EU-Konsultation zu Open Access und Langzeitarchivierung

Die Europäische Kommission hat eine Konsultation zur Zugänglichkeit von Wissen und Information in Forschung und Lehre gestartet. Hintergrund ist die Absicht der Kommission bis Ende 2011 eine Mitteilung über die Themen Open Access und Langzeitarchivierung zu veröffentlichen. Diese Mitteilung soll u.a. auch Empfehlungen an die Mitgliedstaaten enthalten.

Neelie Kroes, die für die Digitale Agenda zuständige Vizepräsidentin der Kommission, erklärt in einer Pressemitteilung  dazu:

„Die Ergebnisse öffentlich finanzierter Forschung sollten grundsätzlich so weit wie möglich verbreitet werden. Die weite Verbreitung von Wissen innerhalb des Europäischen Forschungsraums und darüber hinaus ist ein wesentlicher Motor für wissenschaftlichen Fortschritt und Innovationen und damit für Wachstum und Beschäftigung in Europa. Wir streben einen offenen Zugang zu wissenschaftlichen Informationen an, damit wir alle in möglichst großem Ausmaß von Forschungsinvestitionen profitieren können – im Interesse des wissenschaftlichen Fortschritts, aber auch der Bildung, der Innovationen und anderer Formen der kreativen Weiterverwendung. Aus dem gleichen Grund müssen wir wissenschaftliche Aufzeichnungen für künftige Generationen bewahren.“

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Förderer sowie weitere Akteure sind aufgerufen ihre Vorschläge zur Verbesserung des Zugangs zu wissenschaftlicher Informationen einzureichen. Die Konsultation läuft bis zum 9. September 2011.

Bereits am Ende Mai fand in Brüssel eine Anhörung der Europäischen Kommission zum Thema „Scientific Information in Europe“ statt.

Anhörung der EU-Kommission zu Open Access

Am 30. Mai 2011 fand in Brüssel eine Anhörung der Europäischen Kommission zum Thema „Scientific Information in Europe“ statt. Folgende Themen standen hier im Mittelpunkt:

  • 1. Zugänglichkeit zu wissenschaftlicher Information,
  • 2. Langzeitarchivierung von wissenschaftlichen Ergebnissen,
  • 3. Evaluierung im Wissenschaftssystem,
  • 4. Maßnahmen auf Ebene der Mitgliedstaaten und der EU.

Ziel der Anhörung war, der Kommission Ideen und Anregungen für weitere Maßnahmen in den genannten Themenfeldern zu geben. Im Folgenden seien einige Statements dokumentiert, die mittlerweile im Web veröffentlicht wurden:

Hinweise auf weitere Statements sind willkommen. Gerne aktualisiere ich diese Liste.

Gesamtkonzept für die Informationsinfrastruktur online

Das „Gesamtkonzept für die Informationsinfrastruktur in Deutschland“ ist online. Erstellt wurde das Gesamtkonzept von der Kommission Zukunft der Informationsinfrastruktur (KII), die im Auftrag der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) arbeitete. Auszug aus der Pressemitteilung der Leibniz-Gemeinschaft:

Die Zusammensetzung der Kommission stellt ein Novum dar. Sie repräsentiert die maßgeblichen Akteure der Informationsinfrastruktur in Deutschland, und zwar sowohl die Dienstleister selbst als auch die Förderorganisationen ebenso wie die wissenschaftlichen Nutzer.

Die Kommission definiert „Informationsinfrastruktur“ als nationales, disziplinübergreifendes „Netz“ von Einrichtungen. Diese nehmen dezidiert in öffentlichem bzw. institutionellem Auftrag die Versorgung im weitesten Sinne von Wissenschaft und Forschung mit Information und damit zusammenhängenden Dienstleistungen wahr. Vor diesem Hintergrund wird dem Konzept ein ganzheitlicher, strukturorientierter Ansatz zugrundegelegt. Disziplin-, sparten- und institutionenübergreifend werden acht Handlungsfelder beleuchtet, die aus heutiger Sicht für die Informationsinfrastruktur von zentraler Bedeutung sind:

  1. Lizenzierung
  2. Hosting / Langzeitarchivierung
  3. Nichttextuelle Materialien
  4. Retrodigitalisierung / kulturelles Erbe
  5. Virtuelle Forschungsumgebungen
  6. Open Access
  7. Forschungsdaten
  8. Informationskompetenz / Ausbildung.

