FAZ zur Rolle des Web 2.0 in der Wissenschaft

Im Wissenschaftsteil der FAZ von heute findet sich ein lesenswerter Artikel von Joachim Müller-Jung zur Nutzung von Blogs und Microblogs in der Wissenschaft.

Der Artikel „Heißer Dampf über unseren Köpfen“ beschreibt anhand einiger Beispiele, wie z.B. des „Arsen-Paper“ von Felisa Wolfe-Simon et al. und des „Stalking the fourth domain of life-Papers“ von Jonathan Eisen et al., den Einfluss des Web 2.0 auf die Wissenschaftskommunikation. Neben der Beschreibung des Potenzials, schlägt Müller-Jung gegen Ende des Artikels nachdenkliche Töne an:

„Ein Blog als Fluchtpunkt der seriösen Wissenschaftskommunikation und als Zielort maximaler Transparenz? Seine Botschaft hatte Eisen jedenfalls via Twitter und Facebook schnell verbreitet. Wie groß aber wird die Bereitschaft zu einer so gehaltvollen Aufbereitung bei jenen Autoren sein, die weniger vernetzt sind und weniger schreibfreudig, die dafür aber ihre Meriten der wissenschaftlichen Kernerarbeit zu verdanken haben? Sollen sie ins kommunikative Abseits geraten?“

Research Gone Social

Im Rahmen der diesjährigen New Yorker Social Media Week hat Mendely eine Session unter dem Motto „Research Gone Social“ veranstaltet. Eine Video-Aufzeichnung der Session ist nun online.

Die Vortragenden, Chris Wiggins (Columbia University), Gabriel Willow (WildLab), Margaret Smith (New York University Libraries) und Jan Reichelt (Mendeley), beschreiben in ihren Vorträgen Wirkung und Potenzial des Netzes auf den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess. Die Themen der Vorträge reichen dabei von „data-driven science“ über „citizen science“ und „social media“ bis hin zum „reference managment“. Der Klick auf das Video lohnt sich.(via Victoria Stodden)

Citizen Science – Projekte in Deutschland gesucht

Unter dem Begriff Citizen Science versteht man wissenschaftliche Projekte, die auf die Beteiligung von Freiwilligen setzen. In der englischsprachigen Wikipedia wird der Begriff wie folgt definiert:

„Citizen science is a term used for projects or ongoing program of scientific work in which individual volunteers or networks of volunteers, many of whom may have no specific scientific training, perform or manage research-related tasks such as observation, measurement or computation.“

Projekte wie Galaxy Zoo in der Astronomie oder eBird in der Biologie zeigen eindrucksvoll das Potenzial der Citizen Science. Mit Blick auf die Bedeutung des Netzes für Citizen Science hat sich der Begriff „Citizen Cyberscience“ etabliert, der – so meine Wahrnehmung – insbesondere durch François Grey geprägt ist. Im letzten Jahr fand in London der erste Citizen Cyberscience Summit statt. Das Programm zeigt die Vielzahl der laufenden Projekte, bei denen „Laien“ bei der Erhebung und Analyse von wissenschaftlichen Daten tätig werden können. Darüber hinaus gibt es Projekte wie SETI@home, Einstein@Home oder LHC@home, bei denen Freiwillige ein wissenschaftliches Vorhaben durch Rechenleistungen unterstützen können.

Auch in Deutschland gibt es einige Citizen Science Projekte, insbesondere im Bereich der Ornithologie. Hier ist es der Naturschutzbund Deutschland (NABU), der regelmäßig Interessierte zur Beteiligung an Aktionen wie der „Bundesweite Kuckucks-Kartierung„(2008) oder zur „Stunde der Gartenvögel“ (2010, 2011) aufruft. Ein weiteres Beispiel aus der Biologie ist das Projekt „Tagfalter-Monitoring Deutschland„. Hier erfassen Freiwillige tagesaktive Schmetterlinge. Das Projekt wird vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) wissenschaftlich begleitet und durch verschiedene Naturschutzverbände sowie das Bundesamt für Naturschutz (BfN) unterstützt.

Weitere Projekte in Deutschland:

Über Hinweise auf weitere Projekte in Deutschland, gerne als Kommentar, freue ich mich.

