Im Rahmen der Open Access Week 2012, einer internationalen Aktionswoche zur Förderung von Open Access, die von wissenschaftlichen Einrichtungen weltweit getragen wird, diskutieren Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Verlagswesen und Forschungsförderung am 23. Oktober 2012 in Berlin über die Herausforderungen und Chancen von Open Science. Im Fokus stehen Themenfelder wie Open Access, Web 2.0 in der Wissenschaft und die dauerhafte Zugänglichkeit von Forschungsdaten.
Die Podiumsdiskussion findet am Abend des 23. Oktober 2012 im Auditorium des Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität zu Berlin statt. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr und findet in deutscher Sprache statt. Die Teilnahme ist kostenfrei.
„Förderung des offenen, freien Zugangs („Open Access“) der Wissenschaft zu Daten und Informationen (z. B. Ergebnisse von Studien der Bundesregierung und der Verwaltung; Datenbanken zu wissenschaftlichen Ergebnissen oder Bildungsinhalten; Portal zu Innovationsprojekten). […] Nächster Schritt: Gespräch der Bundeskanzlerin mit Bundesministerin Prof. Dr. Schavan u. a. mit der Bitte um Prüfung, ob im Bereich der (öffentlich geförderten) Forschung exemplarisch Akzente für mehr Transparenz und Datenzugriff gesetzt werden können.“
Eine Ausführung des Vorschlags findet sich der Langfassung des Ergebnisberichts (PDF). Dort wird die Forderung nach Open Access wie folgt begründet:
„Die mit öffentlichen Mitteln finanzierten Studien und Gutachten liefern vielfältige Expertise und Impulse, die auch über die ursprüngliche Aufgabe und Zielstellung hinausgehend genutzt werden können. Werden Studienergebnisse transparent gemacht, können Leser, Interessierte und Wissenschaftler auf sie zugreifen und sie für weitere Verwertungen nutzen. Eine Veröffentlichung fördert Rückkopplungseffekte, die Umlaufgeschwindigkeit gesellschaftlichen Wissens und auch die Transparenz von darauf beruhenden Entscheidungsprozessen. Im Sinne von Open Knowledge und Open Access ist es für die Bundesverwaltung konsequent, sämtliche in Auftrag gegebene Studien frei, unbeschränkt und kostenlos im Internet zugänglich zu machen, solange diese keine schutzbedürftigen Inhalte umfassen.“
Auf die Schnelle, hier der Hinweis auf zwei lesenswerte Beiträge zum Thema Wissenschaft und Urheberrecht.
In der heutigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung findet sich unter dem Titel “Für Fairness und Ausgewogenheit” ein wichtiger und umfangreicher Beitrag von Wolfgang Marquardt. Marquardt ist Vorsitzender des Wissenschaftsrates und Sprecher der Allianz der Wissenschaftsorganisationen. Er beschreibt die Anforderungen von Forschung und Lehre an ein wissenschaftsfreundliches Urheberrecht. Dabei weist er auf “[k]omplexe Vorschriften beim Digitalversand” hin, thematisiert die rechtlichen Barrieren bei der Digitalisierung wissenschaftlicher Publikationen und betont die Bedeutung eines Zweitveröffentlichungsrecht für wissenschaftlichen Veröffentlichungen.
Auf der Website des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft ist ein interessanter Beitrag des Sprachwissenschaftlers Anatol Stefanowitsch erschienen. In diesem diskutiert der Autor die Auswirkungen eines Leistungsschutzrechts für Presseverlage auf das wissenschaftliche Publikationswesen. Er stellt fest, dass “[d]er freie Austausch von Ideen, der für die moderne Wissenschaft als konstitutiv zu betrachten ist“ unter einem Leistungsschutzrecht für Presseverlage „erheblich leiden” würde.
Vom 16. bis 20. Juli 2012 fand an der Universität Hamburg die Digital Humanities 2012 statt. Die Konferenz beschäftigte sich unter dem Motto „Digital Diversity: Cultures, Languages and Methods“ mit dem Stand und der Perspektive der digitalen Geisteswissenschaften. Eine Zusammenstellung von Presseberichten über die Konferenz findet sich hier.
