DFG verankert Open Access verbindlich in Förderprogramm

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert seit Mitte der 1990er-Jahre die Entwicklung digitaler Informationsinfrastrukturen für die Wissenschaft. Mit den beiden Förderprogrammen “Elektronische Publikationen” und “Wissenschaftliche Zeitschriften” wurden in der Vergangenheit wichtige Impulse zur Förderung von Open Access in Deutschland gesetzt.

Infrastruktur für elektronische Publikationen und digitale WissenschaftskommunikationBeide Programme wurden jetzt in ein überarbeitetes und erweitertes Förderprogramm namens “Infrastruktur für elektronische Publikationen und digitale Wissenschaftskommunikation” überführt. Das DFG-Merkblatt 12.11 (PDF) informiert über die Ziele und die Bedingungen des Programms.

Äußerst begrüßenswert ist, dass die DFG dieses neue Programm mit einer verbindlichen Open-Access-Policy verknüpft. So heißt es im Absatz 2.2.2 der Förderbedingungen:

“Die in den Projekten erstellten Inhalte und alle aus Projekten resultierende Publikationen müssen grundsätzlich über das Internet für alle Nutzer und Nutzerinnen weltweit frei verfügbar sein (Open Access) und dauerhaft zugreifbar bleiben. Wo immer möglich, kennzeichnen eindeutige Lizenzen, in welchem Umfang die Nachnutzbarkeit von Publikationen bzw. einzelner Teile von Publikationen gewährleistet ist.”

Open Access in einem Förderprogramm zur digitalen Wissenschaftskommunikation verbindlich zu verankern ist natürlich ein äußerst naheliegender Schritt, der auch in der betroffenen Community auf viel Zustimmung treffen wird. Wünschenswert wäre, dass die DFG diese Open-Access-Bedingung in all ihren Programmen verankert und somit ihre Empfehlung für Open Access aus dem Jahr 2006 in eine verbindliche Richtlinie überführt.

Bereits 2013 hat die Helmholtz-Gemeinschaft Open Access verbindlich in ihrem Förderprogramm “Impuls- und Vernetzungsfonds” verankert. In Deutschland arbeitende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden bereits seit längerem durch die Open-Access-Politik der europäischen Forschungsförderung (ERC, FP7 und HORIZON 2020) mit verpflichtenden Open-Access-Bedingungen konfrontiert.

Alle genannten Richtlinien können sowohl durch den Grünen Weg (Selbstarchivierung), als auch durch den Goldenen Weg (Open-Access-Zeitschriften) umgesetzt werden. Vermehrt gewinnen auch Richtlinien an Bedeutung, die den Goldenen Weg präferieren, so z.B. die Open-Access-Richtlinien des CERN und der Gates Foundation.

Disclosure: Ich arbeite für die Helmholtz-Gemeinschaft.

Neue Open-Access-Policy des FWF: ein wichtiger Schritt

Der österreichische Wissenschaftsfonds (FWF) hat seine Open-Access-Policy erneuert. Mit einer klaren Verpflichtung, mit der Kappung von APC, mit Verschärfungen bei Forschungsdaten, aber auch mit der Ausweitung über Zeitschriftenartikel hinaus setzt der FWF Zeichen in Sachen Open Access.

In Ergänzung zur ersten positiven Rezeption gibt es aber auch problematische Stellen.

Open-Access-Policy des FWF

Die Open-Access-Policy des FWF beinhaltet eine Verpflichtung zu Open Access für alle Publikationen, die aus FWF-geförderten Projekten hervorgehen. Dies ist nicht neu, wird jedoch jetzt stärker hervorgehoben, kontrolliert und präzisiert. Neue Regelungen sind hinzugekommen, andere leicht verändert worden.

Die Policy beginnt mit der Verpflichtung und verspricht Unterstützung:

In diesem Sinn verpflichtet und fördert der FWF alle ProjektleiterInnen und ProjektmitarbeiterInnen, ihre referierten Forschungsergebnisse im Internet frei zugänglich zu machen.

Dazu stehen drei Möglichkeiten offen, die die gängigen Wege zu zumindest kostenlosem Zugriff aufzeigen: direkte Open-Access-Veröffentlichung (z.B. in einer Open-Access-Zeitschrift) (“Gold Open Access”), Freikauf von Beiträgen in Subskriptionsmedien (“Hybrid Open Access”) oder Archivierung einer Version der andernorts veröffentlichten Publikation auf einem Repositorium (“Green Open Access”).

Dabei gelten unterschiedliche Anforderungen:

  1. Gold: Hohe Anforderungen werden an die Offenheit gestellt, insbesondere gibt es eine Verpflichtung zur Verwendung von CC-BY-Lizenzen (oder mindestens gleich offenen Lizenzen), zur Erfüllung aller (neuen) DOAJ-Kriterien, und es wird gewünscht, dass die in How open is it? genannten Kriterien jeweils maximal offen erfüllt sind.
  2. Hybrid: Es gelten alle oben genannten Qualitätsanforderungen an “goldene” Veröffentlichungen, zusätzlich wird erwartet, dass die Publikationsmedien in den kommerziellen Datenbanken Web of Science oder Scopus gelistet sind.
  3. Green: Die vom Verlag akzeptierte Fassung der Publikation kann in einem Repositorium archiviert werden. Nur falls der Verlag eine sofortige Archivierung verbietet, darf ein Embargo akzeptiert werden; dies “sollte” nicht länger als 12 Monate sein. Der FWF spricht hier durchgängig von “Selbstarchivierung” (interessant evtl. im Fall der leicht problematischen Repository-Ablage durch den Verlag).

Der Wissenschaftsfonds unterstützt die Open-Access-Verpflichtungen durch die Kostenübernahme von Open-Access-Publikationskosten, insbesondere von APC und flankierende Maßnahmen wie zentral verhandelte Rabatte oder eine zentrale Kostenübernahme durch den FWF.

Was ist neu?

