessant evtl. im Fall der leicht problematischen Repository-Ablage durch den Verlag).

Der Wissenschaftsfonds unterstützt die Open-Access-Verpflichtungen durch die Kostenübernahme von Open-Access-Publikationskosten, insbesondere von APC und flankierende Maßnahmen wie zentral verhandelte Rabatte oder eine zentrale Kostenübernahme durch den FWF.

Was ist neu?

Klare Neuerungen gibt es in einigen Bereichen:

  • Verpflichtung zur liberalen CC-BY-Lizenz
  • Kappung der APC bei „Gold Open Access“ und (deutlich niedriger) bei „Hybrid Open Access“
  • Open-Access-Beleg ist obligatorischer Teil des Abschlussberichts
  • Archivierung im Repositorium unabhängig von der gewählten Option (= für alle Publikationen)
  • obligatorische und schnellere Veröffentlichung von Forschungsdaten unter maximal freien Lizenzen

Bei der Verwendung freier Lizenzen zur optimalen Offenheit und Nachnutzbarkeit ist aus einer leichten („sollen“) eine harte („in jedem Fall ist…“) Verpflichtung zur CC-BY-Lizenz (oder vergleichbar) geworden, die als einzige CC-Lizenz ohne weitere Einschränkungen daherkommt. Als weiterer Qualitätsaspekt ist im Fall von Zeitschriftenartikeln die Listung des jeweiligen Mediums im DOAJ hinzugekommen, womit implizit eine ganze Reihe weiterer Kriterien für die Zeitschrift gelten hinsichtlich etwa Transparenz und Qualitätssicherung.

Leider gibt es hier eine sprachliche Ungenauigkeit: In der Policy heißt es (in dieser Form auch in der englischen Übersetzung):

In jedem Fall ist für die Publikation die Creative Commons Attribution CC-BY Lizenz (oder gleichwertige offene Lizenz) zu verwenden.

In der zugehörigen Pressemitteilung taucht die Formulierung auf:

Ab 1.1.2015 muss für alle geförderten Publikationen das offene Lizenzmodell (Creative Commons License) CC-BY verwendet werden.

Ich interpretiere dies so, dass für sämtliche Publikationen, die aus dem geförderten Projekt erfolgen, eine CC-BY-Lizenz gewählt werden muss. In der englischen Fassung (die sich auch ansonsten leicht unterscheidet) heißt es hingegen:

The Creative Commons Licence CC BY licence is compulsory for all publication formats whenever the FWF has covered the costs.

Ob nun also die CC-BY-Verpflichtung durch die Übernahme von APC entsteht oder bereits durch Förderung des zugrundeliegenden Projekts (was z.B. im Fall, dass keine APC anfallen oder von den Projektbeteiligten aus anderen Quellen aufgebracht werden, relevant sein könnte), ist zumindest mir unklar.

Hybride Medien, die im Regelfall kostenpflichtig zugänglich gemacht werden, aber optional den Freikauf einzelner Beiträge anbieten, sind nun als gesonderter Punkt aufgeführt, nicht mehr als Teil von „Gold Open Access“, was durchaus sinnvoll ist. Dass die Kosten hier deutlich niedriger gedeckelt sind als bei reinen Open-Access-Publikationen, ist interessant und wird die meisten Verlagsmodelle vor Herausforderungen stellen, weil dort die hybriden APC eher höher sind als die APC für eine Open-Acces-Zeitschriften.

In beiden Fällen lässt der FWF aber zu, dass etwaige höhere APC bezahlt werden, wenn die Autor/innen die maximale FWF-Förderung aus den Grundmitteln des Projekts oder aus anderen Mitteln aufstocken, so dass die Wirkung der zunächst Kostendeckelung sehr einfach verpuffen könnte.

Vielleicht die stärkste Neuerung ist die Verpflichtung, die Erfüllung der Open-Access-Anforderungen im Endbericht an den FWF nachzuweisen – so wird die Einhaltung überprüfbar. Dabei sollen alle Publikationen im Volltext über einen persistent identifier aufrufbar sein, was auch an dieser Stelle eine weitere Qualitätsanforderung an die möglichen Publikationsorte einführt. (Und, dies nur am Rande, auch Repositorien vor Herausforderungen stellt, die keine eigenen persistenten Identifier vergeben oder Autor/innen empfehlen, zur Zitation den Identifier der zugehörigen Verlagspublikation zu verwenden.) Konkret heißt es:

Wie auch bei anderen Förderern üblich, werden ab 1.1.2016 nunmehr aber keine Endberichte mehr abgenommen, in denen nicht alle referierten Publikationen als Open Access ausgewiesen sind.

Und schließlich ist die Anforderung, auch die direkten Open-Access-Veröffentlichungen z.B. in Open-Access-Zeitschriften oder hybriden Zeitschriften zusätzlich auch in Repositorien zugänglich zu machen, eine sinnvolle Ergänzung, weil sie eine gute Abdeckung fachlicher oder institutioneller Publikationskonvolute durch Repositorien erleichtert und Repositorien als Bezugsquelle für Publikationen stärkt.

