“Die Zeit” über Wissenschaft, Transparenz und Open Science

Die aktuelle Ausgabe der Wochenzeitung “Die Zeit” befasst sich unter dem Motto “Rettet die Wissenschaft” mit dem Themenfeld Wissenschaft und Transparenz. Die Beiträge sind auch online frei zugänglich. (Danke an Thomas Hapke für den Hinweis.)

  • Rettet die Wissenschaft!: Gefälschte Forschungsergebnisse, gekaufte Wissenschaftler, Plagiate und Pannen im Labor – die Wissenschaft stand schon besser da. Zeit für einen fundamentalen Umbruch.” Von Stefan Schmitt und Stefanie Schramm.
  • Signifikanter Unsinn: Viele glauben, ein signifikantes Forschungsergebnis sei mit hoher Wahrscheinlichkeit korrekt. Ein Denkfehler, der schwachen Ergebnissen zu viel Gewicht verleiht.” Von Christoph Drösser.
  • “‘Die Folgekosten können hoch sein’: Jürgen Zöllner kennt den Forschungsbetrieb als Mediziner, Minister und Manager. Der SPD-Politiker fordert eine neue Transparenz für die Wissenschaft.” Von Martin Spiewak. U.a. mit der schönen Frage: “Haben Sie die Originaldaten Ihrer eigenen Doktorarbeit noch?”

In diesem Zusammenhang sei auch auf den “Open Research Data Piloten” in Horizon 2020 hingewiesen. Die EU-Kommission hat Ende 2013 zwei Leitfäden zum Thema veröffentlicht:

  • Guidelines on Data Management in Horizon 2020 (PDF)
  • Guidelines on Open Access to Scientific Publications and Research Data in Horizon 2020 (PDF)

Siehe hierzu auch die Beiträge im Helmholtz Open Access Newsletter und auf KoWi.de. Bei der Suche nach einem geeigneten Ort zur Speicherung der Forschungsdaten hilft ein Klick auf re3data.org  – Registry of Research Data Repositories. Über die Hintergründe dieses DFG-Projektes, in das ich involviert bin, habe ich im letzten Jahr einen Beitrag für den PLOS Tech Blog geschrieben.

Zuletzt noch der Hinweis auf das neue Open-Science-Buch von Sönke Bartling (DKFZ) und Sascha Friesike (HIIG). Das Buch ist 2014 bei Springer erschienen. Der Titel lautet “Opening Science - The Evolving Guide on How the Internet is Changing Research, Collaboration and Scholarly Publishing”. Die beteiligten Autorinnen und Autoren beschreiben Wege, Herausforderungen und Chancen auf dem Weg zu einer offeneren Wissenschaft. Natürlich sind die Beiträge frei zugänglich.

 

Nature-Special zur Reproduzierbarkeit wissenschaftlicher Ergebnisse

Die Nature-Zeitschriftenfamilie befasst sich diesen Monat in einem sehr interessanten Themenheft mit den Chancen und Herausforderungen der Reproduzierbarkeit wissenschaftlicher Ergebnisse. In den Artikeln geht es  u.a. um Transparenz, Offenheit und gute wissenschaftliche Praxis. Auszug aus der Beschreibung:

„No research paper can ever be considered to be the final word, and the replication and corroboration of research results is key to the scientific process. In studying complex entities, especially animals and human beings, the complexity of the system and of the techniques can all too easily lead to results that seem robust in the lab, and valid to editors and referees of journals, but which do not stand the test of further studies. Nature has published a series of articles about the worrying extent to which research results have been found wanting in this respect. The editors of Nature and the Nature life sciences research journals have also taken substantive steps to put our own houses in order, in improving the transparency and robustness of what we publish. Journals, research laboratories and institutions and funders all have an interest in tackling issues of irreproducibility. We hope that the articles contained in this collection will help.“

Alle Artikel zum Thema sind frei zugänglich. Gute Lektüre!

