Intransparenz bei den Bibliotheksausgaben von Schweizer Hochschulen

Gemäss Jahresbericht 2013 vermittelte das Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken Lizenzen für über 25.6 Mio. CHF an Konsortialmitglieder. Davon waren 18.76 Mio. für Closed Access Zeitschriften, 6.22 Mio. für Datenbanken und 630’000 für Closed Access E-Books. Die teuerste Zeitschriftenlizenz des Jahres 2013 – ScienceDirect (Elsevier) – belief sich auf über 7 Mio. CHF, gefolgt von den Wiley Journals mit ca. 3.5 Mio. CHF und Nature mit ca. 1.5 Mio CHF. Aus diesen groben Zahlen, bei denen eigenartigerweise Springer nicht aufgeführt ist, wird allerdings nicht klar wieviel Geld einzelne Bibliotheken für welche Produkte und zu welchen Bedingungen aufgewendet haben. Kommt hinzu, dass Bibliotheken auch selber verhandelte Lizenzen und Kaufverträge abschliessen.

Jahresberichte wenig aussagekräftig

Wer sich auf Grund der Klage von Elsevier, Springer und Thieme gegen die ETH-Bibliothek vielleicht die Frage gestellt hat, wieviel die ETH-Bibliothek oder auch andere Schweizer Bibliotheken zurzeit an diese Verlage zahlen, findet dazu keine detaillierten Informationen. Der Jahresbericht 2013 der ETH-Bibliothek beispielsweise beschränkt sich auf zwei konsolidierte Zahlen:

  • Medienerwerbungsbudget Total: 16.14 Mio. CHF
  • davon elektronische Medien: 5.27 Mio. CHF

Jahresberichte von anderen Hochschulbibliotheken sind vielfach kaum ergiebiger, ein paar Beispiele (in CHF):

  • ZB Zürich: Betrieblicher Material- und Warenaufwand: 9.16 Mio.
  • UB Basel: Monografien: 1.59 Mio. ; Zeitschriften: 1.78 Mio. ;  elektr. Medien: 3.05 Mio.
  • UB Bern: Medienerwerbskosten: 10.14 Mio., davon elektr. Dokumente: 5.88 Mio. + Grafik mit Aufteilung Monografien, Zeitschriften gedruckt
  • HBZ: Zeitschriften: 5.06 Mio. ; Einzelwerke/Forts. 161k ; Publikationsfond: 141k ;  Datenbanken: 1.28 Mio. + Kapitel Reporting E-Media
  • ZHB Luzern: Medienerwerb: Print-Medien (Monografien, Zeitschriften):  1.9 Mio. ; E-Medien (Bücher, Zeitschriften, Datenbanken): 638k

Akteneinsichtgesuche an Hochschulbibliotheken der Schweiz

Aber wie heisst es doch im Ethikkodex des BIS für Bibliothekare und Informationsfachleute:

Informationsfachleute setzen sich für die Transparenz von Informationen ein und orientieren auch ihre berufliche Praxis am Transparenzgebot.

Von daher sollte es kein Problem sein, diese Zahlen in Erfahrung zu bringen. Dachte ich jedenfalls. Am 23. Juni 2014 schrieb ich an 13 Bibliotheksdirektionen und zusätzlich dem Konsortium und der KFH Koordinationsstelle Konsortium die einfache Anfrage, mir Einsicht in Dokumente zu gewähren, aus denen ersichtlich ist, wieviel die Bibliotheken im Zeitraum von 2010-2016 an die drei grossen Verlage Elsevier, Springer und Wiley bezahlt haben, oder gemäss Vereinbarung bezahlen werden. Wo vorhanden, stützte ich diese Anfrage auf das Öffentlichkeitgesetz, dass in der Schweiz auf Bundes- und bis auf wenige Ausnahmen auch auf kantonaler Ebene gilt. Diese Gesetze sehen vor, dass im Grundsatz alle Informationen von Behörden öffentlich sind, sofern nicht gute Gründe dagegen sprechen.

Traktandum in der KUB

Der Zufall wollte es, dass sich am 25. Juni, also zwei Tage nach meinem Versand,  die Bibliotheksdirektionen im Rahmen der Konferenz der Universitätsbibliotheken der Schweiz (KUB) in Bern trafen. Gemäss dem Protokoll des Treffens, welches bis zum Erscheinen dieses Blogbeitrages auf der KUB-Website frei zugänglich war, wurde meine Anfrage als zusätzliches Traktandum aufgenommen und diskutiert. Während Bern, St. Gallen und Genf die Anfrage bereits zur genaueren Abklärung an ihre eigenen Rechtsdienste weitergeleitet hatten, konnte die Zentralbibliothek Zürich, deren Vizedirektor von Hause aus Jurist ist, schon mit einer erfolgter Abklärung aufwarten, gemäss der mein Akteneinsichtsgesuch abzulehnen sei. Die Direktorin der ZB Zürich anerbot den anderen Bibliotheken offenbar, die Ablehnungsantwort der ZB als Hilfestellung zuzuschicken. Die KUB war sich in der Folge einig und beschloss, dass meine Gesuche abgelehnt werden müssen.

Pikantes Detail. Dem Protokoll der Sitzung ist zu entnehmen, dass in Fribourg die Kosten der Elsevier-Lizenz (800’000 CHF) bereits auf der Kantonswebseite öffentlich beziffert worden war. Diese Zahl wurde mir aber später in der offiziellen Antwort der Bibliothek nicht mitgeteilt. Auch konnte ich bislang nicht ausfindig machen, wo diese Zahl publiziert ist (oder publiziert war?).

Bibliothèque cantonale et universitaire, Lausanne

Die schnellste Antwort kam von der Direktorin der BCU Lausanne. Obwohl ich meine vollständige, private Postadresse der e-Mail hinzugefügt hatte, weigerte sich die Direktorin zunächst den Anhang mit meiner Anfrage zu öffnen, da sie mich nicht kannte und ich einen privaten Bluewin Account verwendete. Als ich ihr daraufhin den Link zu meinem LinkedIn Profil schickte, behauptete sie kühn:

le principe de transparence des actes administratifs est ancré dans la législation de mon canton, pour les citoyens de mon canton. Qui êtes-vous, existez-vous même physiquement? Pour le compte de qui agissez-vous?

