EPFL verzichtet auf online Ausgabe von Science

Ab 2015 haben die Forschenden der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) keinen komfortablen Zugriff mehr auf Science Online, Science Signaling, Science Express und Science Translational Medicine.

Auf der Website der Bibliothek steht schlicht:

Science AAAS publisher, is taking advantage of its dominant position and trying to impose not only an unjustified price increase, but also new contract terms, which are very restrictive and as a result unacceptable for us.

Beigefügt ist aber ein Link zum Intranet der EPFL, wo vermutlich weitere Details über die absurden Konditionen von AAAS stehen. Während die Online-Version abbestellt wird, bietet die Bibliothek einen Scan-On-Demand Service an, da offenbar noch eine Print Version in der Bibliothek zugänglich ist.

Mit dem Scan-On-Demand Service nutzt die EPFL noch eine Option, die in der Schweiz vielleicht bald vorbei sein dürfte. Wird das erstinstanzliche Urteil des Zürcher Handelgericht im Falle Elsevier, Springer und Thieme gegen die ETH-Bibliothek vor Bundesgericht bestätigt, wäre dieses Angebot der Bibliothek wahrscheinlich künftig unzulässig.

Nach langem Schweigen hat nun auch die Konferenz der Universitätsbibliotheken in der Schweiz sich besorgt über die drohenden Konsequenzen dieses Urteils geäussert.

Update 23.9.2015

Wie man vernimmt, ist die EPFL wieder mit AAAS ins Geschäft gekommen, als diese der EPFL eine Senkung von 5% angeboten hat.

Nature – lesen ja, drucken nein!

Der Verlag des renommierten Nature-Journals, die Nature Publishing Group (NPG), feiert sich selbst. In einer aktuellen Pressemitteilung des Mutterkonzerns Macmillan Science heißt es „Macmillan Science and Education revolutioniert Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen.“

Die Revolution soll laut Pressemitteilung durch zwei Maßnahmen umgesetzt werden:

„1. Den Abonnenten von 49 Fachzeitschriften von nature.com können eine eindeutige URL zur schreibgeschützten Vollversion eines publizierten wissenschaftlichen Textes an Kollegen oder Mitarbeiter weiterleiten, ganz bequem per E-Mail oder über soziale Medien.“

„2. Zugang für Journalisten und Blogger: 100 Medienkanälen und Blogs auf der ganzen Welt, die über Forschungsergebnisse berichten, die auf nature.com veröffentlicht wurden, können ihre Leser über einen Link zur schreibgeschützten Vollversion eines wissenschaftlichen Originalartikels verweisen und ihnen so Zugang zu tausenden hochwertigen wissenschaftlichen Abhandlungen verschaffen.“

Zukünftig öffnen Personen, die die erwähnte „eindeutige URL“ des Verlags anklicken, in ihrem Browser eine Anwendung namens „ReadCube„. Über diese Anwendung kann die PDF-Datei eines Artikels dann angesehen werden. Druck und Speicherung eines Artikels sind nicht möglich. Weiter besteht die Möglichkeit – nach Anmeldung – Artikel zu annotieren und eigene Sammlungen anzulegen. Vorrausetzung ist jedoch immer, dass die Nutzenden über die „eindeutige URL“ verfügen.

Dieses Vorhaben ist begrüßenswert. Von einer Revolution kann jedoch keine Rede sein.

Interessant sind die Hintergründe der Ankündigung:

  • Von Seiten der Wissenschaft gibt es eine klare Erwartungshaltung: Forschende erwartet heute sofortigen Zugriff auf alle Publikationen, die für ihre Arbeit von Interesse sind. Forschenden deren Bibliothek ein breites Portfolio an Zeitschriften lizenziert hat, haben einen Vorsprung bei der Wissensproduktion. Wer keinen Zugang zu den neusten Publikationen, hat kaum eine Chance im kompetitiven Wissenschaftssystem.
  • Dagegen gibt es auf Seiten der Verlage den Wunsch nach Kontrolle über die verlegten Inhalte. Es liegt – wenig überraschend – im Interesse von Nature, dass der Zugriff auf die Artikel des Verlags über die NPG-Server läuft und nicht über die  Open-Access-Repositorien der wissenschaftlichen Einrichtungen.

