Open-Access-Tage 2011: Anmeldung eröffnet

In diesem Jahr finden die Open-Access-Tage bereits zum fünften Mal statt. Gastgeberin ist vom 4. bis 5. Oktober 2011 die Universität Regensburg. Veranstaltet wird die Fachkonferenz von der Informationsplattform open-access.net und ihren Partnern.

Die Konferenz richtet sich an Personen aus Wissenschaft, Wissenschaftsmanagement, Verlagen und Infrastruktureinrichtungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Neben Vorträgen im Plenum besteht in vielen Sessions die Möglichkeit zur Diskussion. Teil der Veranstaltung ist wie in den Vorjahren die Open-Acces-Messe, auf der sich Open-Access-Projekte, -Verlage, -Zeitschriften, -Repositorien und weitere Akteure präsentieren können.

Die Anmeldung ist eröffnet und das Programm wächst und gedeiht. Als Mitglied des Programmkomitees würde ich mich freuen auch einige wisspub-Leserinnen und Leser in Regensburg sehen zu können. (Hashtag: #OAT11)

SPD: Kleine Anfrage zum Stand des Dritten Korbs

Die SPD-Bundestagsfraktion hat eine Kleine Anfrage zum Stand des Dritten Korbs der Urheberrechtsreform gestellt. Frage 16 greift Open Access auf: “Wie bewertet die Bundesregierung die Bedeutung von Open Access für die Bereiche Bildung, Wissenschaft und Forschung?”

Die Antwort der Bundesregierung ist mittlerweile online (PDF):

“Die Bundesregierung begrüßt es, wenn Urheber ihre Werke anderen im Wege des Open Access unentgeltlich zur Verfügung stellen. Das geltende Urheberrecht bietet hierfür bereits einen entsprechenden gesetzlichen Rahmen. Gleichwohl hat das Bundesministerium der Justiz die beteiligten Kreise im Rahmen der Vorbereitungen des Dritten Korbes schriftlich und mündlich zum Themenkreis Open-Access-Verwertungsmodelle konsultiert. Das Ergebnis der Konsultation wird mit dem Referentenentwurf vorgestellt werden.”

Britisches Parlament empfiehlt innovative Peer-Review-Verfahren

Wie bereits berichtet, hat das Science and Technology Committee des britischen Parlaments im Januar eine Kommission zur Untersuchung von Peer-Review-Verfahren im Bereich der Wissenschaftskommunikation eingesetzt. In einer öffentlichen Konsultation und anschließenden Expertenbefragungen (1, 2, 3) sollten Stärken und Schwächen sowie Alternativen untersucht werden.

Diese Woche veröffentlichte die Kommission nun einen 254 Seiten umfassenden Report (plus Anhang). Das Dokument bietet einen guten Überblick über aktuelle Trends rund um das wissenschaftliche Publizieren. Dabei stehen die Statements der befragten Experten im Vordergrund.

Die Empfehlungen der Kommission sind lesenswert. Wenig überraschend ist, dass viele Entwicklungen im Kontext von Open Access aufgegriffen werden. So fordert die Kommission beispielsweise, dass Forschungsdaten die Grundlagen einer Publikation sind nach Möglichkeit „widely and freely“ zugänglich gemacht werden (S. 3). Weiter wird das Potenzial von innovativen Verfahren zur Qualitätssicherung betont:

„Innovative ways to improve current pre-publication peer-review practices are highlighted in the report, including the use of pre-print servers, open peer review, increased transparency and online repository-style journals.  The growth of post-publication peer review and commentary also represents an enormous opportunity for experimentation with new media and social networking tools, which the Committee encourages.“

Neuer Übersetzungsentwurf der Open Knowledge Definition zur Diskussion freigegeben

Die Open Knowledge Definition (OKD) definiert anhand von 11 Klauseln offenes Wissen (oder Open Knowledge). Verkürzt gesagt sind danach Wissensinhalte oder Daten offen, wenn jede Person sie frei (also ohne Restriktionen) nutzen, zu eigenen Zwecken weiterverwenden und ändern sowie weiterverteilen kann. Diese Kernaussagen der Open Definition, die letztlich eine Übertragung des Open-Source-Prinzips auf Wissensinhalte beabsichtigt, werden in den erwähnten 11 Klauseln ausgeführt und beschrieben. Während die englischsprachige Version der OKD in Version 1.1 [http://www.opendefinition.org/okd/] vorliegt, bezieht sich die derzeitige deutsche Übersetzung auf die OKD-Version 1.0. Aus diesem Grund wurde ein neuer Übersetzungsvorschlag gemacht, der unter der Adresse http://primarypad.com/openknowledgeuebersetzung veröffentlicht ist.