Forschungsdaten waren bisher schon Thema in der Policy, allerdings sind hier die Erwartungen etwas gesteigert worden: Forschungsdaten müssen veröffentlicht werden, geeignete Orte sind zu wählen, und sie dürfen keinen Einschränkungen der Wiederverwendung unterliegen! Außerdem soll die Datenveröffentlichung schneller erfolgen: Daten, die zu Publikationen gehören, sollen bereits mit Erscheinen der Publikation zugänglich gemacht werden (bisher: „mit der Publikation […], spätestens aber zwei Jahre nach Projektende“), Daten, die nicht für Textpublikationen verwendet worden sind, sollen spätestens zwei Jahre nach Projektende frei veröffentlicht werden.

Aber auch einige Details der Policy könnten sehr wirksam werden:

  • Empfehlung bzw. (ab 2016) Verpflichtung, ORCID zur Identifikation der Autor/innen zu benutzen
  • Verpflichtung zur konsistenten Nennung und vorgegebenen Schreibweise der Projektförderung (dies war bereits in der alten Policy enthalten)
  • Auch Kosten für „Aufbereitung, die Archivierung, den offenen Zugang und die Nachnutzung von Forschungsdaten“ sollen künftig mit beantragt werden.
  • Nur für Life Sciences: Alle Publikationen müssen in Europe PubMed Central frei zugänglich gemacht werden. (Dies war bisher nur eine Aufforderung, keine Verpflichtung.)

An manchen Stellen sind Verpflichtungen entschärft oder ganz entfernt worden:

  • Bisher war die weiche Verpflichtung („sollten“) zu Embargofristen strenger: Das Embargo sollte maximal 6 Monate betragen, nur in Ausnahmefällen 12 Monate, und wenn es länger wäre, musste der FWF vorab kontaktiert werden und eine Begründung im Abschlussbericht geliefert werden. Nun sind es maximal 12 Monate, und Abweichungen werden nicht mehr problematisiert (dafür wird jetzt gefordert, dass im Fall längerer Embargofristen lieber ein anderer Ort für die Verlagsveröffentlichung gesucht werden soll).
  • Auch die Lizenzanforderung („zumindest die Lizenz CC BY-NC“) für Repositorienveröffentlichungen ist entfernt worden, was sinnvoll klingt: Die Lizenz ist für Open Access nicht geeignet, sie wird aber ungeachtet dessen für Zweitveröffentlichungen ohnehin oft nicht in Frage kommen (weil der Verlag das Recht dazu nicht einräumt).
  • Die Open-Access-Verpflichtung gilt nun nur für „referierte“ Veröffentlichungen (vermutlich ist dies implizit auch vorher so verstanden worden).

Schritt in die richtige Richtung

Der FWF gibt als Begründung für die Überarbeitung an:

u.a. die Studie Developing an Effective Market for Open Access Article Processing Charges (beauftragt vom FWF, Wellcome Trust, Research Councils UK u.a.), die Analyse der FWF-Publikationskosten sowie die internationalen Entwicklungen

Mit den Neuerungen gibt der FWF – bereits in der Vergangenheit Pionier in Sachen Open-Access-Policy – Antworten auf momentane Herausforderungen: hohe Kosten für APC, insbesondere bei hybriden Zeitschriften, mangelnde Übersicht über die Erfüllung von Open-Access-Anforderungen, stärkere Nachfrage nach ‚echtem‘ Open Access mit freien Lizenzen.

Kosten für begutachtete unselbständige Publikationen können wie gehabt auch noch nach Projektende beantragt werden, für selbstständige Publikationen (nicht nur Monografien, auch „wissenschaftliche Datenbanken“ und „sonstige webbasierte Formate“ können über das gesonderte Programm Selbstständige Publikationen beantragt werden, das in diesem Sinne erweitert worden ist: „bspw. Apps, Wiki-Modelle, wissenschaftlich kommentierte Datenbanken oder Websites; Audio-, Video- oder animierte Publikationen“. Hierfür können bis zu 18.000 EUR beantragt werden. Hier wird eine sehr sinnvolle Ausweitung vorgenommen, die hoffentlich auch für spannende neue Formate genutzt werden wird und nicht nur dafür genutzt wird, Verlagen die Open-Access-Rechte ‚abzukaufen‘.

