Archiv für die Kategorie ‘Szientometrie / Bibliometrie’
Drollige Autorenidentifikation in Google Scholar
Ich bewundere Mr. Figure. Er hat einen h-index von 13 und einen g-index von 23, zwar auf Kosten anderer – aber wen kümmert das schon? Google Scholar bestimmt nicht. Péter Jacsó, der gern orginelle Oberbekleidung trägt und den ich aufrichtig um seinen Wohn- und Arbeitsort beneide – nein, nein selbst Saarbrücken kann nicht mithalten, publiziert regelmäßig über wissenschaftliche Suchmaschinen, vor allem über Google Scholar.
In seinem neusten Artikel (Jacsó, Péter: Metadata mega mess in Google Scholar. In: Online Information Review, Vol. 34, Issue 1, pp. 175-191. http://www.emeraldinsight.com/10.1108/14684521011024191) dokumentiert er Scholars Schwächen bei der Ermittlung der Autorennamen. Da Google Scholar die reichlich vorhandenen bibliographischen Metadaten der OAI-Schnittstellen, des HTML-Quelltexts oder aus COinS ignoriert und im blinden Vertrauen auf seine Entwickler heiteres Verlagsbashing (diese Schnarchkappen liefern einfach keine PDFs und HTML-Seiten, die Scholars quasioptische Layout-Heuristik interpretieren kann) betreibt, werden fett formatierte Absatzüberschriften oder Login-Felder für Autorennamen gehalten. Dies auf Kosten der Ermittlung der korrekten Autoren, die durch Phantomautoren wie Figure oder Login ersetzt werden und zu niedrige Impact-Scores erhalten. Wer keinen Zugriff auf den erwähnten Online Information Review Volltext hat, findet die hübschesten Fehler auch auf Jacsós Website unter http://www.jacso.info/gs%2Dphantom%2Dau/ – aber auch die hübschesten Autorennamen, die man leichtfertig für fehlerhaft ermittelt halten kann – wie im Falle Mr. Goodenoughs, Gewinner des Enrico Fermi Awards . Ich für meinen Fall ziehe bei der Lektüre mein Lieblingshawaiihemd an, rauche eine Halfcorona und genieße einen Daiquiri … oder zwei.
Wir auf dem 4. Leipziger Kongress für Information und Bibliothek
In eigener Sache: Ein Teil des WissPub-Teams wird die nächsten Tage auf dem 4. Leipziger Kongress für Information und Bibliothek verbringen.
Cornelius Puschmann wird in der DINI-Session am 15.03.2010 unter dem Titel: „Der lange Abschied vom Papier“ über Open Access in den Geisteswissenschaften sprechen.
Ein weiterer Beitrag in dieser Session wird durch Ulrich Herb geleistet: Er widmet sich dem Thema „Statistiken für Institutionelle Repositorien“ und wird Ergebnisse des DFG-Projektes OA-Statistik vorstellen.
Am 17.03.2010 wird sich Robert Forkel in der Session „Bibliotheken als Akteure im Forschungsdatenmanagement“ dem Umgang mit Forschungsdaten in der Linguistik widmen und „The World Atlas of Language Structures Online“ vorstellen. (Seine Präsentation, inkl. einiger Anmerkungen, ist mittlerweile online.)
Ich werde am 16.03.2010 auf dem Newcomer-Treff des BIB einige Einblicke in meinen Berufsalltag geben
Ich hoffe, ich habe keine Beiträge der Kollegen vergessen.
Allen Anwesenden einen interessanten und diskussionsreichen Kongress!
(Links folgen.)
Update, 22.03.2010: Slides eingefügt.
DFG: Regeln gegen Publikationsflut
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat heute auf einer Pressekonferenz in Berlin neue Regeln für Publikationsangaben in Förderanträgen und Abschlussberichten vorgestellt.
