Kurz: Krebsforscher wünschen Open Access; JISC-Report zu Publikationsgebühren; Start von ELIXIR; Buchmesse

Eingeleitet durch das Präfix „Kurz:“ werde ich in den kommenden Wochen versuchen aktuellen Meldungen rund um das wissenschaftliche Publizieren im Netz kurz und knapp zu dokumentieren.

Im Rahmen des EU-Projektes Eurocancercoms wurde die Einstellung von Krebsforscherinnen und -forschern zu Open Access untersucht:

 „The survey revealed that the internet is used by 94% of cancer researchers for professional activities every day, with the majority accessing PubMed and online journals daily or 2-3 times a week. […] With nearly three quarters of survey respondents having already published work in Open Access journals, the survey indicates a growing acceptance of the OA route to publication. Even more convincing is the finding that 88% of respondents believe that publicly funded research should be made available to be read and used without access barriers.“

JISC hat einen interessanten Workshop-Report zum Umgang mit Open-Access-Publikationsgebühren veröffentlicht: (Dank an Birgit Schmidt für den Hinweis.)

„On 25 May 2011, JISC Collections organised a workshop of publishers, libraries and funders, to discuss the organisational and administrative issues around the transition to open access models for scholarly journal publishing, particularly the future of the hybrid model.“

ELIXIR: Dänemark, Finnland, Großbritannien, Niederlande und Schweden haben gemeinsam mit dem European Molecular Biology Laboratory (EMBL) eine Memorandum of Understanding zur Umsetzung des Infrastrukturvorhabens ELIXIR unterzeichnet:

„ELIXIR is a pan-European initiative to operate a sustainable infrastructure for managing and safeguarding biological information in Europe. It will secure public access to information about the building blocks of life, including genes, proteins and complex networks. This will support life science research and its translation to medicine and the environment, the bio-industries and society to deliver economic growth.“

Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse findet am 14. Oktober 2011 ein Symposium zum Thema „Economy and Acceptance of Open Access Strategies“ statt.

Open-Access-Tage 2011: Anmeldung eröffnet

In diesem Jahr finden die Open-Access-Tage bereits zum fünften Mal statt. Gastgeberin ist vom 4. bis 5. Oktober 2011 die Universität Regensburg. Veranstaltet wird die Fachkonferenz von der Informationsplattform open-access.net und ihren Partnern.

Die Konferenz richtet sich an Personen aus Wissenschaft, Wissenschaftsmanagement, Verlagen und Infrastruktureinrichtungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Neben Vorträgen im Plenum besteht in vielen Sessions die Möglichkeit zur Diskussion. Teil der Veranstaltung ist wie in den Vorjahren die Open-Acces-Messe, auf der sich Open-Access-Projekte, -Verlage, -Zeitschriften, -Repositorien und weitere Akteure präsentieren können.

Die Anmeldung ist eröffnet und das Programm wächst und gedeiht. Als Mitglied des Programmkomitees würde ich mich freuen auch einige wisspub-Leserinnen und Leser in Regensburg sehen zu können. (Hashtag: #OAT11)

„What If the Web Really Worked for Science?“

Dieser zentralen Frage geht James Boyle, Jura-Professor und Mitbegründer des Center for the Study of the Public Domain an der Duke Law School in einem kurzweiligen und wenig juristischen Vortrag nach. Auszug:

„The World Wide Web was invented for science. It was invented to help spread scientific research, to connect researchers, to make information search and retrieval global and easy. It has worked, to some extent. But the irony today, is that it is easier to use the Web to search for shoes, books, or porn, than to use it for scientific research. Scholarly articles reporting the results of publicly funded scientific research languish behind paywalls, protected by copyright and digital rights management. Databases are incompatible, and their legal accessibility often unclear.“

Boyle plädiert für die Schaffung eines Anreizsystems, das das „Sharing“ von Wissen und Information im Sinne des Open Access in den Vordergrund stellt und belohnt.  Eine Aufzeichnung seines Vortrags steht bei YouTube (sogar in HD) bereit:

