Wer finanziert das DOAJ?

Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) ist eines der bekanntesten Open-Access-Instrumente. In nahezu jedem Open-Access-Kontext wird es eingesetzt. Anders als viele andere Tools, die in der Wissenschaftsinfrastruktur eingesetzt werden, steht es allen zur Nutzung offen und verlangt kein Geld dafür. Finanziert wird es über Einrichtungen, die jährliche Zuschüsse zum Betrieb zahlen. Hierbei könnte noch mehr getan werden. Eine österreichische Initiative hat für mehr Finanzierung von DOAJ geworben. In Deutschland gibt es bisher nur wenige unterstützende Einrichtungen. Die Open Access Week könnte zum Anlass genommen werden, in den eigenen Einrichtungen über die DOAJ-Finanzierung zu sprechen.

Wozu dient das DOAJ?

Das DOAJ hat sich erfolgreich etabliert als primäre Quelle zu Open-Access-Zeitschriften. Regelmäßig wird es empfohlen im Kontext von „Wie finde ich eine Open-Access-Zeitschrift in meinem Feld?“. Für diesen Zweck ist es gut aufgestellt, mit vielen tausend gelisteten Zeitschriften und einer Einteilung in akademische Disziplinen. Die Metadaten, die pro Zeitschrift erfasst sind, ermöglichen eine weitere Einschätzung – zum Beispiel ob APC-Kosten anfallen, welche Lizenzen verwendet werden etc. Diese Informationen lassen sich auch automatisch auslesen und auswerten – für einen Überblick über Open-Access-Zeitschriften gängige Praxis. Dabei stehen jedoch immer „Zeitschriften“ als Bezugsgröße im Mittelpunkt. Man kann also sagen: „x Prozent der Zeitschriften im DOAJ verlangen keine APC“, kann aber nicht direkt ablesen, welcher Anteil am Publikationsvolumen (Zahl der Artikel) dadurch abgedeckt wird. Darüber hinaus listet das DOAJ aber auch Metadaten auf Artikelebene. Aktuell ist die Verschärfung der Anforderungen für die Aufnahme ins DOAJ das hauptsächliche Projekt, alle Zeitschriften werden erneut beurteilt, was die Datenqualität weiter verbessert. Wer zu Open Access arbeitet, ob beratend oder forschend, kommt am DOAJ kaum vorbei.

Wer finanziert das DOAJ?

Das DOAJ wird über institutionelle Mitgliedschaften (von Hochschulen und Konsortien), über weitere Mitglieder (Verlage und individuelle Mitglieder) und über Sponsoring finanziert. Informationen über die Förderer sind über die Webseite verfügbar:

Die Liste von Bibliotheken und Hochschulen, die sich an der Finanzierung beteiligen, ist insgesamt nicht sehr lang.

Vorbild Österreich

Mitte Juni haben der österreiche Wissenschaftsfonds FWF und die Österreichische Universitätenkonferenz (uniko) einen Aufruf an die österreichischen Wissenschaftseinrichtungen veröffentlicht und um eine Beteiligung an der Förderung von DOAJ gebeten. In der Förderempfehlung werden zwei Argumente geliefert:

(1) Der Anteil an Open Access Publikationen wächst stetig, die Forschungsstätten richten Fonds zur Finanzierung von Publikationsgebühren ein oder gründen selbst Open Access Zeitschriften. Umso wichtiger sind verlässliche, autoritative Quellen, die die Qualität von Open Access Publikationen sichern. Das erleichtert auch die Arbeit der Forschungsstätten und Förderorganisationen und senkt Administrationskosten bei der Qualitätssicherung von Publikationen.

(2) Andere bibliographische und bibliometrische Datenbanken wie Scopus oder Web of Science werden von vielen österreichischen Forschungsstätten oft mit mehreren zehntausend Euro pro Jahr subskribiert. Mit seinen offenen Datenstandards bietet DOAJ dagegen die Perspektive, in Zukunft am Markt Alternativen zu etablieren, die langfristig zu mehr Wettbewerb und Kostensenkungen führen können.

Beiden Argumenten kann man nur zustimmen.

Ganz aktuell: Passend zur Open Access Week konnte der Wissenschaftsfonds bekanntgeben, dass der Aufruf mittlerweile die Zahl österreichischer Institutionen, die DOAJ unterstützen, auf 16 geschraubt hat. Die für zunächst zwei Jahre zugesagten 28.486 EUR pro Jahr führen dazu, dass Österreich eine führende Position beim DOAJ-Support einnimmt.

Und in Deutschland?

Aus Deutschland sind auf der Mitglieder-Seite bisher 8 Mitglieder gelistet:

  • Universitaetsbibliothek Bielefeld
  • CSL Behring GmbH
  • Elektronische Zeitschriftenbibliothek, Regensburg
  • German National Library of Medicine (Deutsche Zentralbibliothek für Medizin, ZB MED)
  • Konsortium Baden-Württemberg
  • Max Planck Digital Library
  • Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
  • Technische Informationsbibliothek und Universitätsbibliothek Hannover

Hier ist noch Luft nach oben – angesichts der Zahl der Hochschulen in Deutschland oder auch nur der Zahl derjenigen Einrichtungen, die Publikationsfonds, Repositorien oder Open-Access-Beratung anbieten. Für Interessierte: Die DOAJ-Seite führt die Mitgliedschaftskriterien auf.

Fazit

Das DOAJ ist vermutlich die am weitesten und häufigsten genutzte einzelne Informationsquelle im Bereich Open Access. An ihrer Finanzierung beteiligen sich nur wenige Institutionen. Es wird Zeit, das zu ändern.

Instituten, die das DOAJ nutzen, sollten prüfen, ob sie sich an der Finanzierung beteiligen können. Wäre das nicht eine gute Sache für die Open Access Week?

Und mit Bezug auf einen offiziellen Appell wie in Österreich: Können wir das für Deutschland auch haben?

Summary

The Directory of Open Access Journals is probably the most widely used tool in the open access landscape. It’s (partly) funded by institutional memberships. While we all use it, only a few institutions (in Germany) have agreed to fund DOAJ. It’s time to change that.

Update

20.10.2015: Ich habe versucht, auf kritische Nachfragen per Kommentar und per Twitter zu antworten (siehe Kommentar unten). Als ergänzende Lektüre zu diesem Blogpost empfehle ich einen Blick in diese Foliensätze:

Aber das soll (und darf) natürlich keine Einrichtung davon abhalten, vor einer Unterstützung nach genauen Informationen zu fragen, die die Angemessenheit des finanziellen Bedarfs, mögliche Kostensenkungen bei ausreichender Beteiligung und die Nachhaltigkeit der Förderung beurteilen helfen. Für letzteren Punkt ist ein entscheidender Punkt, dass die im DOAJ gesammelten und gepflegten Metadaten frei zugänglich und frei kopierbar sind (unter CC BY-SA 4.0, siehe https://doaj.org/faq#restrictions).

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