Wissenschaftliche Kommunikation im Wandel — mal mehr, mal weniger

Im Chronicle of Higher Education gibt es einen interessanten Beitrag zu den Arbeitsgewohnheiten von Wissenschaftlern, basierend auf einer neuen Untersuchung von Ithaka. 3.025 Forscher an amerikanischen Hochschulen wurden zu ihren Recherche- und Publikationsgewohnheiten befragt — mit unterschiedlichen Ergebnissen (Auszüge):

Recherche jenseits der Bibliothek

The first section, „Discovery and the Evolving Role of the Library,“ confirms what many librarians already know: Faculty members do not use the library as a gateway to information nearly as much as they used to.

„One of the really thought-provoking questions that comes out of this study is whether libraries should continue to invest in locally customized discovery tools or whether those investments are not likely to yield value.“

E-Journals ersetzen zunehmend Print

The embrace of digital journals has become so widespread that print editions of current issues „are rapidly becoming a thing of the past“ for many scholars, the survey found. Sixty percent of humanists and more than 80 percent of scientists said they would be fine with having their libraries provide only electronic copies of the latest issues of journals.

Electronic books, however, have not yet conquered faculty hearts and habits the way e-journals have. „Despite the arrival of devices like the Amazon Kindle—and about 10 percent of respondents indicated that they owned an e-book device like the Kindle—e-books have remained marginal to scholars,“ the survey found.

Impact wichtiger als Open Access

„Despite several years of sustained efforts by publishers, scholarly societies, libraries, faculty members, and others to reform various aspects of the scholarly communications system, a fundamentally conservative set of faculty attitudes continues to impede systematic change,“ the report concludes

For instance, about 85 percent of respondents called it „very important“ that a journal they publish in is widely read by colleagues in their field. Only 40 percent said it was very important that the journal provide free online access to its contents.

„Yes, we are open – Wissenschaft, E-Books und das Urheberrecht“

Es war der Titel der Veranstaltung, der mich bisher abgeschreckt hat. Aber: Die Aufzeichnung des 52. Zukunftsgespräches ist durchaus hörenswert.

Am 02.03.2010 diskutierten:

  • Claudia Lux (Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin)
  • Katja Mruck (Freie Universität Berlin, CeDiS)
  • Eric Merkel-Sobotta (Springer Science+Business Media)
  • Florian R. Simon (Duncker & Humblot Verlag)

über die Zukunft der wissenschaftlichen Informationsversorgung.

Neben den Themenfeldern Open Access und Urheberrecht wurde u.a. das zukünftige Rollenverständnis von Bibliotheken und Verlagen thematisiert.

Insbesondere die Beiträge von Mruck („[…] das Buch ist die Postkutsche der Zukunft.“) und Merkel-Sobotta („Wir nutzen Google Book Search als eines der wichtigsten Marketingtools […]„) sind interessant.

Zur Aufzeichnung.

Die Veranstaltungsreihe Zukunftsgespräche wird von der Berliner Landesinitiative Projekt Zukunft in Zusammenarbeit mit dem Inforadio veranstaltet.

Drollige Autorenidentifikation in Google Scholar

Ich bewundere Mr. Figure. Er hat einen h-index von 13 und einen g-index von 23, zwar auf Kosten anderer – aber wen kümmert das schon? Google Scholar bestimmt nicht. Péter Jacsó, der gern orginelle Oberbekleidung trägt und den ich aufrichtig um seinen Wohn- und Arbeitsort beneide – nein, nein selbst Saarbrücken kann nicht mithalten, publiziert regelmäßig über wissenschaftliche Suchmaschinen, vor allem über Google Scholar.

In seinem neusten Artikel (Jacsó, Péter: Metadata mega mess in Google Scholar. In: Online Information Review, Vol. 34, Issue 1, pp. 175-191. http://www.emeraldinsight.com/10.1108/14684521011024191) dokumentiert er Scholars Schwächen bei der Ermittlung der Autorennamen. Da Google Scholar die reichlich vorhandenen bibliographischen Metadaten der OAI-Schnittstellen, des HTML-Quelltexts oder aus COinS ignoriert und im blinden Vertrauen auf seine Entwickler heiteres Verlagsbashing (diese Schnarchkappen liefern einfach keine PDFs und HTML-Seiten, die Scholars quasioptische Layout-Heuristik interpretieren kann) betreibt, werden fett formatierte Absatzüberschriften oder Login-Felder für Autorennamen gehalten. Dies auf Kosten der Ermittlung der korrekten Autoren, die durch Phantomautoren wie Figure oder Login ersetzt werden und zu niedrige Impact-Scores erhalten. Wer keinen Zugriff auf den erwähnten Online Information Review Volltext hat, findet die hübschesten Fehler auch auf Jacsós Website unter http://www.jacso.info/gs%2Dphantom%2Dau/ – aber auch die hübschesten Autorennamen, die man leichtfertig für fehlerhaft ermittelt halten kann – wie im Falle Mr. Goodenoughs, Gewinner des Enrico Fermi Awards . Ich für meinen Fall ziehe bei der Lektüre mein Lieblingshawaiihemd an, rauche eine Halfcorona und genieße einen Daiquiri … oder zwei.