Da ich die erwähnte Beschränkung nicht im Öffentlichkeitsgesetz des Kanton VD finden konnte, tat ich, was mir die Dozentin eines meiner zwei Semester Rechts immer wieder eingetrichtert hatte und fragte wo dies geschrieben sei.

Es dauerte ein paar Tage bis nach der KUB Sitzung bis ich dann folgende Antwort erhielt:

Un lien linkedIn n’est pas un passeport, mais OK, je vois qui vous êtes. Concernant votre demande, je dois malheureusement la refuser, au vu de la LInfo vaudoise, Chapitre IV art. 16, car le transfert de cette information lèserait le secret commercial (LInfo art. 16 $3c) ainsi que dans ce cas précis les relations avec d’autres entités publiques (LInfo art. 16$2d) au vu du fait que les ces licences sont achetées de facto par le Consortium et non la BCU Lausanne.
Votre démarche est sans doute louable; je me permets cependant de préciser que nous nous échangeons avec d’autres consortia européens sur les prix payés. Les prix de ces licences ne sont donc pas élevés en raison d’un manque d’information concernant les montants payés, mais bien en raison de la nature monopolistique de l’offre. À Lausanne, nous avons par le passé contacté à ce sujet la commission fédérale pour la concurrence, qui nous a dit qu’ils connaissaient le problème, mais qu’il n’était pas attaquable en Suisse en raison du fait que le fors juridique de ces éditeurs ne se trouve pas en Suisse.

ETH-Bibliothek, Zürich

Ebenfalls schnell, aber genauso unsorgfältig war die erste Antwort des Direktors der ETH Bibliothek:

Ihrem Antrag auf Einsichtnahme in die Vertragsbedingungen zu den Verlagen Elsevier, Springer und Wiley können wir nicht entsprechen. Es handelt sich hierbei um betriebsinterne Unterlagen, die wir grundsätzlich nicht öffentlich machen.

Offenbar ist der seit 2004 eingeführte Paradigmenwechsel des Öffentlichkeitsgesetzes (BGÖ) auf Bundesebene noch nicht in die Direktionsetage an der Rämistrasse 101 vorgedrungen. Immerhin, nach einem zweiten Hinweis auf das BGÖ und dem Verlangen einer konkreten Begründung, erhielt ich einen ordentlichen Ablehnungsentscheid:

Die von lhnen gewünschten Dokumente fallen unter die in Art.7 im Bundesgesetz für das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung (Öffentlichkeitsgesetz, BGÖ) formulierten Ausnahmebestimmungen.

  • Würde der Zugang gewährt, könnten Geschäftsgeheimnisse offenbart werden (Art. 7 Abs. 1 Bst. g BGÖ)
  • Würde ein Zugang gewährt, würden Informationen vermittelt, deren Vertraulichkeit zugesichert wurde (Art. 7 Abs.1 Bst. h BGÖ)

Lib4RI (Eawag, Empa, PSI & WSL)

Die beinah identische Ablehnungsantwort erhielt ich auch von der Direktorin der EAWAG in Dübendorf. Die Antwort ging auch gleich an die Direktionen der anderen Forschungsinstitute EMPA, PSI und WSL.

École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL)

Die EPFL schickte mir den Ablehnungsbrief wie bei der ETHZ, jedoch auf Französisch.

Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken

Da das Konsortium der ETHZ angegliedert ist, untersteht es ebenfalls dem Bundesgesetz über das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung. Meine Anfrage an das Konsortium war um die Einsicht der ganzen Verträge von Elsevier, Springer und Wiley erweitert. Allerdings blieb mir auch hier der Einblick mit der gleichen Begründung wie bei den anderen drei Bundesinstitutionen verwehrt.

Zentralbibliothek Zürich

Von der Direktorin der ZB Zürich erhielt ich folgende Antwort:

A. Es ist davon auszugehen, dass die Zentralbibliothek (ZB) als öffentlich-rechtliche Stiftung grundsätzlich dem Gesetz über die Information und den Datenschutz (IDG, 170.4, Kantonale Rechtsgrundlage) untersteht, da die ZB eine Organisation des öffentlichen Rechts des Kantons Zürich ist, die mit der Erfüllung öffentlicher Aufgaben betraut ist (vgl. § 3 Abs. 1 lit. c IDG).

B. Im Bereich des Medienerwerbs ist die ZB indes Teilnehmerin am wirtschaftlichen Wettbewerb und handelt nicht hoheitlich. Für solches Handeln ist die ZB gemäss § 2 Abs. 2 IDG nicht dem Geltungsbereich des IDG unterstellt, womit das vom Gesuchsteller beanspruchte Öffentlichkeitsprinzip nicht geltend gemacht werden kann.

C. Sollte vorliegend wider Erwarten dennoch von einem entsprechenden hoheitlichen Handeln der ZB ausgegangen werden, so ist zu beachten, dass es sich bei den vom Gesuchsteller eingeforderten Informationen um eigentliche Geschäftsgeheimnisse handelt. Diese bekanntzugeben würde sowohl die privaten Interessen der Verlagshäuser als auch die öffentlichen Interessen der ZB tangieren (Einschränkungen im Einzelfall, vgl. § 23 IDG). Diese Interessen sind vorliegend als gewichtiger zu werten als das Interesse des Gesuchstellers an der beantragten Akteneinsicht. Die ZB wie auch das in diesen Angelegenheiten für die ZB handelnde Konsortium der Hochschulbibliotheken sind im Übrigen über weite Strecken vertraglich verpflichtet, die Vertragsbedingungen Dritten nicht zugänglich zu machen. Ein Verstoss gegen diese Abmachung könnte massgebliche Schadenersatzpflichten zu Gunsten der Verlagshäuser und zu Lasten der ZB nach sich ziehen.