Open-Access-Repositorien, sowie der Austausch von Artikeln über Projekt-Wikis, Mailinglisten und andere Kanäle, sind jedoch für viele Forschenden von großer Bedeutung, da ihre Institutionen die ständig teurer werdende Zeitschriften nicht mehr lizenzieren können. Selbst Harvard, die wohl reichste Bildungseinrichtung der Welt, ist nicht mehr in der Lage ihren Forschenden den Zugang zu alle relevanten Zeitschriften sicherzustellen.

Die angekündigte Maßnahme des NPG ist es also eine logische Antwort auf den Wunsch nach Open Access. Darüber hinaus bietet die Maßnahme dem Verlag mehrere Vorteile:

  • Da auch Blogs und Zeitungen die „eindeutige URL“ nutzen können, werden die Klickzahlen auf nature.com erhöht. Mit Blick auf Altmetrics ein nachvollziehbarer Schritt.
  • Weiter wird das Literaturverwaltungssystem „ReadCube“, dass von der Nature-Tochter „Digital Science“ betrieben wird gefördert.

Die Ankündigung von Nature passt gut in die aktuellen Verlagsstrategien rund um Open Science. Die US-Regierung hat 2013 eine Direktive zur Förderung von Open Access erlassen. Nach dieser Verordnung müssen die öffentlichen Forschungseinrichtungen in den USA Open-Access-Policies verankern.

Die Verlage haben dies zum Anlass genommen und eine Initiative namens „CHORUS“ gestartet. Anliegen der Verleger ist es, den Zugang zu den Artikeln weiterhin über ihre Verlagsplattformen zu ermöglichen. Für diese Dienstleistung – unter Kontrolle der Verlage –  sollen die US-Behörden dann zahlen. Dagegen arbeiten die Hochschulen und Forschungseinrichtungen in den USA an einer verteilten und öffentlichen Infrastruktur namens „SHARE„. Diese Infrastruktur basiert auf der Vernetzung der Open-Access-Repositorien der wissenschaftlichen Einrichtungen.

Nun könnte man begrüßen, dass Verlage die Open-Access-Policies aufgreifen an einer Lösung zur Verbesserung des Zugangs bauen. Die Diskussion um die NPG-Ankündigung zeigt jedoch wo die Probleme liegen. Die Bedingungen des Zugangs und der möglichen Nachnutzung werden durch die Verlage kontrolliert und nicht durch die Wissenschaft. Siehe dazu auch den Kommentar von John Wilbanks:

 „So, Nature said a thing about public access tonight. Everything is free to read* they say. But there’s an asterisk, pesky and persistent, next to read. And it’s a big one. The asterisk is that you can’t do anything but read the document, and you have to […] use their proprietary reader software in order to read the document, and you have to hope that someone who has a subscription or is a journalist is kind enough to share a link to the document that you want to read, and if you try to do anything other than look at the document passively on a screen you’re basically gonna get sued for copyright infringement.“

Forschung und Lehre werden also auch weiterhin eine öffentliche Repositorien-Infrastruktur benötigen, die es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auch ermöglicht Artikel zu drucken, zu speichern und im Idealfall auch zu bearbeiten (Stichwort: Text und Data Mining).

Die Ankündigung von Nature ist eine gute Marketing-Idee. Sie ist zu begrüßen, solange die Forschenden auch weiterhin die Möglichkeit haben, die Nature-Artikel auf Open-Access-Repositories zu speichern.

Die Ankündigung von Nature zeigt, dass die Diskussion um Open Science immer komplexer wird. Längst geht es nicht mehr nur um den Zugang zu wissenschaftlicher Literatur. Nur wenn Forschenden mit Artikeln arbeiten können, werden sich die Chancen der digitalen Wissenschaft realisieren lassen. Deshalb scheint es wichtig in der Diskussion um Open Access zwischen „gratis“ (freier Zugang) und „libre“ (offene Nachnutzung) zu unterscheiden. Die NPG-Politik sowie auch das Zweitveröffentlichungsrecht in Deutschland, ermöglichen nur den „gratis“ Zugang, längerfristiges Ziel ist es jedoch, die „libre“ Nachnutzung der Inhalte zu ermöglichen. Dieses Ziel kann  jedoch nur erreicht werden, wenn Forschende in ihrer Urheberrechtsposition gestärkt werden und mit offenen Lizenzen Dritten (z. B. auch Maschinen) die Arbeit mit und an den Artikeln auf Basis offener Informationsinfrastrukturen ermöglichen.