Der Umgang mit ‚hybriden‘ Publikationen ist ein Thema für Dauerstreit und wilde Diskussionen. Verhindert dieser optionale Freikauf von einzelnen Artikeln eine Transformation zu Open Access oder ist es im Gegenteil ein möglicher Weg zur Umstellung auf komplett Open Access? In jedem Fall ist es eine sehr teure Angelegenheit, selbst wenn man den Nutzen durch einzelne Freistellung schätzt. In vielen Fällen ist für hybrides Open Access mehr (APC) gezahlt worden als für Beiträge in echten Open-Access-Zeitschriften (wofür es durchaus Gründe geben mag). Aus diesem Grund ist es zu begrüßen, dass der FWF hier eine deutliche Kostengrenze eingezogen hat, die klar unter der Obergrenze für echte Open-Access-Artikel liegt. Interessant wäre es zu sehen, wie viele der bisher geförderten Artikel damit herausgefallen wären.

Die Möglichkeit, auch über die ohnehin schon relativ üppige Deckelung (2500 EUR pro Artikel bei reinen Open-Access-Zeitschriften) hinauszugehen und die APC aus ebenfalls vom FWF bezogenen Grundmitteln aufzustocken, halte ich für wenig sinnvoll und insofern für unnötig gefährlich, als dass sie Verlagen die Option gibt, Druck auf Autor/innen auszuüben, damit diese die Aufstockungsmittel herbeischaffen. Wäre die Kostendeckelung unumgänglich, hätten vom FWF geförderte Autor/innen eine klarere Verhandlungsposition gegenüber möglichen Publikationsorten, ähnlich wie bei der harten CC-BY-Verpflichtung.

Die Open-Access-Verpflichtung ist schärfer, als sie beispielsweise die DFG in Deutschland praktiziert, aber immer noch einfach zu erfüllen, da Archivierung im Repositorium mit Embargo ein möglicher Weg ist. Gerade weil durch die Aktivitäten des FWF im Hinblick auf Kostendeckelung und zentrale Kostenübernahme das Feld des APC-finanzierten Open Access gestärkt werden soll und gleichzeitig und fast noch zu wenig auf kostenfreie Möglichkeiten des goldenen Open Access hingewiesen wird, verwundert es etwas, dass die Alternative in Form von Selbstarchivierung hier noch erleichtert wird durch die Abmilderung der Embargo-Anforderungen.

Entscheidend für den Erfolg solcher Policies dürfte zweierlei sein:

  1. Ob es eine Form von Kontrolle gibt, dass die Verpflichtungen eingehalten werden. Hieran kranken vermutlich viele existierende Policies, egal, wie scharf sie formuliert sind. Mangels konkreter Zahlen bleibt Unsicherheit und der Eindruck, dass Open-Access-Anforderungen vielfach nicht besonders ernst genommen werden (müssen) durch die Autor/innen. Hier zeigt der FWF mit der Verschärfung der Berichtspflichten ein sehr gutes Signal; dass das Problem bekannt ist, zeigt z.B. die Aufstellung zu Monitoring Open Access des FWF. Leider gibt es keine Ausführungen dazu, ob es künftig eine Bibliografie aller Projektveröffentlichungen geben wird, um mehr Transparenz herzustellen. (Für die im Jahr 2013 gezahlten APC hat der FWF eine Komplettveröffentlichung vorgelegt.
  2. Ob es gute Angebote gibt, die bei der Erfüllung helfen: gut sichtbare Repositorien, finanzierbare Open-Access-Medien, finanzielle Unterstützung kostenpflichtige Open-Access-Veröffentlichungen, Transformationsdruck auf Verlage. Auch auf dieser Ebene sieht das gutaus, was der FWF vorgelegt hat.

Im Spektrum der verschiedenen Richtlinien von Förderorganisationen (vgl. SHERPA/JULIET) geht die neue Policy des FWF über das Maß der meisten existierenden Instrumente hinaus und greift dabei die aktuell drängenden Fragen auf. Ob die Unterstützungsinstrumente greifen und v.a. ob die neue Policy zu einer hohen Compliance und einem steigenden Open-Access-Anteil führen wird, wird man sehen. In jedem Fall hat der FWF das Maß, an dem sich neue Richtlinien orientieren sollten, weiter nach oben geschoben.

Zukunftsweisende Vereinbarung zwischen niederländischen Universitäten und Springer

Der erste Open Access Newsletter der VSNU ist erschienen.

Mit minimalen Zusatzkosten schnell zu Gold OA bei etablierten Journals. Die Niederländer haben dies bei Springer erreicht:

Negotiations with Springer have yielded an agreement in principle for 2015 and 2016. Instead of a paid subscription model, the publisher will now charge for the open access publication of articles in almost all Springer journals (1,500 titles). This concerns all articles by corresponding authors from institutions currently entering into the new agreement with Springer. Researchers will not have to pay APC’s for these articles. All journals previously featured in the portfolio will remain accessible to Dutch researchers, who will continue to enjoy current user rights. This agreement will result in a minimal rise in costs, reflecting a win – win situation for the Dutch scientific community: no APC’s will apply for the 1,500 journals in questions!

Elsevier tut sich schwerer und kriegt trotzdem noch ein Jahr Schonfrist:

Elsevier submitted a new proposal to the VSNU negotiation team. This proposal is currently being assessed, and the negotiation teams are arranging new talks. The existing contract with Elsevier was extended by a period of one year.