Welch eine Spitzfindigkeit! Die Öffentlichkeitsgesetze der Kantone ZH und BS habe eine schwammige Klausel, wonach öffentliche Organe vom Geltungsbereich des Öffentlichkeitsgesetztes ausgenommen sind, soweit sie am wirtschaftlichen Wettbewerb teilnehmen und dabei nicht hoheitlich handeln. Was wohl damit gemeint ist, lässt ein Blick in ein jüngeres Öffentlichkeitsgesetz wie jenes vom Kanton Zug (Feb. 2014) vermuten, indem die Ausnahmen explizit erwähnt werden: Kantonsspital, Kantonalbank oder Psychiatrische Klinik Zugersee. Sprich, öffentliche Institutionen, die Teilnehmer in einem liberalisierten Markt sind in dem Wettbewerb herrscht. Diese Institutionen gibt es auch im Kanton Zürich, werden aber durch das Gesetz nicht so explizit erwähnt. Das sich ausgerechnet die konservativste Bibliothek in der Schweiz, sich in einem Markt mit Wettbewerb wähnt, erstaunt.

Meine diesbezüglichen Zweifel wurden durch eine Anfrage beim Datenschutzbeauftragten des Kt. ZH bestätigt:

Ob die ZB bezüglich einzelner Tätigkeiten gestützt auf § 2 Abs. 2 vom IDG ausgenommen ist, muss im konkreten Einzelfall näher geprüft werden. Beim Erwerb von Medien befindet sich die ZB im freien Markt des Buchhandels bzw. des Medienangebots. Im wirtschaftlichen Wettbewerb befinden sich allerdings in erster Linie die Verlage mit ihren Medienangeboten. Der Medienerwerb dient unseres Erachtens als Mittel zur Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben, ist insoweit Teil des “staatlichen” (und nicht marktwirtschaftlichen) Handelns und scheint uns deshalb nicht à priori vom IDG ausgeschlossen zu sein. Ohne zusätzliche Abklärungen können wir die Frage jedoch nicht abschliessend beantworten. Da Sie die Möglichkeit haben, diese Frage mittels Rekurs überprüfen zu lassen, sehen wir von weiteren Abklärungen im konkreten Fall ab.

Hauptbibliothek, Universität Zürich (HBZ)

Während die ZB Zürich die geisteswissenschaftlichen Inhalte für die Universität Zürich beschafft, verwaltet die Hauptbibliothek die teuren STM-Lizenzen. Aber auch die HBZ weigerte sich, mir konkrete Zahlen zu den Ausgaben an Elsevier, Springer und Wiley zu nennen. Zusätzlich zu der von der ZB Zürich übernommenen Begründung, teilte mir der Direktor der HBZ mit:

Darüber hinaus werden ebenfalls die öffentlichen Interessen der Universität Zürich tangiert, da die Universität darauf angewiesen ist, auch inskünftig ihre Verhandlungsposition beim Erwerb von Medien bei den entsprechenden Verlagen aufrechtzuerhalten. Diese wesentlichen Interessen der Universität Zürich und der betroffenen Verlagspartner überwiegen unseres Erachtens klar Ihr Interesse an der Veröffentlichung der anbegehrten Informationen (§ 23 IDG).

Universitätsbibliothek Basel

Basel hat ein ähnliches Öffentlichkeitsgesetz wie Zürich. Der inzwischen pensionierte Direktor der UB Basel teilte mir per e-Mail mit:

Im Bereich Medienerwerb handelt die Universität Basel nicht hoheitlich, sondern als Teilnehmerin am wirtschaftlichen Wettbewerb. Entsprechend betrachten wir die von ihnen gewünschten Auskünfte als solche, die vom Oeffentlichkeitsprinzip ausgenommen bleiben.

Als ich daraufhin auf Hinweis des Datenschützer des Kanton BS eine anfechtbare Verfügung verlangte und das Dossier an die Verwaltungsdirektion weitergereicht wurde, erhielt ich eine ausführlichere Antwort, die zusätzlich zu der Vorlage der ZB Zürich auch folgendes Element enthielt:

Bei den von Ihnen eingeforderten Informationen handelt es sich um Geschäftsgeheimnisse der drei betreffenden Verlage. Wenn die Daten gegenüber konkurrierenden Unternehmen bekannt würden, könnte dies zu Marktverzerrungen und zu einem substanziellen Schaden der Verlage führen.

Université de Genève – Division de l’information Scientifique (DIS)

Auch ablehnend aufgrund von Geschäftsgeheimnis die Antwort der Direktorin aus Genf:

Des intérêts prépondérants de tiers s’opposent à la communication des documents demandés. En particulier, consentir un tel accès serait propre à « révéler des informations couvertes par des secrets professionnels, de fabrication ou d’affaires, le secret fiscal, le secret bancaire ou le secret statistique » au sens de l’article 26 alinéa 2 lettre i LIPAD.

Université de Neuchâtel

Aus Neuenburg erhielt ich folgende Antwort.

A Neuchâtel nous avons décidé d’aller dans le sens de la discussion qui a eu lieu à la dernière séance de la CBU, c’est-à-dire ne pas révéler ces montants cette année pour ne pas entrer en conflit avec les contrats que nous avons signé dans ce sens mais de faire en sorte que les clauses de confidentialité soient supprimées des prochains contrats les années prochaines.

Auf die Nachfrage am 15. Juli 2014 mir eine Antwort zuzustellen, die sich anstelle des Beschluss der KuB am kantonalen Gesetz (CPDT-JUNE) orientierte, habe ich bis heute keine Rückmeldung erhalten.

Biblioteca Universitaria di Lugano (USI)

Aus Lugano traff dann endlich am 29. Juli die erste positive Antwort ein. Die USI wies transparent aus, wieviel Geld für Erwerbungen bei den Verlagen Elsevier, Springer und Wiley in den Jahren 2010-2016 eingesetzt wurde.