Klare Neuerungen gibt es in einigen Bereichen:

  • Verpflichtung zur liberalen CC-BY-Lizenz
  • Kappung der APC bei “Gold Open Access” und (deutlich niedriger) bei “Hybrid Open Access”
  • Open-Access-Beleg ist obligatorischer Teil des Abschlussberichts
  • Archivierung im Repositorium unabhängig von der gewählten Option (= für alle Publikationen)
  • obligatorische und schnellere Veröffentlichung von Forschungsdaten unter maximal freien Lizenzen

Bei der Verwendung freier Lizenzen zur optimalen Offenheit und Nachnutzbarkeit ist aus einer leichten (“sollen”) eine harte (“in jedem Fall ist…”) Verpflichtung zur CC-BY-Lizenz (oder vergleichbar) geworden, die als einzige CC-Lizenz ohne weitere Einschränkungen daherkommt. Als weiterer Qualitätsaspekt ist im Fall von Zeitschriftenartikeln die Listung des jeweiligen Mediums im DOAJ hinzugekommen, womit implizit eine ganze Reihe weiterer Kriterien für die Zeitschrift gelten hinsichtlich etwa Transparenz und Qualitätssicherung.

Leider gibt es hier eine sprachliche Ungenauigkeit: In der Policy heißt es (in dieser Form auch in der englischen Übersetzung):

In jedem Fall ist für die Publikation die Creative Commons Attribution CC-BY Lizenz (oder gleichwertige offene Lizenz) zu verwenden.

In der zugehörigen Pressemitteilung taucht die Formulierung auf:

Ab 1.1.2015 muss für alle geförderten Publikationen das offene Lizenzmodell (Creative Commons License) CC-BY verwendet werden.

Ich interpretiere dies so, dass für sämtliche Publikationen, die aus dem geförderten Projekt erfolgen, eine CC-BY-Lizenz gewählt werden muss. In der englischen Fassung (die sich auch ansonsten leicht unterscheidet) heißt es hingegen:

The Creative Commons Licence CC BY licence is compulsory for all publication formats whenever the FWF has covered the costs.

Ob nun also die CC-BY-Verpflichtung durch die Übernahme von APC entsteht oder bereits durch Förderung des zugrundeliegenden Projekts (was z.B. im Fall, dass keine APC anfallen oder von den Projektbeteiligten aus anderen Quellen aufgebracht werden, relevant sein könnte), ist zumindest mir unklar.

Hybride Medien, die im Regelfall kostenpflichtig zugänglich gemacht werden, aber optional den Freikauf einzelner Beiträge anbieten, sind nun als gesonderter Punkt aufgeführt, nicht mehr als Teil von “Gold Open Access”, was durchaus sinnvoll ist. Dass die Kosten hier deutlich niedriger gedeckelt sind als bei reinen Open-Access-Publikationen, ist interessant und wird die meisten Verlagsmodelle vor Herausforderungen stellen, weil dort die hybriden APC eher höher sind als die APC für eine Open-Acces-Zeitschriften.

In beiden Fällen lässt der FWF aber zu, dass etwaige höhere APC bezahlt werden, wenn die Autor/innen die maximale FWF-Förderung aus den Grundmitteln des Projekts oder aus anderen Mitteln aufstocken, so dass die Wirkung der zunächst Kostendeckelung sehr einfach verpuffen könnte.

Vielleicht die stärkste Neuerung ist die Verpflichtung, die Erfüllung der Open-Access-Anforderungen im Endbericht an den FWF nachzuweisen – so wird die Einhaltung überprüfbar. Dabei sollen alle Publikationen im Volltext über einen persistent identifier aufrufbar sein, was auch an dieser Stelle eine weitere Qualitätsanforderung an die möglichen Publikationsorte einführt. (Und, dies nur am Rande, auch Repositorien vor Herausforderungen stellt, die keine eigenen persistenten Identifier vergeben oder Autor/innen empfehlen, zur Zitation den Identifier der zugehörigen Verlagspublikation zu verwenden.) Konkret heißt es:

Wie auch bei anderen Förderern üblich, werden ab 1.1.2016 nunmehr aber keine Endberichte mehr abgenommen, in denen nicht alle referierten Publikationen als Open Access ausgewiesen sind.

Und schließlich ist die Anforderung, auch die direkten Open-Access-Veröffentlichungen z.B. in Open-Access-Zeitschriften oder hybriden Zeitschriften zusätzlich auch in Repositorien zugänglich zu machen, eine sinnvolle Ergänzung, weil sie eine gute Abdeckung fachlicher oder institutioneller Publikationskonvolute durch Repositorien erleichtert und Repositorien als Bezugsquelle für Publikationen stärkt.

Forschungsdaten waren bisher schon Thema in der Policy, allerdings sind hier die Erwartungen etwas gesteigert worden: Forschungsdaten müssen veröffentlicht werden, geeignete Orte sind zu wählen, und sie dürfen keinen Einschränkungen der Wiederverwendung unterliegen! Außerdem soll die Datenveröffentlichung schneller erfolgen: Daten, die zu Publikationen gehören, sollen bereits mit Erscheinen der Publikation zugänglich gemacht werden (bisher: “mit der Publikation […], spätestens aber zwei Jahre nach Projektende”), Daten, die nicht für Textpublikationen verwendet worden sind, sollen spätestens zwei Jahre nach Projektende frei veröffentlicht werden.

Aber auch einige Details der Policy könnten sehr wirksam werden:

  • Empfehlung bzw. (ab 2016) Verpflichtung, ORCID zur Identifikation der Autor/innen zu benutzen
  • Verpflichtung zur konsistenten Nennung und vorgegebenen Schreibweise der Projektförderung (dies war bereits in der alten Policy enthalten)
  • Auch Kosten für “Aufbereitung, die Archivierung, den offenen Zugang und die Nachnutzung von Forschungsdaten” sollen künftig mit beantragt werden.
  • Nur für Life Sciences: Alle Publikationen müssen in Europe PubMed Central frei zugänglich gemacht werden. (Dies war bisher nur eine Aufforderung, keine Verpflichtung.)

