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Archiv für die Kategorie ‘Verschiedenes

Neu: Microblogging im Wissenschaftsnetzwerk ResearchGATE

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Die Online-Community für Wissenschaftler ResearchGATE hat mittlerweile die Publikumsmedien (u. a. Spiegel, Deutschland Radio) erreicht und beschert seinen Nutzern neue Features. Wer die Microblogging-Option in seinem Profil aktiviert, kann nun Kontakte mit Twitter-ähnlichen Kurzinformationen von 420 Zeichen Länge versorgen oder den Microblog-Feeds anderer User folgen, Bewertung und Kommentierung von Postings sind ebenfalls möglich. Feeds aus LinkedIn, Facebook, FriendFeed oder Twitter können ins ResearchGATE-Profil eingebunden werden, umgekehrt können ResearchGATE-Feeds auch in vorhandenen Profilen der vier genannten Services angezeigt werden. Zusätzlich können User jede Microblog-Nachricht um Dateien, Bilder, Links oder Publikationsinformationen ergänzen, um möglichst rasch und unkompliziert Forschungsinformation zu kommunizieren. Damit haben die ResearchGATE-Macher die Funktionalitäten ihres Parallelprojekts ScienceFeed nun auch in ResearchGATE implementiert.

Geschrieben von Ulrich Herb

20.04.2010 um 12:14

Drollige Autorenidentifikation in Google Scholar

mit 3 Kommentaren

Ich bewundere Mr. Figure. Er hat einen h-index von 13 und einen g-index von 23, zwar auf Kosten anderer – aber wen kümmert das schon? Google Scholar bestimmt nicht. Péter Jacsó, der gern orginelle Oberbekleidung trägt und den ich aufrichtig um seinen Wohn- und Arbeitsort beneide – nein, nein selbst Saarbrücken kann nicht mithalten, publiziert regelmäßig über wissenschaftliche Suchmaschinen, vor allem über Google Scholar.

In seinem neusten Artikel (Jacsó, Péter: Metadata mega mess in Google Scholar. In: Online Information Review, Vol. 34, Issue 1, pp. 175-191. http://www.emeraldinsight.com/10.1108/14684521011024191) dokumentiert er Scholars Schwächen bei der Ermittlung der Autorennamen. Da Google Scholar die reichlich vorhandenen bibliographischen Metadaten der OAI-Schnittstellen, des HTML-Quelltexts oder aus COinS ignoriert und im blinden Vertrauen auf seine Entwickler heiteres Verlagsbashing (diese Schnarchkappen liefern einfach keine PDFs und HTML-Seiten, die Scholars quasioptische Layout-Heuristik interpretieren kann) betreibt, werden fett formatierte Absatzüberschriften oder Login-Felder für Autorennamen gehalten. Dies auf Kosten der Ermittlung der korrekten Autoren, die durch Phantomautoren wie Figure oder Login ersetzt werden und zu niedrige Impact-Scores erhalten. Wer keinen Zugriff auf den erwähnten Online Information Review Volltext hat, findet die hübschesten Fehler auch auf Jacsós Website unter http://www.jacso.info/gs%2Dphantom%2Dau/ – aber auch die hübschesten Autorennamen, die man leichtfertig für fehlerhaft ermittelt halten kann – wie im Falle Mr. Goodenoughs, Gewinner des Enrico Fermi Awards . Ich für meinen Fall ziehe bei der Lektüre mein Lieblingshawaiihemd an, rauche eine Halfcorona und genieße einen Daiquiri … oder zwei.

Geschrieben von Ulrich Herb

23.03.2010 um 09:30

Berlin Verlag startet Open Access-Plattform Berlin Academic für Geistes- und Sozialwissenschaftler

mit 13 Kommentaren

Via Dörte Böhner (deren sehr informatives Twitter-Feed ich übrigens jedem wärmstens ans Herz lege) erreichte mich heute eine interessante Nachricht: der Berlin Verlag startet einen hybriden Fachverlag für die Geistes- und Sozialwissenschaften mit dem klangvollen Namen Berlin Academic.

Der Übersichtlichkeit halber zitiere ich hier umfassend aus der entsprechenden Meldung:

Auf einer neu errichteten Online-Plattform veröffentlicht Berlin Academic sein Programm nach Open-Access-Prinzipien und unter Creative-Commons-Lizenzen. Gleichzeitig werden sämtliche Titel über Print on Demand sowie in verschiedenen E-Book-Formaten vertrieben.