Das Ende von Open Medicine: Idealismus alleine reicht auf Dauer nicht

Nach 7 Jahren mit 31 Ausgaben schliesst das kanadische Journal Open Medicine. Das Journal entstand 2007 nach Streitigkeiten des Editorial Boards zur inhaltlichen Unabhängigkeit des Journal of the Canadian Medical Association, CMAJ.

Im Editorial der letzten Ausgabe erwähnen die Herausgeberinnen die fehlende finanzielle Nachhaltigkeit als Hauptgrund.

Had we a crystal ball in 2006, what would we have done differently? There is no question that financial sustainability has been foremost in our minds. Although we have attempted to pay modest stipends for journal operations, neither our scientific editors nor our editors-in chief have been compensated, and most of our administrative and production staff have volunteered much of their time. For fear of turning away authors, we delayed instituting publication charges until quite late in the game. As researchers, we struggled to be good fundraisers, communication specialists, information technology and web developers, and public relations experts. As busy doctors, we struggled to create space in our lives to accommodate our enthusiasm for what was possible.

[…]

Launching and running a medical journal is more work than it might seem. Based on our previous experiences, we thought we might need operational funding of about $3 million dollars per year. Ultimately, by dint of optimism and volunteerism, we were able to run the journal and publish articles for a tiny fraction of that. We built upon the Public Knowledge Project’s Open Journal System, the open source platform whose development was led by our friend and publisher John Willinsky, and which now hosts over 7000 open access journals in 105 countries. We were also accepted for indexing in PubMed after three short years; this was no small achievement We had immense support from Canadian research libraries, thanks to their own commitment to making knowledge freely available and their frustration with ever-escalating fees for bundled journal subscriptions. We also had contributions from our own colleagues and institutions to build on in our early years. Finally, thousands of volunteer hours were generously given to journal logistics, technical support, and web design, not to mention what accrued from the editorial and communications expertise of team members and the contributions of our valued bank of peer reviewers.

[…]

Despite everyone’s best intentions, it was challenging for a small team to keep stoking the interest and engagement of the general academic community, and it was difficult to recruit members to our editorial board and board of directors who could provide the kind of hands-on involvement that our small but ambitious operation required. Academic medicine has been slow to recognize the importance of stepping out of the comfort zone of traditional publishing: unfortunately, the benefits of disseminating information freely still takes second place to the allure of publishing in a prestigious forum, however difficult that forum may be for readers to access. .

Die Inhalte des Journals sind weiterhin über die Journalwebsite oder PubMed Central zugänglich.

Wissenschaftsorganisationen: „Allgemeine Bildungs- und Wissenschaftsschranke muss kommen“

Anlässlich der Entfristung von Paragraf 52a Urheberrechtsgesetz (Öffentliche Zugänglichmachung für Unterricht und Forschung) fordert die Allianz der Wissenschaftsorganisationen die Bundesregierung auf, “zeitnah einen Gesetzentwurf für eine Allgemeine Bildungs- und Wissenschaftsschranke vorzulegen.”

Auszug aus der Pressemitteilung (PDF):

“Die Regierungsparteien haben in ihrem Koalitionsvertrag die Schaffung einer Allgemeinen Bildungs- und Wissenschaftsschranke im Urheberrecht zugesagt. Damit sollen die Belange von Wissenschaft und Forschung und die Ansprüche von Urhebern angemessen geregelt werden. Die Allianz appelliert an die Bundesregierung, über die nun auf den Weg gebrachte Entfristung von Paragraf 52a Urheberrechtsgesetz hinaus, zeitnah einen Gesetzentwurf für eine Allgemeine Bildungs- und Wissenschaftsschranke vorzulegen. Konkrete Vorschläge dafür liegen vor.”

Im Juni hat die Rechtsprofessorin Katharina de la Durantaye im Auftrag des BMBF eine umfangreiche Studie (PDF) zur Thematik veröffentlicht. Anliegen einer allgemeinen Bildungs- und Wissenschaftsschranke ist es, die bisher zu engen Regelungen für Lehre und Forschung zu erweitern und die bisher verstreuten Paragraphen zu bündeln.