(via Michael Nielsen)

Kriterien zur Zukunft des wissenschaftlichen Journals

In eigener Sache: Auf beyondthejournal.net ist eine überarbeite und englischsprachige Version von Kriterien zur Zukunft der wissenschaftlichen Zeitschrift zu finden. Die Version stammt aus der Feder von Daniel Mietchen, Lambert Heller und mir. Der Text entstand im März 2011, er hat es jedoch erst jetzt ins Web geschafft. Auszug:

Dynamics: Research is a process. The scientific journal of the future provides a platform for continuous and rapid publishing of workflows and other information pertaining to a research project, and for updating any such content by its original authors or collaboratively by relevant communities.

Scope: Data come in many different formats. The scientific journal of the future interoperates with databases and ontologies by way of open standards and concentrates itself on the contextualization of knowledge newly acquired through research, without limiting its scope in terms of topic or methodology.

Access: Free access to scientific knowledge, and permissions to re-use and re-purpose it, are an invaluable source for research, innovation and education. The scientific journal of the future provides legally and technically barrier-free access to its contents, along with clearly stated options for re-use and re-purposing.

Replicability: The open access to all relevant core elements of a publication facilitates the verification and subsequent re-use of published content. The scientific journal of the future requires the publication of detailed methodologies, including all data and code, that form the basis of any research project.

Review: The critical, transparent and impartial examination of information submitted by the professional community enhances the quality of publications. The scientific journal of the future supports post-publication peer review, and qualified reviews of submitted content shall always be made public.

Presentation: Digitization opens up new opportunities to provide content, such as through semantic and multimedia enrichment. The scientific journal of the future adheres to open Web standards and creates a framework in which the technological possibilities of the digital media can be exploited by authors, readers and machines alike, and content remains continuously linkable.

Transparency: Disclosure of conflicts of interest creates transparency. The scientific journal of the future promotes transparency by requiring its editorial board, the editors and the authors to disclose both existing and potential conflicts of interest with respect to a publication and to make explicit their contributions to any publication.

Der Text steht unter einer CCo-Lizenz. Kommentare sind auf beyondthejournal.net willkommen. Bearbeitungen sind erwünscht.

Open Access in der deutschen Wissenschaft

Die Kolleginnen Sünje Dallmeier-Tiessen (CERN) und Anja Lengenfelder (MPG) haben eine interessante Analyse der Study of Open Access Publishing (SOAP) veröffentlicht. In ihrem Paper, das Lengenfelder heute auf dem 100. Deutschen Bibliothekartag vorstellte, analysieren die Autorinnen die Einstellung von 3.000 in Deutschland arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Auszug aus dem Abstract:

Im Ergebnis zeigt sich eine sehr positive Meinung zu Open Access, die sich mit den weltweiten Daten deckt. Ein erheblicher Anteil der in Deutschland arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hat bereits Erfahrung mit Open Access Publikationen. Die Finanzierung der Publikationsgebühren wird als eines der Haupthindernisse bei der Open Access Publikation angegeben. Verschiedene Finanzierungsquellen werden hierfür genutzt: In Deutschland sind dies, insbesondere bei Angehörigen der außeruniversitären Forschungseinrichtungen, überdurchschnittlich häufig institutionelle Fonds.

Die Daten der gesamten SOAP-Studie mit 38.358 Statements von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern stehen weiterhin unter CC0 zur Nachnutzung bereit.

In diesem Kontext auch der Hinweis auf den Call for Paper der diesjährigen Open-Access-Tage, die vom 4. bis 5. Oktober 2011 an der Universität Regensburg stattfinden. Vortragsvorschläge sind bis zum 8. Juli 2011 willkommen.