(Crosspost von ALBERTopen)

Software Journals – das nächste große Ding

Mit Blick auf die Diskussionen um Open Science ist es dringend notwendig die Erfassung und Bewertung von Forschungsleistungen breiter zu fassen. Der Beschluss der National Science Foundation (NSF) unter dem Begriff „Products“ nicht mehr nur textuelle Publikationen, sondern darüber hinaus auch Forschungsdaten und Software als wissenschaftlichen Output bei der Antragstellung zu erfassen, ist ein überaus wichtiger Beitrag zur Förderung von Offenheit in der Wissenschaft. (Leider hat der Wissenschaftsrat die Relevanz dieses Themas in seinem jüngst veröffentlichten Entwurf eines Kerndatensatz Forschung nicht berücksichtigt, obwohl er z.B. im letzten Jahr „Anerkennungsprobleme“ des Datenmanagements bemängelt hat.)

Während sich in den letzten Monaten mit dem Start von Data-Journals (Beispiel ESSD) und der aktuellen Gründungswelle von Forschungsdaten-Repositorien Verfahren bei der Veröffentlichung von Forschungsdaten formieren, die auf dem etablierten Publikationswesen aufsetzten, steht das Thema Software-Publishing noch in den Startlöchern. Zwar gibt es in einigen Disziplinen seit langem Beispiele für Software-Papers, doch mit Blick auf die dauerhafte und möglichst offene Zugänglichkeit des Programmcodes scheinen die existierenden Veröffentlichungsverfahren wenig befriedigend.

Einblicke in die zukünftigen Entwicklung des Themenfeldes Software-Publishing werden am Beispiel des Journal of Open Research Software (JORS) deutlich. Diese Open-Access-Zeitschrift, die bei Ubiquity Press – einer Ausgründung des University College London (UCL) – erscheint, hat diesen Monat seine ersten Software-Papers veröffentlicht. Auszug aus der Selbstbeschreibung des Journals:

“The Journal of Open Research Software (JORS) features peer reviewed software papers describing research software with high reuse potential. We are working with a number of specialist and institutional repositories to ensure that the associated software is professionally archived, preserved, and is openly available. Equally importantly, the software and the papers will be citable, and reuse will be tracked.”

Einer der jetzt erschienen Artikel beschreibt einen „Drosophila Photo-transduction Simulator“. Die Software, eine Simulation in Matlab, wird anhand eines vorgegeben Schemas in einem Aufsatz dokumentiert. Nach diesem Schema müssen die Autorinnen und Autoren z.B. Aussagen zur Lizenz, unter der die Software zugänglich ist, machen. Die Software selbst muss auf einem Repositorium gespeichert werden (Beispiel). Das Journal empfiehlt dazu eine Auswahl an geeigneten Repositorien. Der Artikel verlinkt dann auf die im Repositorium gespeicherte Software. Folgende Grafik erläutert den Ablauf einer Publikation:

Die zukünftige Entwicklung des Software-Publishings wird sicherlich hochspannend werden. Am Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ hat Jens Klump Anfang dieses Jahres einen sehr interessanten Workshop zum Thema veranstaltet. In diesem wurden einige der zentralen Fragen rund um das Thema diskutiert. Z.B.: Welche Anforderungen muss ein Software-Repositorium erfüllen? Wie wird das Zusammenspiel zwischen Software-Journal und Repositorium optimal organisiert? Welche Rolle spielen Entwicklungsplattformen wie GitHub? Kann die Versionierung der Software im Software-Paper abgebildet werden? Welche Perspektiven ergeben sich für das Zusammenspiel von Daten, Software und klassischem (interpretativen) Aufsatz? Welche Identifikationen werden benötigt?

Deutlich ist bereits jetzt, dass die Data-Papers des Journal of Open Research Software die Nachnutzung der Software fördern: Zum einen wird durch die Veröffentlichung des begutachteten Software-Papers sichergestellt, dass Qualitätsstandards bei der Programmierung der Software berücksichtig wurden. Darüber hinaus liefert das Software-Paper eine ausführliche Dokumentation des Programms. Damit werden mögliche Fragen, die bei einer Nachnutzung der Software auftreten im Voraus beantwortet. Weiter wird durch die Speicherung der Software, unter einer freien Lizenz, auf einem Repositorium die langfristige Nachnutzung garantiert. (Unabhängig vom Endes eines Projektes oder des Abschaltens einer Entwicklungsumgebung.) Und zuletzt wird die Arbeit der Entwicklerinnen und Entwickler im Rahmen des wissenschaftlichen Reputationssystems gewürdigt: Das Data-Paper landete auf der Publikationsliste.

