HRK-Handreichung: Herausforderung Web 2.0

Ende 2010 hat die Kommission „Neue Medien und Wissenstransfer“ der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) unter dem Titel „Herausforderung Web 2.0“ eine lesenswerte Handreichung (PDF) zum Web 2.0 im Kontext von Forschung und Lehre veröffentlicht.

Die Publikation greift das Thema auf und beschreibt Einsatzszenarien für Dienste und Tools rund um das Web 2.0. Die Autoren empfehlen Hochschulleitungen sich dem Web 2.0 anzunehmen. Auszug:

Hochschulen sollten diese Entwicklung nicht nur wahrnehmen, sondern selbst aktiv werden. Insgesamt zeigt sich anhand der dargestellten Einsatzbeispiele, dass an den Hochschulen bereits jetzt ein erhebliches Kreativitätspotenzial besteht. Dies gilt für Forschung, Lehre und zentrale Einrichtungen, wo die Möglichkeiten des Web 2.0 zur Vernetzung, Partizipation und Kollaboration bereits heute vielfältige Mehrwerte entstehen lassen. (S. 7)

Ein Team der FernUniversität Hagen hat ein kurzes Video zu der Handreichung erstellt:

Zusätzlich dokumentiert die HIS auf ihrer Website einige Beispiele für Web 2.0-Anwendungen im Hochschulkontext.

Wer an seiner Institution für die Wahrnehmung des Web 2.0 werben möchte, dem bietet die Handreichung eine ausgesprochen hilfreiche Grundlage.

(via Jan Schmidt, der die Kommission als externes Mitglied unterstützt hat.)

Workshop zur Zukunft von Open-Access-Repositorien

In eigener Sache: In Zusammenarbeit mit der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation (DINI) veranstaltet das Helmholtz Open Access Projekt vom 30.11. bis 01.12.2010 in Berlin-Adlershof (Erwin Schrödinger-Zentrum) einen Workshop zur strategischen Weiterentwicklung von Open-Access-Repositorien.

In Deutschland haben sich die Repositorien Ende der 90-er Jahre entwickelt. Unter dem Namen Hochschulschriften- oder Dokumentenserver entstanden Datenbanken, auf denen Hochschulschriften als Erst- oder Zweitveröffentlichung zugänglich gemacht wurden.

Mit der Entwicklung von Open Access wurden diese Datenbanken international unter dem Begriff Repositorien bekannt und Grundlage des „Grünen Weges“ des Open Access. Prominentes Beispiel ist das arXiv, welches 1991 am Los Alamos National Laboratory aufgebaut wurde und bis heute das zentrale Repositorium  für Preprints in den Disziplinen Physik, Mathematik und Informatik ist.

Im Bereich der außeruniversitären Forschung wurde spätestens Mitte der Nullerjahre begonnen, die seit langem bestehenden institutionellen Publikationsdatenbanken, die ausschließlich Metadaten nachweisen, zu Repositorien auszubauen, um Pre- und Postprints sowie Schriftenreihen im Open Access zugänglich zu machen. Eine Entwicklung, die im universitären Bereich erst langsam aufgegriffen wird.

Zudem sind in den letzten Jahren abseits der Text-Repositorien auch Repositorien für unterschiedlichste Formen und Formate digitaler Objekte entstanden, z.B. für Forschungsdaten.

Heute stehen Repositorien vor einer Vielzahl von Herausforderungen. Mehrheitlich werden sie immer noch als passive Dienste betrieben, die nicht in den Arbeitsablauf von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eingebunden sind. Darüber hinaus steigen mit der Entwicklung der digitalen Wissenschaften die Anforderungen an die Repositorien (beispielsweise im Kontext virtueller Forschungsumgebungen).

Der DINI-/Helmholtz-Workshop „Repositorien – Praxis und Vision“ wird neben dem Blick auf den Stand der Repositorien an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen auch folgende Themen behandeln:

  • Zusammenspiel von institutionellen und disziplinären Repositorien
  • Zusammenspiel von Forschungsdaten- und Text-Repositorien
  • Repositorien und Forschungsinformationssysteme (CRIS)
  • Repositorien und Soziale Netzwerke in der Wissenschaft

Ziel der Veranstaltung ist es, Impulse für die Weiterentwicklung der Repositorien zu geben. Während am ersten Tag Vorträge im Plenum stattfinden, widmet sich der zweite Veranstaltungstag in Sessions unterschiedlichsten Aspekten des Themenfeldes.