Wir auf dem 4. Leipziger Kongress für Information und Bibliothek

In eigener Sache: Ein Teil des WissPub-Teams wird die nächsten Tage auf dem 4. Leipziger Kongress für Information und Bibliothek verbringen.

Cornelius Puschmann wird in der DINISession am 15.03.2010 unter dem Titel: „Der lange Abschied vom Papier“ über Open Access in den Geisteswissenschaften sprechen.

Ein weiterer Beitrag in dieser Session wird durch Ulrich Herb geleistet: Er widmet sich dem Thema „Statistiken für Institutionelle Repositorien“ und wird Ergebnisse des DFG-Projektes OA-Statistik vorstellen.

Am 17.03.2010 wird sich Robert Forkel in der Session „Bibliotheken als Akteure im Forschungsdatenmanagement“ dem Umgang mit Forschungsdaten in der Linguistik widmen und „The World Atlas of Language Structures Online“ vorstellen.  (Seine Präsentation, inkl. einiger Anmerkungen,  ist mittlerweile online.)

Ich werde am 16.03.2010 auf dem Newcomer-Treff des BIB einige Einblicke in meinen Berufsalltag geben 🙂

Ich hoffe, ich habe keine Beiträge der Kollegen vergessen.

Allen Anwesenden einen interessanten und diskussionsreichen Kongress!

(Links folgen.)

Update, 22.03.2010: Slides eingefügt.

Videos des Science Commons Symposium online

Die Videoaufzeichnungen des Science Commons Symposium sind seit einigen Tagen online.

Die von Science Commons veranstaltete Konferenz fand am 20.02.2010 unter dem Motto „The Future of Science“ in Redmond (Washington) auf dem Microsoft Campus statt.

Die Aufzeichnungen geben einen sehr guten Überblick über den Stand der aktuellen Diskussion rund um die Zukunft des wissenschaftlichen Arbeitens im Kontext von Open Science.

Session 1 (Netcast, Video)
Cameron Neylon (ISIS): „Science in the Open: Why do we need it? How do we do it?“
Jean-Claude Bradley (Drexel Universit): „Using Free Hosted Web2.0 Tools for Open Notebook Science“

Session 2 (Netcast, Video)
Antony Williams (Royal Society of Chemist) „ChemSpider: Collecting and Curating the World’s Chemistry with the Community“
Peter Murray-Rust (University of Cambridge) „Open Data and how to achieve it“

Session 3 (Netcast, Video)
Heather Joseph (SPARC): „Is Open Access the ‚New Normal‘?“
Stephen Friend (Sage): „Setting Expectations: Need for Distributed Tasks and Evolving Disease Models“

Session 4 (Netcast, Video)
Peter Binfield (PLoS ONE): „PLoS ONE and article-level metrics – A case study in the Open Access publication of scholarly journals“
John Wilbanks (Science Commons): Keynote

Die digitale Begleitdiskussion lässt sich auf FriendFeed nachvollziehen. Eine detaillierte Zusammenfassung bietet Brian Glanz.

Berlin Verlag startet Open Access-Plattform Berlin Academic für Geistes- und Sozialwissenschaftler

Via Dörte Böhner (deren sehr informatives Twitter-Feed ich übrigens jedem wärmstens ans Herz lege) erreichte mich heute eine interessante Nachricht: der Berlin Verlag startet einen hybriden Fachverlag für die Geistes- und Sozialwissenschaften mit dem klangvollen Namen Berlin Academic.

Der Übersichtlichkeit halber zitiere ich hier umfassend aus der entsprechenden Meldung:

Auf einer neu errichteten Online-Plattform veröffentlicht Berlin Academic sein Programm nach Open-Access-Prinzipien und unter Creative-Commons-Lizenzen. Gleichzeitig werden sämtliche Titel über Print on Demand sowie in verschiedenen E-Book-Formaten vertrieben.

