Archiv für die Kategorie ‘Netzkultur’
Neu: Microblogging im Wissenschaftsnetzwerk ResearchGATE
Die Online-Community für Wissenschaftler ResearchGATE hat mittlerweile die Publikumsmedien (u. a. Spiegel, Deutschland Radio) erreicht und beschert seinen Nutzern neue Features. Wer die Microblogging-Option in seinem Profil aktiviert, kann nun Kontakte mit Twitter-ähnlichen Kurzinformationen von 420 Zeichen Länge versorgen oder den Microblog-Feeds anderer User folgen, Bewertung und Kommentierung von Postings sind ebenfalls möglich. Feeds aus LinkedIn, Facebook, FriendFeed oder Twitter können ins ResearchGATE-Profil eingebunden werden, umgekehrt können ResearchGATE-Feeds auch in vorhandenen Profilen der vier genannten Services angezeigt werden. Zusätzlich können User jede Microblog-Nachricht um Dateien, Bilder, Links oder Publikationsinformationen ergänzen, um möglichst rasch und unkompliziert Forschungsinformation zu kommunizieren. Damit haben die ResearchGATE-Macher die Funktionalitäten ihres Parallelprojekts ScienceFeed nun auch in ResearchGATE implementiert.
Drollige Autorenidentifikation in Google Scholar
Ich bewundere Mr. Figure. Er hat einen h-index von 13 und einen g-index von 23, zwar auf Kosten anderer – aber wen kümmert das schon? Google Scholar bestimmt nicht. Péter Jacsó, der gern orginelle Oberbekleidung trägt und den ich aufrichtig um seinen Wohn- und Arbeitsort beneide – nein, nein selbst Saarbrücken kann nicht mithalten, publiziert regelmäßig über wissenschaftliche Suchmaschinen, vor allem über Google Scholar.
In seinem neusten Artikel (Jacsó, Péter: Metadata mega mess in Google Scholar. In: Online Information Review, Vol. 34, Issue 1, pp. 175-191. http://www.emeraldinsight.com/10.1108/14684521011024191) dokumentiert er Scholars Schwächen bei der Ermittlung der Autorennamen. Da Google Scholar die reichlich vorhandenen bibliographischen Metadaten der OAI-Schnittstellen, des HTML-Quelltexts oder aus COinS ignoriert und im blinden Vertrauen auf seine Entwickler heiteres Verlagsbashing (diese Schnarchkappen liefern einfach keine PDFs und HTML-Seiten, die Scholars quasioptische Layout-Heuristik interpretieren kann) betreibt, werden fett formatierte Absatzüberschriften oder Login-Felder für Autorennamen gehalten. Dies auf Kosten der Ermittlung der korrekten Autoren, die durch Phantomautoren wie Figure oder Login ersetzt werden und zu niedrige Impact-Scores erhalten. Wer keinen Zugriff auf den erwähnten Online Information Review Volltext hat, findet die hübschesten Fehler auch auf Jacsós Website unter http://www.jacso.info/gs%2Dphantom%2Dau/ – aber auch die hübschesten Autorennamen, die man leichtfertig für fehlerhaft ermittelt halten kann – wie im Falle Mr. Goodenoughs, Gewinner des Enrico Fermi Awards . Ich für meinen Fall ziehe bei der Lektüre mein Lieblingshawaiihemd an, rauche eine Halfcorona und genieße einen Daiquiri … oder zwei.
YouTube für Wissenschaftler
SciVee kann man getrost als YouTube für Wissenschaftler bezeichnen – eigentlich sogar als „YouTube Enhanced“: Wissenschaftler können Texte einstellen und ihre Thesen in einem Videovortrag darlegen, User können zu den Dokumenten und Videos Kommentare und Bewertungen verfassen – womit SciVee auch das Prinzip einer Open Review anwendet. SciVee ging aus einer Kooperation der National Science Foundation, der Public Library of Science PLoS und dem San Diego Supercomputing Center hervor. Nähere Informationen dazu findet man in einem älteren Telepolis-Artikel: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26011/1.html
Weniger der Zirkulation neuer wissenschaftlicher Ideen als der Verbreitung audiovisueller Lehrmaterialien dient yovisto. Yovisto macht vorrangig Materialen deutsch- und englischsprachiger Universitäten entgeltfrei zugänglich, scheint aber auch für andere Initiativen offen: so finden sich neben den knapp 2.500 Videos der Berkeley University auch cirka 190 Vorträge des Chaos Communication Congress der Jahre 2007 bis 2009.