Nature-Ausgabe zur Zukunft des wissenschaftlichen Publizierens

cover_natureDie aktuelle Ausgabe der Nature (495(7442)) beschäftigt sich in mehreren interessanten Artikeln mit der Zukunft des wissenschaftlichen Publizierens. Themen sind u.a. Open Access, Lizenzierung (Creative Commons), „Predatory Publishers“, Altmetrics und Data Librarianship. Das Editorial unter dem Titel „A New Page“ gibt einen Überblick über die Artikel der Ausgabe:

  • Butler, D. (2013). Investigating journals: The dark side of publishing. Nature, 495(7442), 433–435. doi:10.1038/495433a
  • Darnton, R. (2013). Q&A: Knowledge liberator. Nature, 495(7442), 447–447. doi:10.1038/495447a
  • Monastersky, R. (2013). Publishing frontiers: The library reboot. Nature, 495(7442), 430–432. doi:10.1038/495430a
  • Pincock, S. (2013). Publishing: Open to possibilities. Nature, 495(7442), 539–541. doi:10.1038/nj7442-539a
  • Priem, J. (2013). Scholarship: Beyond the paper. Nature, 495(7442), 437–440. doi:10.1038/495437a
  • Swan, A. (2013). Advocacy: How to hasten open access. Nature, 495(7442), 442–443. doi:10.1038/495442a
  • Van Noorden, R. (2013). Open access: The true cost of science publishing. Nature, 495(7442), 426–429. doi:10.1038/495426a
  • Wilbanks, J. (2013). A fool’s errand. Nature, 495(7442), 440–441. doi:10.1038/495440a

(Crosspost von ALBERTopen)

Podiumsdiskussion: “Open Science – Chancen und Herausforderungen der digitalen Wissenschaft”

Im Rahmen der Open Access Week 2012, einer internationalen Aktionswoche zur Förderung von Open Access, die von wissenschaftlichen Einrichtungen weltweit getragen wird, diskutieren Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Verlagswesen und Forschungsförderung am 23. Oktober 2012 in Berlin über die Herausforderungen und Chancen von Open Science. Im Fokus stehen Themenfelder wie Open Access, Web 2.0 in der Wissenschaft und die dauerhafte Zugänglichkeit von Forschungsdaten.

Die Podiumsdiskussion findet am Abend des 23. Oktober 2012 im Auditorium des Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität zu Berlin statt. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr und findet in deutscher Sprache statt. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Die Podiumsdiskussion wird vom Open Access Koordinationsbüro der Helmholtz-Gemeinschaft, vom Computer- und Medienservice, der Universitätsbibliothek und dem Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin sowie dem Center für Digitale Systeme der Freien Universität Berlin veranstaltet.
Das Programm und weitere Informationen finden sich auf der Website der Humboldt-Universität zu Berlin.

Internet-Enquete setzt auf Open Access

Die Projektgruppe “Bildung und Forschung” der Enquete-Kommission “Internet und digitale Gesellschaft” hat nach dreizehnmonatiger Arbeit Handlungsempfehlungen zu Bildung und Forschung im digitalen Zeitalter veröffentlicht (PDF). Neben Themen wie  “Lernen mit Social Media”, “Bildungs- und Wissenschaftsschranke im Urheberrecht” sowie “E-Books in der Bibliothek” wird der offene Zugang zu wissenschaftlicher Information behandelt.

Bund, Ländern und Wissenschaftsorganisationen wird empfohlen “Open Access im Wissenschaftsbereich umfassend zu unterstützen”. Hochschulen und Forschungseinrichtungen sollen Open-Access-Strategien entwickeln und diese mit Hilfe begleitender Maßnahmen (z.B. Repositorien und Publikationsfonds) umsetzen. Fachgesellschaften werden ermutigt, ihre Publikationsorgane frei zugänglich zu machen und damit die Entwicklung von Open Access voranzutreiben.

