EU-Kommission: Studie zur Umsetzung von Open Access im FP7

Nachdem die Europäische Kommission im Dezember bereits eine Studie zum Stand von Open Access in Europa veröffentlicht hat, wurde jetzt ein Bericht zur Umsetzung von Open Access im 7. Forschungsrahmenprogramm vorgestellt: Die „Survey on Open Access in FP7“ (PDF) basisiert auf einer Befragung von geförderten Projekten, die vom „Open Access Pilot“ der EU betroffen sind.

In der  Zusammenfassung werden die Herausforderungen bei der Umsetzung der Open-Access-Richtlinie wie folgt beschrieben:

„The dissemination of research results in FP7, including self-archiving and costs related to open access, is often an underestimated aspect. However, it requires specific measures and sustained investment. Despite its recognised benefits, the implementation of open access remains a challenge. Open access also raises technical questions and legal issues, linked in particular to how researchers exercise their copyright. Further difficulties are the lack of awareness of research- ers and of concrete support for them to practice open access.“

Aktuell wird die Verankerung von Open Access in dem kommenden Förderprogramm Horizon 2020 diskutiert. Ein Übersicht (PDF) informiert über die Vorstellungen der EU-Kommission. Es ist mit einer deutlichen Ausweitung der Richtlinie zu rechnen.

Bericht aus dem Open-Access-Krieg

Der Library Loon hat es eine Kriegserklärung an die Open-Access-Bewegung genannt, wir befinden uns demnach im Krieg um die Zukunft der wissenschaftlichen Kommunikation. Die Rede ist vom Research Works Act, einem Mitte Dezember im US-Repräsentantenhaus eingebrachten Gesetzesentwurf, auf den im deutschsprachigen Web bisher nur auf Archivalia aufmerksam gemacht wurde.

Der Research Work Act zielt darauf ab, Open-Access-Mandate zu verhindern bzw. abzuschaffen, Mandate wie das für die Open-Access-Bewegung so wichtige Mandat des National Institute of Health. Von der Association of American Publishers mit Beifall aufgenommen (zumindest eine der zwei Abgeordneten, die den Entwurf eingereicht haben, hat in der Verangegenheit Zahlungen von Elsevier erhalten) trifft es in der akadamischen Online-Gemeinschaft auf starke Ablehnung, siehe etwa diese Übersicht von John Dupuis.

Der Entwurfstext

Aus dem Gesetzentwurf:

No Federal agency may adopt, implement, maintain, continue, or otherwise engage in any policy, program, or other activity that–

(1) causes, permits, or authorizes network dissemination of any private-sector research work without the prior consent of the publisher of such work; or

(2) requires that any actual or prospective author, or the employer of such an actual or prospective author, assent to network dissemination of a private-sector research work.

(…)

In this Act:

          (…)
            (3) PRIVATE-SECTOR RESEARCH WORK- The term `private-sector research work‘ means an article intended to be published in a scholarly or scientific publication, or any version of such an article, that is not a work of the United States Government (as defined in section 101 of title 17, United States Code), describing or interpreting research funded in whole or in part by a Federal agency and to which a commercial or nonprofit publisher has made or has entered into an arrangement to make a value-added contribution, including peer review or editing. Such term does not include progress reports or raw data outputs routinely required to be created for and submitted directly to a funding agency in the course of research.

      Interessant ist die Definition von „private-sector research work“, Die Formulierung lässt einen vermuten, der Entwurf beziehe sich nur auf privat geförderte Forschung. Das „Private“ bezieht sich aber eben nicht auf die Frage, von wem die Forschung letztlich bezahlt wurde – dafür ist nämlich zum Großteil die öffentliche Hand verantwortlich -, sondern darum, in welchem Rahmen Forschungsergebnisse publiziert werden. (Siehe hierzu auch http://publishing.umich.edu/2012/01/05/more-legislative/.)

      Was tun?

      Aus Europa lässt sich wenig gegen diesen Gesetzentwurf machen außer die Nachricht über Blogs und Twitter zu verbreiten, auf dass die Proteste in den USA noch verstärkt werden. Allerdings gibt es die Möglichkeit, auf ein parallel laufendes Auskunftsersuchen des Office of Science and Technology Policy (OSTP) zu antworten, wo es um die Frage des öffentlichen Zugangs 1.) zu Dokumenten und 2.) zu Daten aus öffentlicher Forschung geht. Die Deadline wurde kürzlich bis zum 12. Januar verlängert und bisher überwiegen Open-Access-feindliche Antworten aus dem Verlagslager. Wer nicht die Zeit hat, seine Antworten komplett selbst zu verfassen, kann sich Inspiration bei anderen holen, siehe z.B. Björn Brembs‘ Antworten oder die Antworten von Kitware (zu Dokumenten und zu Daten) , die jedeR mitschreiben und unterzeichnen kann. Wir sollten das Weiße Haus wissen lassen, wie wichtig Open Access für die gesamte Welt ist!