Berlin Academic veröffentlicht auf Deutsch und Englisch. Thematische Schwerpunkte sind geistes- und sozialwissenschaftliche Disziplinen, insbesondere Zeitgeschichte (Holocaust- und Totalitarismusforschung), Soziologie (Migration, Urbanistik, Arbeitswelten), Politikwissenschaften (Globalisierung, Global Governance), Philosophie (speziell im Spannungsfeld mit Natur- und Neurowissenschaften) sowie Kulturwissenschaften und Linguistik.

Die Berlin Academic Plattform will darüber hinaus wissenschaftlichen Institutionen und Universitäten die Möglichkeit bieten, eigene Schriften und Schriftenreihen zu veröffentlichen. Der Start einer Beta-Version der Plattform mit anschließender Testphase ist für den Sommer 2010 geplant.

So weit, so interessant, denn während es ja auch in Deutschland schon OA-Verlagsangebote gibt, wäre mir ein solches Konzept speziell für die genannten Wissenschaftsbereiche neu, was im Ausland anders ist. Bereits den Anspruch von Open Academic, einen OA-Verlag in den Buchwissenschaften zu etablieren, mag man als Beleg dafür interpretieren, dass nicht alle Verleger den Kopf in den digitalen Sand stecken.

In einem kurzen Interview erläutert Verlegerin Elisabeth Ruge den Schritt:

…mit Berlin Academic wollen wir die neuen Möglichkeiten nutzen, die der Medienwandel für das Verlagsgeschäft bietet. Gerade im wissenschaftlichen Bereich können wir mittels der digitalen Publikationsplattform den Autoren zu einer größeren Sichtbarkeit und Verbreitung ihrer Werke verhelfen. Dabei glauben wir, dass Open Access das traditionelle Verlagsmodell weder ersetzt noch gefährdet – es aber im besten Fall ergänzen kann.

Es wird sich inzwischen herumgesprochen haben, dass Open Access für Wissenschaftler eine attraktive Möglichkeit zur erweiterten Verbreitung der eigenen Forschung ist. Dass allerdings neben öffentlichen Angeboten auch immer mehr kommerzielle Verlage — und eben nicht nur große, sondern auch kleine und mittelständische Häuser — in Open Access eine Chance sehen, stimmt hoffnungsvoll.

Gerade im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften ist das Buch nach wie vor die wichtigste Publikationsform. Open Access ist dagegen lange Zeit in erster Linie auf Zeitschriftenartikel beschränkt gewesen. Mit Berlin Academic wollen wir nun auch Bücher unter Open-Access-Kriterien online zugänglich machen. Das Buch ist aber keineswegs gefährdet. Im Gegenteil: Wichtige Backlist-Titel des Berlin Verlags, von Isaiah Berlin bis Anthony Grafton, erhalten ein neues Leben

…als mittelgroßer Verlag sind wir flexibler als andere und können daher mutiger experimentieren. Wir haben in den letzten Monaten Zeit und Geld in den Aufbau unser digitalen Plattform investiert, um den zukünftigen verlegerischen Herausforderungen zu begegnen. Dies ist ein spannender Prozess, von dem wir uns auch Anstöße für die traditionellen Verlagsbereiche erhoffen.

Das Buch, auch das vom lokalen Fachverlag publizierte, ist nicht gefährdet, sondern erhält „ein neues Leben“, und wissenschaftliches Publizieren in den Geistes- und Sozialwissenschaften bringt „Anstöße für traditionelle Verlagsbereiche“. Sagt eine Verlegerin.

Womöglich ist in der Hauptstadt der Geist der Berliner Erklärung irgendwie ins Trinkwasser übergegangen, jedenfalls sucht man in Frau Ruges Aussage die Jeremiade auf den Untergang unserer abendländischen Kultur vergeblich.

Wer weiß, vielleicht sprechen sich diese Erkenntnisse irgendwann in der Republik herum.

Vielleicht sogar bis in die hintersten Winkel — etwa nach Heidelberg.

DFG: Regeln gegen Publikationsflut

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat heute auf einer Pressekonferenz in Berlin neue Regeln für Publikationsangaben in Förderanträgen und Abschlussberichten vorgestellt.

