Der Book Citation Index startet

Die Bibliometriker freuen sich über ein neues Spielzeug: Thomson Reuters startet diesen Monat den Book Citation Index. Der Book Citation Index umfasst aktuell 25.000 wissenschaftliche Buchinhalte, die seit 2005 erschienen sind. In Zukunft sollen jährlich 10.000 weitere Bücher hinzugefügt werden.

40 Prozent der indexierten Publikationen werden den Sozialwissenschaften zugeordnet. Gefolgt von den Geisteswissenschaften mit 18 Prozent. Den Lebenswissenschaften werden 6 Prozent der indexierten Publikationen zugeordnet. Laut Thomson Reuters Factsheet (PDF) eröffnet der Book Citation Index folgende Möglichkeiten:

„Der Book Citation Index des Web of Science verbindet die Buchsammlung einer Bibliothek mit einem leistungsfähigen neuen Entdeckungs-Tool, das Forschern die Möglichkeit gibt, schnell und mühelos die wirklich relevanten Bücher ausfindig zu machen und Zugriff darauf zu bekommen. Web of Science vereint wissenschaftliche Bücher, Fachzeitschriften und Konferenzbeiträge, um das enorme Potenzial des Durchsuchens von Zitierungen optimal nutzen zu können. Autoren und Forscher können ab sofort das bestehende Netz an Zitierungen zwischen Büchern und der Forschung allgemein analysieren.“

Der Book Citation Index kann als Modul des Web of Science erworben werden. Interessant ist der Blick in die Master Book List. Wenn ich richtig recherchiert habe, sind beispielsweise 1.081 Buchpublikationen aus dem Hause De Gruyter indexiert.

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Open-Access-Tage 2011: Anmeldung eröffnet

In diesem Jahr finden die Open-Access-Tage bereits zum fünften Mal statt. Gastgeberin ist vom 4. bis 5. Oktober 2011 die Universität Regensburg. Veranstaltet wird die Fachkonferenz von der Informationsplattform open-access.net und ihren Partnern.

Die Konferenz richtet sich an Personen aus Wissenschaft, Wissenschaftsmanagement, Verlagen und Infrastruktureinrichtungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Neben Vorträgen im Plenum besteht in vielen Sessions die Möglichkeit zur Diskussion. Teil der Veranstaltung ist wie in den Vorjahren die Open-Acces-Messe, auf der sich Open-Access-Projekte, -Verlage, -Zeitschriften, -Repositorien und weitere Akteure präsentieren können.

Die Anmeldung ist eröffnet und das Programm wächst und gedeiht. Als Mitglied des Programmkomitees würde ich mich freuen auch einige wisspub-Leserinnen und Leser in Regensburg sehen zu können. (Hashtag: #OAT11)

„Wissen“ und „Verwertung“

Da die Kollegen Puschmann und Herb gerade andere Kanäle als dieses Blog nutzen, aggregiere ich im Folgenden zwei lesenswerte Beiträge der lieben Kollegen.

Ulrich Herb schreibt auf TELEPOLIS unter dem schönen Titel „Für Wissenschaftler wertlos“ über das Zählpixel der VG Wort:

Seit 2007 bietet die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) für online publizierte Dokumente die Möglichkeit einer Ausschüttung von Tantiemen aus Zweitverwertungrechten nach Urheberrechtsgesetz. Ob man in den Genuss einer Ausschüttung kommt, hängt von einer kruden Technik ab, die Verfasser wissenschaftlicher Dokumente in den meisten Fällen von einer Vergütung ausschließt. Alternativvorschlägen von E-Publishing-Akteuren verschließt sich die VG Wort bislang.

Cornelius Puschmann macht sich in seinem eigenen Blog „Gedanken zur gesellschaftlichen Aufgabe der Wikipedia„:

