Veranstaltungshinweis: Scicamp „Wissenschaft im Web 2.0“

Am 11. und 12. August 2012 findet in Essen das Scicamp statt. Die Un-Konferenz widmet sich unter dem Motto „Die Relativitätstheorie in 140 Zeichen? Wissenschaft im Web 2.0“ den Chancen und Herausforderungen des Web 2.0 in der Wissenschaft. Auszug aus der Ankündigung:

„Auch in der Wissenschaftskommunikation werden mittlerweile die Möglichkeiten des Web 2.0 mehr und mehr genutzt. Und trotzdem: Immer noch scheuen sich viele Wissenschaftler, aber auch Kommunikatoren diese Instrumente intensiv zu verwenden. Teilweise scheut man sich wohl vor Offenheit und Transparenz die Social Media zwangsweise mit sich bringen, auf der anderen Seite gelten Blogs oder Facebook als sehr zeitintensives „Hobby“. Doch haben diese „Skeptiker“ recht? Worin liegen die Vorteile, aber auch die Nachteile, wo die Grenzen für die Kommunikation im Netz? Was funktioniert, was nicht? Gibt es tatsächlich die Möglichkeit eines offenen, transparenten Dialogs auf Augenhöhe durch die Social Media? Sehen wir immer mehr Beispiele auch für Citizen Science, bei der Bürger direkt im Forschungsprozess beteiligt werden? Und in welchen Bereichen sollten wir vielleicht eher auf andere Medien zurückgreifen, um miteinander zu kommunizieren?“

Die Teilnahme am Scicamp ist kostenlos, es wird jedoch um Anmeldung bis zum 06. August 2012 gebeten. Die Sessionvorschläge lassen auf eine spannende Veranstaltung schließen:

  • Henning Krause, Social Media Manager des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR): „Die 2.0-Wissenschaftskommunikation deutscher Forschungsorganisationen“
  • Andreas Schepers, Communications Compliance Officer von AOES für European Space Agency (ESA): „Twitternde Astronauten, Satelliten und Raketen – Europäische Raumfahrt im Social Web“

Weitere Informationen finden sich auf der Website der Veranstaltung.  Das Scicamp ist eine Veranstaltung von Wissenschaft im Dialog in Kooperation mit dem IdeenPark Essen.

EU-Kommission verankert Open Access in Europa

Nach mehreren Konsultationen, in denen massive Zugangsbarrieren zu wissenschaftlichen Informationen konstatiert wurden, hat die Europäische Kommission heute eine umfassende Verankerung von Open Access im Europäischen Forschungsraum (ERA) angekündigt.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz stellten die EU-Kommissarinnen Neelie Kroes (Digitale Agenda) und Maire Geoghegan-Quinn (Forschung, Innovation und Wissenschaft) ein Kommuniqué an das Europäische Parlament (PDF) und eine Empfehlung an die EU-Mitgliedsstaaten (PDF) zur dauerhaften und offenen Zugänglichkeit von wissenschaftlichen Publikationen und Forschungsdaten vor.

U.a.  informierten die EU-Kommissarinnen über die Open-Access-Policy im kommenden Forschungsrahmenprogramm HORIZON 2020: Alle Publikationen, die im Rahmen des Förderprogramms veröffentlicht werden, müssen in Open-Access- Zeitschriften veröffentlicht werden oder nach einem Embargo von zwölf bzw. sechs Monaten (je nach Förderprogramm) auf einem Repositorium zugänglich gemacht werden. Eventuell entstehende Publikationsgebühren bei der Veröffentlichung in Open-Access-Zeitschriften werden übernommen.

Weiter empfiehlt die Kommission den Mitgliedstaaten die deutliche Förderung von Open Access. Ziel der Kommission ist es, dass 2016 60% der Publikationen, die im Rahmen der öffentlich geförderten Forschung in Europa entstehen, ohne Barrieren zugänglich sind.

Bislang sind deutliche Unterschiede in der Umsetzung von Open Access in den Mitgliedstaaten zu beobachten. Spannend wird nun sein, welche Wirkung die Empfehlungen auf Deutschland haben. Der Blick auf die jüngsten Entwicklungen in Großbritannien und Dänemark zeigt die zunehmende Verankerung des Themas in der europäischen Wissenschaftspolitik.