JISC-Studie zum Thema Open Science
Liz Lyon (University of Bath) hat einen spannenden Consultative Report für das Joint Information Systems Committee (JISC) zum Thema Open Science veröffentlicht:
Lyon, L.: Open Science at Web-Scale. Optimising Participation and Predictive Potential Consultative Report, 2009. Online.
Inhalt:
„This report has attempted to draw together and synthesise evidence and opinion associated with data-intensive open science from a wide range of sources. The potential impact of data-intensive open science on research practice and research outcomes, is both substantive and far-reaching. There are implications for funding organisations, for research and information communities and for higher education institutions.“
In der Zusammenfassung werden sechs „Consultation Challenge“ benannt, die zentrale Herausforderungen im Themenfeld Open Science beschreiben:
1. Scale, Complexity and Predictive Potential
2. Continuum of Openness
3. Citizen Science
4. Credentials, Incentives and Rewards
5. Institutional Readiness and Response
6. Data Informatics Capacity and Capability
Besonders interessant ist dabei der Fokus auf dem Thema „Citizen Science“.
Frage an die Leserinnen und Leser: Gibt es bereits eine Zusammenfassung deutscher „Citizen Science“ Programme?
Deutsche Hochschulen auf Twitter
Cornelius Puschmann hat mit seinem Beitrag „Die Universität Düsseldorf auf Twitter“ bereits das Themenspektrum dieses Blogs von dem Feld „scholarly communication“ hin zu „science communication“ erweitert. Ich führe diese Öffnung fort und greife das Thema Hochschulen auf Twitter auf.
Während US-amerikanische Hochschulen schon seit langem „zwitschern“, scheint sich Twitter nur langsam an deutschen Hochschulen zu etablieren. Auf Uni-Versum, einem Blog der Wirschaftswoche, hat Daniel Rettig im April eine Zusammenstellung deutscher twitternder Hochschulen veröffentlicht. Ich habe diese Liste nun etwas erweitert.

Eine kurze Fallstudie zur Twitter-Nutzung der großbritannischen Sussex University zeigt die vielfältige Nutzung von Twitter im hochschulischen Umfeld. Neben einem offiziellen Account der Hochschule gibt es weitere Accounts verschiedener Fachbereiche und Bibliotheken.
Eine vollständige Liste „zwitschernder“ Hochschulen in Deutschland kann hier nicht gegeben werden. In der folgenden Liste sind lediglich die mir bekannten „offiziellen“ Accounts genannt:
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Universität Bielefeld, http://twitter.com/unibielefeld_im
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Technische Universität Braunschweig, http://twitter.com/Tugether
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Technische Universität Dortmund, http://twitter.com/TU_Dortmund
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Universität Duisburg-Essen, http://twitter.com/unidue
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Hochschule Fresenius, http://twitter.com/HS_Fresenius
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Georg-August-Universität Göttingen, http://twitter.com/georgiaaugusta
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Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, http://twitter.com/UniHalle
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Universität Koblenz-Landau, http://twitter.com/unikold
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Universität zu Köln, http://twitter.com/UniCologne
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Universität Konstanz, http://twitter.com/UniConstance
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Duale Hochschule Baden-Württemberg Mannheim, http://twitter.com/dhbw_mannheim
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Mannheim Business School, http://twitter.com/MannheimBSchool
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Westfälische Wilhelms-Universität Münster, http://twitter.com/WWU_Muenster
Auf die Auflistung einzelner Fachbereiche oder Infrastruktureinrichtungen, die Twitter nutzen, habe ich hier verzichtet. Diese machen jedoch die Masse der Hochschul-Accounts aus. Bestes Beispiel ist die RWTH Aachen. Während meines Wissens die Hochschule selbst über keinen offiziellen Account verfügt, „zwitschern“ die Mensen und Cafeterien (z.B. rwthCafete2 und rwthMensa7) sowie der Studiengang Technik-Kommunikation.
Die Authentizität der Twitter-Accounts ist häufig eher schwer einzuschätzen. Während z.B. der Account der Universität Duisburg-Essen von der dortigen Pressestelle betreut wird, werden für die Mehrheit der Accounts keine Ansprechpartner genannt. (Eine zukünftige Lösung könnte hier ggf. ein Twitter Verified Account bieten.)
