Grundsätze zum Umgang mit Forschungsdaten veröffentlicht

Die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen hat im Juni „Grundsätze zum Umgang mit Forschungsdaten“ verabschiedet. Auszug aus der Pressemitteilung:

„Qualitätsgesicherte Forschungsdaten bilden die Grundlage wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns. Allein in Deutschland kostet es mehrere Milliarden Euro pro Jahr, diese Ergebnisse zu erstellen. Ein großer Teil dieser Daten wird jedoch von Forschenden oder Arbeitsgruppen nach Abschluss ihrer Vorhaben nicht angemessen dauerhaft archiviert und ist daher einer späteren Wiederverwertung nicht mehr zugänglich. Hinzu kommt, dass mit Hilfe moderner wissenschaftlicher Methoden Daten in enormen Umfang erzeugt werden und adäquate informationsfachliche Methoden sowie die erforderlichen Infrastrukturen nicht ausreichend zur Verfügung stehen.“

Die Grundsätze wurden im Rahmen der Schwerpunktinitiative „Digitale Information“ veröffentlicht. Folgende Themenfelder werden aufgegriffen:

  • Sicherung und Zugänglichkeit
  • Unterschiede der wissenschaftlichen Disziplinen
  • Wissenschaftliche Anerkennung
  • Lehre und Qualifizierung
  • Verwendung von Standards
  • Entwicklung von Infrastrukturen

Diese Allianz-Grundsätze sind der bisherige Höhepunkt der Diskussion um den zeitgemäßen Umgang mit Forschungsdaten. In der Vergangenheit haben sich u.a. folgende Institutionen im Rahmen von Positionspapieren und anderen Veröffentlichungen mit dem Thema beschäftigt:

April 2010: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) verankert das Thema in ihrem „Leitfaden für Antragsteller“. (Siehe dazu auch wisspub.net)

August 2009: Die Arbeitsgruppe „Grid/eScience und Langzeitarchivierung“ des deutschen Kompetenznetzwerkes zur digitalen Langzeitarchivierung – NESTOR veröffentlicht den Bericht „Digitale Forschungsdaten bewahren und nutzen“.

April 2009: Die Arbeitsgruppe „Elektronisches Publizieren“ der Deutsche Initiative für Netzwerkinformation (DINI) veröffentlicht ihr „Positionspapier Forschungsdaten“.

Januar 2009: Der Unterausschuss für Informationsmanagement (Ausschuss für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) veröffentlicht „Empfehlungen zur gesicherten Aufbewahrung und Bereitstellung digitaler Forschungsprimärdaten“.

Juni 2008: Die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen startet die Schwerpunktinitiative „Digitale Information“. Im Handlungsfeld „Forschungsprimärdaten“ „sehen alle Wissenschaftseinrichtungen einen dringenden Handlungsbedarf “.

DFG: Regeln gegen Publikationsflut

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat heute auf einer Pressekonferenz in Berlin neue Regeln für Publikationsangaben in Förderanträgen und Abschlussberichten vorgestellt.

„Sie sehen im Kern vor, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihren Anträgen und Berichten an die DFG künftig statt beliebig vieler Veröffentlichungen nur noch wenige, besonders aussagekräftige Publikationen als Referenz nennen dürfen. So soll die immer größere Bedeutung von Publikationsverzeichnissen und numerischen Indikatoren verringert werden. Zugleich soll die eigentliche Beschreibung des Forschungsprojekts mehr Gewicht erhalten.“ (Quelle)

DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner sprach von einem „Paradigmenwechsel“:

„Wir sind uns bewusst – und wir sehen das sehr positiv – dass diese Regelungen die Arbeit, ja das ‚Leben‘ vieler Tausender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verändern werden.“ (Quelle)

Im Detail sehen die Regelungen folgende Neuerungen vor:

„Bei ihrem wissenschaftlichen Lebenslauf dürfen Antragsteller künftig insgesamt maximal fünf Veröffentlchungen anführen […]. Bei den Publikationen mit direktem Bezug zum jeweiligen Projekt dürfen künftig pro Jahr der Förderperiode nur zwei Veröffentlichungen angeführt werden. Ein Wissenschaftler, der in der Einzelförderung Fördermittel für drei Jahre beantragt, darf hier also bis zu sechs seiner Veröffentlichungen nennen. Bei mehreren Antragstellern können pro Jahr bis zu drei Veröffentlichungen angegeben werden.“ (Quelle)

Unter dem Motto „Qualität statt Quantität“ sollen die Inhalte wissenschaftlicher Publikationen stärker in den Vordergrund rücken. DFG-Präsident Kleiner:

„Ob bei der leistungsorientierten Mittelvergabe, bei Habilitationen und Berufungen und auch bei den Bewertungen von Förderanträgen – überall haben numerische Indikatoren wie der Hirsch-Faktor oder der Impact-Faktor immer mehr Gewicht bekommen. Oft lautet die erste Frage eben nicht mehr, was jemand erforscht hat, sondern wo und wie viel er publiziert hat. Das übt einen außerordentlich starken Druck auf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus, möglichst viel zu publizieren. Und es verleitet immer wieder zu Fällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens, in denen falsche Angaben zum Stand einer Veröffentlichung gemacht werden. Das alles schadet der Wissenschaft“. (Quelle)

Die neue Regelung gilt ab dem 01. Juli 2010.

Quellen: Pressemitteilung und Rede von DFG-Präsident Kleiner.

[via hdzimmermann]