Die Verfasser des aktuellen Übersetzungsvorschlages, Christian Hauschke und Ulrich Herb, bitten alle Interessierten bis zum 21.08.2011 um eine Diskussion und Kommentierung der Ergebnisse, idealerweise im oben verlinkten Dokument. Dies gilt keinesfalls nur, aber insbesondere für die Formulierungen, bei denen sie im Dokument um Rückmeldungen bitten. Weiterhin werden alle Leser dieses Aufrufs darum gebeten, ihn weiter zu verbreiten.

EU-Konsultation zu Open Access und Langzeitarchivierung

Die Europäische Kommission hat eine Konsultation zur Zugänglichkeit von Wissen und Information in Forschung und Lehre gestartet. Hintergrund ist die Absicht der Kommission bis Ende 2011 eine Mitteilung über die Themen Open Access und Langzeitarchivierung zu veröffentlichen. Diese Mitteilung soll u.a. auch Empfehlungen an die Mitgliedstaaten enthalten.

Neelie Kroes, die für die Digitale Agenda zuständige Vizepräsidentin der Kommission, erklärt in einer Pressemitteilung  dazu:

„Die Ergebnisse öffentlich finanzierter Forschung sollten grundsätzlich so weit wie möglich verbreitet werden. Die weite Verbreitung von Wissen innerhalb des Europäischen Forschungsraums und darüber hinaus ist ein wesentlicher Motor für wissenschaftlichen Fortschritt und Innovationen und damit für Wachstum und Beschäftigung in Europa. Wir streben einen offenen Zugang zu wissenschaftlichen Informationen an, damit wir alle in möglichst großem Ausmaß von Forschungsinvestitionen profitieren können – im Interesse des wissenschaftlichen Fortschritts, aber auch der Bildung, der Innovationen und anderer Formen der kreativen Weiterverwendung. Aus dem gleichen Grund müssen wir wissenschaftliche Aufzeichnungen für künftige Generationen bewahren.“

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Förderer sowie weitere Akteure sind aufgerufen ihre Vorschläge zur Verbesserung des Zugangs zu wissenschaftlicher Informationen einzureichen. Die Konsultation läuft bis zum 9. September 2011.

Bereits am Ende Mai fand in Brüssel eine Anhörung der Europäischen Kommission zum Thema „Scientific Information in Europe“ statt.

„What If the Web Really Worked for Science?“

Dieser zentralen Frage geht James Boyle, Jura-Professor und Mitbegründer des Center for the Study of the Public Domain an der Duke Law School in einem kurzweiligen und wenig juristischen Vortrag nach. Auszug:

„The World Wide Web was invented for science. It was invented to help spread scientific research, to connect researchers, to make information search and retrieval global and easy. It has worked, to some extent. But the irony today, is that it is easier to use the Web to search for shoes, books, or porn, than to use it for scientific research. Scholarly articles reporting the results of publicly funded scientific research languish behind paywalls, protected by copyright and digital rights management. Databases are incompatible, and their legal accessibility often unclear.“

Boyle plädiert für die Schaffung eines Anreizsystems, das das „Sharing“ von Wissen und Information im Sinne des Open Access in den Vordergrund stellt und belohnt.  Eine Aufzeichnung seines Vortrags steht bei YouTube (sogar in HD) bereit:

(via Michael Nielsen)

„A catastrophic crash“ — Peter Murray-Rust über die Zukunft des wissenschaftlichen Publizierens

Der bekannte Open Access-Aktivist Peter Murray-Rust hat einen umfangreichen rant unter dem Titel „What is wrong with Scientific Publishing and can we put it right before it is too late?“ verfasst, den es zu lesen lohnt. Ein Auszug:

Unless the process of scientific publication is rapidly and effectively revised there will be a catastrophic crash. It will be unpredictable in both its timing, speed and nature. It will destroy some of the current participants. It will change parts of the scientific process and will change academia.

Auch wenn man dem Murray-Rust’schen Katastrophenszenario nicht völlig zustimmt, so ist es doch schwer zu leugnen, dass sich das etablierte System des wissenschaftlichen Publizierens in den nächsten Jahren und Jahrzehnten deutlich wandeln dürfte.