Berlin Academic veröffentlicht auf Deutsch und Englisch. Thematische Schwerpunkte sind geistes- und sozialwissenschaftliche Disziplinen, insbesondere Zeitgeschichte (Holocaust- und Totalitarismusforschung), Soziologie (Migration, Urbanistik, Arbeitswelten), Politikwissenschaften (Globalisierung, Global Governance), Philosophie (speziell im Spannungsfeld mit Natur- und Neurowissenschaften) sowie Kulturwissenschaften und Linguistik.

Die Berlin Academic Plattform will darüber hinaus wissenschaftlichen Institutionen und Universitäten die Möglichkeit bieten, eigene Schriften und Schriftenreihen zu veröffentlichen. Der Start einer Beta-Version der Plattform mit anschließender Testphase ist für den Sommer 2010 geplant.

So weit, so interessant, denn während es ja auch in Deutschland schon OA-Verlagsangebote gibt, wäre mir ein solches Konzept speziell für die genannten Wissenschaftsbereiche neu, was im Ausland anders ist. Bereits den Anspruch von Open Academic, einen OA-Verlag in den Buchwissenschaften zu etablieren, mag man als Beleg dafür interpretieren, dass nicht alle Verleger den Kopf in den digitalen Sand stecken.

In einem kurzen Interview erläutert Verlegerin Elisabeth Ruge den Schritt:

…mit Berlin Academic wollen wir die neuen Möglichkeiten nutzen, die der Medienwandel für das Verlagsgeschäft bietet. Gerade im wissenschaftlichen Bereich können wir mittels der digitalen Publikationsplattform den Autoren zu einer größeren Sichtbarkeit und Verbreitung ihrer Werke verhelfen. Dabei glauben wir, dass Open Access das traditionelle Verlagsmodell weder ersetzt noch gefährdet – es aber im besten Fall ergänzen kann.

Es wird sich inzwischen herumgesprochen haben, dass Open Access für Wissenschaftler eine attraktive Möglichkeit zur erweiterten Verbreitung der eigenen Forschung ist. Dass allerdings neben öffentlichen Angeboten auch immer mehr kommerzielle Verlage — und eben nicht nur große, sondern auch kleine und mittelständische Häuser — in Open Access eine Chance sehen, stimmt hoffnungsvoll.

Gerade im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften ist das Buch nach wie vor die wichtigste Publikationsform. Open Access ist dagegen lange Zeit in erster Linie auf Zeitschriftenartikel beschränkt gewesen. Mit Berlin Academic wollen wir nun auch Bücher unter Open-Access-Kriterien online zugänglich machen. Das Buch ist aber keineswegs gefährdet. Im Gegenteil: Wichtige Backlist-Titel des Berlin Verlags, von Isaiah Berlin bis Anthony Grafton, erhalten ein neues Leben

…als mittelgroßer Verlag sind wir flexibler als andere und können daher mutiger experimentieren. Wir haben in den letzten Monaten Zeit und Geld in den Aufbau unser digitalen Plattform investiert, um den zukünftigen verlegerischen Herausforderungen zu begegnen. Dies ist ein spannender Prozess, von dem wir uns auch Anstöße für die traditionellen Verlagsbereiche erhoffen.

Das Buch, auch das vom lokalen Fachverlag publizierte, ist nicht gefährdet, sondern erhält „ein neues Leben“, und wissenschaftliches Publizieren in den Geistes- und Sozialwissenschaften bringt „Anstöße für traditionelle Verlagsbereiche“. Sagt eine Verlegerin.

Womöglich ist in der Hauptstadt der Geist der Berliner Erklärung irgendwie ins Trinkwasser übergegangen, jedenfalls sucht man in Frau Ruges Aussage die Jeremiade auf den Untergang unserer abendländischen Kultur vergeblich.

Wer weiß, vielleicht sprechen sich diese Erkenntnisse irgendwann in der Republik herum.

Vielleicht sogar bis in die hintersten Winkel — etwa nach Heidelberg.