Das Internet fordert unter anderem deshalb gesellschaftliche Eliten heraus, weil es alternative Zugänge zu und Teilnahme an Wissen ermöglicht. Im Falle der Wikipedia sind es (unter anderem) Schule und Wissenschaft, die herausgefordert werden. Dabei geht es weniger darum, dass die bestehenden System ersetzt würden, als vielmehr um vergrößerte Transparenz und Partizipationsmöglichkeiten durch neue, bislang nicht in den Wissensverhandlungsprozess eingebundene Akteuere. Die Wikipedia ist nicht perfekt, aber das muss sie auch nicht sein. Es genügt völlig, dass sie uns die Komplexität der Wissenskodifizierung vor Augen führt, und dass sie die Barrieren zur Teilnahme an dieser Kodifizierung im Vergleich zum Buchzeitalter merklich reduziert hat. Die Wikipedia ist nicht bedeutsam als ewiger Wissensspeicher, in dem ordentlich sortierte Fakten abgelegt werden. Vielmehr ist sie ein Marktplatz, auf dem Wissen verhandelt wird, und dieser Prozess ist vielleicht wichtiger als sein Endprodukt, auch wenn es zweifellos oft ein ziemlich mühseliger Prozess ist.

Liebe Kollegen, bei diesem Output ist es schwer den Überblick zu behalten! Hinweise auf Eurer Schaffen und Wirken sind auch hier weiterhin willkommen. 🙂

Wissenschaftsrat zu Informationsinfrastrukturen

Der Wissenschaftsrat, das zentrale wissenschaftspolitische Beratungsgremium Deutschlands, hat heute drei Empfehlungen veröffentlicht, die je nach Arbeitsgebiet und Disziplin, gut und gerne als Pflichtlektüren bezeichnet werden können:

Übergreifende Empfehlungen zu Informationsinfrastrukturen

Wissenschaftlichen Sammlungen, Bibliotheken, Archiven und Datensammlungen, die unter dem Begriff Informationsinfrastrukturen zusammengefasst werden, kommt nach Auffassung des Wissenschaftsrates eine grundlegende Bedeutung für Forschung, Lehre und Nachwuchsförderung in allen wissenschaftlichen Fächern zu. „Informationsinfra­strukturen sind ein konstitutiver Teil des Wissenschaftssystems. Die Gewinnung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse wäre ohne sie nicht möglich. Es ist daher eine öffentli­che Aufgabe, ihre Verfügbarkeit für die Wissenschaft zu gewährleisten“, so der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Peter Strohschneider.

Empfehlungen zu Forschungsinfrastrukturen in den Geistes- und Sozialwissenschaften

Hinsichtlich der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Wissenschaftssystems ist es aus Sicht des Wissenschaftsrates notwendig, der an wissenschaftspolitischer Bedeutung zunehmenden Infrastrukturent­wicklung für die Geistes- und Sozialwissenschaften in Deutschland mehr Aufmerksam­keit zu widmen. Positiv bewertet er bereits jetzt die Entwicklung der Forschungsinfra­strukturen der quantitativen Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Vor allem im Be­reich großer Umfragestudien konnte hier in den vergangenen Jahren eine internationale Spitzenstellung erreicht werden. Eine vergleichbare Position gilt es auch für die qualita­tiven Sozialwissenschaften und die Geisteswissenschaften anzustreben. In diesem Sinne hat der Wissenschaftsrat Empfehlungen zur Stärkung der internationalen Konkur­renzfähigkeit von Informations- und sozialen Infrastrukturen sowie zur Ausstattung mit Großgeräten in einzelnen Feldern der Geistes- und Sozialwissenschaften in Deutsch­land ausgesprochen. Dabei äußert er sich auch zu Fragen der Archivierung von For­schungsdaten.

Empfehlungen zu wissenschaftlichen Sammlungen als Forschungsinfrastrukturen

Deutschland verfügt über eine reiche und sehr vielfältige Sammlungslandschaft, die Grundlage bedeutender und herausragender Forschung ist. Eine Systematisierung von Arten, die Erkundung evolutionären oder klimatischen Wandels sind ohne solche Sammlungen ebenso undenkbar wie die Erforschung schriftloser oder längst vergange­ner Kulturen oder die Erforschung der Entwicklung von Technik, Wissenschaften und Künsten. Der Wissenschaftsrat hat jedoch feststellen müssen, dass das Potenzial dieser Sammlungen – vor allem im universitären Bereich – noch nicht hinreichend er­kannt und genutzt wird. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Professor Peter Strohschneider: „Viele Sammlungen lagern unbekannt und ungenutzt in Abstellräumen der Universitäten, wo weder ihr dauerhafter Erhalt noch ihre wissenschaftliche Bearbei­tung möglich sind. Womöglich liegen hier noch ungeahnte Schätze für die Forschung.“

Für den 3. Februar 2011 wurden die  Empfehlungen zur Zukunft des bibliothekarischen Verbundsystems in Deutschland angekündigt.

