Mendeley.com, ein Social Community Angebot für Wissenschaftler, skizziert in einer aktuellen Meldung einen interessanten Zusammenhang zwischen Nutzungszahlen und Zitationshäufigkeiten. Die herangezogenen Nutzungszahlen wurden innerhalb Mendeleys (das auch eine Literaturverwaltung mit Onlinekomponente und Offline-Client bietet) ermittelt und beruhen auf der Häufigkeit, mit der ein Dokument in Nutzerbibliotheken erscheint und der Anzahl unterschiedlicher Tags. Die Auswertung bezog sich ausschließlich auf Dokumente, die im Jahr 2009 erschienen. Für die fünf am häufigsten genutzten Artikel aus der Biologie ermittelte man einen Korrelationskoeffizienten von 0,76 zwischen den erwähnten Nutzungsinformationen und den Zitationswerten der Artikel gemäß des Web of Knowledge von Thomson Scientific. Einschränkend wirkt selbstredend die geringe Datenbasis.
arXiv auf der Suche nach finanziellem Community-Support
Die Cornell University Library sucht finanzielle Unterstützer für arXiv, das Aushängeschild der Open-Access-Repositories. Das knapp 600.000 Open-Access-Volltexte anbietende Repository verursacht jährliche Kosten in Höhe von 400.000 US-Dollar. Aufgrund des sinkenden Etats bittet die Cornell University Library nun die Einrichtungen zur freiwilligen Kollekte, die arXiv am intensivsten nutzen. Interessanterweise wird Nutzung dabei nicht über die Zahl der eingespielten Dokumente, sondern über die Downloads definiert. Um allen Missverständnissen vorzubeugen: arXiv bleibt für Autoren und Leser kostenlos. Zahlreiche der angefragten Einrichtungen signalisierten bereits ihre Bereitschaft arXiv finanziell zu unterstützen. Mehr Infos dazu unter http://www.heise.de/tp/blogs/6/146973
Twitter, Wikipedia und ihr Potential für die Wissenschaft
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, auf die unten genannten Veröffentlichungen einmal genauer einzugehen, dummerweise fehlt mir im Endsemesterstress momentan jedoch einfach die Zeit. Aber der interessierte Leser kann sich dank Open Access selbst ein Bild machen: Michael Nentwich, Renê König und Axel Kittenberger (Institut für Technikfolgenabschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften), Jana Herwig (Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien) und Jan Schmirmund (Zentrum für Medien und Interaktivität, Universität Gießen) haben Wikipedia und Twitter im Hinblick auf ihr Potential für den Einsatz in wissenschaftlichen Kontexten untersucht und dabei viel Spannendes herausgefunden.
Wissenschaft in Wikipedia und anderen Wikimedia-Projekten. Steckbrief 2 im Rahmen des Projekts Interactive Science ITA-Reports. Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA). Wien, ITA (2009) <http://epub.oeaw.ac.at/ita/ita-projektberichte/d2-2a52-2.pdf> [M. Nentwich, R. König].
Microblogging und die Wissenschaft. Das Beispiel Twitter. Steckbrief 4 im Rahmen des Projekts Interactive Science ITA-Reports. Institut für Technikfolgen-Abschätzung. Wien, ITA: 56 (2009) <http://epub.oeaw.ac.at/ita/ita-projektberichte/d2-2a52-4.pdf> [M. Nentwich, J. Herwig, A. Kittenberger, J. Schmirmund ].
YouTube für Wissenschaftler
SciVee kann man getrost als YouTube für Wissenschaftler bezeichnen – eigentlich sogar als „YouTube Enhanced“: Wissenschaftler können Texte einstellen und ihre Thesen in einem Videovortrag darlegen, User können zu den Dokumenten und Videos Kommentare und Bewertungen verfassen – womit SciVee auch das Prinzip einer Open Review anwendet. SciVee ging aus einer Kooperation der National Science Foundation, der Public Library of Science PLoS und dem San Diego Supercomputing Center hervor. Nähere Informationen dazu findet man in einem älteren Telepolis-Artikel: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26011/1.html
Weniger der Zirkulation neuer wissenschaftlicher Ideen als der Verbreitung audiovisueller Lehrmaterialien dient yovisto. Yovisto macht vorrangig Materialen deutsch- und englischsprachiger Universitäten entgeltfrei zugänglich, scheint aber auch für andere Initiativen offen: so finden sich neben den knapp 2.500 Videos der Berkeley University auch cirka 190 Vorträge des Chaos Communication Congress der Jahre 2007 bis 2009.