Der offene Zugang zu wissenschaftlicher Information ist aus Sicht der Kommission nicht auf Textpublikationen beschränkt. Den Mitgliedstaaten wird nahegelegt auch die dauerhafte Zugänglichkeit von Forschungsdaten zu fördern. In der Empfehlung an die Staaten heißt es

“Define clear policies for the dissemination of and open access to research data resulting from publicly funded research. These policies should provide for: concrete objectives and indicators to measure progress; implementation plans, including the allocation of responsibilities (including appropriate licensing); associated financial planning.”

Es lohnt sich die Empfehlung und das Komuniqué zu lesen. Weiter finden sich auf der Website der Kommissarin Neelie Kroes eine Reihe von Videos, in denen sie mit prominenten Wissenschaftlern über Open Access spricht (Robbert Dijkgraaf, IAS, Günter Stock , Akademienunion & ALLEA,  Nobelpreisträger Harold Varmus, NCI). Folgendes Video fasst die Gespräche zusammen:

Sammelband zur Offenheit in der digitalen Welt erschienen

Ulrich Herb hat einen lesenswerten Sammelband zum Themenfeld Offenheit in Wissenschaft, Verwaltung und Bildung veröffentlicht. Zwölf Autorinnen und Autoren beleuchten Initiativen deren Ziel es ist, durch Nutzung des Webs, den Zugang zu Information und Wissen zu verbessern. Auszug aus dem Abstract:

„Initiativen, die Transparenz, offenen und möglichst einfachen Zugang zu Informationen, etwa in Wissenschaft und Verwaltung fordern und herstellen, gewinnen rasant an Bedeutung und beginnen sich immer weiter zu differenzieren. Die Forderungen reichen von freiem (im Sinne von kostenlosem) Zugang zu Informationen bis hin zu offenem Zugang analog den Prinzipien der Open Source Community. Manche Initiativen und Phänomene fokussieren stärker auf Transparenz als auf Offenheit, wie z.B. die Whistleblower-Plattform Wikileaks, während wiederum andere (z.B. Open Government oder Open Access zu Forschungsdaten) die Forderungen nach Transparenz und Offenheit kombinieren oder sich an der Bereitstellung nicht-proprietärer Informationen versuchen (wie das Geodaten-Projekt OpenStreetMap oder die Open Metrics Konzepte im Wissenschaftskontext).“

Gelungen ist der Ansatz des Herausgebers, der auch für dieses Blog schreibt, die unterschiedlichen Herangehensweisen der Initiativen in einem Buch zu vereinigen. So wird das Thema Open Data beispielsweise aus Perspektive der Wissenschaft und der öffentlichen Verwaltung behandelt. Dabei werden Gemeinsamkeiten und Gegensätze der „Open Initiatives“ deutlich.

Das 220-seitige Werk „Open Initiatives: Offenheit in der digitalen Welt und Wissenschaft“ ist im Universitätsverlage der Universität des Saarlandes erschienen und open access zugänglich. Für das Bücherregal gibt es auch eine gedruckte Version.

Internet-Enquete diskutiert Bericht zu Open Access

Die Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ hat heute auf ihrer 16. Sitzung den Zwischenbericht der Projektgruppe „Bildung und Forschung“ diskutiert. Dieser Bericht (PDF) behandelt u.a. das Themenfeld Open Access zu Textpublikationen und Forschungsdaten sehr umfassend.

Neben einer Einführung in das Thema wird die Entwicklung von Open Access beleuchtet. Darüber hinaus werden die Herausforderungen behandelt. Weiter wird ein Blick auf Aktivitäten im Ausland geworfen. Auszug aus der Einleitung:

„Eine zentrale Rolle für heutige Informationsinfrastrukturen spielen die Handlungsfelder Open Access und Open Data im Wissenschaftsbereich: Je nach Disziplin werden international aktuell bereits zwischen fünf und 30 Prozent der Veröffentlichungen Open Access publiziert. Führend sind dabei bislang die Naturwissenschaften. Weit verbreitet ist aber auch die Nutzung von Open Access: 90 Prozent der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit geben in Umfragen eine Präferenz für Open Access an. Insbesondere sie, aber auch Bibliotheken, wissenschaftliche Verlage, Wissenschaftsorganisationen und Wissenschaftsinstitutionen stehen hier in Zukunft vor großen Herausforderungen.“

Handlungsempfehlungen zum Thema folgen.

eLife geht online: Open Access Journal wird von MPG, Wellcome Trust und Howard Hughes Medical Institute unterstützt

Im Juni 2011 vereinbarten die Max-Planck-Gesellschaft MPG, das Howard Hughes  Medical Institute (USA) und der Wellcome Trust (UK), gemeinsam die Herausgabe eines Open-Access-Journals mit dem Titel eLife aus dem Bereich der Biomedizin/Life Sciences zu unterstützen. Keyfeatures sollten laut damaliger Ankündigung neben offenem Zugang selbstredend strenge Qualitätssicherung sowie ein schneller, innovativer Veröffentlichungsprozess sein. Gestern erblickte elife nun unter dieser URL das Licht der digitalen Wissenschaftswelt: http://www.elifesciences.org.