Im Falle der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (siehe dazu den Beitrag von Cornelius Puschmann) und der Hochschule der Medien Stuttgart werden die Accounts von Studenten betrieben. An der Hochschule der Medien werden die Tweets der Studenten aggregiert und über den Account hdmstuttgart als Tweet versendet (siehe die „Anleitung“ dazu). Auch hinter dem Account der Fachhochschule Köln steckt ein Aggregator. Hier die Liste der „inoffiziellen“ Twitter-Accounts:
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Heine-Universität Düsseldorf, http://twitter.com/hhuduesseldorf
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Hochschule der Medien Stuttgart, http://twitter.com/hdmstuttgart
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Fachhochschule Köln, http://twitter.com/fhkoeln
Vielleicht kann hier eine Liste der „offiziellen“ Accounts entstehen? Hinweise auf weitere Accounts sind in den Kommentaren willkommen.
[Grafik: Matt Hamm]
Erste Meinungen zu Google Wave als Wissenschaftstool
SciFoo-Teilnehmer Martin Fenner hat in seinem Blog einen interessanten Beitrag zu Google Wave als Werkzeug in der Wissenschaftskommunikation, sowie Links zu Beiträgen anderer Wissenschaftler. Wir bleiben gespannt auf Wave und schreiben uns SciFoo 2010 schon einmal groß in den Terminkalender.
Forschungsverbund Interactive Science
Auch in einer digitalen Welt fühlt man sich als netzaffiner Wissenschaftler bisweilen wie mit Scheuklappen bestückt. So zum Beispiel heute morgen, als mir Christina Weyher, Projektmanagerin beim MPG-Publikationsportal Living Reviews, einen Hinweis auf den Forschungsverbund Interactive Science per Mail schickte. Die in den einzelnen Teilprojekten untersuchten Aspekte digitaler Kommunikation unter Wissenschaftlern haben klare Bezugspunkte zu Fragen, mit denen ich mich in der letzten Zeit auch ausgiebig beschäftigt habe. Vielleicht bietet sich ja in Zukunft einmal die Gelegenheit zu einem Gedankenaustausch, etwa am 24 Juni in Köln?
Die Universität Düsseldorf auf Twitter
Es geht zwar bei dieser Meldung streng genommen nicht um wissenschaftliche Kommunikation (also Kommunikation unter Wissenschaftlern), sondern eher um Wissenschaftskommunikation (Kommunikation zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit), und zudem handelt es sich noch um einen Beitrag in eigener Sache, aber ich denke, die Information ist dennoch einen kurzen Post wert: seit gestern Vormittag twittert die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, wenn auch nur strikt inoffiziell*.
Ich habe mir erlaubt, die bereits vorhandenen Feeds verschiedener Uni-Einrichtungen via Twitterfeed.com an einen neuen Twitter-Account zu hängen, damit man sich schnell und bequem einen Überblick darüber verschaffen kann, was an der HHU aktuell so alles geschieht. Leider können im Moment nur die Feeds der Pressestelle und des ZIM aggregiert werden, da die Fakultäten zwar Nachrichten anbieten, dies aber (noch) nicht im RSS- oder Atom-Format tun. Die Universitäts- und Landesbibliothek und die Juristische Fakultät besitzen zwar Newsfeeds, diese sind aber nicht mit Twitterfeed.com kompatibel (d.h. vermutlich nicht standardkonform). Trotzdem, ein Anfang ist gemacht – es können problemlos weitere Feeds ‘nachgerüstet’ werden.


Möglicherweise ist die HHU damit die erste Uni in Deutschland die twittert (ich habe allerdings nur sehr oberflächlich recherchiert), aber auch falls nicht und jenseits jeglichen Web 2.0-Hypes ergeben sich ganz praktische Vorteile aus dem gesamtuniversitären Gezwitscher:
- die zahlreichen atomisierten Nachrichtenkanäle der Uni (auf den Ebenen Rektorat, Fakultäten, zentrale Einrichtungen, Institute….) werden an einer Stelle zentral zusammengefasst,
- die Meldungen sind auch mobil auf jedem Twitter-fähigen Endgerät abrufbar und nicht mehr nur über die Website der jeweiligen Einrichtung zu erreichen,
- die Meldungen sind knapp und ‘überfliegbar’, wodurch man zeitsparend auf den aktuellsten Informationsstand gelangt und
- die Uni kann einen direkte(re)n Kontakt zu Mitarbeitern, Studenten, Journalisten usw. herstellen.
Und auch wenn dies nur meiner eigenen Informationsversorgung dient – was für CNN oder die Indiana University funktioniert, das kann auch für die Alma Mater der Bundesministerin für Bildung und Forschung kaum schlecht sein.
* Auf twitter.com/hhuduesseldorf werden ausschließlich offizielle Meldungen von Uni-Seiten automatisch zusammengefasst und wiedergegeben, allerdings ist der Account von mir auf eigene Initiative hin eingerichtet worden. Es handelt sich nicht um einen offiziellen Dienst der Pressestelle.


