Schleswig-Holstein legt „Open-Access-Strategie“ vor

Das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein hat heute seine „Open-Access-Strategie“ (PDF) vorgelegt. In einer Pressemitteilung stellt die Wissenschaftsministerin Kristin Alheit fest:

„Die moderne Forschung basiert auf einem umfassenden wissenschaftlichen Dialog und Fortschritten durch Verbesserungen früherer Arbeiten. Den freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen müssen wir daher als Chance und Turbo für die Forschung nutzen. Wer international mithalten will, muss seine Geschwindigkeit und Kommunikationswege den heutigen Möglichkeiten anpassen. Mit der Open Access-Strategie haben wir die Weichen gestellt, dass das in Schleswig-Holstein gelingt.“

In dem siebenseitigen Papier „Strategie 2020 der Landesregierung Schleswig-Holstein für Open Access“ werden zentrale Handlungsfelder für drei Akteursgruppen (Landesregierung, Hochschulen sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler) benannt.

Die Landesregierung kündigt an, „finanzielle Mittel für die Einrichtung eines landesweiten Open-Access-Dokumentenservers, einen Publikationsfonds sowie für Rechtsberatung zum Publizieren im Open Access bereitstellen.“ Auf Ebene der Hochschulen wird die Verabschiedung von Open-Access-Richtlinien angekündigt. Darüber hinaus sollen Open-Access-Beauftragten ernannt werden, die Forschende bei der Umsetzung von Open Access unterstützen. Laut Pressemitteilung wird das Land im Haushaltsjahr 2015 100.000 Euro zum Anschub der Open Access-Strategie zur Verfügung stellen.

Interessant ist der Abschnitt „Indikatoren für Open Access in Schleswig-Holstein“ der Veröffentlichung: Durch die Erhebung von Indikatoren soll der Anteil der Open-Access-Publikationen ab 2018 evaluiert werden. Ziel ist u. a. die „jährliche Erhöhung des Anteils der Open-Access-Publikationen im landeseigenen Dokumentenserver“. Die weitere Befassung des Themas soll durch einen Lenkungsausschuss sichergestellt werden.

In der Vergangenheit haben bereits andere Bundesländer Open Access in ihren Regularien verankert. U.a. Baden-Württemberg in seinem Landeshochschulgesetz (2014) und Brandenburg im dortigen Hochschulgesetz (2009). Darüber hinaus hat das Land Baden-Württemberg das Thema im Rahmen seiner E-Science-Strategie aufgegriffen. Das Land Berlin hat im Mai dieses Jahres eine Open-Access-Strategie auf den Weg auf den Weg gebracht. Auch im niedersächsischen Koalitionsvertrag wird die Entwicklung einer Open-Access-Strategie angekündigt. Im Landtag Nordrhein-Westfalen fand jüngst eine Anhörung zum Thema statt.

 

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HRK fordert besseres Management von Forschungsdaten

Die Mitgliederversammlung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat vorgestern eine Empfehlung zum „Management von Forschungsdaten“ verabschiedet. In einer begleitenden Pressemitteilung wird der Handlungsbedarf für die Hochschulen in Deutschland wie folgt zusammengefasst:

„Digitale Daten in immer größeren Mengen spielen in der Forschung eine wachsende Rolle. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler brauchen eine Umgebung, in der sie mit diesen Daten effizient, unkompliziert und rechtlich abgesichert arbeiten können. […] Die [Hochschulen] stehen vor der Herausforderung, das Datenmanagement in der gesamten Hochschule im notwendigen Maß zu harmonisieren und zu integrieren, dabei aber genügend Raum für die vielfältigen Bedürfnisse in den verschiedenen Fachbereichen zu lassen.“

Im Kern des HRK-Papiers, dass das Thema als „zentrale strategische Herausforderung für Hochschulleitungen“ definiert, stehen vier Empfehlungen an die Mitgliedshochschulen:

  1. die „Abstimmung von Leitlinien zum Umgang mit digitalen Forschungsdaten“ an den Hochschulen,
  2. die Kooperation bei der Bearbeitung des Themas „über die Grenzen der Hochschule hinweg“,
  3. die „Stärkung der Informationskompetenz“ zum Umgang mit Daten in der Lehre, sowie
  4. der „Ausbau institutioneller Infrastrukturen zum Forschungsdatenmanagement“ an Universitäten und Fachhochschulen.