„Sie sehen im Kern vor, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihren Anträgen und Berichten an die DFG künftig statt beliebig vieler Veröffentlichungen nur noch wenige, besonders aussagekräftige Publikationen als Referenz nennen dürfen. So soll die immer größere Bedeutung von Publikationsverzeichnissen und numerischen Indikatoren verringert werden. Zugleich soll die eigentliche Beschreibung des Forschungsprojekts mehr Gewicht erhalten.“ (Quelle)

DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner sprach von einem „Paradigmenwechsel“:

„Wir sind uns bewusst – und wir sehen das sehr positiv – dass diese Regelungen die Arbeit, ja das ‚Leben‘ vieler Tausender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verändern werden.“ (Quelle)

Im Detail sehen die Regelungen folgende Neuerungen vor:

„Bei ihrem wissenschaftlichen Lebenslauf dürfen Antragsteller künftig insgesamt maximal fünf Veröffentlchungen anführen […]. Bei den Publikationen mit direktem Bezug zum jeweiligen Projekt dürfen künftig pro Jahr der Förderperiode nur zwei Veröffentlichungen angeführt werden. Ein Wissenschaftler, der in der Einzelförderung Fördermittel für drei Jahre beantragt, darf hier also bis zu sechs seiner Veröffentlichungen nennen. Bei mehreren Antragstellern können pro Jahr bis zu drei Veröffentlichungen angegeben werden.“ (Quelle)

Unter dem Motto „Qualität statt Quantität“ sollen die Inhalte wissenschaftlicher Publikationen stärker in den Vordergrund rücken. DFG-Präsident Kleiner:

„Ob bei der leistungsorientierten Mittelvergabe, bei Habilitationen und Berufungen und auch bei den Bewertungen von Förderanträgen – überall haben numerische Indikatoren wie der Hirsch-Faktor oder der Impact-Faktor immer mehr Gewicht bekommen. Oft lautet die erste Frage eben nicht mehr, was jemand erforscht hat, sondern wo und wie viel er publiziert hat. Das übt einen außerordentlich starken Druck auf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus, möglichst viel zu publizieren. Und es verleitet immer wieder zu Fällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens, in denen falsche Angaben zum Stand einer Veröffentlichung gemacht werden. Das alles schadet der Wissenschaft“. (Quelle)

Die neue Regelung gilt ab dem 01. Juli 2010.

Quellen: Pressemitteilung und Rede von DFG-Präsident Kleiner.

[via hdzimmermann]

Survival of the newest? Sind wissenschaftliche Mailinglists vom Aussterben bedroht?

Einen interessanten Beitrag zu diesem Thema hat Anita Bader vom Forschungsverbund Interactive Science gebloggt. Sie geht darin der Frage nach, ob neue Dienste wie Sciencefeed die altehrwürdige Mailinglist bald ablösen könnten:

Was geschieht denn eigentlich wenn zwei oder mehrere Formate Ähnliches zu leisten versuchen? Welche Auswirkungen haben solche Konkurrenzfälle auf die „älteren” Formaten, die bisher für diese Zwecke genutzt wurden? Werden sie einfach von den neueren und innovativeren Formaten abgelöst und sterben aus?

Einen ganz so simplen „Verdrängungswettbewerb“ zwischen unterschiedlichen Formaten erkennt Bader aber nicht. Tatsächlich ändern sich die Funktionen, die unterschiedliche Formate übernehmen:

Beispiele, bei denen wir einen Nutzungsrückgang beobachten können, der möglicherweise auf das Hinzutreten eines neuen Formats zurückzuführen ist, gibt es zweifellos. Trotzdem – ganz so einfach wie in Kellys Hypothese scheint es bei genauerer Betrachtung doch nicht zu sein. Denn es gibt durchaus auch Beispiele, in denen die Malinglists alles andere als auszusterben scheinen. Stattdessen können wir dort andere interessante Entwicklungen beobachten.

Als Beispiel zieht Bader den in der Sprachwissenschaft sehr populären Dienst LINGUIST List heran, bei dem sich ein Wandel vom Diskussionsforum zu einer Art wissenschaftlichen Nachrichtendienst vollzogen hat:

Anstelle von Diskussionsbeiträgen werden jetzt fast nur Beiträge mit Service-Charakter über die Liste verschickt, also Stellenausschreibungen, Tagungsankündigungen, Call for Papers, Rezensionen und Ähnliches. Es hat sich also in diesem Fall ein Funktionswandel vollzogen: Die Liste hat sich von einer Diskussions- und Serviceliste zur fast reinen Serviceliste entwickelt. (Im Gegensatz dazu gibt es aber auch durchaus noch Listen, in denen sehr lebhafte Diskussionen geführt werden und über die dagegen nur ganz selten Service-Beiträge verschickt werden, wie z.B. die Luhmann-Liste, Shakesper oder die Argthry-List.)

