Videos der APE 2011 online

Vom 11. bis 12. Januar 2011 fand in Berlin die diesjährige „Academic Publishing in Europe“ (APE) statt. Die Konferenz bot wie in den letzten Jahren einen interessanten Überblick über die heißen Themen der Verlagsbranche.

Erste Aufzeichnungen der Vorträge sind nun auf River Valley TV online. Weitere folgen. Wie immer, bei River Valley TV, stehen die Videos in guter Qualität zum download bereit.

Besonders spannend fand ich die folgenden beiden Vorträge:

  • John Wood (ACU): Riding the Wave – How Europe can Gain from the Fising Tide of Scientific Data (Video)
  • Mark Patterson (PLoS): Open Access Publishers – Breaking even and growing fast (Video)

PS: Die noch heißeren Themen rund um die Zukunft des wissenschaftlichen Publikationswesens wurden eine Woche nach der APE in San Diego auf dem „Beyond the PDF“ Workshop diskutiert. Siehe dazu u.a. die Blogbeiträge von Anita de Waard und Martin Fenner sowie die FriendFeed Gruppe des Workshops.



Förderorganisationen fordern „data sharing“ in der Medizin

Siebzehn lebenswissenschaftliche Förderorganisationen haben heute ein Statement zur Zugänglichkeit von Forschungsdaten veröffentlicht. Unter dem Titel „Sharing research data to improve public health“ fordern die Organisationen, darunter der Wellcome Trust, der National Institutes of Health (NIH) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Nachnutzung von Forschungsdaten zu verbessern. Um diese Mission erfolgreich zu gestalten, kündigen die Organisationen eine verstärkte Kooperation in diesem Handlungsfeld an.

Dem Statement liegt folgende Vision zugrunde:

We, as funders of health research, intend to work together to increase the availability to the scientific community of the research data we fund that is collected from populations for the purpose of health research, and to promote the efficient use of those data to accelerate improvements in public health.

Der Rahmen der Forderung nach einem weitgehenden Zugang zu medizinischen Daten wird durch die Prinzipien „Equitable“, „Ethical“ und „Efficient“ definiert.

Um die Nachnutzung und die Nachprüfbarkeit der Forschungsdaten in der Medizin zu verbessern werden verschieden Maßnahmen, wie z.B. Aktivitäten des Forschungsdatenmanagements, benannt. Zur Umsetzung des Statements wurde eine Arbeitsgruppe installiert.

In einem Beitrag in The Lancet beschreiben Mark Walport, Direktor des Wellcome Trust und Paul Brest, Präsident der Hewlett Foundation ihre Motivation.

Weitere Informationen:

Folien des DINI/Helmholtz Repositorien Workshop online

Vom 30.11. bis 01.12.2010 veranstaltete das Helmholtz Open Access Projekt in Zusammenarbeit mit der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation (DINI) im Erwin Schrödinger-Zentrum des Universitätscampus in Berlin-Adlershof einen Workshop zur strategischen Weiterentwicklung von Repositorien. Über 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wissenschaft, Infrasturktureinrichtungen und Verlagen informierten und diskutierenden über die zukünftige Rolle von Repositorien in Forschung und Lehre.

Die Folien der Veranstaltung sind auf der DINI-Website zugänglich. Eine „Dokumentation“ der Veranstaltung ist bei Twitter (#dinihg10) zu finden.

Ars Technica zum Thema Forschungsdaten

Auf Ars Technica hat John Timmer eine interessante Serie von Artikeln zur dauerhaften Zugänglichkeit von Forschungsdaten veröffentlicht:

Teil 1: Preserving science: what to do with raw research material?

Teil 2: Preserving science: what data do we keep? What do we discard?

Teil 3: Jaz drives, spiral notebooks, and SCSI: how we lose scientific data

Diese und weitere interessante Hinweise zum Thema können auf der DFN-Mailingliste „Umgang mit Forschungsdaten“ gefunden und diskutiert werden.