Weiter wird an Bund und Länder die Forderung erhoben, „den Ausbau der wissenschaftlichen Informationsinfrastrukturen und damit auch der Grundlagen des Forschungsdatenmanagements, engagiert zu unterstützen“. Eine steuernde Funktion wird dabei dem von der Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) beschlossenen Rat für Informationsinfrastrukturen zugeschrieben.

Es ist sehr erfreulich, dass die HRK diesem wichtigen Thema Beachtung schenkt. Über die Empfehlung hinaus kündigt die HRK an „genauere Umsetzungsvorschläge zum Forschungsdatenmanagement“ zu erarbeiten. Wünschenswert wäre, dass in diesen Vorschlägen die offene Zugänglichkeit der Forschungsdaten (Open Research Data) ein noch größeres Gewicht erhält und damit das „G8 Science Ministers Statement“ aus dem letzten Jahr aufgreift. In diesem betonen die G8-Staaten die Relevanz von „Open Scientific Research Data„.

Auch mit Blick auf die Studie „Science as an Open Enterprise“ der Royal Society scheint es zentral, das Potenzial des offenen Zugangs zu Forschungsdaten in dem Mittelpunkt des Themas zu stellen. Denn in der Empfehlung Nr. 1 der Royal Society heißt es: „Where data justify it, scientists should make them available in an appropriate data repository.“ (S. 10). Darüber hinaus werden Forschende bereits jetzt durch den „Open Research Data Pilot“ im EU-Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020 sowie durch diverse Data Policies von wissenschaftlichen Journals mit der Forderung nach Open Science konfrontiert.

Vor diesem Hintergrund hat die Universität Bielefeld Ende letzten Jahres als erste deutsche Hochschule eine Data Policy verabschiedet. Diese ermutigt die Angehörigen der Hochschule, „ihre Forschungsdaten über registrierte disziplinäre Forschungsdaten-Archive, oder, wenn nicht vorhanden, über das Forschungsdaten-Archiv der Universität Bielefeld zu veröffentlichen.“ Bei der Suche nach geeigneten Repositorien zur Speicherung und Zugänglichmachung der Daten verweist die Universität auf das Open-Science-Tool „re3data.org – Registry of Research Data Repositories“. Über dieses Portal lassen sich aktuell über 900 Repositorien recherchieren.

Auch an andere Hochschulen wird das Thema aktuell bearbeitet. Beispiel Berlin: An der Humboldt-Universität zu Berlin arbeitet aktuelle eine Initiative an dem Thema und an der Technische Universität Berlin wurde eine „Servicezentrum Forschungsdaten und -publikationen“ gegründet.

Weitere Informationen zum Thema:

Disclosure: Ich bin in das Projekt re3data.org und das Wiki forschungsdaten.org involviert und einer der Autoren des Handbuchs „CoScience“.

Bund und Länder richten „Rat für Informationsinfrastrukturen“ ein

Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hat am 22. November 2013  die Einrichtung eines Rates für Informationsinfrastrukturen beschlossen. Die Einsetzung des Gremiums geht auf eine Empfehlung des Wissenschaftsrates aus dem Jahr 2012 zurück.