Nature – lesen ja, drucken nein!

Der Verlag des renommierten Nature-Journals, die Nature Publishing Group (NPG), feiert sich selbst. In einer aktuellen Pressemitteilung des Mutterkonzerns Macmillan Science heißt es „Macmillan Science and Education revolutioniert Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen.“

Die Revolution soll laut Pressemitteilung durch zwei Maßnahmen umgesetzt werden:

„1. Den Abonnenten von 49 Fachzeitschriften von nature.com können eine eindeutige URL zur schreibgeschützten Vollversion eines publizierten wissenschaftlichen Textes an Kollegen oder Mitarbeiter weiterleiten, ganz bequem per E-Mail oder über soziale Medien.“

„2. Zugang für Journalisten und Blogger: 100 Medienkanälen und Blogs auf der ganzen Welt, die über Forschungsergebnisse berichten, die auf nature.com veröffentlicht wurden, können ihre Leser über einen Link zur schreibgeschützten Vollversion eines wissenschaftlichen Originalartikels verweisen und ihnen so Zugang zu tausenden hochwertigen wissenschaftlichen Abhandlungen verschaffen.“

Zukünftig öffnen Personen, die die erwähnte „eindeutige URL“ des Verlags anklicken, in ihrem Browser eine Anwendung namens „ReadCube„. Über diese Anwendung kann die PDF-Datei eines Artikels dann angesehen werden. Druck und Speicherung eines Artikels sind nicht möglich. Weiter besteht die Möglichkeit – nach Anmeldung – Artikel zu annotieren und eigene Sammlungen anzulegen. Vorrausetzung ist jedoch immer, dass die Nutzenden über die „eindeutige URL“ verfügen.

Dieses Vorhaben ist begrüßenswert. Von einer Revolution kann jedoch keine Rede sein.

Interessant sind die Hintergründe der Ankündigung:

  • Von Seiten der Wissenschaft gibt es eine klare Erwartungshaltung: Forschende erwartet heute sofortigen Zugriff auf alle Publikationen, die für ihre Arbeit von Interesse sind. Forschenden deren Bibliothek ein breites Portfolio an Zeitschriften lizenziert hat, haben einen Vorsprung bei der Wissensproduktion. Wer keinen Zugang zu den neusten Publikationen, hat kaum eine Chance im kompetitiven Wissenschaftssystem.
  • Dagegen gibt es auf Seiten der Verlage den Wunsch nach Kontrolle über die verlegten Inhalte. Es liegt – wenig überraschend – im Interesse von Nature, dass der Zugriff auf die Artikel des Verlags über die NPG-Server läuft und nicht über die  Open-Access-Repositorien der wissenschaftlichen Einrichtungen.

Open-Access-Repositorien, sowie der Austausch von Artikeln über Projekt-Wikis, Mailinglisten und andere Kanäle, sind jedoch für viele Forschenden von großer Bedeutung, da ihre Institutionen die ständig teurer werdende Zeitschriften nicht mehr lizenzieren können. Selbst Harvard, die wohl reichste Bildungseinrichtung der Welt, ist nicht mehr in der Lage ihren Forschenden den Zugang zu alle relevanten Zeitschriften sicherzustellen.

Die angekündigte Maßnahme des NPG ist es also eine logische Antwort auf den Wunsch nach Open Access. Darüber hinaus bietet die Maßnahme dem Verlag mehrere Vorteile:

  • Da auch Blogs und Zeitungen die „eindeutige URL“ nutzen können, werden die Klickzahlen auf nature.com erhöht. Mit Blick auf Altmetrics ein nachvollziehbarer Schritt.
  • Weiter wird das Literaturverwaltungssystem „ReadCube“, dass von der Nature-Tochter „Digital Science“ betrieben wird gefördert.

Die Ankündigung von Nature passt gut in die aktuellen Verlagsstrategien rund um Open Science. Die US-Regierung hat 2013 eine Direktive zur Förderung von Open Access erlassen. Nach dieser Verordnung müssen die öffentlichen Forschungseinrichtungen in den USA Open-Access-Policies verankern.

Die Verlage haben dies zum Anlass genommen und eine Initiative namens „CHORUS“ gestartet. Anliegen der Verleger ist es, den Zugang zu den Artikeln weiterhin über ihre Verlagsplattformen zu ermöglichen. Für diese Dienstleistung – unter Kontrolle der Verlage –  sollen die US-Behörden dann zahlen. Dagegen arbeiten die Hochschulen und Forschungseinrichtungen in den USA an einer verteilten und öffentlichen Infrastruktur namens „SHARE„. Diese Infrastruktur basiert auf der Vernetzung der Open-Access-Repositorien der wissenschaftlichen Einrichtungen.