Workshop zur Zukunft von Open-Access-Repositorien

In eigener Sache: In Zusammenarbeit mit der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation (DINI) veranstaltet das Helmholtz Open Access Projekt vom 30.11. bis 01.12.2010 in Berlin-Adlershof (Erwin Schrödinger-Zentrum) einen Workshop zur strategischen Weiterentwicklung von Open-Access-Repositorien.

In Deutschland haben sich die Repositorien Ende der 90-er Jahre entwickelt. Unter dem Namen Hochschulschriften- oder Dokumentenserver entstanden Datenbanken, auf denen Hochschulschriften als Erst- oder Zweitveröffentlichung zugänglich gemacht wurden.

Mit der Entwicklung von Open Access wurden diese Datenbanken international unter dem Begriff Repositorien bekannt und Grundlage des „Grünen Weges“ des Open Access. Prominentes Beispiel ist das arXiv, welches 1991 am Los Alamos National Laboratory aufgebaut wurde und bis heute das zentrale Repositorium  für Preprints in den Disziplinen Physik, Mathematik und Informatik ist.

Im Bereich der außeruniversitären Forschung wurde spätestens Mitte der Nullerjahre begonnen, die seit langem bestehenden institutionellen Publikationsdatenbanken, die ausschließlich Metadaten nachweisen, zu Repositorien auszubauen, um Pre- und Postprints sowie Schriftenreihen im Open Access zugänglich zu machen. Eine Entwicklung, die im universitären Bereich erst langsam aufgegriffen wird.

Zudem sind in den letzten Jahren abseits der Text-Repositorien auch Repositorien für unterschiedlichste Formen und Formate digitaler Objekte entstanden, z.B. für Forschungsdaten.

Heute stehen Repositorien vor einer Vielzahl von Herausforderungen. Mehrheitlich werden sie immer noch als passive Dienste betrieben, die nicht in den Arbeitsablauf von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eingebunden sind. Darüber hinaus steigen mit der Entwicklung der digitalen Wissenschaften die Anforderungen an die Repositorien (beispielsweise im Kontext virtueller Forschungsumgebungen).

Der DINI-/Helmholtz-Workshop „Repositorien – Praxis und Vision“ wird neben dem Blick auf den Stand der Repositorien an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen auch folgende Themen behandeln:

  • Zusammenspiel von institutionellen und disziplinären Repositorien
  • Zusammenspiel von Forschungsdaten- und Text-Repositorien
  • Repositorien und Forschungsinformationssysteme (CRIS)
  • Repositorien und Soziale Netzwerke in der Wissenschaft

Ziel der Veranstaltung ist es, Impulse für die Weiterentwicklung der Repositorien zu geben. Während am ersten Tag Vorträge im Plenum stattfinden, widmet sich der zweite Veranstaltungstag in Sessions unterschiedlichsten Aspekten des Themenfeldes.

Programm und Anmeldung für den DINI-/Helmholtz-Workshop „Repositorien – Praxis und Vision“.

Empfehlungen zur IT-Infrastruktur in Forschung und Lehre

Die Kommission für IT-Infrastruktur (KfR) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat im Oktober Empfehlungen zur IT-Infrastruktur in Forschung und Lehre veröffentlicht. Auszug aus der Pressemitteilung:

“Für den Erfolg von Hochschulen und Universitätsklinika im nationalen und internationalen Wettbewerb muss die IT-Infrastruktur für Forschung, Lehre, Organisation und Krankenversorgung effizient ausgestaltet sein. Wie dies in Zukunft geschehen kann, zeigen die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) herausgegebenen neuen Empfehlungen der Kommission für IT-Infrastruktur (KfR), die jetzt unter dem Titel „Informationsverarbeitung an Hochschulen – Organisation, Dienste und Systeme“ erschienen sind, für den Zeitraum von 2011 bis 2015. Wie wichtig dies ist, betont auch DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner in seinem Vorwort: ‘Informationstechnik ist zum unverzichtbaren Teil jeder Forschungsinfrastruktur, Information zu einem zentralen Standortfaktor für Wissenschaft und Wirtschaft geworden.’”