Programm und Anmeldung für den DINI-/Helmholtz-Workshop „Repositorien – Praxis und Vision“.

Empfehlungen zur IT-Infrastruktur in Forschung und Lehre

Die Kommission für IT-Infrastruktur (KfR) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat im Oktober Empfehlungen zur IT-Infrastruktur in Forschung und Lehre veröffentlicht. Auszug aus der Pressemitteilung:

“Für den Erfolg von Hochschulen und Universitätsklinika im nationalen und internationalen Wettbewerb muss die IT-Infrastruktur für Forschung, Lehre, Organisation und Krankenversorgung effizient ausgestaltet sein. Wie dies in Zukunft geschehen kann, zeigen die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) herausgegebenen neuen Empfehlungen der Kommission für IT-Infrastruktur (KfR), die jetzt unter dem Titel „Informationsverarbeitung an Hochschulen – Organisation, Dienste und Systeme“ erschienen sind, für den Zeitraum von 2011 bis 2015. Wie wichtig dies ist, betont auch DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner in seinem Vorwort: ‘Informationstechnik ist zum unverzichtbaren Teil jeder Forschungsinfrastruktur, Information zu einem zentralen Standortfaktor für Wissenschaft und Wirtschaft geworden.’”

Die Empfehlungen sollen Antragsteller, Hochschulleitungen sowie weiteren Akteuren in Bund und Ländern “einen Entscheidungshilfe bei der nachhaltigen Gestaltung IT-relevanter Prozesse an Hochschulen geben”.

Literatur:

Deutschen Forschungsgemeinschaft: Informationsverarbeitung an Hochschulen – Organisation, Dienste und Systeme. Empfehlungen der Kommission für IT-Infrastruktur für 2011–2015. Bonn, 2010. Online.

„Das Recht auf Sichtbarkeit“

Unter diesem schönen Titel hat der Bibliotheksjurist Eric Steinhauer eine sehr lesenswerte Publikation zum Verhältnis der Themen Wissenschaftsfreiheit und Open Access veröffentlicht.

Die Anmerkung zum Titel des Buches macht Steinhauers Verständnis von Wissenschaftsfreiheit deutlich (S. 10):

Der Titel des vorliegenden Buches ist programmatisch zu verstehen. Es geht um das Recht des wissenschaftlich arbeitenden Menschen, sich in seinem Streben nach Wahrheit und Erkenntnis in einer Weise mitteilen zu können, die nicht wissenschaftsfremden ökonomischen Zielen, sondern allein der wissenschaftlichen Sache selbst verpflichtet ist. Eine so verstandene Mitteilungsfreiheit ist die unabdingbare Voraussetzung dafür, dass echter wissenschaftlicher Fortschritt durch Erkenntnisaustausch, durch Diskussion und Kritik möglich ist. Kann eine Wissenschaft das Maß ihrer Sichtbarkeit nicht mehr selbst bestimmen, hört sie auf, eine freie Wissenschaft zu sein.

Mir hat dieses Buch in der letzten Woche eine lange Bahnfahrt versüßt. Es versammelt zwei Vorträge von Steinhauer auf den Göttinger Urheberrechtstagungen 2008 und 2009.

Steinhauer beschreibt, in einer für Nicht-Juristen sehr verständlichen Form, die relevanten Aspekte des Themenkomplexes in Grundgesetz, Dienstrecht, Hochschulrecht und Urheberrecht. Dabei plädiert er u.a. für ein unabdingbares Zweitveröffentlichungsrecht. Eine Forderung, die auch von der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen in einer erweiterte Stellungnahme (PDF) zur Novellierung des Urheberrechts aus dem Juli vertreten wird.

Literatur:

Steinhauer, Eric W.: Das Recht auf Sichtbarkeit. Münster : Monsenstein und Vannerdat, 2010. Online. Print.