Auszug aus der Pressemitteilung (PDF) der GWK:

„Um die vorhandenen vielfältigen Aktivitäten in diesem Bereich besser aufeinander abzustimmen und sie miteinander zu verzahnen, hat die GWK heute beschlossen, einen Rat für Informationsinfrastrukturen zunächst als vierjähriges Pilotprojekt einzurichten. [..] Der Rat soll sich auf der Systemebene den strategischen Zukunftsfragen dieses Wissenschaftsbereiches widmen, die Selbstorganisationsprozesse in der Wissenschaft stärken und Möglichkeiten zur Kooperation von Einrichtungen/Initiativen ausloten. Er wird Wissenschaft und Politik in Fragen der Weiterentwicklung der Informationsinfrastrukturen beraten. Dem 24-köpfigen Gremium sollen sowohl Nutzer und Betreiber von wissenschaftlichen Informationsstrukturen als auch öffentliche Zuwendungsgeber angehören. Die Finanzierung des Rates erfolgt gemeinsam durch Bund und Länder.“

Wissenschaftsorganisationen kritisieren Einschränkungen beim geplanten Zweitveröffentlichungsrecht

Die deutschen Wissenschaftsorganisationen kritisieren die Einschränkung des Kabinettsentwurf zum Zweitveröffentlichungsrechts auf “Forschungstätigkeiten, die im Rahmen der öffentlichen Projektförderung oder an einer institutionell geförderten außeruniversitären Forschungseinrichtung durchgeführt werden.”

Durch diese Einschränkung würde – im Gegensatz zum Referentenentwurf des BMJ – eine Unterscheidung zwischen a) der eigenfinanzierten Forschung an Hochschulen und b) der drittmittelfinanzierten Forschung sowie der Forschung an außeruniversitären Einrichtungen vorgenommen. Damit würde das Zweitveröffentlichungsrecht nur für die Drittmittel-Forschung und die Forschung an außeruniversitären Forschungseinrichtung gelten.

In einer Pressemitteilung wird das Zweitveröffentlichungsrecht grundsätzlich begrüßt. Die Einschränkung des Anwendungsbereiches wird jedoch als Diskriminierung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an Hochschulen verstanden. In der Erklärung heißt es:

„Das Zweitveröffentlichungsrecht sollte aus Sicht der Allianz dazu dienen, möglichst alle wissenschaftlichen Erkenntnisse, die mit Steuermitteln gefördert werden, frei zugänglich zu machen, um eine erhöhte Zirkulation von Wissen zu erzielen und den Nutzen der eingesetzten Steuermittel zu maximieren. Der Gesetzentwurf ist insofern inkonsequent und sollte im Bundestag entsprechend nachgebessert werden.“

Darüber hinaus wird eine Anpassung der Embargofrist, insbesondere für die STM-Disziplinen, auf sechs Monate gefordert. Hier verweisen die Wissenschaftsorganisationen auf ihre gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz verfasste die Stellungnahme zum Referentenentwurf.

Eine Sammlung weiterer Reaktionen auf den Kabinettsentwurf findet sich hier.

 

Nature-Special zur Reproduzierbarkeit wissenschaftlicher Ergebnisse

Die Nature-Zeitschriftenfamilie befasst sich diesen Monat in einem sehr interessanten Themenheft mit den Chancen und Herausforderungen der Reproduzierbarkeit wissenschaftlicher Ergebnisse. In den Artikeln geht es  u.a. um Transparenz, Offenheit und gute wissenschaftliche Praxis. Auszug aus der Beschreibung:

„No research paper can ever be considered to be the final word, and the replication and corroboration of research results is key to the scientific process. In studying complex entities, especially animals and human beings, the complexity of the system and of the techniques can all too easily lead to results that seem robust in the lab, and valid to editors and referees of journals, but which do not stand the test of further studies. Nature has published a series of articles about the worrying extent to which research results have been found wanting in this respect. The editors of Nature and the Nature life sciences research journals have also taken substantive steps to put our own houses in order, in improving the transparency and robustness of what we publish. Journals, research laboratories and institutions and funders all have an interest in tackling issues of irreproducibility. We hope that the articles contained in this collection will help.“

Alle Artikel zum Thema sind frei zugänglich. Gute Lektüre!

