Das Urheberrecht im digitalen Zeitalter

Die British Library hat eine interessante Sammlung von Essays zum UK Copyright veröffentlicht. In dreizehn lesenswerten Beiträgen beschreiben Personen aus Wissenschaft und Bildung ihre Sicht auf das Copyright. Der Titel der Publikation “Driving UK Research. Is copyright a help or a hindrance?” (PDF) macht das Spannungsfeld des Urheberrechtes im digitalen Zeitalter deutlich.

Lynne Brindley, Generaldirektorin der British Library, beschreibt im Vorwort die Relevanz des Themas:

Copyright is at the heart of our successful knowledge economy. In the 21st century, access to technology, information and knowledge are the key to economic success and are governed by our current copyright laws.
Copyright has successfully maintained a balance in the public interest for creators and researchers for 300 years – yet copyright is under threat in the digital age.
There is a supreme irony that just as technology is allowing greater access to books and other creative works than ever before for education and research, new restrictions threaten to lock away digital content in a way we would never countenance for printed material.
Let’s not wake up in five years’ time and realise we have unwittingly lost a fundamental building block for innovation, education and research in the UK. Who is protecting the public interest in the digital world? We need to redefine copyright in the digital age and find a balance to benefit creators, educators, researchers, the creative industries – and the knowledge economy.

Auf eine weitere interessante Veröffentlichung zum Thema weist Netzpolitik.org hin: Die Forschungsabteilung der Deutschen Bank „Deutsche Bank Research“ befasst sich in einer Analyse (PDF) aus dem Juli mit dem Urheberrecht im digitalen Zeitalter. Die Studie kommt zu einigen lesenswerten Ergebnissen. Beispiel:

Die Öffnung von Wertschöpfungsnetzwerken und das damit einhergehende, steigende Angebot digitaler, freier Inhalte (z.B. eGovernment, Wikis, Open Design, Open Music, Open Science, Open Access) sorgt für eine gestaltungsfreiere Dimension des Internets. Es entstehen neue Anwendungen im Wissensmanagement, der Technologietransfer wird stimuliert und für Selbständige eröffnen sich neue Geschäftsideen. Der Austausch von Informationen wird schneller und effizienter. Dadurch entsteht eine größere Wissensallmende, die einer breiteren Bevölkerungsschicht zugutekommt.

Literatur:

British Library: Driving UK Research. Is copyright a help or a hindrance? London : British Library, 2010. Online.

Dapp, T. F. : Der Pirat in uns. In den Tiefen des Urheberrechts. Frankfurt am Main : Deutsche Bank Research, 2010. Online.

Open Access: Zweitveröffentlichungsrecht gefordert

Im Nachgang zu der gestrigen Anhörung des Bundesjustizministerium zum Thema Open Access fordern Grüne, SPD und Union eine Zweitveröffentlichungsrecht für wissenschaftliche Urheber:

Bündnis 90/Die Grünen: „Wissen als Ressource der Informationsgesellschaft nutzbar machen“, 13.07.2010

CDU/CSU: „Kretschmer/Schipanski: Open Access mit Zweitveröffentlichungsrecht flankieren“, 13.07.2010

SPD: „Zweitverwertungsrecht fuer freien Zugang zu Wissen ermoeglichen und wissenschaftliche Autoren staerken„, 14.07.2010

Spiegel Online greift das Thema heute in einem Artikel auf: „Union will Urheberrecht von Forschern stärken„.  Auf heise.de berichtet Stefan Krempl unter dem Titel „CDU/CSU und Grüne für mehr Freiheiten bei wissenschaftlichen Publikationen„. Auf iRights.info gibt Matthias Spielkamp einen Einblick in die Diskussion.

„Yes, we are open – Wissenschaft, E-Books und das Urheberrecht“

Es war der Titel der Veranstaltung, der mich bisher abgeschreckt hat. Aber: Die Aufzeichnung des 52. Zukunftsgespräches ist durchaus hörenswert.

Am 02.03.2010 diskutierten:

  • Claudia Lux (Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin)
  • Katja Mruck (Freie Universität Berlin, CeDiS)
  • Eric Merkel-Sobotta (Springer Science+Business Media)
  • Florian R. Simon (Duncker & Humblot Verlag)

über die Zukunft der wissenschaftlichen Informationsversorgung.

Neben den Themenfeldern Open Access und Urheberrecht wurde u.a. das zukünftige Rollenverständnis von Bibliotheken und Verlagen thematisiert.

Insbesondere die Beiträge von Mruck („[…] das Buch ist die Postkutsche der Zukunft.“) und Merkel-Sobotta („Wir nutzen Google Book Search als eines der wichtigsten Marketingtools […]„) sind interessant.

Zur Aufzeichnung.

Die Veranstaltungsreihe Zukunftsgespräche wird von der Berliner Landesinitiative Projekt Zukunft in Zusammenarbeit mit dem Inforadio veranstaltet.