Nun könnte man begrüßen, dass Verlage die Open-Access-Policies aufgreifen an einer Lösung zur Verbesserung des Zugangs bauen. Die Diskussion um die NPG-Ankündigung zeigt jedoch wo die Probleme liegen. Die Bedingungen des Zugangs und der möglichen Nachnutzung werden durch die Verlage kontrolliert und nicht durch die Wissenschaft. Siehe dazu auch den Kommentar von John Wilbanks:

 „So, Nature said a thing about public access tonight. Everything is free to read* they say. But there’s an asterisk, pesky and persistent, next to read. And it’s a big one. The asterisk is that you can’t do anything but read the document, and you have to […] use their proprietary reader software in order to read the document, and you have to hope that someone who has a subscription or is a journalist is kind enough to share a link to the document that you want to read, and if you try to do anything other than look at the document passively on a screen you’re basically gonna get sued for copyright infringement.“

Forschung und Lehre werden also auch weiterhin eine öffentliche Repositorien-Infrastruktur benötigen, die es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auch ermöglicht Artikel zu drucken, zu speichern und im Idealfall auch zu bearbeiten (Stichwort: Text und Data Mining).

Die Ankündigung von Nature ist eine gute Marketing-Idee. Sie ist zu begrüßen, solange die Forschenden auch weiterhin die Möglichkeit haben, die Nature-Artikel auf Open-Access-Repositories zu speichern.

Die Ankündigung von Nature zeigt, dass die Diskussion um Open Science immer komplexer wird. Längst geht es nicht mehr nur um den Zugang zu wissenschaftlicher Literatur. Nur wenn Forschenden mit Artikeln arbeiten können, werden sich die Chancen der digitalen Wissenschaft realisieren lassen. Deshalb scheint es wichtig in der Diskussion um Open Access zwischen „gratis“ (freier Zugang) und „libre“ (offene Nachnutzung) zu unterscheiden. Die NPG-Politik sowie auch das Zweitveröffentlichungsrecht in Deutschland, ermöglichen nur den „gratis“ Zugang, längerfristiges Ziel ist es jedoch, die „libre“ Nachnutzung der Inhalte zu ermöglichen. Dieses Ziel kann  jedoch nur erreicht werden, wenn Forschende in ihrer Urheberrechtsposition gestärkt werden und mit offenen Lizenzen Dritten (z. B. auch Maschinen) die Arbeit mit und an den Artikeln auf Basis offener Informationsinfrastrukturen ermöglichen.

Das Ende von Open Medicine: Idealismus alleine reicht auf Dauer nicht

Nach 7 Jahren mit 31 Ausgaben schliesst das kanadische Journal Open Medicine. Das Journal entstand 2007 nach Streitigkeiten des Editorial Boards zur inhaltlichen Unabhängigkeit des Journal of the Canadian Medical Association, CMAJ.

Im Editorial der letzten Ausgabe erwähnen die Herausgeberinnen die fehlende finanzielle Nachhaltigkeit als Hauptgrund.

Had we a crystal ball in 2006, what would we have done differently? There is no question that financial sustainability has been foremost in our minds. Although we have attempted to pay modest stipends for journal operations, neither our scientific editors nor our editors-in chief have been compensated, and most of our administrative and production staff have volunteered much of their time. For fear of turning away authors, we delayed instituting publication charges until quite late in the game. As researchers, we struggled to be good fundraisers, communication specialists, information technology and web developers, and public relations experts. As busy doctors, we struggled to create space in our lives to accommodate our enthusiasm for what was possible.

[…]

Launching and running a medical journal is more work than it might seem. Based on our previous experiences, we thought we might need operational funding of about $3 million dollars per year. Ultimately, by dint of optimism and volunteerism, we were able to run the journal and publish articles for a tiny fraction of that. We built upon the Public Knowledge Project’s Open Journal System, the open source platform whose development was led by our friend and publisher John Willinsky, and which now hosts over 7000 open access journals in 105 countries. We were also accepted for indexing in PubMed after three short years; this was no small achievement We had immense support from Canadian research libraries, thanks to their own commitment to making knowledge freely available and their frustration with ever-escalating fees for bundled journal subscriptions. We also had contributions from our own colleagues and institutions to build on in our early years. Finally, thousands of volunteer hours were generously given to journal logistics, technical support, and web design, not to mention what accrued from the editorial and communications expertise of team members and the contributions of our valued bank of peer reviewers.

[…]

Despite everyone’s best intentions, it was challenging for a small team to keep stoking the interest and engagement of the general academic community, and it was difficult to recruit members to our editorial board and board of directors who could provide the kind of hands-on involvement that our small but ambitious operation required. Academic medicine has been slow to recognize the importance of stepping out of the comfort zone of traditional publishing: unfortunately, the benefits of disseminating information freely still takes second place to the allure of publishing in a prestigious forum, however difficult that forum may be for readers to access. .

Die Inhalte des Journals sind weiterhin über die Journalwebsite oder PubMed Central zugänglich.