      Bericht: Open Access und Langzeitarchivierung in Europa

      Die Europäische Kommission hat eine Studie zum Stand von Open Access und Aktivitäten der digitalen Langzeitarchivierung in Europa veröffentlicht. Der Bericht „National Open Access and Preservation Policies in Europe“  ist online zugänglich (PDF). Die EU-Kommissarin für Wissenschaft und Forschung Máire Geoghegan-Quinn gibt im Vorwort eine Zusammenfassung:

      „This report gives an overview of how open access is developing in the European Research Area. It is based on a survey conducted via the European Research Area Committee. It shows that open access is backed by a growing number of universities, research centres and funding agencies across Europe, and it highlights the dynamic growth of open access. It also underlines, however, that national initiatives and practices are still fragmented, thus preventing the European Union from realising its full research and innovation potential.“

      infocamp: Barcamp zu Bibliotheks- und Informationswissenschaft 2012 in Chur (CH)

      Liebe Kolleginnen und Kollegen,

      Weiterbildungen, Konferenzen, Tagungen, Arbeitsgruppen, Workshops, Meetings ­– Ziel der meisten dieser Veranstaltungen ist die Wissensvermittlung und der Austausch mit FachkollegInnen. Aber bieten diese Veranstaltungen immer genügend Zeit für Gespräche und Diskussionen und werden die für Sie relevanten Themen behandelt?

      Beim Infocamp in Chur werden Sie genau die richtige Mischung bekommen! Die als „Unkonferenz“ organisierte Veranstaltung lebt von Ihnen und mit Ihnen. Es gibt keine BesucherInnen, nur TeilnehmerInnen! Sie gestalten das Programm aktiv mit und entscheiden selbst, wie Sie sich einbringen. Ziel ist es, eine Kommunikationsplattform für den Erfahrungsaustausch und die Diskussion zu bieten.

      Das Infocamp findet statt vom 7.-8. September 2012 an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur. Die Veranstaltung ist als Barcamp konzipiert, das durch einige Keynotes umrahmt wird. Diskutiert werden aktuelle Themen wie beispielsweise:

      • Methoden der Informationswissenschaft -­ Stand und Perspektive
      • Open Access -­ Paradigma der digitalen Wissenschaft
      • Social Media – Kollaboration und der Beitrag der Bibliothek
      • Mobile Media ­- Das Verschwinden des „Ortes“ Bibliothek
      • Open Knowledge -­ Offenheit als Grundlage der Informationswissenschaft und ihrer Praxis?

      Eingeladen sind Personen aus der bibliothekarischen und informationswissenschaftlichen Praxis und Forschung. Darüber hinaus freuen wir uns über TeilnehmerInnen aus verwandten Bereichen wie Archiv, Museum, Verlag, E-Learning und IT-Entwicklung.

      Die Teilnahme ist kostenlos! Ein Anmeldeformular wird Anfang 2012 auf der Website http://www.infocamp.ch zur Verfügung gestellt.

      Weitere Informationen zur Organisation des Infocamps: http://www.infocamp.ch und Facebook https://www.facebook.com/pages/Infocamp-Chur-2012/320380234658735, hashtag #icamp12

      Viele Grüße, für das Infocamp-Organisationsteam

      Ulrich Herb

      Zwischenbericht der Internet-Enquete zum Urheberrecht erschienen

      Die Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ hat ihren Zwischenbericht zum Urheberrecht veröffentlicht (Drucksache 17/7899). In diesem Dokument wird auch die Rolle des Urheberrechts für Forschung und Lehre behandelt. Festgestellt wird:

      „Die Literaturversorgung bleibt daher aus Wissenschaftsperspektive
      deutlich hinter den technischen Möglichkeiten und auch dem weltweiten
      Standard der Wissenschaftskommunikation zurück.“ (S. 20)

      Die Enquete-Kommission empfiehlt Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungendie weitere Förderung von Open Access. Neben der Stärkung der Rechte der Autorinnen und Autoren wird der Goldenen Weg des Open Access in den Vordergrund gestellt.  Im Rahmen der öffentlich geförderten Forschung soll „im Einzelfall geprüft werden, ob eine Open Access-Veröffentlichung zur Bedingung gemacht werden kann, um sicherzustellen, dass die Einräumung von ausschließlichen Nutzungsrechten an Verlage den wissenschaftlichen Austausch nicht behindert.“ (S. 81).