Geschrieben von Cornelius Puschmann

09.03.2010 um 01:17

YouTube für Wissenschaftler

mit 3 Kommentaren

SciVee kann man getrost als YouTube für Wissenschaftler bezeichnen – eigentlich sogar als  „YouTube Enhanced“:  Wissenschaftler können Texte einstellen und ihre Thesen in einem Videovortrag darlegen, User können zu den Dokumenten und Videos Kommentare und Bewertungen verfassen – womit SciVee auch das Prinzip einer Open Review anwendet.  SciVee ging aus einer Kooperation der National Science Foundation, der Public Library of Science PLoS und dem San Diego Supercomputing Center hervor. Nähere Informationen dazu findet man in einem älteren Telepolis-Artikel: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26011/1.html

Weniger der Zirkulation neuer wissenschaftlicher Ideen als der Verbreitung audiovisueller Lehrmaterialien dient yovisto. Yovisto macht vorrangig Materialen deutsch- und englischsprachiger Universitäten entgeltfrei zugänglich, scheint aber auch für andere Initiativen offen: so finden sich neben den knapp  2.500 Videos der Berkeley University auch cirka 190 Vorträge des Chaos Communication Congress der Jahre 2007 bis 2009.

Geschrieben von Ulrich Herb

26.01.2010 um 11:36

Data Publishing – ein kleiner Leitfaden

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Erik Wilde, Eric Kansa und Raymond Yee von der UC Berkeley School of Information beschreiben in ihrem Bericht Web Services for Recovery.gov eine sinnvolle Architektur um Daten online zu publizieren.

Durch seine Beschraenkung auf die wichtigsten Architekturmerkmale, Orientierung an der Realitaet und gute Lesbarkeit ist dieser Bericht als Leitfaden fuer alle zu empfehlen, die mit Projekten im Bereich data publishing befasst sind. Dass das Atom Publishing Protocol in dieser Architektur eine zentrale Rolle spielt, scheint angesichts seiner Verbreitung und Flexibilitaet wenig verwunderlich.

Via inkdroid.

Geschrieben von Robert Forkel

04.11.2009 um 08:47

Studie zur Nachhaltigkeit von Publikations- und Digitalisierungsaktivitäten

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Die vom Joint Information Systems Committee (JISC) geförderte Strategic Content Alliance und Ithaka S+R haben eine Studie zu den Geschäftsmodellen von Publikations- und Digitalisierungsaktivitäten im Non-Profit-Sektor veröffentlicht:

Maron, Nancy L. et al.: Sustaining Digital Resources. An On-the-Ground View of Projects Today. 2009 (online)

Die Studie befasst sich im Rahmen von 12 Fallstudien mit der Nachhaltigkeit von Publikations- und Digitalisierungsaktivitäten. Ziel der Studie ist es „to help the not-for-profit sector develop cost-effective strategies for financing technology.“

In Interviews wurden Organisations- und Geschäftsmodelle unterschiedlichster Projekte und Institutionen abgefragt, die digitale Informationsdienste betreiben. Untersucht wurden u.a. DigiZeitschriften (Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen), eBird (Cornell University Lab of Ornithology) und  Hindawi Publishing Corporation.

Die Studie beschreibt eine Vielzahl unterschiedlicher Geschäftsmodelle (S. 21-26):

  • Subscription
  • Licensing to publishers Licensing to users
  • Custom services and consulting
  • Corporate sponsorships and advertising
  • Author fees
  • Endowment
  • Grants
  • Other sources of donated revenue

Als Erfolgsfaktoren für den nachhaltigen Betrieb werden folgende Rahmenbedingungen beschrieben (S. 13-27):

  • Dedicated and entrepreneurial leadership
  • A clear value proposition
  • Minimising direct costs
  • Developing diverse revenue sources
  • Clear accountability and metrics for success

Deutlich wird, dass die Mehrzahl der Aktivitäten auf eine Finanzierung durch ihre Heimatinstitution angewiesen sind:

While many of our case studies, particularly the studies of projects embedded in larger institutions, suggest that this level of host support is a normal state of affairs, we caution project leaders not to take this support for granted. Project leaders should regularly ask themselves whether the host institution will continue to provide these contributions, particularly as more and more digital resources emerge and their collective costs may become more of a burden to bear. Leaders will have to continuously make the case that the project advances the mission or otherwise supports the interests of the host institution. In the absence of clear measures of how this support advances the mission of the host institution, these contributions are at risk, particularly in a time of economic uncertainty. (S. 28)

Geschrieben von Heinz Pampel

17.07.2009 um 08:17

Die nächste Technologie wartet schon …

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… auf ihre Entdeckung in der akademischen Welt: Google WaveWhat Might Email Look Like If It Were Invented Today?