Eine Vielzahl von Vorträgen wurden auf Video aufgezeichnet (via Lecture2Go). Darüber hinaus ist der Tagungsband, der bei Hamburg University Press erschienen ist, frei zugänglich.
In einem der ersten Beiträge in diesem Blog ging Cornelius Puschmann 2009 der Frage „Digitale Geisteswissenschaften in Deutschland?“ nach. Die jetzige Gründung des Verbandes „DHD – Digital Humanities Deutschland“ im Rahmen der Konferenz zeigt, dass das „Methodenfeld“ (so Thomas Thiel in der FAZ vom 24.07.2012) deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Anliegen des Verbandes ist es, „eine formelle Interessenvertretung für Forscherinnen und Forscher, die sich im deutschsprachigen Raum in Forschung und Lehre im Arbeitsbereich der Digital Humanities engagieren“ zu werden.
Am 11. und 12. August 2012 findet in Essen das Scicamp statt. Die Un-Konferenz widmet sich unter dem Motto „Die Relativitätstheorie in 140 Zeichen? Wissenschaft im Web 2.0“ den Chancen und Herausforderungen des Web 2.0 in der Wissenschaft. Auszug aus der Ankündigung:
„Auch in der Wissenschaftskommunikation werden mittlerweile die Möglichkeiten des Web 2.0 mehr und mehr genutzt. Und trotzdem: Immer noch scheuen sich viele Wissenschaftler, aber auch Kommunikatoren diese Instrumente intensiv zu verwenden. Teilweise scheut man sich wohl vor Offenheit und Transparenz die Social Media zwangsweise mit sich bringen, auf der anderen Seite gelten Blogs oder Facebook als sehr zeitintensives „Hobby“. Doch haben diese „Skeptiker“ recht? Worin liegen die Vorteile, aber auch die Nachteile, wo die Grenzen für die Kommunikation im Netz? Was funktioniert, was nicht? Gibt es tatsächlich die Möglichkeit eines offenen, transparenten Dialogs auf Augenhöhe durch die Social Media? Sehen wir immer mehr Beispiele auch für Citizen Science, bei der Bürger direkt im Forschungsprozess beteiligt werden? Und in welchen Bereichen sollten wir vielleicht eher auf andere Medien zurückgreifen, um miteinander zu kommunizieren?“
Die Teilnahme am Scicamp ist kostenlos, es wird jedoch um Anmeldung bis zum 06. August 2012 gebeten. Die Sessionvorschläge lassen auf eine spannende Veranstaltung schließen:
Henning Krause, Social Media Manager des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR): „Die 2.0-Wissenschaftskommunikation deutscher Forschungsorganisationen“
Andreas Schepers, Communications Compliance Officer von AOES für European Space Agency (ESA): „Twitternde Astronauten, Satelliten und Raketen – Europäische Raumfahrt im Social Web“
Weitere Informationen finden sich auf der Website der Veranstaltung. Das Scicamp ist eine Veranstaltung von Wissenschaft im Dialog in Kooperation mit dem IdeenPark Essen.
Nach mehreren Konsultationen, in denen massive Zugangsbarrieren zu wissenschaftlichen Informationen konstatiert wurden, hat die Europäische Kommission heute eine umfassende Verankerung von Open Access im Europäischen Forschungsraum (ERA) angekündigt.
In einer gemeinsamen Pressekonferenz stellten die EU-Kommissarinnen Neelie Kroes (Digitale Agenda) und Maire Geoghegan-Quinn (Forschung, Innovation und Wissenschaft) ein Kommuniqué an das Europäische Parlament (PDF) und eine Empfehlung an die EU-Mitgliedsstaaten (PDF) zur dauerhaften und offenen Zugänglichkeit von wissenschaftlichen Publikationen und Forschungsdaten vor.
U.a. informierten die EU-Kommissarinnen über die Open-Access-Policy im kommenden Forschungsrahmenprogramm HORIZON 2020: Alle Publikationen, die im Rahmen des Förderprogramms veröffentlicht werden, müssen in Open-Access- Zeitschriften veröffentlicht werden oder nach einem Embargo von zwölf bzw. sechs Monaten (je nach Förderprogramm) auf einem Repositorium zugänglich gemacht werden. Eventuell entstehende Publikationsgebühren bei der Veröffentlichung in Open-Access-Zeitschriften werden übernommen.