(Crosspost von ALBERTopen)

Obama verankert Open Access in der US-Forschungsförderung

Was für eine Woche für das Thema Open Access! Erst begrüßt der Rat der Europäischen Union Anfang der Woche den Vorschlag der EU-Kommission im kommenden Forschungsrahmenprogramm HORIZON 2020 eine Open-Access-Verpflichtung zu verankern (PDF):

„Moreover, ministers welcomed the Commission’s view that open access to scientific publications should be a general principle of the future Horizon 2020 research framework programme and presented some of the initiatives carried out under their respective national programmes.“

Dann legt das Bundesministerium der Justiz (BMJ) am Mittwoch einen Referentenentwurf (PDF) für ein Zweitveröffentlichungsrecht vor. Diese Regelung, die in Paragraph 38 UrhG verankert werden soll, würde Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die rechtlich abgesicherte Möglichkeit eröffnen Publikationen, die im Rahmen der öffentlich geförderten Forschung entstehen und „in einer periodisch mindestens zweimal jährlich erscheinenden Sammlung“ erscheinen nach einem Embargo von zwölf Monaten – als final draft – auf einem Repositorium frei zugänglich zu machen. Auszug aus der Begründung:

„Viele Wissenschaftler haben ein Interesse daran, ihre veröffentlichten Forschungsergebnisse einer breiteren (Fach-)Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie wollen mit der Einstellung ihrer Publikationen auf Repositorien ihrer Forschungsinstitutionen die Häufigkeit erhöhen, mit der ihre Publikationen zitiert werden. Zugleich wollen sie mit dem Angebot ihrer Inhalte im Internet auch die Verbreitung der Forschungsergebnisse verbessern.“

Wichtige Kommentare zu dem Referentenentwurf finden sich bei Ilja Braun, Klaus Graf und Rainer Kuhlen.

Und schließlich gab die US-Regierung am Freitag bekannt Open Access im Rahmen der Forschungsförderung zu verankern. Publikationen die an nationalen Forschungseinrichtungen entstehen sollen nach einer Embargoperiode von 12 Monaten frei zugänglich gemacht werden. In der Ankündigung heißt es:

„The Obama Administration is committed to the proposition that citizens deserve easy access to the results of scientific research their tax dollars have paid for. That’s why, in a policy memorandum released today, OSTP Director John Holdren has directed Federal agencies with more than $100M in R&D expenditures to develop plans to make the published results of federally funded research freely available to the public within one year of publication and requiring researchers to better account for and manage the digital data resulting from federally funded scientific research.“

Bemerkenswert ist, dass die Verordnung (PDF) auch die dauerhafte Zugänglichkeit von Forschungsdaten umfasst. Bereits bei der Antragstellung sollen zukünftig Datenmanagementpläne eingereicht werden, in denen Aussagen zu Zugang und Erhaltung der Daten beschrieben werden. Der Schritt der US-Regierung ist eine Reaktion auf die Petition „access2research“ die 2012 von über 65.000 Menschen unterzeichnet wurde.

Digital Humanities 2012: Videos und Tagungsband online

Vom  16. bis 20. Juli 2012 fand an der Universität Hamburg die Digital Humanities 2012 statt. Die Konferenz beschäftigte sich unter dem Motto „Digital Diversity: Cultures, Languages and Methods“ mit dem Stand und der Perspektive der digitalen Geisteswissenschaften. Eine Zusammenstellung von Presseberichten über die Konferenz findet sich hier.

Eine Vielzahl von Vorträgen wurden auf  Video aufgezeichnet (via Lecture2Go). Darüber hinaus ist der Tagungsband, der bei Hamburg University Press erschienen ist, frei zugänglich.

In einem der ersten Beiträge in diesem Blog ging Cornelius Puschmann 2009 der Frage „Digitale Geisteswissenschaften in Deutschland?“ nach. Die jetzige Gründung des Verbandes „DHD – Digital Humanities Deutschland“  im Rahmen der Konferenz zeigt, dass das „Methodenfeld“ (so Thomas Thiel in der FAZ vom 24.07.2012) deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Anliegen des Verbandes ist es, „eine formelle Interessenvertretung für Forscherinnen und Forscher, die sich im deutschsprachigen Raum in Forschung und Lehre im Arbeitsbereich der Digital Humanities engagieren“ zu werden.