Neues Zeitschriftenranking: Google Scholar Metrics

Über die Integration von bibliometrischen Indikatoren in Google Scholar wurde hier bereits berichtet. Gestern veröffentlichte der Suchmaschinengigant nun unter dem Namen „Google Scholar Metrics“ eine Top 100 Liste von wissenschaftlichen Zeitschriften, die nach „five-year h-index and h-median metrics“ gerankt sind. Auszug aus der Beschreibung des Angebots:

„Scholar Metrics currently cover articles published between 2007 and 2011, both inclusive. The metrics are based on citations from all articles that were indexed in Google Scholar as of April 1st, 2012. This also includes citations from articles that are not themselves covered by Scholar Metrics.“

Die beiden Indikatoren werden wie folgt definiert:

  • „h5-index is the h-index for articles published in the last 5 complete years. It is the largest number h such that h articles published in 2007-2011 have at least h citations each.“
  • „h5-median for a publication is the median number of citations for the articles that make up its h5-index.“

Die „Google Scholar Metrics“ wurden für folgende Sprachräume veröffentlicht: Englisch,  Chinesisch, Portugiesisch, Deutsch, Spanisch, Französisch, Koreanisch, Japanisch, Niederländisch und Italienisch. Das Ranking des deutschsprachigen Zeitschriftenmarktes wird von dem Springer-Journal „Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz“ angeführt. Im englischen Sprachraum führt Nature. (Ein wenig irritiert, dass mit RePEc und arXiv auch Repositorien indexiert sind.)

Update: Wie ich gerade entdeckt habe, gibt es auch im Google Scholar Blog einen Hinweis auf den Dienst. Dort wird auch auf die Möglichkeit von disziplinären Rankings aufmerksam gemacht.

Advertisements

Google Scholar – von der Suchmaschine zum Collaboratory?

Hat die Vernachlässigung von Google Scholar ein Ende? Nachdem Microsoft Academic Search bereits vor einigen Monaten begonnen hat, bibliometrische Indikatoren in seiner wissenschaftlichen Suchmaschine nachzuweisen, zieht Google jetzt nach.

Vor einigen Tagen kündigte Google den Start des Dienstes „Google Scholar Citations“ an. Nach Angaben des Konzerns ermöglicht der Dienst „a simple way for you to compute your citation metrics and track them over time.“

Aktuell befindet sich der Google Scholar Citations in einer geschlossenen Betaphase. Die Reaktionen auf den Start von Google Scholar Citations sind vielfältig. Während z.B. Joachim Michel das Ende des Social Science Citation Index (SSCI) prognostiziert, äußern sich andere Kommentatoren zurückhaltender. So z.B. Martin Fenner, dessen lesenswerter Blogpost hier empfohlen werden muss.

Während bei Datenbanken wie Scopus oder Web of Science die Datengrundlage für die Berechnung bibliometrischer Indikatoren (einigermaßen) nachvollziehbar ist, ist bei Google Scholar Citations und bei Microsoft Academic Search unklar, welche Quellen  (z.B. Repositorien) indexiert werden. So hat z.B., wie bereits geschrieben, Albert Einstein bei Google Scholar 663 Publikationen und einen h-Index von 79, bei Microsoft Academic Search hat der Nobelpreisträger 194 Publikationen und einen h-Index von 23.

Ich habe seit wenigen Stunden einen Google Scholar Citations Account. Bei der Registrierung fand Google automatisch 9 Publikationen, an denen ich beteiligt bin. Diese werden nun automatisch in meinem Profil nachgewiesen. Bisher habe ich darauf verzichtet, weitere Publikationen hinzuzufügen oder auch die nachgewiesenen Slides zu löschen um das Profil etwas aussagekräftiger zu gestalten. Ein Klick auf mein Profil zeigt eine weitere Herausforderung: die heterogene Metadatenqualität. Nach diesen wenigen Spielereien mit dem Dienst fällt auch mein bisheriges Fazit eher verhalten aus.

Betrachtet man Google Scholar Citations jedoch vor dem Hintergrund von Google Plus wird das Potenzial des Dienstes deutlich. Eine Integration von Google Scholar Citations in Google Plus wäre ein feine Sache! So könnten z.B. die wöchentlichen Projektmeetings über Google Hangout organisiert werden oder die Papers der Kolleginnen und Kollegen könnten „Stream“ diskutiert werden.

Dieses Szenario könnte bald an Bedeutung gewinnen. Wie diesen Monat bekannt wurde investiert Google in das Startup-Unternehmen Wingu.

Wingu ist eine „enterprise cloud computing company“, die unter dem Namen „Elements“ ein Software-Produkt betreibt, das Google Scholar von einer Suchmaschine zu einer „virtuellen Forschungsumgebung“ (Collaboratory) aufwerten könnte. Auszug aus der Beschreibung der Software:

„Wingu’s flagship product, Elements, is an extensible scientific data integration and collaboration platform that helps researchers easily design, capture, analyze, and manage their data, allowing them to concentrate on science rather than software. The modular framework allows for simple data organization and customization, while the cloud-based architecture enables global collaborations with distributed teams.“

Es bleibt spannend! BTW: Ist jemandem ein Repositorium bekannt, welches das „citations-gadget“ integriert hat?