„Appell zur Nutzung offener Lizenzen in der Wissenschaft“

Die deutschen Wissenschaftsorganisationen haben heute einen „Appell zur Nutzung offener Lizenzen in der Wissenschaft“ veröffentlicht. In diesem heißt es:

„Offene Lizenzen sind […] ein elementarer Standard, der eine wissenschaftskonforme Nachnutzung wissenschaftlicher Produkte erleichtert. Mit der offenen Bereitstellung von Forschungsergebnissen werden deren Sichtbarkeit, Nachnutzbarkeit, schnelle Verbreitung und somit Innovation befördert. Offene Lizenzen erleichtern zudem die Umsetzung der Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis.

Die deutschen Wissenschaftsorganisationen halten […] standardisierte offene Lizenzen für ein ideales Werkzeug, um im Sinne der Berliner Erklärung von 2003 die möglichst umfassende Nutzung wissenschaftlicher Inhalte rechtsverbindlich abzusichern.“

In dem Appell wird darüber hinaus auch die Empfehlung zur Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen gegeben. Dabei werden für unterschiedliche Publikationstypen (z. B. Textpublikationen, wissenschaftlicher Software, Metadaten) relevante Lizenzen erwähnt.

(Crosspost von ALBERTopen.)

Schleswig-Holstein legt „Open-Access-Strategie“ vor

Das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein hat heute seine „Open-Access-Strategie“ (PDF) vorgelegt. In einer Pressemitteilung stellt die Wissenschaftsministerin Kristin Alheit fest:

„Die moderne Forschung basiert auf einem umfassenden wissenschaftlichen Dialog und Fortschritten durch Verbesserungen früherer Arbeiten. Den freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen müssen wir daher als Chance und Turbo für die Forschung nutzen. Wer international mithalten will, muss seine Geschwindigkeit und Kommunikationswege den heutigen Möglichkeiten anpassen. Mit der Open Access-Strategie haben wir die Weichen gestellt, dass das in Schleswig-Holstein gelingt.“

In dem siebenseitigen Papier „Strategie 2020 der Landesregierung Schleswig-Holstein für Open Access“ werden zentrale Handlungsfelder für drei Akteursgruppen (Landesregierung, Hochschulen sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler) benannt.

Die Landesregierung kündigt an, „finanzielle Mittel für die Einrichtung eines landesweiten Open-Access-Dokumentenservers, einen Publikationsfonds sowie für Rechtsberatung zum Publizieren im Open Access bereitstellen.“ Auf Ebene der Hochschulen wird die Verabschiedung von Open-Access-Richtlinien angekündigt. Darüber hinaus sollen Open-Access-Beauftragten ernannt werden, die Forschende bei der Umsetzung von Open Access unterstützen. Laut Pressemitteilung wird das Land im Haushaltsjahr 2015 100.000 Euro zum Anschub der Open Access-Strategie zur Verfügung stellen.

Interessant ist der Abschnitt „Indikatoren für Open Access in Schleswig-Holstein“ der Veröffentlichung: Durch die Erhebung von Indikatoren soll der Anteil der Open-Access-Publikationen ab 2018 evaluiert werden. Ziel ist u. a. die „jährliche Erhöhung des Anteils der Open-Access-Publikationen im landeseigenen Dokumentenserver“. Die weitere Befassung des Themas soll durch einen Lenkungsausschuss sichergestellt werden.

In der Vergangenheit haben bereits andere Bundesländer Open Access in ihren Regularien verankert. U.a. Baden-Württemberg in seinem Landeshochschulgesetz (2014) und Brandenburg im dortigen Hochschulgesetz (2009). Darüber hinaus hat das Land Baden-Württemberg das Thema im Rahmen seiner E-Science-Strategie aufgegriffen. Das Land Berlin hat im Mai dieses Jahres eine Open-Access-Strategie auf den Weg auf den Weg gebracht. Auch im niedersächsischen Koalitionsvertrag wird die Entwicklung einer Open-Access-Strategie angekündigt. Im Landtag Nordrhein-Westfalen fand jüngst eine Anhörung zum Thema statt.

 

Details zum Elsevier Deal in Frankreich

Der Widerspruch wird immer offensichtlicher. Verantwortliche in Wissenschaftsinstitutionen möchten eigentlich seit Jahren Open Access, entscheiden sich aber trotzdem immer wieder und immer mehr Geld für Closed Access zu bezahlen. So auch in Frankreich, wo Couperin und die Agence bibliographique de l’enseignement supérieur (Abes) mit Elsevier kürzlich einen 5-Jahres Vertrag (2014-2018) für 172 Mio. EUR abgeschlossen haben. Eine erste Tranche von 34 Mio. EUR wurde nun im September überwiesen, womit nun 476 Universitäten und Spitäler in Frankreich Zugriff auf die Freedom Collection von Elsevier haben.