Universitätsbibliothek St. Gallen

Auch aus St. Gallen erhielt ich eine ablehnende Antwort entsprechend der Vorlage der ZB Zürich:

Die Bibliothek der Universität St.Gallen handelt im Bereich des Medienerwerbs nicht hoheitlich, sondern nimmt am wirtschaftlichen Wettbewerb teil. Zudem betreffen die mit dem Medienerwerb zusammen-hängenden Dokumente Geschäftsgeheimnisse der Verlage. Die Wahrung von Geschäftsgeheimnissen würde ein schützenswertes privates Interesse darstellen, welches dem von Ihnen beantragten Zugang zu den erwähnten Dokumenten entgegensteht.

Etwas speziell war hierbei, dass zum Zeitpunkt der Anfrage in St. Gallen das Öffentlichkeitsgesetz erst in der Lesung des Kantonsrats war und nun erst am 16.09.2014 erlassen wurde. Die Kantonsrätin Susanne Hoare wies mich jedoch netterweise darauf hin, dass Regierungsrat Fredy Fässler sich in der ersten Lesung am 4. Juni so geäussert hatte, dass ein Gesuch wie das meinige bereits auf Grundlage des Gesetzesentwurfes behandelt werden soll (Text/Audio).

Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg

Der Direktor der KUB Freiburg gab folgende Rückmeldung:

Soweit im Rahmen des Konsortiums Vertraulichkeitsklauseln akzeptiert wurden(bzw. werden mussten), gelten diese auch für die Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg. Verträge sind einzuhalten. Aus diesem Grund kann ich Ihnen in der Sache keine Auskunft geben. Hingegen bin ich dafür, dass bei den zukünftigen Verhandlungen keine solche Klauseln akzeptiert werden, was allerdings wohl leichter geschrieben als getan ist.

Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern

Als einzige Bibliothek in der Schweiz erhielt ich vom Direktor der ZHB Luzern, trotz wiederholtem Nachfragen keine Antwort.

Im Kanton Luzern ist die Vernehmlassungsfrist für ein Öffentlichkeitsgesetz erst Ende September 2014 abgelaufen.

Universitätsbibliothek Bern

Nach knapp 3 Monaten erhielt ich vom Verwaltungsdirektor der Universität Bern eine 4-seitige ablehnende Antwort. Bern hatte sich die Mühe gemacht, die Verlage um eine Einschätzung zu bitten. Die Verlage – welch grosse Überraschung – sprachen sich gegen eine Offenlegung aus:

Der Elsevier-Verlag teilte am 16. Juli 2014 mit, dass die mögliche Offenlegung der Vertragsinhalte der Wahrung von Geschäftsgeheimnissen entgegenstehe. Insbesondere sei zu befürchten, dass Mitbewerbern genaue Inhalte aus Verträgen bekannt würden, was nicht im Interesse des Verlags sei.

Der Springer-Verlag nahm mitschreiben vom 11. August 2014 wie folgt Stellung: Der Lizenzvertrag zwischen der Universität Bern und Springer stelle ein Geschäftsgeheimnis im Sinne von Art. 7 Abs. 1 Bst. g BGÖ dar. Es sei anerkannt, dass diese Ausnahmeklausel auf wesentliche Daten, deren Kenntnisnahme durch die Konkurrenz Marktverzerrungen bewirken bzw. dazu führen würde, dass dem betroffenen Unternehmen ein Wettbewerbsvorteil genommen werde, ausgerichtet sei. Die herrschende Lehre gehe davon aus, dass die hierunter subsumierten Geheimnisse Informationen von zentraler Bedeutung abdecken, die das Unternehmen berechtigterweise geheimhalten möchte. Das Geschäftsgeheimnis könne dabei als jede Information definiert werden, die Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis haben könne, wie  zum Beispiel die Preiskalkulation.

Im vorliegenden Fall sehe der Lizenzvertrag eine Vertraulichkeitsvereinbarung vor, womit Springer bereits manifestiert habe, dass es sich bei den Inhalten des Vertrags um Geschäftsgeheimnisse handle. Dieser enthalte nicht nur Informationen zur Lizenzhöhe, sondern darüber auch Informationen zum Nutzungsumfang der Inhalte durch die Universitäten, ihrer Angestellten und Studierenden. Zudem beschreibe der Lizenzvertrag die Nutzungsbedingungen nach Vertragsende, die Möglichkeit, Nutzungsdaten einzusehen sowie die Option einer Archivkopie. Diese Komponenten bestimmten letztlich das zugrunde liegende Geschäftsmodell und fänden Berücksichtigung in der Höhe der Lizenzzahlungen.

Diese Informationen, so der Springer-Verlag weiter, seien vertraulich zu behandeln, da eine Preiskalkulation aufgrund unterschiedlicher Geschäftsmodelle von zentraler Bedeutung für Springer sein und direkte Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis von Springer habe. Eine Offenlegung dieser Geschäftsgeheimnisse würde ein Risiko zur Nachahmung von Wettbewerben darstellen und damit zu einer Wettbewerbsverzerrung führen. Daher würde die Offenlegung der Vertragskonditionen für Springer einen substanziellen Schaden zur Folge haben. Es bestehe folglich ein überwiegendes Interesse an der Ablehnung des Gesuchs, weil der Lizenzvertrag Geschäftsgeheimnisse von Springer betreffe, die geheimhaltungsbedürftig seien.

Der Wiley-Verlag vertrat mit Schreiben vom 24. Juli 2014 die Auffassung, dem Gesuch um Einsichtnahme stehe das Geschäftsgeheimnis entgegen, weshalb es abgelehnt werden müsse. Vorliegend hätte die Offenlegung der Vertragskonditionen für Wiley höchstwahrscheinlich einen substantiellen Schaden zur Folge, da andere Konsortien ihre Konditionen möglicherweise neu verhandeln möchten. Zudem sei im Vertrag explizit eine Geheimhaltungsklausel vereinbart worden, was gemäss der herrschenden Lehre ein klarer Hinweis darauf sei, dass Geschäftsgeheimnisse vorliegen würden, die dem Öffentlichkeitsprinzip entgegenstünden.
Die Offenlegung einer geschwärzten Vertragsversion, bei welcher die „sensiblen” Bereiche unkenntlich gemacht werden würden, komme im vorliegenden Fall ebenfalls nicht in Betracht, da Herr Gutknecht explizit in Erfahrung bringen möchte, „wieviel an die Verlage bezahlt wurde”.