Interessant an dieser Formalisierungstendenz (von „offenen“ Diskussionen und spontanen Beiträgen hin zu Meldungen mit einer zumeist relativ starren Form) finde ich die Tatsache, dass sich eine ähnliche Entwicklung ja auch bei wissenschaftlichen Journals vollzogen hat. Die frühen Beiträge in den Proceedings der Royal Society hatten eher den Charakter von persönlichen Briefen und wurden erst mit der Zeit immer stärker formalisiert, bis hin zum modernen scientific paper.

Scienefeed – des Forschers Twitter

Seit heute existiert ein weiteres Web 2.0 Phänomen in einer Wissenschaftler-Variante: Der Microblogging-Service Sciencefeed (aus der Werkstatt der ResearchGate-Macher) ging online.

Ausgestattet mit einem exklusiven Test-Account  konnte WissPub.net vorab einen Blick auf die Anwendung werfen.

Sciencefeed ist eng mit Facebook, Friendfeed, Twitter verbunden – wer einen Account bei einem dieser Services hat kann diesen zum Sciencefeed- Login verwenden, braucht also keinen neuen Zugang. Daher können Postings in Sciencefeed auch in die erwähnten Services – so der Nutzer will – übergeben werden und umgekehrt Postings aus diesen Services in Sciencefeed angezeigt werden.

Eigene Postings können eine Länge von 420 Zeichen haben und um Bilder, Dateien, Links oder Publikationen ergänzt werden. Um eine Publikation an ein Posting zu heften, kann entweder ein Import aus einem ganzen Pool von Suchmaschinen und Datenbanken (RePEc, PubMed, CiteSeer, DOAJ, arXiv, NASA Technical Report Server, IEEE, BioMed Central, einer Auswahl an OAI-Servern oder dem Katalog der Cornell University) vorgenommen werden oder eine Website mit Coins-Tags bzw. ein RSS-Feed eingelesen werden. Neben Postings können auch private Nachrichten, direct messages, verschickt und ebenfalls um Bilder, Dateien, Links oder Publikationen ergänzt werden. Userprofile geben Auskunft über verfasste Kommentare, positiv bewertete Postings, die Anzahl der Follower eines Teilnehmers sowie die Anzahl der Teilnehmer, deren Follower man ist. Selbstredend können Nutzer Gruppen gründen, Kontakte verwalten sowie Postings anderer Nutzer bewerten oder kommentieren. Gruppen können drei unterschiedliche Sichtbarkeitsstufen haben, von privat (nur für Eingeladene) über Standard (jeder kann kommentieren, nur der Gruppengründer kann posten) bis öffentlich (jeder kann posten und kommentieren). Sehr schick: Wird eine Gruppe als Event, etwa als Konferenz, markiert, wird mit allen Hashtags im Event ein Pull auf Twitter ausgeführt und alle dortigen Posts mit passenden Hashtags werden in den Feed der Sciencefeed Gruppe übertragen.

Wissenschaftler, denen Twitter zu wenig nützliche Werkzeuge lieferte, könnten bei Sciencefeed fündig werden: Über das Verfolgen von Nachrichten anderer User hinaus existieren in Sciencefeed Funktionen zur Kollaboration, zum Informations- und Datenaustausch und zur Vernetzung.

Link: http://www.sciencefeed.com

Nutzungsdaten & Zitation: eine Notiz aus Mendeley

Mendeley.com, ein  Social Community Angebot für Wissenschaftler, skizziert in einer aktuellen Meldung einen interessanten Zusammenhang zwischen Nutzungszahlen und Zitationshäufigkeiten.  Die herangezogenen Nutzungszahlen wurden innerhalb Mendeleys (das auch eine Literaturverwaltung mit Onlinekomponente und Offline-Client bietet) ermittelt und beruhen auf der Häufigkeit, mit der ein Dokument in Nutzerbibliotheken erscheint und der Anzahl unterschiedlicher Tags. Die Auswertung bezog sich ausschließlich auf Dokumente, die im Jahr 2009 erschienen. Für die fünf am häufigsten genutzten Artikel aus der Biologie ermittelte man einen Korrelationskoeffizienten von 0,76 zwischen den erwähnten Nutzungsinformationen und den Zitationswerten der Artikel gemäß des Web of Knowledge von Thomson Scientific.  Einschränkend wirkt selbstredend die geringe Datenbasis.