Mit Blick auf die Novellierung des Urheberrechtsgesetzes (“Dritter Korb”) wird ein “verbindliches Zweitveröffentlichungsrecht für alle wissenschaftlichen Beitrage in Periodika und Sammelbänden” empfohlen. Erfreulich ist, dass diese Forderung von allen Parteien mitgetragen wird. Geprüft werden soll darüber hinaus die Anwendbarkeit eines solchen Rechts auf andere Werkarten.

Open Access, so die Projektgruppe, soll weiter in der Forschungsförderung verankert werden. Anliegen ist, die Entwicklungen auf europäischer Ebene aufzugreifen und für eine “Vereinheitlichung der entsprechenden Regelungen” zu sorgen. (Aller Voraussicht nach wird Open Access im kommenden EU-Forschungsrahmenprogramm verpflichtend verankert. Somit müssen alle in HORIZON 2020 entstehenden Publikationen frei zugänglich gemacht werden.) Dem Bund wird nahegelegt Open Access in der Ressortforschung verpflichtend zu verankern: Publikationen, die im Rahmen der Ressortforschung entstehen, sollen “bis spätestens zwölf Monate nach der Erstveröffentlichung” open access zugänglich gemacht werden.

Mit Blick auf das Geschäftsmodell der Publikationsgebühr, welches insbesondere bei Open-Access-Verlagen in den naturwissenschaftlichen Disziplinen Anwendung findet, werden Obergrenzen gefordert: Fördereinrichtungen wird nahegelegt, diese Gebühren nur bis zu einer angemessenen Obergrenze zu tragen. Auszug aus den Empfehlungen:

“Bei dem Aus- und Aufbau von Publikationsfonds sollte darauf geachtet werden, dass die zur Informationsversorgung beitragenden Mittel inklusive der Subskriptionsetats korreliert werden. Zudem sollten bei der Übernahme von Open Access-Publikationskosten  verbindliche Obergrenzen festgelegt werden.”

Interessant ist die Forderung der Kommission nach sogenannten “lay summaries”: Die Internet-Enquete regt an, Anliegen und Ziel von öffentlich geförderten Forschungsprojekten, in einer für Laien verständlichen Form, zu beschreiben und dies Zusammenfassungen über eine Datenbank zugänglich zu machen. Eine solche Praktik wird z.B. bereits in der Schweiz umgesetzt.

Bemerkenswert ist die Forderung der Projektgruppe, Open Access im Rahmen von Evaluierungen besonders zu würdigen. Hierzu heißt es:

“Gleichzeitig sollen Regelungen geschaffen werden, die für eine  besondere Würdigung von Open Access-Publikationen bei Antragsverfahren sorgen und Benachteiligung bei Berufungs- beziehungsweise Besetzungsverfahren ausschließen.”

Auch der Umgang mit Forschungsdaten und die Diskussion um die Chancen und Herausforderungen des „data sharings“ werden aufgegriffen. Dabei wird u.a. die Bedeutung der Interoperabilität von Daten und Daten-Repositorien betont:

“Die Enquete-Kommission empfiehlt dem Bund, Projekte voranzutreiben, die verbindliche  Standards für Zugänglichmachung und Erhalt der digitalen Datenbestände aus öffentlicher Forschung entwickeln. Sie empfiehlt weiter die Unterstützung der Wissenschaftsorganisationen bei der Normierung und Standardisierung von (Meta-)Daten,  Quellenbezeichnungen (u.a. persistent identifiers) und anderen Formaten.”

Nach einem umfassenden Zwischenbericht, indem der offenen Zugang zu wissenschaftlichen Texten und Forschungsdaten ausführlich behandelt wird, hat die Projektgruppe Bildung und Forschung der Internet-Enquete mit ihren Handlungsempfehlungen ein bemerkenswertes Dokument vorgelegt. Den Expertinnen und Experten aus Politik und Wissenschaft ist es gelungen zentralen Themen zu identifiziert und wichtige Empfehlungen zu geben. Die Umsetzung dieser Empfehlungen muss nun durch Bund, Länder und wissenschaftliche Institutionen vorangetrieben werden.