„Kampf gegen wissenschaftliches Fehlverhalten aufnehmen“

Unter diesem Titel hat die SPD gestern einen Antrag (17/5758) in den Bundestag eingebracht. Hintergrund sind die aktuellen Plagiatsaffären um zu Guttenberg, Koch-Mehrin und Saß. In dem Papier (PDF) wird die „Verantwortung des Bundes für den Ruf des Forschungsstandortes Deutschland“ betont. Nach Vorstellung der SPD-Fraktion soll die Bundesregierung zehn Maßnahmen zur Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis umsetzen. U.a. fordert die SPD:

  • eine Initiative der Bundesländer „um bundesweite Kriterien zur Definition, zum Umgang mit und zur Ahndung von Fällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens zu definieren“,
  • die Prüfung, „ob die Strafen für wissenschaftliches Fehlverhalten […] vereinheitlicht werden können“,
  • die „Entwicklung von Anti-Plagiatssoftware zu unterstützen und ihren verstärkten Einsatz zu befördern“.

Darüber hinaus soll die Leopoldina beauftragen werden, eine Stellungnahme zur „Bewertung von und Sanktionen bei wissenschaftlichem Fehlverhalten“ auszuarbeiten. Leider berücksichtigt auch die SPD nicht das Potenzial von Open Access zur Aufdeckung und Vermeidung von Plagiaten und Fälschungen. In weiteren Maßnahmen wird der Blick auf die europäische und internationale Ebene gelenkt.

Im europäischen Kontext muss auf zwei interessante Publikationen der European Science Foundation (ESF) zur Qualitätssicherung in der Wissenschaft hingewiesen werden, die bisher in Deutschland nur wenig Beachtung gefunden haben.

Im April veröffentlichte die ESF gemeinsam mit dem Akademien-Verbund ALLEA (All European Academies) einen „European Code of Conduct for Research Integrity“ (PDF). Der Code wurde bereits 2010 auf der Second World Conference on Research Integrity vorgestellt und ist das Ergebnis einer gemeinsamen Arbeitsgruppe der beiden Organisationen. Eine Website der ESF informiert über die Entstehungsgeschichte und vorhergehende Publikationen.

Bereits im März veröffentlichte die ESF einen „European Peer Review Guide“ (PDF). Dieser ist auf Basis einer ebenfalls veröffentlichten Studie entstanden ist. Auszug aus der Pressemitteilung zur Veröffentlichung:

„Peer review is an internationally recognised way of assessing the quality and excellence in all research. The European Peer Review Guide will help all research funding organisations to learn more about different peer review processes, to perform evaluations more efficiently and with better quality,” said Dr Risto Vilkko, Science Adviser for Finland’s Research Council for Culture and Society, who contributed to the guide. The guide is based on a comprehensive survey that benchmarked and identified good practice amongst the many different systems and criteria currently in use in European countries. This includes research funding and performing organisations, councils, private foundations and charities, which all have roles in evaluating research applications.”

Nicht weniger Interessant ist, dass sich das Science and Technology Committee des britischen Parlaments heute in einer Anhörung mit dem Thema Peer Review befasst hat. Eine Videoaufzeichnung der Anhörung ist online.

DHV: Empfehlungen zum wissenschaftlichen Publizieren

Vor dem Hintergrund der Plagiatsaffäre um Karl-Theodor zu Guttenberg gewinnt die Diskussion um das wissenschaftlichen Publikationsverhalten an Relevanz.

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) hat am 14.04.2011 disziplinübergreifende Empfehlungen zum wissenschaftsadäquaten Publikationsverhalten veröffentlicht. In den Empfehlungen werden die „Rechtsgrundlagen der Autorenbenennung“ behandelt und“ wissenschaftsethische Publikationsempfehlungen“ formuliert. Die DHV-Empfehlungen sind online.

Weiter fordert der DHV die Abgabe von Qualifikationsarbeiten in digitaler Form:

„In einer Resolution, die die Delegierten auf dem 61. DHV-Tag verabschiedeten, werden die Hochschulen aufgefordert, Studierende, Doktoranden und Habilitanden qua Prüfungsordnung dazu zu verpflichten, ihre Arbeiten auch in digitaler Form abzugeben, damit Texte besser und schneller auf Übereinstimmungen mit fremden Texten abgeglichen werden können.“

Dabei macht es sich der DHV leider etwas einfach in dem er a) „Diplomarbeitsbörsen“ verdächtigt Plagiarismus zu fördern und  b) das Potenzial von Open Access zur Plagiaterkennung nicht berücksichtigt.