An manchen Stellen sind Verpflichtungen entschärft oder ganz entfernt worden:

  • Bisher war die weiche Verpflichtung (“sollten”) zu Embargofristen strenger: Das Embargo sollte maximal 6 Monate betragen, nur in Ausnahmefällen 12 Monate, und wenn es länger wäre, musste der FWF vorab kontaktiert werden und eine Begründung im Abschlussbericht geliefert werden. Nun sind es maximal 12 Monate, und Abweichungen werden nicht mehr problematisiert (dafür wird jetzt gefordert, dass im Fall längerer Embargofristen lieber ein anderer Ort für die Verlagsveröffentlichung gesucht werden soll).
  • Auch die Lizenzanforderung (“zumindest die Lizenz CC BY-NC”) für Repositorienveröffentlichungen ist entfernt worden, was sinnvoll klingt: Die Lizenz ist für Open Access nicht geeignet, sie wird aber ungeachtet dessen für Zweitveröffentlichungen ohnehin oft nicht in Frage kommen (weil der Verlag das Recht dazu nicht einräumt).
  • Die Open-Access-Verpflichtung gilt nun nur für “referierte” Veröffentlichungen (vermutlich ist dies implizit auch vorher so verstanden worden).

Schritt in die richtige Richtung

Der FWF gibt als Begründung für die Überarbeitung an:

u.a. die Studie Developing an Effective Market for Open Access Article Processing Charges (beauftragt vom FWF, Wellcome Trust, Research Councils UK u.a.), die Analyse der FWF-Publikationskosten sowie die internationalen Entwicklungen

Mit den Neuerungen gibt der FWF – bereits in der Vergangenheit Pionier in Sachen Open-Access-Policy – Antworten auf momentane Herausforderungen: hohe Kosten für APC, insbesondere bei hybriden Zeitschriften, mangelnde Übersicht über die Erfüllung von Open-Access-Anforderungen, stärkere Nachfrage nach ‘echtem’ Open Access mit freien Lizenzen.

Kosten für begutachtete unselbständige Publikationen können wie gehabt auch noch nach Projektende beantragt werden, für selbstständige Publikationen (nicht nur Monografien, auch “wissenschaftliche Datenbanken” und “sonstige webbasierte Formate” können über das gesonderte Programm Selbstständige Publikationen beantragt werden, das in diesem Sinne erweitert worden ist: “bspw. Apps, Wiki-Modelle, wissenschaftlich kommentierte Datenbanken oder Websites; Audio-, Video- oder animierte Publikationen”. Hierfür können bis zu 18.000 EUR beantragt werden. Hier wird eine sehr sinnvolle Ausweitung vorgenommen, die hoffentlich auch für spannende neue Formate genutzt werden wird und nicht nur dafür genutzt wird, Verlagen die Open-Access-Rechte ‘abzukaufen’.

Der Umgang mit ‘hybriden’ Publikationen ist ein Thema für Dauerstreit und wilde Diskussionen. Verhindert dieser optionale Freikauf von einzelnen Artikeln eine Transformation zu Open Access oder ist es im Gegenteil ein möglicher Weg zur Umstellung auf komplett Open Access? In jedem Fall ist es eine sehr teure Angelegenheit, selbst wenn man den Nutzen durch einzelne Freistellung schätzt. In vielen Fällen ist für hybrides Open Access mehr (APC) gezahlt worden als für Beiträge in echten Open-Access-Zeitschriften (wofür es durchaus Gründe geben mag). Aus diesem Grund ist es zu begrüßen, dass der FWF hier eine deutliche Kostengrenze eingezogen hat, die klar unter der Obergrenze für echte Open-Access-Artikel liegt. Interessant wäre es zu sehen, wie viele der bisher geförderten Artikel damit herausgefallen wären.

Die Möglichkeit, auch über die ohnehin schon relativ üppige Deckelung (2500 EUR pro Artikel bei reinen Open-Access-Zeitschriften) hinauszugehen und die APC aus ebenfalls vom FWF bezogenen Grundmitteln aufzustocken, halte ich für wenig sinnvoll und insofern für unnötig gefährlich, als dass sie Verlagen die Option gibt, Druck auf Autor/innen auszuüben, damit diese die Aufstockungsmittel herbeischaffen. Wäre die Kostendeckelung unumgänglich, hätten vom FWF geförderte Autor/innen eine klarere Verhandlungsposition gegenüber möglichen Publikationsorten, ähnlich wie bei der harten CC-BY-Verpflichtung.

Die Open-Access-Verpflichtung ist schärfer, als sie beispielsweise die DFG in Deutschland praktiziert, aber immer noch einfach zu erfüllen, da Archivierung im Repositorium mit Embargo ein möglicher Weg ist. Gerade weil durch die Aktivitäten des FWF im Hinblick auf Kostendeckelung und zentrale Kostenübernahme das Feld des APC-finanzierten Open Access gestärkt werden soll und gleichzeitig und fast noch zu wenig auf kostenfreie Möglichkeiten des goldenen Open Access hingewiesen wird, verwundert es etwas, dass die Alternative in Form von Selbstarchivierung hier noch erleichtert wird durch die Abmilderung der Embargo-Anforderungen.

Entscheidend für den Erfolg solcher Policies dürfte zweierlei sein:

  1. Ob es eine Form von Kontrolle gibt, dass die Verpflichtungen eingehalten werden. Hieran kranken vermutlich viele existierende Policies, egal, wie scharf sie formuliert sind. Mangels konkreter Zahlen bleibt Unsicherheit und der Eindruck, dass Open-Access-Anforderungen vielfach nicht besonders ernst genommen werden (müssen) durch die Autor/innen. Hier zeigt der FWF mit der Verschärfung der Berichtspflichten ein sehr gutes Signal; dass das Problem bekannt ist, zeigt z.B. die Aufstellung zu Monitoring Open Access des FWF. Leider gibt es keine Ausführungen dazu, ob es künftig eine Bibliografie aller Projektveröffentlichungen geben wird, um mehr Transparenz herzustellen. (Für die im Jahr 2013 gezahlten APC hat der FWF eine Komplettveröffentlichung vorgelegt.
  2. Ob es gute Angebote gibt, die bei der Erfüllung helfen: gut sichtbare Repositorien, finanzierbare Open-Access-Medien, finanzielle Unterstützung kostenpflichtige Open-Access-Veröffentlichungen, Transformationsdruck auf Verlage. Auch auf dieser Ebene sieht das gutaus, was der FWF vorgelegt hat.

