Blogportal für die Geisteswissenschaften

Mareike König, vom Deutsches Historisches Institut Paris (DHIP), berichtet über den Start eines deutschsprachigen Blogportals für die Geisteswissenschaften:  http://de.hypotheses.org. Mit diesem soll der Erfolg geisteswissenschaftlicher Blogs in Frankreich in den deutschen Sprachraum getragen werden.

„Entstanden ist die Idee vor dem Hintergrund des großen Erfolgs des französischsprachigen Blogportals hypotheses.org. Über 60 der derzeit 269 dort versammelten Blogs haben in diesem Sommer von der französischen Nationalbibliothek eine ISSN bekommen und können damit wie Zeitschriften in die Bibliothekskataloge aufgenommen werden[1]. Das Team von hypotheses.org um Marin Dacos und Pierre Mounier stellen die Infrastruktur für das deutschsprachige Portal kostenlos zur Verfügung, ganz im Sinne des Manifests der Digital Humanities, entstanden auf dem Pariser ThatCamp 2010, das Kollaboration in einer solidarischen, offenen, einladenden und frei zugänglichen Praxisgemeinschaft in den Mittelpunkt stellt.“

Schön, dass sich das DHIP diesem Thema annimmt und sein Engagement für die Digital Humanities so konsequent umsetzt. PS: Immer noch lesenswert ist der Beitrag von König auf Archivalia  zur Landschaft geisteswissenschaftliche Blogs in Frankreich.

(via LIBREAS.)

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WissKom2012: Call for Papers

Vom 5. – 7. November 2012 findet die WissKom2012 am Forschungszentrum Jülich statt. Das Motto der Konferenz lautet „Vernetztes Wissen – Daten, Menschen, Systeme“. Die WissKom wird von der Zentralbibliothek des Forschungszentrums  veranstaltet.

Wer die WissKom nicht kennt, dem sei ein Blick in die Tagungsbände der vergangen Jahre (2010, 2007) empfohlen. (Diese sind selbstverständlich open access zugänglich.)

Folgende drei Blöcke bilden den Schwerpunkt der Veranstaltung:

  • Vernetzung von Daten: Linked Open Data, Forschungsdaten, etc.
  • Vernetzung von Menschen: virtuelle Arbeits- und Forschungsumgebungen, Social Media, eLearning, etc.
  • Vernetzung von Systemen: Verbundsysteme, Repositorien,  Projekt-Management-Systeme, etc.

Als Mitglied des Programmkomitees freue ich mich ganz besonders auf die Konferenz! Der Call for Papers wurde heute veröffentlicht. Bis zum 15. 29. Februar 2012 besteht die Möglichkeit Vorträge und Poster einzureichen.

Ich bin mir sicher die drei Themenblöcke bieten Raum für spannende Referate und Diskussionen. Alle weiteren Infos finden sich unter: wisskom2012.de. Und natürlich ist die WissKom auch auf Facebook.

Kurz: Open-Access-Erfolgsgeschichten; Twitter für Hochschulen; Forschungsdatenmanagement; Science Code Manifesto; Rechtliche Rahmenbedingungen des Data Sharing

Open-Access-Erfolgsgeschichten: Im Rahmen der aktuell laufenden Open-Access-Week präsentiert Knowledge Exchange, ein Zusammenschluss von europäischen Förderorganisationen, eine lesenswerte Sammlung von Erfolgsgeschichten rund um Open Access.

Twitter für Hochschulen: Die London School of Economics and Political Science hat eine Einführung zu Twitter veröffentlicht. Zielgruppe sind u.a. Dozentinnen und Dozenten, die erste Gehversuche mit Twitter machen.

Forschungsdatenmanagement: Die Kollegen der FH Potsdam haben ein Handbuch zum Management von Forschungsdaten herausgegeben. Alle Beiträge sind open access.

Open Source in der Wissenschaft: Fünf Cs prägen das jüngst veröffentlichte Science Code Manifesto: Code, Copyright, Citation, Credit und Curation. Initiiert wurde das Manifest von Akteuren der Climate Code Foundation.

Zweitveröffentlichungsrecht: CDU-Politiker Günter Krings findet Open Access gut. Nicht gut findet er jedoch das geforderte Zweitveröffentlichungsrecht, dies erläutert er in der heutigen FAZ. Ben Kaden hat den Text auf IUWIS kommentiert. Einen weiteren Kommentar hat Tobias Schulze veröffentlicht.