Neues Zeitschriftenranking: Google Scholar Metrics

Über die Integration von bibliometrischen Indikatoren in Google Scholar wurde hier bereits berichtet. Gestern veröffentlichte der Suchmaschinengigant nun unter dem Namen “Google Scholar Metrics” eine Top 100 Liste von wissenschaftlichen Zeitschriften, die nach “five-year h-index and h-median metrics” gerankt sind. Auszug aus der Beschreibung des Angebots:

“Scholar Metrics currently cover articles published between 2007 and 2011, both inclusive. The metrics are based on citations from all articles that were indexed in Google Scholar as of April 1st, 2012. This also includes citations from articles that are not themselves covered by Scholar Metrics.”

Die beiden Indikatoren werden wie folgt definiert:

  • “h5-index is the h-index for articles published in the last 5 complete years. It is the largest number h such that h articles published in 2007-2011 have at least h citations each.”
  • “h5-median for a publication is the median number of citations for the articles that make up its h5-index.”

Die “Google Scholar Metrics” wurden für folgende Sprachräume veröffentlicht: Englisch,  Chinesisch, Portugiesisch, Deutsch, Spanisch, Französisch, Koreanisch, Japanisch, Niederländisch und Italienisch. Das Ranking des deutschsprachigen Zeitschriftenmarktes wird von dem Springer-Journal “Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz” angeführt. Im englischen Sprachraum führt Nature. (Ein wenig irritiert, dass mit RePEc und arXiv auch Repositorien indexiert sind.)

Update: Wie ich gerade entdeckt habe, gibt es auch im Google Scholar Blog einen Hinweis auf den Dienst. Dort wird auch auf die Möglichkeit von disziplinären Rankings aufmerksam gemacht.

Stimmen zum Elsevier-Boykott

Angeregt durch einen Blogbeitrag von Fields-Medaille-Träger Tim Gowers startete der Mathematik-Doktorand Tyler Neylon am 23. Januar auf der Website „The Cost of Knowledge“ einen Boykottaufruf gegen der Verlagsriesen Elsevier. Bis heute sind über 7.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesem öffentlichen Ruf gefolgt und haben die Zusammenarbeit mit dem Verlag eingestellt.

Ergänzend dazu veröffentlichte im Februar eine Gruppe von namhaften Mathematikern ein Statement (PDF), in dem das Anliegen des Boykottaufrufs erläutert wird. Auszug:

„What all the signatories do agree on is that Elsevier is an exemplar of everything that is wrong with the current system of commercial publication of mathematics journals, and we will no longer acquiesce to Elsevier’s harvesting of the value of our and our colleagues’ work.“

Unterzeichnet wurde dieses Statement auch von deutschen Professoren: Martin Grötschel (TU Berlin), Folkmar Bornemann (TUM) und Günter M. Ziegler (FU Berlin). Zieglers Beweggründe können in seinem Blog unter dem Titel „Boykottiert Elsevier! Ich boykottiere Elsevier!“ nachgelesen werden:

„Warum? Meine verkürzte Zusammenfassung: Elsevier macht unverschämte Profite mit unglaublich teuren Produkten, in steuerzahlerfinanzierter Arbeit von Wissenschaftlern erstellt werden, die dafür nicht bezahlt werden. Wissenschaftliche Ergebnisse sind aber einzigartig – und deshalb für die Forschung nicht ersetzbar. Damit werden die wissenschaftlichen Bibliotheken erpresst – wobei gerade Elsevier, der größte der Publikationskonzerne, seine Marktmacht ausspielt, um die Journale in riesigen Bündeln zu verkaufen, in denen auch viel Schrott drin ist. Das ist unmoralisch. Und durch Publikation ihrer Ergebnisse bei Elsevier tragen die Wissenschaftler indirekt dazu bei, das wissenschaftliche Publizieren zu ruinieren – und damit auch die Wissenschaft. Ein Skandal.“

Der Boykott hat ein breites Medienecho ausgelöst. Hier einige deutsprachige Reaktionen:

Hendrik Bunke hat auf seiner Website eine Liste von in Deutschland arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftern erstellt die den Boykott unterstützen.