Alle Handlungsfelder stehen miteinander in Zusammenhang. Darüber hinaus wurden 5 der 8 Themen parallel und in Kooperation zwischen der Kommission und der Allianz-Schwerpunktinitiative Digitale Information behandelt.

(Disclosure: Ich war an zwei KII-AGs beteiligt.)

Wissenschaftsrat zu Informationsinfrastrukturen

Der Wissenschaftsrat, das zentrale wissenschaftspolitische Beratungsgremium Deutschlands, hat heute drei Empfehlungen veröffentlicht, die je nach Arbeitsgebiet und Disziplin, gut und gerne als Pflichtlektüren bezeichnet werden können:

Übergreifende Empfehlungen zu Informationsinfrastrukturen

Wissenschaftlichen Sammlungen, Bibliotheken, Archiven und Datensammlungen, die unter dem Begriff Informationsinfrastrukturen zusammengefasst werden, kommt nach Auffassung des Wissenschaftsrates eine grundlegende Bedeutung für Forschung, Lehre und Nachwuchsförderung in allen wissenschaftlichen Fächern zu. „Informationsinfra­strukturen sind ein konstitutiver Teil des Wissenschaftssystems. Die Gewinnung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse wäre ohne sie nicht möglich. Es ist daher eine öffentli­che Aufgabe, ihre Verfügbarkeit für die Wissenschaft zu gewährleisten“, so der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Peter Strohschneider.

Empfehlungen zu Forschungsinfrastrukturen in den Geistes- und Sozialwissenschaften

Hinsichtlich der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Wissenschaftssystems ist es aus Sicht des Wissenschaftsrates notwendig, der an wissenschaftspolitischer Bedeutung zunehmenden Infrastrukturent­wicklung für die Geistes- und Sozialwissenschaften in Deutschland mehr Aufmerksam­keit zu widmen. Positiv bewertet er bereits jetzt die Entwicklung der Forschungsinfra­strukturen der quantitativen Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Vor allem im Be­reich großer Umfragestudien konnte hier in den vergangenen Jahren eine internationale Spitzenstellung erreicht werden. Eine vergleichbare Position gilt es auch für die qualita­tiven Sozialwissenschaften und die Geisteswissenschaften anzustreben. In diesem Sinne hat der Wissenschaftsrat Empfehlungen zur Stärkung der internationalen Konkur­renzfähigkeit von Informations- und sozialen Infrastrukturen sowie zur Ausstattung mit Großgeräten in einzelnen Feldern der Geistes- und Sozialwissenschaften in Deutsch­land ausgesprochen. Dabei äußert er sich auch zu Fragen der Archivierung von For­schungsdaten.

Empfehlungen zu wissenschaftlichen Sammlungen als Forschungsinfrastrukturen

Deutschland verfügt über eine reiche und sehr vielfältige Sammlungslandschaft, die Grundlage bedeutender und herausragender Forschung ist. Eine Systematisierung von Arten, die Erkundung evolutionären oder klimatischen Wandels sind ohne solche Sammlungen ebenso undenkbar wie die Erforschung schriftloser oder längst vergange­ner Kulturen oder die Erforschung der Entwicklung von Technik, Wissenschaften und Künsten. Der Wissenschaftsrat hat jedoch feststellen müssen, dass das Potenzial dieser Sammlungen – vor allem im universitären Bereich – noch nicht hinreichend er­kannt und genutzt wird. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Professor Peter Strohschneider: „Viele Sammlungen lagern unbekannt und ungenutzt in Abstellräumen der Universitäten, wo weder ihr dauerhafter Erhalt noch ihre wissenschaftliche Bearbei­tung möglich sind. Womöglich liegen hier noch ungeahnte Schätze für die Forschung.“

Für den 3. Februar 2011 wurden die  Empfehlungen zur Zukunft des bibliothekarischen Verbundsystems in Deutschland angekündigt.