Im Spektrum der verschiedenen Richtlinien von Förderorganisationen (vgl. SHERPA/JULIET) geht die neue Policy des FWF über das Maß der meisten existierenden Instrumente hinaus und greift dabei die aktuell drängenden Fragen auf. Ob die Unterstützungsinstrumente greifen und v.a. ob die neue Policy zu einer hohen Compliance und einem steigenden Open-Access-Anteil führen wird, wird man sehen. In jedem Fall hat der FWF das Maß, an dem sich neue Richtlinien orientieren sollten, weiter nach oben geschoben.

Das Ende von Open Medicine: Idealismus alleine reicht auf Dauer nicht

Nach 7 Jahren mit 31 Ausgaben schliesst das kanadische Journal Open Medicine. Das Journal entstand 2007 nach Streitigkeiten des Editorial Boards zur inhaltlichen Unabhängigkeit des Journal of the Canadian Medical Association, CMAJ.

Im Editorial der letzten Ausgabe erwähnen die Herausgeberinnen die fehlende finanzielle Nachhaltigkeit als Hauptgrund.

Had we a crystal ball in 2006, what would we have done differently? There is no question that financial sustainability has been foremost in our minds. Although we have attempted to pay modest stipends for journal operations, neither our scientific editors nor our editors-in chief have been compensated, and most of our administrative and production staff have volunteered much of their time. For fear of turning away authors, we delayed instituting publication charges until quite late in the game. As researchers, we struggled to be good fundraisers, communication specialists, information technology and web developers, and public relations experts. As busy doctors, we struggled to create space in our lives to accommodate our enthusiasm for what was possible.

[…]

Launching and running a medical journal is more work than it might seem. Based on our previous experiences, we thought we might need operational funding of about $3 million dollars per year. Ultimately, by dint of optimism and volunteerism, we were able to run the journal and publish articles for a tiny fraction of that. We built upon the Public Knowledge Project’s Open Journal System, the open source platform whose development was led by our friend and publisher John Willinsky, and which now hosts over 7000 open access journals in 105 countries. We were also accepted for indexing in PubMed after three short years; this was no small achievement We had immense support from Canadian research libraries, thanks to their own commitment to making knowledge freely available and their frustration with ever-escalating fees for bundled journal subscriptions. We also had contributions from our own colleagues and institutions to build on in our early years. Finally, thousands of volunteer hours were generously given to journal logistics, technical support, and web design, not to mention what accrued from the editorial and communications expertise of team members and the contributions of our valued bank of peer reviewers.

[…]

Despite everyone’s best intentions, it was challenging for a small team to keep stoking the interest and engagement of the general academic community, and it was difficult to recruit members to our editorial board and board of directors who could provide the kind of hands-on involvement that our small but ambitious operation required. Academic medicine has been slow to recognize the importance of stepping out of the comfort zone of traditional publishing: unfortunately, the benefits of disseminating information freely still takes second place to the allure of publishing in a prestigious forum, however difficult that forum may be for readers to access. .

Die Inhalte des Journals sind weiterhin über die Journalwebsite oder PubMed Central zugänglich.

Offenlegung von Open-Access-Publikationsgebühren in Deutschland

Die Geschäftsmodelle des Goldenen Weges des Open Access verlagern die Finanzierung: wissenschaftliche Einrichtungen und Fördererorganisationen (z. B. die DFG und die EU) stellen Mittel bereit, um Publikationen bereits bei der Veröffentlichung im Rahmen sogenannter Publikationsgebühren (auch Article-Processing Charges, APCs genannt) zu finanzieren. Dazu betreiben wissenschaftlichen Einrichtungen häufig sogenannte Open-Access-Publikationsfonds. Über diese wird der Umgang mit den Publikationsgebühren gemanagt. Zudem wird eine Vielzahl von Open-Access-Zeitschriften als Teil wissenschaftlicher Aktivitäten einzelner Organisationen herausgegeben und finanziert.

Eine Reihe von wissenschaftlichen Institutionen in Deutschland hat jetzt begonnen Angaben zur Höhe bezahlter Open-Access-Publikationsgebühren offenzulegen. Anliegen ist es, bezahlte “Open-Access-Publikationsgebühren der Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland umfassend zu dokumentieren” und damit einen Beitrag zu einer transparenten Entwicklung des goldenen Open-Access-Publizierens zu leisten.

Auf Initiative der Universität Bielefeld und unter Koordination der Arbeitsgruppe “Elektronisches Publizieren” der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation (DINI) wurden die Daten von sieben wissenschaftlichen Einrichtungen auf GitHub , unter einer offenen Lizenz, zugänglich gemacht.

Folgende Visualisierung zeigt die Verteilung der bezahlten Open-Access-Publikationsgebühren auf die beteiligten Einrichtungen:

Verteilung: Open-Access-Publikationsgebühren pro Verlag

Verteilung: Open-Access-Publikationsgebühren pro Verlag

Der Datensatz umfasst aktuell 1.432 Open-Access-Artikel von sieben Institutionen im Umfang von 1.732.556 Euro. Wünschenswert ist, dass sich weitere Einrichtungen der Initiative anschließen.

Ähnliche Entwicklungen gibt es z. B. auch in Großbritannien. Eine Initative des Wellcome Trust im Frühjahr 2014 hat dort zu einer breiten Offenlegung der Zahlen geführt.

Open-Access-PublikationsfondsDie Gestaltung eines nachhaltigen Open-Access-Publikationssystems ist eine zentrale Herausforderungen für wissenschaftlichen Einrichtungen und ihre Bibliotheken. Im Rahmen der diesjährigen Open-Access-Week veröffentlichte die Arbeitsgruppe Open Access in der Schwerpunktinitiative “Digitale Information” der Wissenschaftsorganisationen eine Broschüre zum Thema “Open-Access-Publikationsfonds” (PDF). Ziel von Publikationsfonds ist es, den Transformationsprozess von subskriptionsbasiertem zu Publikationsgebühren-basiertem Open-Access-Publizieren effizient und nachhaltig zu gestalten. In der Broschüre wird erläutert, welchen Zielen Open-Access-Publikationsfonds dienen und was bei ihrem Aufbau und Betrieb beachtet werden sollte.