Wissenschaftliche Kommunikation im Wandel — mal mehr, mal weniger

Im Chronicle of Higher Education gibt es einen interessanten Beitrag zu den Arbeitsgewohnheiten von Wissenschaftlern, basierend auf einer neuen Untersuchung von Ithaka. 3.025 Forscher an amerikanischen Hochschulen wurden zu ihren Recherche- und Publikationsgewohnheiten befragt — mit unterschiedlichen Ergebnissen (Auszüge):

Recherche jenseits der Bibliothek

The first section, „Discovery and the Evolving Role of the Library,“ confirms what many librarians already know: Faculty members do not use the library as a gateway to information nearly as much as they used to.

„One of the really thought-provoking questions that comes out of this study is whether libraries should continue to invest in locally customized discovery tools or whether those investments are not likely to yield value.“

E-Journals ersetzen zunehmend Print

The embrace of digital journals has become so widespread that print editions of current issues „are rapidly becoming a thing of the past“ for many scholars, the survey found. Sixty percent of humanists and more than 80 percent of scientists said they would be fine with having their libraries provide only electronic copies of the latest issues of journals.

Electronic books, however, have not yet conquered faculty hearts and habits the way e-journals have. „Despite the arrival of devices like the Amazon Kindle—and about 10 percent of respondents indicated that they owned an e-book device like the Kindle—e-books have remained marginal to scholars,“ the survey found.

Impact wichtiger als Open Access

„Despite several years of sustained efforts by publishers, scholarly societies, libraries, faculty members, and others to reform various aspects of the scholarly communications system, a fundamentally conservative set of faculty attitudes continues to impede systematic change,“ the report concludes

For instance, about 85 percent of respondents called it „very important“ that a journal they publish in is widely read by colleagues in their field. Only 40 percent said it was very important that the journal provide free online access to its contents.

Österreichische Universitätenkonferenz: Empfehlungen zu Open Access

Die Österreichische Universitätenkonferenz (uniko) hat am 12.01.2010 Empfehlungen zu Open Access verabschiedet. In diesen werden zu den Handlungsfeldern Bewusstseinsbildung, Repositorien, Qualitätssicherung und Informationspolitik Empfehlungen formuliert.

Die Empfehlungen sollen die österreichischen Universitäten bei ihrer Open-Access-Politik unterstützen.

Auszug aus den „Empfehlungen an die Universitäten“ (S. 2):

Die Österreichische Universitätenkonferenz empfiehlt ihren Mitgliedern, ein Bewusstsein für Open Access unter ihren Studierenden, Projektmitarbeiter/innen, wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen und Professoren/innen zu schaffen und somit den Übergang zum Open Access-Paradigma zu unterstützen.

[via medinfo]

Deutsche Hochschulen auf Twitter

Cornelius Puschmann hat mit seinem Beitrag „Die Universität Düsseldorf auf Twitter“ bereits das Themenspektrum dieses Blogs von dem Feld „scholarly communication“ hin zu „science communication“ erweitert. Ich führe diese Öffnung fort und greife das Thema Hochschulen auf Twitter auf.

Während US-amerikanische Hochschulen schon seit langem „zwitschern“, scheint sich Twitter nur langsam an deutschen Hochschulen zu etablieren. Auf Uni-Versum, einem Blog der Wirschaftswoche, hat Daniel Rettig im April eine Zusammenstellung deutscher twitternder Hochschulen veröffentlicht. Ich habe diese Liste nun etwas erweitert.

Eine kurze Fallstudie zur Twitter-Nutzung der großbritannischen Sussex University zeigt die vielfältige Nutzung von Twitter im hochschulischen Umfeld. Neben einem offiziellen Account der Hochschule gibt es weitere Accounts verschiedener Fachbereiche und Bibliotheken.

Eine vollständige Liste „zwitschernder“ Hochschulen in Deutschland kann hier nicht gegeben werden. In der folgenden Liste sind lediglich die mir bekannten „offiziellen“ Accounts genannt:

Auf die Auflistung einzelner Fachbereiche oder Infrastruktureinrichtungen, die Twitter nutzen, habe ich hier verzichtet.  Diese machen jedoch die Masse der Hochschul-Accounts aus. Bestes Beispiel ist die RWTH Aachen. Während meines Wissens die Hochschule selbst über keinen offiziellen Account verfügt, „zwitschern“ die Mensen und Cafeterien (z.B. rwthCafete2 und rwthMensa7) sowie der Studiengang Technik-Kommunikation.