Die Universitätsleitung folgt dieser Argumentation der Verlage in Folge unkritisch und ohne eigene, zusätzliche Interessenabwägung.

Fachhochschulen

Ein nicht ganz unwichtiger Player in der Schweizer Hochschullandschaft sind die Fachhochschulen. Meine Anfrage stellte ich an die zuständige Person bei der KFH Koordinationsstelle Konsortium (angegliedert bei der ZHAW). Erst auf aktive Nachfrage hiess es:

Ich habe das Anliegen mit dem Generalsekretariat der KFH besprochen; die Antwort ist nein, sie möchten sich an die Vertragsbedingungen (Confidentiality clause) halten.

Als ich darum bat, mir diese Antwort gemäss gesetzlichen Vorgaben in einer anfechtbaren Verfügung zukommen zu lassen, wurde ich gebeten meine Anfrage wegen Unkenntnis der rechtlichen Schritte die seitens der KFH Koordinationstelle bestehen, zurückzuziehen. Trotz nachfolgender Erklärung, erhielt ich keine konkreten Zahlen:

Ich habe festgestellt, dass im ersten FH Vertrag mit Elsevier keine Vertraulichkeits-Klausel enthalten war, im letzten dann aber schon. Ich habe dem damals keine grosse Bedeutung beigemessen, doch bei der nächsten Erneuerung werde ich Elsevier bitten, diese wieder wegzulassen.

In Folge verwies ich explizit auf die bei der Staatskanzlei angesiedelte Koordinationsstelle IDG, welche Behörden beim Umgang mit dem Öffentlichkeitsgesetz unterstützt. Leider passierte wieder nichts und ein weiteres Nachfragen endete in einer totalen Sackgasse:

Wie bereits erwähnt, kann ich hier nichts im Alleingang unternehmen und momentan ist noch unklar, wer in Zukunft für meine Stelle zuständig ist.

Erst als ich den Leiter der ZHAW-Bibliothek einschaltete, kam dann endlich Bewegung in die Sache. Dieser leitete meine Anfrage an den Rechtsdienst der ZHAW und ich erhielt am 26. August 2014 eine Information, dass eine summarische Grobbeurteilung ergeben habe, dass die Bearbeitung meines Gesuchs die Anhörung betroffener Dritter erfordere, sowie vertiefte Abklärungen zur Interessenabwägung notwendig mache. Gleichzeitig wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass die Erledigung meines Gesuches einer Gebührenpflicht unterstünde, welche voraussichtlich CHF 300 bis CHF 500 betragen würde. Nun gut, auch wenn alle anderen Universitäten und auch das Konsortium selber mir dankenswerterweise für ihre Antwort nichts berechneten, sah ich ein, dass eine Abklärung mit allen FHs einen gewissen Aufwand bedeutete und bestätigte mein Gesuch.

Auf meine telefonische Nachfrage am 10. Oktober beim Rechtsdienst der ZHAW, hiess es, man brauche wohl noch Zeit bis Ende Oktober mir eine Antwort zuzustellen. Leider wurde auch deutlich, dass man meine Anfrage so verstanden hatte, als sei ich nur an den Beiträgen der ZHAW interessiert. Auf meinen Einwand hin, dass man dafür doch nicht den Aufwand betreiben müsse, die anderen FH’s zu konsultieren, begründete der Rechtsdienst sein Vorgehen damit, dass selbst aus dem Betrag der ZHAW hervorgehen könnte, was die anderen FH’s zahlen, so dass deren Interessen auch tangiert seien. Die schriftliche Antwort bleibt gespannt abzuwarten.

Fazit: (Fast) keine Transparenz bei Closed Access

Auf 16 verschickte Gesuche zur Akteneinsicht, erhielt ich nur in einem Fall die gewünschte Information (die Antwort von der ZHAW ist noch ausstehend).

Ganz offensichtlich sind den Verantwortlichen der Schweizer Hochschulbibliotheken, mit Ausnahme von Lugano, die rein kommerziellem Interessen der grossen Verlage wichtiger, als die Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit. Zu dieser Öffentlichkeit gehören auch Wissenschaftler, denen man aufgrund dieser Intransparenz nicht verübeln kann, dass sie ihr Publikationsverhalten nur zögerlich auf Open Access umstellen. Ein anschauliches Beispiel ist die kürzlich im Journal der UZH geäusserte Kritik des Goldenen Weges von Mike S. Schäfer, Kommunikationswissenschaftler (u.a. mit Schwerpunkt Wissenschaftskommunikation) an der Universität Zürich:

Es gibt Zeitschriftenverlage, die nur gegen vierstellige Beträge bereit sind, Publikationen Open Access zur Verfügung zu stellen. Die öffentliche Hand zahlt dann im Namen des Öffentlichkeitsprinzips zweimal: erstens für die Förderung der Forschung, die zur Publikation führt, zweitens für die allen zugängliche Veröffentlichung. Ich halte dies für widersinnig.

Auf Nachfrage bestätigte mir Herr Schäfer, dass er keine Ahnung hat, was seine Universität aktuell für die Literaturversorgung bezahlt, aber er wäre daran interessiert.

Non-Disclosure Agreements nicht nötig

Ich kann gewissermassen nachvollziehen, dass man sich an die unterzeichneten Verträge mit Non-Disclosure Agreements halten möchte. Jedoch konnte mir bisher noch niemand erklären, warum man überhaupt an erster Stelle solche Geheimhaltungsklauseln wider dem in der Schweiz geltenden Öffentlichkeitsprinzip akzeptiert hat.

Bereits 2004 hat die International Coalition of Library Consortia (ICOLC), der auch das Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken angehört, darauf hingewiesen, dass keine Non-Disclosure Agreements unterzeichnet werden sollten:

Non-disclosure language should not be required for any licensing agreement, particularly language that would preclude library consortia from sharing pricing and other significant terms and conditions with other consortia

Die Association of Research Libraries (ARL) hat ihre Mitglieder im Jahre 2009 ebenfalls dazu aufgefordert keine Non-Disclosure Agreements zu unterzeichnen, da erkannt worden war, dass diese Vereinbarungen nicht notwendig und gar nachteilig für Bibliotheken sind.