Videos der APE 2011 online

Vom 11. bis 12. Januar 2011 fand in Berlin die diesjährige „Academic Publishing in Europe“ (APE) statt. Die Konferenz bot wie in den letzten Jahren einen interessanten Überblick über die heißen Themen der Verlagsbranche.

Erste Aufzeichnungen der Vorträge sind nun auf River Valley TV online. Weitere folgen. Wie immer, bei River Valley TV, stehen die Videos in guter Qualität zum download bereit.

Besonders spannend fand ich die folgenden beiden Vorträge:

  • John Wood (ACU): Riding the Wave – How Europe can Gain from the Fising Tide of Scientific Data (Video)
  • Mark Patterson (PLoS): Open Access Publishers – Breaking even and growing fast (Video)

PS: Die noch heißeren Themen rund um die Zukunft des wissenschaftlichen Publikationswesens wurden eine Woche nach der APE in San Diego auf dem „Beyond the PDF“ Workshop diskutiert. Siehe dazu u.a. die Blogbeiträge von Anita de Waard und Martin Fenner sowie die FriendFeed Gruppe des Workshops.



Förderorganisationen fordern „data sharing“ in der Medizin

Siebzehn lebenswissenschaftliche Förderorganisationen haben heute ein Statement zur Zugänglichkeit von Forschungsdaten veröffentlicht. Unter dem Titel „Sharing research data to improve public health“ fordern die Organisationen, darunter der Wellcome Trust, der National Institutes of Health (NIH) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Nachnutzung von Forschungsdaten zu verbessern. Um diese Mission erfolgreich zu gestalten, kündigen die Organisationen eine verstärkte Kooperation in diesem Handlungsfeld an.

Dem Statement liegt folgende Vision zugrunde:

We, as funders of health research, intend to work together to increase the availability to the scientific community of the research data we fund that is collected from populations for the purpose of health research, and to promote the efficient use of those data to accelerate improvements in public health.

Der Rahmen der Forderung nach einem weitgehenden Zugang zu medizinischen Daten wird durch die Prinzipien „Equitable“, „Ethical“ und „Efficient“ definiert.

Um die Nachnutzung und die Nachprüfbarkeit der Forschungsdaten in der Medizin zu verbessern werden verschieden Maßnahmen, wie z.B. Aktivitäten des Forschungsdatenmanagements, benannt. Zur Umsetzung des Statements wurde eine Arbeitsgruppe installiert.

In einem Beitrag in The Lancet beschreiben Mark Walport, Direktor des Wellcome Trust und Paul Brest, Präsident der Hewlett Foundation ihre Motivation.

Weitere Informationen:

Folien des DINI/Helmholtz Repositorien Workshop online

Vom 30.11. bis 01.12.2010 veranstaltete das Helmholtz Open Access Projekt in Zusammenarbeit mit der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation (DINI) im Erwin Schrödinger-Zentrum des Universitätscampus in Berlin-Adlershof einen Workshop zur strategischen Weiterentwicklung von Repositorien. Über 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wissenschaft, Infrasturktureinrichtungen und Verlagen informierten und diskutierenden über die zukünftige Rolle von Repositorien in Forschung und Lehre.

Die Folien der Veranstaltung sind auf der DINI-Website zugänglich. Eine „Dokumentation“ der Veranstaltung ist bei Twitter (#dinihg10) zu finden.