      (via iRights.info)

      Großbritannien setzt auf Open Access

      Mit der Verabschiedung der „Innovation and Research Strategy for Growth“ (PDF) spricht sich die britische Regierung für eine deutliche Förderung von Open Access aus. In dem Kapitel „Expanded access to Research Publication and Data“ (S. 76) der Innovationsstrategie heißt es:

      „The Government, in line with our overarching commitment to transparency and open data, is committed to ensuring that publicly-funded research should be accessible free of charge. Free and open access to taxpayer-funded research offers significant social and economic benefits by spreading knowledge, raising the prestige of UK research and encouraging technology transfer.“

      Von den Research Councils geförderte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen verpflichtet werden ihre Publikationen auf Open-Access-Repositorien zugänglich zu machen.

      Wissenschaftsminister David Willetts erläutert den Schritt im Guardian:

      „We set out very clearly in the document today our commitment to open access. We want to move to open access, but in a way that ensures that peer review and publishing continues as a function. It needs to be paid for somehow. One of the clear options is to shift to a system from which university libraries pay for journals to one in which the academics pay to publish. But then you need to shift the funding so that the academics could afford to pay to publish.“

      Ein weiteres Schwerpunktehema der Innovationsstrategie ist Open Data. Hier wird u.a. die Einrichtung eines Open Data Institute (ODI) angekündigt (S. 3-4) :

      „We have commissioned independent groups of academics and publishers to review the availability of published research, and to develop action plans for making this freely available. We will also create an Open Data Institute, which will develop semantic web technologies for using data more effectively, and will advise the public sector and business as to how best to use these and manage their data so it can be exploited for economic and social benefits.“

      Fred Friend vom University College London kommentiert die Entwicklung auf der JISC-Repositories-Liste:

      „For those of us who witnessed the negative reaction of the previous UK Government to the 2004 Parliamentary Enquiry, these words are wonderful to read, and a tribute to the work carried out since 2004 to bring home to Government the potential benefits of OA to research and education communities and to the taxpayer.“

      An dieser wegweisenden Entwicklung werden sich zukünftige Open-Access-Strategien in Europa messen lassen müssen.

      Wall Street Journal zu Open Science

      Das Wall Street Journal hat in den vergangenen Wochen drei lesenswerte Artikel zum Thema Open Science veröffentlicht:

      Michael Nielsen: The New Einsteins Will Be Scientists Who Share, WJS.com, 29.10.2011.

      „From cancer to cosmology, researchers could race ahead by working together – online and in the open.“

      Paul Allen: Why We Chose ‚Open Science‘, WJS.com, 30.11.2011.

      „To accelerate research breakthroughs on brain diseases, the Allen Institute puts all its data online for use without fees.“

      Amy Dockser Marcus: Citizen Scientists, WJS.com, 03.12.2011.

      „Ordinary people are taking control of their health data, making their DNA public and running their own experiments. Their big question: Why should science be limited to professionals?“

      WissKom2012: Call for Papers

      Vom 5. – 7. November 2012 findet die WissKom2012 am Forschungszentrum Jülich statt. Das Motto der Konferenz lautet „Vernetztes Wissen – Daten, Menschen, Systeme“. Die WissKom wird von der Zentralbibliothek des Forschungszentrums  veranstaltet.

      Wer die WissKom nicht kennt, dem sei ein Blick in die Tagungsbände der vergangen Jahre (2010, 2007) empfohlen. (Diese sind selbstverständlich open access zugänglich.)

      Folgende drei Blöcke bilden den Schwerpunkt der Veranstaltung:

      • Vernetzung von Daten: Linked Open Data, Forschungsdaten, etc.
      • Vernetzung von Menschen: virtuelle Arbeits- und Forschungsumgebungen, Social Media, eLearning, etc.
      • Vernetzung von Systemen: Verbundsysteme, Repositorien,  Projekt-Management-Systeme, etc.

