Übersicht: Positionen zu Open Access in Deutschland (in Auswahl)

Im Fahrwasser einer emotionalen Diskussion um Googles Digitalisierungsprogramm wurde in den letzten Monaten eine Vielzahl von irreführenden und falschen Informationen zum Thema Open Access verbreitet.
So wird der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen in dem sogenannten „Heidelberger Appell“ unterstellt, die Wissenschaftsfreiheit in grundgesetzwidriger Weise zu beschneiden, indem sie beabsichtige wissenschaftliche Autorinnen und Autoren zu Open Access zu verpflichten.
Die Partnernorganisationen in der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen haben diese Unterstellung in einer gemeinsamen Stellungnahme zurückgewiesen.

Hintergrund der Unterstellung ist die Schwerpunktinitiative „Digitale Information“. In dieser haben die Partnerorganisationen in der Allianz beschlossen ihre Aktivitäten im Bereich der digitalen wissenschaftlichen Informationssysteme bis 2012 zu intensivieren.
Ein Blick in das Leitbild der Initiative zeigt, dass die in dem „Heidelberger Appell“ erhobenen Vorwürfe fehlerhafte Interpretationen sind.

Seit 2004 haben in Deutschland etwa 10 Hochschulen und Forschungseinrichtungen empfehlende Richtlinien zu Open Access erlassen. Keine dieser Richtlinien verpflichtet zu Open Access, sie alle haben ausschließlich empfehlenden Charakter:

Institution Auszug Jahr
Helmholtz-Gemeinschaft „Publikationen aus der Helmholtz-Gemeinschaft sollen künftig ohne Ausnahme kostenlos zugänglich sein, soweit nicht ausdrückliche Vereinbarungen mit Verlagen und anderen dem entgegenstehen.“

Quelle

2004
Georg-August-Universität Göttingen „Den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Universität wird empfohlen, sich an der Entwicklung von Open Access zu beteiligen.“

Quelle

2005
Universität Bielefeld „Das Rektorat der Universität Bielefeld fordert die wissenschaftlichen Autoren der Universität nachdrücklich auf, alle veröffentlichten, wissenschaftlich referierten Artikel (sog. „Postprint-Versionen“) als Kopie auf dem wissenschaftlichen Publikationenserver (BiPrints, ehemals: e-Scholarship Repository) der Universität abzulegen, soweit rechtliche Bedenken der Verlage nicht entgegenstehen.“

Quelle

2005
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) „Die DFG erwartet, dass die mit ihren Mitteln finanzierten Forschungsergebnisse publiziert und dabei möglichst auch digital veröffentlicht und für den entgeltfreien Zugriff im Internet (Open Access) verfügbar gemacht werden. Die entsprechenden Beiträge sollten dazu entweder zusätzlich zur Verlagspublikation in disziplinspezifische oder institutionelle elektronische Archive (Repositorien) eingestellt oder direkt in referierten bzw. renommierten Open Access Zeitschriften publiziert werden.“

Quelle

2006
Humboldt-Universität zu Berlin „Die Humboldt-Universität empfiehlt deshalb allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, ihre Beiträge in Open-Access-Journalen einzureichen sowie Monographien und Sammelwerke auf Open-Access-Plattformen zu veröffentlichen.“

Quelle

2006
Universität Potsdam „Der Senat begrüßt es, dass eine wachsende Zahl von Wissenschaftlern der Universität Potsdam alle veröffentlichten, wissenschaftlich referierten Artikel (sog. „Postprint-Versionen“) als Kopie auf dem wissenschaftlichen Publikationsserver, dem institutionellen Repositorium der Universität ablegt. Der Senat regt an, dass alle Wissenschaftler diesem Beispiel folgen, soweit rechtliche Bedenken der Verlage nicht entgegenstehen.“

Quelle

2006
Leibniz-Gemeinschaft „Forschungsergebnisse aus der Leibniz-Gemeinschaft sollten möglichst digital publiziert werden und frei zugänglich sein. Veröffentlichungsform, -ort und -weise sind den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern freigestellt. Empfohlen wird die Publikation von Forschungsergebnissen nach dem Open-Access-Modell.“

Quelle

2007
Freie Universität Berlin „Das Präsidium und der Akademische Senat der Freien Universität Berlin empfehlen daher allen Universitätsangehörigen, ihre Forschungsergebnisse und wissenschaftlichen Arbeiten auf Open-Access-Dokumentenservern zu archivieren oder in Open-Access-Zeitschriften zu veröffentlichen.“

Quelle

2008
Fraunhofer-Gesellschaft „Die Fraunhofer-Gesellschaft unterstützt uneingeschränkt die Publikation in anerkannten, begutachteten Open Access-Zeitschriften oder auf einer anderen Open Access-Plattform.“

Quelle

2008
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