Update, 01.12.2014, 16:10:

Auch das Aktionsbündnis „Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft“ meldet sich in einer Pressemitteilung zu Wort:

„Wenn jetzt die Auseinandersetzung um die im Koalitionsvertrag der jetzigen Regierung vorgesehene Allgemeine Bildungs- und Wissenschaftsschranke (ABWS) beginnt, muss ein wirklicher Neuansatz gewählt werden. Eine ABWS, die nur die bisherigen, auf Bildung und Wissenschaft bezogenen Regelungen mit ihren starken Einschränkungen zusammenfasst und damit fortschreibt, wäre nutzlos.“

(Crosspost von ALBERTopen.)

Forschungsdaten öffnen – Anreize, Repositorien und Kooperationen

Die Diskussion über die Nachprüfbarkeit und Nachnutzung von digitalen Forschungsdaten gewinnt an weiter an Dynamik. 2013 haben die Wissenschaftsministerien der G8-Staaten unter dem Stichwort „Open Scientific Research Data“ einen möglichst offenen Zugang zu Forschungsdaten gefordert und damit eine zentrale Diskussion der Wissenschaft aufgegriffen, denn „Data Sharing“ ist für die Bearbeitung vieler drängender Forschungsfragen unabdingbar.

Vermehrt fordern Förderorganisationen, wie z. B. die Europäische Kommission (u. a. im Rahmen des „Open Research Data Pilot„in Horizon 2020) und wissenschaftliche Zeitschriften, dass Daten – die Ergebnis eines geförderten Projekts oder Grundlage eines Artikels sind – offen zugänglich gemacht werden. Siehe hierzu z. B. ein aktuelles Editorial in Nature (doi:10.1038/515312a).

Forschende sehen zwar häufig das Potenzial offener Forschungsdaten, stehen der offenen Zugänglichkeit „ihrer“ Daten jedoch auch zurückhaltend gegenüber. Um eine Kultur des „Data Sharings“ zu fördern, ist es dringend nötig Anreize zu schaffen. Im kompetitiven Wissenschaftssystem gilt es, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Daten-Repositorien anzubieten, auf denen Forschungsdaten dauerhaft zugänglich gemacht werden können. Von großer Bedeutung ist es dabei die Zitierfähigkeit der Forschungsdaten zu garantieren, um somit auch die Verankerung des Teilens im wissenschaftlichen Reputationssystems zu fördern.

Wissenschaftliche Institutionen und ihre Serviceeinrichtungen wie Bibliotheken, Daten- und Rechenzentren sind deshalb gefordert, Infrastrukturen und Services bereitzustellen, die die zitierfähige und  dauerhafte Zugänglichmachung der digitalen Forschungsdaten ermöglichen.

Im Rahmen meiner Arbeit am Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ haben wir in den letzten Jahren, gemeinsam mit Partnern,  die Initiative re3data.org – Registry of Research Data Repositories gestartet (doi:10.1371/journal.pone.0078080). Anliegen war und ist es, Forschenden eine Orientierung über mögliche Orte zur Speicherung zur Zugänglichmachung ihrer Daten zu geben.

re3data.org – the Registry of Research Data Repositories Dank der Förderung der DFG und engagierter Projektpartner haben wir heute erfreulicherweise die „Tausender-Marke“ geknackt: re3data.org weist jetzt über 1.000 Daten-Repositorien aus der ganzen Welt nach. Ein einfaches Icon-System hilft bei der Einordnung der indexierten Daten-Infrastrukturen. (Weiterführende Informationen zum Stand von re3data.org finden sich im Projektblog.)

Das jüngste, in re3data.org indexierte Daten-Repositorium ging erst heute Nachmittag online. Es handelt sich um das „CERN Open Data Portal“. Über dieses Portal macht das CERN in Genf u. a. Daten aus den LHC-Kollaborationen für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Forschungsdaten sind durch die Nutzung der Creative-Commons-Deed „CC0“ gemeinfrei nachnutzbar. Siehe dazu die Pressemitteilung der CERN-Kolleginnen und -Kollegen.

CERN Open Data Portal

Auch wenn die Anzahl der „Daten-Policies“ wächst und die Landschaft der Daten-Repositorien an Profil gewinnt, gibt es weiterhin viel zu tun. Um die komplexen Herausforderungen des „Data Sharings“ auf internationaler Ebene aufzugreifen formiert sich die „Research Data Alliance (RDA)“. Organisiert durch das Open Science Koordinationsbüro der Helmholtz-Gemeinschaft findet heute und morgen eine Tagung dieser Initiative am GFZ in Potsdam statt. Dort diskutieren 120 „Data Practitioners” aus verschiedensten Fachgebieten über Stand und Perspektive der deutschen Beteiligung in der Research Data Alliance.