Die Empfehlungen sollen Antragsteller, Hochschulleitungen sowie weiteren Akteuren in Bund und Ländern “einen Entscheidungshilfe bei der nachhaltigen Gestaltung IT-relevanter Prozesse an Hochschulen geben”.

Literatur:

Deutschen Forschungsgemeinschaft: Informationsverarbeitung an Hochschulen – Organisation, Dienste und Systeme. Empfehlungen der Kommission für IT-Infrastruktur für 2011–2015. Bonn, 2010. Online.

Open Data vs. Open Access to Research Data

Jens Klump hat unter dem Titel „Open Data und Open Access to Data – Die ungleichen Geschwister“ auf den diesjährigen Open-Access-Tagen einen schönen Vortrag zur Problematik des Begriffes „Open Data“ im wissenschaftlichen Umfeld gehalten. Auszug aus dem Abstract:

Die Forderung nach einem offene Zugang zu Daten erfährt in der öffentlichen Diskussion mehr und mehr Beachtung. Aber handelt es sich bei Open Data und Open Access to Data um ein und das selbe? Tatsächlich sind die Motivation und die Entstehungsgeschichte hinter Open Access und Open Data sehr unterschiedlich. Open Data fordert vor allem den Zugang zu Daten staatlicher Stellen. Aber auch im Kontext der Wissenschaft wird intensiv diskutiert, wie mit Forschungsdaten umgegangen werden soll. Hat die Öffentlichkeit Anspruch auf Zugang zu Daten aus öffentlich geförderter Forschung? In der Debatte um den Klimawandel spielte der Zugang zu Forschungsdaten schon eine wichtige Rolle. (Quelle.)

Die Schwierigkeit ist eine fehlende Definition des Begriffes „Open Data“. Der Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zeigt, dass die Begriffsbildung noch offen ist.

Klump schlägt in seinem Vortrag vor, für den Zugang zu Forschungsdaten im Sinne des Open Access künftig von „Open Access to Research Data“ zu sprechen. Seine Vortragsfolien sind online.

Dieser Vorschlag erscheint mir wichtig und  sinnvoll. Die Herausforderungen bei der Umsetzung des offenen Zugangs zu Forschungsdaten sind häufig durch ganz spezielle und disziplinspezifische Fragestellungen gekennzeichnet. So gilt es, im Wissenschaftsbereich Reputationssysteme zu berücksichtigen, um Anreize für den „Open Access to Research“ Data zu entwickeln. Eine undifferenzierte Forderung nach „Open Data“ wird diesen vielfältigen Herausforderungen nicht gerecht.

PS: Matthias Spielkamp weist im iRights Blog auf ein Video des Elektrischen Reporters zum Thema „Open Data“  hin. (Das Video ist der Dummy für ein Video-Format namens ePolitik.)

Vision: Forschungsdaten im Jahr 2030

Die High-Level Group on Scientific Data der Europäischen Kommission hat einen Report zur den Herausforderungen und Chancen im Umgang mit digitalen Forschungsdaten veröffentlicht.