„Sie sehen im Kern vor, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihren Anträgen und Berichten an die DFG künftig statt beliebig vieler Veröffentlichungen nur noch wenige, besonders aussagekräftige Publikationen als Referenz nennen dürfen. So soll die immer größere Bedeutung von Publikationsverzeichnissen und numerischen Indikatoren verringert werden. Zugleich soll die eigentliche Beschreibung des Forschungsprojekts mehr Gewicht erhalten.“ (Quelle)
DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner sprach von einem „Paradigmenwechsel“:
„Wir sind uns bewusst – und wir sehen das sehr positiv – dass diese Regelungen die Arbeit, ja das ‘Leben’ vieler Tausender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verändern werden.“ (Quelle)
Im Detail sehen die Regelungen folgende Neuerungen vor:
„Bei ihrem wissenschaftlichen Lebenslauf dürfen Antragsteller künftig insgesamt maximal fünf Veröffentlchungen anführen […]. Bei den Publikationen mit direktem Bezug zum jeweiligen Projekt dürfen künftig pro Jahr der Förderperiode nur zwei Veröffentlichungen angeführt werden. Ein Wissenschaftler, der in der Einzelförderung Fördermittel für drei Jahre beantragt, darf hier also bis zu sechs seiner Veröffentlichungen nennen. Bei mehreren Antragstellern können pro Jahr bis zu drei Veröffentlichungen angegeben werden.“ (Quelle)
Unter dem Motto „Qualität statt Quantität“ sollen die Inhalte wissenschaftlicher Publikationen stärker in den Vordergrund rücken. DFG-Präsident Kleiner:
„Ob bei der leistungsorientierten Mittelvergabe, bei Habilitationen und Berufungen und auch bei den Bewertungen von Förderanträgen – überall haben numerische Indikatoren wie der Hirsch-Faktor oder der Impact-Faktor immer mehr Gewicht bekommen. Oft lautet die erste Frage eben nicht mehr, was jemand erforscht hat, sondern wo und wie viel er publiziert hat. Das übt einen außerordentlich starken Druck auf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus, möglichst viel zu publizieren. Und es verleitet immer wieder zu Fällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens, in denen falsche Angaben zum Stand einer Veröffentlichung gemacht werden. Das alles schadet der Wissenschaft“. (Quelle)
Die neue Regelung gilt ab dem 01. Juli 2010.
Quellen: Pressemitteilung und Rede von DFG-Präsident Kleiner.
[via hdzimmermann]
Nutzungsdaten & Zitation: eine Notiz aus Mendeley
Mendeley.com, ein Social Community Angebot für Wissenschaftler, skizziert in einer aktuellen Meldung einen interessanten Zusammenhang zwischen Nutzungszahlen und Zitationshäufigkeiten. Die herangezogenen Nutzungszahlen wurden innerhalb Mendeleys (das auch eine Literaturverwaltung mit Onlinekomponente und Offline-Client bietet) ermittelt und beruhen auf der Häufigkeit, mit der ein Dokument in Nutzerbibliotheken erscheint und der Anzahl unterschiedlicher Tags. Die Auswertung bezog sich ausschließlich auf Dokumente, die im Jahr 2009 erschienen. Für die fünf am häufigsten genutzten Artikel aus der Biologie ermittelte man einen Korrelationskoeffizienten von 0,76 zwischen den erwähnten Nutzungsinformationen und den Zitationswerten der Artikel gemäß des Web of Knowledge von Thomson Scientific. Einschränkend wirkt selbstredend die geringe Datenbasis.
RIN/JISC-Studie zum wissenschaflichen Publikationsverhalten
Das Research Information Network (RIN) und das Joint Information Systems Committee (JISC) haben eine lesenswerte Studie zum wissenschaftlichen Publikationsverhalten in Großbritannien veröffentlicht: Communicating knowledge. How and why UK researchers publish and disseminate their findings (Website).
Die Studie widmet sich folgenden drei Themenfeldern (S. 9):
1. Publication and dissemination behaviour
2. Citation behaviour
3. The perceived influence of research assessment (past and anticipated)
Die Ergebnisse der Studie werden in vier Kernaussagen zusammengefasst:
1. Researchers need better guidance on the value of different communication channels
2. The attribution and listing of multiple authors varies widely between disciplines
3. Citation behaviour and motivations are related to research discipline and the researcher’s age or experience
4. The influence of the Research Assessment Exercise (RAE) is a major concern for researchers
Auch die Themen Blogging und Open Access werden unter die Lupe genommen:
Only a relatively small minority of researchers, however, as yet make much use of open access repositories, or of blogs, wikis and other web-based tools to publish and disseminate their work. For those who do use open access repositories, it is notable that the key influences are the desire to reach key audiences speedily: funder requirements have relatively little influence. (S. 42)
Eine Zusammenfassung der Studie gibt es auch als Podcast.


