Gesamtkonzept für die Informationsinfrastruktur online

Das „Gesamtkonzept für die Informationsinfrastruktur in Deutschland“ ist online. Erstellt wurde das Gesamtkonzept von der Kommission Zukunft der Informationsinfrastruktur (KII), die im Auftrag der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) arbeitete. Auszug aus der Pressemitteilung der Leibniz-Gemeinschaft:

Die Zusammensetzung der Kommission stellt ein Novum dar. Sie repräsentiert die maßgeblichen Akteure der Informationsinfrastruktur in Deutschland, und zwar sowohl die Dienstleister selbst als auch die Förderorganisationen ebenso wie die wissenschaftlichen Nutzer.

Die Kommission definiert „Informationsinfrastruktur“ als nationales, disziplinübergreifendes „Netz“ von Einrichtungen. Diese nehmen dezidiert in öffentlichem bzw. institutionellem Auftrag die Versorgung im weitesten Sinne von Wissenschaft und Forschung mit Information und damit zusammenhängenden Dienstleistungen wahr. Vor diesem Hintergrund wird dem Konzept ein ganzheitlicher, strukturorientierter Ansatz zugrundegelegt. Disziplin-, sparten- und institutionenübergreifend werden acht Handlungsfelder beleuchtet, die aus heutiger Sicht für die Informationsinfrastruktur von zentraler Bedeutung sind:

  1. Lizenzierung
  2. Hosting / Langzeitarchivierung
  3. Nichttextuelle Materialien
  4. Retrodigitalisierung / kulturelles Erbe
  5. Virtuelle Forschungsumgebungen
  6. Open Access
  7. Forschungsdaten
  8. Informationskompetenz / Ausbildung.

Alle Handlungsfelder stehen miteinander in Zusammenhang. Darüber hinaus wurden 5 der 8 Themen parallel und in Kooperation zwischen der Kommission und der Allianz-Schwerpunktinitiative Digitale Information behandelt.

(Disclosure: Ich war an zwei KII-AGs beteiligt.)

Innovationspotenzial für die Volkswirtschaft

Zwei Beratungsunternehmen haben diese Woche Publikationen zu den Themenfelden Open Access und Forschungsdaten veröffentlicht.

Das McKinsey Global Institute (MGI) hat eine Studie zum Thema Big Data veröffentlicht, in der u.a. das Potenzial frei zugänglicher Forschungsdaten betont wird. Auszug:

„Making big data more accessible in a timely manner. In the public sector, making data more accessible across otherwise separated departments can sharply reduce search and processing time. In manufacturing, integrating data from R&D, engineering, and manufacturing units to enable concurrent engineering can cut time-to-market.“

Die Forschungsabteilung der Deutschen Bank befasst sich in der Studie „Die digitale Gesellschaft: Neue Wege zu mehr Transparenz, Beteiligung und Innovation“ (PDF) mit Open Access. Dort heißt es:

„Eine aktive Open Access-Politik kann Wissen effizienter und kostengünstiger verbreiten und sorgt somit für ein höheres Innovationspotenzial in der Volkswirtschaft.“

(via netzpolitik.org und CNI)

DFG fördert Informationsinfrastrukturen für Forschungsdaten

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert in ihrer ersten Ausschreibung  zum Thema Forschungsdaten 27 Projekte mit einem Fördervolumen von insgesamt 9,9 Millionen Euro. Auszug aus der Pressemitteilung:

„In den nun anlaufenden Vorhaben sollen in enger Zusammenarbeit mit den wissenschaftlichen Fachgebieten deren spezifische Anforderungen an das Datenmanagement aufgegriffen und mithilfe informationsfachlicher Methoden Systeme zur Speicherung, Referenzierung und Nachnutzbarkeit von Forschungsdaten aufgebaut werden. Ziel ist die Etablierung bedarfsgerechter und nachhaltiger Informationsdienstleistungen, die helfen, mittels standardisierter Methoden langfristig den Zugang zu Forschungsdaten zu ermöglichen.“

Eine Übersicht (PDF) der bewilligten Anträge gibt einen lesenswerten Überblick über die Vielfalt der Projekte. Eine Visualisierung der Projektbeschreibungen deutet die „Buzzwords“ der Projekte an (und zeigt die Schwächen von Wordle):

Einen Überblick über aktuelle Projekte und Initiativen rund um das Thema bieten die Folien des JISC MRD International Workshop aus dem März.

In diesem Kontext auch der Hinweis auf die Mailingliste „Umgang mit Forschungsdaten“ auf der diese und andere Entwicklungen kommuniziert und diskutiert werden können.

„Sammeln und teilen“

Unter diesem schönen Titel schreibt der Journalist Dirk Asendorpf in der aktuellen Ausgabe der ZEIT (Nr. 15, S. 42) über das Publishing Network for Geoscientific & Environmental Data (PANGAEA).

Der Artikel beschreibt die Aktivitäten der Kolleginnen und Kollegen am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) und am Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen (MARUM) rund um die dauerhaft Zugänglichkeit geowissenschaftlicher Forschungsdaten.