Die Authentizität der Twitter-Accounts ist häufig eher schwer einzuschätzen. Während z.B. der Account der Universität Duisburg-Essen von der dortigen Pressestelle betreut wird, werden für die Mehrheit der Accounts keine Ansprechpartner genannt. (Eine zukünftige Lösung könnte hier ggf. ein Twitter Verified Account bieten.)

Im Falle der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (siehe dazu den Beitrag von Cornelius Puschmann) und der Hochschule der Medien Stuttgart werden die Accounts von Studenten betrieben. An der Hochschule der Medien werden die Tweets der Studenten aggregiert und über den Account hdmstuttgart als Tweet versendet (siehe die „Anleitung“ dazu). Auch hinter dem Account der Fachhochschule Köln steckt ein Aggregator. Hier die Liste der „inoffiziellen“ Twitter-Accounts:

Vielleicht kann hier eine Liste der „offiziellen“ Accounts entstehen? Hinweise auf weitere Accounts sind in den Kommentaren willkommen.

[Grafik: Matt Hamm]

Die Universität Düsseldorf auf Twitter

Es geht zwar bei dieser Meldung streng genommen nicht um wissenschaftliche Kommunikation (also Kommunikation unter Wissenschaftlern), sondern eher um Wissenschaftskommunikation (Kommunikation zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit), und zudem handelt es sich noch um einen Beitrag in eigener Sache, aber ich denke, die Information ist dennoch einen kurzen Post wert: seit gestern Vormittag twittert die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, wenn auch nur strikt inoffiziell*.

Ich habe mir erlaubt, die bereits vorhandenen Feeds verschiedener Uni-Einrichtungen via Twitterfeed.com an einen neuen Twitter-Account zu hängen, damit man sich schnell und bequem einen Überblick darüber verschaffen kann, was an der HHU aktuell so alles geschieht. Leider können im Moment nur die Feeds der Pressestelle und des ZIM aggregiert werden, da die Fakultäten zwar Nachrichten anbieten, dies aber (noch) nicht im RSS- oder Atom-Format tun. Die Universitäts- und Landesbibliothek und die Juristische Fakultät besitzen zwar Newsfeeds, diese sind aber nicht mit Twitterfeed.com kompatibel (d.h. vermutlich nicht standardkonform). Trotzdem, ein Anfang ist gemacht – es können problemlos weitere Feeds ’nachgerüstet‘ werden.

Möglicherweise ist die HHU damit die erste Uni in Deutschland die twittert (ich habe allerdings nur sehr oberflächlich recherchiert), aber auch falls nicht und jenseits jeglichen Web 2.0-Hypes ergeben sich ganz praktische Vorteile aus dem gesamtuniversitären Gezwitscher:

  • die zahlreichen atomisierten Nachrichtenkanäle der Uni (auf den Ebenen Rektorat, Fakultäten, zentrale Einrichtungen, Institute….) werden an einer Stelle zentral zusammengefasst,
  • die Meldungen sind auch mobil auf jedem Twitter-fähigen Endgerät abrufbar und nicht mehr nur über die Website der jeweiligen Einrichtung zu erreichen,
  • die Meldungen sind knapp und ‚überfliegbar‘, wodurch man zeitsparend auf den aktuellsten Informationsstand gelangt und
  • die Uni kann einen direkte(re)n Kontakt zu Mitarbeitern, Studenten, Journalisten usw. herstellen.

Und auch wenn dies nur meiner eigenen Informationsversorgung dient – was für CNN oder die Indiana University funktioniert, das kann auch für die Alma Mater der Bundesministerin für Bildung und Forschung kaum schlecht sein.

* Auf twitter.com/hhuduesseldorf werden ausschließlich offizielle Meldungen von Uni-Seiten automatisch zusammengefasst und wiedergegeben, allerdings ist der Account von mir auf eigene Initiative hin eingerichtet worden. Es handelt sich nicht um einen offiziellen Dienst der Pressestelle.