Anliegen der Wissenschaft ist es, den Transformationsprozess von Subskription zu Open Access aktiv zu gestalten und den sich formierenden Open-Access-Publikationsmarkt im Sinne der Wissenschaft zu realisieren. Die Wissenschaftsverlage haben den Wunsch nach Open Access längst erkannt. Jedoch ist nicht jedes Verlagsangebot wissenschaftsadäquat. Vor diesem Hintergrund wurden z. B. in der Helmholtz-Gemeinschaft Kriterien zum Umgang mit Open-Access-Publikationsgebühren erarbeitet. Z. B. sind sog. „hybride“ Modelle, bei der einzelne Beiträge in einer nicht-Open-Access-Zeitschrift durch den Publizierenden „freigekauft“ werden können, problematisch, da sich Verlage mit diesem Modell – zusätzlich zur Subskriptionsgebühr –  eine weitere Einnahmequelle sichern (sog. „double dipping“).

Disclosure: Ich arbeite für die Helmholtz-Gemeinschaft und bin Mitglied in den beiden genannten AGs.

(Crosspost von ALBERTopen.)

Update,  07.11.2014, 13:37: Bereits im April 2014 hat der FWF – Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung in Österreich Daten über bezahlte Open-Access-Publikationsgebühren veröffentlicht. Siehe: DOI:10.6084/m9.figshare.988754

Berlin bringt Open-Access-Strategie auf den Weg

Bereits im Mai hat das Abgeordnetenhaus Berlin einstimmig einen Antrag zur Entwicklung einer Open-Access-Strategie für das Land Berlin verabschiedet. Mit diesem Schritt will Berlin den offenen Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen, die an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen der Hauptstadt entstehen, vorantreiben. In dem Antrag (PDF) heißt es:

“Die wissenschaftlichen Einrichtungen in Berlin werden aufgefordert, eigene Open-Access-Strategien zu erarbeiten, um sicherzustellen, dass wissenschaftliche Publikationen und andere digitale Objekte wie z. B. Forschungsdaten oder wissenschaftliche Software, die im Rahmen der wissenschaftlichen Arbeit entstehen, für jedermann zugänglich und nachnutzbar gemacht werden.”

Zur Förderung dieses Ziels soll ein “Open-Access-Netzwerk aus Vertretern der wissenschaftlichen Einrichtungen” installiert werden. Dieses Netzwerk soll durch ein “Open- Access-Büro” unterstützt werden. Weiter soll die Vernetzung der Repositorien zur Schaffung eines “Open-Access-Portal” geprüft werden. Darüber hinaus eröffnet der Antrag die Möglichkeit das Thema Open Access in den Hochschulverträgen und den Förderbedingungen des Landes Berlin zu verankern.

Mit diesem wichtigen Schritt setzt das Land Berlin Empfehlungen der EU-Kommission und der Internet-Enquete um. Auch wird das “G8 Science Ministers Statement” aus dem letzten Jahr aufgegriffen, in dem die Bedeutung von Open Access betont wird. Besonders erfreulich ist, dass das Thema im zuständigen Ausschuss für Wissenschaft und im Plenum des Abgeordnetenhaus im parteipolitischen Konsens auf den Weg gebracht wurde. Siehe dazu: Plenarprotokoll, 22.05.2014.

Der Abgeordnete Martin Delius (Piratenpartei) beschreibt seine Sicht auf das Anliegen in einem Blogpost.

In der Vergangenheit haben bereits andere Bundesländer das Thema in ihren Regularien verankert. U.a. Baden-Württemberg in seinem Landeshochschulgesetz (2014) und Brandenburg im dortigen Hochschulgesetz (2009).

Aktuell wird das Thema auch in Schleswig-Holstein auf Landesebene diskutiert. Auf Bundesebene hat die Große Koalition die Entwicklung einer umfassenden Open-Access-Strategie angekündigt.

Schweizer Verlage – Das letzte Aufbäumen vor Open Access

Mehr Gold und Grün beim SNF

Es waren wegweisende Neuigkeiten, die der Schweizerische Nationalfonds (SNF) am 16. April 2014 für den Sommer ankündigte. Ab Juli verlangt der SNF bei von ihm mitfinanzierten Buchpublikationen, dass diese nach einer Sperrfrist von längstens 24 Monaten auf einem institutionellen oder fachspezifischen Repositorium frei zugänglich sind. Gleichzeitig stellt der SNF Forschenden in Aussicht, dass diese für eine gut ausgestattete Open Access Publikation (enriched-E-Book) bis zu CHF 20‘000.- Förderung beantragen können. Anstatt sich über diese aussichtsreichen Neuigkeiten zu freuen, wurde von Claude P. (offenbar Mitarbeiter von Editions Antipodes) eine Petition ins Netz gestellt, in der “Schweizer Verlage im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften” an Forschende appellieren, den SNF dazu zu bringen, von dieser neuen Regelung abzusehen. Welche Verlage oder Personen hinter dieser Petition stehen wird nicht erwähnt und war auf Anfrage bei Claude P. nicht zu erfahren. Gemäss neueren Meldungen bei boersenblatt.net und NZZ gehören die Verlage Schwabe und Chronos dazu.

Datenbanken chancenlos gegen das gedruckte Buch

Wie eine unmittelbare Reaktion des SNF darlegt, enthält die Petition einige Missverständnisse und falsche Darstellungen. Aber auch ohne diese Klarstellung ist die Argumentation in manchen Darstellungen nicht überzeugend. Mein persönlicher Favorit:

Die Rolle der Verlage besteht im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften auch darin, Werke einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, um gesellschaftliche Phänomene, soziale Prozesse und Debatten zu beleuchten bzw. anzustossen. Ohne diese von den Verlagen geförderte Verbreitung würden die genannten Bücher auf Datenbanken liegen, die einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt sind.