„Wissen“ und „Verwertung“

Da die Kollegen Puschmann und Herb gerade andere Kanäle als dieses Blog nutzen, aggregiere ich im Folgenden zwei lesenswerte Beiträge der lieben Kollegen.

Ulrich Herb schreibt auf TELEPOLIS unter dem schönen Titel „Für Wissenschaftler wertlos“ über das Zählpixel der VG Wort:

Seit 2007 bietet die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) für online publizierte Dokumente die Möglichkeit einer Ausschüttung von Tantiemen aus Zweitverwertungrechten nach Urheberrechtsgesetz. Ob man in den Genuss einer Ausschüttung kommt, hängt von einer kruden Technik ab, die Verfasser wissenschaftlicher Dokumente in den meisten Fällen von einer Vergütung ausschließt. Alternativvorschlägen von E-Publishing-Akteuren verschließt sich die VG Wort bislang.

Cornelius Puschmann macht sich in seinem eigenen Blog „Gedanken zur gesellschaftlichen Aufgabe der Wikipedia„:

Das Internet fordert unter anderem deshalb gesellschaftliche Eliten heraus, weil es alternative Zugänge zu und Teilnahme an Wissen ermöglicht. Im Falle der Wikipedia sind es (unter anderem) Schule und Wissenschaft, die herausgefordert werden. Dabei geht es weniger darum, dass die bestehenden System ersetzt würden, als vielmehr um vergrößerte Transparenz und Partizipationsmöglichkeiten durch neue, bislang nicht in den Wissensverhandlungsprozess eingebundene Akteuere. Die Wikipedia ist nicht perfekt, aber das muss sie auch nicht sein. Es genügt völlig, dass sie uns die Komplexität der Wissenskodifizierung vor Augen führt, und dass sie die Barrieren zur Teilnahme an dieser Kodifizierung im Vergleich zum Buchzeitalter merklich reduziert hat. Die Wikipedia ist nicht bedeutsam als ewiger Wissensspeicher, in dem ordentlich sortierte Fakten abgelegt werden. Vielmehr ist sie ein Marktplatz, auf dem Wissen verhandelt wird, und dieser Prozess ist vielleicht wichtiger als sein Endprodukt, auch wenn es zweifellos oft ein ziemlich mühseliger Prozess ist.

Liebe Kollegen, bei diesem Output ist es schwer den Überblick zu behalten! Hinweise auf Eurer Schaffen und Wirken sind auch hier weiterhin willkommen. 🙂

Umfrage zur Expertenbeteiligung bei Wikipedia

Das Wikimedia Research Committee hat unter dem Titel „Expert barriers to Wikipedia“ eine Umfrage zur Position von Wissenschaftlern und „Experten“ zu Wikipedia veröffentlicht. Auszug aus dem Einführungstext:

Wikipedia is now widely regarded as a mature project and is consulted by a large fraction of internet users, including academics and other experts. However, many of them are still reluctant to contribute to it. The aim of this survey is to understand why scientists, academics and other experts do (or do not) contribute to an open collaborative project such as Wikipedia, and whether individual motivation aligns with shared perceptions of Wikipedia within expert communities. We hope this may help us identify ways around barriers to expert participation.

Die Fragen laden zum Nachdenken ein. Ich habe etwa 10 Minuten zur Beantwortung benötigt. Passend zur Umfrage findet sich auf academics.de ein Beitrag von Johannes Becher und Viktor Becher mit dem schönen Titel „Gegen ein Anti-Wikipedia-Dogma an Hochschulen“.

Der Hinweis auf die Umfrage kam von Daniel Mietchen, der Mitautor der Umfrag ist und sich u.a. mit der Funktion von Wikis in der Wissenschaftskommunikation beschäftigt.

Social Media in der Wissenschaft

Gefördert vom Research Information Network (RIN) hat das International Centre for Guidance Studies (iCeGS) der Universität Derby eine Einführung für Wissenschaftler in das Thema Social Media veröffentlicht.