Geschrieben von Robert Forkel

29.05.2009 um 07:34

Veröffentlicht in Verschiedenes

Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben?

mit 9 Kommentaren

Einerseits trägt das web zum „information overflow“ bei, andererseits stellt es auch Lösungen dieses Problems bereit: „collaborative filtering“ und „crowdsourcing“ sind nur zwei Schlagworte, um ein Phänomen zu benennen, das vielleicht am besten anhand von Beispielen beschrieben werden kann.

In den meisten Bereichen der Physik ist der preprint server arXiv mittlerweile das Publikationsmedium. Unabhängig davon, ob ein paper irgendwann einmal in einem traditionellen Journal erscheinen wird – auf arXiv erscheint es zuerst.

Durch diese Stellung sind die Zahlen der Veröffentlichungen auf arXiv immens gestiegen; so daß es in manchen Gebieten der Physik nicht mehr möglich ist, alle neuen papers im Blick zu behalten – ein klassischer Fall von „information overflow“.

„Kobra – übernehmen Sie!“ – ein Fall für „crowdsourcing“ – und zwar mit blogs. Einem Vorbild am Canadian Institute for Theoretical Astrophysics folgend, nutzt das Albert Einstein Institut ein blog – das von der MPDL betrieben wird – um relevante neue arXiv papers für/durch die gravitational waves community zu filtern. Als „Zugeständnis“ an den traditionellen Forschungsbetrieb werden alle drei Monate die abstracts der ausgewählten preprints – angereichtert mit einem zusätzlichen Artikel – als newsletter veröffentlicht.

Ob sich diese Art „low-tech overlay journal“ bewähren wird, oder sich sogar als Beispiel von „worse is better“ gegen overlay journal Systeme mit „echten“ peer review Funktionalitäten durchsetzt, wird interessant zu beobachten sein.

Geschrieben von Robert Forkel

23.04.2009 um 09:11

Warum WissPub.net?

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Willkommen, liebe WissPub.net-Leser!

Aha, also noch ein Blog, denken Sie jetzt möglicherweise.

So begeistert man von den Interaktions- und Kommunikationsmöglichkeiten des Internets auch sein mag, so sehr macht die Informationsflut, mit der wir wohl heutzutage alle in Form von Blogs, Newslettern und natürlich unzählbaren E-Mails täglich zu kämpfen haben, es notwendig, jede neue Informationsquelle eingehend auf ihre Relevanz zu prüfen. Längst sind wir nicht mehr mit Informationen unterversorgt – das Gegenteil ist der Fall. Von information overload ist oft die Rede, von Informationsüberflutung.

Weshalb also dieses Blog?

Die Welt des wissenschaftlichen Informationsaustauschs steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Das Internet ist dabei, die interpersonelle Kommunikation wie wir sie kennen nachhaltig zu verändern. Diese Veränderung, zuweilen verständlicherweise als Vermarktungshype der Medienbranche abgetan, basiert auf Innovationen bei Internettechnologien einerseits und Endgeräten andererseits. Ich haben diesen Blogeintrag auf meinem Telefon begonnen, während ich in einem Cafe in Hamburg saß – eine Tatsache, die man als nebensächlich abtun könnte, wenn ich damit nicht eine Reihe von starken Reibungsverlusten ausgeschaltet hätte, die in der Vergangenheit Wissenschaftler und Nicht-Wissenschaftler gleichermaßen an der effektiven Verbreitung ihrer Gedanken gehindert haben. Geld, Zeit, institutionelle Unterstützung – all diese Ressourcen war bislang in einem hohem Mass notwendig, um selbst ein eng begrenztes Publikum zu erreichen. Heute genügt – zumindest theoretisch – ein Klick. Damit ist jedoch nur der „harte“ technische Aspekt des Publikationsvorgangs abgedeckt. „Weiche“ kulturelle Kriterien wie peer review oder die Veröffentlichung bei einem renommierten Verlag sind aber für die meisten Wissenschaftler von entscheidender Bedeutung. Etwas zu veröffentlichen beinhaltet mehr, als es lediglich hochzuladen, sondern ist verknüpft mit einer ganzen Reihe von bewährten Verfahren und Traditionen, die eng mit der  Solidität wissenschaftlicher Forschung in Verbindung gebracht werden.