Weitere Informationen zum Thema:

  • Zehn Anregungen zum Umgang mit Forschungsdaten finden sich im Kapitel „Publikation von Forschungsdaten“ (doi:10.2314/coscv1.53) im Handbuch “CoScience“ (Das Kapitel steht unter CC-BY und kann nachgenutzt, weiterbearbeitet – und damit gerne auch verbessert – werden.)
  • Weitere Informationen finden sich im Wiki forschungsdaten.org.
  • Darüber hinaus kann das Thema auch auf der Mailingliste “Umgang mit Forschungsdaten” diskutiert werden.

(Crosspost von ALBERTopen.)

„Appell zur Nutzung offener Lizenzen in der Wissenschaft“

Die deutschen Wissenschaftsorganisationen haben heute einen „Appell zur Nutzung offener Lizenzen in der Wissenschaft“ veröffentlicht. In diesem heißt es:

„Offene Lizenzen sind […] ein elementarer Standard, der eine wissenschaftskonforme Nachnutzung wissenschaftlicher Produkte erleichtert. Mit der offenen Bereitstellung von Forschungsergebnissen werden deren Sichtbarkeit, Nachnutzbarkeit, schnelle Verbreitung und somit Innovation befördert. Offene Lizenzen erleichtern zudem die Umsetzung der Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis.

Die deutschen Wissenschaftsorganisationen halten […] standardisierte offene Lizenzen für ein ideales Werkzeug, um im Sinne der Berliner Erklärung von 2003 die möglichst umfassende Nutzung wissenschaftlicher Inhalte rechtsverbindlich abzusichern.“

In dem Appell wird darüber hinaus auch die Empfehlung zur Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen gegeben. Dabei werden für unterschiedliche Publikationstypen (z. B. Textpublikationen, wissenschaftlicher Software, Metadaten) relevante Lizenzen erwähnt.

(Crosspost von ALBERTopen.)

Schleswig-Holstein legt „Open-Access-Strategie“ vor

Das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein hat heute seine „Open-Access-Strategie“ (PDF) vorgelegt. In einer Pressemitteilung stellt die Wissenschaftsministerin Kristin Alheit fest:

„Die moderne Forschung basiert auf einem umfassenden wissenschaftlichen Dialog und Fortschritten durch Verbesserungen früherer Arbeiten. Den freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen müssen wir daher als Chance und Turbo für die Forschung nutzen. Wer international mithalten will, muss seine Geschwindigkeit und Kommunikationswege den heutigen Möglichkeiten anpassen. Mit der Open Access-Strategie haben wir die Weichen gestellt, dass das in Schleswig-Holstein gelingt.“

In dem siebenseitigen Papier „Strategie 2020 der Landesregierung Schleswig-Holstein für Open Access“ werden zentrale Handlungsfelder für drei Akteursgruppen (Landesregierung, Hochschulen sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler) benannt.

Die Landesregierung kündigt an, „finanzielle Mittel für die Einrichtung eines landesweiten Open-Access-Dokumentenservers, einen Publikationsfonds sowie für Rechtsberatung zum Publizieren im Open Access bereitstellen.“ Auf Ebene der Hochschulen wird die Verabschiedung von Open-Access-Richtlinien angekündigt. Darüber hinaus sollen Open-Access-Beauftragten ernannt werden, die Forschende bei der Umsetzung von Open Access unterstützen. Laut Pressemitteilung wird das Land im Haushaltsjahr 2015 100.000 Euro zum Anschub der Open Access-Strategie zur Verfügung stellen.

Interessant ist der Abschnitt „Indikatoren für Open Access in Schleswig-Holstein“ der Veröffentlichung: Durch die Erhebung von Indikatoren soll der Anteil der Open-Access-Publikationen ab 2018 evaluiert werden. Ziel ist u. a. die „jährliche Erhöhung des Anteils der Open-Access-Publikationen im landeseigenen Dokumentenserver“. Die weitere Befassung des Themas soll durch einen Lenkungsausschuss sichergestellt werden.