Auch wenn bislang noch kein Artikel publiziert wurde, gibt die Website etwas Aufschluss über elife. So ist dort von einem zügigen und fairen Publikationsprozess die Rede (die Anwendung von Open Review ist aber anscheinend nicht geplant), vom Einsatz multimedialer Elemente, breiter Beteiligung der Leserschaft, von innovativer Wissenschaftskommunikation und Kollaboration. Publikationsgebühren sollen (zumindest in der ersten Phase) nicht anfallen, die Dokumente selbst werden unter CC-BY verfügbar sein. eLife plant zudem den Einsatz und die Auswertung neuartiger Wirkungsindikatoren à la PLoS, sprich: den Nachweis von wissenschaftlicher Relevanz via Nutzungshäufigkeit und Social Media Impact.

Neues Zeitschriftenranking: Google Scholar Metrics

Über die Integration von bibliometrischen Indikatoren in Google Scholar wurde hier bereits berichtet. Gestern veröffentlichte der Suchmaschinengigant nun unter dem Namen „Google Scholar Metrics“ eine Top 100 Liste von wissenschaftlichen Zeitschriften, die nach „five-year h-index and h-median metrics“ gerankt sind. Auszug aus der Beschreibung des Angebots:

„Scholar Metrics currently cover articles published between 2007 and 2011, both inclusive. The metrics are based on citations from all articles that were indexed in Google Scholar as of April 1st, 2012. This also includes citations from articles that are not themselves covered by Scholar Metrics.“

Die beiden Indikatoren werden wie folgt definiert:

  • „h5-index is the h-index for articles published in the last 5 complete years. It is the largest number h such that h articles published in 2007-2011 have at least h citations each.“
  • „h5-median for a publication is the median number of citations for the articles that make up its h5-index.“

Die „Google Scholar Metrics“ wurden für folgende Sprachräume veröffentlicht: Englisch,  Chinesisch, Portugiesisch, Deutsch, Spanisch, Französisch, Koreanisch, Japanisch, Niederländisch und Italienisch. Das Ranking des deutschsprachigen Zeitschriftenmarktes wird von dem Springer-Journal „Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz“ angeführt. Im englischen Sprachraum führt Nature. (Ein wenig irritiert, dass mit RePEc und arXiv auch Repositorien indexiert sind.)

Update: Wie ich gerade entdeckt habe, gibt es auch im Google Scholar Blog einen Hinweis auf den Dienst. Dort wird auch auf die Möglichkeit von disziplinären Rankings aufmerksam gemacht.

arXiv & Open Access Text Mining

Nature berichtete gestern von einem Vorhaben, das exemplarisch Vorteile des offenen Zugangs zu Informationen beschreibt: Ein Team der Harvard University wird die ca. 740.000 Volltexte des Open Access Repositorys arXiv mittels Text Mining Methoden analysieren. Ziel ist es die Halbwertszeit wissenschaftlicher Begriffe und Konzepte, ihre Dissemination oder gar ihren Mem-Charakter zu erfassen, kurzum: Wissenschaftstrends zu kartographieren. Neben dieser eher szientometrischen Perspektive gibt es allerdings  die angewandte Perspektive des Retrievals: Die Auswertungen erlauben es auch, die relevantesten Publikationen zu einer spezifischen Thematik zu bestimmen. Das sogenannte Cultural Observatory Team der Harvard University hat bereits Erfahrungen mit Analysen dieser Art gesammelt als es mit ähnlichen Verfahren 5 Millionen Texte, die in Google Books indiziert waren, auswertete. Die arXiv-Implementierung verspricht allerdings bessere Usability: Dokumentempfehlungen innerhalb des Google Book Index sind von begrenztem Nutzen, schließlich ist ein Großteil des Materials nicht offen zugänglich. Davon abgesehen illustriert das Projekt den Vorteil der Zugänglichmachung von Informationen unter offenen Lizenzen: restriktive Nutzungsbedingungen, wie sie v.a. im Closed Access üblich sind, untersagen Text Mining.

