Kurz: Open Access in Princeton, Open Access im Bundestag

Die Princeton University hat unter breitem Medieninteresse eine Open-Access-Richtlinie verabschiedet.  Ulrich Herb berichtet auf Telepolis:

„Die Princeton University untersagt ihren Wissenschaftlern, das exklusive Copyright (im deutschen Rechtsraum müsste analog von den ausschließlichen Nutzungsrechten die Rede sein) an einem Text im Zuge dessen Publikation an einen Verlag zu übertragen. Soweit so gut und soweit auch sehr viel besser, als das, was andere Universitäten tun.“

Am Donnerstag wurde der Antrag der Grünen zum Thema Open Access im Bundestag diskutiert. Nach der Diskussion um den Antrag der Linken  (siehe dazu auch die damalige Zusammenfassung bei IUWIS) im Juli war dies die wohl bisher  intensivste Bundestagsdebatte zum Thema. Das Plenarprotokoll (17/130) dokumentiert die Diskussion (unter TOP 21). Im Nachgang der Debatte haben die  CDU-Abgeordneten Kretschmer und Schipanski in einer gemeinsamen Pressemitteilung eine weitere Prüfung des Zweitveröffentlichungsrecht angekündigt.

Grüne fordern umfassende Förderung von Open Access

Klaus Graf macht auf einen bemerkenswerten Gesetzesentwurf der Grünen zum Thema Open Access aufmerksam. Kurze Zusammenfassung:

Unter dem Titel „Förderung von Open Access im Wissenschaftsbereich und freier Zugang zu den Resultaten der öffentlich geförderten Forschung“ (17/7031) hat die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen einen Antrag zum Thema Open Access in den Bundestag eingebracht.

Im Fokus des Antrags steht das Anliegen der Grünen „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der Nutzung und Publikation von Open Access Beiträgen durch Informationen, Beratung und Serviceleistungen zu unterstützen und dadurch die Verbreitung von Open Access Veröffentlichungen zu beschleunigen.“

Die Grünen schlagen vor Open Access durch Maßnahmen in den folgenden vier Handlungsfeldern zu fördern:

Rechtliche Vorraussetzungen für Open Access: Hier wird ein u. a. eine unabdingbares Zweitveröffentlichungsrecht gefordert.

Open-Access-Strategien der Wissenschaft unterstützen: Hier sehen die Grünen umfassenden Handlungsbedarf. U. a. soll der Aufbau von Open-Access-Publikationsfonds sowie die „Primärdateninitiative“ der Wissenschaftsorganisationen vorangetrieben werden.

Benachteiligung von Open-Access-Publikationen abbauen: Hier fordern die Grünen u. a. die Gleichberechtigung von Open-Access-Publikationen im Rahmen von Berufungsverfahren.

Transparenz über öffentliche Forschung erhöhen: Unter diesem Punkt fordern die Grünen u. a. die Einführung von „rechtlich verpflichtende[n] Bedingung“ um Publikationen, die im Eigenverlag von wissenschaftlichen Institutionen entstehen, nach einem Embargo von zwölf Monaten im Netz frei zugänglich zu machen. (Besonderer Handlungsbedarf wird bei den Ressortforschungseinrichtungen des Bundes gesehen.)

Bundestag.de hat eine kurze Notiz zu dem Antrag veröffentlicht.

Update, 27.09.11: Auf gruen-digital.de erläutert Konstantin Notz, netzpolitischer Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion, das Anliegen.

Berliner Parteien zu Open Access

Vielleicht für die Berlinerinnen und Berliner von Interesse: Wikimedia Deutschland greift in ihren Wahlprüfsteinen zur anstehenden Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus das Thema Open Access in zwei Fragen auf.

Frage 10 befasst sich u.a. mit der Repositorien-Infrastruktur an Berliner Wissenschaftseinrichtungen. Frage 11 widmet sich der Forderung nach einem Zweitveröffentlichungsrecht.