BMBF-Thesenpapier zum zukünftigen Internet

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat im Rahmen der Konferenz „Zukünftiges Internet“ (Berlin, 05.07 -06.07.2011) eine Thesenpapier (PDF) zum zukünftigen Internet veröffentlicht. Das Papier umfasst zehn Thesen, die aus Sicht des Ministeriums zentrale Punkte bei der Entwicklung des Internets aufgreifen. Einen Bericht zur Konferenz von Richard Sietmann findet sich auf heise online.

Für mich etwas überraschend findet die Bedeutung des Internets für Forschung und Lehre keine eigenständige Betrachtung in den BMBF-Thesen. Wer sich jedoch einen Überblick über Stand und Entwicklung der digitalen und vernetzten Forschung in Deutschland machen will, kann sich durch den jetzt erschienen Tagungsband (PDF) der Konferenz „Digitale Wissenschaft 2010“ klicken, den wisspub-Kollege Cornelius Puschmann mit herausgegeben hat.

In 28 Beiträge von 61 Autorinnen und Autoren werden auf 210 Seiten die Themenfelder „Digital Humanities“, „Wissenschaftskommunikation und Web 2.0“, „E-Science und Forschungsdatenmanagement“ sowie „Elektronisches Publizieren und Open Access“ behandelt. (Disclosure: Auch ein Beitrag von mir ist enthalten.)

Europäische Universitäten veröffentlichen Open-Access-Positionspapier

Die League of European Research Universities (LERU) hat ein Positionspapier zu Open Access veröffentlicht. Das Papier „The LERU Roadmap Towards Open Access“ (PDF) wurde am 17. Juni in Brüssel vorgestellt.

Die LERU wurde 2002 gegründet und ist eine europäische Vereinigung von einundzwanzig „research-intensive“ Universitäten. Deutsche Mitglieder sind die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).

Passend zur Veröffentlichung des Positionspapier hat die LMU einen kurzen Film zum Thema Open Access veröffentlich. In dem Video beschreiben Angehörige der Universität die Vorteile von Open Access. Interessant ist auch der Start des Forschungsdaten-Repositorium „Open Data LMU“ .  Mit diesem ist die LMU wohl die erste deutsche Hochschule die ihren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein eigenständiges und interdisziplinäres Repositorium für wissenschaftliche Daten bereitstellt.

Kriterien zur Zukunft des wissenschaftlichen Journals

In eigener Sache: Auf beyondthejournal.net ist eine überarbeite und englischsprachige Version von Kriterien zur Zukunft der wissenschaftlichen Zeitschrift zu finden. Die Version stammt aus der Feder von Daniel Mietchen, Lambert Heller und mir. Der Text entstand im März 2011, er hat es jedoch erst jetzt ins Web geschafft. Auszug:

Dynamics: Research is a process. The scientific journal of the future provides a platform for continuous and rapid publishing of workflows and other information pertaining to a research project, and for updating any such content by its original authors or collaboratively by relevant communities.

Scope: Data come in many different formats. The scientific journal of the future interoperates with databases and ontologies by way of open standards and concentrates itself on the contextualization of knowledge newly acquired through research, without limiting its scope in terms of topic or methodology.

Access: Free access to scientific knowledge, and permissions to re-use and re-purpose it, are an invaluable source for research, innovation and education. The scientific journal of the future provides legally and technically barrier-free access to its contents, along with clearly stated options for re-use and re-purposing.

Replicability: The open access to all relevant core elements of a publication facilitates the verification and subsequent re-use of published content. The scientific journal of the future requires the publication of detailed methodologies, including all data and code, that form the basis of any research project.

Review: The critical, transparent and impartial examination of information submitted by the professional community enhances the quality of publications. The scientific journal of the future supports post-publication peer review, and qualified reviews of submitted content shall always be made public.

Presentation: Digitization opens up new opportunities to provide content, such as through semantic and multimedia enrichment. The scientific journal of the future adheres to open Web standards and creates a framework in which the technological possibilities of the digital media can be exploited by authors, readers and machines alike, and content remains continuously linkable.

Transparency: Disclosure of conflicts of interest creates transparency. The scientific journal of the future promotes transparency by requiring its editorial board, the editors and the authors to disclose both existing and potential conflicts of interest with respect to a publication and to make explicit their contributions to any publication.

Der Text steht unter einer CCo-Lizenz. Kommentare sind auf beyondthejournal.net willkommen. Bearbeitungen sind erwünscht.