Rückblick auf die APE 2010
Unternehmensberater Ehrhardt F. Heinold hat in seinem Blog einige lesenswerte Eindrücke der diesjährigen „Academic Publishing in Europe“ (APE 2010) Konferenz festgehalten. Neben einer Zusammenfassung der diskutierten Themen kommentiert er die Entwicklungen der letzten Jahre:
Viele Verlage haben Fehler gemacht, sie haben eine teilweise kundenunfreundliche Preis- und Lizenzpolitik verfolgt (gegenüber ihrer Hauptkundengruppe Bibliotheken), sie haben ihre Leistungen (gegenüber Kunden und der Politik) nicht ausreichend erklärt, und sie haben sich nicht genügend um die Kunden und ihre Bedürfnisse gekümmert (Autoren, Leser, Bibliotheken). Das hat sich geändert. Der Dialog hat längst begonnen. Open Access taugt nicht mehr als Feindbild.
Weiter findet sich auf boersenblatt.net eine interessante Zusammenfassung der Konferenz, die in ihrem fünften Jahr unter dem Motto „Researchers, Librarians & Publishers“ stand.
Österreichische Universitätenkonferenz: Empfehlungen zu Open Access
Die Österreichische Universitätenkonferenz (uniko) hat am 12.01.2010 Empfehlungen zu Open Access verabschiedet. In diesen werden zu den Handlungsfeldern Bewusstseinsbildung, Repositorien, Qualitätssicherung und Informationspolitik Empfehlungen formuliert.
Die Empfehlungen sollen die österreichischen Universitäten bei ihrer Open-Access-Politik unterstützen.
Auszug aus den „Empfehlungen an die Universitäten“ (S. 2):
Die Österreichische Universitätenkonferenz empfiehlt ihren Mitgliedern, ein Bewusstsein für Open Access unter ihren Studierenden, Projektmitarbeiter/innen, wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen und Professoren/innen zu schaffen und somit den Übergang zum Open Access-Paradigma zu unterstützen.
[via medinfo]
PANGAEA und Elsevier kooperieren
Robert Huber weist auf Stratigraphy.net internals auf die jüngst gestartete Kooperation zwischen dem Forschungsdaten-Repositorium Publishing Network for Geoscientific & Environmental Data (PANGAEA) und Elseviers Zeitschriftenplattform ScienceDirect hin.
Das Forschungsdaten-Repositorium, das vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) und vom Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen MARUM betrieben wird, macht geowissenschaftliche Daten im Sinne des Open Access nachnutzbar. Dabei referenziert PANGAEA in den Metadaten eines gespeicherten Datensatzes immer auch auf Zeitschriften-Aufsätze, die auf Grundlage dieses Datensatzes entstanden sind. Weiter sind alle gespeicherten Forschungsdaten über einen Digital Object Identifier (DOI) dauerhaft adressierbar.
Neu ist nun, dass auch von der Zeitschriftenplattform ScienceDirect (Elsevier) auf in PANGAEA gespeicherte Datensätze verlinkt wird: Beim Zugriff auf die Eingangsseite eines geowissenschaftlichen Artikels in ScienceDirect prüft die Zeitschriftenplattform, ob zu der jeweiligen Publikation ein Datensatz in PANGAEA gespeichert ist. Ist dies der Fall, erscheint das PANGAEA-Logo mit dem Hinweis „Supplementary Data“.
Beispiel:
- Verlinkung in ScienceDirect (doi:10.1016/j.marmicro.2007.09.002)
- Verlinkung in PANGAEA (doi:10.1594/PANGAEA.676719)
Diese Kooperation, (die selbst nicht Teil der Elsevier-Initiative „Article of the Future“ ist), kann gut und gerne als zukunftsweisend bezeichnet werden, da somit, dank DOI, die Verbindung zwischen wissenschaftlichen Daten und den auf ihnen basierenden Text-Publikationen geschaffen wird.