Folgende Parteien haben die beiden Fragen beantwortet: Bündnis 90/Die Grünen, CDU, FDP, Die Linke, Piratenpartei, SPD, Partei für Soziale Gleichheit (PSG) und Tierschutzpartei. Die lesenswerte Übersicht aller Antworten zum Thema findet sich im Wikimedia-Wiki.

Auch die weiteren Antworten zu den Fragen des Themenkomplexes Bildung und Wissenschaftspolitik (Digitale Leseexemplare an Bibliotheken und kollaboratives Arbeiten im Bildungsbereich) sind interessant.

(via netzpolitik.org)

Open-Access-Tage 2011: Anmeldung eröffnet

In diesem Jahr finden die Open-Access-Tage bereits zum fünften Mal statt. Gastgeberin ist vom 4. bis 5. Oktober 2011 die Universität Regensburg. Veranstaltet wird die Fachkonferenz von der Informationsplattform open-access.net und ihren Partnern.

Die Konferenz richtet sich an Personen aus Wissenschaft, Wissenschaftsmanagement, Verlagen und Infrastruktureinrichtungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Neben Vorträgen im Plenum besteht in vielen Sessions die Möglichkeit zur Diskussion. Teil der Veranstaltung ist wie in den Vorjahren die Open-Acces-Messe, auf der sich Open-Access-Projekte, -Verlage, -Zeitschriften, -Repositorien und weitere Akteure präsentieren können.

Die Anmeldung ist eröffnet und das Programm wächst und gedeiht. Als Mitglied des Programmkomitees würde ich mich freuen auch einige wisspub-Leserinnen und Leser in Regensburg sehen zu können. (Hashtag: #OAT11)

BMBF-Thesenpapier zum zukünftigen Internet

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat im Rahmen der Konferenz „Zukünftiges Internet“ (Berlin, 05.07 -06.07.2011) eine Thesenpapier (PDF) zum zukünftigen Internet veröffentlicht. Das Papier umfasst zehn Thesen, die aus Sicht des Ministeriums zentrale Punkte bei der Entwicklung des Internets aufgreifen. Einen Bericht zur Konferenz von Richard Sietmann findet sich auf heise online.

Für mich etwas überraschend findet die Bedeutung des Internets für Forschung und Lehre keine eigenständige Betrachtung in den BMBF-Thesen. Wer sich jedoch einen Überblick über Stand und Entwicklung der digitalen und vernetzten Forschung in Deutschland machen will, kann sich durch den jetzt erschienen Tagungsband (PDF) der Konferenz „Digitale Wissenschaft 2010“ klicken, den wisspub-Kollege Cornelius Puschmann mit herausgegeben hat.

In 28 Beiträge von 61 Autorinnen und Autoren werden auf 210 Seiten die Themenfelder „Digital Humanities“, „Wissenschaftskommunikation und Web 2.0“, „E-Science und Forschungsdatenmanagement“ sowie „Elektronisches Publizieren und Open Access“ behandelt. (Disclosure: Auch ein Beitrag von mir ist enthalten.)

Europäische Universitäten veröffentlichen Open-Access-Positionspapier

Die League of European Research Universities (LERU) hat ein Positionspapier zu Open Access veröffentlicht. Das Papier „The LERU Roadmap Towards Open Access“ (PDF) wurde am 17. Juni in Brüssel vorgestellt.

Die LERU wurde 2002 gegründet und ist eine europäische Vereinigung von einundzwanzig „research-intensive“ Universitäten. Deutsche Mitglieder sind die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).

Passend zur Veröffentlichung des Positionspapier hat die LMU einen kurzen Film zum Thema Open Access veröffentlich. In dem Video beschreiben Angehörige der Universität die Vorteile von Open Access. Interessant ist auch der Start des Forschungsdaten-Repositorium „Open Data LMU“ .  Mit diesem ist die LMU wohl die erste deutsche Hochschule die ihren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein eigenständiges und interdisziplinäres Repositorium für wissenschaftliche Daten bereitstellt.