Weiter empfiehlt die Kommission den Mitgliedstaaten die deutliche Förderung von Open Access. Ziel der Kommission ist es, dass 2016 60% der Publikationen, die im Rahmen der öffentlich geförderten Forschung in Europa entstehen, ohne Barrieren zugänglich sind.
Bislang sind deutliche Unterschiede in der Umsetzung von Open Access in den Mitgliedstaaten zu beobachten. Spannend wird nun sein, welche Wirkung die Empfehlungen auf Deutschland haben. Der Blick auf die jüngsten Entwicklungen in Großbritannien und Dänemark zeigt die zunehmende Verankerung des Themas in der europäischen Wissenschaftspolitik.
Der offene Zugang zu wissenschaftlicher Information ist aus Sicht der Kommission nicht auf Textpublikationen beschränkt. Den Mitgliedstaaten wird nahegelegt auch die dauerhafte Zugänglichkeit von Forschungsdaten zu fördern. In der Empfehlung an die Staaten heißt es
“Define clear policies for the dissemination of and open access to research data resulting from publicly funded research. These policies should provide for: concrete objectives and indicators to measure progress; implementation plans, including the allocation of responsibilities (including appropriate licensing); associated financial planning.”
Es lohnt sich die Empfehlung und das Komuniqué zu lesen. Weiter finden sich auf der Website der Kommissarin Neelie Kroes eine Reihe von Videos, in denen sie mit prominenten Wissenschaftlern über Open Access spricht (Robbert Dijkgraaf, IAS, Günter Stock , Akademienunion & ALLEA, Nobelpreisträger Harold Varmus, NCI). Folgendes Video fasst die Gespräche zusammen:
Der Wissenschaftsrat, das zentrale wissenschaftspolitische Beratungsgremium Deutschlands, hat heute „Empfehlungen zur Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Informationsinfrastrukturen in Deutschland bis 2020“ (PDF) veröffentlicht. In der Pressemitteilung zu dem rund 90-seitgen Papier heißt es:
„Der große Bedarf der Wissenschaft an digitalen und retrodigitalisierten Daten und Informationen, rasch anwachsende Sammlungen von Forschungsdaten in nahezu allen Disziplinen und die zunehmende Virtualisierung wissenschaftlicher Kommunikation stellen Wissenschaft und Informationsinfrastrukturen vor große Herausforderungen. Auch die weltweiten Kooperationen und der internationale Wettbewerb der Wissenschaftssysteme haben zu steigenden Anforderungen an die Informationsinfrastrukturen geführt. Der Wissenschaftsrat hat sich deshalb dafür ausgesprochen, das Gesamtsystem der wissenschaftlichen Informationsinfrastrukturen in Deutschland strategisch weiter zu entwickeln. […] Auf einer ersten Stufe sollten in einem wettbewerblichen Verfahren Initiativen mit der Koordinierung der wichtigsten Aufgabenfelder beauftragt werden.[..] Auf einer zweiten Stufe sollten Bund und Länder einen Rat für Informationsinfrastrukturen als übergeordnetes Koordinierungsgremium einrichten. Dieser Rat sollte eine Abstimmung zwischen den unterschiedlichen Initiativen gewährleisten und Bund und Ländern künftig Empfehlungen zur strategischen Weiterentwicklung des sehr dynamischen Informationsinfrastruktursystems geben. „
Die Empfehlungen bauen auf den Arbeiten der Kommission Zukunft der Informationsinfrastruktur (KII) und entsprechenden Papieren des Wissenschaftsrats zu Zukunft von Informationsinfrastrukturen und aus dem Jahr 2011 auf.
In diesem Jahr finden die Open-Access-Tage zum sechsten Mal statt. Vom 26. bis 27. September 2012 widmet sich die Konferenz den Chancen und Herausforderungen des offenen Zugangs zu wissenschaftlicher Information. Gastgeberin ist die Universität Wien. Veranstaltet wird die Konferenz von der Informationsplattform open-access.net und ihren Partnerorganisationen.