Ars Technica zum Thema Forschungsdaten

Auf Ars Technica hat John Timmer eine interessante Serie von Artikeln zur dauerhaften Zugänglichkeit von Forschungsdaten veröffentlicht:

Teil 1: Preserving science: what to do with raw research material?

Teil 2: Preserving science: what data do we keep? What do we discard?

Teil 3: Jaz drives, spiral notebooks, and SCSI: how we lose scientific data

Diese und weitere interessante Hinweise zum Thema können auf der DFN-Mailingliste „Umgang mit Forschungsdaten“ gefunden und diskutiert werden.

Empfehlungen zur IT-Infrastruktur in Forschung und Lehre

Die Kommission für IT-Infrastruktur (KfR) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat im Oktober Empfehlungen zur IT-Infrastruktur in Forschung und Lehre veröffentlicht. Auszug aus der Pressemitteilung:

“Für den Erfolg von Hochschulen und Universitätsklinika im nationalen und internationalen Wettbewerb muss die IT-Infrastruktur für Forschung, Lehre, Organisation und Krankenversorgung effizient ausgestaltet sein. Wie dies in Zukunft geschehen kann, zeigen die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) herausgegebenen neuen Empfehlungen der Kommission für IT-Infrastruktur (KfR), die jetzt unter dem Titel „Informationsverarbeitung an Hochschulen – Organisation, Dienste und Systeme“ erschienen sind, für den Zeitraum von 2011 bis 2015. Wie wichtig dies ist, betont auch DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner in seinem Vorwort: ‘Informationstechnik ist zum unverzichtbaren Teil jeder Forschungsinfrastruktur, Information zu einem zentralen Standortfaktor für Wissenschaft und Wirtschaft geworden.’”

Die Empfehlungen sollen Antragsteller, Hochschulleitungen sowie weiteren Akteuren in Bund und Ländern “einen Entscheidungshilfe bei der nachhaltigen Gestaltung IT-relevanter Prozesse an Hochschulen geben”.

Literatur:

Deutschen Forschungsgemeinschaft: Informationsverarbeitung an Hochschulen – Organisation, Dienste und Systeme. Empfehlungen der Kommission für IT-Infrastruktur für 2011–2015. Bonn, 2010. Online.

Vision: Forschungsdaten im Jahr 2030

Die High-Level Group on Scientific Data der Europäischen Kommission hat einen Report zur den Herausforderungen und Chancen im Umgang mit digitalen Forschungsdaten veröffentlicht.

Der Report „Riding the Wave: How Europe can gain from the rising tide of scientific data“ (PDF) ist das Ergebnis einer sechsmonatigen Konsultation deren Ziel es war eine „Vision 2030“ für den Umgang mit Forschungsdaten zu formulieren. Folgende Punkte sind Teil dieser Vision:

  • All stakeholders, from scientists to national authorities to the general public, are aware of the critical importance of conserving and sharing reliable data produced during the scientific process.
  • Researchers and practitioners from any discipline are able to find, access and process the data they need. They can be confident in their ability to use and understand data, and they can evaluate the degree to which that data can be trusted.
  • Producers of data benefit from opening it to broad access, and prefer to deposit their data with confidence in reliable repositories. A framework of repositories work to international standards, to ensure they are trustworthy.
  • Public funding rises, because funding bodies have confidence that their investments in research are paying back extra dividends to society, through increased use and re-use of publicly generated data.
  • The innovative power of industry and enterprise is harnessed by clear and efficient arrangements for exchange of data between private and public sectors, allowing appropriate returns to both.
  • The public has access to and can make creative use of the huge amount of data available; it can also contribute to the data store and enrich it. All can be adequately educated and prepared to benefit from this abundance of information.
  • Policy makers are able to make decisions based on solid evidence, and can monitor the impacts of these decisions. Government becomes more trustworthy.
  • Global governance promotes international trust and interoperability.

Literatur:

High-Level Group on Scientific Data: Riding the Wave: How Europe can gain from the rising tide of scientific data. European Union, 2010. Online.