Anderorts funktioniert es. So konnte ich mit einem Mail ohne Schwierigkeiten die Zahlungen der Cornell University Library an Elsevier, Wiley und Springer in Erfahrung bringen. Gemäss John Saylor, Associate University Librarian for Scholarly Resources and Special Collections:

I think it takes a little more time to negotiate the non-disclosure clause out of the contracts but I think it is worth it and I don’t believe we had to pay any more. Although I’m not really sure how to tell that.

Was bezahlen Schweizer Hochschulbibliotheken an Elsevier, Springer und Wiley?
Institution Gesuch Antwort Daten Berlin Declaration
Konsortium Gesuch Antwort
Universität Basel Gesuch Antwort 16.01.2007
Universität Bern Gesuch Antwort 14.09.2007
Universität Freiburg Gesuch Antwort 15.12.2008
Universität Genf Gesuch Antwort
Universität Lausanne Gesuch Antwort
Universität Luzern Gesuch
Universität Neuenburg Gesuch Antwort
Universität St. Gallen Gesuch Antwort 02.06.2006
Universität Zürich – ZB Gesuch Antwort 15.12.2004
Universität Zürich – HBZ Gesuch Antwort 15.12.2004
Università della Svizzera italiana Gesuch Antwort Daten
ETH Zürich Gesuch Antwort 01.03.2006
EPF Lausanne Gesuch Antwort 05.01.2013
Lib4RI Gesuch Antwort 2006-2013
Fachhochschulen Gesuch Antwort 23.01.2006

Transparenz bei APC- und Subskriptionskosten in UK

Es müssen harte Zeiten für Stevan Harnard sein. Er, der sich immer vehement für eine Stärkung von Green OA eingesetzt hat, muss faktisch machtlos zusehen, wie die britischen Universitäten das vom RCUK erhaltene Geld (35 Mio Pfund für 2013-2015) für Gold und Hybrid OA verprassen.

What an utter, utter waste of UK research funds…

… kommentierte er kürzlich den Compliance Report der London School of Economics and Political Science, worin steht, dass die LSE 62’862 Pfund für 73 Artikel bezahlt hat. Nach und nach veröffentlichen nun britische Universitäten Reports (Übersicht), für welche Artikel sie Geld ausgegeben haben und wie sie die OA-Anforderungen von RCUK erfüllen konnten.

Liest man die Reports, kommt man nicht umhin festzustellen, dass sich enorm viel Positives Richtung OA getan hat und UK sich zweifellos Leader der OA-Bewegung nennen darf. Wie aber Harnad zurecht anmerkt ist der Preis den UK dafür zahlt ebenfalls Weltspitze und absehbar nicht nachhaltig. Jedenfalls wenn man weiterfährt Gold OA und das Subskriptionsmodell getrennt zu halten. Unter den Stichwörtern “Offsetting” und “Total Cost of Ownership” scheint sich aber nun einiges zu bewegen, wie man dem Jisc Evidence Report entnehmen kann:

Many publishers are working with Jisc to develop offsetting models that limit the total cost of ownership of journals for institutions, at a time when they are paying APCs and subscriptions. However, not all publishers have perhaps shown that they recognise the importance of this to their customers.

Grosser Vorteil hat UK nun dadurch, dass für Gold OA schon mal eine Vorauszahlung gemacht wurde und nun die Verlage mit soliden Zahlen konfrontiert werden können.

Dazu passt es, dass in UK gerade auch Transparenz über die Subskriptionen geschaffen wurde. Stuart Lawson und Ben Meghreblian haben den Ansatz von Timothy Gowers systematisch erweitert. Sie haben bei 100 britischen Universitäten Informationen zu Bezahlungen von mehreren Verlagen und mehreren Jahren verlangt. Herausgekommen ist eine erstaunlich vollständige Liste, die sicherlich noch viel zu reden und analysieren geben wird: http://dx.doi.org/10.6084/m9.figshare.1186832

Update 30.10.2014

Eine kurze Analyse der Subkriptionsdaten ist nun in THE: Times Higher Education erschienen: Spending on subscriptions to journals rises by up to 50%

DFG verlängert Förderprogramm „Open Access Publizieren”

Die DFG verlängert die Unterstützung von institutionellen OA-Publikationsfonds bis Ende 2020. Neu wird dabei eine höhere Eigenbeteiligung von 20% (erste zwei Jahre) auf bis zu 60% (sechstes Jahr) verlangt. Diplomatisch heisst es dazu in der Information für die Wissenschaft vom 23.9.2014:

Mit der stufenweisen Erhöhung des Eigenanteils soll es den wissenschaftlichen Hochschulen leichter gemacht werden, den Publikationsfonds auch nach Beendigung der DFG-Förderung aus dem eigenen Budget fortzuführen.

Aus Sicht der DFG ist dieser Schritt gut nachvollziehbar. Einerseits möchte man den Institutionen, die bisher Gold OA vernachlässigt haben, weiterhin Anreize bieten, sich endlich dem Thema ernsthaft anzunehmen. Anderseits möchte die DFG – das Negativbeispiel RCUK vor Augen –  auch nicht übermässig lange zusätzliches Geld ins Publikationssystem hineinwerfen. Deshalb weist sie Institutionen indirekt darauf hin, dass es eigentlich ihre Aufgabe ist, Budget von den Subskriptionen nach Gold OA umzulenken.

Aus Sicht eines Elsevier-Aktionärs bin ich nur mässig über die Ankündigung von der DFG beunruhigt. Um das zusätzliche Geld der öffentlichen Hand für Gold OA abzufangen, gründet Elsevier fleissig (wie so viele andere Verlage auch) neue unbekannte Open Access Journals. Gerade geschehen mit Preventive Medicine Reports, das neue Companion Journal von etablierten Preventive Medicine. Damit sichert sich Elsevier weiterhin das Einkommen aus den Subskriptions-Lizenzen und kassiert zusätzlich die APCs. Die Leute von Elsevier sind halt schon clever und wissen genau was sie tun. Nicht von ungefährt, leistet sich Reed Elsevier auch einen Posten mit dem Titel “Head of Governmental Affairs Germany“.