In der Vergangenheit haben bereits andere Bundesländer Open Access in ihren Regularien verankert. U.a. Baden-Württemberg in seinem Landeshochschulgesetz (2014) und Brandenburg im dortigen Hochschulgesetz (2009). Darüber hinaus hat das Land Baden-Württemberg das Thema im Rahmen seiner E-Science-Strategie aufgegriffen. Das Land Berlin hat im Mai dieses Jahres eine Open-Access-Strategie auf den Weg auf den Weg gebracht. Auch im niedersächsischen Koalitionsvertrag wird die Entwicklung einer Open-Access-Strategie angekündigt. Im Landtag Nordrhein-Westfalen fand jüngst eine Anhörung zum Thema statt.

 

Details zum Elsevier Deal in Frankreich

Der Widerspruch wird immer offensichtlicher. Verantwortliche in Wissenschaftsinstitutionen möchten eigentlich seit Jahren Open Access, entscheiden sich aber trotzdem immer wieder und immer mehr Geld für Closed Access zu bezahlen. So auch in Frankreich, wo Couperin und die Agence bibliographique de l’enseignement supérieur (Abes) mit Elsevier kürzlich einen 5-Jahres Vertrag (2014-2018) für 172 Mio. EUR abgeschlossen haben. Eine erste Tranche von 34 Mio. EUR wurde nun im September überwiesen, womit nun 476 Universitäten und Spitäler in Frankreich Zugriff auf die Freedom Collection von Elsevier haben.

Bereits im Februar 2014 wurde durch einen aufmerksamen Wikipedianer Informationen zu diesem Closed Access Deal in einem Blog veröffentlicht. Nun folgte in dem Online-Magazin Rue89 (fr) bzw. auf dem Open Knowledge Foundation Blog (engl.) ein weiterer Beitrag mit dem auch ein 15-Seitiger Auschnitt (Cahier des clauses adminstratives particulieres) des Vertrages öffentlich gemacht wird.

Gemäss Vertrag soll zwar jährlich eine Liste mit Gold Open Access Artikel, an welchen mindestens ein Autor einer französischen Institution beteiligt war erstellt werden. Soweit ich den Vertrag verstehe, wurde jedoch keine direkte Verrechnung (Offsetting) von Hybrid APCs vereinbart. Eine verpasste Chance. Elsevier’s durchschnittliche Hybrid-APC ist £1,643 (ca. 2100 EUR). Das heisst, für das gleiche Geld hätte Frankreich 2014 schon mal 16190 Artikel von französischen Autoren freikaufen können.

Offenlegung von Open-Access-Publikationsgebühren in Deutschland

Die Geschäftsmodelle des Goldenen Weges des Open Access verlagern die Finanzierung: wissenschaftliche Einrichtungen und Fördererorganisationen (z. B. die DFG und die EU) stellen Mittel bereit, um Publikationen bereits bei der Veröffentlichung im Rahmen sogenannter Publikationsgebühren (auch Article-Processing Charges, APCs genannt) zu finanzieren. Dazu betreiben wissenschaftlichen Einrichtungen häufig sogenannte Open-Access-Publikationsfonds. Über diese wird der Umgang mit den Publikationsgebühren gemanagt. Zudem wird eine Vielzahl von Open-Access-Zeitschriften als Teil wissenschaftlicher Aktivitäten einzelner Organisationen herausgegeben und finanziert.

Eine Reihe von wissenschaftlichen Institutionen in Deutschland hat jetzt begonnen Angaben zur Höhe bezahlter Open-Access-Publikationsgebühren offenzulegen. Anliegen ist es, bezahlte „Open-Access-Publikationsgebühren der Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland umfassend zu dokumentieren“ und damit einen Beitrag zu einer transparenten Entwicklung des goldenen Open-Access-Publizierens zu leisten.

Auf Initiative der Universität Bielefeld und unter Koordination der Arbeitsgruppe „Elektronisches Publizieren“ der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation (DINI) wurden die Daten von sieben wissenschaftlichen Einrichtungen auf GitHub , unter einer offenen Lizenz, zugänglich gemacht.

Folgende Visualisierung zeigt die Verteilung der bezahlten Open-Access-Publikationsgebühren auf die beteiligten Einrichtungen:

Verteilung: Open-Access-Publikationsgebühren pro Verlag

Verteilung: Open-Access-Publikationsgebühren pro Verlag

Der Datensatz umfasst aktuell 1.432 Open-Access-Artikel von sieben Institutionen im Umfang von 1.732.556 Euro. Wünschenswert ist, dass sich weitere Einrichtungen der Initiative anschließen.