Es ist schon eine dreiste Realitätsverweigerung, wenn die Petitions-Urheber die Vorteile des Internets, wie sie in der Berlin Declaration von 2003 klar zum Ausdruck kommen und von allen Schweizer Hochschulen angestrebt werden, mit dem “Liegen auf einer Datenbank” vergleichen. Das Gegenteil ist doch der Fall. Inhalte die eben nicht elektronisch und frei zugänglich gemacht werden, sondern nur gedruckt in einer Bibliothek stehen, haben zunehmend kaum noch eine Chance von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Verlage die heute wissenschaftliche Inhalte weder elektronisch noch frei zugänglich machen, nehmen ihre Rolle, die sie sich auf die Brust schreiben nicht wahr.

Zeichen der Zeit verpasst

Aber auch die Empörung über diesen “schnellen” Entscheid des Nationalfonds und die Forderung die neue Regelung hinauszuschieben ist unverständlich. Seit der Berlin Declaration sind bereits über zehn Jahre vergangen. Seit 2012 bietet die Hauptbibliothek der Universität Zürich unabhängig vom SNF einen Open Access Publikationsfonds für die Geistes- und Sozialwissenschaften an. Eigentlich mehr als genug Zeit um die Vorzeichen richtig zu deuten und neue Geschäftsmodelle anzubieten. Ein Blick in das Directory of Open Access Books (doab) zeigt deutlich, dass andere Verlage in den Geistes- und Sozialwissenschaften, darunter auch traditionelle wie Böhlau, Brill oder De Gruyter es besser verstanden haben auf die Open Access Forderungen zu reagieren. Für Sven Fund, Geschäftsführer von De Gruyter gehört übrigens Open Access schlicht in das Angebotsportfolio eines Wissenschaftsverlages. Diese Petition, die übrigens mit keinem Wort die neuen grosszügigen Fördermöglichkeiten des SNFs für den goldenen Weg erwähnt, ist klar als das letzte Aufbäumen ewiggestriger Verlage vor dem unweigerlichen Wechsel zu Open Access abzutun. Allerdings wird die Petition mit der polemischen Angstmacherei, es werden künftig keine Bücher mehr gedruckt, bei einigen konservativen Forschenden tatsächlich Erfolg haben.

So schnell verschwindet das gedruckte Buch nicht

So meldete sich Ulrike Landfester, Prorektorin und Professorin für Deutsche Sprache und Literatur an der Universität St. Gallen im lokalen Tagblatt zu Wort. Indem der SNF nur noch Prozesse der Druckvorstufe fördert, aber nicht mehr die Druckkosten selber, befürchtet sie, dass künftig keine Bücher mehr gedruckt werden und dadurch ein elementares Bedürfnis der Geistes- und Sozialwissenschaft nicht mehr abgedeckt wird. Für Landfester, scheint es einen Unterschied in der Rezeption zu machen, ob man den identischen Inhalt auf Papier oder auf einem Kindle/iPad/Tolino usw. liest. Sie möchte deshalb, dass weiterhin nicht nur die Herstellung eines Buches, sondern auch explizit der Druck gefördert wird. Dabei deutet allerdings vieles drauf hin, dass der Druck dank “Print on Demand”-Technik bei genügend grosser Nachfrage kaum verschwinden wird. Bei Springer beispielsweise kann man jedes e-Book für $25 als gedruckte Version bestellen. Auch lässt sich anhand der Open Access Titel bei Böhlau feststellen, dass eine Förderungspolitik, wie sie nun vom SNF angekündigt wurde und in Österreich beim FWF mit einer ähnlichen Regelung schon aktiv ist, dazu führt, dass die Monografien/Sammelbände weiterhin als gedruckte Bücher erhältlich sind. Ob langfristig gedruckte Bücher noch im grossen Stil von privaten Kosumenten und vorallem von Bibliotheken gekauft werden, sobald sie Open Access vorliegen ist eine andere Frage. Zurzeit sind die Geschäftsgänge von Bibliotheken noch stark auf gedruckte Bücher ausgerichtet, so dass es für Bibliotheken aktuell einfacher ist, die Print Version zu kaufen und es reine OA-Publikationen bei der Bibliothek schwer haben. So berichtete beispielsweise der britische Open Book Publisher an der letzten OAI-Konferenz, etwas verzweifelt von seinen Versuchen Inhalte in die Bibliothekskataloge zu bringen. Wenn man zudem sieht, wie schwer sich einige Bibliotheken tun, den heute eigentlich überflüssigen Dissertationstausch einzustellen, kann man sich gut vorstellen, dass OA-Bücher noch lange gedruckt erworben werden.

Archivierung

Um den Bedarf nach einer gedruckten Version zu bekräftigen, führt Landfester sogar noch die Ungewissheit der digitalen Langzeitarchivierung an.

Das Buch, so Ulrike Landfester, sei zudem der weitaus zuverlässigere und nachhaltigere Datenträger als das Internet. Elektronische Daten müssten alle paar Jahre migriert werden; mit Kosten, die «mindestens so hoch, wenn nicht deutlich höher sind als jene für Bücher».

Es soll nicht behauptet werden, dass die Langzeitarchivierung keine Herausforderung darstellt. Aber es ist nicht so, dass wir auf gar keine Erfahrungswerte und Lösungsansätze zurückgreifen können. Gerade die Digitalisierung und Open Access  ermöglicht es uns Daten zu verteilen und dadurch besser zu sichern als je zuvor. LOCKSS aus Stanford demonstriert dies seit Jahren zuverlässig und ohne übermässigen Kosten. Gerne sei an dieser Stelle auf einen Blog-Post “Are we Facing a Digital Dark Age?” von David Rosenthal verwiesen. Und bei allem Lobgesang auf das gedruckte Zeitalter darf man nicht ausblenden, dass es auch schon immer Risiken bei der analogen Aufbewahrung gegeben hat. Dass eine Bibliothek auch brennen (Herzogin Anna Amalia Bibliothek) oder ein Archiv einstürzen (Historisches Archiv der Stadt Köln) kann, wird leicht vergessen.