Digitales Publizieren ist weder frei von Kosten und Aufwand (wie die Förderprogramme der DFG belegen), noch inhärent „besser“ als andere Formen der Wissensvermittlung. Der Inhalt ist immer bedeutender als die Verpackung, aber die Verpackung hat einen nachhaltigen Einfluss auf den Inhalt – ein Umstand, der mit dem Ende der Gutenbergalaxis sehr deutlich geworden ist. Man muss nicht gleich Marshall McLuhans berühmtem Diktum folgen, nach dem Medium und Nachricht praktisch untrennbar sind, aber es ist es nur sehr schwer vorstellbar, dass die Formen wissenschaftlicher Kommunikation in 20 Jahren noch so aussehen werden, wie sie dies heute tun.

Die Veränderung der medialen Nutzungsgewohnheiten, die sich zur Zeit vollzieht, geht auch an der Wissenschaft nicht spurlos vorüber, denn auch Wissenschaft ist ein gesellschaftlicher Prozess und Wissenschaftler Teil von communities of practice. Auch wenn die vielzitierten digital natives, die mit dem Internet Aufgewachsenen, schlussendlich weniger revolutionär oder radikal anders sind als oftmals behauptet wird, so ist ihre Vorliebe für digitale gegenüber papierbasierter Information unbestreitbar und ihr Umgang mit dem Internet nachweislich anders als der vorangegangener Nutzergenerationen. Das Zeitungssterben, welches im Moment besonders auf dem US-amerikanischen Markt stattfindet, ist nicht das Ergebnis einer bewussten Entscheidung für ein Medium oder gegen ein anderes, sondern vielmehr der Ausdruck eines natürlichen technologischen Fortschritts der auch die kulturelle Praxis dauerhaft verändert.

Wie können sich die politischen Instanzen und öffentlichen Einrichtungen, die Wissenschaft fördern, unterstützen und verwalten, auf diese Veränderungen vorbereiten und sie erfolgreich begleiten? Es mangelt nicht an Interesse und auch nicht an guten Ideen, aber Orientierungshilfen auf dem Weg hin zu echtem digital scholarship sind schwer zu finden. Jede Wissenschaftsdisziplin besitzt ihre ganz eigene Publikationskultur und wird das neue Medium anders in seine Kommunikationspraktiken integrieren. Während zum Beispiel die Verlinkung von Primärdaten in naturwissenschaftlichen Publikationen ein deutlich erkannter Vorteil ist, spielen solche Möglichkeiten in den Geisteswissenschaften (bisher) nur eine geringere Rolle und werden anders bewertet. Traditionen und Praktiken, die über einen langen Zeitraum entstanden sind und sich bewährt haben, werden nicht über Nacht verschwinden.

Dieses Blog will ein Forum für Information und Diskussion zum Themenkomplex des digitalen wissenschaftlichen Publizierens sein.  Die Autoren sind entweder als Unterstützer wissenschaftlicher Kommunikation tätig – bei Wissenschaftsgesellschaften, Universitäten, Bibliotheken und Forschungsförderungseinrichtungen -, oder sie sind selbst Wissenschaftler, die die Entwicklung im eigenen Fach verfolgen. Nachrichten und Informationen über relevante Veranstaltungen werden hier ebenso zu finden sein wie Kommentare und Meinungen. Die bewusst weit gefasste thematische Klammer schließt dabei aktuelle Themen wie science blogging, wikis, E-Journals und Open Access-Repositorien ebenso ein wie Open Data, Rechtsfragen und das Verlagswesen.

Ich freue mich auf viele interessante Nachrichten, Ideen und Meinungen, und vor allem auf einen regen Gedankenaustausch mit allen, die sich ebenfalls mit diesen Themen befassen.

Angelehnt an eine Kollegin, die Soziologin danah boyd (die tatsächlich auf diese Schreibweise ihres Namens großen Wert legt), möchte ich ein Motto für dieses Blog vorschlagen, welches unser ‘Programm’ in meinen Augen sehr treffend beschreibt:

„Making connections where none previously existed“

In diesem Sinne – blog on, dear colleagues.

- Cornelius Puschmann

Geschrieben von Cornelius Puschmann

23.03.2009 um 14:22

Veröffentlicht in Verschiedenes