      Als Mitglied des Programmkomitees freue ich mich ganz besonders auf die Konferenz! Der Call for Papers wurde heute veröffentlicht. Bis zum 15. 29. Februar 2012 besteht die Möglichkeit Vorträge und Poster einzureichen.

      Ich bin mir sicher die drei Themenblöcke bieten Raum für spannende Referate und Diskussionen. Alle weiteren Infos finden sich unter: wisskom2012.de. Und natürlich ist die WissKom auch auf Facebook.

      LINKE: Antrag zur Förderung von Open Access

      Die Bundestagsfraktion der LINKE hat einen Antrag zur Förderung von Open Access verabschiedet. Der Antrag „Die Ergebnisse öffentlicher Forschung für alle zugänglich machen – Open Access in der Wissenschaft unterstützen“ (PDF) umfasst verschiede Maßnahmen, deren Anliegen es ist, „eine konsistente Strategie zur Umsetzung des Open-Access-Modells in der deutschen Wissenschaftslandschaft zu entwickeln.“

      In dem Antrag wird ein Zweitveröffentlichungsrecht nach einem Embargo von sechs Monaten gefordert. (Siehe hierzu auch den Antrag der LINKE aus dem April.) Weiter wird ein Förderprogramm zum Aufbau und zur Weiterentwicklung von Open-Access-Repositorien und Open-Access-Zeitschriften anregt. Interessant der Vorschlag Open-Access-Publikationen bei Antragsverfahren besonders zu würdigen. Darüber hinaus wird das Potenzial des offenen Zugangs zu Forschungsdaten betont. Forschungsdaten sollen, so die LINKE, auf Forschungsdaten-Repositorien zugänglich gemacht werden. Dabei sollen „Einzelfalllösungen für sensible Forschungsdaten“ berücksichtigt werden. Eine Veröffentlichung der Daten unter einer Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung“ wird angeregt.

      Nach dem Antrag der Grünen aus dem September ist dies der zweite umfassende Bundestagsantrag zu Open Access in Deutschland. Aktuell wird das Thema auch in der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ diskutiert. In einem öffentlichen Expertengespräch der Projektgruppe „Bildung und Forschung“ Anfang dieses Monats wurde auch die Bedeutung von Open Access für die digitale Wissenschaft thematisiert. Die Stellungnahmen der Experten sind online.

      Kurz: Open-Access-Erfolgsgeschichten; Twitter für Hochschulen; Forschungsdatenmanagement; Science Code Manifesto; Rechtliche Rahmenbedingungen des Data Sharing

      Open-Access-Erfolgsgeschichten: Im Rahmen der aktuell laufenden Open-Access-Week präsentiert Knowledge Exchange, ein Zusammenschluss von europäischen Förderorganisationen, eine lesenswerte Sammlung von Erfolgsgeschichten rund um Open Access.

      Twitter für Hochschulen: Die London School of Economics and Political Science hat eine Einführung zu Twitter veröffentlicht. Zielgruppe sind u.a. Dozentinnen und Dozenten, die erste Gehversuche mit Twitter machen.

      Forschungsdatenmanagement: Die Kollegen der FH Potsdam haben ein Handbuch zum Management von Forschungsdaten herausgegeben. Alle Beiträge sind open access.

      Open Source in der Wissenschaft: Fünf Cs prägen das jüngst veröffentlichte Science Code Manifesto: Code, Copyright, Citation, Credit und Curation. Initiiert wurde das Manifest von Akteuren der Climate Code Foundation.

      Zweitveröffentlichungsrecht: CDU-Politiker Günter Krings findet Open Access gut. Nicht gut findet er jedoch das geforderte Zweitveröffentlichungsrecht, dies erläutert er in der heutigen FAZ. Ben Kaden hat den Text auf IUWIS kommentiert. Einen weiteren Kommentar hat Tobias Schulze veröffentlicht.

      Data Sharing: Im Rahmen des EU-Projektes Opportunities for Data Exchange (ODE) ist die Broschüre „Ten Tales of Drivers & Barriers in Data Sharing“ (PDF) erschienen. Die Publikation dokumentiert zehn Blickwinkel von Personen aus Wissenschaft, Infrastruktur und Forschungsförderung auf das Thema.  (Disclosure: Ich bin an dem Projekt beteiligt.) Nicht weniger interessant: Knowledge Exchange hat einen Report zu den rechtlichen Rahmenbedingungen des offenen Zugangs zu Forschungsdaten veröffentlicht. Ein Kapitel befasst sich mit der rechtlichen Lage in Deutschland.