Der Artikel ist frei zugänglich.

Michael Nielsen über Open Science

Der australische Quantenphysiker Michael Nielsen, auf desen Buch „Reinventing Discovery: The New Era of Networked Science“ ich mich schon sehr freue, hat auf der TEDxWaterloo einen sehr empfehlenswerten Vortrag zum Thema Open Science gehalten.

Falls nicht bekannt:Die Essays von Nielsen zum Thema „The future of science“ sind sehr lesenswert.

(via Daniel Mietchen.)

Research Gone Social

Im Rahmen der diesjährigen New Yorker Social Media Week hat Mendely eine Session unter dem Motto „Research Gone Social“ veranstaltet. Eine Video-Aufzeichnung der Session ist nun online.

Die Vortragenden, Chris Wiggins (Columbia University), Gabriel Willow (WildLab), Margaret Smith (New York University Libraries) und Jan Reichelt (Mendeley), beschreiben in ihren Vorträgen Wirkung und Potenzial des Netzes auf den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess. Die Themen der Vorträge reichen dabei von „data-driven science“ über „citizen science“ und „social media“ bis hin zum „reference managment“. Der Klick auf das Video lohnt sich.(via Victoria Stodden)

Citizen Science – Projekte in Deutschland gesucht

Unter dem Begriff Citizen Science versteht man wissenschaftliche Projekte, die auf die Beteiligung von Freiwilligen setzen. In der englischsprachigen Wikipedia wird der Begriff wie folgt definiert:

„Citizen science is a term used for projects or ongoing program of scientific work in which individual volunteers or networks of volunteers, many of whom may have no specific scientific training, perform or manage research-related tasks such as observation, measurement or computation.“

Projekte wie Galaxy Zoo in der Astronomie oder eBird in der Biologie zeigen eindrucksvoll das Potenzial der Citizen Science. Mit Blick auf die Bedeutung des Netzes für Citizen Science hat sich der Begriff „Citizen Cyberscience“ etabliert, der – so meine Wahrnehmung – insbesondere durch François Grey geprägt ist. Im letzten Jahr fand in London der erste Citizen Cyberscience Summit statt. Das Programm zeigt die Vielzahl der laufenden Projekte, bei denen „Laien“ bei der Erhebung und Analyse von wissenschaftlichen Daten tätig werden können. Darüber hinaus gibt es Projekte wie SETI@home, Einstein@Home oder LHC@home, bei denen Freiwillige ein wissenschaftliches Vorhaben durch Rechenleistungen unterstützen können.

Auch in Deutschland gibt es einige Citizen Science Projekte, insbesondere im Bereich der Ornithologie. Hier ist es der Naturschutzbund Deutschland (NABU), der regelmäßig Interessierte zur Beteiligung an Aktionen wie der „Bundesweite Kuckucks-Kartierung„(2008) oder zur „Stunde der Gartenvögel“ (2010, 2011) aufruft. Ein weiteres Beispiel aus der Biologie ist das Projekt „Tagfalter-Monitoring Deutschland„. Hier erfassen Freiwillige tagesaktive Schmetterlinge. Das Projekt wird vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) wissenschaftlich begleitet und durch verschiedene Naturschutzverbände sowie das Bundesamt für Naturschutz (BfN) unterstützt.

Weitere Projekte in Deutschland:

Über Hinweise auf weitere Projekte in Deutschland, gerne als Kommentar, freue ich mich.

Forschungsdatenmanagement: Welche Anforderungen haben Wissenschaftler?

„Welche Anforderungen haben Wissenschaftler bei der dauerhaften Zugänglichkeit wissenschaftlicher Daten?“ Dieser Frage geht eine Studie der niederländischen SURFfoundation nach. In der Metadstudie werden fünfzehn Publikationen zu dem Themenkomplex betrachtet.

Der Autor Martin Feijen benennt folgende Faktoren, die für Wissenschaftsmanagement und Infrastruktureinrichtungen von zentraler Bedeutung bei der Entwicklung von Massnahmen des Forschungsdatenmanagements sind (S. 4):

  • Tools and services must be in tune with researchers’ workflows, which are often discipline-specific (and sometimes even project-specific).
  • Researchers resist top-down and/or mandatory schemes.
  • Researchers favour a “cafeteria” model in which they can pick and choose from a set of services.
  • Tools and services must be easy to use.
  • Researchers must be in control of what happens to their data, who has access to it, and under what conditions. Consequently, they want to be sure that whoever is dealing with their data (data centre, library, etc.) will respect their interests.
  • Researchers expect tools and services to support their day-to-day work within the research project; long-term/public requirements must be subordinate to that interest.
  • The benefits of the support must clearly visible – not in three years’ time, but now.
  • Support must be local, hands-on, and available when needed.

Die Studie „What researchers want“ (PDF) ist frei zugänglich.