„Es wird Zeit, alle alles lesen zu lassen“

In der Mittwochausgabe der FAZ findet sich ein lesenswerter Artikel von Hans-Jochen Schiewer, Rektor der Universität Freiburg. Dieser schildert seine Sicht auf die Transformation des subskriptionsbasierten Publikationssystems hin zu Open Access. Weiter beschreibt er die Open-Access-Strategie der League of European Research Universities (LERU), die diesen Monat in Brüssel präsentiert wird. Auszug:

„Die Idee des Open Access entspricht ganz den traditionellen Werten und Zielen akademischen Arbeitens, das auf Kollegialität, dem Austausch von Ideen und Ergebnissen, der gemeinsamen Suche nach Erkenntnis und der Verbreitung von Wissen zum Wohle der Gesellschaft insgesamt beruhen. Erst das digitale Zeitalter ermöglicht einen gemeinsamen freien Zugang zu wissenschaftlicher Erkenntnis und zu Forschungsdaten, wie er zuvor unter den Bedingungen des Druckzeitalters nicht denkbar war. Entscheidend dabei ist die Auswirkung dieses neuen Instruments auf die Entwicklung einer Gesellschaft, die den Leitbegriffen von Open Scholarship und Open Knowledge verpflichtet ist.“

Auf IUWIS rezensiert Ben Kaden den Aufsatz. (Apropos IUWIS: Es wäre fantastisch, wenn IUWIS COinS nutzen würde.)

Forschungsdatenmanagement: Welche Anforderungen haben Wissenschaftler?

„Welche Anforderungen haben Wissenschaftler bei der dauerhaften Zugänglichkeit wissenschaftlicher Daten?“ Dieser Frage geht eine Studie der niederländischen SURFfoundation nach. In der Metadstudie werden fünfzehn Publikationen zu dem Themenkomplex betrachtet.

Der Autor Martin Feijen benennt folgende Faktoren, die für Wissenschaftsmanagement und Infrastruktureinrichtungen von zentraler Bedeutung bei der Entwicklung von Massnahmen des Forschungsdatenmanagements sind (S. 4):

  • Tools and services must be in tune with researchers’ workflows, which are often discipline-specific (and sometimes even project-specific).
  • Researchers resist top-down and/or mandatory schemes.
  • Researchers favour a “cafeteria” model in which they can pick and choose from a set of services.
  • Tools and services must be easy to use.
  • Researchers must be in control of what happens to their data, who has access to it, and under what conditions. Consequently, they want to be sure that whoever is dealing with their data (data centre, library, etc.) will respect their interests.
  • Researchers expect tools and services to support their day-to-day work within the research project; long-term/public requirements must be subordinate to that interest.
  • The benefits of the support must clearly visible – not in three years’ time, but now.
  • Support must be local, hands-on, and available when needed.

Die Studie „What researchers want“ (PDF) ist frei zugänglich.

PS: Die duz hat sich in ihrer März-Ausgabe unter dem Titel „Der Kampf um den Rohstoff des Wissens“ dem Thema  angenommen. Leider sind die Beiträge mehrheitlich nicht Open Access.

Umfrage zur Expertenbeteiligung bei Wikipedia

Das Wikimedia Research Committee hat unter dem Titel „Expert barriers to Wikipedia“ eine Umfrage zur Position von Wissenschaftlern und „Experten“ zu Wikipedia veröffentlicht. Auszug aus dem Einführungstext:

Wikipedia is now widely regarded as a mature project and is consulted by a large fraction of internet users, including academics and other experts. However, many of them are still reluctant to contribute to it. The aim of this survey is to understand why scientists, academics and other experts do (or do not) contribute to an open collaborative project such as Wikipedia, and whether individual motivation aligns with shared perceptions of Wikipedia within expert communities. We hope this may help us identify ways around barriers to expert participation.