Bereits im Februar 2014 wurde durch einen aufmerksamen Wikipedianer Informationen zu diesem Closed Access Deal in einem Blog veröffentlicht. Nun folgte in dem Online-Magazin Rue89 (fr) bzw. auf dem Open Knowledge Foundation Blog (engl.) ein weiterer Beitrag mit dem auch ein 15-Seitiger Auschnitt (Cahier des clauses adminstratives particulieres) des Vertrages öffentlich gemacht wird.

Gemäss Vertrag soll zwar jährlich eine Liste mit Gold Open Access Artikel, an welchen mindestens ein Autor einer französischen Institution beteiligt war erstellt werden. Soweit ich den Vertrag verstehe, wurde jedoch keine direkte Verrechnung (Offsetting) von Hybrid APCs vereinbart. Eine verpasste Chance. Elsevier’s durchschnittliche Hybrid-APC ist £1,643 (ca. 2100 EUR). Das heisst, für das gleiche Geld hätte Frankreich 2014 schon mal 16190 Artikel von französischen Autoren freikaufen können.

Offenlegung von Open-Access-Publikationsgebühren in Deutschland

Die Geschäftsmodelle des Goldenen Weges des Open Access verlagern die Finanzierung: wissenschaftliche Einrichtungen und Fördererorganisationen (z. B. die DFG und die EU) stellen Mittel bereit, um Publikationen bereits bei der Veröffentlichung im Rahmen sogenannter Publikationsgebühren (auch Article-Processing Charges, APCs genannt) zu finanzieren. Dazu betreiben wissenschaftlichen Einrichtungen häufig sogenannte Open-Access-Publikationsfonds. Über diese wird der Umgang mit den Publikationsgebühren gemanagt. Zudem wird eine Vielzahl von Open-Access-Zeitschriften als Teil wissenschaftlicher Aktivitäten einzelner Organisationen herausgegeben und finanziert.

Eine Reihe von wissenschaftlichen Institutionen in Deutschland hat jetzt begonnen Angaben zur Höhe bezahlter Open-Access-Publikationsgebühren offenzulegen. Anliegen ist es, bezahlte „Open-Access-Publikationsgebühren der Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland umfassend zu dokumentieren“ und damit einen Beitrag zu einer transparenten Entwicklung des goldenen Open-Access-Publizierens zu leisten.

Auf Initiative der Universität Bielefeld und unter Koordination der Arbeitsgruppe „Elektronisches Publizieren“ der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation (DINI) wurden die Daten von sieben wissenschaftlichen Einrichtungen auf GitHub , unter einer offenen Lizenz, zugänglich gemacht.

Folgende Visualisierung zeigt die Verteilung der bezahlten Open-Access-Publikationsgebühren auf die beteiligten Einrichtungen:

Verteilung: Open-Access-Publikationsgebühren pro Verlag

Verteilung: Open-Access-Publikationsgebühren pro Verlag

Der Datensatz umfasst aktuell 1.432 Open-Access-Artikel von sieben Institutionen im Umfang von 1.732.556 Euro. Wünschenswert ist, dass sich weitere Einrichtungen der Initiative anschließen.

Ähnliche Entwicklungen gibt es z. B. auch in Großbritannien. Eine Initative des Wellcome Trust im Frühjahr 2014 hat dort zu einer breiten Offenlegung der Zahlen geführt.

Open-Access-PublikationsfondsDie Gestaltung eines nachhaltigen Open-Access-Publikationssystems ist eine zentrale Herausforderungen für wissenschaftlichen Einrichtungen und ihre Bibliotheken. Im Rahmen der diesjährigen Open-Access-Week veröffentlichte die Arbeitsgruppe Open Access in der Schwerpunktinitiative „Digitale Information“ der Wissenschaftsorganisationen eine Broschüre zum Thema „Open-Access-Publikationsfonds“ (PDF). Ziel von Publikationsfonds ist es, den Transformationsprozess von subskriptionsbasiertem zu Publikationsgebühren-basiertem Open-Access-Publizieren effizient und nachhaltig zu gestalten. In der Broschüre wird erläutert, welchen Zielen Open-Access-Publikationsfonds dienen und was bei ihrem Aufbau und Betrieb beachtet werden sollte.

Anliegen der Wissenschaft ist es, den Transformationsprozess von Subskription zu Open Access aktiv zu gestalten und den sich formierenden Open-Access-Publikationsmarkt im Sinne der Wissenschaft zu realisieren. Die Wissenschaftsverlage haben den Wunsch nach Open Access längst erkannt. Jedoch ist nicht jedes Verlagsangebot wissenschaftsadäquat. Vor diesem Hintergrund wurden z. B. in der Helmholtz-Gemeinschaft Kriterien zum Umgang mit Open-Access-Publikationsgebühren erarbeitet. Z. B. sind sog. „hybride“ Modelle, bei der einzelne Beiträge in einer nicht-Open-Access-Zeitschrift durch den Publizierenden „freigekauft“ werden können, problematisch, da sich Verlage mit diesem Modell – zusätzlich zur Subskriptionsgebühr –  eine weitere Einnahmequelle sichern (sog. „double dipping“).