Data Sharing: Im Rahmen des EU-Projektes Opportunities for Data Exchange (ODE) ist die Broschüre „Ten Tales of Drivers & Barriers in Data Sharing“ (PDF) erschienen. Die Publikation dokumentiert zehn Blickwinkel von Personen aus Wissenschaft, Infrastruktur und Forschungsförderung auf das Thema.  (Disclosure: Ich bin an dem Projekt beteiligt.) Nicht weniger interessant: Knowledge Exchange hat einen Report zu den rechtlichen Rahmenbedingungen des offenen Zugangs zu Forschungsdaten veröffentlicht. Ein Kapitel befasst sich mit der rechtlichen Lage in Deutschland.

Kurz: „The Digital Scholar“; Stand der Bibliometrie; Open-Access-Indikator gesucht

Seit heute ist Martin Wellers Buch „The Digital Scholar: How Technology is Changing Academic Practice“ frei zugänglich im Netz. Auf der Website von Bloomsbury Academic kann das Werk kapitelweise gelesen und gedruckt werden. Weller arbeitet als Professor für Educational Technology an der Open University. Auszug aus der Beschreibung des Werks:

„While industries such as music, newspapers, film and publishing have seen radical changes in their business models and practices as a direct result of new technologies, higher education has so far resisted the wholesale changes we have seen elsewhere. However, a gradual and fundamental shift in the practice of academics is taking place. Every aspect of scholarly practice is seeing changes effected by the adoption and possibilities of new technologies. This book will explore these changes, their implications for higher education, the possibilities for new forms of scholarly practice and what lessons can be drawn from other sectors.“

Anlässlich der diesjährigen European Summer School for Scientometrics (ESSS), die in dieser Woche in Wien stattfand, hat Robert Czepel vom ORF Wolfgang Glänzel (Katholieke Universiteit Leuven) zum Stand der Bibliometrie befragt:

„Tja, kann man Qualität überhaupt messen? – Das ist die Frage: Dass Qualität in der Wissenschaft direkt messbar ist, glaube ich nicht. Aber man hat Anhaltspunkte. Es gibt zumindest Indikatoren, die bestimmte Aspekte von Qualität wiedergeben. Wenn beispielsweise eine neue Entdeckung sehr schnell in die Kommunikation der Forscher weltweit einfließt, dann ist das auch ein Hinweis darauf, dass sie wichtig war.“

Passend zum Thema hat die Europäische Kommission heute einen Call zum Thema „Study to develop a set of indicators to measure open access“ veröffentlicht:

„The central aim of this study will be to develop an indicator that can ensure yearly and sustainable monitoring of the growth of open access literature from 2000 onwards within the ERA and beyond. The indicator will be accompanied by a study on the development of open access strategies in ERA countries and other selected countries, as well as by an exploratory study on a composed indicator measuring the growth of open access.“

Open-Access-Tage 2011: Anmeldung eröffnet

In diesem Jahr finden die Open-Access-Tage bereits zum fünften Mal statt. Gastgeberin ist vom 4. bis 5. Oktober 2011 die Universität Regensburg. Veranstaltet wird die Fachkonferenz von der Informationsplattform open-access.net und ihren Partnern.

Die Konferenz richtet sich an Personen aus Wissenschaft, Wissenschaftsmanagement, Verlagen und Infrastruktureinrichtungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Neben Vorträgen im Plenum besteht in vielen Sessions die Möglichkeit zur Diskussion. Teil der Veranstaltung ist wie in den Vorjahren die Open-Acces-Messe, auf der sich Open-Access-Projekte, -Verlage, -Zeitschriften, -Repositorien und weitere Akteure präsentieren können.

Die Anmeldung ist eröffnet und das Programm wächst und gedeiht. Als Mitglied des Programmkomitees würde ich mich freuen auch einige wisspub-Leserinnen und Leser in Regensburg sehen zu können. (Hashtag: #OAT11)

Google Scholar – von der Suchmaschine zum Collaboratory?

Hat die Vernachlässigung von Google Scholar ein Ende? Nachdem Microsoft Academic Search bereits vor einigen Monaten begonnen hat, bibliometrische Indikatoren in seiner wissenschaftlichen Suchmaschine nachzuweisen, zieht Google jetzt nach.