Interessant wird sein welche Wirkung der Boykott auf die Geschäftsmodelle der Wissenschaftsverlage haben wird. Mit Open Access steht ein innovatives Publikationsmodell bereit, das es weiter umzusetzen gilt.

Nicht weniger spannend ist die Frage, welche Wirkung der Boykott und seine Begleitdiskussion auf die Open-Access-Gesetzesinitiativen in Deutschland (Zweitveröffentlichungsrecht) und in den USA (Federal Research Public Access Act) haben wird.

Wall Street Journal zu Open Science

Das Wall Street Journal hat in den vergangenen Wochen drei lesenswerte Artikel zum Thema Open Science veröffentlicht:

Michael Nielsen: The New Einsteins Will Be Scientists Who Share, WJS.com, 29.10.2011.

“From cancer to cosmology, researchers could race ahead by working together – online and in the open.”

Paul Allen: Why We Chose ‘Open Science’, WJS.com, 30.11.2011.

“To accelerate research breakthroughs on brain diseases, the Allen Institute puts all its data online for use without fees.”

Amy Dockser Marcus: Citizen Scientists, WJS.com, 03.12.2011.

“Ordinary people are taking control of their health data, making their DNA public and running their own experiments. Their big question: Why should science be limited to professionals?”

Kurz: Urheberrechtsreform gefordert; Freier Zugang zu Forschungsdaten klinischer Studien; Umgang mit zurückgezogenen Artikeln; Nanopublikationen in der Pharmazie

Urheberrechtsreform gefordert: Das Aktionsbündnis Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft hat Anfang der Woche das Ergebnis einer Erhebung zu Anforderungen von Wissenschaft und Bildung an das Urherbrecht veröffentlicht. Über 2.500 Personen haben sich an der Umfrage beteiligt und sich in ihren Antworten für eine umfassende Reform des Urheberrechts ausgesprochen. In der Umfrage wird auch die Forderung nach einem Zweitverwertungsrecht deutlich. Auszug aus der Pressemitteilung:

„Besonders deutlich (nämlich zu 91,7 % ) fordern die Befragten, dass zumindest das mit öffentlichen Mitteln geförderte Wissen frei öffentlich zugänglich gemacht wird – wie bereits in entsprechenden Petitionen an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestag verlangt. Um dies zu erreichen, sollte der Gesetzgeber über Gutachten klären lassen, ob das Zweitverwertungsrecht auch den Institutionen der AutorInnen verbindlich zugesprochen werden darf: Einer solchen Lösung stimmen 80,3% der in Bildung und Wissenschaft Arbeitenden und Publizierenden zu.“

CDU: Auf ScienceBlogs berichtet Christian Reinboth über seinen Antrag zur Förderung von Open Access im Rahmen des bildungspolitischen Strategiepapiers „Bildungsrepublik Deutschland“ der CDU. (Via OATP)

Forschungsdaten klinischer Studien: Die Cochrane Collaboration spricht sich in einem Statement für eine bessere Zugänglichkeit von Forschungsdaten aus, die im Rahmen von klinischen Studien erhoben werden: (Via OATP)

“[A]ll data from all randomised clinical trials, including raw anonymised individual participant data that do not allow identification of individual participants, and the corresponding trial protocols to become publicly available free of charge and in easily accessible electronic formats“.

Umgang mit zurückgezogenen Artikeln: In der aktuellen Ausgabe der Nature befasst sich Richard Van Noorden mit den Problematiken zurückgezogener wissenschaftlicher Artikel. In dem lesenswerten Aufsatz findet sich der Hinweis auf das interessante Blog „Retraction Watch“.

Nanopublikationen in der Pharmazie: Veronika Schmidt berichtet auf Die Presse.com über das EU-Projekt Open PHACTS (Open Pharmacological Concepts Triple Store). Das Projekt widmet sich u.a. dem Konzept der Nanopublikation im Bereich der Pharmazie.