Hintergrund: Die persistente Adressierung von Forschungsdaten wurde im Rahmen des STD-DOI-Projektes erfolgreich erprobt und wird aktuell im Rahmen der DataCite-Initiative weitergeführt.
Update, 01.03.2010: Schreibfehler korrigiert (PANGAEA statt PANGEA).
DFG-Ausschreibung: Informationsinfrastrukturen für Forschungsdaten
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat im Januar ihr erstes Förderprogramm zum Umgang mit Forschungsdaten bekanntgegeben:
Es besteht […] Handlungsbedarf, den nachhaltigen Umgang mit Forschungsdaten zu verbessern, um die Daten systematisch zu sichern, zu archivieren und für eine mögliche Nachnutzung bereitzustellen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt mit dieser Ausschreibung im Förderbereich Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme (LIS) Vorhaben zur Entwicklung und Optimierung von Informationsinfrastruktur, die auf einen effizienten und nachhaltigen Umgang mit Forschungsdaten abzielen. (Quelle)
Im Fokus der Ausschreibung steht der Aufbau und die Weiterentwicklung von Informationsinfrastrukturen (z.B. Forschungsdatenrepositorien) zum verantwortungsvollen und zeitgemäßen Umgang mit Forschungsdaten.
Anträge müssen bis zum 28. April 2010 eingereicht werden.
Weitere Informationen: Ankündigung und zugehöriges Merkblatt.
ORCID: Neue Initiative zur Autoren-ID
Die Landschaft der Autoren-Identifikatoren ist bisher durch konkurrierende Dienste wie z.B. Scopus Author ID (Elsevier) und Researcher ID (Thomson Reuters) geprägt. (Siehe dazu z.B. Martin Fenners Beitrag.)
Die diesen Monat gestartete Open Researcher Contributor Identification Initiative (ORCID) verfolgt nun das Ziel, einen unabhängigen und offenen Standard zur Identifikation von wissenschaftlichen Autorinnen und Autoren zu etablieren.
The ORCID Initiative represents a community effort to establish an open, independent registry that is adopted and embraced as the industry’s de facto standard. Our mission is to resolve the systemic name ambiguity, by means of assigning unique identifiers linkable to an individual’s research output, to enhance the scientific discovery process and improve the efficiency of funding and collaboration. (Quelle)
Der Blick auf die Mitgliederliste der Initiative macht die zukünftige Bedeutung von ORCID deutlich: Neben Verlage wie Elsevier, Nature Publishing Group, Public Library of Science (PLoS) und Springer sind Forschungseinrichtungen wie das CERN und die European Molecular Biology Organization (EMBO), sowie weitere Akteure, z.B. OCLC, Microsoft und CrossRef Mitglied.
Im Rahmen von INSPIRE, der Informationsplattform für die Hochenergiephysik, ist auch das Helmholtz-Zentrum DESY an der Entwicklung von ORCID beteiligt.
Ein lesenswerter Artikel über ORCID ist in der aktuellen Ausgabe der Nature erschienen.
Weitere Informationen bietet die Website und die Pressemitteilung der Initiative.
[via Martin Fenner]
AuthorClaim
Eberhard R. Hilf weist in seinem Blog auf einen mir bisher unbekannten Dienst zur Autoren-Identifikation hin: AuthorClaim.
The AuthorClaim registration service aims to link scholars with the records about the works that they have written, as recorded in a bibliographic database. To you, as a scholarly author, this means
- We build a profile for you, that shows all your identified works.
- Users of bibliographic databases that use AuthorClaim record can go right to your profile page or your homepage.
- It becomes possible to distinguish the works of homonyms, a people that are recorded with abbreviated names. Thus if you are recorded in the bibliography as “J. Smith”, it becomes possible to see that you are “Jane Smith” rather than “James Smith”.
- As and when such services are in place, you can get regular statistics about downloads and citations of your works.
- The collected data can be used to compute various rankings. (Quelle)
Der Dienst basiert auf dem RePEc Author Service und wird von Thomas Krichel betrieben. Sein AuthorClaim-Profil findet sich unter: http://authorclaim.org/profile/pkr1/
PS: Ein interessantes Blog zum Thema betreibt das Names Project.