SSH vs. STM

In der Wahrnehmung einiger Geistes- und Sozialwissenschaftler galt Open Access bislang nur für die zeitschriftlastige Publikationskultur der Naturwissenschaftler, da dort der Bedarf nach einer Lösung der Zeitschriftenkrise vordringlicher war und noch ist. So entsteht nun fälschlicherweise den Eindruck man wolle ein Konzept der Naturwissenschaften auf die Geistes- und Sozialwissenschaften drücken und sieht sich als Disziplin missverstanden und benachteiligt. Dabei geht vergessen, dass gemäss der Berlin Declaration sich die Open Access Forderung schon immer auch auf die Humanities und auch auf Bücher bezog. Wer sich über die gefühlte oder echte Dominanz der Naturwissenschaften bei der Mittelverteilung stört, sollte das an anderen Orten, aber nicht als Kritik von Open Access anbringen. Der aktuelle NZZ-Artikel trennt diese Aspekte vorbildlich.

Open Access das einzig sinnvolle

2013 unterstützte der SNF 134 wissenschaftliche Buchpublikationen mit einer Förderungssumme von rund 1,6 Millionen Franken. Das wenigste davon steht der Öffentlichkeit frei zu Verfügung, obwohl sie es bezahlt hat. Es ist zu hoffen das der SNF unbeirrt weiterfährt, so dass dann spätestens ab 2016 auch Schweizer Inhalte in DOAB zu finden sind. Idealerweise auch mit einer CC-BY Lizenz.

Update:  20.5.2014

  • Zur OA-Politik des SNF gibt es eine Interpellation: “Open Access: eine Bedrohung für das Verlagswesen?” eingereicht von der Ständerätin Géraldine Savary (SP, VD).
  • Inzwischen werden auf der Petititonswebseite die folgenden Verlage aufgeführt: Academic Press Paulusverlag || Chronos Verlag || Cosmos Verlag AG – Bereich Fachmedien || Dike Verlag AG || Editions Alphil || Editions Antipodes || Editions Chaman || Editions d’en bas || Editions EESP || Editions IES || Helbing Lichtenhahn Basel || hep Verlag Bern || HK Handelskunde Verlag || Infolio SA || Interact Verlag, Hochschule Luzern – Soziale Arbeit || Labor et Fides || Liberalis Verlag AG || Librairie Droz || MetisPresses || Orell Füssli Verlag AG || Ott Verlag Bern || Peter Lang Verlag || Réalités sociales || Rüegger Verlag Südostschweiz Presse und Print AG || Schulthess Juristische Medien AG || Schwabe AG Verlag Basel || Seismo Verlag AG || Springer Basel AG || Stämpfli Verlag AG Bern || TVZ Theologischer Verlag Zürich AG || vdf Hochschulverlag AG || Verlag am Goetheanum || Verlag Hans Huber || Verlag hier+jetzt || Verlag S. Karger || Versus Verlag
  • Auf Anfrage bestätigt allerdings der vdf Hochschulverlag (der Open Access schon seit langem unterstützt), von dieser Petition bislang keine Kenntnis gehabt zu haben.
  • Von Caspar Hirschi, Professor für Allgemeine Geschichte, Uni St. Gallen gibt es einen neuen Beitrag in der NZZ, worin er den verlegerischen Mehrwert von vielen Subventionsverlagen als gering beschreibt.

Update:  23.5.2014

  • Plädoyer für das gedruckte Buch in der NZZ von Michael Hagner, Wissenschaftshistoriker an der ETH Zürich. Gerne verdrehe ich Hagner das Wort im Maul:

Mit seiner kürzlich erlassenen Verordnung, keine Zuschüsse mehr für den freien Zugang zu Büchern zu bewilligen, sondern nur noch die Aufbereitung von Druckexemplaren zu fördern, die dann nach Ermessen der Verlage frei ins Netz gestellten werden können, aber spätestens 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers, treibt der Schweizerische Nationalfonds (SNF) die Geisteswissenschaften in ein Buch-Ghetto, das diesen erheblichen Schaden zufügen dürfte. Wenn ein Wissenschafter ein Buch schreiben und frei zugänglich machen möchte, kann er sich an den SNF nicht mehr wenden. Das kommt eher einer Forschungsverhinderung als einer Forschungsförderung gleich. Damit keine Missverständnisse entstehen: Es ist nichts dagegen einzuwenden, Print Publikationen zu fördern. Es soll auch niemand daran gehindert werden, die Resultate einer fünfjährigen Forschungsarbeit als gedrucktes Buch zu veröffentlichen. Doch es ist verfehlt, wenn der SNF alle Verlage über einen Kamm schert, Open Access abwürgt und den Buchdruck als Zwangsmassnahme durchdrücken will. Unter solchen Bedingungen gedeiht Wissenschaft nicht, nirgendwo.

Update:  26.5.2014

  • Der Schweizer Bundesrat hat inzwischen die offene Interpellation ganz im Sinne von OA beantwortet: http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20143215
  • Auch sieht man inzwischen auch erste Anzeichen von zurückhaltender Akzeptanz. Auf der Website von Peter Lang kann man seit Anfang Mai nun auch lesen:

    In vielen Disziplinen ist Open Access zu einem geschätzten Publikationsmodell geworden. Neben klassischen Veröffentlichungen mit globalem Marketing und Vertrieb ermöglicht Peter Lang daher auch Publikationen im Open Access. Schließlich sollen Wissenschaftler selbst entscheiden, wie sie publizieren möchten. Der schnelle, sichere und dauerhafte Zugang zu Open Access Publikationen kann über die Peter Lang Website und Partnerwebsites ermöglicht werden. Sprechen Sie uns an: gerne beraten wir Sie über Konditionen und Lizenzmodelle!