Ähnliche Entwicklungen gibt es z. B. auch in Großbritannien. Eine Initative des Wellcome Trust im Frühjahr 2014 hat dort zu einer breiten Offenlegung der Zahlen geführt.

Open-Access-PublikationsfondsDie Gestaltung eines nachhaltigen Open-Access-Publikationssystems ist eine zentrale Herausforderungen für wissenschaftlichen Einrichtungen und ihre Bibliotheken. Im Rahmen der diesjährigen Open-Access-Week veröffentlichte die Arbeitsgruppe Open Access in der Schwerpunktinitiative „Digitale Information“ der Wissenschaftsorganisationen eine Broschüre zum Thema „Open-Access-Publikationsfonds“ (PDF). Ziel von Publikationsfonds ist es, den Transformationsprozess von subskriptionsbasiertem zu Publikationsgebühren-basiertem Open-Access-Publizieren effizient und nachhaltig zu gestalten. In der Broschüre wird erläutert, welchen Zielen Open-Access-Publikationsfonds dienen und was bei ihrem Aufbau und Betrieb beachtet werden sollte.

Anliegen der Wissenschaft ist es, den Transformationsprozess von Subskription zu Open Access aktiv zu gestalten und den sich formierenden Open-Access-Publikationsmarkt im Sinne der Wissenschaft zu realisieren. Die Wissenschaftsverlage haben den Wunsch nach Open Access längst erkannt. Jedoch ist nicht jedes Verlagsangebot wissenschaftsadäquat. Vor diesem Hintergrund wurden z. B. in der Helmholtz-Gemeinschaft Kriterien zum Umgang mit Open-Access-Publikationsgebühren erarbeitet. Z. B. sind sog. „hybride“ Modelle, bei der einzelne Beiträge in einer nicht-Open-Access-Zeitschrift durch den Publizierenden „freigekauft“ werden können, problematisch, da sich Verlage mit diesem Modell – zusätzlich zur Subskriptionsgebühr –  eine weitere Einnahmequelle sichern (sog. „double dipping“).

Disclosure: Ich arbeite für die Helmholtz-Gemeinschaft und bin Mitglied in den beiden genannten AGs.

(Crosspost von ALBERTopen.)

Update,  07.11.2014, 13:37: Bereits im April 2014 hat der FWF – Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung in Österreich Daten über bezahlte Open-Access-Publikationsgebühren veröffentlicht. Siehe: DOI:10.6084/m9.figshare.988754

Elsevier Verhandlungen in den Niederlanden gescheitert

Die Vereinigung niederländischer Universitäten (VSNU) hat bekanntgegeben, dass die Verhandlungen für einen Big-Deal ab 2015 gescheitert sind. Nun werden schon mal die Forschenden eingestimmt:

It is now clear that the negotiations with Elsevier have reached an impasse. During several round of talks, no offer was made which would have led to a real, and much needed, transition to open access. Moreover, Elsevier has failed to deliver an offer that would keep the rising costs of library subscriptions at acceptable levels.

Dutch universities and the University Medical Centres cannot accept the offer by Elsevier at this point in time. We are open to renew negotiations as soon as an acceptable offer is put on the table. In the meantime, universities will prepare for the possible consequences of an expiration of journal subscriptions. In case this happens researchers will still be able to publish in Elsevier journals. They will also have access to back issues of these journals. New issues of Elsevier journals as of 1-1-2015 will not be accessible anymore. Universities will explore solutions to this problem.

Die Verhandlungen waren offenbar direkt bei den Universitätsdirektoren angesiedelt.

Mal schauen, ob bis Ende 2014 noch ein Angebot von Elsevier kommt. Es ist nicht unüblich, dass solche Deals ganz knapp vor Jahresende geschlossen werden. Aus der Sicht eines Aktionärs, wäre es ja sehr schade, wenn es im Ursprungsland von Elsevier künftig keinen Big Deal mehr gäbe.

Für Open Access ist es eine tolle Nachricht!

Update: 17.12.2014

Elsevier hat noch ein neues Angebot abgegeben und die Subskriptionen werden noch um ein Jahr verlängert.