In der rund 50-seitigen Publikation (PDF) werden Forschenden Strategien und Werkzeuge rund um Social Media vorgestellt. Interessant sind die Statements einiger web-affiner Wissenschaftler. Beispielsweise beschreibt die Chemikerin Anna Croft den Vorteil von Friendfeed wie folgt:

Friendfeed allows me to access a network of colleagues rapidly, and get insight and opinions on a convenient schedule, because active topics are constantly highlighted. It is much more convenient than email.

Die Statements sowie eine Übersicht über die erwähnten Tools gibt es auch als eigenständige Dokumente.

Danke an Steffi Suhr für den Hinweis.

HRK-Handreichung: Herausforderung Web 2.0

Ende 2010 hat die Kommission „Neue Medien und Wissenstransfer“ der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) unter dem Titel „Herausforderung Web 2.0“ eine lesenswerte Handreichung (PDF) zum Web 2.0 im Kontext von Forschung und Lehre veröffentlicht.

Die Publikation greift das Thema auf und beschreibt Einsatzszenarien für Dienste und Tools rund um das Web 2.0. Die Autoren empfehlen Hochschulleitungen sich dem Web 2.0 anzunehmen. Auszug:

Hochschulen sollten diese Entwicklung nicht nur wahrnehmen, sondern selbst aktiv werden. Insgesamt zeigt sich anhand der dargestellten Einsatzbeispiele, dass an den Hochschulen bereits jetzt ein erhebliches Kreativitätspotenzial besteht. Dies gilt für Forschung, Lehre und zentrale Einrichtungen, wo die Möglichkeiten des Web 2.0 zur Vernetzung, Partizipation und Kollaboration bereits heute vielfältige Mehrwerte entstehen lassen. (S. 7)

Ein Team der FernUniversität Hagen hat ein kurzes Video zu der Handreichung erstellt:

Zusätzlich dokumentiert die HIS auf ihrer Website einige Beispiele für Web 2.0-Anwendungen im Hochschulkontext.

Wer an seiner Institution für die Wahrnehmung des Web 2.0 werben möchte, dem bietet die Handreichung eine ausgesprochen hilfreiche Grundlage.

(via Jan Schmidt, der die Kommission als externes Mitglied unterstützt hat.)

Neues aus dem Hause Nature

Die Nature Publishing Group (NPG) hat zu Beginn des neuen Jahres drei interessante Pressemitteilungen veröffentlicht.

Am 05.01.2011 gab der Verlag bekannt, Artikel aus den Zeitschriften Nature, Nature Biotechnology, Nature Cell Biology, Nature Medicine und Nature Chemical Biology zukünftig über DeepDyve „ausleihbar“ zu machen. Für 3,99 US-Dollar kann ein Aufsatz 24 Stunden lang betrachtet werden. Druck und Bearbeitung sind nicht möglich.

Darüber hinaus informiert NPG über ein Update des iPad App. Für monatlich 9,99 US-Dollar kann Nature auf dem iPad gelesen werden.

Martin Fenner hat die Neuerungen kommentiert:

In the discussion of subscriptions vs. author-pays for scholarly papers we sometimes forget that it’s really a question of how much we are willing to pay. I’m looking forward to the nature.com app for the iPad, and $9.99 per month seems reasonable. I would not rent a single article for $3.99 – this should either be $0.99 or give me the PDF that I can download and print, something that subscription journals typically charge $10-$30.

Am 06.01.2011 kommunizierte NPG den Start eines Open-Access-Journals namens Scientific Reports. Das Konzept der Zeitschrift erinnert stark an PloS ONE. (Und zeigt so einmal mehr, dass PLoS Innovationsmotor einer ganzen Branche ist.) Auszug aus der Beschreibung des Journals:

Scientific Reports will publish original research papers of interest to specialists within a given field in the natural sciences. It will not set a threshold of perceived importance for the papers that it publishes; rather, Scientific Reports will publish all papers that are judged to be technically valid and original. To enable the community to evaluate the importance of papers post-peer review, the Scientific Reports website will include most-downloaded, most-emailed, and most-blogged lists. All research papers will benefit from rapid peer review and publication, and will be deposited in PubMed Central.

Die Publikationsgebühr beträgt 1350 US-Dollar. Einreichungen sind ab Sommer möglich. Einen lesenswerten Kommentar zu der Ankündigung liefert Cameron Neylon.