Seit heute bin ich Aktionär von Reed Elsevier

“If you can’t beat them, join them” lautet ein Sprichwort. Nun das habe ich getan. Ab sofort bin ich Kleinaktionär von Reed Elsevier (dem Mutterkonzern von dem STM-Verlag Elsevier). Heute habe ich 300 Elsevier Aktien zu einem Kurs von 17.75 EUR und einem Gesamtwert von 5351 EUR gekauft.

Zugegeben, ich mag Elsevier nicht besonders. Dies hat viele Gründe. Einer davon ist sicher, dass Elsevier wie kaum ein anderer Verlag die Gewinnmaximierung perfektioniert hat und dabei den Kunden (wissenschaftliche Bibliotheken und Wissenschaftler) heuchlerisch vorgaukelt in deren Interesse zu handeln.

So richtig fiel mir dies zuletzt bei einer Präsentation in Bern auf, wo Federica Rosetta (Senior Access Relations Manager) die neuesten Entwicklungen im OA-Bereich vorstellte. Anstatt das ganze Journal-Portfolio auf OA mit CC-BY umzustellen, wird alles andere versucht und dabei als grossen Schritt Richtung OA hingestellt. Da macht Elsevier eine Umfrage bei Autoren, und siehe da, die Autoren wollen plötzlich nicht nur CC-BY sondern auch eine CC-BY-NC-ND. Anstatt OA, offeriert man nun Autoren einen personalisierten Link, mit dem KollegInnen 50 Tage auf das PDF zugreifen können. Anstatt den Repositories direkt das akzeptierte Manuskript zugänglich zu machen, bietet Elsevier eine API an, wo im Repository das Verlags-PDF anzeigt wird, sofern der Besucher eine gültige Elsevier Lizenz dazu hat. Dazu blendet man dann hübsch ein paar Tweets von Forschenden ein, die das neue Angebot von Elsevier loben aber offensichtlich keine Ahnung haben, dass Elsevier ihnen Open Access bewusst vorenthält. Auch die sogenannte “No Double Dipping Policy” die Elsevier anpreist ist natürlich ein zynischer Witz sondergleichen, da sie die Reduktion von Hybrid-OA global und nicht institutionell verrechnet.

Trotz diesem unsympathischen und unethischen Gebaren von Elsevier, muss man dieser Firma einfach lassen, dass sie finanziell wahnsinnig erfolgreich ist. Eine Gewinnmarge von 39% sagt alles. Novartis zum Vergleich schafft kaum 27%. Ein gerade erschienener Analysten-Report von BernsteinResearch mit dem Titel: Reed Elsevier: Goodbye to Berlin – The Fading Threat of Open Access bestätigt diese positiven Aussichten. Die nüchterne aber auch gut lesbare Analyse zeigt in aller Klarheit, was man als Anleger von Reeds Elsevier erwarten kann. Während die Analysten Reed Elsevier in den letzten Jahren wegen Budgetkürzungen von Bibliotheken, sowie der stärker werdenden Open Access Bewegung die Erwartungen runtergestuft haben, stellen sie heute fest, dass Reed Elsevier so stark ist, wie noch nie:

  • “Subscription publishing appears in good health. Both Reed Elsevier and Wiley have outperformed the respective markets in the past year, supported (at least in part) by the performance of the journal businesses.
  • The threat posed by OA seems to recede. OA policies have proved right, so far, the critics who argued that they would not threaten the status of subscription publishers. The hybrid model deployed by subscription publishers to meet the requirements of the UK government is not threatening in any visible way the subscription model of the journals; the rate of adoption of deposit policies for US federal agencies, and the embargo period of 12 months also protect the position of subscription publishers.
  • OA funding may in fact be adding to the profits of STM. It remains to be seen whether the publishers can provide evidence that they are not double dipping (i.e. pocketing Author Publication Charges (APCs) for OA publishing without lowering their subscription revenues). Absolute verification may prove in fact impossible anyway, but the publishers seem to use practices which leave wiggle room to keep at least some of the money.”

Der Analysten-Report zieht sogar den aktuellen Konkurs von Swets mit ein, der für Elsevier nur von Vorteil ist, als hier ein Zwischenhändler ausgeschaltet werden konnte.

Natürlich frustriert die vorliegende Analyse einen Open Access Aktivisten wie mich gewaltig. Wie kann es sein, dass trotz allen Anstrengungen für Open Access sich nichts ändert? Warum lassen Entscheidungsträger trotz vorhandenen Alternativen zu, dass eine Firma wie Elsevier sich masslos an öffentlichen Gütern bereichert und den offenen Zugang zu wissenschaftlicher Information bewusst verhindert? Wie ich kürzlich in einem Artikel in 027.7 Zeitschrift für Bibliothekskultur aufzeigt habe, bin ich der Meinung, dass wissenschaftliche Bibliotheken mit ihren Ausgaben es eigentlich in der Hand hätten zu bestimmen wo es lang geht. Offenbar sind sie unfähig das vorhandene Potential zu nutzen.

Selbstverständlich werde ich mich nachwievor für Open Access einsetzen. Zurzeit bin ich in einem privaten Projekt daran offen zulegen, was Schweizer Bibliotheken an Elsevier bezahlen. Wenn ich dabei sehe, wie Schweizer Universitäten und Bibliotheken die privaten Interessen von Elsevier schützen, bin ich guter Dinge heute eine gute Investition gemacht zu haben.

Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften bestätigt Open Access Position

Die Akademien der Wissenschaften Schweiz hatten bereits 2006 die Berliner Erklärung unterzeichnet. Nun legt die Akademie der Medzinischen Wissenschaften (SAMW) mit einem neuen Positionspapier «Open Access»: Für einen freien Zugang zu Forschungsergebnissen nach.