Update: 27.5.2014

  • Um es positiv zu sehen: Open Access ist nun auch beim konservativen Feuilleton der NZZ angekommen. Mehr Positives lässt sich über den Beitrag von Uwe Justus Wenzel leider nicht sagen: Der Nationalfonds kapituliert: «Open Access»

Update: 27.6.2014

  • Wolfram Groddeck, Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Zürich findet die Online Veröffentlichung zwar sinnvoll, bleibt aber im Zweifel für das Buch. Als Beispiel führt Groddeck die kritische Robert-Walser Ausgabe an, die trotz massiver öffentlicher Förderung nicht frei im Netz zugänglich ist. Eine Zusammenstellung der Förderung des SNF zeigt auf, dass das im Verlaufe der Periode 2004-2016 gut 3 Mio CHF in das Projekt geflossen sind. Davon 239’600 CHF alleine in Form von Publikationsbeiträgen.

Update: 6.7.2014

  • Das Wortprotokoll der Ständeratsession vom 16.6.2014 in der die Interpellation “Open Access. Eine Bedrohung für das Verlagswesen?” behandelt wurde ist nun online. Schneider-Ammann betonte, dass die Petition vom Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband ausdrücklich nicht unterzeichnet wurde. Dafür hat die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften die Publikationsförderung des Nationalfonds, wie vom Bundesrat vorgegeben, vollumfänglich unterstützt. Der Bundesrat ist überzeugt, dass das Verlagswesen durch die Open-Access-Entwicklung nicht bedroht ist.
  • In der Zwischenzeit hat der SNF die Publikationsförderung angepasst. Die Beiträge des SNF werden nun um 2000 CHF grosszügiger ausfallen als ursprünglich geplant. D.h. für eine Dissertation gilt eine sehr grosszügige Pauschale von CHF 8000. Für ein OA E-Book sogar 12’000 CHF. Ebenfalls ist ein Monitoring geplant, welches Fakten über die tatsächlichen Kosten der Verlage liefern soll. An der Frist von max. 24 Monaten wird festgehalten.

Update: 25.7.2014

  • Paul Schubert, Professor für Altgriechisch an der Universität Genf und Präsident der Abteilung Geistes- und Sozialwissenschaften des SNF äussert sich in einem Gastkommentar in der NZZ zur bisherigen Debatte: Mehr Menschen über aktuelle Forschung informieren.

Disclaimer: Ich arbeite seit dem 1.7.2014 beim SNF. Dieser Beitrag widerspiegelt alleine meine persönliche Meinung.

Große Koalition kündigt umfassende Open-Access-Strategie an

Erfreulicherweise wollen CDU, CSU und SPD in dieser Legislaturperiode wichtige Rahmenbedingungen für einen zeitgemäßen Umgang mit wissenschaftlicher Information schaffen. Im heute vorgestellten Koalitionsvertrag (PDF) heißt es:

„Wir werden den wichtigen Belangen von Wissenschaft, Forschung und Bildung stärker Rechnung zu tragen und eine Bildungs- und Wissenschaftsschranke einführen.“

Das Aktionsbündnis Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft bewertet diese Aussage in einer Pressemitteilung als „vielversprechend“, mahnt jedoch zugleich eine „tatsächlich bildungs- und forschungsfreundlich’“ Umsetzung der nötigen Regelungen im Urheberrechtsgesetz an. Bereits 2010 hat das Aktionsbündnis einen Entwurf für eine „allgemeinen Wissenschaftsschranke“ vorgelegt, der die „bisherigen kleinteiligen und höchst komplizierten Schrankenlösungen“ in einem Paragraphen bündelt.

Auch will die Koalition prüfen, „ob den öffentlichen Bibliotheken gesetzlich das Recht eingeräumt werden sollte, elektronische Bücher zu lizenzieren.“ Darüber hinaus soll auf europäischer Ebene für den ermäßigten Mehrwertsteuersatz für elektronische Medien geworben werden.

Weiter schreiben sich CDU, CSU und SPD die Förderung des offenen Zugangs zu wissenschaftlichen Publikationen und Forschungsdaten auf die To-Do-Liste:

„Wir werden eine umfassende Open Access Strategie entwickeln, die die Rahmenbedingungen für einen effektiven und dauerhaften Zugang zu öffentlich finanzierten Publikationen und auch zu Daten (open data) verbessert.“

Durch ein Förderprogramm sollen der “Aufbau, der Ausbau und die koordinierte nationale, europäische und internationale Vernetzung von offenen (Forschungs-)Datenbanken, Repositorien und Open-Access-Zeitschriften der Forschungseinrichtungen und der Hochschulen“  vorangetrieben werden.

Optimistisch stimmt der Blick auf  das Themenfeld „Digitalisierung und Infrastruktur in der Wissenschaft“. Der Umgang mit Forschungsdaten soll verbessert werden. Dazu heißt es im Koalitionsvertrag:

„Wir werden eine Strategie für den digitalen Wandel in der Wissenschaft initiieren, zum Beispiel um Zugang und Nutzbarkeit von komplexen Forschungsdaten zu verbessern. Gemeinsam mit den Ländern werden wir einen Rat für Informationsinfrastrukturen gründen, in dem sich die Akteure des Wissenschaftssystems über die Erarbeitung disziplinen und institutionenübergreifender Strategien und Standards verständigen. Zudem wollen wir virtuelle Forschungsumgebungen stärken, die es Forscherinnen und Forschern erlauben, mithilfe digitaler Medien über disziplinäre, institutionelle und geografische Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten und daraus auch neue Forschungsmethoden und -gegenstände zu entwickeln.”

Die  Einrichtung eines Rates für Informationsinfrastrukturen wurde erst letzte Woche durch die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) beschlossen.

Auch der nationalen „Roadmap-Prozess für große Forschungsinfrastrukturen“ soll unter „unter Berücksichtigung neuer Kooperationsmöglichkeiten zwischen Bund und Ländern “ fortgesetzt werden.

Im Bereich der digitalen Wissenschaft soll  die „Forschungs- und Innovationsförderung für ‚Big Data’ auf die Entwicklung von Methoden und Werkzeugen zur Datenanalyse“ ausgerichtet werden. Weiter soll ein mit „öffentlichen Mitteln finanziertes Internet-Institut“ geschaffen werden.

Fazit: Es wird spannend welche konkreten Maßnahmen bis 2017  folgen werden.  Zu hoffen ist, dass die angesprochen Themen rasch und mutig im Sinne der Wissenschaft umgesetzt werden.