Videos der APE 2012 online

Vom 24. bis 25. Januar  fand in Berlin die diesjährige “Academic Publishing in Europe” (APE) statt. Die Konferenz bot wie in den letzten Jahren einen interessanten Überblick über die heißen Themen der Verlagsbranche. Die Videoaufzeichnungen der Vorträge sind jetzt auf River Valley TV online.

Persönlich fand ich insbesondere den Vortrag von Fred Dylla (AIP) interessant. Er beschreibt seine Sicht auf die politische Diskussion um Open Access in den USA. Dabei geht er auf das schlechte Image der Wissenschaftsverlage und den Research Works Act (RWA) ein.

Einen Schwerpunkt der Konferenz bildete das Thema Data Publishing. U.a. stelle Eefke Smit (STM), im Kontext des ODE-Projekts, die Sicht der STM-Verlage auf das Thema vor. Darüber hinaus wurden die Data Repositories DRYAD und PANGAEA vorgestellt.

Weiter präsentierte Daniel Mietchen (EvoMRI) auf der Konferenz die Kriterien eines „Journal of the Future„, die er gemeinsam mit Lambert Heller und mir diskutiert hat. (Weiterentwicklungen sind weiterhin sehr willkommen.)

Altmetrics-Studie: Neue Verfahren wissenschaftlicher Impact-Messung

Die niederländische SURFfoundation hat eine sehr lesenswerte Studie über innovative Verfahren der Impact-Messungen in der Wissenschaft veröffentlicht.  Unter dem Titel „Users, narcissism and control – tracking the impact of scholarly publications in the 21st century“ (PDF) beleuchtet die Studie Dienste und Verfahren, mit denen abseits des Impact-Faktors die Wirkung wissenschaftlicher Veröffentlichungen gemessen werden kann. U.a. werden Dienste wie Peer Evaluation, ScienceCard und PLoS Article-Level Metrics betrachtet.

Die Studie beschreibt das Potenzial dieser Dienste wie folgt:

„These allow the researcher to make some sort of limited self-assessment with respect to the response to his/her work. However, this does not mean that these technologies and databases can also legitimately be used in research assessments. For this application, they need to adhere to a far stricter protocol of data quality and indicator reliability and validity. Most new tools do not (yet) comply with these more strict quality criteria.“

Darüber hinaus werden folgende Empfehlungen gegeben:

„The report therefore advises to start a concerted research programme in the dynamics, properties, and potential use of new web based metrics which relates these new measures to the already established indicators of publication impact. Its goal would be to contribute to the development of more useful tools for the scientific and scholarly community. This programme should monitor at least the following tools: F1000, Microsoft Academic Research, Total-Impact, PlosONE altmetrics, and Google Scholar. The programme should moreover develop the following key research themes: concepts of new web metrics and altmetrics; standardisation of tools and data; and the use and normalisation of the new metrics.“

Im Januar erschien im Chronicle of Higher Education ein schöner Artikel („Scholars Seek Better Ways to Track Impact Online“) über die Diskussionen zu diesem Thema, die im Kontext des Altmetrics-Manifest geführt werden.

USA: Neue Gesetzesinitiative zur Förderung von Open Access

Der „Research Works Act“ , die Gesetzesinitiative, die nationalen Forschungseinrichtungen in den USA jegliches Engagement für den Grünen Weg des Open Access untersagen möchte, hat nun eine Gegenspielerin: den „Federal Research Public Access Act (FRPAA) of 2012“ (PDF).

Diese Gesetzesinitiative möchte nationale Forschungseinrichtungen verpflichten, Publikationen, die im Rahmen von geförderten Projekten entstehen,  spätestens sechs Monate nach Veröffentlichung in einem referierten Journal frei zugänglich zu machen.

Der Kongressabgeordnete Mike Doyle, der die Initiative vorantreibt beschreibt das Anliegen des FRPAA auf seiner Website:

„The Federal Research Public Access Act would require federal agencies with an extramural research budget of $100 million or more to make federally-funded research available for free online access by the general public, no later than six months after publication in a peer-reviewed journal.“

Weitere Informationen zum FRPAA finden sich im Blog von PLoS-Gründer Michael Eisen. Über die Geschichte des FRPAA informiert das Harvard Open Access Project.

Der „Research Works Act“ hat in den letzten Wochen einen großes Echo in der Wissenschaftsgemeinde ausgelöst:

Eine umfassende Darstellung der Diskussionen rund um den „Research Works Act“  liefert Wisspub-Autor Ulrich Herb unter dem Titel „Die Rückkehr des Kommunitarismus“ im Freitag.