Als Mitglied des Programmkomitees freue ich mich ganz besonders auf die Konferenz. Ich denke das Programm ist vielfältig und spannend. Am ersten Tag stehen, neben einer Keynote von Björn Brembs, u.a. die Entwicklungen von Open Access in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Fokus. Am zweiten Tag der Konferenz ist u.a. eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Open Access Publishing Trends“ mit Verlags-Vertreterinnen und –Vertretern geplant. Kern der Konferenz bilden eine Vielzahl von Sessions. Begleitet wird das Vortragsprogramm durch eine Messe, auf der sich Repositorien, Verlage und Initiativen präsentieren.
Darüber hinaus finden am Nachmittag des 27. Septembers noch drei Satellitenveranstaltungen statt: Workshops zur Publikationsplattform Open Journal Systems (OJS), zum DFG-Projekt Open-Access-Statistik (OAS) und zum europäischen Kompetenznetzwerk zur digitalen Langzeitarchivierung APARSEN.
Informationen zur Anmeldung finden sich auf open-access.net. Der Twitter-Hashtag für die Open-Access-Tage 2012 lautet: #oat12
Der Senat der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat heute unter dem Titel „Die digitale Transformation weiter gestalten – Der Beitrag der DFG zu einer innovativen Informationsinfrastruktur für die Forschung“ (PDF) ein Positionspapier zur strategischen Weiterentwicklung von Informationsinfrastrukturen für die Forschung verabschiedet. Auszug aus der Pressemitteilung:
„Vor dem Hintergrund eines rasanten Wandels der Bedingungen wissenschaftlichen Arbeitens unter digitalen Vorzeichen setzt sich das Positionspapier mit den aktuellen Herausforderungen einer innovativen Informationsinfrastruktur für die Forschung auseinander, greift neue Entwicklungen auf und benennt prioritäre Felder für Förderinitiativen. DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner: ‚Exzellente Grundlagenforschung ist nicht ohne Informationsinfrastrukturen auf der Höhe der Zeit zu denken. Insofern kommt ihrem Auf- und weiteren Ausbau eine hohe, zukunftsweisende Bedeutung zu. Das Papier wird als strategische und thematische Richtschnur für die Informations- und Literaturversorgung der nächsten Jahre dienen – im Interesse des Forschungsstandorts und seiner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.'“
Erarbeitet wurde das Positionspapier vom DFG-Ausschuss für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme. Das 18-seitige Papier behandelt folgende vier Themenfelder: Überregionale Literaturversorgung, Erschließung und Digitalisierung, Elektronische Publikationen und Informationsmanagement. Angeknüpft wird an die DFG-Strategieschrift „Schwerpunkte der Förderung bis 2015“ (PDF) aus dem Jahr 2006.
Langsam aber sicher passiert etwas in der geistes- und sozialwissenschaftlich geprägten Verlagslandschaft in Deutschland. Nachdem De Gruyter im Januar durch den Kauf von Versita 230 Open-Access-Zeitschriften erworben hat, gab die Verlagsgruppe Oldenbourg heute eine Kooperation mit dem Open-Access-Verlag Copernicus Publications bekannt.
Die in der Verlagsgruppe zusammengeschlossen Unternehmen Oldenbourg Verlag und Akademie Verlag wollen gemeinsam mit dem in den Naturwissenschaften etablierten Open-Access-Verlag Copernicus Publications das Open-Access-Publizieren in den Geistes- und Sozialwissenschaften ausbauen. Auszug aus der gemeinsamen Pressemitteilung (PDF):
„Die Wissenschaftsverlage der Oldenbourg Gruppe und Copernicus Publications vertrauen dabei auf ihre jeweiligen Stärken: Der Oldenbourg und der Akademie Verlag sind als etablierte Wissenschaftsverlage bestens im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften vernetzt, während Copernicus Publications ein Experte für Open-Access-Modelle ist, der vor allem im MINT-Bereich publiziert. Die Bündelung dieser Stärken soll für Wissenschaftler bestmöglichen Service garantieren und den dauerhaften, freien Zugang zu den Publikationen ihrer Forschungsergebnisse sichern.“