Grundsätze zum Umgang mit Forschungsdaten veröffentlicht

Die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen hat im Juni „Grundsätze zum Umgang mit Forschungsdaten“ verabschiedet. Auszug aus der Pressemitteilung:

„Qualitätsgesicherte Forschungsdaten bilden die Grundlage wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns. Allein in Deutschland kostet es mehrere Milliarden Euro pro Jahr, diese Ergebnisse zu erstellen. Ein großer Teil dieser Daten wird jedoch von Forschenden oder Arbeitsgruppen nach Abschluss ihrer Vorhaben nicht angemessen dauerhaft archiviert und ist daher einer späteren Wiederverwertung nicht mehr zugänglich. Hinzu kommt, dass mit Hilfe moderner wissenschaftlicher Methoden Daten in enormen Umfang erzeugt werden und adäquate informationsfachliche Methoden sowie die erforderlichen Infrastrukturen nicht ausreichend zur Verfügung stehen.“

Die Grundsätze wurden im Rahmen der Schwerpunktinitiative „Digitale Information“ veröffentlicht. Folgende Themenfelder werden aufgegriffen:

  • Sicherung und Zugänglichkeit
  • Unterschiede der wissenschaftlichen Disziplinen
  • Wissenschaftliche Anerkennung
  • Lehre und Qualifizierung
  • Verwendung von Standards
  • Entwicklung von Infrastrukturen

Diese Allianz-Grundsätze sind der bisherige Höhepunkt der Diskussion um den zeitgemäßen Umgang mit Forschungsdaten. In der Vergangenheit haben sich u.a. folgende Institutionen im Rahmen von Positionspapieren und anderen Veröffentlichungen mit dem Thema beschäftigt:

April 2010: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) verankert das Thema in ihrem „Leitfaden für Antragsteller“. (Siehe dazu auch wisspub.net)

August 2009: Die Arbeitsgruppe „Grid/eScience und Langzeitarchivierung“ des deutschen Kompetenznetzwerkes zur digitalen Langzeitarchivierung – NESTOR veröffentlicht den Bericht „Digitale Forschungsdaten bewahren und nutzen“.

April 2009: Die Arbeitsgruppe „Elektronisches Publizieren“ der Deutsche Initiative für Netzwerkinformation (DINI) veröffentlicht ihr „Positionspapier Forschungsdaten“.

Januar 2009: Der Unterausschuss für Informationsmanagement (Ausschuss für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) veröffentlicht „Empfehlungen zur gesicherten Aufbewahrung und Bereitstellung digitaler Forschungsprimärdaten“.

Juni 2008: Die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen startet die Schwerpunktinitiative „Digitale Information“. Im Handlungsfeld „Forschungsprimärdaten“ „sehen alle Wissenschaftseinrichtungen einen dringenden Handlungsbedarf “.

Wir auf dem 4. Leipziger Kongress für Information und Bibliothek

In eigener Sache: Ein Teil des WissPub-Teams wird die nächsten Tage auf dem 4. Leipziger Kongress für Information und Bibliothek verbringen.

Cornelius Puschmann wird in der DINISession am 15.03.2010 unter dem Titel: „Der lange Abschied vom Papier“ über Open Access in den Geisteswissenschaften sprechen.

Ein weiterer Beitrag in dieser Session wird durch Ulrich Herb geleistet: Er widmet sich dem Thema „Statistiken für Institutionelle Repositorien“ und wird Ergebnisse des DFG-Projektes OA-Statistik vorstellen.

Am 17.03.2010 wird sich Robert Forkel in der Session „Bibliotheken als Akteure im Forschungsdatenmanagement“ dem Umgang mit Forschungsdaten in der Linguistik widmen und „The World Atlas of Language Structures Online“ vorstellen.  (Seine Präsentation, inkl. einiger Anmerkungen,  ist mittlerweile online.)

Ich werde am 16.03.2010 auf dem Newcomer-Treff des BIB einige Einblicke in meinen Berufsalltag geben 🙂

Ich hoffe, ich habe keine Beiträge der Kollegen vergessen.

Allen Anwesenden einen interessanten und diskussionsreichen Kongress!

(Links folgen.)

Update, 22.03.2010: Slides eingefügt.