Darüber hinaus werden in der aktuellen DIE ZEIT (14.4.2011 Nr. 16) die Ergebnisse einer Veranstaltung der Robert Bosch Stiftung aus dem November 2009 aufgewärmt. In dem Thesenpapier (PDF) zu der damaligen Veranstaltung werden sieben „Vorschläge zur Sicherung der Integrität und Qualität der Wissenschaft“ formuliert. U.a. heißt es dort:

„Die Autorschaft für eine wissenschaftliche Publikation bedingt substanzielle inhaltliche Anteile an der zu veröffentlichenden Arbeit. Die Autorschaft ist heute eine Währung der Wissenschaft geworden, die mit Geld belohnt wird. Das System der leistungsorientierten Mittelvergabe sollte daher die tatsächlichen Beiträge eines Autors prüfen und lediglich strategische Autorschaften ohne verantwortliche inhaltliche Beteiligung ächten.“

SCOAP3: Start der operativen Phase

Das Sponsoring Consortium for Open Access Publishing in Particle Physics (SCOAP3) geht in die operative Phase. Ziel von SCOAP3 ist die Überführung der Kernzeitschriften der Hochenergiephysik in Open Access. Bereits über 70 Prozent der benötigten 10 Millionen Euro sind zugesagt.

Auf dem „decision-making meeting“ am 06.04.2011 wurde das weitere Vorgehen mit den beteiligten Ländervertretern abgestimmt. Das Meeting wurde mit einer Grußbotschaft von Neelie Kroes, EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, eröffnet. Ein Video und ein Transkript (PDF) ihrer Rede sind online. Auszug:

„We all know that change in scientific publishing is both possible and inevitable. But what should each actor do today to help make it happen?
SCOAP3 says: Let’s go all the way in one step, let’s get together and convert the publications of a whole scientific field to Open Access. This is a radical approach and I applaud it.
You are pioneers. Your success will be more than just a proof of concept. It will show us a passable way into the future of scientific publishing that others can follow. SCOAP3 is key.“

Darüber hinaus wurde das weitere Vorgehen mit den potenziellen Verlagspartnern diskutiert. In Kürze wird nun die Ausschreibung gestartet.

Eine Video-Aufzeichnung der Veranstaltung ist online. Empfehlenswert ist insbesondere die Einführung von Salvatore Mele (siehe Screenshot). In seinem Vortrag beschreibt er u.a. die Entwicklung des Publikationswesens in der Physik während der letzten 60 Jahren.

Michael Nielsen über Open Science

Der australische Quantenphysiker Michael Nielsen, auf desen Buch „Reinventing Discovery: The New Era of Networked Science“ ich mich schon sehr freue, hat auf der TEDxWaterloo einen sehr empfehlenswerten Vortrag zum Thema Open Science gehalten.

Falls nicht bekannt:Die Essays von Nielsen zum Thema „The future of science“ sind sehr lesenswert.

(via Daniel Mietchen.)

Research Gone Social

Im Rahmen der diesjährigen New Yorker Social Media Week hat Mendely eine Session unter dem Motto „Research Gone Social“ veranstaltet. Eine Video-Aufzeichnung der Session ist nun online.

Die Vortragenden, Chris Wiggins (Columbia University), Gabriel Willow (WildLab), Margaret Smith (New York University Libraries) und Jan Reichelt (Mendeley), beschreiben in ihren Vorträgen Wirkung und Potenzial des Netzes auf den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess. Die Themen der Vorträge reichen dabei von „data-driven science“ über „citizen science“ und „social media“ bis hin zum „reference managment“. Der Klick auf das Video lohnt sich.(via Victoria Stodden)