Disclosure: Ich arbeite für die Helmholtz-Gemeinschaft und bin Mitglied in den beiden genannten AGs.

(Crosspost von ALBERTopen.)

Update,  07.11.2014, 13:37: Bereits im April 2014 hat der FWF – Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung in Österreich Daten über bezahlte Open-Access-Publikationsgebühren veröffentlicht. Siehe: DOI:10.6084/m9.figshare.988754

Elsevier Verhandlungen in den Niederlanden gescheitert

Die Vereinigung niederländischer Universitäten (VSNU) hat bekanntgegeben, dass die Verhandlungen für einen Big-Deal ab 2015 gescheitert sind. Nun werden schon mal die Forschenden eingestimmt:

It is now clear that the negotiations with Elsevier have reached an impasse. During several round of talks, no offer was made which would have led to a real, and much needed, transition to open access. Moreover, Elsevier has failed to deliver an offer that would keep the rising costs of library subscriptions at acceptable levels.

Dutch universities and the University Medical Centres cannot accept the offer by Elsevier at this point in time. We are open to renew negotiations as soon as an acceptable offer is put on the table. In the meantime, universities will prepare for the possible consequences of an expiration of journal subscriptions. In case this happens researchers will still be able to publish in Elsevier journals. They will also have access to back issues of these journals. New issues of Elsevier journals as of 1-1-2015 will not be accessible anymore. Universities will explore solutions to this problem.

Die Verhandlungen waren offenbar direkt bei den Universitätsdirektoren angesiedelt.

Mal schauen, ob bis Ende 2014 noch ein Angebot von Elsevier kommt. Es ist nicht unüblich, dass solche Deals ganz knapp vor Jahresende geschlossen werden. Aus der Sicht eines Aktionärs, wäre es ja sehr schade, wenn es im Ursprungsland von Elsevier künftig keinen Big Deal mehr gäbe.

Für Open Access ist es eine tolle Nachricht!

Update: 17.12.2014

Elsevier hat noch ein neues Angebot abgegeben und die Subskriptionen werden noch um ein Jahr verlängert.

 

Transparenz bei APC- und Subskriptionskosten in UK

Es müssen harte Zeiten für Stevan Harnard sein. Er, der sich immer vehement für eine Stärkung von Green OA eingesetzt hat, muss faktisch machtlos zusehen, wie die britischen Universitäten das vom RCUK erhaltene Geld (35 Mio Pfund für 2013-2015) für Gold und Hybrid OA verprassen.

What an utter, utter waste of UK research funds…

… kommentierte er kürzlich den Compliance Report der London School of Economics and Political Science, worin steht, dass die LSE 62’862 Pfund für 73 Artikel bezahlt hat. Nach und nach veröffentlichen nun britische Universitäten Reports (Übersicht), für welche Artikel sie Geld ausgegeben haben und wie sie die OA-Anforderungen von RCUK erfüllen konnten.

Liest man die Reports, kommt man nicht umhin festzustellen, dass sich enorm viel Positives Richtung OA getan hat und UK sich zweifellos Leader der OA-Bewegung nennen darf. Wie aber Harnad zurecht anmerkt ist der Preis den UK dafür zahlt ebenfalls Weltspitze und absehbar nicht nachhaltig. Jedenfalls wenn man weiterfährt Gold OA und das Subskriptionsmodell getrennt zu halten. Unter den Stichwörtern „Offsetting“ und „Total Cost of Ownership“ scheint sich aber nun einiges zu bewegen, wie man dem Jisc Evidence Report entnehmen kann:

Many publishers are working with Jisc to develop offsetting models that limit the total cost of ownership of journals for institutions, at a time when they are paying APCs and subscriptions. However, not all publishers have perhaps shown that they recognise the importance of this to their customers.

Grosser Vorteil hat UK nun dadurch, dass für Gold OA schon mal eine Vorauszahlung gemacht wurde und nun die Verlage mit soliden Zahlen konfrontiert werden können.

Dazu passt es, dass in UK gerade auch Transparenz über die Subskriptionen geschaffen wurde. Stuart Lawson und Ben Meghreblian haben den Ansatz von Timothy Gowers systematisch erweitert. Sie haben bei 100 britischen Universitäten Informationen zu Bezahlungen von mehreren Verlagen und mehreren Jahren verlangt. Herausgekommen ist eine erstaunlich vollständige Liste, die sicherlich noch viel zu reden und analysieren geben wird: http://dx.doi.org/10.6084/m9.figshare.1186832

Update 30.10.2014

Eine kurze Analyse der Subkriptionsdaten ist nun in THE: Times Higher Education erschienen: Spending on subscriptions to journals rises by up to 50%