Der Report „Riding the Wave: How Europe can gain from the rising tide of scientific data“ (PDF) ist das Ergebnis einer sechsmonatigen Konsultation deren Ziel es war eine „Vision 2030“ für den Umgang mit Forschungsdaten zu formulieren. Folgende Punkte sind Teil dieser Vision:

  • All stakeholders, from scientists to national authorities to the general public, are aware of the critical importance of conserving and sharing reliable data produced during the scientific process.
  • Researchers and practitioners from any discipline are able to find, access and process the data they need. They can be confident in their ability to use and understand data, and they can evaluate the degree to which that data can be trusted.
  • Producers of data benefit from opening it to broad access, and prefer to deposit their data with confidence in reliable repositories. A framework of repositories work to international standards, to ensure they are trustworthy.
  • Public funding rises, because funding bodies have confidence that their investments in research are paying back extra dividends to society, through increased use and re-use of publicly generated data.
  • The innovative power of industry and enterprise is harnessed by clear and efficient arrangements for exchange of data between private and public sectors, allowing appropriate returns to both.
  • The public has access to and can make creative use of the huge amount of data available; it can also contribute to the data store and enrich it. All can be adequately educated and prepared to benefit from this abundance of information.
  • Policy makers are able to make decisions based on solid evidence, and can monitor the impacts of these decisions. Government becomes more trustworthy.
  • Global governance promotes international trust and interoperability.

Literatur:

High-Level Group on Scientific Data: Riding the Wave: How Europe can gain from the rising tide of scientific data. European Union, 2010. Online.

Tagungsbericht der „Berlin 6 Open Access Conference“ erschienen

Im November 2008 fand die Berlin 6 Konferenz unter dem Titel „Changing Scholarly Communication in the Knowledge Society“ in Düsseldorf statt. Der jetzt etwas verspätet erschienene Tagungsband „Towards Open Access Scholarship“ bietet einen lesenswerten Einblick in einige Aspekte von Open Access.

Die Berlin-Konferenzen werden von der Max-Planck-Gesellschaft jährlich in Kooperation mit wechselnden Partnern organisiert und begleiten die in der „Berliner Erklärung“ formulierte Forderung nach einem freien Zugang zu Wissen und Information.

Im Folgenden möchte ich auf drei der acht Artikel des Tagungsbandes hinweisen:

Der Beitrag „Peer Reviewed Data Publication in Earth System Sciences“ (S. 77-84) meiner ehemaligen Helmholtz-Kollegin Sünje Dallmeier-Tiessen und meines Kollegen Hans Pfeiffenberger beleuchtet die Chancen und Herausforderungen bei der Publikation von geowissenschaftlichen Forschungsdaten am Beispiel der Open-Access-Zeitschrift Earth System Science Data (ESSD), die seit 2008 bei Copernicus Publications erscheint.

Unter dem Titel „Access to Scientific Information in the Digital Age“ beschreibt Deirdre Furlong die Open-Access-Aktivitäten der Europäischen Kommission. (S. 21-26) Die Kommission verabschiedete 2008 ein Open-Access-Pilotprojekt: Begutachtete Publikationen, die auf Basis geförderter Projekte im 7. EU-Forschungsrahmenprogramm entstehen, sollen nach einer Sperrfrist von 6 bis zu längstens 12 Monaten frei zugänglich sein.

John Houghton bietet in seinem Artikel „Alternative Publishing Models: Exploring Costs and Benefits“ (S. 27-40) eine gesamtwirtschaftliche Betrachtung von Open Access in Großbritannien. (Wer sich ausführlicher mit diesem Thema beschäftigen möchte, dem sei der 2009 veröffentlichte Houghton Report „Economic Implications of Alternative Scholarly Publishing Models: Exploring the costs and benefits“ empfohlen.)

Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass WissPub-Autor Cornelius Puschmann einer der Köpfe hinter der Berlin 6 war.

In diesem Jahr wird die Berlin-Konferenz erstmals außerhalb Europas stattfinden. Vom 25. bis 27. Oktober 2010 richten die Max-Planck-Gesellschaft und die Chinese Academy of Sciences gemeinsam in Berlin 8 in Peking aus.

Literatur:

Puschmann, C.; Stein, D. A. (Hrsg.): Towards Open Access Scholarship. Selected Papers from the Berlin 6 Conference. Düsseldorf: Düsseldorf University Press, 2010. Online.