Die Fragen laden zum Nachdenken ein. Ich habe etwa 10 Minuten zur Beantwortung benötigt. Passend zur Umfrage findet sich auf academics.de ein Beitrag von Johannes Becher und Viktor Becher mit dem schönen Titel „Gegen ein Anti-Wikipedia-Dogma an Hochschulen“.

Der Hinweis auf die Umfrage kam von Daniel Mietchen, der Mitautor der Umfrag ist und sich u.a. mit der Funktion von Wikis in der Wissenschaftskommunikation beschäftigt.

Wissenschaftsrat zu Informationsinfrastrukturen

Der Wissenschaftsrat, das zentrale wissenschaftspolitische Beratungsgremium Deutschlands, hat heute drei Empfehlungen veröffentlicht, die je nach Arbeitsgebiet und Disziplin, gut und gerne als Pflichtlektüren bezeichnet werden können:

Übergreifende Empfehlungen zu Informationsinfrastrukturen

Wissenschaftlichen Sammlungen, Bibliotheken, Archiven und Datensammlungen, die unter dem Begriff Informationsinfrastrukturen zusammengefasst werden, kommt nach Auffassung des Wissenschaftsrates eine grundlegende Bedeutung für Forschung, Lehre und Nachwuchsförderung in allen wissenschaftlichen Fächern zu. „Informationsinfra­strukturen sind ein konstitutiver Teil des Wissenschaftssystems. Die Gewinnung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse wäre ohne sie nicht möglich. Es ist daher eine öffentli­che Aufgabe, ihre Verfügbarkeit für die Wissenschaft zu gewährleisten“, so der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Peter Strohschneider.

Empfehlungen zu Forschungsinfrastrukturen in den Geistes- und Sozialwissenschaften

Hinsichtlich der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Wissenschaftssystems ist es aus Sicht des Wissenschaftsrates notwendig, der an wissenschaftspolitischer Bedeutung zunehmenden Infrastrukturent­wicklung für die Geistes- und Sozialwissenschaften in Deutschland mehr Aufmerksam­keit zu widmen. Positiv bewertet er bereits jetzt die Entwicklung der Forschungsinfra­strukturen der quantitativen Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Vor allem im Be­reich großer Umfragestudien konnte hier in den vergangenen Jahren eine internationale Spitzenstellung erreicht werden. Eine vergleichbare Position gilt es auch für die qualita­tiven Sozialwissenschaften und die Geisteswissenschaften anzustreben. In diesem Sinne hat der Wissenschaftsrat Empfehlungen zur Stärkung der internationalen Konkur­renzfähigkeit von Informations- und sozialen Infrastrukturen sowie zur Ausstattung mit Großgeräten in einzelnen Feldern der Geistes- und Sozialwissenschaften in Deutsch­land ausgesprochen. Dabei äußert er sich auch zu Fragen der Archivierung von For­schungsdaten.

Empfehlungen zu wissenschaftlichen Sammlungen als Forschungsinfrastrukturen

Deutschland verfügt über eine reiche und sehr vielfältige Sammlungslandschaft, die Grundlage bedeutender und herausragender Forschung ist. Eine Systematisierung von Arten, die Erkundung evolutionären oder klimatischen Wandels sind ohne solche Sammlungen ebenso undenkbar wie die Erforschung schriftloser oder längst vergange­ner Kulturen oder die Erforschung der Entwicklung von Technik, Wissenschaften und Künsten. Der Wissenschaftsrat hat jedoch feststellen müssen, dass das Potenzial dieser Sammlungen – vor allem im universitären Bereich – noch nicht hinreichend er­kannt und genutzt wird. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Professor Peter Strohschneider: „Viele Sammlungen lagern unbekannt und ungenutzt in Abstellräumen der Universitäten, wo weder ihr dauerhafter Erhalt noch ihre wissenschaftliche Bearbei­tung möglich sind. Womöglich liegen hier noch ungeahnte Schätze für die Forschung.“

Für den 3. Februar 2011 wurden die  Empfehlungen zur Zukunft des bibliothekarischen Verbundsystems in Deutschland angekündigt.