Die SAMW fordert alle Verlage und Organisationen, die biomedizinische Literatur herausgeben, dringend dazu auf:

  • den freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen, insbesondere durch deren Zweitveröffentlichung in einem institutionellen Repository, spätestens 6 Monate nach Erscheinen zu erlauben;
  • die freie Wiederverwendung von wissenschaftlichen Publikationen zu ermöglichen, idealerweise unter den Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz «Namensnennung» (CC BY);
  • das hybride Open-Access-Modell so zu gestalten, dass die errichteten Publikationsgebühren direkt und vollumfänglich mit den von den Institutionen bezahlten Lizenzpreisen für die entsprechenden Zeitschriften verrechnet
    werden.

Die SAMW empfiehlt zudem allen Wissenschaftlern zu erwägen, auf die Publikation von Forschungsergebnissen und auf die Mitarbeit (z.B. als Reviewer oder in Editorial Boards) bei Verlagen wie Elsevier, Wiley, Springer und Thieme zu verzichten, da diese die oben genannten Forderungen nicht erfüllen.

Ebenfalls sollen Forschungseinrichtungen und Förderorganisationen neue Evaluationsmodelle für Forschungsleistungen erarbeiten und testen. Dabei sollen Kriterien wie öffentliche Zugänglichkeit und Weiternutzungsmöglichkeiten von wissenschaftlichen Erkenntnissen stärker gewichtet werden, um den gesellschaftlichen Nutzen von Wissenschaft zu maximieren.

Baden-Württemberg setzt auf E-Science: Strategiepapier und Förderprogramm

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg hat gestern ein 120-seitiges “Fachkonzept zur Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Infrastruktur” (PDF) vorgestellt. Zur Umsetzung des Konzeptes werden Mittel in Höhe von 3,7 Mio. Euro breitgestellt. Mit dem Förderprogramm soll der “Ausbaus einer leistungsfähigen, effizienten und innovativen Informationsinfrastruktur für die wissenschaftlichen Einrichtungen in Baden-Württemberg” vorangetrieben werden.

Fachkonzept zur Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Infrastruktur

Das Strategiepapier setzt auf dem “Gesamtkonzept für die Informationsinfrastruktur in Deutschland” der Kommission Zukunft der Informationsinfrastruktur (KII) und anderen Aktivitäten – z. B. der Schwerpunktinitiative “Digitale Information”  der Wissenschaftsorganisationen –  auf und widmet sich fünf zentralen Handlungsfeldern:

  • Lizenzierung elektronischer Informationsmedien
  • Digitalisierung
  • Open Access
  • Forschungsdatenmanagement
  • Virtuelle Forschungsumgebungen

Die baden-württembergische Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Theresia Bauer wird in einer Pressemitteilung wie folgt zitiert:

„Innovation beginnt mit Wissenschaft. Hochschulen und außeruniversitäre Forschungs- und Informationsinfrastruktureinrichtungen benötigen eine gemeinsame E-Science-Infrastruktur, die dem Bedarf der Wissenschaft heute und in Zukunft entspricht. Deren Ausbau ist ein zentraler Baustein für Baden-Württembergs internationale Wettbewerbsfähigkeit als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort“

Die E-Science-Strategie wurde durch eine Arbeitsgruppe von Expertinnen und Experten des Landes erarbeitet. Zum Thema Open Access heißt es:

“Die Open Access Politik des Landes Baden-Württemberg ist darauf angelegt, im Land die Voraussetzungen zu schaffen, den notwendigen internationalen Umgestaltungsprozess als herausgehobener Akteur zu ermöglichen, zu fördern und aktiv mitzugestalten, um so auch die Wahrnehmung der Forschungsergebnisse aus Baden-Württemberg international zu erhöhen.”

Das Land Baden-Württemberg ebnet mit diesem bemerkenswerten E-Science-Konzept den Weg zu Schaffung einer offenen Informationsinfrastruktur zur Förderung von Open Science. Wünschenswert wäre, dass auch andere Bundesländer sich diesem Thema umfassend annehmen und im engen Dialog mit der Wissenschaft ähnlich detaillierte Konzepte auf den Weg bringen, die dann auch in die angekündige Open-Access-Strategie der Bundesregierung einfliesen können.

Aktuell wird das Themfeld Open Access auch in Berlin, Nordrhein-Westfalen (PDF) und Schleswig-Holstein auf Landesebene diskutiert.

Doku zu Aaron Swartz: Angeklagt wegen systematischen Downloads

Der ganze Dokumentarfilm The Internet’s Own Boy: The Story of Aaron Swartz ist bei archive.org unter einer CC-BY-NC-SA herunterladbar.

Aaron Swartz, der sich 2013 viel zu jung das Leben nahm, drohten 35 Jahre Gefängnis, nachdem er 2011 am MIT systematisch Artikel von JSTOR runtergeladen hatte. Im Film wird angedeutet, dass die amerikanische Justiz an Swartz ein Exempel statuieren wollte, da er Mitautor des Guerilla Open Access Manifesto war, welches dazu aufrief, Inhalte aus Büchern und Zeitschriften mitunter mit militanten Mitteln frei im Internet zugänglich zu machen. Swartz hatte die bei JSTOR heruntergeladenen Inhalte jedoch nie illegal zugänglich gemacht.

Die Aktion von Swartz hatte vielmehr bewirkt, dass JSTOR seine Policy änderte und Public Domain Inhalte (Inhalte die nicht mehr urheberrechtlich geschützt sind) für jedermann zugänglich machte. Bis zu seiner Aktion hatten Internetnutzer nur über das Netzwerk von bezahlenden Bibliotheken Zugriff auf diese gemeinfreien Inhalte.
Leider wurde aus der Aktion wenig gelernt. Zurzeit sind viele Bibliotheken daran die Archivierung von Zeitschriften und Büchern bei Portico (einer Schwesterorganisation von JSTOR) auszulagern bzw. einzukaufen. Portico versteckt allerdings freie Inhalte bewusst hinter einer Paywall. Beispiel: http://doi.org/cdx9q9