PS: Die duz hat sich in ihrer März-Ausgabe unter dem Titel „Der Kampf um den Rohstoff des Wissens“ dem Thema  angenommen. Leider sind die Beiträge mehrheitlich nicht Open Access.

Science: Special zu Forschungsdaten

Nachdem Nature dem Thema Forschungsdaten bereits zwei Schwerpunktausgaben gewidmet hat, zieht nun Science nach. Gemeinsam mit Science Signaling, Science Translational Medicine und Science Careers widmet sich das Journal in einem Special vom 11.02.2011 dem Thema Forschungsdaten: Special Online Collection „Dealing with Data“

In über zwanzig Artikeln werden vielfältige Aspekte rund um die dauerhafte Zugänglichkeit von wissenschaftlichen Daten thematisiert. In der Einführung des Specials beschreibt die Redaktion den Fokus ihrer gemeinsamen Publikation:

Scientific innovation has been called on to spur economic recovery; science and technology are essential to improving public health and welfare and to inform sustainability; and the scientific community has been criticized for not being sufficiently accountable and transparent. Data collection, curation, and access are central to all of these issues. For this reason, Science has joined with colleagues from our sister publications Science Signaling, Science Translational Medicine, and Science Careers to provide a broad look at the issues surrounding the increasingly huge influx of research data. […] As you will discover, two themes appear repeatedly: Most scientific disciplines are finding the data deluge to be extremely challenging, and tremendous opportunities can be realized if we can better organize and access the data.

Der Zugang zu den Artikeln ist frei. Teilweise ist eine Registrierung nötig.

Wissenschaftsrat zu Informationsinfrastrukturen

Der Wissenschaftsrat, das zentrale wissenschaftspolitische Beratungsgremium Deutschlands, hat heute drei Empfehlungen veröffentlicht, die je nach Arbeitsgebiet und Disziplin, gut und gerne als Pflichtlektüren bezeichnet werden können:

Übergreifende Empfehlungen zu Informationsinfrastrukturen

Wissenschaftlichen Sammlungen, Bibliotheken, Archiven und Datensammlungen, die unter dem Begriff Informationsinfrastrukturen zusammengefasst werden, kommt nach Auffassung des Wissenschaftsrates eine grundlegende Bedeutung für Forschung, Lehre und Nachwuchsförderung in allen wissenschaftlichen Fächern zu. „Informationsinfra­strukturen sind ein konstitutiver Teil des Wissenschaftssystems. Die Gewinnung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse wäre ohne sie nicht möglich. Es ist daher eine öffentli­che Aufgabe, ihre Verfügbarkeit für die Wissenschaft zu gewährleisten“, so der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Peter Strohschneider.

Empfehlungen zu Forschungsinfrastrukturen in den Geistes- und Sozialwissenschaften

Hinsichtlich der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Wissenschaftssystems ist es aus Sicht des Wissenschaftsrates notwendig, der an wissenschaftspolitischer Bedeutung zunehmenden Infrastrukturent­wicklung für die Geistes- und Sozialwissenschaften in Deutschland mehr Aufmerksam­keit zu widmen. Positiv bewertet er bereits jetzt die Entwicklung der Forschungsinfra­strukturen der quantitativen Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Vor allem im Be­reich großer Umfragestudien konnte hier in den vergangenen Jahren eine internationale Spitzenstellung erreicht werden. Eine vergleichbare Position gilt es auch für die qualita­tiven Sozialwissenschaften und die Geisteswissenschaften anzustreben. In diesem Sinne hat der Wissenschaftsrat Empfehlungen zur Stärkung der internationalen Konkur­renzfähigkeit von Informations- und sozialen Infrastrukturen sowie zur Ausstattung mit Großgeräten in einzelnen Feldern der Geistes- und Sozialwissenschaften in Deutsch­land ausgesprochen. Dabei äußert er sich auch zu Fragen der Archivierung von For­schungsdaten.

Empfehlungen zu wissenschaftlichen Sammlungen als Forschungsinfrastrukturen

Deutschland verfügt über eine reiche und sehr vielfältige Sammlungslandschaft, die Grundlage bedeutender und herausragender Forschung ist. Eine Systematisierung von Arten, die Erkundung evolutionären oder klimatischen Wandels sind ohne solche Sammlungen ebenso undenkbar wie die Erforschung schriftloser oder längst vergange­ner Kulturen oder die Erforschung der Entwicklung von Technik, Wissenschaften und Künsten. Der Wissenschaftsrat hat jedoch feststellen müssen, dass das Potenzial dieser Sammlungen – vor allem im universitären Bereich – noch nicht hinreichend er­kannt und genutzt wird. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Professor Peter Strohschneider: „Viele Sammlungen lagern unbekannt und ungenutzt in Abstellräumen der Universitäten, wo weder ihr dauerhafter Erhalt noch ihre wissenschaftliche Bearbei­tung möglich sind. Womöglich liegen hier noch ungeahnte Schätze für die Forschung.“

Für den 3. Februar 2011 wurden die  Empfehlungen zur Zukunft des bibliothekarischen Verbundsystems in Deutschland angekündigt.