Vor einigen Tagen kündigte Google den Start des Dienstes „Google Scholar Citations“ an. Nach Angaben des Konzerns ermöglicht der Dienst „a simple way for you to compute your citation metrics and track them over time.“

Aktuell befindet sich der Google Scholar Citations in einer geschlossenen Betaphase. Die Reaktionen auf den Start von Google Scholar Citations sind vielfältig. Während z.B. Joachim Michel das Ende des Social Science Citation Index (SSCI) prognostiziert, äußern sich andere Kommentatoren zurückhaltender. So z.B. Martin Fenner, dessen lesenswerter Blogpost hier empfohlen werden muss.

Während bei Datenbanken wie Scopus oder Web of Science die Datengrundlage für die Berechnung bibliometrischer Indikatoren (einigermaßen) nachvollziehbar ist, ist bei Google Scholar Citations und bei Microsoft Academic Search unklar, welche Quellen  (z.B. Repositorien) indexiert werden. So hat z.B., wie bereits geschrieben, Albert Einstein bei Google Scholar 663 Publikationen und einen h-Index von 79, bei Microsoft Academic Search hat der Nobelpreisträger 194 Publikationen und einen h-Index von 23.

Ich habe seit wenigen Stunden einen Google Scholar Citations Account. Bei der Registrierung fand Google automatisch 9 Publikationen, an denen ich beteiligt bin. Diese werden nun automatisch in meinem Profil nachgewiesen. Bisher habe ich darauf verzichtet, weitere Publikationen hinzuzufügen oder auch die nachgewiesenen Slides zu löschen um das Profil etwas aussagekräftiger zu gestalten. Ein Klick auf mein Profil zeigt eine weitere Herausforderung: die heterogene Metadatenqualität. Nach diesen wenigen Spielereien mit dem Dienst fällt auch mein bisheriges Fazit eher verhalten aus.

Betrachtet man Google Scholar Citations jedoch vor dem Hintergrund von Google Plus wird das Potenzial des Dienstes deutlich. Eine Integration von Google Scholar Citations in Google Plus wäre ein feine Sache! So könnten z.B. die wöchentlichen Projektmeetings über Google Hangout organisiert werden oder die Papers der Kolleginnen und Kollegen könnten „Stream“ diskutiert werden.

Dieses Szenario könnte bald an Bedeutung gewinnen. Wie diesen Monat bekannt wurde investiert Google in das Startup-Unternehmen Wingu.

Wingu ist eine „enterprise cloud computing company“, die unter dem Namen „Elements“ ein Software-Produkt betreibt, das Google Scholar von einer Suchmaschine zu einer „virtuellen Forschungsumgebung“ (Collaboratory) aufwerten könnte. Auszug aus der Beschreibung der Software:

„Wingu’s flagship product, Elements, is an extensible scientific data integration and collaboration platform that helps researchers easily design, capture, analyze, and manage their data, allowing them to concentrate on science rather than software. The modular framework allows for simple data organization and customization, while the cloud-based architecture enables global collaborations with distributed teams.“

Es bleibt spannend! BTW: Ist jemandem ein Repositorium bekannt, welches das „citations-gadget“ integriert hat?

„What If the Web Really Worked for Science?“

Dieser zentralen Frage geht James Boyle, Jura-Professor und Mitbegründer des Center for the Study of the Public Domain an der Duke Law School in einem kurzweiligen und wenig juristischen Vortrag nach. Auszug:

„The World Wide Web was invented for science. It was invented to help spread scientific research, to connect researchers, to make information search and retrieval global and easy. It has worked, to some extent. But the irony today, is that it is easier to use the Web to search for shoes, books, or porn, than to use it for scientific research. Scholarly articles reporting the results of publicly funded scientific research languish behind paywalls, protected by copyright and digital rights management. Databases are incompatible, and their legal accessibility often unclear.“

Boyle plädiert für die Schaffung eines Anreizsystems, das das „Sharing“ von Wissen und Information im Sinne des Open Access in den Vordergrund stellt und belohnt.  Eine Aufzeichnung seines Vortrags steht bei YouTube (sogar in HD) bereit:

(via Michael Nielsen)