Weiter hat NPG am 06.01.2011 in einer Pressemitteilung zum Thema Open Access Stellung genommen. In dieser erläutert David Hoole, Direktor für „Intellectual Property Policy and Licensing“ unter dem Moto „one size does not fit all“ die verschiedenen Open-Access-Aktivitäten des Verlages. Kommentare dazu finden sich u.a. bei Gobbledygook und Trading Knowledge.

Folien des DINI/Helmholtz Repositorien Workshop online

Vom 30.11. bis 01.12.2010 veranstaltete das Helmholtz Open Access Projekt in Zusammenarbeit mit der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation (DINI) im Erwin Schrödinger-Zentrum des Universitätscampus in Berlin-Adlershof einen Workshop zur strategischen Weiterentwicklung von Repositorien. Über 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wissenschaft, Infrasturktureinrichtungen und Verlagen informierten und diskutierenden über die zukünftige Rolle von Repositorien in Forschung und Lehre.

Die Folien der Veranstaltung sind auf der DINI-Website zugänglich. Eine „Dokumentation“ der Veranstaltung ist bei Twitter (#dinihg10) zu finden.

Workshop zur Zukunft von Open-Access-Repositorien

In eigener Sache: In Zusammenarbeit mit der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation (DINI) veranstaltet das Helmholtz Open Access Projekt vom 30.11. bis 01.12.2010 in Berlin-Adlershof (Erwin Schrödinger-Zentrum) einen Workshop zur strategischen Weiterentwicklung von Open-Access-Repositorien.

In Deutschland haben sich die Repositorien Ende der 90-er Jahre entwickelt. Unter dem Namen Hochschulschriften- oder Dokumentenserver entstanden Datenbanken, auf denen Hochschulschriften als Erst- oder Zweitveröffentlichung zugänglich gemacht wurden.

Mit der Entwicklung von Open Access wurden diese Datenbanken international unter dem Begriff Repositorien bekannt und Grundlage des „Grünen Weges“ des Open Access. Prominentes Beispiel ist das arXiv, welches 1991 am Los Alamos National Laboratory aufgebaut wurde und bis heute das zentrale Repositorium  für Preprints in den Disziplinen Physik, Mathematik und Informatik ist.

Im Bereich der außeruniversitären Forschung wurde spätestens Mitte der Nullerjahre begonnen, die seit langem bestehenden institutionellen Publikationsdatenbanken, die ausschließlich Metadaten nachweisen, zu Repositorien auszubauen, um Pre- und Postprints sowie Schriftenreihen im Open Access zugänglich zu machen. Eine Entwicklung, die im universitären Bereich erst langsam aufgegriffen wird.

Zudem sind in den letzten Jahren abseits der Text-Repositorien auch Repositorien für unterschiedlichste Formen und Formate digitaler Objekte entstanden, z.B. für Forschungsdaten.

Heute stehen Repositorien vor einer Vielzahl von Herausforderungen. Mehrheitlich werden sie immer noch als passive Dienste betrieben, die nicht in den Arbeitsablauf von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eingebunden sind. Darüber hinaus steigen mit der Entwicklung der digitalen Wissenschaften die Anforderungen an die Repositorien (beispielsweise im Kontext virtueller Forschungsumgebungen).

Der DINI-/Helmholtz-Workshop „Repositorien – Praxis und Vision“ wird neben dem Blick auf den Stand der Repositorien an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen auch folgende Themen behandeln:

  • Zusammenspiel von institutionellen und disziplinären Repositorien
  • Zusammenspiel von Forschungsdaten- und Text-Repositorien
  • Repositorien und Forschungsinformationssysteme (CRIS)
  • Repositorien und Soziale Netzwerke in der Wissenschaft

Ziel der Veranstaltung ist es, Impulse für die Weiterentwicklung der Repositorien zu geben. Während am ersten Tag Vorträge im Plenum stattfinden, widmet sich der zweite Veranstaltungstag in Sessions unterschiedlichsten Aspekten des Themenfeldes.

Programm und Anmeldung für den DINI-/Helmholtz-Workshop „Repositorien – Praxis und Vision“.